Antidisch
Besser Schach spielen
Anmerkung:
Sei ermuntert, über diese lange Seite zu scrollen und an interessanten
Stellen zu verweilen (dieser Artikel wird bald - bis Mitte 2012 - gekürzt).
Was ist der
Dreh und Angelpunkt für ein besseres Schach?
Das
herauszufinden, ist der Schlüßel um besser Schach zu spielen. Denn
damit hat man einen Ansatz, auf den man immer wieder zurpckkommen kann,
um von dort das besser Schachspielen zu lernen.
Ich
finde, man kann die Quintessenz besseren Schachspielens etwa darin suchen,
vorausschauend mittels Erfahrung und angeeignetem Wissen die richtigen Wege zu finden.
Dabei kommt es auf die eigentliche
Kunst an, die verschiedenen Wege im einzelnen zu
bewerten.
Das bedingt auch Mut, eigene schlechte Positionen anzuerkennen, sie
kommen zu sehen, und sich damit auch sozusagen den dunklen Seiten des
Spiels zu widmen und nicht nur darauf auszusein, energisch und
kraftvoll zu agieren. Denn dem Gegner muss man entgegentreten, in der
Weise:
seine kommende Kraftentfaltung vorauszusehen und entsprechende Maßnahmen zu treffen, oder Überlegungen und Pläne anzupassen.
Das
ist der
eigentliche Dreh- und Angelpunkt: Die Bewertung. Man verschätzt sich
oft, kalkuliert falsch, wendet Intuition falsch an. Daraus muss man
lernen. Man beobachte sich, ob man wirklich objektiv ist im Urteil. Ich
zum Beispiel konnte einen enormen Sprung in der Spielstärke machen,
indem ich erkannte, dass ich oft den Fehler folgenderart begehe:
Ich schätze eine Stellung ab, die nach einem bestimmten Zug entstehen
wird. Finde daran nicht Optimales, oder genug Aussichtsreiches, und
wähle dann - ohne aber die Alternative richtig und eingehend zu
bewerten - beinahe blind einen anderen Weg, der nur vom Zufall und
Glück abhängt, bei gegebener Spielstärke des Gegners aber sich als
fatal erweist. Dies ist ein einfacher Disziplinierungsfehler. Weil man
nicht wirklich vergleicht sondern das Annehmbare ablehnt. Das
Annehmbare mag nicht zufrieden stellen in jeder Hinsicht, aber im
Vergleich mit anderen in einer Stellung möglichen Zügen ist es
besser. Manchmal akkumulieren sich die Fehler in der Berechnung von
Zügen, und man übersieht oft eine taktische Möglichkeit, mit der man
besser (oder schlechter) dasteht, als man zunächst glaubte. Auch das
kann dazu führen, dass man einen besseren Zug ablehnt, obwohl man ihn
sich anschaute.
Man
muss bereit sein, aus Fehlern zu lernen und sich einzuüben, einen
Blick für die Fehler zu bekommen. Oft gibt es eine schwierige Situation
im Spiel und genau da scheitern wir dann. Wenn man Partien (zB im
Internet gespielte) nachspielt, um bei gerade verlorenen Partien den
Fehler noch mal vor Augen geführt zu bekommen, kann das den nächsten
Fehler in solchen Positionen vermeiden helfen.
Man
braucht das gar
nicht gross analysieren, wenn man ein kleines Computerprogramm zur
Hilfe hat geht es schneller, um die zwingenden Züge in einer Stellung
zu finden.
Verborgene taktische Kombinationen in einer Stellung müssen das nicht
sein, aber man rechnet dann Antworten des Gegners mit dem Computer aus,
um alternative Züge in einer Stellung rasch prüfen zu können, die dann
anstelle des Fehlers treten können. Oder man guckt sich einfach an, was
der Computer an Inspiration liefert aber in 30-50% der Fälle ist der
Computer irgendwie nicht für unsere Spielstärke abgeschnitten und hat
vor allem in manchen Stellungen ein offenes oder offensives
Materialverständnis, will sagen der moderne Computer tauscht oftmals in
eigentlichen Opferverhältnissen Figuren ab, wobei natürlich die
Stellung ausschlaggebend für ihn ist und er etwas mehr auf dynamische
Entfaltung der Figuren eingestellt zu sein scheint (eine
Stellung mit Angriff und aktiven
Figuren ist dem Computer jedenfalls oft schon wichtig). Mit bloßem Auge
sieht der einigermaßen geübte noch nicht mal starke Spieler die
Möglichkeiten, die sich anbieten, und mit Hilfe des Computers kann man
dann rasch die möglichen Antworten des Gegners objektiv vor Augen
geführt bekommen, und damit die mögliche Stellung, die entstanden wäre
ohne den Fehler. So kann man Partien rasch prüfen, die man verloren hat.
Manchmal verwerfen wir beim Überlegen wir einen Zug, und verlieren. Nun kann man sich diese Stellung angucken um zu
sehen, ob der Zug nicht doch besser ist.
Manchmal
findet man, ist die
Stellung schon so, dass es schwer ist gute Züge zu finden. Und
mit dem Computer ergibt sich nur lange Szenarien, die am Ende nicht
klar sind. So dass es oft auch eine Frage des Geschicks der Spieler ist
(Fehler zu vermeiden).
Es
gibt typische Stellungen, typische Figurenstellungen, die
als schwach oder stark gelten und das lernt man kennen - man kann
bei manchen Stellungen es jedes Mal neu verifizieren und
prüfen, ob eine Schwäche auf
einer Seite des Brettes hinzunehmen ist, um an anderer Stelle große
Stärke zu entfalten.
Der Großmeister kennt
viel mehr Stellungstypiken und doch ist seine Bewertung allenfalls im
Detail genauer, aber nicht völlig anders, als die eines
Mittelklassespielers.
Zudem wächst mit der Spielstärke das
intuitive Spiel: bestimmte Stellungen bringen ein bestimmtes
Figurenspiel mit sich, und die Chancen der aktuellen Brettsituation
lässt sich nicht bis zum Ende durchrechnen, aber intuitiv erkennt man
seine Chancen bei einem bestimmten Schlüßelzug oder beim Anstreben
einer bestimmten Stellung, oder das Figurenspiel wird in seinen
taktischen Möglichkeiten besser durchschaut..
Aber Stellungsmerkmale beurteilen, ist praktisch das A und O.
Bestimmte Stellungstypiken auf Anhieb erkennen lernen
(Bauernformationen, Diagonalen, offene Linien usw.). Zum anderen werden
mit dem Zuwachs der Spielstärke auch die Haltung gegenüber den
Richtlinein fast schon intuitiv verstanden, das es gibt immer
Ausnahmen, zu denen man kommt, die aber im speziellen Fall gegen eine
Richtlinie verstossen.
Für den Anfänger oder Mittelklassespieler bildet es
motivierende Erfolgserlebnisse, eine kurze Zugabfolge und kommende Situation richtig eingeschätzt zu haben.
Dieses
Vermögen der Sicht
(Schachaufmerksamkeit) ist im Grunde die wichtigste Variable, um besser
Schach zu spielen. In erster Linie bedeutet dieses Vorhaben, das
taktische Auge zu schulen. Es bedeutet auch, die guten und schlechten
Züge zu unterscheiden. Fehler zu erkennen.
Es bedeutet , das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden zu lernen.
Der
(taktische) Blick , den man anstrebt zu vervollkommen, sollte immer die
naheliegendsten, also erheblichsten und eindeutigsten Vorteile suchen -
dazu gehört natürlich auch der unmittelbare Königsangriff. Der
Königsangriff ist nicht nur eines der Motive, es ist das Motiv , das
dem Schachspiel den grössten Reiz und die grösste Effektiv
verleiht.
Dabei gilt es immer, so schlagkräftig wie möglich die
Figuren aufzustellen, und nur die Zeit von wenigen Zügen macht einem
das schwer, und man wird oft mit zwei oder drei Schlüßelfiguren
allein den Königsangriff leisten. Deshalb kommt es nicht allein auf die
bloße Quantität und Qualität der Figuren an einem Ort an, sondern dass
Figuren an einem Ort bestimmte Hebelwirkungen, Öffnungen oder
sonstige
taktische Einschläge auf den gegnerischen
Königsstandort erlauben. Nehmen wir an, beide Seiten hätten kurz
rochiert. In bestimmten Situationen ist zum Beispiel der Punkt h7
verwundbarer als der Punkt f7. Analog dazu f2 und h2 auf der weissen
Seite. Wie schwach bestimmte Felder sind, kommt ganz drauf an,
wie die eigenen und gegnerischen Figuren stehen. Deswegen kann ein Null
Acht Fünfzehn Rezept nicht gut funktionieren, dass man also in
derselben Wesie jedes Mal einen Königsangriff machen will. Man muss die
Situation ausloten, um zu schauen, was geht. Und was naheliegt.
Nicht immer ist so ein Angriff von Erfolg, und man muss dann etwas in
der Hinterhand wissejn, so etwa, dass die eigene Position nicht schon
verloren ist. Zum Beispiel kann ein vorgerückter Bauer immer eine Menge
Druck machen aber hat den Nachteil, dass man ihn meistens schwerer
decken kann. Wenn man es geschickt anstellt, wird der vorgerückte Bauer
einfach hingenommen, und zum Status Quo erklärt, so dass er sich halten
kann. Ohne dass dabei die eigenen Figuren zu sehr von den
Deckungsaufgaben an diesen Bauern gebunden werden. Das kann manchmal
passieren und stellt einen kleinen Gau dar. Denn dann fehlen diesen
Figuren die Beweglichkeit - man kann dann versuchen, den Bauern
in letzter Konsequenz dynamisch zu verwenden, indem man in vielen
Fällen einen Abtausch erzwingen kann: ob des Bauern selbst, oder dass
der Bauer eine Figur wiedernehmen kann (Beispiel: weisser Bauer steht
auf f5, ein weisser Springer zieht nach e6 und ist durch f5 gedeckt.
Wenn man den Gegner zwingt, auf e6 abzutauschen kann der Bauer f5 nach
e6 schlagen und das ist vor allem dann günstig, wenn der Bauer f5 zB
nicht so gut zu decken ist wie ein Bauer auf der e-Linie, zum Beispiel
weil man auf der d-Linie noch einen Bauern hat, den man zur Deckung von
einem bauern auf e6 verwenden kann).
Der Gegner mag in
seinem Königsangriff nicht so erfolgreich sein wie wir, und wir
behalten die Oberhand im Duell wenn wir richtig verteidigen und richtig
angreifen. Richtig heisst in dem Sinne nur, dass wir gegenüber der
einzigartigen Situation angemessen agierten ( dass
meist einer der Parteien, für uns am besten der Gegner, irgendwann
einen Fehler macht gehört zum Spiel; darum spielt es auch eine grosse
Rolle, Disziplin und Ausgeglichenheit anzustreben. Die Ausgeglichenheit
der Psyche überträgt sich übrigens auf das Denken und es ist also
auch wichtig, neben der mentalen auch die psychische Klarheit
sprich Ausgeglichenheit anzustreben ).
Die grösste Motivator für
das Schachspielen ist ist Lust am Spiel und am Schach. Wenn die
Erkenntnisse möglich werden, entsteht automatisch auch ein Lusteffekt.
Wenn man wirklich auf dem richtigen Weg ist, entdeckt man auch als
Anfänger ganze Universen. Natürlich in erster Linie zuerst immer die
Fehler. Und man sollte als Anfänger die Richtlinien mit den gemachten
Fehlern vergleichen und untersuchen, ob die Richtlinien nicht
vielleicht doch besser zum Verinnerlichen sind, und man eigentlich
sowieso nur ein begrenztes Maß an Phantasie zur Anwendung bringen kann.
Vieles müssen wir in jedem Zug nur noch vorfinden, und die Phantasie
entscheidet sich an wichtigen Schlüßelpunkten, aber nicht in
jedem Fall und jedem Zug. Denn dann werden wir von der Realität
eingeholt. Die grösste Phantasie im Schach ist die Einbildung, dass man
einen Fehler macht den man für den grössten Clou, für den genialen
Ausdruck seines Wissens oder der Einsichtsfähigkeit hält, der doch nur
den Mut widerspiegelt, sich auf Neuland einzulassen. Ja, für den
Anfänger geht es ganz besonders darum, zu erkennen, dass der einzige
Beweis auf dem Brett stattfindet und nicht in den tollen Ideen. Diese
Demut oder Bescheidenheit vor dem Spiel wäre aber falsch, wenn
man keine Lust zum Schach gewinnt. Man findet ein Universum in jedem
Fall, wenn man richtig hinguckt, das heisst, die Gesetze des Spiels mit
eigenen Augen erkennt. Und die Lust entsteht von selbst, man muss dem
nichts hinzutun. Der Lerneffekt wird größer, wenn man beginnt
zu überlegen, was man eigentlich am meisten braucht, woran es am
meisten mangelt. Und das sind beim Anfänger natürlich erst mal die
Richtlinien, und dann meist Konzepte, Ideen.
Übrigens: Eröffnungswissen sollte man mit Vertrautheit auf einem Terrain beschreiben, nicht als Variantenwissen.
Das
Ziel, das am Anfang eingenommen werden sollte, wäre dabei unbedingt ,
dass man selbst immer mehr versteht, die Lust am Schachspiel zu
gewinnen, weil man das Spiel versteht. Am Anfang stehen die Richtlinien, und
am Ende versteht man das Schachspiel in seinen Urgesetzen gut genug, um
zu wissen, dass zB eine mit Türmen besetzte offene Linie einen großen
Vorteil bedeutet. Usw.. Wenn man das Schachspiel versteht und sich
nicht zu lange mit besonderen Eröffnungen auseinandersetzt,
sondern allenfalls die daraus entstehenden Situationen kennen lernt,
dann fällt einem immer irgendetwas ein, was man in einer Stellung
spielen kann.
Man hat zudem Geduld gelernt, und vertraut darauf,
dass jetzt vielleicht kein zwingender Zug gefunden werden kann, aber
der Gegner ja auch noch ziehen muss, und sich dann eine Gelegenheit
immer mehr ergeben kann.
Insgesamt findet man, dass man um
besseres Schach zu spielen eigentlich nur eines braucht: Den
unbedingten Willen, besser spielen zu wollen. Den Gegner besiegen zu
wollen. Es geht nicht um das Besiegen, sondern das Siegen. Dieser
Antrieb sorgt in jedem Sport für Höchstleistungen und ist natürlicher
Ausdruck unserer Vitalkräfte.
Dann kommt natürlich hinzu,
Fehlerquellen immer mehr abzustellen. Das kann bedeuten, einfach solide
und fehlerlos spielen zu wollen, und dann auch immer mehr zu Ideen zu
kommen, zu Motiven. Dann gibt es nämlich Fehler, die auf Unwissen
beruhen und daher leicht zu beheben sind, wenn man zum Wissen kommt (zB
in Form von Lehr-Büchern) . Zum Beispiel
machen in der Eröffnung gerade Anfänger typische Fehler, die auf
falschen Bewertungen beruhen, weil die Richtlinien fehlen.
Zum Beispiel
können solche wichtigen Richtlinien sein, dass man die Figuren
möglichst so aufstellt, dass sie sich einander
unterstützen, und nicht behindern, dass man dieselbe Figur am Anfang
der Partie generell nicht zwei mal zieht, und als Grundkonzept der
Eröffnung
dass man das Zentrum besetzt (wenn man das Zentrum nicht sofort
besetzt, dass man darauf hinarbeitet, es später umso nachhaltiger zu
besetzen, bzw. anzugreifen).
Es
gibt das äusserst Wissen um Motive, - ein Motiv kann zB sein, dass man
dem Gegner einen schwachen Punkt in dessen Königsnähe schafft, oder
einen Vorposten (Figur im feindlichen Lager, die mit Bauern nicht
vertrieben werden kann). Ein Motiv ist, eine offene Linie zu schaffen,
eine Fesselung zu bewirken, oder Materialgewinn durch taktische
Kombination, Springergabel oder sogar Abzugsschach. Wenn man es
genau nimmt, alles, was einen Kampf bedeutet, weil dessen
Eroberung oder Ausnutzung verheerende Konsequenzen hätte. Somit ergeben
sich Kampfschauplätze, weil mit den Motiven sind immer Orte verbunden
und an diesen Orten richten sich Figuren aus.
Eine Richtlinie für
ein erfolgreiches Schach ist es, den Kampf zum Mittelpunkt des
Geschehens und Denkens machen, weshalb einige Spieler sogar immer mit
E4 beginnen, weil dies mehr offene Spielsituationen schafft, in denen
mehr Taktik möglich ist und Gefahr zu begegnen ist. Ob man nun mit E4
beginnen will, ist m.E. Geschmackssache, der aktive Spielstil
jedenfalls sollte Grundverständnis sein. Denn man muss schon danach
schauen, den Gegner anzugreifen, Figuren zu erobern oder Matt zu
setzen, weil er das sonst mit einem selbst tut. Die Erfahrung der
Großmeister auf hohem Niveau zeigt, dass aktives Spiel die meiste
Konsequenz erlaubt und das eigentliche Spielziel erreichen lässt (Matt
des Gegners).
Freilich,
es gibt fast immer Möglichkeiten der Zugwahl, wo man kurz angreift -
aber dann nicht weiter weiss, wo der Angriff anders gesagt eine
Sackgasse war
Man muss immer mehr lernen, zu dem Punkt in
der Vorstellung und Analyse zu kommen, wo sich eine Position nach allem
Abtauschen oder nach Auflösung der Spannung ergibt. Eine Position, die
man will, die man in Kauf nehmen will, oder man wartet , oder
zwingt den Gegner einen ungünstigen Abtausch auf.
Damit man
diese entstehende Stellung entweder vermeidet, darauf Einfluss nimmt
bevor sie sich ergibt, oder sofort den Abtausch sucht um die Position
zu klären bzw. festzulegen.
Dennoch können diese Richtlinien niemals
pauschal sein und der Spieler muss eine Situation mutig und
eigenverantwortlich jedes Mal neu einschätzen. Manchmal geht es darum,
einfach genau hinzusehen und die Vorurteile abzulegen. So dass man
immer genauer wird, in seinen Urteilen.
Ich
finde, es ist auch immer wieder eine persönliche Herangehensweise
und Betrachtungsweise gefragt, zu der man nur selbst kommen kann.
Dazu gehört auch, dass man einfach vom Grundtypus her mehr strategisch
spielen will, und deshalb mit D4 eröffnet, oder mehr taktisch spielen
will, und mehr E4 und Königsangriffe spielt. Ich finde beide Spielstile
sollten gepflegt werden und die Stärke und Vorliebe ausgebaut werden.
Aber das wären nur Details.
Im Grossen und Ganzen
sind wir
das Schach, indem wir es und während wir es spielen - zumindest
sind wir Werkzeuge des Schachs, indem wir Überlegungen und logische
Abfolgen uns vor Augen führen, in der Vorstellung und auf dem Brett.
Irgendein lebendiger Bezug zum Schach kann helfen. Zum Beispiel habe
ich oft vor Augen, jenes Gleichnis, dass man im Schach die grundlegende
Anordnung irdischen Geschehens analog erkennen kann. Zwei Kräfte und
eine jede von ihnen kann zu einem Zeitpunkt zusammen kommen, und
gegeneinander oder miteinander wirken. So wie das Leben, als eine
Kraft, die auf die Welt trifft, als andere Kraft. Man kann mit einer
Kraft nur so umgehen, wie es Regeln vorsehen, aber mit dem verfügbaren
Mitteln geht es immer darum, eine Kraft in ihrer optimalen Wirkung zu
kennen. Im Schach um diese Kraft hervorzurufen.
Ich finde diese Bilder
nicht einfach nur interessant, sondern es ist, als würde man im
Schach ein Geheimnis über Kräfte und Gesetze studieren. Diese Bild geht unzählige Male bei verschiedenen Situationen auf.
Es
gibt da so ein paar Dinge, die man beim konkreten Spielen immer vor
Augen hat. Das sind zB die eigentlichen Kampfsituationen, wo sich etwas
entscheiden kann, oder überhaupt wo ein Tummelplatz für Figuren ist. Es
dreht sich um Felder, Linien und Diagonalen. Man kann diesen
Brettabschnitt "Kampfschauplatz" nennen. Wo ein Kampf stattfindet,
meist mit mehreren Figuren des Gegners und der eigenen Farbe.
Es ist für jeden Spieler egal welcher Stufe sehr
wichtig für das Lernen, diverse Stellungsmerkmale zu
kennen, die wichtigsten Motive zu kennen.
Es
lohnt sehr, aus dem Antiquariat Lasker, Euwe, Capablanca, Kotov oder
andere Schachlehrbücher zu besorgen (Lehrbücher, die sich NICHT
ausschließlich den Eröffnungen widmen)... oder im Internet nach
besseren Schachseiten zu suchen, die irgendwie die Stellungsmerkmale
erklären. In vielen Büchern
werden sehr kompakt typische
Motive oder Strategien beschrieben. Bei der Analyse oder dem
Nachspielen kann man sich eine besondere Schnelligkeit
aneignen, ohne dass dabei zu viel aus dem Blick gerät. Man muss
nicht jedes Mal stur eine ganze Partie zuende spielen, wenn man
eigentlich nur Eröffnungen und Mittelspiel studieren will.
Am besten zum Nachspielen ist irgendeine Computermöglichkeit dazu, zB via Chessbase Light.
Man sollte
sich trainieren, Stellungsmerkmale und gewichtige
Brandungszonen (Kampfschauplätze) einer Stellung
auf Anhieb zu erkennen. Damit man sich bei der Zugwahl immer auf
die naheliegendsten Möglichkeiten und Notwendigkeiten konzentriert. Leicht
kann so ein solides Spielen zu passivem Spiel führen. Man muss
also andererseits immer wieder etwas zu wagen versuchen,
aktiv spielen wollen, das heisst die Spielweise des angreifens ebenso
einüben. Einen Kampf entfesseln, schwache Punkte angreifen, ja bis zum
Bauernopfer (desto schwächer der Spieler, je weniger sollte er
allerdings an Bauernopfer denken). Bei aggressiven Spiel lernt man
eigene schwache Punkte im Stellenwert und Priorität hinter die
schwachen Punkte des Gegners zu stellen, das heisst man nimmt
Komplikationen in Kauf an anderen Brettabschnitten, um den Gegner zum
Beispiel mit einem Mattangriff zu kommen oder so einen zu drohen, was
den Gegner an einer empfindlicheren Stelle unter Druck setzt..
Auch wenn man die Motive nicht
sofort versteht (zB wie man Bauern-mehrheiten auf einem Flügel
ausnutzt), wird man sie mit der Zeit immer besser verstehen und
anwenden können.
Pläne! Was
sind denn Pläne? Am einfachsten wäre es wohl, sie als das zu
beschreiben, was sie sind: Man greift entweder an einem Flügel an, im
Zentrum an, oder man bringt Bauern zum Vormarsch, kämpft um Vorteile
usw.. Es sind sehr konkrete Dinge. Sie ergeben sich nicht nur in der
Stellung, sondern stehen in der Erfahrung zur Verfügung. Allgemeine
aber oft wiederkehrende Motive, die einen Vorteil zum Ziel haben.
Doch vorher weiss man noch nicht, wie man die Idee genau umsetzen wird. Die Herausforderung besteht darin, dass man sie
umsetzen
muss angesichts immer neuer Stellungen. Aus vagen Ideen ,
Motiven, und Möglichkeiten werden dann konkrete Vorhaben, die man
umsetzt, sobald man genug Erfahrung in den verschiedenen Stellungsarten
hat. Das ist nicht nur eine Frage des Eröffnungswissens. Da die
Stellungsarten allgemeiner Natur sind. Aber es ist hilfreich sich
auf Eröffnungen zu konzentrieren, die einen liegen. Man sollte
berücksichtigen, dass eine Niederlagenquote von etwa 50% normal ist, je
nach Stärke des Gegners. Also gilt es nicht gleich die Eröffnung zu
verdammen, wenn man ein paar Partien verliert. Ab und zu gibt es aber
Eröffnungen, die nur mit Hartnäckigkeit des Willens immer wieder erneut
angestrebt werden, aber keinen Vorteil bringen.
In jeder Eröffnung
gibt es typische Pläne, um die es gehen kann. Die Stellung bringt diese
enge Spanne mit sich. Das heisst nicht, dass nicht auch andere
Möglichkeiten bestehen, aber üblicherweise ist es am einfachsten das
Naheliegendste zu wählen. Dafür muss man manchmal ein paar Winkelzüge
oder Eröffnungsweisen für eine bestimmte Eröffnung kennen, um die
Figuren entsprechend aufzustellen, damit man annehmbare Positionen
erhält. Das Verfeinern der Eröffnungsweise würde einem eine hohe
Fehlerquote nehmen. Man sollte wohl die Eröffnungen wählen, wo man sich
am ehesten zurecht findet und die einem vom Positionsgefühl liegen.
Analyse! Für
Fortgeschrittene kann hin und wieder eine Analyse bzw. eine Reihe
von durchgespielten Partien nacheinander (in rascher Folge) sehr
wertvoll sein (Partien von Großmeister). Man richtet den Blick dann
einfach auf eine Thematik, zB das Zentrum: wie wird damit umgegangen,
wie wirkt sich das Zentrum auf die Position aus, wie kann man Angriffe
mittels des Zentrum formieren. Oder man schaut je nach Umstand, lässt
sich inspirieren, was sich ergibt. Vorraussetzung ist, dass man der
verfolgten Partie etwas abgewinnen kann. Erst die Eröffnung: Die
Figuren werden entwickelt, das ist immer in Stellung gebracht. Dann das
Mittelspiel: Typische Kampfschauplätze werden geschaffen, zum Beispiel
das Zentrum. Figuren werden verschoben um die Position oder / und
Angriff zu verbessern. Das Endspiel: Eine Phase, in der zunehmend das
reine Figurenspiel entscheidend wird, manche sprechen dabei von
Technik. Ein Bauernendspiel ist zum Beispiel in verschiedenen Formen
möglich und wenn man seinen eigenen König vor dem eigenen Freibauern
hat und der Gegner läuft hinterher, und kann die Grundreihe nicht
schützen, kann man im Endspiel die Technik auskosten auf dem Weg zum
Gewinn. Aber komplizierte Endspiele stellen uns vor eine
Herausforderung, wo wir diverse typische Manöver kennen lernen und
diverse Taktiken anwenden können, um zum Beispiel einen Springer zu
opfern um einen Freibauern durchzubringen. Die Herausforderung ist
aber, dass es zum Beispiel Turmendspiele gibt, oder Endspiele, die so
sehr auf Technik gründen, dass eine Stellung ein Remis unter
Großmeistern ergäbe, und in Spielstärken weit darunter immer noch ein
heftiger Kampf, einfach weil mehr "technische Fehler" begangen werden.
Die Großmeister zeigen uns in der Regel immer eine ausgefeilte und
korrekte Technik. Sie geben früh auf, weil sie die zwingenden Züge
erkennen, und auch geben sie sich mit Remisen zufrieden, weil sie die
Gewinnchancen einer Stellung einschätzen und wenn sie bei nur
ausreichenden Gegenspiel des Gegners sehen, dass nichts zu machen ist,
dann ist die Position remis. Andere Spieler würden zum Beispiel viele
typische Stellungen des Russischen noch zuende spielen, wo die
Großmeister nach 20 Zügen und abgetauschten Figuren remis sagen.
Besonders
Anfänger aber auch Fortgeschrittene profitieren, wenn sie
hauptsächlich ihre eigenen Partien analysieren. Besonders die
verlorenen. Man wird in den Stellungen Probleme finden, und eigene Lösungswege, die man gegangen ist.
Und
nun stellt man fest, dass einer dieser Wege nicht funktioniert hat
(weshalb man verlor). Oft spürt man bereits in der Partie, als man den
Zug ausführte, dass er schlecht war. Von solchen Zügen kann man viel
lernen, weil es sind nämlich oft typische, wiederkehrende
Stellungsarten, in denen wir nicht weiter wissen.
Kennt man die typische Stellung, und sucht in der
Analyse nach besseren Möglichkeiten, lässt vielleicht mal einfach ein
Computerprogramm laufen und einen Zug finden, wächst die Erfahrung mit
dieser Stellung in ausserordentlichen Maße.
Erst dass man versteht, was
man sonst noch tun kann ausser dem verlustbringenden Zügen oder
Plänen, macht den Erfahrungsgewinn der gespielten Partie auch komplett.
Oft
stehen bei der Partie die eigenen Urteile
im Raum und man kann diese prüfen - man lernt dann mit der
Analyse seine Urteile zu
verfeinern und manchmal auch grobe Fehler oder Vorurteile mit der Zeit
auszumerzen. Sehr oft geht es um typische Methoden. So zum
Beispiel wie man im Endspiel mit dem Turm zwei Bauern aufhält, damit
sie nicht weiter vorrücken können. Dafür gibt es einen speziellen
Platz, an den der Turm muss. Oder wie man mit Springer und Läufer den
gegnerischen König Matt setzen kann. Wissen um Methoden oder über
das Figurenspiel können einen auch in sonstigen Stellungen des
Mittelspiels weiterhelfen. Alles was man in Erfahrung bringen kann,
wird die Aufmerksamkeit für eine gegebene Position erweitern. Aber bis
zu einem bestimmten Punkt, ab dem man nicht mehr ausserordentlich
stärker wird ohne noch tiefgründigere Arbeit, muss man einfach die
groben Fehler abstellen.
Ich
bin sicher, die meisten Anfänger, die weiter kommen wollen, tun
sich mit ihren eigenen Unzulänglichkeiten (Fehlerquote) viel schwerer
als mit Unkenntnis der Motive. Denn die Motive sind leicht zu finden.
Aber da kommen immer wieder Momente, wo man lange gut spielte und dann macht man einen falschen Zug.
Viele
Urteile sind ungenau und auf falscher Berechnung gegründet oder
weil man etwas "vergessen" hat, also nicht richtig hingeschauen
hat.
Man sollte sich unbedingt ansehen, wie man einen Zug
auswählt, mit welchen Denkschritten, und welche psychologischen
Stimmungen oder Ablenkungen es gibt. Gerade die Psychologie der
Unterschätzung spielt manchmal eine grosse Rolle. Man hat zB eine gute
Position, der Gegner Material weniger und dann beginnt man
zu schlampen, und plötzlich hat der Gegner wieder Überwasser, und nicht
nur, weil er besser spielte, sondern wir mit dem eigenen Vorteil
glaubten, wir könnten uns ausruhen.
Ich kann zwar durch Studium
von Großmeisterpartien
gelegentlich neues Wissen aneignen, oder bestehendes vertiefen,
aber wirklich weiter komme ich nur, wenn ich in der Praxis einen Stil
finde, der die vielen Fehler und Unzulänglichkeiten vermeidet. Ich habe
gefunden, dass ich aber diesen "saubereren" Stil nur finde, wenn
Spielfreude gegeben ist. Diese Spiellust ergibt sich durch Verständnis
des Schachs,
also das ich nachvollziehen kann, was ich als Stellung oder Situation
vor das Auge bekomme. Es geht dabei nicht um die Tiefe einer Stellung,
sondern dass man überhaupt etwas erkennt, und Gesetzmässigkeit ebenso
wie Folgerichtigkeit beobachten kann. Man sieht eine Stellung und kann
etwas damit anfangen, man versteht die Situation, wenngleich man nicht
immer den besten Zug finden kann.
Es
wird Leichtigkeit gesucht und diese zur Basis gemacht, aber es ist und
bleibt immer eine Gratwanderung, da man auf Dauer mit einfachster
Leichtigkeit nicht weiterkommt, auch nicht in der Spielfreude. Irgendwo
muss es ein Spannungselement geben, vor allem, weil das Schach im Wesen
so wechselhaft ist und man mit einem rigiden Konzept nicht weiter
kommt.
Dieses Spannungsmoment findet sich jederzeit leicht,
auf verschiedene Wege und es gibt viele Wege, die Spannung und auch die
Leichtigkeit zu finden und zu integrieren.
Man hat eine gute
Ausgangsbasis, wenn man also so umfassend eingestellt ist, d.h. mehrere
elementare Punkte im Auge behält, die nicht allein mit Wissen zu tun
haben, wenn man sich und sein Spiel immer wieder beobachtet, und jede
Partie als eigenständige Geschichte oder sogar Minikunstwerk begreift
und vor Augen hat.
Jede Spielstärke wohl braucht
einen unterschiedlichen Schwerpunkt.
Doch ist allein Spielern
gemein,
dass dieselben Grundlagen wichtig bleiben.
