Manche Filme hinterlassen nur einen episodenhaften Eindruck. Wie zum Beispiel "der Wind und der Löwe" mit Seacn Connery. Sie sind sehenswert, aber es mangelt an Tiefe. Das Gesamtkunstwerk ist, das erfüllt sein muss, um von einem Meisterwerk wie bei "The Wild Bunch" von Peckinpah (1969) zu sprechen.
Jeder Film hat Schwächen, und manche fallen gar nicht beim ersten Hinsehen auf. Aber ein Film tritt hervor nur durch seine Stärken. Gibt es genug Stärken, darf es auch Schwächen geben, die nämlich aufgefangen werden und nicht mehr stören.
Für mich war ein Film immer schon die Erweiterung des Romans. Nicht in qualitativer Weise. Denn ein Roman bietet durch die angeregte Vorstellungskraft viel mehr Reiz als ein Film, der andererseits aber für sich auch Vorteile aufweist gegenüber dem Roman. Die Qualität eines Filmes hängt nicht nur vom Drehbuch oder einer Romanvorlage ab, sondern von der Umsetzung. Aber ich würde niemals auf die Idee kommen, zu sagen: "Dieser oder jene Film ist schlechter als das ursprüngliche Buch", weil das ein Verkennen des Filmes als autarkes Gebilde bedeutet. Der Film befindet sich in seinem eigenen Mikrokosmos und erzählt genau das, was er erzählen will. Der Roman ist ebenso ein autarkes Gebilde.
Dagegen Filme, die auf wahren Begebenheiten beruhen, die sollten irgendetwas, was der Realität zugrunde liegt, vertiefen können.
Ein
Film ist ein Gebilde mit mehreren ineinander verwobenen
Handlungslinien. Eine Handlungslinie kann zum Beispiel der Kampf um
sportlichen Erfolg sein, die Rechtsklage gegen einen Chemieunternehmer,
der Giftmüll ins Trinkwasser ableitete, oder die Flucht nach einem
Bankraub. Ja, es ist vom Stoff her gesehen egal, ob jemand umgebracht
wird, oder sonst etwas "unspirituelles" geschieht: Was gezeigt wird,
ist die Welt, wie sie ist (oder wie sie sein kann). Aber was wirklich
am Kino interessiert, ist etwas spezielles. Was ist es? Affektive
Beteiligung ist nur eine Seite. Die andere Seite ist der allgemeine
Geschmack, den wir an einem Film erkennen. Es muß einfach und gelinde
gesagt von Reiz sein, einen bestimmten Film gesehen zu haben. Und
dieser Eindruck kommt zustande, indem wir uns in den Film quasi
hineinversetzen, und andererseits dem Stoff folgen, woraus sich ja eine
Geschichte mit Inhalten ergibt. An dieser Stelle setzt auch die Kritik
an, und beurteilt, wie interessant oder originell der Stoff umgesetzt
wurde.
Elementar
gesehen haben wir damit schon einige wichtige Handlungsstränge des
Filmes: Mit einem Geschehen, und dem darin verwobenen Bedeutungen. Was
sich dabei konkret ergibt ist am ehesten beschreibbar mit den
verschiedenen Genres: Krimi, Bankraub, Romanze, Thriller, Dystopie
usw.. - mit dem Genre ergeben sich sogleich mögliche Handlungsverläufe
(Plots). So wird es in einem Bankraub immer um eine Bank und einen Raub
gehen und bei einer Romanze um eine Liebesgeschichte.
Eine
weitere Handlungslinie gibt dem Film Tiefe und besteht
in erster Linie aus Beziehungen der Protagonisten zueinander und das,
wofür sie einstehen. Auch bei einem Bankraub. Das ist ein besonderer
Reiz, und wird von schlechteren Regisseuren oft vernachlässigt, meist
liegt es aber auch an einem zu 0815 Drehbuch.