Ich finde, der Dreh- und
Angelpunkt mündet bei jedem Menschen in dem
Blick für die entscheidende
Kraft, die im Schach wirkt. Oder in einer Position... - es geht wirklich um Kraft, Energie, Wirkung. Ich
finde das eine wichtige Anschauungsweise, die mir persönlich einen
konkreten Ansatz bietet, aus einer Stellung schlau zu werden: Nämlich
das Geschehen als Ausdruck von einem Zusammenhang von Kräften zu
verstehen. Wesentlich ist dabei, dass man immer eine Zeiteinheit (in
Form des Zuges) zur Verfügung hat, die Kräfte zu arrangieren. Diese
Gebundenheit an Zeit, dass man viele Vorbereitungen treffen muss, und
Zeit auch ausnutzen kann, weil man zB den Gegner zum Reagieren
veranlässt, ist eine wichtige Komponente, aber nicht die wichtigste. Am
wichtigsten sind einfach die Figuren, und deren Wirken, und das drückt
sich in Form von Kraft aus.
Man muss übrigens nicht den Besten Zug
suchen, der objektiv in Frage kommt, sondern den besten Zug, der für
die eigene Spielweise und Spielstärke entscheidend wird.
Die
Erfahrung verdichtet sich mit jeder Partie weiter .
Man kann ausgehend von einfachen Strukturen , die man als Anfänger
kennen lernen muss, zu den Besonderheiten kommen, den feinen
Nuancen und Details. Es zeigt sich, das grundlegende Problem ist, dass
man die Besonderheiten in ein paar
Zügen voraus richtig einschätzen können muss - wenigstens was
Grundstrukturen angeht.
Um dieses Problem der reinen Berechnung
oder Schau, zu verkleinern, hilft Schulung in der Disziplin und
Übersicht (also im mentalen
Bereich der Zugwahl, wo unweigerlich die Schachaufmerksamkeit
stattfindet).
Für
die Zugwahl nützlich und ebenso für das Planen oder um den roten Faden
zu finden, ist ein Denken, das um den wesentlichen Brennpunkt der
Stellung kreist. Dass man immer konkret werden kann, weil man das
Offensichtliche der Stellung sieht. Wenn es einen solchen Brennpunkt
nicht gibt, überlege man einfach, wie er sich aus der Stellung
zukünftig ergeben könnte. Das Strategische ist natürlich eine Kunst.
Aber im wesentlichen ein Prozess des Denkens, der sich nicht besonders
von anderen guten Schachspielern unterscheidet.
Im Wesentlichen besteht die erfolgreich angewendete Haltung beim
Schachspielen darin, dass man ein Konzept hat, welches einen anleitet. Es ist ein Schauen, ein
Befolgen von Techniken, die sich in den vorherigen Schlachten bewährt haben.
Es gibt viele
Richtlinien, und diese muss man alle als
Werkzeug
verstehen, über das man Entscheidungsgewalt hat. Keine Richtlinie soll
dogmatisch werden. Das Schachspiel ist gebunden an eine
eigenverantwortliche Beurteilung.
Jeder Zug kann der
letzte Zug sein, weil man einen Fehler macht. Aber diese
Fehlerlosigkeit ist ja nur ein Grundanliegen, und unendliche Perfektion
gibt es nicht - irgendwo hört die persönlich mögliche Genauigkeit auf.
Wesentlicher
als die Fehler zu vermeiden ist es, gute
Züge zu machen. Dafür gibt es keine Anleitung, aber ein Geheimnis: Man
suche eine effektive Spielanordnung, also eine annehmbare Stellung, die
zB auch das Zentrum beachtet, man verliere keine Zeit mit passiven
Zügen, suche stets nach Dynamik und man lerne einen Bauern
vorübergehend aufzugeben, um grösseren Vorteil anzustreben (es ist ein
Gefühl für die Stellung nötig, wann man solche Opfer tun kann), man
behalte Möglichkeiten der Verteidigung und Stabilisierung aber
im Hinterkopf. Es ist irgendwie ein Ganzes, das man beim "Schachdenken"
anwenden muss.
Die
Spielanordnung ist das, was man mit den
Figuren anstellt, wie man sie auf Felder setzt . Wenn man diese
Grundlage versteht, kann man in jeder Stellung ein Universum entdecken
und einen ganzen Roman darüber schreiben. Diese Anordnung, das
Arrangement, das man mit den Kräften trifft, sollte eine starke Wirkung
auf bestimmte Punkte ergeben. Welche Punkte das sind, iost egal, sie
werden vermutlich in des gegnerischen Lagers liegen.
Oft kann man Züge nur in wenigen Zügen
voraus rechnen, und es ist das Geheimnis, dass man hinsichtlich der
langfristigen Pläne Intuition
anwendet, um bestimmte typische Stellungsmerkmale, die sich mit den
Figuren ergeben, einzuschätzen. Das kann zB bedeuten, dass man einen
Springer im Zweifelsfall besser ins Zentrum als an den Rand
stellt, und wenn er nicht im Zentrum stehen kann, dann besser irgendwo
anders, Hauptsache nicht am Rand. Aber es kann auch bedeuten, dass alle
diese Richtlinien eine Ausnahme erfahren und ein Springerzug an den
Brettrand den Erfolg bringt. Denn das Schach ist zu vielfältig,
als dass man unveränderliche Richtlinien anwenden könnte
Meist
sind es die entscheidenden Schwächen, dass man eben seine Figuren nicht
optimal aufgestellt hat. Eine optimale Aufstellung bedeutet, dass man
die Kraft der Figuren dadurch erhöht, dass sie möglichst VIELE FELDER
beherrschen. Das ist eine ultimative Richtlinie, die vielleicht als
eine der wenigen immer wahr sein wird: dass man mehr Erfolg
bekommt, wenn man die eigenen Figuren stark macht (und wenn möglich die
des Gegner schwächt).
Man muss anstreben, das Denken so
anzuwenden,
dass man mit wenig Mühe die wesentlichen Merkmale einer Stellung
erkennen kann. Mit dieser eingeübten Schachdenke, ergibt sich auch
leichter das komppliziertere Vorausrechnen, dass man manchen
Schlüßelzug entdeckt. Es kommt oft darauf an, wie es dann später
aussieht. Das ist eigentlich immer nötig, im Auge zu behalten.
Umso
stärker man
wird, desto eher wird man die zweischneidigen Züge untersuchen wollen.
Bis dahin sollte man möglichst klare Vorteile erst mal umsetzen lernen
und im weiteren Verlauf durch kleine Vorteile gewinnen können.
Bei diesem Prozedere der Zugwahl gerade in komplizierten Situationen geht häufig etwas schief.
Es
hilft in vielen Situationen und Zugwahlnöten das grundlegende
Verständnis von Stellungsmerkmalen - man kann in Blitzpartien oft
schätzen und von Schätzungen sprechen, die im Großteil aber zutreffend
sein können.
Auch in Partien mit längerer Bedenkzeit kann man auch
mal etwas ein-schätzen, und so schnell zu bestimmten Zügen kommen, die
einfach auf der Hand liegen, ohne dass man sich alles genau angesehen
hätte. Insofern man die Ergebnisse beurteilt und diese "Schnellmethode
des Zugwählens" verfeinert, wird man auch effizienter im gesamten
Denken. Weil man trimmt sich darauf, das Naheliegende auszuwählen.
Die
nächste Hürde ist vielleicht, dass man eigentlich keinen Plan weiss.
Man sieht eine Stellung und steht auf dem Schlauch. Was nun? Und dann
entdeckt man, dass man sich ja zu einer Entscheidung durchringen
wollte, und dass der eingeschlagene Weg nicht erfolgreich war. Und dann
glaubt man, es liege vielleicht an etwas anderem, aber tatsächlich
liegt es oft daran, dass man einfach keinen Plan hat.
Welche Idee?
Ich glaube, massgeblich kommen hier immer einige Grundprinzipien zum
Vorschein, die darüber Auskunft geben, ob eine Stellung besser oder
schlechter ist.
So zum Beispiel, dass intakte Bauernstrukturen
wichtig sind, aber gleichzeitig gibt es ein anderes Prinzip, dass man
nicht rigoros eine Regel anwenden kann. In manchen Stellungen kann es
vorteilhaft sein, einen Doppelbauern hinzunehmen und in anderen nicht.
Man kann sowieso nie den Nachteil in einer Stellung vermeiden, der sich
mit einem Vorteil ergeben mag. Zweifellos gibt es grosse und eindeutige
Vorteile oder Nachteile einer Stellung, und nicht immer muss ein sonst
gültiges Prinzip zur Anwendung kommen. Das ist eben die Kunst, dass man
in jedem Augenblick auf der Höhe ist und dem Spiel an sich etwas
abgewinnen kann.
Und dann sind da die Züge, die Zugwahl, wo
man sich etwas einfallen lassen muss. Es kommt auf die Stellung an und
die Stellung ergibt sich immer durch die Figuren. Und man muss jedes
Mal neu hinschauen und setzt ein Bewertungsschema ein. Dieses Schema
muss man sich betrachten, es enthält unsere Fragen und Erwartungen und
es spiegelt sich dann die Zugwahl mit den Fragen und Erwartungen,
das was wir suchen. Man braucht Ideen.
Es kommt also auf die
Figuren an. Wie sie stehen und wirken. Die Ideen verbinden sich damit,
deren Wirkungsgrad potentiell zu erhöhen. Es gibt besondere Felder. Und
das Zentrum. Objektiv ist das Zentrum am wichtigsten.
Man sieht,
so kann man auf grundlegende Konzepte kommen und es ist immer derselbe
Vorgang, genau hinzuschauen und Erfahrungswerte auszubauen.
Ein
schlechter Plan sei besser als ein guter, was stimmt, weil man
wenigstens irgendeinen Plan hatte (und so seine Erfahrung und
Bewusstheit über diesen Plan schult). Aber ein schlechter Plan ist und
bleibt schlecht, man muss ihn als solchen erkennen. Zum Beispiel kann
es schlecht sein, den Abtausch so zuzulassen, dass man einen
Doppelbauern erhält. Man kann ihn zulassen, wenn er wenigstens einen
benachbarten Bauern hat, und vor allem, wenn der Gegner dafür einen
Läufer hergibt.
In jedem Fall muss man darauf Acht geben, wie sich
das Spiel entwickelt, denn wenn der Doppelbauer durch bereits
anklingende Diagonalen und offene Linien leichte Beute werden kann,
sollte man ihn vielleicht besser grundsätzlich (in dieser Stellung)
vermeiden.
Der
Zugwahlprozess ist das Wichtigste im ganzen Schachspiel. Er findet
statt in einem mentalen Umfeld, und bezieht sich auf einen konkreten
Moment (die Stellung). Man braucht Ideen. Ein Konzept. Man kann in der
Eröffnung danach trachten, einen guten Weg zu finden, die Figuren
herauszubringen. Irgendwann werden Prinzipien ungültig und man muss
konkret werden, aber wenn man Ideen sucht, kann man die einfachsten
Dinge heranziehen. Also eine handvoll Grundlagen, die leicht kennen
zu lernen sind.
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Hier nun der Artikel in seiner ursprünglichen Form (ganze Webseite):
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Der
Augenblick
ist entscheidend. In diesem geschieht etwas, ereignet sich etwas, Kräfte wirken und blockieren sich - und
das Schachspiel fordert uns auf, die verschiedenen Stellungsmerkmale in ihrer Typik zu erkennen,
und das Wirken der Figuren in diesen Strukturen zu erkennen.
Es
lohnt, das Auge in wiederkehrende Muster zu schulen, und in
solchen Zügen zu schulen, die eine Stellung merklich verändert haben.
Wichtig ist dabei, die zugrundeliegenden neuen Stellungsmerkmale
zu beachten, und zu erkennen. Und sie dann vorab bereits kommen zu
sehen und entsprechend eingestellt zu sein, dass man sie auch vermeiden kann, wenn sie unerwünscht sind.
Man
wird irgendwann sehen oder bereits gemerkt haben, dass Bauernzüge oft
besondere Mittel darstellen, um eine
Stellung so zu verändern, dass mehr taktische Möglichkeiten entstehen.
Nicht immer muss es sich dabei um ein Opfer von Bauern handeln.
Das bedeutet übrigens, dass man seine Figuren synergistisch genug
aufgestellt haben muss, damit sie gut miteinander auf taktische
Möglichkeiten zielen.
Nach
Angriff zu suchen ist ein konsequenter Weg und es ist nicht nur modern,
sondern effektiv, weil nur mit Angriffen kann man eine Partie gewinnen.
Um sich im Angriff zu schulen lohnt es, Königsangriffe zu studieren.
Und immer wieder einen eigenen Königsangriff auf den gegnerischen König
zu planen und umzusetzen.
Es ist immer wieder bemerkenswert, dass
die Dinge im Schach immer eine gewisse Komplexität aufweisen und viele
Möglichkeiten innerhalb einer gewissen Zeitspanne möglich bleiben, und
gleichfalls auch immer wieder völlig neue Dinge für das eigene Auge
entstehen.
Schult man sich im Taktischen, schult man sich eigentlich
in der schachlichen Aufmerksamkeit, also man übt sich mit Taktik in der
Form. Umso besser man in Form ist, desto besser. Aber irgendwann ist
eine Schwelle erreicht, wo es auf grundlegendes Positionsgefühl
ankommt, oder Strategie und Pläne.
Taktik
ist überall dort im Spiel, wo eine Figur besondere Wirkung
entfalten kann und zwar im Zusammenhang mit anderen Figuren innerhalb
einer Stellung.
Selten,
dass eine einzelne Figur bereits einen
taktischen Schlag ausführen kann - wenn ich es mir überlege,
würde ich sowieso als Taktik nur solche Dinge bezeichnen, wo mehrere
Figuren in einer Zugfolge zu einem Ergebnis kommen. Aus Studium des
Endspiels wird schnell klar, dass Taktik aber bereits in jedem
Figurenspiel angelegt ist, das innerhalb eines Zusammenhangs mit
weiteren Figuren stattfindet.
Gewöhnlich
bezeichnen wir als Taktik aber einfach, dass es bestimmte besondere
Zugfolgen gibt, deren erster Zug spektakulär anmutet, und wenig
offensichtlich war, weil die Stellung sicher schien. Aber dieser eine
Zug öffnet Linien, erweitert das Figurenspiel usw. und schafft eine
neue Situation. Daran sieht man, dass trotz allem Taktik immer ein
wesentliches Merkmal des Spiels ist und es immer wieder nützlich sein
wird, sich in Kombinationen zu üben. Es ist nicht so wesentlich,
dass man seinen Schwerpunkt auf Taktik legen bräuchte. Taktik aber
sollte man nicht vernachlässigen! Wenn man einen Angriffsstil pflegt,
kommt man automatisch immer wieder zur Taktik. Aus Gewohnheit, Angriffe
zu suchen.
Schwerpunkt aller Übung sollte den Stellungsmerkmalen gewidmet
werden, verschiedene Grundprinzipien, oder wie man einen Zug (mental)
auswählt, oder Motive erkennt und umsetzt. Das alles führt schon zur
Taktik... - denn Stellungsmerkmale beinhalten taktische Möglichkeiten.
Man
muss in einer Stellung sehr viele Dinge beachten, verschiedene
Prinzipien gerecht werden. Es ist eine gewisse Übersicht gefragt.
Eine sehr konkrete Gesetzmäßigkeit ist, dass
eine offene Linie Wirkungsfeld für Figuren ist, und wenn man dort das
Geschehen verpennt, wird es einen übel geschehen, wenn der Gegner über
eine offene Linie ins eigene Lager eindringt. Eine andere Sache ist,
dass Bauern beweglich gehalten werden wollen. Wenn Bauern vom Gegner
blockiert werden, weil er wichtige Felder vor den Bauern beherrscht,
kann man keine Bauern vorschieben. Wichtig ist also, bei der
Stellungsbeurteilung und Zugfindung auch die Beweglichkeit der Bauern
zu beachten - und oft ist dies eine Grundstrategie, und in einer Partie
kann es lange nur darum gehen, Vorherrschaft über die Möglichkeit zu
erhalten, Bauern vorzuziehen oder zu blockieren, sie auch in ihren
Felder festzulegen (ein gegnerischer Läufer, der auf derselben Farbe
wie eigene Bauern steht, wird umso schwächer, je mehr eigene Bauern auf
seiner Farbe stehen). Und in einer Überlegung können all diese
Prinzipien einfliessen und man sucht den Zug, der am ehesten die
Möglichkeiten solcher Art offen hält.
Egal
um was es geht, wir werden finden, dass eine alleinige Richtschnur oder
Regel und nicht helfen, sondern immer nur mehrere. Wir müssen einen
Balanceakt gehen zwischen zu berücksichtigenden Dingen. Jede Situation
offenbart uns davon einen neuen Ausschnitt, oder neuen Standpunkt.
Das
Schachspiel erfordert in jedem Spiel
den Balanceakt erneut durchzustehen. Mental gesehen kommt es in
erster Linie auf die Fähigkeit zur Konzentration an, und schliesslich
in zweiter Linie auf die Art , wie man sich die Züge überlegt. Mit
welchen Pläne, Ideen, und auch Erfahrungswerten und Einsichten (Motive,
Angriffe, Königsangriffe, taktische Schläge, Stellungsmerkmale).
In
einer
x-beliebigen Stellung, zB im Spanischen nach dem 3. Zug, oder im
Italienischen nach dem 4. Zug usw. prüfen wir die Stellung, welche
Möglichkeiten sie bereit hält, und wir bewerten dies durch Kenntnis
verschiedener Stellungsmerkmale aus der Erfahrung. Wir wissen dann, auf
dem Brett wird dieses oder jenes Feld immer wichtig sein, und evtl. je
nach Spielweise des Gegners manche Felder... - all solche DInge können
Ausgangspunkt sein, für die Herangehensweise.
Man übt
sich in
(Er-)Kenntnis der verschiedenen Begleitumstände einer Figur, nämlich in
einer
gegebenen Stellung.
Das
was sich konkret vor uns ergibt , ist ein
Stellungsmerkmal, zB eine Bauernkette, ein Isolani im Zentrum oder ein
Vorposten nahe des gegnerischen Königs. Oder man schult sich darin, wie
man eröffnet und sucht dabei immer nach dem guten Mittelspiel (worin
man Chancen hat mit Angriff und Möglichkeit zur Aktion).
Was
in die Aufmerksamkeit fällt, das sind
die Stellungsmerkmale. Sie haben verschiedene Bedeutungen. Es sind
Motive, Kampfschauplätze, Möglichkeiten, Ideen, Methoden, schwache Felder, aber vor
allem Strukturen.
Verschiedene Figuren können diese Strukturen unterschiedlich zum eigenen Vorteil verwenden oder werden durch sie gehemmt.
Am
anschaulichsten sind die
Stellungsmerkmale
anhand Bauernstrukturen und deren schützende, druckbildende oder
strukturierende Wirkung. Die Bauern sind ansonsten vom Material her
gesehen die schwächsten Figuren, da sie nur sehr begrenzt wirken. Aber
sie können bestimmte Punkte ins Visier nehmen. Und sie haben besondere
Eigenschaft, dass sie blockiert werden können, weil sie nach vorne
nicht schlagen können.
Aber auch andere Figuren
bilden momentane Stellungsmerkmale. Eine offene Linie, die man selbst
mit Schwerfiguren besetzt hat, ist anders in der Wirkung, als wo der Feind
diese Linie besetzt hätte.
Die
Bauernstrukturen verleihen einer Stellung über lange Zeit ihr Skelett
oder Gerüst, woran sich alles andere aufbaut. Insofern sind sie die
Seele des Schachspiels, da sie wie keine anderen Steine Einfluss auf
die Struktur der jeweiligen Partie haben.
Am kritischsten sind die
Bauernstrukturen am Königsflügel. Bei massiertem Angriff des Gegners
müssen zur Verteidigung der Bauern am König diese Bauern von
anderen
Figuren, am meisten Springer, Turm und Dame überdeckt werden können,
wenn dies nötig ist (das soll so mal ein Großmeister gesagt haben) . Generell ist es vorteilhafter, mehr nach
Angriffen zu suchen als nach Verteidigung, denn wenn wir angreifen,
kann man sagen, ist es die beste Verteidigung, weil der Gegner
abgelenkt wird durch unseren Angriff und er seine Figuren nicht zu seinem
Angriff verwenden kann.
Die Initiative ist Gold wert, die den Gegner
nicht zum Zuge kommen lässt mit
seinen Angriff, weil wir ihn mit der Initiative die wir in der hand halten zuvor zu
Zugeständnissen zwingen können
.
Jeder
Zug ist eingebettet in eine Abfolge von Kausalitäten, die auf frühere
Ursachen zurückgehen. Die Stellung, die sich mit einem Zug ergibt oder
verändert hat, erfordert jedes Mal eine neue Besinnung auf diese
Stellung und unsere Pläne, die sich aus einer Stellung für uns ergeben.
Diese Sicht auf den konkreten Zugwahlprozess kann als Ausgangspunkt
dienen, aber nur wenn man versteht, was man einer Stellung wesentliches
entnehmen kann. Man sucht als Anfänger zunächst nach den wichtigsten
Stellungsmerkmalen und seien es nur die, die am häufigsten vorkommen.
Es ist hilfreich , irgendwo sich kundig zu machen, beispielhaft
youtube Videos übers Mittelspiel, wie man zu Ideen kommt, in einer
Stellung einerseits zu verteidigen und andererseits anzugreifen.
Man kann das ganze Suchen nach Zügen auf Angriff und Verteidigung
reduzieren, doch wird es nur sinnvoll, wenn man versucht auf der
Waagschale den Angriff oben zu halten. Und man schule die Denkweise,
die Konzentration, mit der man seine Erfahrung ausbauen kann.
Als
Fortgeschrittener erweitere und vertiefe man die Kategorien der
Stellungsmerkmale. Und wird genauer im Bewerten und verfeinert die
Nuancen des Urteils.
Man wird finden, dass eine mentale und innere
und durchaus auch gefühlsmässige Disziplin eine wichtige
Grundlage ist, für ein effizientes Denken, das allen Überfluss beiseite
lässt und zu den Notwendigkeiten vordringen kann.
Es
ist eine Aufmerksamkeit gefragt, die die
besonderen Merkmale einer Stellung erfasst. Man speichert in seinem
Wissensschatz die Erfahrung mit verschiedenen typischen
Stellungsmerkmalen. Entscheidend werden nicht alle, sondern
naheliegende Stellungsmerkmale. Weil die sind es, auf die es immer
wieder ankommt und die das meiste Potential beinhalten oder sei es,
weil sie die grösste strukturverändernde Wirkung aufweisen.
Man
sieht sich während des Zugwählens vorwiegend jene
Stellungsmerkmale oder typischen Muster an, die entstehen können, die
am ehesten die besten Möglichkeiten verheissen. Das macht das Denken
effizient, wenn man versucht mit würzigem Angriff, die Konsequenz des
Spiels der Kräfte auszuschöpfen versucht. Wenn man diese Würze versucht
dem ganzen Spiel aufzudrücken. Denn es scheint, als würde man so auch
der Seele aller Figuren gerecht werden, wenn sie ihre Kraft einsetzen
können, insofern die Stellung für sie wunderbare Schlachtfelder schafft.
Es sind die Stellungen,
die am meisten Dynamik und Kraft enthalten und von
großen
Vor- oder auch
Nachteil sein können. Man muss diese vordergründigen Merkmale als
erstes beachten. Um das Denken effizient zu machen, hilft es, einfache
Strukturen in Blitzschach einzuüben.
Man
greift beim Schachspielen auch auf eine Intuition zurück. Das ist
nichts anderes, als ein Gespür um die Wirkung zukünftiger Stellungen,
wobei nicht die Zukunft intuitiv erfasst wird, sondern die
zukünftige Stellung wird mit der Vorstellungskraft wach
gerufen, und man guckt sich die möglichen Stellungsmerkmale an und
beurteilt sie (meist noch nicht mal alle, sondern ganz bestimmte
Brettabschnitte).
Die Anfänger und nicht so starken Spieler müssen
die Fehlerquote ihrer Auswahl von Stellungsmerkmalen beschränken. Man
hat sich von manchen Stellungen mehr erwartet und wenn man genauer
rekonstruiert, wie sich Vorstellung und logische Zugabfolge
vereinbaren liessen, war es ein einfacher Denkfehler. Man übt sich im
"Schachdenken" durch Kenntnis der Stellungsmerkmale, man labt sich an
der Erkenntnis der im Schach wirkenden Gesetzmäßigkeit. Für mich sind
die Stellungsmerkmale wie Archetypen, die zwar im Detail unendlich
sind, aber im groben doch eine gewisse Kategorisierung erlauben. Zum
Beispiel die Bauern, die haben eine gewisse Wirkung, je nachdem wie sie
stehen. Es gibt Bauernhebel, Vorposten, Löcher, Phalanx, oder die
Phalanx, die vorgerückt ist, oder die Bauern, die den König decken, die
Zentrumsbauern, es gibt einen einzelstehenden Bauern (Isolani), zwei
verbundene Bauern und drei verbundene Bauern usw. - diese
typischen Muster haben ganz verschiedene Wirkung, und rufen bestimmte
Stellungsmöglichkeiten hervor. Man wird sehen, dass diese Muster nicht
einseitig einen Vorteil oder aber Nachteil haben. Es kommt immer drauf
an. Und manchmal entscheiden Details der Stellung, was diese
Stellungsmerkmale für das Spiel bedeuten.
Bauern sind die Seele
des Spiels und ich verstehe Philidors Spruch sowohl sprichwörtlich als
symbolisch. Sprichwörtlich, verleihen die Bauern der Spielanlage und
dem Geschehen (dem Konzept und der Strategie) eine Seele. Und
symbolisch verkörpern die Bauern damit vielleicht sogar das Geheimnis
des Schacherfolgs, wenn man ganz besonders sich der Bauern bewusst
wird.
Man hat derer acht, und sie sind einerseits sehr
wirkungsarm, weil sie nur zwei Felder beherrschen. Der Springer kann
bis zu acht Felder beherrschen und Läufer und Turm mehr und die Dame
noch mehr. Ein Unterschied macht es, ob Figuren diagonal oder
vertikal/horizontal wirken können. Deshalb gilt ein Turm als leicht
stärker denn ein Läufer, weil der Turm auf einer Linie
merkwürdigerweise viel stärkere Wirkung aufweist und das mag an der
Form des Schachbrettes mit seinen 64 Feldern liegen, auf denen die
offenen Linien eine hauptsächlichen Kampfschauplatz bedeuten , und die
Läufer Allzweckwaffen sind, die vor allem durch Kombinationen ,
Spieße und Fesselungen Wirkung entfalten, aber eben auf
Diagonalen. Das ergibt ganz unterschiedliche Wirkung, und wenn man von
Archetyp redet, ist der Archetyp des Läufers anders beschaffen als der
des Turms oder der Bauern.
Die Bauern haben eine besondere
Wirkung, weil sie eben entbehrlich sind und gegenüber allen anderen
Figuren nur eine genügende Unterstützung brauchen, um die viel
wertvolleren Figuren zu bedrohen. Es ist jede Bedrohung durch Bauern
immer ein drohender Materialverlust, es sei denn die Bauern von Weiss
und Schwarz bleiben unter sich. Und viele Kombinationen ergeben sich
mit ihrem Vorhandensein.
Figuren haben unterschiedliche Kraft, aber
Material ist nicht alles in der Welt und die Position in ihrem Gefüge
kann wichtiger sein. Zum Beispiel weil man einige Vorteile hat -
etwa
Raumvorteil,
Initiative, oder wenn der Gegner eigesperrte
an Wirkung arme Figuren hat.
Initiative
ist die Spielweise, bei der man dem Gegner seine Reaktion aufzwingt,
und mit anderen Worten das Spiel seinen Stempel aufdrückt. In der
Praxis bedeutet dies in erster Linie Angriffszüge zu spielen, wo man
einen Angriff sieht, und wenn es nur eine Drohung ist. Weiterhin
gilt es , immer aktive Figuren versuchen aufzustellen. Aktiv steht eine
Figur, wenn sie mehr Felder beherrscht als woanders.
Es zeigt sich, dass diese Spielweise Möglichkeiten schafft, mit denen man gut leben kann.
Beim Denkprozess wägen wir zwischen Vor- und Nachteil ab. Das
Wichtigste dabei scheint mir folgende Überlegungsweise:
einen Nachteil zugunsten eines größeren Vorteils in Kauf zu nehmen, oder
anders gesagt, manchmal muss man einen
Kompromiss schließen.
Es
gibt
keine perfekte Spielweise oder Spielanordnung, um die Stellungsmerkmale
rein zu halten, so
dass sie in ihrer Typik hundertprozentig "beachtet" wären. Einen
Isolani muss man eben nicht immer verhindern. Aber seine Wirkung ist
verschieden. Im Zentrum ist er immer eine Besonderheit. Er steht
sicherer, wenn ihm gegenüber ein gegnerischer Isolani steht. Er steht
angriffslustiger und dynamischer, wenn der Gegner keinen Isolani
gegenüber unseren eigenen hat. Es gibt einen besonderen Fall, wo der
Gegner auf der benachbarten Linie einen Bauern hat, egal ob
Isolani oder angebunden. Der Isolani kann dann mit diesem Bauern oft
günstig abgetauscht werden, um den eigenen Isolani zu beseitigen.
In
manchen Fällen kann ein Isolani so viel Druck entfachen, dass er ein
großer Vorteil ist, weil er zB kurz davor ist auf die Grundreihe
vorzurücken und man kann auch jederzeit planen, ihn zu opfern (sofern
man ein spielstärkerer Spieler ist).
Aber Tatsache ist, kein
Stellungsmerkmal ist einseitig. Und es gibt keine ultimative Palette
von Zügen, die alle Probleme vermeiden würden. Es gibt immer Probleme.
Es ist kaum
möglich, dass man
alles im Griff hätte, dass man alle potentiell schwachen
Strukturmerkmale vermeidet - ich denke, besonders Anfänger leiden unter
dem fehlenden Plan, weil die Entscheidung schwer fällt wegen möglicher
Nachteile. Andererseits findet man nicht genügend aktive Züge, wenn man zu passiv spielt, ja zu "passiv denkt".
Dass man den
kleineren Nachteil in Kauf nimmt für nachhaltige
Sicherung eines Vorteils, kann in vielen Stellungen genau das Richtige
sein. Es ist eben die Kunst, zu entscheiden,
wann es richtig ist,
einen aktiven oder die Stellung öffnenden Zug zu wählen.
Oft
ist es ein Feingefühl für die Stellung und die Figuren, das
einem in der Überlegung leitet. Oder man nennt es Intuition.
Um Anfänger, der auf dem Sprung zum besseren
Spieler ist, einen Tipp zu geben: Es kann helfen, sich grundlegende
Konzepte zu überlegen, um mit ihnen zu planen, wenn einem sonst nichts
einfällt. Solche Grundregeln wurden vielfach geäussert.
Prinzipien können in der Eröffnung und im Mittelspiel
sein:
-
möglichst Zentrum besetzen, Zentrum sichern oder Einfluss auf
das Zentrum vergrössern. Es ist sowieso nötig, immer ein Auge auf
mögliche Veränderungen im Zentrum zu werfen, da der Gegner es auch
besetzen und beeinflussen wird.
-
aktives Spiel suchen, das heisst schon mit der Absicht antreten,
Angriffszüge und offene Spielfelder für das Wirken der Figuren zu
schaffen (offene Eröffnungen bevorzugen, zB mit e2-e4).
- Figuren entwickeln (!), Figuren
koordinieren (dass die eigenen Figuren sich gegeneinander nicht im Wege
sind und ebenfalls nicht zu lose voneinander gestellt sind sondern sich
möglichst unterstützen). Figuren besser postieren. Vorposten
anstreben schaffen und/oder besetzen.
-
Bauern vorziehen um Raum zu gewinnen. Bauernstruktur
beachten und verbessern. Königsflügel möglichst intakt halten und das
bedeutet, der ursprüngliche Zustand der Phalanx vor den Bauern ist in
der Regel am besten (es gibt immer Ausnahmen jeder Regel!).
-
Raumvorteile beachten. Regel: Umso weiter die Bauern vorrücken, desto
mehr Raum gewinnt man. Nachteil: Vorgeschobene Bauern verpflichten zu
Zugeständnissen, der wichtigste Begleitumstand ist, dass sie zwar Druck
ausüben, aber auch leicht Druck erfahren können und nur in bestimmter
Weise gedeckt werden können. Man überlege sich, welche Deckungsweisen
von Bauern in der Regel die besten sind: man wird finden, am besten
decken sich Bauern untereinander.
Umso dynamischer man zu spielen
bereit ist, wird man vorgerückte Bauern durch andere Figuren nur
vorübergehend decken wollen und mit den vorgerückten Bauern Wege
suchen, sie zu einem Angriff zu verwenden. Es geschieht dann häufig,
dass ein Bauer einen Abtausch mit einem Bauern des Gegners erzwingt.
Wenn
man in der Eröffnung ist, kann man sich Pläne noch vage
halten, und erst mal die Figuren entwickeln. Und entwickeln heisst, die
Figuren einfach so gut wie möglich aufstellen.
Es
schult das
strategische Denken, wenn man bei Anwendung dieser grundlegenden
Prinzipien hin und wieder überlegt,
welche Kampfschauplätze sich vielleicht entwickeln werden, um evtl.
Prophylaxe oder
Vorbereitungen (für eigene Angriffe)
zu planen und umzusetzen.
Kampfschauplätze sind der
Dreh- und Angelpunkt der Zugwahl - wenn man keinen Plan hat und die Figuren sind
bereits einigermaßen entwickelt, überlege man sich, wie es ist, wenn
man eine Linie öffnet, oder Bauern vorzieht, um zB Vorposten zu
schaffen, oder wie man dem Gegner schwache Bauern oder andere
Figuren verpassen kann. oder diese Dinge planen kann.
Eine wichtige Überlegung für fortgeschrittene
Spieler ist, zwischen schlechten und guten Läufer zu unterscheiden. Ein
guter Läufer ist immer ein Läufer, der nicht durch eigene Bauern
behindert wird und viele Felder beherrschen kann. Manchmal kann man dem
Gegner zwingen, einen schlechten Läufer zu haben. Der Anfänger muss
sich der Wirkung der Figuren bewusst werden. Dann sieht er irgendwann,
dass alle Figuren dann viel mehr Möglichkeiten bieten, wenn sie aktiv
wirken können und dass sich viele Strategien und Pläne ergeben, wenn
man zB Bauernstrukturen beobachtet, hinsichtlich ihrer Bedeutung für
das Spiel mit den eigenen Läufern. Dabei wird man finden,
dass es selten so einfach ist, weil man zwei Läufer hat und beide bei
irgendeiner Stellung schlecht stehen können. Meist ist es
inspirierend, einfach zu schauen, welche Möglichkeiten das eine oder
andere mit sich bringt, und dann einfach die Option zu wählen, wo man
insgesamt - in der Grundkoordination aller Figuren - den meisten
Angriffschancen findet.
Um gute Felder zu bekommen, wird man oft etwas riskieren, besser gesagt
einsetzen müssen.
Figuren sind wie Kräfte, die
wirken. Man kann auch mal
eine
schlechte Bauernstruktur hinnehmen wollen, wenn dafür andere Figuren
gut stehen. Dann riskiert man die schlechte Bauernstruktur. Oft
ermöglichen vorgerückte Bauern oder Bauern im Zentrum aber sehr aktives
Spieln und Initiative.
Sich
einen Zug zu überlegen ist als Vorgang immer derselbe bei jedem
Menschen - allerdings vermag man diesen Vorgang nicht so gut
beschreiben .
Der Zugwahlprozess hat etwas an sich, wo man von einem
ganzheitlich Vorgang sprechen muss, und da verlaufen die Worte im Sand.
Man kann vielleicht sagen,dass man gewisse Grundlagen beherrscht,
gewisse Prinzipien anwenden kann, und eine gewisse Aufmerksamkeit für
das Geschehen hat. Doch wenn man eine Partie spielt, kommen viele
Gründe zusammen und wir befinden uns in einer akuten Situation, in der
wir gezwungen sind, eine Entscheidung zu treffen - es lohnt sich, den
eigenen Zugwahlprozess zu beobachten, zB als Anfäger ganz besonders
nach Vorurteilen suchen, die auf mangelndem Wissen beruhen.
Man
sucht nach den Gründen, warum man nicht besser Schach spielen kann
und
findet vielleicht: das, was ein Großmeister tut sei etwas
Aussergewöhnliches, eine "Rechenkunst", weil man überlegt
sich als
Anfänger, "ich muss das alles durchschauen können". Man
erkennt bei seinen eigenen Spielen gegen starke Spieler, dass man auf
viele Züge gerät, die einen überfahren.
Und
viele davon hat man vergessen sie zu
"berechnen", hat man nicht gesehen, aber in Wirklichkeit sieht man da
die taktischen Züge und
glaubt, die ganze Großmeisterebene denkt eben alles in Taktik durch
oder kennen alle Situationen, die sich einstellen. Sie sehen eine
gewisse Spannweite der Zukunft, aber der Prozess findet eher anhand
Stellungsmerkmalen und Vorstellungskraft statt, als mit logischen
Berechnungen. Taktik ist nur die
Hälfte der Wahrheit und die andere ist eine Schachaufmerksamkeit, die
prinzipiell nicht auf ein rein expansives Wissen setzt, sondern auf ein
fundiertes. Aus Erfahrung gewachsen.
Die eigentliche Anstrengung im Schach, und zugleich der Lohn findet auf Ebene des Mentalen statt.
Der
Spielgenuß kann sich zB leicht einstellen, indem der Partie etwas
abgewinnt, weil man die verschiedenen Stellungen in ihrer Bedeutung
erfassen kann und sich als Feldherr erweisen kann, der seine
richtungsweisende Anordnungen trifft.
Es ist keine Frage, dass man sich in den Grundlagen der
Eröffnung, in kritischen Situationen des Mittelspiels schulen kann,
wenn man diese besonderen Momente in ihrem Wirken und Zusamenspiel
unterscheiden und eine Verbindung aufstellen kann. Es ist viel
wesentlicher, eigenen Ideen und Gedanken zu folgen, als der Ebene zu
folgen, die vielleicht für andere relevant ist aber nicht für einen
selbst.
All
die verschiedenen Ebenen , die beim Überlegen eines
Zuges relevant werden, wo es keine feste Reihenfolge und Regel gibt,
keine Formel, die man auswendig lernen könnte, keine Rechenkunst, die
mathematischen Genies überlassen werden muss, das alles
auseinanderzuhalten ist eine besondere Anstrengung aber nicht auf
die Spitzensportler (Großmeister) begrenzt. Es geht um eine
Schachaufmerksamkeit, weniger als um Wissen. Das Wissen ergibt
sich erst noch. Und das alles behält zudem subjektive
Rahmenbedingungen und wie wir als Mensch gewissen Ideen folgen und
Pläne schmieden ist im Grunde nie davon zu trennen, wer wir sind. Wir
haben unsere Vorlieben und wir sollten einfach unsere Stärken als
Fundament betrachten, um von ihnen aus an dern Schwächen zu arbeiten.
Das heisst, wir versuchen so besser Schach zu spielen, wie wir am
meisten Freude entwickeln können, auch weil sich das Spiel verbessert.
Freude ergibt sich auch, wenn man versteht, was man tut. Wenn man
sieht, was geschieht. Und wenn man in kleinen Dingen etwas bewirken
kann.
Denn die Lust an der Sache wird einen starken Antrieb bedeuten und
ich kann mir übrigens nicht vorstellen, dass ohne Lust ein Spieler
jemals wirklich stärker werden könnte, jedenfalls in einem Maße, wie es
ihm möglich wäre mit Lust an der Sache. Spielfreude, nichts anderes ist
gemeint. Sie stellt sich bei mir zB ein, wenn ich beobachten
kann, welche Felder besondere sind und welche Wirkungen von Figuren
ausgehen, als würde ich eine Palette von Grundstrukturen begutachten
und wiedererkennen, denn man erkennt letztlich nur das, wo der Blick
auch hingeleitet wird. Das heisst, meiner Erfahrung nach ist es am
wichtigsten, die Grundkategorien zu kennen und sie in einer Partie
selbst wiederzufinden und weiter zu erforschen (genau beobachten, was
sich als Erfahrung mit einer typischen Stellung oder
Bauernstruktur usw. tatsächlich ergab, meist ist dies sehr
offensichtlich, auch wenn man nicht alles versteht an einer Stellung.
Man vertraut am besten immer darauf, dass jetzige Fragen sich
später von selbst beantworten, wenn man am Ball bleibt und
Beobachtungen anstellt. Man wird sehen dass man mit einigen Antworten
auf Probleme und Fragen auch weitere Probleme löst, die komplexer
sind.
Wesentlich ist also die Überprrüfung einer Stellung, was dort geschieht:
Die
Wirkung von offenen Linien und Diagonalen, einfachste Angriffe auf
schwache Figuren.
Felder sind die Plätze, von denen aus eine Figur
wirken kann. Es gitb Felder im Feindesland, und wenn dort eigene
Figuren gut und sicher stehen können ist das eine sehr starke Figur.
Eine
starke Figur entfaltet Kraft auf die gegnerischen Felder oder Figuren,
eine schwache Figur ist nicht verteidigt und macht Sorgen, zB durch
gegnerische Angriffe auf diese Figur besonders wenn es der König ist.
Es gibt Bauernstrukturen, verschiedene Wirkungen von Isolani
im Vergleich zu verbundenen Bauern und Kampfschauplätze um Felder ,
Figuren oder den gegnerischen König. Dergleichen viel mehr. All das
sind Motive und typische Strukturen.
Wenn wir noch Probleme
haben, zum Beispiel nicht zu wissen, wo unsere Stärken sind, kann
man versuchen die Prinzipien zu begreifen, um sie umsetzen zu
lernen, und an den entstehenden Stellungen immer wieder erneut eine
Grundaufmerksamkeit zu entwickeln, die sich darum dreht, zu erkennen,
was wirkt, was passiert und wie die Situation jetzt aussieht und welche
Möglichkeiten man vielleicht umsetzen kann. Grundprinzipien sind
zB, dass Raumvorteil wichtig ist; dass ein vorgeschobener Bauer
gefährlich sein kann, er aber auch potentiell schwach werden kann und
also alles seinen Vor- und Nachteil hat. Grundprinzipien sind, dass man
eine Figur bewegt, die dann nicht mehr auf bestimmte Felder wirkt und
auf andere. Und die Felder, wo sie nicht mehr Deckungsaufgaben
erledigen kann, könnte sich in der Folge ein gegnerischer
Kampfschauplatz einstellen. Es ist also fast zwangsläufig, dass jeder
Zug Vor - und Nachteile hat. Grundprinzipien in der Eröffnung
sind zB, das Zentrum zu besetzen, die Figuren entwickeln und ihren
Aktionsradius nicht ungeschickt einzuengen durch eigene Versäumnisse oder kleinere Fehler.
Der Vorgang und die Strukturen des
Denkens sind annähernd bei jedem Menschen gleich. Aber wie man es genau
macht, ist individuell verschieden. Kampfschauplätze sind es aber
immer, die man im Auge behält, und man mag diese Geschehnisse nur auf
andere Weise benennen.
Es geht also um den Blick für das Gemeinte, nicht nur einen Begriff .
Schachaufmerksamkeit,
was nicht nur Verständnis des Geschehens bedeutet, sondern auch
subjektive Sprachregelungen beinhaltet - darunter liegt aber
eigentlich immer dieselbe Struktur, die bei besseren Spielern auf
jeder Ebene von Strategie bis Taktik ausgereifter und fehlerloser ist .
Eine endgültige Perfektion ist selbst Computern im Schach nicht
möglich. Die Schachaufmerksamkeit erfasst das Wirken von Figuren, das
was geschieht, erfasst Motive und Stellungsmerkmale, Pläne und Vorhaben
und man versucht auf das Gesehene hin Entscheidungen zu treffen.
Nehmen
wir mal eine offene Linie. Sie ist ein Merkmal, das besonders für die
Türme wichtig werden kann, die Türme werden meist Unterstützungsarbeit
auf dieser offenen Linie leisten können, gelegentlich aber eine Linie
auch beherrschen. Oder nehmen wir Diagonalen, sind diese für Dame oder
Läufer relevant. So etwas herzustellen, eine für die eigenen Figuren
günstige offene Linie oder Diagonale, geschieht oft indirekt als
potentielle Möglichkeit (das Verborgene ist ein Reiz am Schachspiel),
wird vorbereitet, und/oder in einem Augenblick umgesetzt. Manche,
meist stärkere Spieler sind daher öfter bereit, je nach Stellung, einen
Bauern zu opfern, um eine offene Linie oder Diagonale auszunutzen. Aber
im richtigen Moment abzutauschen kann auch schon eine solche Linie zum
eigenen Vorteil öffnen. und darum geht es, um solche Überlegungen und
Pläne, neben vielen anderen Dingen. Die Aufmerksamkeit richtet
sich konkret auf das Wirken von Figuren in typischen
Stellungsmustern , die fast immer bis auf Ausnahmen (vor allem im
Endspiel), vielfältig sind und niemals alle bereits durch
Erfahrung abgedeckt sind. Man steht also immer vor Neuland, aber
kennt auch typische Strukturen. Man beobachtet Kampfschauplätze.
Manchmal können Springer an allen
Kampfschauplätzen vorbeilaufen, manchmal können sie direkt auf den
Punkt zielen und ganz bestimmte taktische Möglichkeiten mit sich
bringen.
Oder nehmen wir die Endspiele. Für viele scheint dies
eine Frage der Technik. Das bedeutet aber, dass man hier keine
Varianten lernen muss, sondern man begreift die Typik anhand von
Erfahrung oder Umgang. Was ausschlaggebend wird, ist Wissen. Die
Technik um im Endspiel einen Bauern zur Dame zu bringen, beruht auf dem
Wissen, wie man die Bauern den König, den Turm anordnen muss, um diesen
Zweck zu erfüllen. Im Endspiel erhält das besondere Merkmal von Zeit im
Schach Gewicht. Ein Zug, den man ausführen muss und jeder Zug kann der
letzte Zeit. Wenn man im Endspiel einen Zug zu spät kommt, kann alles
vorbei sein.
Kluge Spieler werden in ihren Überlegungen auch den
Gedanken an das Endspielszenario einbauen, wenn es im Mittelspiel darum
geht, zB auf welche Bauernstrukturen man sich festlegt.
Die Figuren
und ihre Wirkung im Endspiel zeigen feste Handlungsverläufe, die sich
in keiner Partie ändern. Es sind Gesetzmässigkeiten.
Es gibt die Wirkungen der Figuren, und besondere Umstände, wie zB Zugzwang oder Zugpflicht, woraus die sogenannte
Oppositionsstellung der Könige zueinander wichtig wird.
Man
kann es überprüfen, ob man die besten Möglichkeiten hat, die Stellung
zu halten, wenn man mit seinem letzten Zug stets versucht IN Opposition
zum gegnerischen König zu kommen, das heisst auf dieselbe Reihe
oder Linie wie der gegnerische König zu ziehen. Denn der andere König
muss nun die Opposition verlassen. Es ist ein Erfahrungswert, den man
leicht illustrieren kann mittels einem Freibauern, den einer der beiden
durchbringen will. Der die Opposition verlässt, wird derjenige sein,
der bei Zugpflicht kein anderes Feld mehr hat, weil der eigene König
dessen Zugmöglichkeiten beschränkt und den Bauern in der Folge
verlieren wird, weil man ihm nach und nach mit dem eigenen König die
Felder streitig macht, mit denen er den Bauern decken könnte. Sobald
einer die Opposition verlässt, ist es generell die Einbüßung von Raum
und kann verheerende Wirkungen haben, da man unter Umständen ihn nicht
mehr zur Verteidigung oder auch Angriff einsetzen kann.
Wenn
man sich einen Zug überlegt, und auf Anhieb keinen Plan findet,
dann sucht man einfach nach den typischen Mustern, die nichts
besonderes an sich haben als zu einem Kampfschauplatz zu führen.
Und
man zerbröselt die Stellung nicht durch zu passive Züge .
Wenn ein Angriffsmoment enthalten ist, sind es generell die stärkeren
Züge. Doch als nicht so spielstarker Spieler wird man öfter finden,
dass in jedem Zug auch ein Nachteil enthalten ist - so zum Beispiel am
eindrücklichsten ablesbar an einem Isolani, der im Feindesland nicht
weiter durchkommt. Und dass es fast zwangsläufig ist, dass man mit den
Kräften bzw. Figuren gut umzugehen weiss, das ergibt sich im
Endeffekt aus allen Erfahrungen im Umgang mit dem Schachspiel.
Man
wird finden, dass der Verbund von Kräften eine besondere Wirkung hat,
die das Feindesland zu durchdringen weiss und sich dort Raum und
Wirkung verschafft, womit klar ist, dass der Gegner kurz vor dem
Matt stehen könnte. Dass man die Figuren in ihrer Koordination
beachtet und sie hinsichtlich allgemeiner Zwecke, die jetzt nicht
bekannt sein müssen, aufstellt (am besten dass sie sich untereinander
stützen und unterstützen).
Man braucht keine Regel auswendig
lernen, keine Idee verinnerlichen, keine Regelwerke studieren, um
irgendeinen funktionierenden Grundsatz anzuwenden.
Dieser Grundsatz
könnte so lauten: man hält in der Eröffnung Ausschau nach den
typischen Strukturmerkmalen: raumgreifende oder raumsichernde
Züge; stabile Bauern und Druck durch vorgerückte Bauernketten; Zentrum;
gute Entwicklung der Figuren, ohne dass ihre Koordination zueinander
beeinträchtigt wird, so sollten die Figuren möglichst Initiative,
Vorposten, Löcher schaffen oder ausnutzen usw..
Ein Gespür um alle
Kampfschauplätze im Fortgang der Partie von Anfang an entwickeln; zur
Not verteidigen; immer als erste Möglichkeit den möglichen Angriff den
Vorzug geben, mit einem Blick erkennen was konkret angreifbar is und
ergründen wie die Stellung daraus wird, und was weitere Möglichkeiten
angeht
Unsere Mentalität wird entscheiden, wie wir mit dem Schachspiel oder
dem Leben umgehen. Das Schachspiel spiegelt auf eine interessante Weise das Leben.
Wie
wir Wirkungen erzeugen und erfahren, hängt nicht
allein von unserem Talent in einer jeweiligen Sache ab. Sondern ob wir
eine bestimmte Schachaufmerksamkeit aufbringen , mit der die Grundlagen
zum Lernen geschaffen sind.
Diese
Mentalität, die wir benötigen, muss freilich der Spielstärke und
der
entweder mehr strategischen oder taktischen Anlage entsprechen. Denn
mit beidem wird man bestimmte Vorlieben entwickeln. Immer wieder und
vor allem später sollte es darum gehen, strategisches Verhalten und
taktisches Sehvermögen
beidermaßen zu schulen. Taktisches Sehvermögen ist überaus lohnend, da
man so in der Breite der wahrgenommenen taktischen Wendungen, die
man auf dem Brett mittels Vorstellungsvermögen und Berechnen
entdeckt, viel mehr Möglichkeiten hat, einen Zug zu finden und
das Spiel zu entscheiden.
Das
Schachspiel drückt auf seine Art aus, wie wir eine Partie, die das
Wirken von Kräften aufzeigt, gestalten.
Da
es ein implizites Ziel gibt welches dem Spiel zugrundeliegt, ist die Art der Ideen zwangsläufig: Der
Kampf, weil das Ziel im Gewinnen besteht.
Dazu zählt auch, dass wir das
Spiel auf einer objektiven Ebene begegnen, und uns nicht ärgern, über
verschiedene Fehler oder Unzulänglichkeiten. Sofern man diese Fehler
versteht, ist eine Partie immer lohnenswert gewesen, auch wenn man
dieses oder jenes Spiel deshalb verlieren wird.
Um besser zu spielen
ist es am besten, beim Spielen von Schachpartien sich gleichstarke oder
bessere Gegner zu suchen. Um Vergnügen zu finden, sollte man aber
zumindest - in Ratingszahlen ausgedrückt - nicht zu oft mit Gegner
spielen, die mehr als 150 Punkte niedriger in der Ratingszahl sind.
Dem
Denken der Großmeister zu folgen, bedeutet grundlegende Konzepte,
ja vielleicht eine
grundlegende Konzeption zu entdecken, die man für jeden Zug anwenden
kann.
Es ist nicht mit ein paar Prinzipien getan, sondern mit sehr vielen ,
die man nach und nach kennen lernen muss. Der Großmeister behält die
Übersicht und hat ein klares Gespür für die Bedeutung der verschiedenen
Stellungen und der Pläne, die in diesen Stellungen verborgen bereit
liegen, ans Licht gebracht zu werden.
Aber
man könnte es auf viele Weisen beschreiben und all die Worte umkreisen
es nur. Es ist letztendlich eine Schachaufmerksamkeit, dass man sieht,
was geschieht, so dass man die Figuren bis zu einem gewissen Maße
effektiv anzuwenden weiß.
Sogar von dem Beginn der Partie an kann man einen Grundplan
oder ein Grundanliegen befolgen. Es ist die Suche nach Aktivität und
Drohung.
Das
Grundpirnzip kann anders formuliert bedeuten: Man bringt eine Kraft zur
Wirkung. Und am besten tut man es, umso nachhaltiger diese Kraft
wirken kann. Bis ins Letzte wird auch ein Großmeister eine Stellung
selten durchschauen können, und es geht mehr um einen Blick für das
Wesentliche.
Wenn man sich einen Zug überlegt, geht es um einen
Grund, mit dem man zu Spielzügen kommt. Man sucht ja etwas ganz
bestimmtes, einen starken Zug.
Es gilt die Möglichkeiten der Stellung hinsichtlich von
massgeblichen Motive günstig zu beeinflussen. Es gibt viele solcher Motive.
Diese Motive sind nicht
von Anfang an klar, aber sie liegen bereit, mit dem Wirken einer
Kraft verbunden zu werden. Die Motive oder Möglichkeiten schweben
als Ideen über dem Ganzen. Sie sind nicht immer einzusetzen mit Erfolg,
aber es ist eben der Reiz, sie ausfindig zu machen, darauf
hinzuarbeiten oder sie zu verhindern. Man wartet eine
Zeit, hält Dinge im Auge, im Blick und schult sein Auge um zu
entdecken, welche schwachen Felder man immer behutsam im Auge behalten
muss, und entwickelt dabei aber niemals nur Verteidigungszüge sondern
versucht das Gewicht auf den Angriff zu legen. Das bedeutet praktisch,
man schaut sich immer zuerst die Züge an, die unmittelbar etwas zu
erkennen geben, wo etwas möglich ist.
Mit
dem taktischen Sehvermögen entwickelt sich der Blick. Es lohnt
sich kritische Stellungen in Großmeisterpartien zu studieren, nämlich
den Zeitpunkt sich näher anschauen, wo eine Position zB geöffnet wird,
oder eine Aktion alles verändert. Kampfschauplätze werden ersichtlich.
Die
andere Möglichkeit, die man mit dem taktischen Blick gewinnt, das ist:
Der Blick für die Kombinationen schult den Blick für Kampfschauplätze
an sich und es besteht eine
direkte Verbindung zwischen Figuren und Kampfschauplätze - daher kann
man sagen, prinzipiell, als allererstes: muss man bei dem Aufbau und
herauskommen aus der Eröffnung die starken Felder suchen, und die
schwachen umgehen, und wird finden, es kommt oft auch drauf an und man
muss einen Kompromiss bilden. Weil mit einem Vorteil ist eben immer
auch ein Nachteil verbunden, sonst würde sich auf dem Brett nie etwas
bewegen. Und natürlich kommt es auf viele weitere Dinge an. Und man
muss immer wieder etwas unter einem Hut bringen...
Es
gibt zum Beispiel bemerkenswerte Situationen, wo sich das Spiel
strategisch-positionell grundlegend ändert, zB von einer geschlossenen
Stellung in eine offene oder halboffene übergeht. Das ist ein ganz
besonderer Moment, weil die Stellung eine andere geworden ist.
Daraus kann weiterer Abtausch sich ergeben und man hat eine Stellung in
der ein Vorteil klar ersichtlich wird.
Man kann diesen Moment bei
einer klaren Gelegenheit wählen, zum Beispiel dass man im Zentrum
Bauern vorbewegt, die etwas öffnen, und geht das Spielen mit
weniger Möglichkeiten ein (da die Stellung sich entscheidet, legt sie
sich zugleich fest auf Grundstrukturen) . Aber man hat dafür eine
sichere Stellung.
Oder man hält die Stellung weiterhin geschlossen und bereitet weiter vor.
Allerdings
kann man den richtigen Zeitpunkt versäumen, oder in der Planung etwas
vernachlässigen. Ohne auf der Flanke, im Zentrum oder sonstwo etwas
vorzuhaben... - damit könnte man nicht so oft gewinnen, als wenn man
aus der Passivität heraus kommt, und bewusst ein gesundes Verhältnis zu
aktiven und kraftvollen Zügen zum Einsatz bringt. Schlussendlich
muss sich ja etwas zu unserem Gunsten entwickeln, und wir brauchen
Pläne, die funktionieren. Wir erkennen das auf vielerlei Wege, zB über
Studium von Geroßmeisterpartien, von Youtube-Videos und Videos der
Chessbase "Fritz Trainer" Reihe oder indem man ganz einfach einen Blick
für die wichtigen Felder und Strukturen und ihre Wirkungen gewinnt.
Besser Schach spielenWenn man besser Schach spielen lernen will, geht nichts über die Praxis.
Für mich besteht der Dreh- und Angelpunkt besseren Schachspielens in
der Fähigkeit, die Wirkung von verschiedenen Stellungsmerkmalen im Auge
zu behalten, zu beurteilen, und das Wirken der Figuren damit zu
verbinden.
Das sind zwar nur rein technische Vorgänge, aber sie sind der Weg, um
Erfahrungen zu sammeln, um taktische Kombinationsmöglichkeiten zu
erkennen. Es sind Erfahrungen möglich, die sich bei Konzentration
auf das Geschehen
von selbst einstellen werden. Sobald man weiss, was Stellungsmerkmale
bedeuten und welche Wirkung man mit ihnen in Verbindung bringen kann.
Wenn man irgendeinen Ansatz hat, um das Geschehen einzuordnen und
in Beziehung zu bringen zB mit Kraftentfaltung, Matt, Sieg oder großer
Vorteil. Der Grad an Möglichkeiten, die man hat, Nachteile
abzuschütteln und Vorteile zu verwirklichen.
Zum
Beispiel gibt es wichtige Strukturen, die lange Zeit erhalten
bleiben und solche, die nur kurzfristig an Wirkung zeigen. Die
langfristigen Strukturen werden massgeblich durch Bauernzüge verursacht
- da die Bauern verhältnismässig beschränkt in ihrer Flexibilität sind,
bringen sie es mit sich, strukturbildend zu sein. Hat man sie einmal
bewegt, stehen sie in einer entsprechenden Anordnung und weitere
Möglichkeiten sind festgelegt.
Es
gibt für jede typische Situation typische Felder oder Abschnitte des
Brettes, an dem sich ein Kampfschauplatz zuspitzt. Zum Beispiel ist das
Zentrum naheliegender Kampfschauplatz, und beide Parteien versuchen auf
es einzuwirken.
Man
wird ebenso finden, dass jede Situation
und jeder Zug auch einen Nachteil in sich birgt und man wird finden,
dass es gilt, diese Nachteile mit den Vorteilen abzuwägen, die sich
ebenso ergeben. Der Blick und der Fokus, das Gewicht, geht vom Angriff
aus. Es bringt es typischerweise mit sich, quasi syntropistisch, dass
ein Angriff selten ohne Wirkung bleibt und man zumindest den Gegner
beschäftigt. Die Situationen, zb die des Zentrums, können
verschieden mit Möglichkeiten gekennzeichnet sein,
zum Beispiel als offenes oder geschlossenes Zentrum vorliegen. Als
offenes Zentrum bringt es die Figuren besser zur Wirkung, was auf der
Hand liegt, da keine Bauern im Zentrum die Felder blockieren und Linien
und Diagonalen für die Figuren frei machen. Üblicherweise gibt es mehr
Löcher und Vorposten in offenen Stellungen als in geschlossenen.
Dass sie jeweils
verschieden sind von Partie zu Partie macht die Sache spannend.
Aber das ganze Geschehen eint den Gedanken, dass es immer auf die
grosstmögliche Wirkung von Kräften hinsichtlich bestimmter Punkte
ankommt, und die Art und Weise, wie diese Kräfte von Eröffnung an
angeordnet werden, entscheidet über diese späteren Kampfverläufe. Das
Schachspiel lerhrt uns damit auch eine gekonnte Art der Weitsicht.
Man
kann das Denken der Großmeister als Vorbild nehmen, versuchen wie ein
Großmeister zu denken - man wird wohl kaum so gut werden, wie
Großmeister oder andere Meister, die statistische Wahrscheinlichkeit spricht dagegen. Doch sie denken in einer Art, die
grundsätzlich für alle Spielstufen in Frage kommt und Großmeister
denken in Kampfschauplätzen und Stellungsmerkmalen.
Sie suchen den
Dreh- und Angelpunkt in bestimmten Situationen und sehen das
stärkstmögliche Potential. Grundsätzlich versuchen sie es zu erreichen, dieses
Momentum stärkstmöglicher Kraftentfaltung. Was sie sehen ist immer an
das Wirken von Figuren, Feldern oder Stellungen gebunden. Es ist
etwas konkretes, nicht so abstrakt, wie man glaubt, weil man meint,
Großmeister könnten nur viel tiefer rechnen. Freilich haben sie im
Vorstellungsvermögen eine grössere Genauigkeit.
Man
kann sich anschauen, wie Großmeister oder allgemein stärkere Spieler
Probleme lösen. Zum Beispiel, wann das Zentrum zum Beispiel bedeutend
wurde. Oder wie man in einer schwierigen Stellung ein passendes Motiv
gefunden hat (was meist durch Eröffnung eines Kampfschauplatzes
ersichtlich wird; etwa ein Bauernangriff, oder Öffnung einer Linie oder
Diagonale, eine akute Fesselung usw.).
Man
kann den
Großmeistern gut folgen bis zur kritischen Mittelspielstellung, wo es
oft dann um den Einsatz der aufgestellten Figuren geht, und es um
taktische Züge gehen kann. Bis zum Mittelspiel kann man von den
Großmeistern Anschauungsunterricht in grundsätzlichen Plänen sehen, wie
man aus der Eröffnung heraus kommt und dabeidie Strukturen beachten,
das Wirkungsfeld von Figuren und die hauptsächlichen Merkmale von
Stellungen (zB schwache oder starke Felder). Und wie sie dabei aus der
Eröffnung heraus kommen, und eine Stellung fügen, in der die greifbaren
Möglichkeiten von der Initiative abhängen, die man einsetzen kann.
Das heisst, in einer guten Entwicklung der Spielanlage geht es um das
Ausnutzen oder Suchen von Initiative, die durch das Aufstellen der
eigenen Figuren massgeblich gefördert oder gehemmt wird.
Großmeisterpartien sind Beispiele, in denen man hin und wieder beachten
muss, dass sie viel feiner das Material gegen die Position abwägen, was
ein spielschwächerer Spieler sich nicht leisten will (zB Springeropfer
für eine gute Angriffsoption). Denn viele taktische Wendungen mögen zu
Positionen führen, die uns überfordern, aber den Großmeister eine
Situation bieten, wo sie diese feinen Nuancen von Kraft zum Erfolg
durchbringen können, die sich allein mit der besseren Position bei
materiellen Nachteil ergibt. Immerhin kann einem diese
Überlegungsweise inspirieren und ein besserer Spieler versucht
nun sehr viel öfter, Position gegen Material abzuwiegen.
Wenn man einen Blick für den wichtigsten Kampfschauplatz hat, für die
Drohungen die mit dem König verbunden sind, nämlich dem Mattangriff,
wird man als zweiten Schritt die richtigen Züge der Verteidigung suchen
müssen. In Partien der Großmeister erweist sich der Erfolg dadurch,
dass sie niemals sicherheitshalber verteidigen, allenfalls einen
wichtigen Zug des Gegners "prophylaktisch" zu begegnen. Aber nicht,
wenn keine Gefahr droht zu verteidigen, weil es kommt auf jedes
Tempo an.
Jeder Zug kann die eigene Situation verbessern oder verschlechtern.
Im
Leben wie im Schach geht es um
Energien.
Es geht um die Funktion und das Wirken von Kräften, im Schachspiel
symbolisiert durch Figuren auf einem eingegrenzten Spielfeld. Bedeutend
sind die vielen Ebenen, auf denen das Geschehen mit den Figuren
stattfindet. Es gilt in einem Zug die Position, die Möglichkeiten, die
Verteidigung, ein Brettabschnitt, schwache Felder, potentiell schwache
Felder zu beurteilen. Man wird finden, es ist unzureichend, weil zu
umständlich, eine Strichliste zu machen, mit der man jeden Zug nach und
nach durchgeht und alles bis ins einzelne berechnet. Nein, die Kunst
der Großmeister besteht darin, eine sehr gute Übersicht über die
bedeutenden Stelungsmerkmale zu haben, und erst dann rechnen sie einen
Zug durch. Das Können, einen Zug durchzurechnen ist gar nicht so
verschieden von Großmeistern zu schwächeren Spielern - es gibt eine
Schwelle in der Funktion des logischen Denkens, analog dem Durchrechnen von Zügen, ab der keine Steigerung mehr
möglich ist.
Die
Rechenkunst ist nicht so wichtig, wie das "bildliche" Denken. Gemeint ist nicht Phantasie oder Inspiration.
Die
Intuition , die mit dem Urteil verbunden ist, ist nicht jene Intuition,
die auf Gutglück zum richtigen Ziel kommt.
Sondern diese Form der
schachlichen Intuition ist das zutreffende Erfassen von grundlegenden
Gesetzen, wo das Urteil sich auf die Wirkungsweise der Position und
Figuren bezieht, ohne es dabei auf einen einzelnen Zug anzulegen,
sondern etwas, was mit der Stellung und ihrem Wirken zu tun hat.
Hin
und wieder nützlich ist die Leitidee: Nicht beeindrucken lassen. Wenn
der Gegner einen Angriff versucht, dann kann man die Folgen
ergründen und es versuchen auszunutzen. Man wird sehen, dass der Gegner
einen auch die Tür öffnen kann, wenn man es absieht und versucht
auszunutzen. Es muss nicht der klassische Konterangriff sein, sondern
dass man die Position durch die Aktivität des Gegners nicht
verschlechtern, sondern sogar verbessern konnte.V ersuchen, den Vorteil
, der möglich wird, zu erkennen und für sich zu erzwingen so dass
der gegnerische Vorteil durch den eigenen Vorteil nicht mehr so stark
erscheint.
Massgeblich für starkes Spiel ist das Schauen und das
Urteils-Vermögen: die Stellungen in ihrer Bedeutung zu erfassen, die
verschiedene Momente, Ebenen und Stellungen in der Vorstellungskraft
auseinanderzuhalten und zu beurteilen.
Man
wird als nicht so starker, und so erfahrener Spieler sicher nicht
besonders deutlich das Kommende einer Stellung voraussehen, oder wie
sich Strukturen ergeben und entfalten, aber man kann beginnen um
sie zu ahnen. Mit der Zeit vertieft man das Wissen durch Erfahrung.
Es geht mehr um die Bedeutung des Geschehens, um die Stellungsmerkmale als um die Rechenkunst allein.
Dieses
Spielfeld offenbart ganz bestimmte Möglichkeiten - zum Beispiel wird
eine Figur im Zentrum anders wirken und andere Möglichkeiten vorfinden,
als am Rand des Brettes. Verschiedene Stellungen bringen ein
verschiedenes Wirken der Figuren hervor, und verschiedene Vor- oder
Nachteile. Es gitb typische Stellungsmotive und Erfahrung über das
Wirken dieser Stellungen vertieft die Umgangsweise mit solchen
Stellungen.
Es
ist hilfreich, die Strukturen
zu studieren, die sich mit den Stellungen der Bauern ergeben. Man
beobachtet, wie Figuren im Zusammenhang mit diesen Stellungsmerkmalen
wirken.
Man
kann den Raum ins Auge fassen, der sich massgeblich dadurch
ergibt, wie die Bauern stehen. Offene Linien, offene Diagonalen - oder
Potentiale, die zu offenen Linien und Diagonalen führen. Manchmal
drückt sich das auf Umwegen aus, die auf den ersten Blick als nicht
durchführbar scheinen - aber bei näheren Blick eine taktische Wendung
enthalten, als ginge man zwei oder drei Schritte, die etwas erzwungen
haben und befindet sich nun in einer Situation, die einem genehm ist.
Es
offenbart sich nicht nur die Wichtigkeit
der Bauernstrukturen, sondern im Grunde die Bedeutung des ganzen
Spielfeldes,
das durch Figuren eine Besonderheit erhält - und zwar je nach dem wo
sie stehen (!). Man erkennt, dass das
Spielfeld seine Bedeutung verändert, je nach Figuren, die auf dem Feld
angeordnet werden. Bauern erweisen sich dabei als grundlegende
Fixpunkte, die eine Stellung fixieren können, also festlegen können.
Sie sind die wahren Strukturgeber.
Wenn ich mir überlege, wie ich in den
Hochgenuß des Schachspielens komme, dreht es sich dabei nicht um das
Gewinnen, sondern Erkennen grundlegender Merkmale. Wenn ich im Schach
beobachten kann, wie Strukturen sich verändern, Strategien zum Einsatz
kommen und Kampfschauplätze ihr Gesicht ändern... und sich schließlich
Vor- oder Nachteile manifestieren...
Dabei
ist es vordergründig, dass man in jedem Augenblich der Zugwahl
verschiedene Möglichkeiten der Stellung berücksichtigen muss. Manchmal,
sehr oft eigentlich, ändert sich mit einem Zug des Gegners oder einem
eigenen Zug die Möglichkeit des weiteren Geschehens und diese Dinge in
der Übersicht zu behalten, stellt eine der Herausforderungen dar. Dazu
gehört, dass man auch Probleme, die sich auftun, begegnen muss.
Das kann zB ein geschickter Umgang mit der Aufstellung der Figuren
bedeuten, wenn man einen schwachen Läufer hat (der von eigenen Figuren
abgesperrt ist, vor allem durch eigene Bauern; dann stellt man zB den
Läufer oder andere Figuren entsprechend auf Felder, wo noch großtmögliches Potential der
Läufer in Aussicht steht).
Wir
befinden uns in einem
Spielfeld der Wirkung von verschiedenen Kräften, die vereint und
gegeneinander angeordnet werden können, mit dem Ziel, die bestmögliche
Verteilung und Anordnung der Kräfte zu sichern. Es gibt da so einen
König, der als die schwächste Figur gilt. Dies ist der besondere
Faktor, der die Sache spannend macht.
Das Spielfeld zu verbessern im Sinne eines Ganzen,
ist bereits grundlegender Sinn der Natur und aller Kräfte, die es
gibt. Es gibt ja nicht nur das Spielfeld des Schachspiels, auch andere
Spiele (zB Dame oder selbst Monopoly), wo es um Kräfte geht, die ihre
bestimmte Wirkung haben. Kräfte haben es an sich, auf Gegenkräfte zu stoßen (zB Schwarz/Weiss).
Je nachdem, wo wir stehen, erfahren wir diese
Kräfte verschieden und wir sichern uns - laut einem Naturgesetz -
instinktiv die besten Plätze. Aber es geht nicht um Sicherheit in
dem Sinne, dass man nur noch Gefahren und Risiken vermeidet. Da es um
die höchstmögliche Energieaufbereitung geht, kommt man nicht umhin,
auch ein Risiko anzuwenden. Die Gefahr zu verlieren ist natürlich
(k)ein Weltuntergang. Die Größe zeigt sich nicht nur wie man spielt, sondern auch darin, wie man verliert.
Im
Leben gibt es weitere
Spielfelder, wo Kräfte eingesetzt werden. Sie alle haben verschiedene
Ausformung und Dimensionalität, doch sie alle eint, ein Spielfeld von
Kräften zu sein. Nun, was wäre eine Schlachtfeld, ohne Ziel? Es wäre
nur Chaos. Ein wildes Aufeinandertreffen von Kräften, ohne
Entscheidung. Sobald ein Ziel existiert, gibt es die Möglichkeit der
Entscheidung.
Schach ist mehr als nur ein Strategiespiel. Es ist mehr als nur ein
Denksport, sondern auch ein Kampf. Die Strategie wäre bedeutungslos, ginge es nicht um das Gewinnen oder
ein anderes Ziel, das im Schach begründet wäre.
Schach
hat ein Klischee abbekommen, es sei ein Spiel für intelligente Leute
oder es ist so etwas wie Skat, nur für Experten. Es ist natürlich nicht
jedermanns Sache, aber so schwer ist Schachspielen nicht. Es ist eine
Sache für sich, in der man die Regeln bald kennt, aber die wichtigsten
Regeln sind darauf gebaut, wie man besser Schach spielen lernt. Und auf
dem Weg, eine stetige Verbesserung zu erreichen oder überhaupt Ideen
dazu zu haben, die ein Ergebnis zeitigen, verfeinert man im Grunde auch
seine Auffassungsgabe.
Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht,
dass das Schachspiel allgemein auch als eine Übung im Denken angesehen
werden kann. Mit dem Denken lässt sich eine gewisse Disziplin aneignen.
Erst kommt dies, dann das. Man studiert eine Ordnung, erfährt eine
Unterscheidung von Kräften und Zusammenhängen.
Man
erfährt
also diesen vielfältigen aber geordneten Impuls, der sich subtil auch
auf das allgemeine Denken im Alltag auswirken kann. Die bestmögliche
Ordnung zu finden, die sich letztendlich in dem ausdrückt, was man in
der Hand hat und beeinflussen kann.
Aber wie spiel
man nun besser Schach? Ich bin der Meinung, es gibt dafür eine goldene
Regel, die alles zusammenfasst. Die muss man allerdings selbst verinnerlichen. Es nützt wenig zu
sagen, man muss das Schachspielen in seinen eigenen Gesetzen erkennen.
Also nicht nur das Schachspiel mit seinen Regeln, sondern das Spielen
gehört auch dazu, damit man diese Gesetze und Regeln versteht in ihrer Bedeutung.
Es
gibt entscheidende Merkmale, die immer wieder
ausschlaggebend sind und die besseren Spieler wenden diesxe Grundlage
bewusst oder unbewusst an. Im Grunde läuft es daraufhinaus, dass man
gewinnen will. Es ist nicht so einfach, wie es sich anhört. Der bessere
Spieler sucht die Angriffsmöglichkeiten. Er versucht in einer
materiell unausgeglichen Positionen noch das Heft in der Hand zu
behalten, indem er auf die Angriffsmöglichkeiten und Initative achtet
und kontinuierlich versucht das Tempo, das der Gegner durch das Opfer
verloren hat, auszubauen oder zu erweitern. In einer Partie muss sich
nach einem Opfer von Material noch beweisen, ob man diese Energie die
man vor allem durch die aktivere Figurenaufstellung nebst Drohungen
gewinnt, genügend umsetzen und verwalten kann.
Kennt
man das
Ziel, ist der Weg jedenfalls schon vorgezeichnet. Denn man versucht zu
gewinnen. Dafür muss man Gewinnwege kennen. Man prüft dann noch,
welcher Weg nicht zum Ziel führt und sammelt Erfahrung.
Es
gibt immer wieder besondere Ausnahmen oder spezifische Dinge zu
beachten. So zum Beispiel geht es natürlich immer um den besten Zug,
aber es spielt auch eine Rolle, mit welchem Ausgangspunkt man
ausgestattet ist. Manchmal spielt man zB bestimmte Eröffnungen, weil
man vom Spieltypus diese bevorzugt, oder man wählt eine Stellung, die
intuitiv oder nach allgemeinen Kriterien beurteilt geeignet scheint.
Man versteht nicht immer alles in der Stellung, sieht aber zB dass die
eigenen Figuren flexibel sind, und in wenigen Zügen verschiedene
Brettabschnitte erreichen können, oder dass die eigenen Bauern
bestimmte Stellungen schliessen oder öffnen können zum eigenen Vorteil.
Diese grundlegenden Konzepte, die man in der Hinterhand hat,
ergeben sich oft nebenbei. Und sind Resultat einer soliden Spielweise.
Auch
wenn man nicht konkret absehen kann, dass ein Springer, den man an den
Rand des Feldes stellt, dort wirklich schlechter steht, ist es ein Zug,
den bessere Spieler nicht zur Priorität machen werden. Am besten stellt
man die Figuren immer so auf, dass sie gut wirken, auch wenn nichts
konkret ist. Es offenbart sich so eine Art "Glück", das mit der
Aufstellung der eigenen Figuren zusammenhängt. Man hat es nicht
berechnet, aber es hat sich ergeben.
Man kann selbst
als Großmeister nicht nur die besten Züge finden. Man sollte nicht
versuchen, Großmeisterpartien daraufhin zu untersuchen, ob es der beste
Zug ist, sondern ob man die Stärke und Absicht, oder Idee versteht. Und
manche Ideen
erweisen sich eben auch bei Großmeistern als falsch und als Schwächung
der Stellung. Man soll nicht meinen, nur weil es ein Großmeister
gespielt hat, kann man es selbst anwenden, denn das ist auch an der
Spielstärke gebunden, ob man mit der Situation umgehen kann.
Den impliziten Sinn , der einer Sache zugrunde liegt, kann man erkennen, wenn man das
Spiel der vielen Kräfte studiert. Es offenbart sich als
zwangsläufige Logik, die sich aus dem Wirken und den verschiedenen
Grundlagen der Kräfte ergibt.
Man
findet, dass eine Ästhetik, eine Bewertung ausschlaggebend wird. Diese
Ästhetik, der Geschmack an starken Zügen, bedeutet im Schachspiel das Wissen um den
bestmöglichen Zug, denn dieser stärkste Zug offenbart das eigentliche Ziel, worum es geht.
Das ist dann der geschulte Geschmack für jene Züge, die man bevorzugt,
und die aktiver sind, die stärker sind und mehr Potential bereit
halten, die eigene Kraft bzw. eigene Kräfte optimal zur Wirkung zu
bringen. Selten, dass dies Ziel mit Hauruckmethoden funktioniert.
Selbst im Leben können wir uns nicht einfach nehmen, was wir wollen,
auf dem Spielfeld Erde müssen wir darum kämpfen und es bedeutet eine
Auseinandersetzung, die über mehrere Etappen geht.
Es
gibt unter den unzähligen Möglichkeiten eine Angelegenheit, die immer
wieder naheliegend wird, um davon auszugehen. Das ist der Angriffszug.
Entweder kann man attackieren, um direkt zu gewinnen, oder es gibt die
Nötigung der Verteidigung, aus der man sich mit einem wohl überlegten
Angriffszug befreien kann. Oder mit dem man zumindest sich Möglichkeiten des Angriffs so gut wie möglich offen hält.
Es
geht im Prinzip eines jeden Zuges gesehen darum, möglichst die Initiative zu suchen.
Solche Züge zu bevorzugen, die
den Gegner zu etwas zwingen. Das sind Züge, wo man im nächsten Zug mehr
Freiheiten erhält, weil man praktisch ein Tempo mit des Gegners
Reaktion gewonnen hat. Es entsteht eine Situation, in der man anstelle ihm den weiteren Angriff zu
bestimmen vermag.
Insgesamt
geht es darum, die größmögliche Kraft mit dem einen Zug zu suchen, den
man augenblicklich zur Verfügung hat, so weit man die Stellung
beurteilen kann.
Ein Angriff ist natürlich immer auch ein
Risiko. Die Kunst besteht darin, das Risiko tragen und den wahren Lohn
einsacken zu können.
Fortgeschrittene Spieler wählen dazu auch
sogenannte Opfer (man opfert eine Figur, die den Raum öffnet oder andere Vorteile bewirkt, um dadurch
Kompensation mittels neuer Angriffsmotive zu erhalten).
Natürlich
ist der pauschale Angriff kein taugliches Konzept. Vielmehr geht es um das Prinzip, und praktisch oft um
die Vorbereitung
dieser Angriffe, oder um die Möglichkeiten, die man sich aufrecht
erhält , um im richtigen Moment zuzuschlagen.
Man sucht solche Züge,
bei denen jeder Zug möglichst das
Angriffspotential aufrecht erhält, auch wenn der Gegner bestimmte
Angriffsmotive neutralisiert. Das bringt mit sich, dass man immer ein Auge auf die Position haben muss, die sich entwickelt.
Das bedeutet zum Beispiel, dass Figuren
die an den Rand des Brettes gestellt werden, je nach Figur, schlechter
stehen als in der Mitte und dem Zentrum des Brettes.
Wichtiger
als alle Regeln zu befolgen, ist es den Augenblick zu erkennen, in dem
etwas geschieht. Man beobachtet und sammelt Erfahrungen und wendet es
in der Praxis an und beobachtet wiederum, während man unentweg alles, was man sehen kann, beurteilt.
Die
Stellungen weisen verschiedene Merkmale auf. Es ist wohl kaum möglich,
jede einzelne Stellung in ihren späteren Auswirkungen genau
vorherzusehen. Sondern man schätzt typische Stellungsmerkmale ab, die
grundlegend in der Stellung festgelegt sein werden. Das sind Vorposten
(Figur kann durch Bauern vertrieben werden, Löcher (kann durch keinen
gegnerischen Bauern vertrieben werden, oder Bauernstrukturen und
Wirkungsräume für die Figuren.
Eine
Sache wird sich niemals ändern, dass der König sicher stehen
muss, damit man seine Angriffspläne umsetzen kann.
Angriffspläne,
das kann alles mögliche sein. Eine offene Linie zum eigenen
Vorteil schaffen, oder ein direkter Königsangriff.
Mit
dem Suchen nach Dynamik, Energie, ergibt sich die passable Methode,
nicht auf Nummer Sicher zu gehen, sondern für den Augenblick auch
eine Deckungsfigur, die momentan keinen ZWECK erfüllt, weil nichts
bedroht wird, abzuziehen um sie am Angriff teilnehmen zu lassen.
Eigene
Schwächen vorübergehend in Kauf zu nehmen, um den Gegner direkt
und konkret zu beschäftigen, ist eine effektive Grundspielweise,
um die zu wissen, sehr hilfreich ist. Man setzt also mehr auf
Angriff, als auf Deckung im Moment nicht bedrohter Felder, denn die
Figuren sollen am besten zum Einsatz kommen und nicht untätig sein.
Man sucht am besten immer nach der stärkstmöglichen Anordnung der Figuren.
Es erweist sich immer wieder als zutreffend, dass
man für die Betrachtung und Bewertung einer Stellung - in jedem
Augenblick, in jedem Zug - mehrere Ebenen auseinander und
zusammen nehmen muss. Ebenen, auf denen man die Stellungsmerkmale
betrachtet und sie einander abwägen lernt. Denn es gibt da sehr
vieles, was man beachten muss. Es gibt Prioritäten.
Das
Wichtigste ist der König, ob er angegriffen werden kann. Danach kommen
andere Figuren, auf die man Druckspiel ausüben kann um entscheidenden
vor allem materiellen Vorteil zu erhalten.
Das
Figurenspiel. Mit dem Figurenspiel verbunden sind die Wirkungen der
Figuren auf dem Spielfeld, das beinhaltet auch taktische Kombinationen.
Man betrachtet die Wirkung, die die Figuren in einer bestimmten Stellung haben. Es ist der Weg zum Erfolg, diese Bedeutungen zu
erkennen, die eine Stellung mit ihren Strukturen aufweist. Die
Strukturen gehen typischerweise und grundlegend von den Bauern aus, wie
sie angeordnet sind.
Man braucht dabei ein wenig Flexibilität, um die verschiedenen Stellungen immer wieder neu ins Auge zu fassen.
So
ist zum Beispiel ein isolierter Bauer immer eine besondere
Schwäche. Aber da jede Figur - in einer entsprechenden Stellung - auch
einen Vorteil aufweisen kann, zusammen mit dem Nachteil, gibt es kein
Dogma zu befolgen.
So gibt es zB verschiedene Eröffnungssysteme, in der
Schwarz meist mit dem c5 Sprengungszug einen isolierten Damenbauern hinnimmt,
zB nach der Zugfolge:
1. d2-d4
d7-d5
2. c2-c4
e7-e6
3. Sb1-c3
c7-c5
Man kann diesen isolierten Bauern auf d5, der sich nach dem Abtauschen ergibt:
4.
c4xd5 e6xd5 sowohl als Nachteil als auch potentiellen
Druckmacher ansehen.
Der
Bauer ist nicht per se schlecht, da er vom
Zentrum ausgehend das weisse Spiel beeinflussen kann. Wenn Weiß den
Bauern auf c5 nimmt, entstünde der isolierte Bauer für Schwarz. Dieser
hätte dann aber keinen gegnerischen Bauern vor sich, nur auf e3, und
das macht ihn zum starken Bauern. Es würde ganz anders aussehen und
wirken, wenn ein isolierter Bauer von einem gegnerischen Bauern
blockiert ist, das wäre ein schlechter isolierter Bauer. In beiden Fällen bleibt es aber ein isolierter Bauer (auch Isolani
genannt), der seine besonderen Eigenschaften hat , eine
davon wird immer seine Schwäche sein. Wer den Isolani hat, sollte
auf ihn achten, und aber nicht prinzipiell verteidigen, sondern
versuchen ihn aktiv einzusetzen. Weiterhin wird der Spieler mit
Isolani versuchen, die Figuren auf dem Brett zu halten und der Gegner
versuchen abzutauschen um Verteidigungsfiguren für den Bauern vom Brett
zu bekommen und gleichzeitig das Aktionspotential eines Isolanis zu
nehmen, wenn ihn keine weiteren Figuren unterstützen.
Meist
ergibt sich, dass der Gegner den Bauern mit einer Figur verteidigt, und
in einer Weise des Abtausches, er selbst später dort einen Bauern
bekommt so dass sich zwei Isolani gegenüber stehen. Darauf kann Schwarz
hinarbeiten, oder es als Ziel anvisieren, dass er auf dem Blockadefeld
vor dem Isolani eine gegnerische Figur abtauschen kann, so dass der
Gegner mit einem Bauern zurücknehmen muss.
Insgesamt
kann bei oben genannter Variante Schwarz
seine anderen Figuren durch die offenen Linien leicht ins Spiel
bringen, das Spiel ist für ihn vorteilhaft geöffnet
. Er kann das weitere Spiel danach ausrichten versuchen,
den eigentlichen
Schwachpunkt des isolierten Bauern zu einer Stärke auszunutzen .
Weiss will natürlich versuchen, den Bauern in seiner Schwäche
offenzulegen oder den Vorteil zu untergraben, durch einen günstigen
Abtausch (zB mittels seinem e-Bauern).
Anderes Beispiel:
Eine Phalanx nennt sich eine Bauernkette, deren Bauern auf derselben Reihe stehen, zB am Königsflügel h4, g4, f4.
Eine typische Wirkung der Phalanx ist eine gewisse Macht, sie begrenzt
das Spiel zu einer gewissen Linie, die blockiert ist und mit der alles
weitere geschehen kann. Linien sind geschlossen, übrigens vor allem
Diagonalen.
Stehen Bauern auf einer Diagonalen, zB h2, g3, f4, dann
offenbaren sie eine Lücke, mehrere Felder, in denen und durch die
Figuren wirken können. In erster Linie ist es vorteilhaft, findet man
selbst
auf der Seite des Gegners diese offenen Strukturen, an denen sich
Wirkung zusammenballt, und verhindert sie auf der eigenen Seite, so
dass der König lang genug in Sicherheit steht. Oft - ja sehr oft, es
ist fast das Besondere an diesem Spiel - oft ist es eine Frage des
Tempos, dass man schneller ist als der Gegner und ihn "mit den eigenen
Drohungen im Schach halten" kann (sowohl sprichwörtlich als auch
im übertragenen Sinne).
Die Phalanx von Bauern gilt als
stärkste Anordnung von Bauern - aber natürlich nur prinzipiell und
nicht pauschal. Generell ist diese Phalanx aber ein Merkmal, das viele
Spieler anstreben, weil es die Probleme von Bauern vermeidet und Im
Gegenteil einige wichtige Vorteile bringt. Die Phalanx kann sich
jederzeit auch wieder lösen um größeren Druck mit den Bauern auszuüben
oder taktische Wendungen zu erzwingen.
Jede Stellung schafft
ihre eigene Möglichkeiten und man muss auch beurteilen, worauf das
Verschieben von Bauern hinaus läuft und sich später durch das jetzige
Vorrücken der Bauern und dem Lösen aus der Phalanx eine viel stärkere
Phalanx von Bauern ergibt, die weit in das Feindesland hineinwirken. Es
gibt sogar Mattstellungen, wo die Bauern den König mattsetzten.
Weitere
Beispiele bei Bauernstrukturen ergeben sich, wenn man die Möglichkeiten
betrachtet, die eine bestimmte Anordnung eigener und gegnerischer
Bauern mit sich bringt. In bestimmten Stellungen kann ein gegnerischer
Bauer die Handlungsmöglichkeiten der eigenen Bauern einschränken, indem
er das weitere Vorrücken verhindert oder erschwert. Wenn man, bevor es
dazu kommen kann, die eigenen Bauern entsprechend bewegt oder anordnet,
kann man sich diesen schweren Nachteil entgegen stellen. Oft
bedeutet dies, dass man einen Bauern vorrückt, um das gegnerische
Vorrücken zu erschweren, aber es muss damit nicht eine geschlossene,
festgelegte Bauernstruktur entstehen. Man will die Bauern auch
zusammenhalten, und der Gegner will seine schlechten los werden um uns
schlechte Strukturen zu verpassen. Bauernstrukturen offenbaren
verschiedene Qualitäten und Kräfte, je nachdem wie sie aufgebaut sind,
und welche typischen Strukturen sie bilden.
Solche
Dinge entdeckt man, wenn man die Stellungen genau beurteilt, und immer
wieder Zusammenhänge feststellt mit anderen Figuren.
In manchen Stellungen ist es wichtig,
wie die Läufer stehen und welche Möglichkeiten sie haben. Sie erfüllen
ja sonst keine Funktion. Und wenn der Gegner seinerseits die volle
Funktion seiner eigenen Figuren entfalten kann, macht sich der Nachteil
der eigenen vom Spielfeld abgedrängten Figuren erst recht bemerkbar.
Es hat
sich erwiesen, dass es immer wichtig ist, den schlechten Läufer zu
beachten, den man aufgrund der Bauernstruktur hat (der ist
eingeschlossen durch eigene Bauern; wenn also eigene
Bauern auf Feldern derselben Farbe des Läufers stehen). Wo dabei die
gegnerischen Figuren oder Bauern stehen ist nicht so wichtig, das
ergibt sich die Erfahrung. Denn es zählt mehr, was man mit seinen
eigenen Figuren, also zB den starken Läufern, Türmen und der Dame
entwickeln kann. Wenn man es sehr geschickt anstellt, werden auch die
Springer stark wirken, doch gewöhnlich sind sie oft im Nachteil
gegenüber Läufern.
Wichtig
für besseres Schachspielen ist also: Dass man auf das Figurenspiel
achtet, auf die Wirkung einer Figur. Das ist nicht nur, was zB
schlechte Läufer angeht, sondern überhaupt, welche Wirkung potentiell
in der Stellung enthalten ist auch für andere Figuren. Das mit den
schlechten Läufern ist ein wichtiger Merksatz.
Es
gibt auch einen anderen Merksatz: Die Figuren wirken erfahrungsgemäß
umso stärker, je besser und gesicherter sie im Zentrum stehen und von
dort wirken können.
Eine wichtige Regel ist , dass das
Spielgeschehen die Bauernstruktur auf den Kopf stellen kann, also
soweit verändern kann, dass man keinen schlechten Läufer mehr hat,
sondern einen etwas besseren oder sogar guten. Es kommt immer darauf
an, wie die Bauern stehen, um das zu beurteilen. Der Läufer kann sich
nur auf einer Farbe bewegen, weissen oder schwarzen Feldern - man
nennt ihn schwarzfeldrigen oder weissfeldrigen Läufer, je nachdem auf
welchen Feldern er sich bewegen kann.
Je mehr eigene Bauern auf
den Feldern der Farbe des Läufers stehen, umso schlechter ist es
prinzipiell. Natürlich muss man nicht auf Gedeih und Verderb für gute
Felder sorgen, weil das ganze Geschehen bringt es immer wieder mit
sich, dass einer der Läufer schlechter ist oder sogar beide nicht ganz
so gut. Es kommt darauf, diese Umstände zu berücksichtigen, damit man
sich darauf einstellt und bei Gelegenheit kann man auch manche
Stellungen verändern. Oder der Gegner tut dies.
Es zeigt sich,
dass man immer sehr viele Dinge im Schach überschauen muss, aber sie
ergeben sich praktisch von selbst, wenn man schaut, was so passiert und
die wichtigen Motive kennt.
Wissen
was man tut, heisst schauen lernen, die Motive erkennen. Die
Bedeutungen annäherungsweise und tiefer zu verstehen, was es bedeutet,
eine schwache Königsstellung
zu haben oder eine gegnerische Figur kommt
auf ein bestimmtes Feld wo es von Schaden ist für die eigene Position.
Die Verteidigung - man muss entweder zuviel Verteidigung
leisten oder hat zuwenig geleistet und das Beste ist, wenn man zB in
einer Weise denkt, wo der Verteidigungszug zugleich an potentieller
oder direkter Angriffszug ist. Sucht man immer das Beste, wird man auch
das Wesen des Schachspiels begreifen. Aber die Motive muss man kennen,
also Dinge, die man anwenden kann, und typische Strukturen, die eine
Wirkung haben.
Doch
mehr als nur Motive zu kennen, muss man taktisches, strategisches
beachten, und augenblickliche Probleme
erkennen - es gibt dabei die Besonderheit quasi technischer
Leistung, die Probleme mit grundlegender Taktik und auch mit der
Effizienz zu lösen zu
versuchen.
Zu der Effizienz gehört auch die Prüfung der eigenen
Vorgehensweise, ob man ans Ziel seiner Überlegungen kommt, ob man
versteht, was man mit den eigenen Figuren anstellt. Wenn man die
Grundregel der Initiative kennt und die Bedeutung des Zentrums als
vordergründigster und wichtigster und problematischster Kampfschauplatz
, wird man von allem Anfang an darauf doch eigentlich achten wollen.
Deshalb
empfehlen Großmeister, immer mit einem Zug zu beginnen und weitere in
der Eröffnung zu planen, die grundlegend das Geschehen dahin gehend
anordnen können, dass grundlegende Kampfbedingungen ausgeglichen
gegeben sind, wozu auch das objektiv wichtige Zentrum gehört. Wenn der
Gegner das Zentrum besetzen kann, muss man dagegen angehen. Es wäre
praktisch das Aufgeben des Kampfes um Initiative.
Also blockiert man
zumindest das Zentrum, sagen die Großmeister wohl, zum Beispiel mit
geschlossenen Stellungen. Man bewertet einen Bauern im gegnerischen
Lager zugleich als Vorteil für den Gegner (achtet die Stärke der
feindlichen Kraft), aber sieht ihn zugleich als eigenen Vorteil,
nämlich ein Angriffsobjekt und Zielpunkt zu haben. Ob der Angriff
später wirklich auf den Bauern gerichtet ist oder sich während dessen
weitere Kampfschauplätze offenbaren, ist nicht so wichtig, als dass ein
Angriff stattfindet. Das lässt sich anhand der Beurteilung der Wirkung
von Figuren feststellen, ob ein Angriff stattfindet , denn wenn dieser
stattfindet, ist er zugleich die Offenbarung darüber, dass bestimmte
Dinge möglich sind (die anzustreben sind). Das bedeutet alles, es ist
wirklich sehr von Vorteil, die Wirkung der Figuren zu beobachten. Und
das Geheimnis scheint zu sein: Ohne Kenntnis der Motive und
grundlegenden Strukturelemente, wird man das Wirken der Zusamenhänge
und wesentlichen Bedeutungen nicht feststellen können. Denn das Wirken
der Figuren ist typischerweise gebunden in verschiedene
Kampfschauplätze, wo Motive umgesetzt werden,
Das wichtigste Motiv ist immer, ein starkes Zentrum anzustreben. So denken Grolßmeister.
Man
gibt ja das Zentrum auf, wenn man nicht mit e2 oder
d4 eröffnet, oder zumindest mit Sf3 eröffnet. Und deshalb spielen so
viele Spieler, auch Großmeister auch ausschliesslich e4 , weil sie
damit eine aktive, auf Kampfschauplätze ausgerichtete Eröffnung
umsetzen können. Taktische Kombinationen ergeben sich besonders in
offenen Stellungen oder halboffenen Stellungen (zB Sizilianisch).
Geschloße Stellungen beinhalten die feinen Nuancen, die das Wirken der
Figuren betreffen.
Kombinationen,
wie sie in offenen Stellungen durch das Wirken der Figuren
herbeigeführt werden können, sind dagegen keine Nuancen mehr, da geht
es ums Ganze zuweilen oder große Vorteile.
Also je nach Spielweise,
wird man auch verschiedene Eröffnungen anstreben und man kann hier
besser unterscheiden, zwischen den Anfängern und DWZ bis 1400, weil
manchmal geht es darum, seine Erfahrungen zu suchen und zu machen. Ich
bin sicher: Wenn man besser wird in der Spielstärke, wird sich das mit
dem Zentrum wie von selbst ergeben. Es ist die Geschichte des
Schachspiels, die einen Erfahrungsprozess zeitigen könnte, wonach
Eröffnungen wie 1. f2-f4, oder 1. b2-b4, oder 1. g2-g3 .
Man lässt
bei g2-g3 mit nachfolgenden Lf1-g2 und schneller kurzer Rochade den
gegnerischen Bauern , der von e7 nach auf e5 zog, nicht auf e4
vorrücken wo er den Springer auf f3 bedroht, es sei denn man hat einen
Plan , der funktioniert. Aber normal sollte man irgendwann d2-d3
ziehen.
So ergeben sich immer dieselben Zentrumsstellungen, und
schon als Weißer bemüht man sich um Sprengung des Zentrums. Aus
logischem Gesichtspunkt, kann daher 1. g2-g3 mit keinem der E- oder
d-Bauern auf der vierten Reihe gut sein. Also muss man bei 1. g2-g3
praktisch immer e2-e4 oder d2-d4 spielen , sonst ist die
Eröffnungsweise verbaut (es geht ums Zentrum, objektiv gesehen). Wenn
gegnerische Bauern sich auf die vierte Reihe stellen können, wo
eigentlich mindestens ein eigener Bauer stehen sollte, und die
Situation ist nicht behoben, kann man von einem Eröffnungsfehler reden.
Man kann ja sogar mit g2-g3 eröffnen, da sich dadurch eine
praktisch gleich schnelle Einwirkung auf das Zentrum ergibt. Nur muss
man gewisse Dinge im Auge behalten.
Aber man kann auch später
g2-g3 ziehen, nachdem man das Zentrum besetzt hat. In jedem Fall nimmt
man dafür eine typische Königsstellung hin, in dessen Umgang,
d.h. Beachtung der Besonderheiten der Löcher auf h3 und wenn der
e-Bauer zieht auch auf f3 . Wenn man allerdings genügend darauf hin
gearbeitet hat, ist es solide spielbar . Es bietet eine besondere
Diagonalwirkung des Läufers, auf die man sich im weiteren Verlauf immer
wieder erproben kann, ob sich eine Kombination oder Angriff daraus
ergeben kann.
Schaden kann es nicht, mit dem ersten Zug und allen
weiteren bereits irgendwelche Anfangszüge anzustellen, die das
Angriffspotential der eigenen Figuren in einer optimalen Weise
entwickeln. Es ist sogar prinzipiell das Beste, was man machen
kann, auch wenn sich noch keine Motive, oder Angriffspläne ergeben. Man
stellt die Figuren so auf, dass sie beweglich bleiben und miteinander
arbeiten können, was man Koordination der Figuren nennt.
Man
vertieft die Erfahrung im Schach, wenn man zumindest eine Idee verfolgt
und ihre Bedeutung kennen lernt und immer wieder die Idee neu vertieft
und das Wissen darum konzentriert. Manche Erfahrung oder Idee, die man
experimentell anwendet, mag gerade in der Absicht des Prüfens
einer Idee liegen. Man probiert es aus, auch wenn es schief geht. Auf
Dauer will man nicht verlieren und zwingt sich damit zu der richtigen
Vorgehensweise, indem man mutig versteht, was man da vorfindet und die
Figuren zur Wirkung bringen kann. Es gibt so einige Dreh- und
Angelpunkte, um die es sich dann immer wieder dreht. Sie bestehen
eigentlich in einer ganz persönlichen Schachaufmerksamkeit. Da ich
feststelle, wie manches, was man selbst so tut, und anwendet, auch bei
vielen anderen so ist, kann man intuitiv schlußfolgern, dass es ein
ultimatives Konzept ist, das in der Grundstruktur immer gleich
beschaffen ist, nur individuell ganz auf eigene Weise gefunden werden
muss. Weil man es sonst nicht so recht versteht...
Die Motive und
das Wirken der Figuren (Figurenspiel) zu verstehen, hilft
dabei, ein wichtiges Teil dieses Konzeptes zu begreifen. Dabei kommt es
viel darauf an, aktive Figuren zu bevorzugen, Angriffe suchen, Angriffe
aufbauen, erzwingen, taktische Motive erkennen, Bauernketten zu
beachten, und all das ist gebunden an Stellungen. Also wenn man die
Motive in den Stellungen wiedererkennt und ihre Bedeutung erfährt und
per Einsicht versteht, dann hat man auf jeden Fall das Grundzeug,
besser Schach zu spielen.
Im weiteren Verlauf kommt es natürlich
darauf an, wieviel Zeit man einsetzen kann und will, und wie man sein
Talent einschätzt, was man glaubt, einmal schaffen zu können.
Ich
glaube, aus allem, was ich gehört habe, wird man ein
Großmeister nur, wenn man bereits mit frühen Jahren anfing, und
mindestens bis 18 Jahren bereits die Spielstärke hat, wo der nationale
Meister beginnt (oder sagen wir ELO 2100; bei 2300 erübrigt sich
die Frage, das ist dann schon nahe dran aber es gibt immer noch Mängel,
die dann ausschlaggebend werden). Wenn man zu spät die Idee hat, zu
erproben ja zu wünschen, Großmeister zu werden, wird das wohl
nichts werden. Das Gehirn ist sicher nicht adäquat darauf eingestellt
durch die frühe Übung, besonderes in diesem Spiel zu leisten, aber
festlegen würde ich mich da allerdings nicht. Es ist einfach ein
Zeichen, dass das Talent nicht groß genug ist, wenn man nicht bereits
in frühen Jahren darauf aufmerksam machte. Aber nicht jedes Talent
ähnelt da dem anderen und es gibt sicher auch Spätstarter.
Aber man kann in jedem Fall besser Schach spielen lernen , bis dahin wo das Talent noch hinreicht.
Dafür
, um ein starkes Schach zu spielen, gibt es diverse Grundregeln, mit
denen man sein Konzept aufbauen kann. Ein wichtiger Umstand ist es
immer, auf Initiative aus zu sein: Das ist, wenn man den Gegner zu
etwas zwingen kann, wenn er also reagieren muss. Dann übt man
Initiative aus. Man behält das Heft in der Hand. Deshalb nutzen manche
Eröffnungszüge mehr als andere. Der Gegner wird in vielen Fällen auf
unsere Züge reagieren und wir brauchen daher eine Bewertung der
Stellung, die über die aktuelle Position hinaus geht.
Manchmal ist
es sehr hilfreich, Partien nachzuspielen, und Sinn macht es, dabei die
verschiedenen Varianten durchzuspielen, entweder mit einem Computer
oder durch Augenmaß. Um zu vergleichen, wie verschieden Stellungen sein
können, die dann später , auch nach zehn Zügen und mehr,
ausschlaggebend sind.
Eine weitere grundregel: Es ist besser mit seinen
Zügen
einen Plan zu haben, als keinen Plan zu haben. Keine Ideen mit den Zügen zu verbinden,
die
man spielt, ist blindes Stochern.
Man
kann sicher auch andere Eröffnungen ausprobieren, als direkt im Zentrum
zu agieren,
in denen man von der Flanke her das gegnerische Zentrum her aufbricht
oder die Zeit für einen Königsangriff vorbereitet.
Es kommt nur darauf an, ob man erkennt, was da passiert und genügend
Gegenspiel entwickeln kann (daran zeigt sich, ob man die Eröffnung
erfolgreich bewältigt hat, wenn das Spiel zumindest ausgeglichen ist).
Im
Profischach ist es so, dass man mit Weiss einen kleinen Vorteil
aufgibt, wenn man nicht darum bemüht ist, das Zentrum zu
besetzen oder zu blockieren. Mit Weiss sollte man daher bewusst aktiv
vor gehen, und zB das Zentrum sofort übernehmen, um den Anfangsimpuls
zu nutzen.
Man
sieht daran schon, dass es von Anfang an um Kampfschauplätze und Felder
geht, mit denen dann Motive wie Königsangriff, offene Linien,
starke Bauern, schwache Bauern, Vorposten oder Löcher, gute
Läufer, schwache Läufer verbunden sind.
EIn
Erfahrungswert: Die Läufer kriegen die Diagonalen und
man beachtet Bauern, um gute Läufer zu bekommen.
Der
Springer bekommt die Löcher und Vorposten zugeteilt. Es erweist sich,
dass Vorposten und Löcher , die sich durch Bauernstrukturen ergeben,
für Springer am geeignetsten sind, vor allem, da sie zum Abtausch die
richtige Figur sind. Denn die Springer sind tatsächlich in ihrer
Wirkweise prinzipiell nicht so stark wie die Läufer ( objektiv und
aus Erfahrung). Und die Vorposten und Löcher bringen es mit sich, dass
dort der Gegner einwirken kann, und sich sehr wahrscheinlich ein
Abtausch ergeben kann ( das Rätsel des Erfolgs: es kommt drauf an, ob
eine Figur am Ende des Abtausches dort steht, die man dort stehen haben
will weil sie gut wirkt vor allem in der augenblicklichen Position im
Vergleich mit einer anderen Figur).
Aber natürlich sind sie herrliche Angriffswaffen, und Springer
können das von Vorposten und Löchern aus sehr gut beweisen.
Erfahrungen ergeben sich umso
tiefgründiger, je mehr man vom Geschehen versteht, und Bedeutungen
ablesen kann. Wenn man erkennt, wie die Figuren wirken, und was man
dafür tun kann. Großmeisterpartien sind dafür sehr vorteilhaft, am
besten wenn sie kommentiert sind.
Doch nichts geht über die eigene
Erfahrung. Am besten entdeckt man die Motive bei den Großmeistern, und
dann sucht man sie stets wiederzufinden im eigenen Spiel, oder dem von Freunden usw.. Aber das Entscheidende ist,
umso eigenständiger man dabei vorgeht, desto klarer wird die
Angelegenheit, da sie dann auf die grundsätzliche Syntropie des
Schachspielens kommt, wo das Schachspiel auch eine gewisse Übung für
die Lebenskräfte bedeutet, indem man sich auf grundlegender Ebene,
geistig, ein Bild von der Sache machen muss. Für mich hat
Schachspielen, richtig angestellt, immer auch etwas kontemplatives, da
man sich auch der Bilder und eben nicht nur der Operationen bedient.
Diese sind nur Zweck, um die Bilder dann vor sich zu haben, mit der
Vorstellungskraft zu zu verstehen. Wenn man etwas sieht, dann fasst man
einen Plan. Pläne zu haben, ist so ziemlich das Grundlegendste im
Schach.
Man wird Erfahrungen selbst dann noch sammeln, wenn die Pläne
unzureichend waren. Es ist immer wieder so, dass man altes Wissen
revidieren muss und neues Wissen mit den Erfahrungen integriert.
Auf
Youtube findet man eine gute Möglichkeit, sich ohne weiteres - also
quasi auf Anhieb - im Schach eine kleinere Schulung zu erfahren.
Man
versucht die
Züge zu verstehen, die Kommentatoren, die Varianten zeigen und
erklären, die Bedeutung verschiedener Stellung nachzuempfinden, wenn
man sich anschaut, was für Pläne und was für Wirkungen die Figuren
hatten, welche Motiove zum Einsatz kamen. Großmeisterpartien
können einem dabei vorzüglich helfen, diverse grundlegende Pläne,
bestimmte Züge und
Stellungen zu verstehen.
Wenn man die Motive kennt, um die es
immer
geht, kann man die Kommentare noch besser verstehen. Man verfolgt,
wovon die Kommentatoren sprechen. Gute sind dabei sehr tiefgründig,
Manchmal wird man nicht alles verstehen, weil ihre Erklärungen Lücken
lassen... - je nach eigener Spielstufe wird man verschiedene Dinge
sehen. Gerade ein Anfänger kann eine wunderbare Schulung erfahren,
welche Dinge typischerweise wichtig werden, wenn jemand beschreibt,
warum er einen bestimmten Zug anstelle eines anderen getan hat, weil
sich eine bestimmte Stellung (Position) damit ergeben hätte,
nämlich so abgewickelt zu haben. Hat man die Stellung vor Augen,
wird es einem leichter klar. Und es gibt unzählige Partien in denen
immer wieder dieselben Motive wiederkehren.
Beispiele:
http://www.youtube.com/watch?v=nFD8AUp0C00
Noch besser die Kommentare des Chessbase Channels:
http://www.youtube.com/watch?v=g24FUY03npI
Wer
das Englische einigermaßen versteht, wird viel Freude mit der breiten
Spanne englischer Partien haben, die auf Youtube analysiert werden.
Einfach mal probieren, ob man denen folgen kann.
Übrigens,
bei
Kommentatoren von Pfleger und Hort wird man oft sehr oberflächliche
Analysen hören, da die meiste Zeit nur getratscht wird. Es gibt
"dichtere" Analysen, die den Zeitaufwand mehr lohnen. Das liegt daran,
dass beide sich einen Stil angewöhnt haben, u.a. mehr über die Personen
zu reden als über das Schach.
Eine
gute Trainingsmethode ist bei Beobachten egal welcher Partien, immer,
sich zu überlegen, was man selbst ziehen würde, und/oder auf welche
Dinge man achten muss. Manchmal lohnt es , auf Pause zu drücken, wenn
man sich Stellungen näher angucken muss, um bestimmte Dinge zu
verstehen und zu ergründen, mit eigenen Augen. Wenn man dann hört, wie
im Spiel etwas ganz anderes gezogen wird oder besprochen wird, besteht
die Kunst darin, zu unterscheiden, ob die eigenen Überlegungen gänzlich
abwegig waren (weil man eine wichtige Sache vernachläsigte) oder es nur
an der Spielstärke liegt, dass man zu anderen Gedanken kommt.
Solcherlei macht das Lernen effektiv.
Man
muss auch nicht immer beim Kommentator bleiben, und kann sich derweil
die Stellung aufgrund anderer Dinge anschauen. Der Kommentator wird
einem nicht immer das persönlich Brauchbare liefern. Da empfiehlt es
sich Stopp zu drücken und die Stellung genauer anzuschauen. Es ist so,
der Kommentator liefert eine Sicht der Dinge, und man kann derweil
anderes im Auge behalten. Es ist äusserst wohltuende, wenn man mit
eigenen Gedanken dieselben Dinge sieht, die dann auch vom Kommentator
erwähnt werden. Es bestärkt einem darin, dass man auf dem richtigen Weg
ist.
Es
ist also vorteilhaft, Motive zu lernen, und ganz wichtig: Strukturen
und ihre Bedeutung zu erfassen. Was bedeutet mangelnde
Bewegungsfreiheit und der mangelnde Raum für die eigene Position? Was
bedeutet es, wenn man das Zentrum dem Gegner überlässt? Was bedeutet
es, wenn man eine offene Linie vor dem Gegner besetzen kann usw..
Man kann sich als
etwas stärkerer Spieler erlauben, eine augenblickliche Lage in Kauf zu
nehmen, die man ansonsten vermeiden würde (zB schwache Bauern und auch
anderes) - sofern man sehr viel augenblickliche Aktivität und/oder
nachhaltigen Vorteil aus der Stellung ziehen kann. Mancher Vorteil ergibt sich ja erst nach und nach.
Denn manchmal
kann es sein, dass eigene Figuren zB sehr exponiert stehen und leicht
angreifbar sind, aber wenn sie eine Menge Druck ausüben, dann kann
dieser Augenblick ein spielbewegender Moment sein.
Nach diesen
Momenten muss man suchen, wo am meisten Kraft der Figuren erzeugt
werden kann, auch wenn dabei die Verteidigung leidet. Die Kunst besteht
darin, das richtige Maß zu finden. Die Verteidigung der materiellen
oder positionellen Art darf prinzipiell umso mehr vernachlässigt
werden, je stärker der eigene Angriff ist.
Wenn man das lernen will,
empfiehlt es sich Beispiele zu finden und sie auszubauen, oder noch
besser in Großmeisterpartien nach diesen Motiven zu suchen bzw.
in Videos sie erklärt zu bekommen. (ZB auf Youtube).
Freilich, jeder
Spieler bringt andere Voraussetzungen mit. Ich versuche hier eine
Schachaufmerksamkeit zu beschreiben, von der ich glaube, dass sie auf
jeden, ob Anfänger oder Internationaler Meister zutrifft, weil es
grundlegendste Dinge sind.
Wenn
einem nicht wirklich der rote Faden zufällt, ein guter Plan, und zwar
von Eröffnung an, kann man zu Lernzwecken etwas experimentieren mit dem
Gedanken, einfach die Figuren erst mal aufzustellen gemäß der
Grundregeln der Eröffnung: keine Figuren zweimal ziehen, erst wenn
einige Figuren entwickelt sind; zentrale Felder den Flankenfelder
vorziehen; König in Sicherheit bringen; Zentrum entweder besetzen,
stützen, öffnen (zerschlagen), oder Vormarsch des Gegners unterbinden.
Dann kann man beobachten, was daraus entsteht. Es macht Spaß die
entstehenden Kampfschauplätze zu beobachten (zB der Kampf um offene
Linien, Kampf um das Zentrum, um Bauernstrukturen, starke Felder usw.).
Die
Kunst ist es, dass es niemals gerade Wege gibt und keine Regel, die
immer gültig sein muss. Es geht zwar um Aktion, aber auch um ein
langfristiges Ganzes. Deshalb muss man jeden Zug immer wieder neu
bewerten und doch braucht es einen roten Faden, an den man sich in
jeder Partie hängeln kann. Millionen spielstarke Spieler wenden dabei
ein Grundkonzept der Überlegung an, wo sie nach Vorteilen suchen, um
die Stellung und Partie für sich zu entscheiden. Sie wägen etwaige
Nachteile ab, aber die Vorteile sind es, um die es in erster Linie geht.
Es ist Tatsache, dass man auch mal eine
schlechter postierte Figur im geeigneten Moment in Kauf nehmen muss,
und andere Figuren manövrieren auf ihrem Weg zu einer wirklichen guten
Position auf dem Brett. Wenn der Gegner einen passiv aussehenden Zug
macht, sollten die Alarmglocken zuweilen angehen, um zu schauen, was er
damit vor hat.
Was
die eigenen Züge angeht, sollte man als Anfänger nicht nur auf
den Zug achten, den man selbst tut, sondern auf die gegnerischen
Antworten. Diese sind es eigentlich, die die Stellung verändern und
daraufhin muss man im vorhinein weitere Züge, Pläne, oder Absichten
verbinden. Sonst reitet man auf plausibel aussehenden Angriffszügen
rum, die der Gegner leicht parieren kann und wie aus heiterem Himmel
manövriert sich der Anfänger in eine miserable Stellung.
Im
Schachspiel finden wir Motive. Typische Manöver bauen auf Motiven auf.
Wie bringe ich einen Freibauern durch? Wie kann ich mich dem Ziel
nähern, ein starkes Feld zu beherrschen? Wie kann ich Profit aus der
schlechten Stellung des Königs ziehen? Wie kann ich einen Freibauern
von Beginn der Eröffnung an anstreben? Oft wird es dabei niemals um ein
einziges Ziel gehen, sondern man bedenkt so viele wie möglich und hält
die Position für seine Zwecke dementsprechend, dass diese oder andere
Motive möglich bleiben. Es ist fast in jedem dritten Zug nötig, einen
Kompromiss zu finden oder einzugehen. Es ist fast jeder zweite Zug ein
Mittel, um ein langfristiges Ziel zu verfolgen und es vorzubereiten.
Es aber jeder Zug immer eine Entscheidung, etwas an der Situation
zu verändern. Aus Gründen, die vielleicht im Verborgenen liegen, kommt
es so, dass der allererste Anfang immer wieder bedeutend wird, um eine
langfristige Tat zu verfolgen. Wenn man also andauernd versucht, mit
jedem Zug ein aktiverer Spiel zu erhalten, ist es der beste Weg, sich
jeden Zug etwas einfallen zu lassen, auf den einzelnen Zug bezogen, und
auf das Ganze. Wenn einem kein Zug einfällt, weil sie alle schlecht zu
sein scheinen, so lautet ein Spruch: man ziehe dann die Figur, die am
schlechtesten steht, um das Wirken dieser zu verbessern.
Natürlich
ist die Sache nie einfach und man muss erst mal die Figur und das Feld
finden. Oft geht es auch um Züge, die einfach nur Raum schaffen, und
die Bewegungsfreiheit eigener Figuren erweitern oder verbessern.
Wie kann ich einen
Köningsangriff früh im Spiel beginnen? Das sind die Fragen, die wir ans
Schachspiel richten. Das sind die Motive. Ausser Motive gibt es auch
Strukturen, die diese Motive erlauben und mit sich bringen. Man kann
sagen, mit den Strukturen ergibt sich ein Wirkungsfeld für die Figuren.
Strukturen
sind zB offene Linien und Diagonalen, Raumvorteil, intakte
Bauernketten. Sie bringen mit ihrer Struktur ein typisches Szenario mit
sich - die Strukturen können zu einem Vorteil ausgebaut werden. Es gibt
aber auch geschlossene Strukturen, wo sich das Spiel oftmals darum
dreht, im geeigneten vorteilhaften Moment das Spiel zu öffnen oder
schleichend einen Köningsangriff vorzubereiten oder einen anderen
Kampfschauplatz für sich zu entscheiden.
Wir brauchen wohl einfach nur eine Erfahrung,
eine Praxis, wo wir mit Kenntnis der Motive diese in unserem eigenen
Spiel wiederfinden. Motive sind die Dinge, um die man streben kann. Es
geht gar nicht so sehr um alle möglichen Kombinationen, die man nur
durchrechnen bräuchte. Wenn man wirklich besser werden will, muss man
den Blick auf die eigentlichen ABSICHTEN, ZIELE werfen. Das sind genau
die Stellungen, wo etwas zwingend wird, und wo man das Motiv, um dessen
Verwirklichung es geht, klar und deutlich greifbar sieht. Wenn etwas zu
realisieren ist, dahin richtet sich der Fokus und man überlegt und
berechnet erst aufgrund dieses Motivs.
In Blitzpartien kann man so
oft auch zu den naheliegenden Zügen kommen, weil der BLICK IN RICHTUNG
HÖCHSTMÖGLICHE ENTFALTUNG DER FIGUR BZW. KRAFT zielt.
Hat man einmal einen Blick für die Potenz
in einem Spiel, gewinnt man die Einsichten wie von selbst. Man muss
einen Blick bekommen für jene Stellungsmerkmale, die diese
höchstmögliche Kraftentfaltung einer Figur beinhalten. Dann kann man
nach Winkelzügen und Hebelwirkungen suchen, um dieses Ziel
möglichst umzuetzen.
Der Gegner wird das verhindern versuchen. Das
Ergebnis ist die Position. Die Überlegung bei beinahe jedem
Zug beinhaltet, ob die Position annehmbar ist. Die Position ist
immer etwas, das festgelegte Strukturen aufweist (zB durch Bauernketten
kann sich ergeben, dass es eine offene Linie gibt, oder dass man einen
schlechten oder guten Läufer hat).
Ein schlechter oder guter
Läufer ist ein sehr komplexer Sachverhalt. Es soll hier nur der Hinweis
folgen, dass man immer wieder mehrere Aspekte im Schachspiel
berücksichtigen muss, damit man vermeidet, sich weder taktische und
nicht offensichtliche Winkelzüge einzufangen, noch eine schlechte
positionelle, das heisst strategische Ausgangslage. Der Kampf um diese
und andere Motive findet auf einem Brettabschnitt oder auf bestimmten
Feldern statt und dieser ort nennt sich Kampfschauplatz.
In
den
Partien starker Spieler oder Großmeistern, wird man die Kämpfe
auf diesen Feldern oft nur unsichtbar beobachten, die Stellungen und
Motive sind noch verborgen, um die es geht - doch man kann
hinsehen, erkennt die Motive, weil sie oft einfachster Art
sind (zB offene Linien) . Und begreift die Bedeutung dieser Felder
durch diese Praxis des Wiedererkennens immer mehr.
Weil
man die Motive
kennt, kann man dem Geschehen folgen. Man versteht die Partie, man kann
ihr folgen wie ein Buch, das man liest. Und man braucht nicht die große
Übersicht und logische Abteilung
eines Großmeister, um diese Motive und Strukturen zu kennen, zu
erinnern, und damit hin und wieder
die Züge wirklich zu verstehen. Man kann nicht alles verstehen. Ich
glaube, dass viele Anfänger sich zuerst immer zu viel zumuten und nach
(für sie) unöglichen Lösungen suchen. Sie wollen alles verstehen, und
weil sie das nicht tun, glauben sie, dass Schachspielen für sie nicht
in Frage käme. Dabei ist es einfach so, dass man klein anfangen muss
und dann in die Sache - je nach Talent - immer mehr hineinwachsen
kann. Es gibt etwa 1000 Großmeister. Dann gibt es vielleicht
1.000.000 Internationale Meister. Und dann jede Menge guter
Vereinsspieler, das man fast von einem Land der Größenordnung eines
Kontinents sprechen könnte oder noch mehr. Und wenn man das weiter
hochrechnet, gibt es immer noch genügend starke Spieler, was alles
zeigt, dass ein bestimmtes Niveau des Schachspielens für jeden Menschen
möglich ist. Und das Geheimnis ist nicht das Talent, sondern in erster
Linie die Schachaufmerksamkeit und das Wissen, das sich auch in der
Beobachtung von Großmeisterpartien anwenden lässt.
Noch
was, es gibt immer mehr starke Spieler, weil die Bekanntheit des
Schachs und die Trainingsmethoden durch das Informationszeitalter
besser wurden.
Man kann dies auch in eigenen
Partien verstehen lernen. Es ist nicht (!) an den Blick eines
Großmeisters gebunden, überhaupt eine solche Aufmerksamkeit
leisten zu können, sondern der Grad dieser Aufmerksamkeit entscheidet,
wie gut man Schach spielt und mit der Zeit besser wird. Es geht also
mehr um Strukturen und Motive, als um bloße Berechnungen.
Womit hat man es beim Schachspiel eigentlich zu tun? Ein Vergleich hilft:
Grundlegend handelt es sich um die Anordnung von Kräften. Das ist das ganze Geschehen.
Auch
im Leben finden wir Kräfte, die nichts anderes im Sinn haben, als ihre
Kraft durchzusetzen.
Die
meisten dieser Kräfte befinden sich
übrigens im Menschen selbst. Dort erleben wir andauernd einen
Widerstreit von Kräften, ohne den das Leben nicht mühelos, sondern auch
langweilig wäre. Aber das Spielfeld des Menschen, sein Innenleben, das
ist auch das Spielfeld, um das es andauernd geht: Im Leben etwas tun
oder nicht tun bedeutet, Einfluss zu nehmen auf das Innenleben.
Das
wäre nicht so bedeutend, wenn das Innenleben nicht gleichbedeutend mit
dem Umstand wäre, eine objektive Wirklichkeit wahrzunehmen. Wir können
wahrnehmen, was wir wollen - dem Leben gerecht werden wir nur, wenn wir
die Kräfte in einer Weise anzuordnen wissen, das wir glücklich
werden. Denn ein Chaos an Innenleben bedeutet Unglück. Es ist ein
beinahe magische Konsequenz, dass das Leben, wie wir es empfinden und
damit auch im Aussen anziehen, von Innen ausgeht, und nicht so sehr die
Wirklichkeit in einem Aussen suchen müssten.
Im Leben streben wir nach Harmonie
und können die Kräfte nicht leugnen und müssen sie integrieren.
Übertragen
auf das Schachspiel ist es derselbe Kampf um Integration. Nur ist nun
der Gegensatz deutlicher, und ein Gegner tritt auf als eine Kraft,
die sich der unsrigen
Kraft entgegenstellt. Sie hat dasselbe vor wie wir. Also müssen wir
dieser Gegenkraft zuvorkommen. Aber eigentlich geht es darum, dass wir
bereits Aufseher und Anordner einer Kraft sind, die wir mit einer
Spielfarbe führen.
Es geht darum, diese Kräfte angemessen anzuordnen. Gäbe es dafür keinen
Prüfstein, kein Gegenüber, keine Gegenkraft, bliebe alles
namenlos, unbegriffen, ungeschehen, und wir könnten keine
Bedeutung aus dem Spiel ziehen.
Im Schachspiel drückt sich symbolisch
der Anfangimpuls des Werdens aus, bei dem es darum geht, eine
innewohnende Kraft (Trieb, Lebensimpuls) durch eine Entscheidung in die
Wirklichkeit zu realisieren. Im
mentalen Bereich wird der Grundstein für besseres Schach
gelegt. Man kann sich noch sehr anstrengen wollen, wenn die Physiologie
einerseits (Ernährung des Gehirns!) und die mentale Denkordnung
andererseits nicht hilfreich sind, bleiben die Versuche wohl vergebens.
Schach
ist eine Sache, die man auch spielen kann, wenn man nur mechanisch
Erinnerungen wachruft, über Stellungsmerkmale . Stärkere Positionen und
ausgefeilte taktische Schläge ergeben sich, wenn man über den einen Zug
hinaus die Stellung in guter Übersicht hat. Wenn man einsehen kann, was auf dem Brett geschieht.
Es ist eigentlich mehr eine
Frage der Denk-Leistung, als eine schon gute Spielstärke davon abhinge,
wie talentiert man ist. Oder sagen wir so, man wird die persönlich
bestmögliche Leistung nur dadurch ausschöpfen können, wenn man
physiologisch die Kapazität dazu hat. Schach ist so gesehen ein Sport,
da man eine gewisse mentale Trainiertheit vorweisen muss. Es ist
weitaus mehr als die bloße Konzentrationsleistung. Sondern ein mentaler
Akt. Die besseren Spieler sehen die naheliegenden Merkmale auf Anhieb
und können die verschiedenen Ebenen der Zugfolgen logisch viel besser
einsehen, weil sie im Jonglieren der Eindrücke von Felder und
Figuren einen gewissen Durchblick aufweisen.
Das, was
unbedingt gewährleistet sein muss, für diese Tiefe des Blicks, ist eine
physiologische Wohlernährung und Stressfreiheit bzw. Resistenz gegen
Stress. Wenn wir diese Faktoren näher untersuchen, stellen wir
unweigerlich fest, dass dies auch psychologische Faktoren sind und wir
uns psychologisch auf das Schach optimal einstellen können,
ebenso wie physiologisch.
Gesunde vitaminreiche Kost (mit
Suchmaschinen: "Ernährung und Gehirn") führt zu besserer Denkleistung.
Nun, optimale Grundlagen zur Verfügung, die nicht an Wissen oder Talent
gebunden sind, lässt sich das eigentliche Schachgeschehen beobachten.
Die
meisten Fehler, meiner Meinung nach, beruhen eigentlich auf
Konzentrationsschwäche. Die kann gesteigert werden, wenn man sich
optimal ernährt und auch Ruhephasen einhält. So kann es vorteilhaft
sein, nach einer längeren Partie erst eine halbe Stunde zu warten bis
zur nächsten Partie, auch wenn man sich augenblicklich noch fit fühlt.
Schach
ist eine gute Übung, sich geistig von all
jenen Urteilen zu befreien, die - um es kurz zu machen: wenig Sinn
ergeben, und vor allem
Vorurteile, Gemeinplätze oder falsche Schlüße der Vergangenheit
auszuräumen. Das bringt die Notwendigkeit der Ehrlichkeit mit sich. Man
braucht nicht eine Niederlage empfinden, oder die Verunsicherung
steigern, wenn man feststellt, das alte Urteile nichts wert sind oder
verfeinert werden müssen.
Jeder
Erkenntnisakt ist eine Bereicherung, aber menschlich ist es, darin auch
eine Verletzung zu sehen, weil prinzipiell wird mit jeder Erkenntnis
das Weltbild angerührt.
Das Schach lehrt auch, im Hier und Jetzt zu
verweilen. Man muss die Pläne immer wieder neu anpassen und jede
Ideologie ist auf verlorenem Weg (zB die blinde Anwendung von
Angriffsplänen in einer Art Masche könnte besondere Stellungsmerkmale
einer Partie missachten). Man muss also auch Flexibilität finden.
Man
lenkt die Aufmerksamkeit immer auf das momentane Geschehen, das heisst,
man muss sich mental immer wieder neu fokussieren, weil jeder Zug des
Gegners die Stellung verändert hat.
Das
Mentale ist alles, womit man an das Schachspiel herangeht. Mit ihr
werden die Sachverhalte erkannt. Es ist eine Schachaufmerksamkeit, mit
der sich Stellungsmerkmale,
augenblickliche Möglichkeiten, Initiative oder Raumvorteile und
Bauernstrukturen erkennen und bewerten lassen, ebenso wie die vielen
Drohungen und taktischen Schläge.
Die Erfahrung geht als
Wissen in die Erinnerung ein, doch mehr noch bekommt man einen Blick
für das Geschehen, für das
Wirken von Kräften. Als ob man wie ein Musiker bald den Läufer
als eine typische Form und Wirkung versteht, den Springer, den Turm,
offene Linien, schwache Punkte und Hebelpunkte. Man sieht mehr als nur
diese Dinge, sondern Bedeutungen.
Man sollte so im Augenblick auch ohne
Kenntnis der neuen
Situationen entscheiden können. Weil man irgendeine Idee hat -
wenn man die Grundessenz großmeisterlichen Denkens in diversen Punkten
kennen lernen konnte, geht einem auf, dass es Richtlinien gibt,
die jederzeit eingesetzt werden können, weil Großmeister vordenselben
Problemen stehen wie unsereiner. So kann ein Mittel des Denkens und der
Zugwahl sein, einfach die Position verbessern und wenn es keinen guten
weil den Gegner zwingenden Zug gibt, wähle man einfach einen, der die
Stellung immerhin nicht verschlechtert. Wenn man versteht, wo die
Figuren auf dem Brett gut stehen, weiss man auch zu beurteilen, was
eine bessere und schlechtere Position ist.
Umso
stärker man wird, desto mehr Sicherheit hat man zwangsläufig, um mit
eigenen Opfern umzugehen, weil man auf der Kehrtseite immer den
Vorteil im Auge hat (und sich darin nicht täuscht, weil man es klar
sieht).
Das
Schachspiel gibt seine Regeln bekannt, und nur in bestimmter Weise
ergeben die Kräfte untereinander Wirkungen. Die Rahmenbedingungen
können nur durch Mogeln verändert werden. Anders gesagt, durch das
Schachspiel wird man sich bei Kenntnis einer verborgenen
Kombination nicht schleichen, sondern hellwach bewusst sein, um die
verborgenen Möglichkeiten, die die Stellung bietet. Wenn man seine
Kräfte bereit hält, und sie optimiert, nutzt das alles nichts,
wenn man kein Ziel hat.
Die Funktion und der Zweck des Schachspiels besteht darin, den König matt zu setzen, als Spiel.
Zugleich
wird gezeigt, wie Kräfte auf einer materiellen, stofflich und
anschaulich und objektiv fassbaren Weise angeordnet sind. Das
Schachspiel wird oft mit dem Leben verglichen, zurecht - und es gibt
viele mögliche Perspektiven, um strukturelle oder sonstwelche
Ähnlichkeiten anzudeuten . Das Schachspiel in seinem Dualismus eines
Kampfes zeigt nicht die Wirklichkeit des Lebens. Aber das Schachspiel
zeigt eine Zuspitzung, um ein Prinzip zu verdeutlichen. Dieses
Prinzip wirkt immer und zugleich gibt es darauf die Begegnung, wie wir
nämlich damit umgehen, eine Kraft in ihrem Wirken zu erfahren. Wir sind
jeweils eine Kraft, und in uns sind viele Kräfte, jeder Trieb, jeder
Zugwahlprozess im Schachspiel und alles was sich denken lässt, ist auf
eine Kraft zurückzuführen, die bewegt, anordnet, gestaltet, beeinflusst
bis das Potential sich an etwas entzündet. Das heisst, sie ist nicht
immer eine willentlich kontrollierbare Kraft, sondern sie erfährt eine
Gegenreizung, die diese Kraft herausfordert, und es gilt Identität zu
suchen. Wenn man die Identität des Schachspielers sucht, dann ist das
der Handwerker, der komplizierte Stellungsaufgaben so gut wie möglich
durchschreitet, um am Ende den Sieg, das Werk vollbracht zu haben. Im
Bereich des Schachspiels fasziniert uns aber nicht allein , dass wir
als Kraft obsiegen, sondern es ist das Schachspiel vielmehr ein
Gleichnis für das Wirken von Kräften, um den Dualismus in der irdischen
Welt zu symbolisieren, und wie dieser Dualismus auf eine Kraft beruht,
die erfährt, dass es Gegenkräfte gibt.
So dass man die Kraft in
einer Weise anordnen kann, dass die Gegenkraft
gemeistert werden kann. Das Leben kennt ein Ziel (man könnte es zB als
Liebe beschreiben oder als Evolution), es tendiert natürlicherweise
dahin, Ausdruck eines höheren Prinzips zu sein; mit der Liebe finden
Dinge ihren Zusammenhalt und die Spaltung der Kräfte verliert sich).
Das Schachspiel kennt ein Ziel: Kraftentfaltung. In Wahrheit gibt es im
Schachspoiel grundsätzlich auch eine ausstrahlende und eine passiv
aufnehmende Kraft: Der sogenannnte Sieger und der Verlierer, auf den
die Kräfte einwirken, und er das bekommt, was die andere Kraft möchte:
Ein Matt. Bewegungslosigkeit des Königs. Gefangennahme oder aber auch
einfach nur eine der beiden Kräfte konnte schlußendlich wirken.
Die besten Möglichkeiten offenbaren eine Zunahme von Schlagkraft, Energie und Wirkung.
So wie man im Schach lernen kann, wird man auch im Leben lernen.
Ob
strategisch, taktisch oder
psychologisch gesehen ist dabei das effektivste Zugpferd des Strebens,
dass man immer die bestmögliche Variante den Vorzug gibt, die man
erkennen kann.
Immer das Beste anstreben und nicht nur das, sondern auch umsetzen
lernen. Das ist die Kunst dabei. Denn indem man begreift, was man dafür
tun muss, fügt sich das Weitere. Es gilt, das Geschehen zu beobachten
und die wesentlichen Pläne zu erkennen, die sich mit einer Stellung
ergeben.In der Eröffnung sieht das anders aus, und es werden noch
Figuren entwickelt, aber schon im Mittelspiel geht es um die Kunst des
Angriffs.
Man bekommt einen Blick dafür, was in einer Stellung
gefragt ist, oder möglich und verheissungsvoll ist, wenn man
verschiedene Motive und Kampfschauplätze untersucht - man
begreift immer mehr, dass es bestimmte Strukturen gibt, die eine
bestimmte Möglichkeit mit sich bringen und wendet sie in der Partie
sehr viel vielfältiger und solider an als zuvor... - wir müssen einfach
die Stellungsmerkmale und Motive kennen lernen und ergründen, um
bessere Schachspieler zu werden.Das wichtigste Motiv ist der
Königsangriff und wir merken mit diesem Angriff auf den König auch,
dass es allgemein zwingende Züge gibt, die man taktische Wendungen
nennt. Sobald man diese Kombinationen kennt, erscheint es einem
verständlicher, doch oft sind sie in einer Stellung verborgen und es
braucht ein taktisches Sehvermögen.
Im
Schach wie im Leben gilt es die Zeit zu nutzen denn wie wir Zeit
nutzen, bedingt wie wir Entscheidungen treffen
und eine Situation verändern. Meist ist ineffektives Nutzen der Zeit
einhergehend mit anderen Mängel in der Zugwahlphase. Das Schach kann
uns das Denken anleiten zu disziplinieren und ist daher auch eine
wunderbare Kontemplationsmethode oder mentale Übung.
Wenn man sich einen Zug überlegen
will, gibt es
eine bestimmte Schachaufmerksamkeit, die für diesen Zweck optimal ist.
Man sucht dabei eine Energie zu verwirklichen, die den höchstmöglichen
Anspruch an das eigene Können erfüllt. Es geht nicht um den Zug allein,
sondern um das Ganze, das beim Spielen eingesetzt wird. Zu allererst
gilt es die Spielfreude zu entwickeln, der Rest fügt sich fast von
allein- die Spielfreude entwickelt man, indem man mehr und mehr vom
Geschehen versteht. Spielfreude entwickelt sich, wenn man die
Stellungsmerkmale zu erfassen lernt und die verschiedenen
Kampfschauplätze offfensichtlicher werden..., zB schwache und starke
Felder, Vorposten, Löcher oder offene Linien und Diagonalen und
Angriffe aller Art.
Besser Schach zu spielen
ist nicht nur am bloßen Schawissen gelegen, sondern wie man das Wissen
anwendet. Es liegt am am Können, nicht am Wissen allein.
Man
braucht ausserdem Lust und Freude. Und man sollte vorerst mit dem Spiel
aufhören, wenn man müde wird und dem Geschehen auf dem Brett
immer weniger folgen kann. Aber wenn man es als Spiel erkennen kann,
dem ein eigener Kosmos zugrundeliegt, kann allein das Erkennen von
Gesetzen und Gesetzmäßigkeiten die Spielfreude bringen - egal ob
man gewinnt oder verliert.
Das Wissen kann man so weit
verinnerlichen, dass das eigene Auge in
einer eigenen Partie wichtige Stellungsmerkmale und lohnende Möglichkeiten finden, beachten oder herbeiführen
kann.
Dieses praktische Können ist vor allem an das organisierte Denken
gebunden. Man wird Großmeister fragen, und sie werden zustimmen.
Es wird also ein Können entscheidend,
das zum Teil unabhängig ist von dem Eröffnungswissen,
Mittelspielwissen oder Endspielwissen. Daher empfiehlt es sich, mehr in
die Praxis als die Theorie zu kommen. Man braucht eine
Schachaufmerksamkeit! Dinge erkennen können, nicht nur aus
Beispielen um sie wissen.
Manche
Trainingswerkzeuge, wie Schach-Trainings DVDs für den PC, sind sehr
hilfreich, aber ein Buch, ausgeliehen bei der Bibliothek oder günstig
im Antiquariat gekauft, tut es auch. Man guckt sich dann hin und wieder
bestimmte Themen an, um das Wissen, die Kategorien zu erweitern. Dann
kann man diese Kategorien in einer selbst gespielten Partie
wiederfinden anstreben. Ohne dieses Wiederfinden in der Praxis bleibt das Wissen trocken!
In der Eröffnung nach Varianten zu gehen, ohne das Spiel und Geschehen zu verstehen, ist sinnlos.
Man beachtet besser grundlegende Eröffnungsprinzipien.
Weiterhin
äusserst wichtig ist es, imer solche Züge zu bevorzugen, die Aktion und
aktiv aufgestellte Figuren mit sich bringen. Das gewährleistet eine
grundlegende Ganzheit, in der das Spiel auf einem Weg gebracht werden
will, wo man es gewinnen kann. Denn mit jedem Angriff (Aktion und
Drohung und Möglichkeit), wird auch die Potentialität bewahrt, den
Gegner von seinen Angriffen abzubringen und ihn eher zu besiegen.
Man
geht einen Weg von der Eröffnung über das Mittelspiel, bis zum
Endspiel. Das Mittelspiel enthält wesentlich die Kampfschauplätze.
Kampfschauplätze
sind alle Plätze, an denen Figuren einwirken und einen Kampf um diesen
Platz bedeuten. Zum Beispiel bedeutet das Zentrum immer wieder einen
entscheidenden Kampfschauplatz. Figuren wirken auf es ein.
Und starke Zentrumsbauern, Druck auf das Zentrum, und die
Drohung offene
Linien zu schaffen oder die endgültige Schaffung einer offenen Linien
bedeuten Kampfschauplätze. Es gibt jede Menge von ihnen und sie sind
nicht auf das Zentrum beschränkt.
Das
Zentrum ist nur der allererste Kampfschauplatz, in einer
Eröffnung, und das deshalb, weil das Zentrum ein Platz auf dem Brett
ist, das für die unmittelbaren Situation und den weiteren Verlauf der
Partie sehr entscheidend ist. Es ist sprichwörtlich das Zentrum des
Geschehens. Sowohl der Damenflügel als auch der Königsflügel kann von
Figuren erreicht werden, die im Zentrum stehen, ob Bauern oder Läufer
und Springer.
Eine offene Linie, die im Zentrum entsteht, ist deshalb
äusserst entscheidend, weil diese offene Linie, mit Türmen besetzt,
unglaublichen Druck ausübt. Alle Felder, die sich im Zentrum befinden,
werden abgedeckt. Von dort können dann weitere Figuren wirken, und ein
vorgerückter Bauer kann durch seine diagonale Schlagmöglichkeit immer
auch den Flügel schwächen, auf dem sich der König befindet.
All
das , was mit dem Zentrum zusammenhängt, sind bereits
ultimative Ideen, wenn einem in der Eröffnung nichts anderes einfallen
will. Mehr noch, sollte man das Zentrum immer beachten, weil es eben
zentral für den Kampf um Vorteile wird.
Ein
möglicher Königsangriff ist natürlich der wichtigste Kampfschauplatz
von allen - und man muss auch für sich selbst berücksichtigen, genügend
Verteidigungszüge zu finden, um den gegnerischen Angriff gar nicht erst
möglich werden zu lassen.
Man
hat einen Grundwortschatz: Motive, Angriffsmethodenl. Man hat Ideen, um
Figuren anzuordnen und in Stellung zu bringen. Sie sollen eines
leisten: Einen Vorteil herausarbeiten. Das ist das Ziel. Die
Denkstruktur muss oft viele Dinge beachten, aber irgendwo anfangen. Man
fängt immer mit den Zügen an, sie näher zu
berechnen, die am vielversprechendsten sind. Dafür muss man
wissen, welche Motive oder Möglichkeiten typisch sind.
Von
Zeit zu Zeit gilt es eine Situation in Kauf zu nehmen. Man hat einen
Blick für ganz besondere Stellungsmerkmale, die mit der Zeit besser
kennen lernt.
Man kann nicht alles berechnen und genau
analysieren, denn es kommt mehr auf den Blick auf eine Stellung an, auf
das Urteilen einer ganzen Situation.
Ein
einfacher Kampfschauplatz ist ein schwacher Bauer. Er wird lange eine
Rolle spielen, und kann das Spiel in eine Richtung lenken. Sei es, weil Weiß
sich diesem entledigen will (durch erzwungenen Abtausch), seine
anderweitige Kraft ausnutzen will, oder Schwarz darauf
hinarbeitet, den Bauern noch mehr zu schwächen weil Weiß Figuren zu
dessen Verteidigung formieren muss.
Wenn eine Partei eigene Figuren
nicht mit Verteidigungszwecken verbinden muss, ist das immer ein
geringfügiger Nachteil. Umso zahlreicher die Figuren ohne Angriff zu
entfalten verteidigen müsen, desto größer der Nachteil.
Im folgendem
Beispiel handelt es sich zwar um einen schwachen Bauern auf c4, aber er
ist gleichzeitig auch stark, da er auf das Zentrum einwirkt. Schwarz
wird eine lange Zeit beschäftigt sein mit diesem Bauern.

Jeder
Zug kann ultimativ die ganze Stellung verändern. Deckungsfelder können
verloren gehen und das ist etwas, was oft in der Überlegung
sprichwörtlich im Schatten liegt. Man sieht zu sehr auf die
Möglichkeiten, die sich ergeben, und vernachlässigt die Möglichkeiten
des Gegners, die sich mit unseren Zügen ergeben. Jeder Zug wird nicht
nur einen möglichen Vorteil bringen, sondern man kann sagen : in jedem
Zug ist auch ein Nachteil. Und es geht darum abzuwägen, wo die größten
Vorteile und die geringsten Nachteile liegen.
Würde Weiß hier zB
schon c5 ziehen, verliert der Bauer auf c4 fast alle seine Stärken. Er
wirkt zB nicht mehr auf d5 ein und kann sehr leicht durch b7-b6 von
Schwarz abgetauscht werden, wenn er es will. Der Bauer wäre auf c5
stärker, wenn er nicht vom Zentrum aus gedeckt wäre, sondern von einem
Bauer auf b4. Aber auf der b-Linie steht kein weißer Bauer mehr.
Stärken
und Schwächen können sich mit derselben Figur ergeben und das ist oft
eine Frage der jeweiligen Stellung. Die Stellung kann sich verändern
und mehr der Nachteil sichtbar werden, als der Vorteil . Es geht
also stets um einen Kampfschauplatz und es verbinden sich weitere
Kampfschauplätze damit.
Hier ist der Bauer auf C4 also eine
schwache Angelegenheit. Es ist mit logischen Ermessen auf dem ersten
Blick nicht ersichtlich, warum dieser Bauer schwächer ist als der Bauer
auf C3.
Die
Erfahrung - nämlich der weitere typische
Spielverlauf und die der Stellung zugrundeliegenden Möglichkeiten
- zeigen , dass dieser Bauer C4 schwach wird. Die weiße
Partei wird damit rechnen müssen, dass Schwarz ganz leicht diesen
Bauern angreift
über b6 und Läufer auf a6, und einen Springer, der sich rasch
auf a5
manövrieren konnte, der von dort ja wegen einem fehlenden weissen
Bauern auf der b-Linie nicht leicht vertrieben werden kann, und durch
b6
gedeckt wäre, falls die Dame den Springer auf a5 angreifen will
(der
weisse Läufer auf c1 braucht zu lange, um den Springer zu decken,
aber
wenn Weiß dennoch schneller ist, wird es ein Nachteil für
Schwarz in
diesem Fall).
Ein
schwacher Bauer wird zu einem, weil kein benachbarter Bauer ihn von
hinten decken kann, und oft noch mehr, wenn er exponiert, also weit
vorgerückt wurde.
Andere
Kampfschauplätze bestehen in gefährlichen offene Diagonalen, sichere
Vorposten egal wo auf dem Brett aufgrund von Bauernstrukturen, starke
Felder für
eigene Figuren, schwache Felder, schwache Bauern, Fesselungen,
materielle Vorteile, positionelle Vorteile, so gering sie auch seinen
mögen - all das
sind Kampfschauplätze.
An diesen Plätzen, mehr noch UM DIESE
PLÄTZE und um diese EROBERUNGEN VON FELDERN UND FIGUREN spielt sich ein Kampf ab. Entweder sollen sie verhindert
werden, oder gefördert werden, und mit eigenen Ideen verbunden werden, so
dass sich der Kampf um diese Plätze zum eigenen Gunsten auswirkt.
Man
darf nur nicht ausschließlich oder rigide werden, und nur noch
schwache Felder bei sich vermeiden wollen. Denn in jeder Stellung kann
sich ein schwaches Feld oder eine Figur auftun - es ist sehr
selten, keine
Schwächen zu haben, weil man könnte fast sagen: So ist das Schach, so
ist das Leben. Vielmehr kommt es darauf an, sie zu beachten, was aus
ihnen wird, und wie man gleichzeitig sein eigenes ANGRIFFSSPIEL
durchsetzen kann.
Die
Eröffnung entwirft bereits grundlegende Kampfschauplätze. Es
können verschiedene sein. Und was man in Kauf nimmt, um auf
Kampfschauplätze hinzuarbeiten, ist was den eigenen Stil und Spielweise
betrifft.
Vorgerückte Bauern und Bauernhebel,
die daraus entstehen, sind an sich Vorreiter für weitere
Kampfschauplätze. Was passiert, wenn sich
Bauernstrukturen ändern? Es werden offene Linie und
Diagonalen geschaffen. In und auf diesen Linien und Diagonalen
wirken die Figuren, die man entsprechend aufstellen will.
Zur
rechten
Zeit wird dann die Linie versucht zu öffnen. Entscheidend sind dabei
immer schwache Punkte, also zB auf dem Königsflügel. Dort zielen die
Figuren hin. Und eine im richtigen Moment durchgeführte Drohung , um
Linien und Diagonalen zu öffnen, kann solche Angriffe stark
unterstützen und einleiten.
Lange kann es darum gehen, Vorbereitungen für diesen
Fall zu treffen, und noch kann keiner den Bauernhebel auflösen, ohne
einen Vorteil einzubüßen oder Nachteil in Kauf zu nehmen.
Wenn
man um die möglichen und potentiellen Kampfschauplätze weiss, wird man
bald feststellen, dass dabei sehr vieles eine Frage der Zeit ist.
Wieviele Züge braucht es, um etwas bewirken zu können?
Oft geht es
darum, mehrere Dinge gleichzeitig zu berücksichtigen. Aus vielen
Gründen ergeben sich oft Schlüsselzüge - also ein einzelner Zug, der
die Stellung in den Griff bekommen kann, weil er gerade noch
rechtzeitig kommt für etwaige Eventualitäten und zugleich eigene
Möglichkeiten bereit hält.
Die
Eröffnung leitet immer schon zum Mittelspiel hin und es wäre
unsinnig, bloß Varianten zu lernen ohne deren zugrundeliegenden
typischen Kampfschauplätze zu verstehen. Zu ergründen, was die typischen Kampfschauplätze für
einen selbst und die eigene Spielweise bedeuten. Denn sie bedeuten eine
Mittelspielstellung, die man bei den entsprechenden Varianten in Kauf
nimmt. Und wichtig ist auch, dass jeder Spieler ein anderes Temperament
hat, eine andere Wesensart, aufgrund der er bestimmte Dinge mit einem
Schwerpunkt belegt, wo andere Spieler woanders Schwerpunkte legen.
Nicht jeder spielt gerne Sizilianisch, nicht weil es eine dynamische
Spielweise ist sondern weil man nicht verstanden hat, worum es bei
jeder Eröffnung geht.
Kampfschauplätze ist auch der Umstand, wenn man eine Diagonale oder offene Linie nutzen kann, um einen
Königsangriff zu planen, oder einen Angriff auf schwache Felder und
schwache Figuren.
Fortgeschrittene
Kampfschauplätze sind die in einer Stellung verborgenen Vorteile, die
genau diese Merkmale (offene Linien, Diagonalen, Königsangriff usw.)
enthalten.
Es
ist im Grunde ganz einfach, wenn man es einmal entdeckt hat. Es geht
wesentlich um die Aufmerksamkeit für das Geschehen.
Dem
Geschehen zugrunde liegen Kampfschauplätze - mögliche und schon
realisierte. Man muss nur noch die Kampfschauplätze in einer Stellung erkennen können,
und die noch verborgenen erntdecken. Und um das zu tun, muss man Stellungen und das Wirken von Figuren
beurteilen können.
Der
eigentliche Denkprozess, der Zugwahlprozess, was in einem vorgeht, wenn
man sich einen Zug überlegt, beläuft sich auf Effektivität: Man denkt
in Prioriäten, sieht zunächst die naheliegenden Züge und
Möglichkeiten.
Schon
der erste Zug entscheidet die weiteren Möglichkeiten von
Kampfschauplätzen. Man versucht sich in einer Art Eröffnung, und was
wäre verhängnisvoller, eine Variante zu kennen oder die Prinzipien
anzuwenden, die immer dieselben sind: zB keine Figur zu früh zweimal
ziehen müssen, taktische Möglichkeiten (zB durch Fesselungen) erkennen,
Initiative nicht verschenken, Bauernstrukturen und ganz wichtig: Das
Zentrum besetzen. Diese Prinzipien sind keine hohlen Phrasen mehr, wenn
man versteht, was sie bedeuten und konkret mit sich bringen. Wenn man
beobachtet, warum man selbst verliert und wo der Gegner erfolgreich
war. Freilich, ohne gesunde Verteidigung ist jedes aktive Spiel
vergebens. Man muss also immer ein Auge auf den potentiellen
Angriffszug des Gegners haben. So ergibt sich auch Flexibilität als
Errungenschaft, dass man sich immer wieder neu auf die Situation
einstellt.
Aktives
Spiel zu suchen hat sich als grundlegendes Erfolgskonzept erwiesen. Man
sucht nach dem Verständnis dieser Prinzipien, und wird von allen eines
am durchschlagendsten sehen: Den Königsangriff und seine Vorbereitung.
E2-E4 oder D2-D4 besetzt das Zentrum und beansprucht
Raum. Man sagt immer, diese Züge müssen für Weiß die einzig richtigen
sein, im Sinne des mit dem ersten Zug erklärten Kampfes um Vorteile (um
letztlich zu gewinnen). Sie besetzen das Zentrum in größtmöglicher
Weise und wirken auf zwei Felder ein, die in der Hälfte des Gegners
liegen und können, wenn der Gegner nichts unternimmt, noch mehr Druck
entfalten.
Oft ist dies ein Kampf über mehrere Züge und es wäre zu
plump, immer sofort das Zentrum zu klären und zu entscheiden, weil die
besonderen Stellungsmerkmale, die einen größeren Vorteil bereit
stellen, oft subtiler sind und lange Zeit um diese Vor- und Nachteile
ein Kampf schwelt.
Deshalb können auch andere Züge als jene
beiden Bauern des Zentrums (E2 oder D4) sinnvoll sein, zum
Beispiel C2-C4 oder selbst G2-G3.
C2-C4
ist im Grunde ein sehr
festlegender Zug. Das kommt daher, weil die Situation auf
dem Brett das mit sich bringt, wo das Zentrum vom Damenflügelbauer
unterstützt wird,
und das schon mit dem ersten Zug geleistet wird, und damit
erst mal
das Zentrum auf der D-Linie blockiert. Auch andere Züge können auf das
Zentrum subtil einwirken und es muss nicht gleich ein Bauernzug der
erste Zug der Eröffnung sein (zB 1. Sf3). Der Vorteil indirekt
einwirkender Züge liegt auch darin, dass man erst mal abwarten kann,
auf welche Dinge sich der Gegner einlassen will (worauf er ja
ebenso direkt oder subtil hinwirken kann, so dass es einer
Stellung ablesbar wird, wo sich die Kampfschauplätze formieren werden).
Iimmer
wieder - in jeder Eröffnung stellt sich heraus, dass der Kampf um das Zentrum eine
längere Phase einer Partie bedeutet, zumindest über die ersten ca. 7
Züge. Verschiedene Manöver und Aufstellungen der Figuren werden ja folgen, und damit Einwirkungen auf das Zentrum.
Daher kann man im ersten Zug bereits das Zentrum verschiedener Weise
formieren. Wenn man die Partie lernt als zusammenhängendes Ganzes
zu betrachten, also über ein paar Züge hinaus denkt, bekommt man ein
Gefühl für die entstehenden Situationen.
Dabei wird ein Blick,
eine Übersicht für die Stellung wesentlich sein, als dass man ALLE
Möglichkeiten durchrechnet (das wäre ein sinnloses Unterfangen, da
gerade in der Eröffnung sich mit jeder neuen Stellung die Situation
schnell ändern kann).
Grundsätze für die Eröffnung sind einfach.
Figuren entwickeln, dabei auf die weiteren Möglichkeiten achten,
Zentrum besetzen oder für später die Entwicklungen dort beachten, und
den König in Sicherheit bringen. Der König , der nicht in
Sicherheit ist, stellt einem vor Probleme, die man besser von
vorneherein vermeidet. Dennoch kann es natürlich auch Spiele geben, wo
es sinnvoll sein kann gar nicht zu rochieren. Meiner Erfahrung nach ist
es aber besser, die Rochade zur Regel zu machen, da das typische
Szenario ja immer im Zentrum stattfindet (und dort steht der nicht
rochierte König). Wenn man allerdings einen Schritt zur Seite macht,
kann der König bei einer fehlenden Rochade auch in Sicherheit kommen.
Deshalb lohnt es sich, zu schauen, ob eine Stellung für eine nicht
ausgeführte Rochade sinnvoll ist: Zum Beispiel wenn man mit dem Turm
auf der Ecklinie einen Angriff führen kann (meist indem man den
h-Bauern vorzieht). Das gilt dann meist aber nur, wenn der gegnerische
König rochiert hat und keine absehbare Gefahr für den eigenen
König droht.
G2-G3
ist deshalb sinnvoll, weil es ja ermöglicht den Läufer zu entwickeln
und die Rochade bei anderen Läuferentwicklungen faktisch nicht
schneller sein kann. Es ist aber dennoch nötig, in den folgenden Zügen
auf das Zentrum zu achten, und wenn Schwarz droht zu weit vorzurücken,
zB mit seinem E-Bauern, muss rechtzeitig D3 gespielt werden. Wenn die
eigene Spielweise zunächst mehr auf den taktischen Vorteil früh das
Zentrum zu besetzen zielt, wird man vermutlich eher D2-D4 oder
C2-C4 spielen. Es gibt da keine feste Regel, zumindest nicht auf
dem Niveau unterhalb der Großmeister. Doch selbst Großmeister spielen
gelegentlich G2-G3 als allerersten Zug. Sie beachten dann aber ,
was im zentrum passiert.
Es ist eine Regel, dass ein unbesetztes
und auch sonstwie vernachlässigtes Zentrum, wo der Gegner dann Kraft
entfalten kann, ein großer Nachteil ist.
Es gibt viele
solcher Merkmale einer Stellung, die sich aus den Anfangszügen ergeben.
Deshalb sollte man in der Eröffnung die Figuren gut entwickeln, was
bedeutet für Nachhaltigkeit und Konsequenz zu sorgen. Wenn man eine
Figur mehrmals ziehen muss, ist das ein Zeitverlust. Jeder Zeitverlust
wird im Schach leicht bestraft, das ist eine weitere Regel. Denn der
Gegner hat dann einen ganzen Zug Zeit, für das bessere Wirken seiner
Figuren zu sorgen.
In der Eröffnung und im fortgeschrittenen
Mittelspiel geht es um das Wirken einer Situation, in die die Figuren
aufgestellt sind. Man muss die Stellung in ihrem Wirken erkennen
können, denn dann kann man auch beurteilen, welche Figuren wo gut , und wo schlecht stehen. Diese Situation ist an Kampfschauplätze gebunden. Denn diese Kampfschauplätze sind es, auf die Figuren einwirken.
Es
sind nicht immer dieselben Situationen und Stellungen. Aber typische
Kampfschauplätze kennzeichnen und durchziehen eine Eröffnung, zB
Spanisch oder abgelehntes Damengambit usw. - es ergeben sich
verschiedene Szenarien, und typische Stellungsbilder.
Im
Damengambit zeigt sich der Kampfschauplatz oft in dem
fortschreitenden Möglichkeiten auf den Flügeln aktiv zu werden.
Oft ist
der schwarze Damenflügel ein Angriffs- oder aber Schwachpunkt. Zum
Beispiel weil der Läufer c8 beachtet werden muss, wird Schwarz
vielleicht Kompromisse in Kauf nehmen.
Manchmal muss Schwarz sich
davor hüten, im Damengambit keinen unangenehmen Angriff über die offene
C-Linie zu bekommen zum Beispiel durch ein diagonales Schach von einer
Figur auf b5 oder a4.
Anders
gesagt, gewisse Punkte und Abschnitte des
Brettes in einer Eröffnung können einen Kampfschauplatz bedeuten und
müssen unbedingt beachtet werden. Denn das Geschehen kann sich darum
drehen, solche potentiellen Kampfschaupplätze akut werden zu lassen.
Aber
es sind nie dieselben
Kampfschauplätze. Das Zentrum ist jedoch fast immer ein solcher und man
sollte in erster Linie den Kampfschauplatz des Zentrums beobachten
lernen. Weiterhin kann ein Zentrum auch einen Angriff auf der c oder
f-Linie unterstützen. So wird ein Angriff mit dem F-Bauern , ob von
Weiß oder Schwarz , immer sehr gefährlich werden können. Auch weil
diese beiden Linien, f und c, auf das Zentrum noch Einfluss haben und
überhaupt von allen Bauern stehen Bauern in der Mitte - zwischen c und
f-Linie - am
zentralsten. Klassische Regel ist, dass D- und E-Bauern die wichtigsten
sind. C und F-Bauern sind für typische Sprengungszüge geeignet,
mit denen sich das Zentrum aufbrechen lässt. Aber gerade auf der
F-Linie kann auch ein entscheidender Königsangriff gestartet werden.
Die
Figuren beherrschen im Zentrum mehr Felder und wichtigere Felder.
Und sie blockieren damit auch Aktivitäten auf der gegnerischen Seite an
diesen Plätzen und bedeuten Raumvorteil. Raumvorteil ist auch dann
gegeben, wenn Figuren allgemein sich in der Hälfte des Gegners
behaupten können, vor allem Bauern schaffen erst Raum und
bedeuten im Endspiel einen schnelleren Weg einen Freibauern zu bekommen.
Eine Regel ist grundlegend: Die Figuren sollten so viel Wirkung wie möglich entfalten.
Es
ist nicht allein damit getan, die Figuren in der Eröffnung nur
ins
Spiel zu bringen, sie also aufzustellen. Denn man entwirft mit
ihnen auch Szenarien, die verschiedene
Kampfschauplätze beinhalten. Kampfschauplätze sind im Mittelspiel
enthalten und die Eröffnung zielt auf die Situationen, die sich daraus
ergeben können, wenn man gewisse Kampfschauplätze ermöglicht und
fördert.
Was sind Kampfschauplätze?
Wenn man sich genau anschaut,
wie man im Schachspielen etwas neues lernt, integriert und damit besser
wird, sind es jeweils Einsichten, die man anhand dessen gewinnt,
was man mit dem Spiel und in dem Spiel selbst tut und beobachten kann, und wie man klug daraus hervor geht.
Eine geschulte Beobachtungsgabe
über das, was man von Zug zu Zug tut, ist also sehr hilfreich, ja
fundamental wichtig, um besser und besser zu spielen. Es ist ein Teil
bewusste und disziplinierte Aufmerksamkeit. Eine effektive Mentalität.
Aber dazu gehört auch das Denken innerhalb des Zugwahlprozesses. Also
nicht alles durchrechnen, sondern mit einem geschulten Blick die
naheliegenden Möglichkeiten und Prioritäten, zB geschwächte Felder oder
einen geschwächten König zu entdecken. Oft sind auch psychologische
Faktoren entscheidend, also innere Ablenkungen durch irgendwelche
Begegebenheiten, die nichts mit der Schachstellung zu tun haben.
Man muss nicht gewinnen, um am Ende einen Erfahrungsgewinn gemacht zu
haben.
Andererseits, die schiere Freude über eine verlorene Partie wäre unangebracht,
denn man muss das Gewinnenwollen anstreben und kultivieren.
Man kann sich in gesunder Weise ärgern, ohne dabei jedoch ärgerlich zu
bleiben. Es ist Sportgeist gemeint, nicht emotionsgeladener Eifer.
Das ist, was Schachspielen
mit dem ersten Zug beginnt: Das Streben nach dem Gewinn und damit gleichbedeutend das Vermeiden
des Verlustes.
Wenn man von Schachkönnen spricht, kann man
darunter die Auffassungsgabe
verstehen, mit der man all das beobachtet
und vergleicht, was man in jedem Zug so alles anstellt. Denn man staunt
über die wiederkehrenden Motive und ihre Variation, und entdeckt die
vielen Geheimnisse einer Position, wenn man eine gute
Auffassungsgabe hat.
Allein,
einen einzigen Moment zu betrachten führt nicht weiter, man muss
den Zusammenhang mehrerer Züge verfolgen und bewerten, was die Bewertung des eigenen Konzepts und Plans betrifft.
Man
wird die prägnanten Stellungsmerkmale
verfolgen, oder die in einer Stellung liegenden möglichen zukünftigen
Stellungsmerkmale, die sich herauskristallisieren und zu verewigen
drohen. Und man wird auch verstehen lernen, dass man eine
Strategie,
einen roten Faden braucht um grundlegende Stellungsmerkmale zu
schaffen, umzusetzen, die über dem Ganzen schweben. Ein roter Faden,
der an
Kampfschauplätze und deren Bedeutung gebunden ist. Der Kampf ums Zentrum
ist oftmals fundamental, das heisst der erste Gedanke zur Planbildung
in einer Eröffnung und während des Mittelspiels. Denn das Zentrum ist
der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Anfangs- bis Mittelphase und oft
noch darüberhinaus. Wer das Zentrum beherrscht, der hat in den meisten
Fällen bereits einen wichtigen Vorteil.
Betrachtet man sich
die Verhältnisse und Eigenschaften der Flanken im Vergleich mit
der Bedeutung des Zentrums, hat eine im Zentrum stehende Figur
eine viel grössere Reichweite und Wirkkraft. Die Bauern im Zentrum vereiteln oder ermöglichen die Besetzung des Zentrums.
Ebenso
stark ist eine offene Linie, die man im Zentrum erhält und mit eigenen
Figuren besonders von der Grundreihe stärker beherrscht als der Gegner.
Man
muss ein Auge
entwickeln, dass einem die besten und möglichsten Kampfschauplätze
nicht entgehen und man sie zum eigenen Vorteil wenden kann, wenn es
sich anbahnt, dass sie zu erzwingen sind. Deshalb ist es gut, zunächst
die verschiedenen Kampfschauplätze in einer Partie kennen zu lernen.
Die wichtigsten drehen sich immer um Möglichkeiten, Drohungen
aufzubauen, wenn auf bestimmten Feldern, Linien oder Diagonalen
eigene Figuren stehen. Vorposten zum Beispiel oder die Schaffung
einer offenen Linie durch Bauern. Auch Bauernhebel gehören dazu, deren
Auflösung der auflösenden Partei Nachteile oder Vorteile verschafft
(Bauernhebel: zB zwei Bauern auf e4 für weiß und d5 für Schwarz
könnten sich diagonal schlagen, aber solche Hebel können auch lange
Zeit in einer Partie ruhen und die Spannung aufrechterhalten, sofern
dies von Vorteil ist).
Mit Kampfschauplätzen ergeben sich bereits echte Strategien.
Noch mal zum effektiven Denken.
Manchmal
macht der Gegner
Fehler, aber manchmal man ihn zu erst, den Fehler. Macht man selbst
einen Fehler, einen gravierenden (Blackout), dann muss man nicht
glauben, man könnte jetzt alles wieder aufholen durch waghalsige Züge,
die entsprechend kompensieren "wollen", denn das einzig Richtige ist
dann oft, "jetzt erst recht" die angemessene Aufmerksamkeit zu suchen,
mit der man zumindest auf grundlegender Ebene dem Spiel die
zwingendsten, weil offensichtlichsten Möglichkeiten entlockt. Also zur
Disziplin zu finden. Wenn man so will, hat man zumindest den
psychologischen Vorteil, weil ein Vorteil für den Gegner tendenziell
dazu verleitet, dass er nachlässig wird (er glaubt bereits den Vorteil
zu sichern, während man selbst umso effektiver nach Angriffspunkten
sucht).
Wenn man
einen Fehler in der Art eines Blackouts, eine "Schachblindheit" begeht,
dann kann es nichts besseres geben, diesen Moment zu nutzen, um
wieder zurück zum Grund des Ganzen zu kommen, nämlich eine Haltung und
Denkweise anzuwenden (Zugabwicklung und Stellungsbewertung), jene
innere Haltung und Denkweise zu prüfen und eine tauglichere zu suchen als die , die zum Fehler führte.
Immer
muss es darum gehen, dem Geschehen möglichst folgen zu können, so dass
man in einer gegenwärtigen Situation viele Dinge beachtet, nicht weil
man sie durchrechnet, sondern weil man sie auf Anhieb erkennt. Muster
und Motive gleichen sich und brauchen dann nur noch näher betrachtet,
viel kürzer durchgerechnet werden, wenn man deren grundlegende
Bausteine oder Merkmale kennt. Es ist also auch das sinnvolle Erfassen
einer Situation oder Stellung wichtig, was eine Frage der Prioritäten
ist, wie man wichtige oder unwichtigen Details von Stellungsmerkmalen
unterscheidet.
Wenn
man die Bedeutung zum Beispiel
zentraler Felder versteht, die Bedeutung der verschiedenen Arten von
Fesselungen oder Springergabeln, und indirekte Drohungen und die
entscheidenden Manöver, wie man einfachste schwache Bauern schafft... -
untersucht und beachtet man Kampfschauplätze.
Kampfschauplätze sind Orte, an denen man einen Vorteil sichern kann.
Es sind Kampfschauplätze,
auf die es grundlegend zu achten gilt. Diese bergen die eigentlichen
Kreuzungspunkte, an denen sich uns ein greifbarer Vorteil ergibt. Zum
Beispiel der Vorposten für eine eigene Figur, der wegen der
Bauernstellung verewigt ist.
Ein
rote Faden ist leicht zu finden, wenn man einen guten Plan sucht.
Irgendein Kampfschauplatz, der weitere Optionen bereit hält.
Letztlich ist auch immer der gegnerische König ein Kampfschauplatz. Ein
Königsangriff kann unter Umständen die Partie
bekanntlich entscheidend. Um den Kampfschauplatz des gegnerischen
König zu erweitern, sind die Ziele die Verteidigungsfiguren des Königs.
Die
Schachaufmerksamkeit ist etwas, was man jederzeit anwenden kann,
um sich grundlegend zurechtzufinden in der jeweiligen Stellung. Der
rote Faden ist die Idee, die man in der Stellung greifen kann. Sie
ergibt sich eigentlich von selbst und muss man nur noch finden und
auswählen.
Eine grundlegende Strategie für jede Zugwahl ist es immer, Angriffszüge
zu bevorzugen. Oder sonstwie aktive Züge. Ein Großmeister schrieb mal,
wenn man keinen guten Zug findet, wähle man immer jenen, der eine
schlechter postierte Figur besser postieren kann, weil sich damit
langfristig eben Angriffsmöglichkeiten ergeben. Was auch immer man
angreifen kann, es ist immer der Zug am besten, der die grössten
Angriffsmöglichkeiten bietet.
Etliche Großmeister weisen auf eine Idee
hin, die eine jeweilige Stellung in sich verbirgt, und die zudem den
grössten oder zumindest tendenziell grössten Angriffschancen und den
Vorteil erbringt. Jedoch ist die Idee auch daran gebunden, welcher
Spieltypus man ist. Es gibt typischerweise mehr den Angriffspieler
(Taktiker), und den Positionsspieler und Strategen, der sich zurückhält
um im entscheidenden Moment einen sicheren Vorteil zu sichern oder
derweil sich darum Gedanken und Pläne macht und diese umzusetzen
trachtet. Es ist nicht unbedingt ein passiverer Stil, als vielmehr eine
langfristigere Angelegenheit. Im Grunde sollte ein Spieler beide
Möglichkeiten zu seinen Stärken ausbauen. Aber einer diesen
Spielrichtungen wird wohl grundlegend vorherrschen.
Andererseits
ist jederzeit auch immer ein Auge auf die Verteidigung zu richten. Es
hängt vom Spielstil ab, ob man dabei schon mal Material oder Position
hergibt, um mehr Möglichkeiten auf einen Königsangriff oder anderen
Vorteil zu erhalten, von dem man sich viel verspricht.
Es sind Pläne in jeder Stellung enthalten. Und auch das Denken
kreist um diesen Punkt, um zum Beispiel erst eine gute Eröffnung und
dann ein gutes Endspiel zu erhalten. Man sucht nach Wegen, die man
gehen kann und die Schwierigkeit ist, ob man wirklich mit ihnen umgehen
kann oder diese allgemein geeignet sind. Der Fehler in der Bewertung
einer Stellung kommt sehr häufig bei Anfängern vor, Mittelklassespieler
machen dagegen oft den Fehler, sich nichts oder zuviel zuzutrauen und
eine Stellung immer nach gleichem Rezept abzuwickeln.
Das Mittelspiel ist das
Hauptszenario, in dem sich Kämpfe Kampfschauplätze verbergen oder offen zutage treten.
Schon eine
offene Linie oder eine mögliche Fesselung, und die daraus sich
ergebenden Konsequenzen können einen Kampfschauplatz ergeben. Lange Zeit
ist dieser vor allem in gehobenen Spielstärken noch nicht entschieden,
aber es liegt in der Stellung eingebettet und die Spieler gehen darauf
ein, diesen zu verwirklichen oder zu verhindern und eine ganze Phase
lang, kann es um diesen einen Kampfschauplatz gehen, und
irgendwann ergibt sich der feine Unterschied, dass die Position nach
und nach entweder umkippt, oder an anderen Stellen ein anderer
Kampfschauplatz tatsächlich verwirklicht wird und sich als ein Nachteil
herausstellt.
Man nun versucht, die Figuren in einer
Stellung in ihrer Funktion möglichst umfassend und attackierend genug
einzusetzen, also von der Eröffnung bis ins weitere Spiel gelangen.
Dabei muss man sich Möglichkeiten eventuell offenhalten. Also braucht
es auch eine gewisse Flexibilität. Während man immer irgendwo ein Auge
auf die Stellung hat, die sich ergibt und zwingend wird.
Dies muss
man einige Züge im voraus natürlich erkennen können, aber man wird
nicht alles erkennen können und auch die Bewertung ist an die
Spielstärke gebunden. Denn andere Spieler können in den
Verteidigungslinien oder materiellen Nachteil mehr kompensieren als
andere und ob man zB in der Eröffnung Gambit spielen will, sollte man
sich gut überlegen.
Es ist auch so, dass die Welt
der Möglichkeiten sich ständig neu ergibt und ständig auch zubetoniert
wird, indem die Stellung sich materialisiert und konkreter wird und in ihrem Stellungsmerkmal
unabwendbarer ist
(zum Beispiel indem man sich eine offene Diagonale einfängt oder Bauern
weit vorgerückt sind). Im Verlauf der Partie wird die Breite an
Möglichkeiten stets geringer und die Situation festgelegter. Also muss
man auch langfristiges Denken um die Stellungsmerkmale beachten.
Vorgerückte
Bauern mögen zunächst Druck machen, sind später aber daran gebunden,
verteidigt werden zu müssen. Je nach Situation, ob Läufer oder Springer
im Spiel sind, muss man daher vorgerückte Bauern sich gut überlegen,
wie man darauf noch eingeht, um sie zu verteidigen - wenn das Endspiel,
das sich ergibt , gut für einen aussieht, kann ein Abtausch zur
rechten Zeit entscheidend werden.
Ich kann eine
passive oder aktive Eröffnung beabsichtigen. Die aktive ist tendenziell
viel ausschlaggebender, und äussert sich zum Beispiel in der Suche nach
Initiative, dass man stets handlungsbereit ist und gleichzeitig den Ton
angibt. Es gibt immer wieder dynamische Erwiderungsarten auf
Eröffnungen, und wenn einem das taktische Element im Blut liegt, sollte
man nicht drauf verzichten, stets aktive dynamische Eröffnungen zu
wählen, um mit Taktik den Ton anzugeben. Manchmal ist es freilich
angebracht, zu spüren, wann es passivere Züge zu machen gilt,
weil man kein offenes Scheunentor riskieren darf. Andere Spieler sind
mehr positionell ausgerichtet, streben eine solide Grundstellung mit
langfristig verfolgten Vorteilen an. Doch grundlegend wird immer wieder
empfohlen, die aktive Spielweise in sein Grundrepertoire aufzunehmen,
so dass man es hin und wieder anzuwenden weiss (wenn nämlich eine
Stellung einen taktischen Vorteil verheisst, ist es gut, in dem
taktischen Blick geschult zu sein).
Der
rote
Faden, ändert sich sehr oft, weil man seine alten Pläne an neue
Situationen anpassen muss. Das brint also neben einer
Auffassungsgabe und Übersicht
auch die Flexibilität als wichtigste Grundlagen mentaler Art. Im
Verständnis grundlegender Dinge lernt man immer mehr, auch komplexere
Stellungen zu verstehen.
Effizient denken bedeutet nicht nur einen soliden Zugwahlprozess (die zwingendsten Möglichkeiten zuerst beachten): Wenn man versteht, was man
tut, weil man die Bedeutung dessen bewerten
kann, was man tut, ist es für das Lernen äusserst vorteilhaft. Denn man
erhöht die Effizienz und Lernnutzen einer jeden Partie. Es reicht im
Grunde, eine Partie besser zu beobachten, und ehrlich zu sein, was
eigene Fehler angeht, um mit jeder Partie einen Erfahrungsgewinn
zu machen.
Effiziente Wege gehen lernen. Das ist auch, dass man möglichst direkte Wege sucht, um sein Schachspiel zu verbessern.
Das heisst: In jeder Hinsicht effizient
vorzugehen. Psychologisch und mental, in der Denkweise, in der
Zugüberlegung, in der Auffassung der Stellung und der
grundlegenden
Bedeutung von Stellungsmerkmalen (die wir entsprechend unserer
Spielstärke erblicken und bewerten
können). Stellungsmerkmale sind zB Bauernstrukturen, wie die Läufer
wirken, wie viele Felder die Springer haben oder ob sie Vorposten
besetzen können. Meist sind Stellungsmerkmale eng an die
Bauernstrukturen geknüpft.
Beispiel in psychologischer Hinsicht:
Wenn man einen Fehler gemacht hat, soll man sich nicht ärgern.
Aber was bedeutet ein Fehler?
Es
ist eine Möglichkeit, etwas zu lernen, oder noch mehr zu beabsichtigen.
Gerade in diesem Moment muss man sich zusammennehmen und das Beste
versuchen, was man sonst auch zu leisten imstande ist. Das Denken
schweift während einer Partie oft ab, und das ist im Grunde
immer wieder zu erneuern: Die Schachaufmerksamkeit.
Grundlegend ist die Schachaufmerksamkeit, dass man den Geschehnissen folgen kann.
Der
körperliche Aspekt wird wichtig. Hinsichtlich der sportlichen
Komponente, die sich in der körperlichen Leistungsfähigkleit ausdrückt, handelt es sich um mentale Klarheit und Frische - ohne sie kann die Schachaufmerksamkeit nicht klar und eindrücklich zustande kommen.
Für
das Schach unmittelbar davor eine schwere Mahlzeit ist der Frische
abträglich, genausowie Bier. Allerdings kann beim "Bierschachen" die
Lust an der Routine des Blicks für die Stellung ausgekostet werden. Nur
auf Dauer würde man in seiner Spielstärke sich nicht halten und nicht
optimieren können, weil man unter der Berauschung nicht allzu viel
neues lernen wird. Die Klarheit des Blicks fehlt dann.
Im Denken
bedeutet das effiziente Denken auch, dass man sich nicht in einer Logik
und Perfektion versucht, die einem gar nicht entspricht.
Was
zum Beispiel Großmeister tun, kann nur hin und wieder erhellend sein.
Weil ihre Auffassungsgabe entsprechend ist, würden wir scheitern an den
komplizierten Stellungen oder Verläufen. Sie erzählen uns Geschichten,
die wir studieren, und auch ergründen versuchen und oft erscheint deren
Handeln unachvollziehbar, aber manchmal ist es auch an Schlüßezügen
gebunden die wir nicht ganz verstehen oder wo wir es in einer eigenen
Partie nicht anwenden könnten. Auch was andere Spieler verfolgen, ist
mitunter eine Vorlilebe für bestimmte Wege und Stellungsmerkmalen, oder
grundlegenden Kampfschauplätzen in der Art der benutzten Figuren oder
der Bauernstellung. Effizient ist also auch zum Teil, dass man sich
selbst gerecht wird. Dass man seine Vorlieben achtet, denn darin liegt
die eigene Stärke.
Zur effizienten
Denkweise zählt auch die Mentalität, die Herangehensweise, die man
beim
Schachspiel aufbringt. Die Gedankenführung bei der Zugwahl, der
strategischen Komponente, und Konzentration um die taktischen Merkmale
zu entdecken (Kombinationen, versteckte Möglichkeiten, eine Stellung
grundlegend für sich zum Vorteil zu entscheiden oder der Kampf darum).
Im
Kern geht es darum zielgerichtet vorzugehen!
Ein
Ziel zu erkennen,
zu fokussieren aber immer wieder neu zu prüfen und evtl. ein neues
suchen. Dabei beobachten, wie folgerichtet die eigenen Züge
sind. Sofern man sich immer wieder Probleme einheimst, die an
einem ungünstigen Figurenspiel liegen, muss man den Dreh- und
Angelpuntk finden, mit welchen Absichten oder Methoden man sich diese
Probleme einheimst: das heisst, die eigene Strategie und positionellen
Ideen überdenken.
Die Eröffnung führt zu einem Geschehen, das bestimmte Möglichkeiten bereit stellt. Man
kann zu einr klugen Eröffnungsweise sagen, dass man damit
schnellstmöglich und je nach Situation die entscheidenden Vorteile
realisiert, sich entweder Probleme zu entledigen oder größere Vorteile
zu erkämpfen. Dafür muss man erkennen können, was ein starker,
deutlicher Vorteil ist.
Oft ist es natürlich ein Kampf um minimale Vorteile.
Die beste Weise einen Zug zu finden, ist einfach stets den Angriff zu suchen.
Die
Herausforderung besteht darin, dass man damit auch mal auf die Schnauze
fallen kann. Der weitere Schritt besteht darin, aus dem Angriffswollen,
den man in jedem Zug sucht, und der jeweilgen Bedeutung der Art von
Angriffszügen, schlau zu werden in jeweils etwas zuu prüfen, von dem
man am meisten erwarten kann. Man vermeidet also einfach auch die
Umwege, und versucht sehr konkret zu werden.
Im Schachspiel geht es
von Anfang an darum, zu gewinnen. Das Schachspiel zeigt uns eine
Notwendigkeit und es kommt uns die Anordnung vor, als spiegele sie
lebendige Vorgänge, in denen auch bestimmte Kräfte wirken
(im Sinne der Figuren) und die sich
immer wieder neu anordnen und einen Zusammenhang bilden (zum Beispiel
sind die Stellungen der Bauern für das Läuferspiel eminent wichtig) -
egal welche Form diese Kräfte haben, zeigen
sie doch eine bestimmte Anzahl typischer Erscheinungsformen.
Archetypisch ist
das Schachspiel ein Ausdruck der astrologischen Marskraft (der Wille
zur Durchsetzung) und des Merkur (des Verstandes). Mars drückt
sich symbolisch dadurch aus, dass ein Kraft nach Durchsetzung verlangt,
also zB eine Figur gut wirken soll und täte man das nicht, würde man
die Essenz des Schachspielens untergraben, da es darum geht, zu
gewinnen (wofür man das Beste aus den Kräften herausholen muss).
Es hat sich gezeigt und erwiesen, dass für das bessere Schachspielen unbedingter Kampfgeist
und Gewinnenwollen wichtig ist. Es ist der Antrieb, mit dem sich alles
weitere ergibt: Die Mentalität, der Zugwahlprozess, der Wunsch nach
Verbesserung der Strategie und Taktik...
Es ist manchmal
sehr hilfreich: bewusst, wenn der Versuch auch misslingen mag, nach
Angriffen zu suchen oder ähnliche Ideen hartnäckig umzusetzen zu
versuchen.
Angriffe vorbereiten. Das muss irgendwie wenn auch in Spuren ins Blut
übergehen. Denn der Angriff ist praktisch und theoretisch die Essenz
des Schachspiels.
Astrologisch gesehen, die Mars Kraft aktivieren. Man muss unbedingt gewinnen wollen.
Auf
Dauer
wird es jedoch nicht ausreichen, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen.
Man muss die Durchsetzungkraft einer und aller Figuren mit dem Verstand
einsetzen, anordnen und leiten.
Es zählt nicht immer der objektiv beste Zug,
sondern auch die persönliche Spielanlage, die mit dem eigenen Stil und auch
den eigenen Fähigkeiten korrespondiert, und weder unter- noch
überfordert noch auf Fehlgleise von zB Eröffnungsweisen führt, die
einem nicht liegen. Nicht jeder ist auch der geborene Angriffsspieler.
Man soll nicht unbedingt einen Angriffsspieler aus sich machen, wenn
man eher strategischer Natur empfindet.
Jede
Situation, die auf dem Brett entsteht, benötigt eine neue taktische
Sichtung. Zumindest die augenscheinlichsten Vorkommnisse gilt es zu
prüfen.
Taktik ist all das, was in wenigen Zügen ziemlich viel auf
den Kopf stellen kann. Gerade die typischen Patzer bestehen im Grunde
aus übersehenen taktischen Fallen, aber recht einfacher Natur (dass man
sich fragen muss, ob man überhaupt etwas vom Spiel richtig mitbekommt -
denn dann muss man erst die Schachaufmerksamkeit wecken, bevor man sie
trainieren kann).
Blackouts
oder Patzer bei offensichtlichen Drohungen, das ist eigentlich
nichts anderes als eine taktische Möglichkeit zu übersehen. Grobe
Schnitzer aber sind was sie sind: Persönliche Unzulänglichkeiten.
Patzer. Oder wenn man besoffen Schach spielt in einem lauten
Turniersaal und dem Stress kleiner Kinder ausgesetzt, mit zerplatzenen
Luftballons, einem nach Aas riechenden Mund eines Gegenüber, obwohl man
ihm gar nicht so nahe sotzt, und einem 120 Dezibel Ansagesprecher der
noch dazu eine Stimme wie ein Brummbär hat, dass man so auf keinen Fall
optimal den Einflüssen widerstehen kann, wenn man sich mit schlechter
Ernährung und üblen Gewohnheiten (bezogen auf den Sport) in
inakzeptabler Weise schon schlecht auf dieses Trara vorbereitet.
Taktische
Möglichkeiten können verborgen in einer Situation liegen. Die
deutlichsten taktischen Möglichkeiten sind die Fallen, die dazu
einladen, übersehen zu werden.
Eine Fesselung, und eine weitere, und
plötzlich ist der Springer futsch. Je nach Spielschärfe, aber auch
Können der beiden Spieler, ergeben sich vermehrt solche Situationen, in
denen verborgen taktische Möglichkeiten schlummern. Sie wurden noch
nicht komplett entschärft, weil es im Schach immer tendenziell weniger
Power (Mars-Durchsetzungskraft) ergibt, wenn man die Stellung
vereinfacht und die Spannung aus dem Spiel nimmt.
Es kann aber
sinnvoll sein, sich nicht zu überfordern. Gerade wenn man einen
deutlichen Vorteil bereits sicher hat (sei er positioneller Natur oder
noch mehr materieller Art), und wenn man gleichzeitig vor der Wahl
steht, eine Situation der Zukunft zu erhalten, die man nicht so gut
übersehen kann (die Bedenkzeit ist immer ein Parameter dafür), dann
wählt man doch den sicheren, einfacheren Weg (zB Stellung abtauschen um
sie zu vereinfachen), um den Vorteil zu behalten.
Nichts kann angemessen beurteilt werden, wenn man es nicht auch aus der übergeordneten Sicht der eigentlichen Bedeutung
der jeweiligen Stellung bemisst.
Was hat man schon von einem starken
Bauern, der aber kein Freibauer ist, wenn man dafür einen Springer
hergeben muss? Oder was nützt ein Figurenvorteil, wenn man dafür in
eine so schlechte Stellung kommt, dass man auf lange Sicht hin verliert
oder nur durch Glück gewinnt, weil der Gegner einen Fehler macht?
Natürlich,
hin und wieder kann eine dynamische, eine verwickelte, eine verzwickte
Stellung mit schwer zu erkennenden taktischen Möglichkeiten den Gegner
vor Probleme stellen. Und manchmal kann es vielleicht sinnvoll sein,
auch mal das "scharf spielen" zu kultivieren, das heisst über
mehrere Partien hinweg immer nach Angriffen suchen. Es bewahrheitet
sich, dass ein Tempo, den der Gegner zur Eroberung eines Bauern
braucht, ein echter Vorteil ist. Damit hängt zusammen ,
dass die gegnerische Figur, die im Nebenland irgendwo eine Figur
erobert hat, dann auch erst mal im Nebenland festsitzt und an anderen
Stellen dann fehlt.
Auch
das SCHNELL SPIELEN zu kultivieren , kann sinnvoll sein. Es ist ja im
Internet vor allem immer alles mit Uhr. Wenn man Spiele mit 15 Minuten
Bedenkzeit pro Spieler spielt, dann bedeutet das eine sehr enge
Zeitsetzung, obgleich deutlich mehr als eine 5 Minuten Partie. 15
Minuten erweisen sich als krumm. Ästhetisch gesehen und vom Eindruck,
wie man seine Zeit einteilt. Man gewöhnt sich ja einen Rythmus an von
Zug zu Zug und Phase zu Phase. Gelegentlich muss man bei 15 Minuten
diiesen Rythmus umstellen, um in den wichtigen Phasen (zB Mittelspiel)
länger zu überlegen und andere Züge rascher abzuwickeln: Das schult den
Blick auf taktische Momente, auf die eine annehmbare Stellung
entsteht, und die sich leicht abwickeln lassen.
Im
Blitzen sollte man einfache Stellungen, einfache Angriffsvorhaben,
typische Manöver probieren, Routinen erproben. Dann sieht man auch, wieviele Ideen man
kennt und anwenden möchte. Es ist egal, ob diese Ideen immer zu
befriedigenden Ergebnissen führen. Hauptsache, man hat auch beim
Blitzen ein Konzept - denn oft scheitert Blitzen an den
mangelnden Konzepten, Ideen, Grund-Strategien. Da liegt dann nichts
vor, und man spielt im wahrsten Sinne des Wortes den reinen Irrwitz.
Darüber ärgert man sich (zurecht), doch man darf auch mal neue Ideen
ausprobieren...
Leistungsgedanken
sind wunderbar. Aber ein zu hoher Anspruch ist der Anfang vom Ende des
Schachspielens. Dieses Ende fängt immer damit an, dass man keine Lust
mehr auf das Schachspielen hat... - meiner Meinung nach kann man nur
Lust am Schachspielen erlangen oder aufrecht erhalten, wenn man auch
kleine Ergebnisse zu würdigen weiss. In diesen kleinen
Erfolgserlebnissen gibt sich schon die Seele des Schachspiels
bekannt. Freilich. Das bedeutet schon noch, dass die meisten, die
Lust aufs Schachspielen haben, Freude daran haben, wie sie mehr oder
weniger ein Niveau halten können...
Im
eigentlichen geht es darum, das Spielgeschehen beobachten zu lernen und
Wege und Möglichkeiten zu erkennen, wie man Strategien, Pläne und
bessere Positionen erreichen kann. Auch durch Manöver usw..
WAS PASSIERT DA EIGENTLICH? -
das ist die Fragestellung, die mir als Formulierung vorschwebt, wenn
ich etwas darüber sagen will, wie man besser Schach spielen lernt. Denn alles weitere ergibt sich.
Weiss, die Unschuldigste aller Farben
hat den ersten Zug gemacht, und damit das Spiel eröffnet. Es ist herausgefordert worden zum Kampf.
Zur Entscheidungsfindung. Mit Weiss beginnt jede Partie und so
existiert jede Partie: Mit dem Beginn einer Erklärung, einer
Kampfansage.
Es ist ein Kampf - alles andere wäre eine Lüge.
Die
einzig sinnvolle Aggression im Schachspiel ist etwas ganz Sachliches.
Es ist eine zweckdienliche Absicht, und keine verbale Gewalt, oder gar der
Fusstritt oder Stockschlag gegen ein Gegnüber.
Die zweckdienliche
Absicht besteht aber darin, das Spiel in seinem Zweck zu verfolgen und dahingehend richtige Züge zu machen. Und
das führt unweigerlich dazu,
einen Gegner, anders gesagt: eine gegenüberstehende fremde nicht unter
eigener Herrschaft stehende Kraft, besiegen zu müssen
-
zumindest so gut wie es geht das immanente Ziel umzusetzen versuchen,
das darin besteht, die grössmöglichste Kraft mit dem zu entfachen, was
man zur Verfügung hat.
Der Kampf gilt allein mit
den Mitteln und innerhalb der Regeln, die das Spiel aufstellt.
Der Kampf findet allein auf Ebene des Geistes statt. Eine kampfbereite
Einstellung. Als auch die Wahrnehmung des Spiels, dessen Ordnungen in
unserem Geist sich widerspiegeln, so gut wir dazu eben imstande sind,
die vielfältigen Ordnungsgefüge und logischen Inhalte und Ordnungen, ja
alle Geschehnisse und Kampfschauplätze zu erblicken.
In einer
Stellung die richtigen Züge finden zu wollen, und die schlechten
Stellungen der eigenen Figuren vermeiden zu suchen. Das ist es am Ende,
worauf es praktisch hinaus läuft. Darunter kann auch fallen, dem Gegner
eine schlechte Position aufzuwzingen und ihn zu Fehlern zu zwingen -
denn irgendwann kann es einen Punkt geben, bei dem entscheidet sich,
wer den ersten grösseren Fehler oder in der Summe entscheidenden
kleineren Fehler begeht.
Das Schachspiel wird oft mit dem Leben verglichen: Es gibt viele Ähnlichkeiten.
Zum
Beispiel ist es unmöglich, sowohl im Leben als auch im Schachspiel,
keine Fehler zu begehen.
Aber man kann kleinere und grössere Fehler
begehen... - und man begreift schnell, worauf es neben der Fehlerquote
ankommt: Auf ein Ziel, einen Plan. Oder einige andere essentielle Dinge.
Man
kann kaum eine Anleitung schreiben, wie man während einer Partie Schach
effizient und folgerichtig die Gedanken und vor allem die
Aufmerksamkeit als Werkzeug zu nutzen weiss.
Aber es gibt immer
wieder dieselbe Notwendigkeit, das Maß der Aufmerksamkeit auf die
Stellung im Schach hinsichtlich der eigenen Kapzitäten so gut wie
möglich auszuschöpfen.
Ein Ziel unter anderem besteht wesentlich daraus, dass man möglichst fehlerfreies Spielen lernen
muss, und die billigsten Fehler nicht mehr begeht. Und dass man dabei den Spagat schafft, zugleich bei Spiellaune zu bleiben.
Ein Spiel ist bis zu einem gewissen, aber notwendigen Grad auch immer
ein Vergnügen, dem man der Sache agewinnt. Das ist der Sportsgeist,
dem
man das zuschreiben muss. Das Vergnügen steigt, umso mehr man jeweils
lernt, etwas dem Schachspielen abzugewinnen. Das ist eben vor allem die
dem Schachspiel inne wohnende Logik, diese Ordnung, die mit den Kräften
der Figuren zusammenhängt und mit dem ganzen Spielgeschehen...
Zum Beispiel gibt
es im Schachspiel die wunderbare Ähnlichkeit mit dem Leben, dass es ein
Grundkonzept gibt, das meist in jeder Stellung verborgen liegt.
Man
braucht es nur erkennen.
Und man findet sogleich oder später Wege und Chancen, die der
Gegner natürlich zu vermeiden versucht, sofern er die Tragweite
einzelner Vorhaben wirklich genauso gut erkennt, wie wir selbst.
Wie dieses Grundkonzept
aussieht, ist in jeder Stellung anders, und es ist ein Merkmal, mit dem
immer auch Kampfschauplätze verbunden sind.
Jede
Figur kann irgendwo drohen (einen Vorteil zu erreichen) und genau da
liegt schon ein Kampfschauplatz. Ein Platz, an dem eine Figur stark
wirkt. Oder Plätze, wie die bei offenen Linien, die ein Turm
beherrscht, auf die also eine grosse Wirkung ausgeübt wird. Damit
verbunden, mit starken Feldern, ist es ja, dass immer mehr
feindliche Figuren diese Plätze beherrschen und irgendwann die eigene
Stellung zusammennricht. Statt dass man dies selbst erleidet, muss man
danach trachten, es dem Gegner beizubringen.
Beachtet
man die Aufstellung der Figuren,der Läufer, der Springer, der
ganzen Bauern, und nicht nur das Zentrum (ob es
blockiert oder offen ist).. - so ergeben sich auch Fragen hinsichtlich
der
eigentlichen Eröffnungsweise. Was liegt einem dabei eher und was nicht. Womit kann man besser umgehen?
Was kennt man und was entspricht dem eigenen Stil. Was ist sinnvoll und
was umständlich? Usw.
Insgesamt ist es fast unerlässlich, dass man auch sein eigenes Spiel beobachten
lernt, und ehrlich gegenüber sich selbst ist, was nicht demütigend ist,
um nämlich die Wahrheit herauszufinden, woran es liegt, dass dies oder
das während des Verlaufs einer Schachpartie geschieht. Und warum
man dadurch zum Beispiel einen grossen Nachteil erhalten hat. Dafür
muss man freilich auch darauf achten lernen, ein Spielgeschehen
beurteilen zu können.
Am
Anfang
ist die Ursachenforschung oft unzureichend, da man noch nicht genug
von der Sache versteht. Aber man kann eh nicht alles verstehen, und
muss von Anfang
an die Kunst lernen, eine Ambivalenz zu ertragen. Das ist ein Zustand,
in dem zwei Möglichkeiten gegeben sind und (noch) nichts festgelegt
ist. Man steht also vor einer Stellung und weiss nicht, ob das Urteil
wirklich richtig ist, das man hat. Das ist der Weg des Kampfes, dass
man trotzdem versucht, diese Schlacht so effizient wie möglich und
nötig zu schlagen weiss.
Je
nach dem, wie man seine Figuren aufstellt und in eine Gesamtanlage und
ein gesamtes Gefüge bringt und so allgemein Kräfte als Wirkung entfalten, ergibt sich auch ein geheimnisvoller
Hintergrund. Geringe Fehler können dann durch die konstruktive
Gesamtanlage der aufgestellten Figuren leichter aufgefangen werden.
Auch weil die Figuren so gut stehen, dass sie jederzeit neue
Kampfschauplätze und damit Konterattacken bilden oder vorbereiten
können.
[1.-13. Mai 2011]
Die Stellung erfordert immer wieder neue Aufmerksamkeit.
In
jeder Situation, die einem neuen Zug folgt, kann sich die Lage
geändert haben. Ob man jederzeit alles erkennen kann, ist nicht
wichtig, weil das unmöglilch ist. Aber man muss versuchen, das Nötigste
zu erkennen.
Man hat Sportsgeist oder nicht.
Sportsgeist
muss nicht so beschaffen sein, dass man der beste Schachspieler der
Welt werden will, wenn man nicht die Talente dazu hat. Es ist wohl
ausgeschlossen Großmeister zu werden, wenn man nicht bereits mit 12
Jahren so gut spielte, dass man im Verein gegen die stärksten Spieler
bestehen konnte. Ein
entsprechender Ehrgeiz ist die eine Sache, ein unmögliches Unterfangen
und ein übertriebener Ehrgeiz dabei eine andere Sache.
Zum Sportsgeist gehört noch viel eher die Laune,
sich dem Unterfangen eine Partie Schach auszusetzen. Wenn man dem
Schachspielen etwas abgewinnen kann, ist das ein gutes Zeichen, dass
man auch an anderen Tagen bei Laune sein kann.
Wenn es aber abzusehen
ist, dass man verliert, ist es besser aufzugeben, und eine neue Partie
zu beginnen - es sei denn man möchte noch etwas lernen oder
ausgespielt sehen (weil es einem nicht ganz klar ist).
Die Partie erfordert in jedem Augenblick eine neue Sichtung. Das ist das Dogma, dem man sich immer unterwerfen muss.Es sind Kampfschauplätze,
auf die es grundlegend zu achten gilt. Diese bergen die eigentlichen
Kreuzungspunkte, an denen sich uns ein greifbarer Vorteil ergibt. Zum
Beispiel der Vorposten für eine eigene Figur, der wegen der
Bauernstellung verewigt ist.
Gut ist es bei einem Server wie fics
online Schach zu spielen. Praxis muss nicht bedeuten, täglich zu
spielen, aber regelmässig und wenn es nur ein Mal im Monat ein paar
Tage sind.
Bei FICS bekommt man auch eine sogenannte Rating
(Wertungszahl).
Die Ameldung und alles was man braucht um dort zu
spielen ist kostenlos.
Es
gibt keine einzige Richtlinie oder Regel des Erfolgs, die
Ausschließlichkeit verlangt.
Jede einzelne Richtlinie, die man über das
Gewinnen im Schach entdeckt, ist genau dann gültig und anwendbar, wenn
ihre Zeit gekommen ist.
Deshalb ist keine Regel oder Richtlinie der
Alleinherrscher, um zu beurteilen, ob in einer Stellung eine bestimmte
Regel anwendbar ist.
Alles muss eigentlich immer verglichen werden
mit anderen Richtlinien und Regeln und vor allem mit der konkreten
Position der Stellung. Ein Gefühl für eine Stellung oder
Position ist hilfreich, da es den Zugwahlprozess beschleunigt.
Um in Form zu kommen -
hilfreiche
Stichworte wie folgt (es handelt sich um Pläne oder Vorgehensweisen,
die sogar zeitweise schon die ganze Strategie und Herangehensweise
bereit stellen können):
-
einfache Stellungen überblicken lernen!
Damit
man überhaupt einen Blick
bekommt für das Figurenspiel und die damt verbundenen Kausalitäten
einer Stellung. Das Figurenspiel dreht sich darum, die eigenen Figuren
so
kraftvoll wie möglich einzusetzen, sie zu positionieren, Druck
aufzubauen um
den Gegner mit diesen Kräften zu vernichten.Wobei
sich
die Eröffnung als Stadium bemerkbar macht, in der typische Situationen
durch die Ausgangsstellung hervor gebracht werden (wild Fischer Random
Schach berücksichtigt diese Besonderheit und schafft neue
Anfangsbedingungen). Aber man hat in der
Eröffnung die günstige Chance, das auf Anhieb zu tun, was man sich da
ja gezwungen sind zu tun: Figuren günstig
aufstellen, wenn man muss - und man muss, weil man am Zug ist. Aber am
Zug zu sein, ist immer die Chance, dass man die eigene Kraft so
optimal ausrichtet wie möglich. Und genauso wichtig kann die Initiative
sein. Das ist immer ein Zustand, in dem man den Gegner zwingen kann zu
reagieren. Da hat man mehr oder weniger die Zügel in der Hand, die
Initiative.
Da man
nun die Figuren versucht nach den Maßstäben seiner Spielstärke
einzusetzen, begreift man nicht nur die einfachsten Dinge, sondern kann
schliesslich auch flexibler spielen. Weil man zwischen Dynamik,
Position, Strategie, Taktik variieren kann, je nach Umstand, Vorliebe
und Laune. Und je nach Lust.
-
Wenn man einen Angriff sieht, angreifen! Es gibt nichts zu zögern, wenn
der Angriff sicher und nachhaltig ist (zB einen Positionsvorteil
verschafft, und wenn es nur eine Drohung oder ein schwacher Bauer des
Gegners ist).
- Es kann manchmal entscheidend sein, dass man
klug,
abwartend, solide und nicht wagemutig spielt. Oder einfach so spielen,
dass man auf den Fehler oder die Fehler des Gegners wartet, wofür man
aber solide stehen muss. Auch nicht zu früh aufgeben oder remis anbieten, weil der Gegner noch einen Fehler machen kann.
Man darf dem Gegner
keinem Platz lassen, und erst recht nicht zukommen lassen. Der Gegner darf sich möglichst nicht entfalten, im
Gegenteil, das muss man für sich anstreben, ihm darin zuvorzukommen!
-
Jeder Abtausch kann von Vor- oder Nachteil sein. Es spricht nichts
dagegen, einem bereits bestehenden materiellen Vorteil auszubauen,
indem man für ein
konkretes Kräfteverhältnis sorgt, vor allem, wenn einem grad nichts besseres einfällt oder auffällt.
- Vereinfachen, wenn man
einen handfesten Vorteil hat
- nach Wegen suchen, so vereinfachen zu können, dass ein Vorteil weiter auskristallisiert wird
- weiterhin: Positionsvorteile ausbauen; mögliche Manöver von Figuren ausnutzen,
bevor diese Manöver nicht mehr möglich sind. Natürlich müssen diese Manöver sinnvoll sein.
- Bauernstruktur intakt halten oder nur schädigen, für den Lohn von
nachhaltigen anderen Positionsvorteilen, und/oder recht guter Initiative
usw..
Mit solchen Stichworten kann man bald beginnen, den Unterschied
zwischen Stellungsmerkmalen mehr und mehr wahrzunehmen. Also ruhig mal
ganz einfach alles abtauschen, wenn einem für einen Plan nichts
besseres einfällt. Und dann aber
dabei sehen lernen. Partie für Partie. Aber
auf Dauer macht es keinen Spaß, die Fülle an Möglichkeiten ausser Acht
zu lassen, und immer wieder
zu simpel zu spielen. Deshalb sollte man
auch hin und wieder sich an stärkere Spieler, mindestens aber an etwa
gleichstarke Gegner wenden und mit ihnen spielen, damit man sich von
ihnen zeigen lässt, ob das eigene Spiel nicht zu simpel und
durchschaubar ist. Dann sieht man, ob man auch gegen diese Gegner gewinnen kann.
-
im Grunde dreht es sich einfach immer wieder um den Punkt, wo man dem
Schachspiel etwas abgewinnen kann. Für mich ist es ein Genuß Schach zu
spielen, weil ich Dinge entdecke und anwenden kann. Nicht alles sehe
und begreife ich, aber einige. Und was man entdeckt, das reicht, um
Spaß zu haben.Und
man findet: irgendwie muss es Spaß machen und der Spaß besteht darin,
dass
man gewisse Momente kennt, wo man das Schachspielen mehr oder weniger
versteht. Und wie man dem Geschehen folgen kann. Es ergeben sich damit
nicht nur Bewertungen, sondern es ist der eigentliche Reiz, das
Schachspiel so zu verfolgen, als würde man einen Roman lesen (so gut es
geht auch verstehen), oder eben einem Geschehen folgen können.
Eine
Anleitung zu diesem Eindruck, den man auch einfach Schachaufmerksamkeit
nennt, gibt es nicht, da muss jeder selbst drauf kommen und selbst
aufbauen für sich.
Es bewahrheitet sich, dass man in den Fällen, wo man einen grossen
materiellen Vorsprung erhält, in einer anderen Weise einen
ziemlichen Nachteil erhält - oft positioneller Art,
den man dann erst Mal in den Griff kriegen muss. Man erobert zB einen
Bauern und der Gegner kann die Zeit dazu nutzen, eine Figur mit
Tempogewinn aktiv aufzustellen und meine Figur ist derweil auch noch
oft an den Rand des Geschehens gebracht worden, als sie den Bauern
eroberte.
Und oft verliert man
solche Partien auch noch - das Annehmen eines Bauernopfers, eines auch
harmlos wirkenden Bauerns, kann in manchen Fällen in den Abgrund führen
und zum Totalverlust der Partie.
Woran
liegt das? An der
Initiative, am Raumvorteil, dem Positionsvorteil, aktiven
Figurenspiel, dem möglichen Angriff auf den König, an einer
Mattmöglichkeit, einem
Tempovorteil oder ähnlichem, was momentan oder dauerhaft den
materiellen Vorsprung kompensieren kann.
Ein
falscher Abtausch: da nimmt
man eine eigene starke Figur durch den Abtausch aus dem Spiel.
Durch eigene Mutwilligkeit entlässt man so die Dynamik, die doch
eigentlich für einen selbst gesprochen hatte. Der Gegner kann sich freuen.
Das ist erfahrungsgemäß äußerst wichtig: Es
kommt darauf an, immer danach Ausschau zu halten, dass man die
höchstmögliche Kraft versucht zu entfalten! Jene Kraft, die in der
Stellung liegt, ist das konkrete Machtpotential unseres eigenen
Spiels. Manchmal braucht es dazu einen Mut, dass man komplexe
Stellungen in Kauf nimmt. Manchmal entspricht es jedoch der
Spielstärke, "vorsichtshalber" leichtere Vorteile oder gegnerische
Möglichkeiten zu unterbinden. Es ist der entscheidende Moment, das eine
vom anderen zu unterscheiden
Oft sind es die Details, die Feinheiten, die Nuancen, die wir
übersehen haben oder hergeben,
und die sich irgendwann summieren zu dem Punkt, wo der Gegner uns
zuvorkommt mit seiner eigenen höchstmöglichen Kraftentfaltung und uns dann sprichwörtlich
fertig macht.
Man wird sich immer
schwache Punkte schaffen, das bringt das Spiel mit sich (weil man nie
alles verhindern kann; es gibt kaum je einen Zug im Schachspiel, bei
dem ein Vorteil nicht gleichzeitig irgendwo auch ein Nachteil sein
kann). Je nach Eröffnung wählt man sich quasi eine Spanne an
schwachen und natürlich auch starken Punkten. Die schwachen Punkte muss
man abwägen mit den starken, so dass man im Endeffekt möglichst mehr
starke Punkte, Möglichkeiten oder Felder hat.
Stellungsmerkmale
Für
die eigene Partei günstige Merkmale der Stellung können in folgenden
Möglichkeiten bestehen:
- Intakte
Bauernketten (das sind solche, die nicht
unterbrochen sind. Man nennt Bauernketten Phalanx, da sie wie
eine Mauer vorrücken können und grosse Macht entfalten; und solche
Bauern, die
auf benachbarten Reihen stehen; dagen sind Isolani, Doppelbauern und
umso mehr einzelne kleine Bauernketten ein Nachteil; man nennt dies
Inseln, sie stehen für sich. Umso mehr Bauern in Inseln stehen, ist
auch klar, dass die Bauernstruktur etwas schwächer ist; es ist dieser
Vorteil einer intakten Bauernkette nur ein kleiner, aber er kann der
ganzen Strategie einen Stempel aufdrücken indem man gleichzeitig danach
trachtet, dem Gegner eine schlechte Bauernstruktur zu verschaffen, die
noch besser wird, wenn er einen schwachen Bauern bekommt. Denn ein
schwacher Bauer wird deshalb so genannt, da er vom Gegner so schlecht
verteidigt werden kann, dass man ihn folglich angreifen kann)
- Läuferpaar
(besonders wenn der Gegner kein Läuferpaar hat)
- Fesselungen (besonders
wenn sie nicht einfach abzuwehren sind)
- Raumvorteil (die
eigenen Figuren können sich flexibel bewegen und des Gegners Figuren
können sich nicht so gut bewegen; dazu gehört auch der Umstand, ob ein
Läufer eingesperrt ist oder sich schlecht bewegen kann; grundsätzlich
ist jede Stellung für eine Figur zu vermeiden, die es eine
Zeit lang bedingt, dass eine eigene Figur nicht so leicht aktiviert
werden kann und abseits steht)
- Freibauer (ein
Bauer, der weit vorgeprescht, entfacht durch seine Eigenschaft, dass
man ihn aufhalten muss, Druck - weil sonst wandelt er sich in eine
Dame; und so ein Bauer kann
dem Gegner manchmal das Genick brechen oder Zugeständnisse des Gegner
erfordern)
- offene Linien,
die man mit Figuren besetzt hat oder Linien und Diagonalen, die
sonstwie stark sind
- starkes
Zentrum
(ein mit Figuren besetztes Zentrum; hauptsächlich Zentrumsbauer auf e
und d Linie, was ein Zentrum ergibt, das zusätzlich noch von Bauern auf
den benachbarten Linien f und c unterstützt werden kann)
- Vorposten
und andere starke Felder für die eigenen Figuren (ein typischer
Vorposten
besteht meist durch die Strukturen, die Bauernketten verursachen; man
kann diese Vorposten auch Löcher nennen. Ein Vorposten ist umso
stärker, wenn eine drauf befindliche eigene Figur nicht mehr so leicht
vom Gegner vertrieben
werden kann).
- Initiative
(das Vorrecht, die Dynamik des Spielgeschehens bestimmen zu können
bzw. den Gegner zwingen, zu reagieren).
- Tempo
(man gewinnt ein Tempo; zB durch einen Zug, der die eigene Figur an
einen gewünschten Ort bringt, während der Gegner gezwungen wird,
irgendwo zu reagieren; gewöhnlich zieht man dann zwei Züge, um eine
Figur zu bewegen, aber ist eigentlich nur ein einziger Zug; es gibt
viele Möglichkeiten in Tempo zu kommen, also die Zugeinheit bzw. Zeit
für sich ausnutzen zu können).
Schlechtere
Merkmale der Stellung können in folgenden
Möglichkeiten bestehen:
- Entblößte
eigene Königsstellung (die muss verteidigt werden
und bindet eigene Figuren oder zur Initiative des Gegners)
- Eingesperrte
Figuren
(die in ihrem Bewegungsmöglichkeiten beschränkt sind und in dieser
Situation lange verweilen könnten; jede Figur, die nicht am
Spielgeschehen teilnehmen kann, ist für diese Zeit wie ein
vorübergehender Materialverlust).
- hängende
Bauern
(das sind Bauern, die rückständig sind und von keinem anderen
benachbarten Bauern mehr gedeckt werden können; dabei wird die Schwäche
eines hängenden Bauern besonders dann deutlich, wenn vor ihm kein
eigener oder fremder Bauer steht und somit die Linie halboffen ist)
- evtl. kann auch eine zu
lange Bauernkette, die sich quer über die Diagonale zieht verhängnisvoll
werden (zB von a2 über b3, c4 nach d5), wenn diese nämlich von
gegnerischen Bauern gesprengt zu werden droht und man mti der
Bauernstruktur Probleme bekommt oder einzelne Bauern nicht mehr decken
kann
- und es gibt unzählige weitere Stellungsmerkmale, die man
kaum alle systematisch aufzählen kann; desweiteren ist eine eigene
Schwäche auch an dem Gegenteil der jeweils positiv zu bewertenden
Stellungsmerkmale
abzulesen, nämlich insofern der Gegner solche Möglichkeiten erhält und
wir gerade nicht über diese Möglichkeiten verfügen (zB Raumvorteil,
Läuferpaar usw.).
Das
sind die
vordergründigsten Stellungsvorteile, die man immer irgendwo und
irgendwann finden wird...;
Und
schliesslich gilt natürlich der reine Materialvorteil, der zwar nur
indirekt mit der Stellung zu tun hat, aber das gewichtigste Element für
eine klare Entscheidung ist. Es ist richtig, dass man sagt, wie ein
Bauer zum Gewinn reicht.
Beispiel
Partie
Es geht also um den Überblick
Es geht also immer darum, eine Beurteilung
dieser
Stellungsmerkmale aufbringen zu können. Dazu gehört, dass man
voraussieht, was sich logisch und einsehbar an Möglichkeiten dieser
Stellungsmerkmale typischerweise ergibt.
Man
hat
bald einen Blick für die Offensichtlichkeit einer Stellung und
kommt rasch zu den Notwendigkeiten.
Es geht prinzipiell darum, sich bei der
Wahl der möglichen Züge (die einem vorschweben und die man näher überlegt), so gut wie möglich
einzugrenzen, auf jene Züge, die am meisten Sinn und Wirkung vesprechen.
Man muss freilich immer
auf der Hut vor verborgenen taktischen Wendungen sein. Das sind
einzelne Züge, die plötzlich alles verändern.
Formprobleme?
Wenn
man ausser Form ist, kommt man am besten in Form, wenn man zunächst
eine Schachpartie versucht solide zu spielen.
Unbedingt und ohne Kompromisse zunächst einmal solide spielen lernen.
Eine
solide Spielweise bringt mit sich, dass man zwangsläufig einfach und
ideenlos spielen wird - das ist aber nicht die Absicht.
Sondern was man anstrebt: eine gesunde Grundlage
hervorzurufen.
Erst
wenn man einigermaßen in Form ist, kann man im wahrsten Sinne des
Wortes
Schach spielen
lernen, sich also versuchen zu bessern in der Spielstärke.
Um in Form zu kommen, spielt der eine
rasch ein paar Partien, und ein anderer mag stundenlang knausern, wo er
anfangen soll, um
Lust
auf das Schachspielen zu gewinnen.
Denn Lust ist eine wesentliche Vorraussetzung eines jeden Spiels und
wenn man keine Lust hat, wenn man eine Sache nicht gern hat, dann
sagt man sich bald davon los und will auch nicht besser werden - das
ist insofern die Konsequenz. Irgendwann kriegt man wieder Lust, und
verliert sie wieder schnell. Weil man nicht begriffen hat, wie man sich
die Lust am Schach spielen erhält!
Auch
wenn man schlecht spielt, so können kleine Erfolge doch immer wieder
die Lust anstacheln, dazu gehört aber auch das Gefühl, dass es Sinn
macht, Schach und nicht Dame oder ein Würfelspiel zu spielen.
Ich glaube, dass es für jeden Spieler zunächst darum geht,
eine gesunde Grundlage
aus dem Ärmel schütten zu können;
also zu einer Spielweise fähig zu sein, in der man sich nicht gross
anstrengen muss, um das Notwendigste zu leisten und die Partie bis zu
einem Grad zu kontrollieren. Wobei dieses Maß an Kontrolle zunächst
ganz weit unten angesetzt ist, also dort, wo man noch mit
Leichtigkeit Einfluß ausüben kann: seine eigene Stellung betreffend. Es
sind die grundlegendsten Züge erst mal so zu spielen,
dass
man sich eine Stabilität der Stellung verschaffen kann besser gesagt
halten kann.
Und das Maß der
Stabilität ist dann gut gewählt, wenn man meinen könnte:
Die Partie ist
noch nicht entschieden, weil man die eigene Stellung noch nicht mit
Leichtigkeit oder Schlampigkeit ruiniert hat bzw. den Gegner dazu
einlädt.
Um in Form zu kommen, ist es egal, ob man an seinem
persönlichen Limit
spielen kann, oder so gut spielt, wie man gewöhnlich gerade noch so
hinkriegt, und sei es an der untersten Skala der eigenen Spielstärke.
Ich finde es wichtig, sich klar zu machen, wie stark man als
Spieler eigentlich ist.
Tip:
Je nach Spielstärke kann es darum gehen, aus einer entstandenen
Notwendigkeit oder auch Schwäche einer Stellung nach Aspekten der Dynamik
zu suchen, die den Gegner unter Stress setzen und das eigene Spiel mit
Initiative befruchten können.
Es
geht bei einer soliden Spielweise darum,
dass man von Eröffnung an
möglichst solche Züge wählt, die die Möglichkeiten der Stellung noch
nicht allzusehr festlegen, und noch nicht so viel Dynamik ins Spiel
bringen - und das kann auf verhältnismässig einfachen
Zügen aufgebaut
sein. Jedenfalls steht man eben auf
sicheren Posten, man steht solide.
Nach
und nach kann man
sich dann in das Spielen einfinden oder einfühlen, und erkennt, was man
besser machen kann oder besser machen sollte. Man kann lernen, die
Partie und ihren Verlauf wahrnehmen zu können, so dass einem nicht
entgeht, wenn eine bestimmte Strategie oder Plan nicht aufgeht, und
dass man auch erkennen mag,
woran der Verlust eines Vorteils oder einer Partie wirklich
festzumachen ist (das kann verschiedene Ursachen haben und man muss
eben lernen, das Spiel zu lesen, man sollte lernen, aus welchen Punkten
der Partie immer wieder alles weitere oder das meiste der weiteren
Partie resultiert).
Oft
wählen wir für die Umsetzung irgendeiner Idee einen verworrenen oder
überhasteten
Weg. Es geht ja wesentlich im Schach darum, irgendwelche Ideen
umzusetzen (zB einen Königsangriff oder
ein Bauernvormarsch auf dem Damenflügel) - und genau diese
Fehler,
die entweder an der mangelhaften Umsetzung liegen (welche Züge mit
welchen damit verbundenen Vorhaben), oder an einfachsten
Flüchtigkeitsfehlern.
Sobald
man
solide spielen kann, lassen sich auch Flüchtigkeitsfehler ausmerzen,
denn man lernt ja ein Auge dafür zu bekommen, dass man möglichst stabil
bleibt, und das bedeutet zwangsläufig erst mal die Fehlerquote gering
zu halten. Und man lernt ein Auge zu entwickeln für die
Balance des
Kräftegleichgewichts,
die sich ebenfalls durch das solide Spielen ergibt. Denn man muss
zunächst die
Stellung halten können, bevor man daran geht, die Richtung der Stellung
beeinflussen zu wollen.
Durch die Grundfähigkeit eines soliden Spiels, kann man einen
sich erarbeiteten Vorteil dann auch besser halten.
Nachdem man also solide spielen
kann, kann man aus dieser Notlösung heraus es sich zur praktischen
Maxime machen, das solide Spielen als Grundlage immer wieder in jeder
Partie stückweise und sogar als eigentlich roten Faden zu
befolgen.
Man bekommt
dadurch einfach schneller ein
Gefühl für die Sache, für die Stellung, für die ganze Art, wie man an
die Partie herangeht (und ich meine, das Gefühl für die Sache kann man
nur persönlich ausbilden bei sich, und nirgendswo als Anleitung
vorfinden). Solides Spielen bringt diese persönliche Herangehensweise
noch nicht mit sich, erleichtert aber die Findung.
Irgendwann später, kann man aus dieser persönlichen
Art, wie man das solide Spielen anwendet, wie man jede Menge weitere
Dinge, und Ideen kennen gelernt hat, und Erfahrung dazu gesammelt hat,
einen persönlichen Stil entwickeln.
Leitende
Ideen, wonach man das Spiel gestalten will, können die
typischen Angriffsmotive sein, es können taktische Möglichkeiten sein,
die gerade mit einem Zug in der gegebenen Stellung eingeleitet
(herbeigezwungen) werden können, oder Pläne, oder andere strategische
Ideen.
Eigentlich ist es eher ein Ganzes, wonach man motiviert und
zuversichtlich wird die Partie zu gestalten, und jeden Schritt mutig
und keineswegs verzagt vorzugehen.
Wenn man einen Plan fassen kann,
dann ist das ein gutes Zeichen! Denn dann beginnt man die Ideen zu
sehen.
Man
merkt aber auch, dass es nicht allein die Ideen sind. Sondern die
Umsetzung. Eine Idee (zB Bauernvormarsch) muss sich in das Ganze der
Stellung einfügen, bzw. wir müssen als Spieler die Idee so umsetzen,
dass andere Notwendigkeiten in der Stellung nicht vernachlässigt
werden. Beizeiten muss man daher auch lernen, mehrere Pläne
gleichzeitig zu verfolgen.
Bald kann man auch einige Pläne verfolgen, deren Möglichkeiten man sich
lange offen hält. Und
auch kann man von einigen Plänen abweichen. Es geht in jeden Fall
einerseits um Pläne und andererseits genau das, was die Stellung
hergibt, und damit ergeben sich jede Menge taktische Züge, also
einzigartige besondere Merkmale einer Stellung, die man alle beachten
muss.
Es
ist so, dass man nach einer Zeit des "Ausser-Form seins" (man
verliert nur noch) nach Mitteln und Wegen sucht, um wieder besser
Schach zu spielen. Dazu gehört zunächst, wieder
Lust am Schachspielen zu
gewinnen. Man sucht die Ideen, die man in einer Partie
anwenden kann. Aber bevor man diesen Ideen nachkommt, muss man erst ein
gewisses Gefühl für die minimalen Unverhältnismässigkeiten einer
Stellung bekommen - um aus diesem Kraftakt eines "Balanceakts"
weiteres zu schöpfen. Eines Balanceaktes, um immer wieder in der
schwierigen Situation einer Stellung den Eindruck zu gewinnen, dem
Geschehen nicht mehr widerstandslos ausgeliefert zu sein.
Dass
man sich keine künstlichen
Schwächen schafft, oder solche Stellungen, mit denen man nicht
umzugehen weiss , gilt als selbstverständlich und muss
vorrausgesetzt werden als Grundhaltung.
Und
dass man Lust auf das Schachspielen bekommt, das gelingt am besten
durch Lustbereitung. Aber wenn man zu oft hintereinander spielt und
keine Lust gewinnen kann, sollte man eine kurze Pause machen und
schauen, wann die Lust wieder kehrt - vielleicht auch eine neue Idee
darüber, was man demnächst anders machen will. Jedes Machen ist
tatsächlich auch nicht mehr als ein Versuch. Immer wieder werden wir
neu versuchen, das Beste aus einer Stellung zu machen - mitunter mit
jeweil ganz unterschiedlichen Ideen.
Mit
der soliden Spielweise schafft man sich den Boden, auf dem der
Prozess sein Spiel
verbessern zu wollen erst auch wachsen kann -
so
dass man also beginnen kann, nach Ideen zu suchen, und Ideen zu
erproben. Weil
man überhaupt in der Lage ist, erreichte Vorteile behalten und
ausbauen zu können.
Wenn man aber nicht solide spielen kann, kann man einfach auf typische
Grundregeln achten, zB Eröffnungsgrundsätze oder Raumvorteil, die
aufgestellten Figuren in ihrer Aufstellung verbessern, schwache
Felder erkennen und starke (Vorposten und Lächer durch Bauern
schaffen oder drohen und auf die Konsequenzen hin weitere Überlegungen
anstellen, typische Bauernstrukturen im Zentrum durchdenken; hat man
einmal den Dreh raus und kennt verschiedene und typische Muster von
Bauernhebeln, kann man mit einem Blick erkennen, welche Züge man nun im
Zentrum nach und nach durchgehen muss, um zu sehen, was passiert.
Anfänger scheuen diese Stellungen, weil sie schwer zu durchschauen
sind, und sobald man besser wird, kann man mit komplexeren
Stellungsmerkmalen umgehen; man geht als Anfänger einfach davon aus,
was man an typischen Bauernstrukturen erfährt und setzt weiter daran an
und bald wird man komplexere Muster verstehen und wiedererkennen, d.h.
als letztestes, was man noch tun kann, ist das Auge zu schulen um die
Wirkungen von Strukturen zu beobachten und man wird finden, es gibt
Stellungsmerkmale , die will man haben und Dinge die will man nicht).
Ein erstes Hindernis kann sein, falls noch nicht überwunden: die
Objektivität der Wahrnehmung, dass man sich bei den Zügen, die man
aussucht, nichts vormacht und einen Fehler vor sich selbs
eingesteht, um daraus zu lernen. Es ist die beste Methode, besser zu
werden, wenn man seine Fehler erkennt und in Großmeisterpartien kann
man nun ähnliche Stellungsmerkmale suchen, geht die Partien durch und
beobachtet, wie die Probleme gelöst wurden. Wohlwissend, dass
Großmeister zuweilen komplexe taktische Kombinationen anwenden, aber
wichtig sind da erst mal nur die Momente, die eine gewisse Methode zur
Anwendung bringen und andere Strukturen vermeidet. Wenn man Glück
hat, kann man in einer Partie auch sehen, wie schlechte Strukturen dann
ausgenutzt wurden. Man kann sich bestimmte typische Strukturen des
Mittelspiels aussuchen, und in den GM-Partien zu der Stelle gehen, wann
sich die Strukturen verändern und vrsuchen zu verstehen, warum dadurch
die Partie verloren wurde. Weil bestimmte Figuren wirken konnten... und
zwar nicht in vielen Zügen, sondern oft in wenigen, absehbaren, wenn
man einmal die Stellungsmerkmale unterscheiden kann und viel bessere
Arrangements trifft..
Schachlinks:
http://www.schwachspieler.de/