Weitere Handlungslinien können aus den
Spannungspolen Liebesbeziehung und Eifersucht bestehen oder aus dem
Konflikt zwischen Freiheit des Einzelnen und Freiheit des Ganzen oder
des Staates. Diese Spannungspole müssen einander begegnen, und je nach Ideen
vom Regisseur und dem Drehbuch wird dabei am Ende immer eine
moralisch anmutende Botschaft des Filmes durchscheinen. Worauf es
letztlich ankommt ist, dass diese Botschaft sich in das Ganze des
Filmes fügt und der Film nicht wie zusammen geschnipselt erscheint. Es
gibt verschiedene Wege, den Film und seine Szenen zu arrangieren. Aber
die Handlungslinien und die Art ihrer Begegnung ist universell
notwendiger Reiz des Filmes. Ein Film braucht Kontinuität, sonst
verwirrt er. Man muss ihm folgen können, wie man einen Roman liest -
das heisst, auf Handlungsstränge achten, wie sie sich mehr oder weniger
dynamisch fortentwickeln in einem jeden Film anders.
Eine
Handlungslinie allein mag ausreichen. Wenn ich mir über die Qualität
eines Filmes aber Gedanken und Anschauungen mache, sind die
schlechtesten Filme meist die, deren Handlungsstränge im wahrsten Sinne
des Wortes armseelig sind.
Dünn, oberflächlich, ohne Spannung (zB
weil vorhersehbar, bekannt, üblich, oder eingefahren durch die
beispielhaften Vorbilder des gewählten Genres und Sujets). Ein
Film muss auch immer überraschen und es ist nicht verkehrt, sich auch
an solche Filme heran zu wagen, die aus einer sehr alten Zeit stammen,
etwa 1977, wo man auch merkt, dass der Farbfilm noch in den Anfängen
steckte, und man eine gewisse Kontrastarmut in der Farbe entdecken
könnte - aber es hat auch einen Reiz diese Farbe in Filmen aus dieser
Zeit.
Das Sujet darf noch so banal sein, wie in Schlappschuss (1977)
das Sportereignis (Eishockey), oder die verschiedenen Akteure und das
Publikum, oder die plump aber real scheinende Beziehung zwischen dem
Spielertrainer und seiner Frau Francine, wenn nur die Handlungslinien
genug an Spannung aufbieten. Die Handlungslinien müssen - das ist
sozusagen ein universelles Gesetz - verschiedene Spannungsanreize
bieten, was sie nur schaffen, wenn sie einander Spannung auf- und
abbauen. Das Abbauen der Spannungen ist immer ein notwendiger Schritt
der Glättung des Stoffes, ein Schritt, der notwendig ist - weil sonst
die enorme Spannung inkohärent erschiene. Man kann nicht einen Tanker
explodieren lassen (Aufbau der Spannung) und nicht erklären (=Abbau der
Spannung), warum das geschieht, oder wie es logisch mit den anderen
Filmszenen zusammenhängt. In was der überraschende Spannungspol
(Explosion) eingebettet ist in die Geschichte.
Bis dass der
Filme in seinen Handlungssträngen durch exerziert ist, bleiben die
Fragen offen - was immer bedeutet, dass das Geschehen in irgendeiner
Weise auch Sinn machen muss, es MUSS sich in den Film fügen, man zeigt
nichts , was nicht in den Film gehört, weil es unweigerlich
AUSSAGEKRAFT erhält. Wie man die ganzen Handlungslinien zu einem Ende
des Filmes arrangiert, darin besteht die eigentliche Kunst. Wesentlich
an dieser Kunst ist, dass der Zuschauer überrascht wird vom
dargestellten Ablauf, was vor allem von den Handlungslinien und der Art
ihrer Spannungspole abhängt. Stellt man eine Geschichte dar, in
der es um einen Bankraub geht, so kennt man unzählige Filme, die immer
das Gleiche an Spannungspolen aufgeboten haben. Erste Variante: Masken
auf, Rein, "Überfall! Geld her!" Flüchten. Happy End. Oder zweite
Variante: Nachdem man das Geld hat und sich noch in der Bankk befindet,
umstellen Polizisten das Gebäude. Das ist ja eigentlich spannender als
die erste Variante. Wenn nun allgemein aber schon so viele Filme
gemacht wurden, die diesen Weg bereits gegangen sind, muss etwas
Originelles aufgeboten werden. Irgendwann kam man natürlich auch auf
die Handlungslinien , die sich zwischen zwei antagonistischen
Charakteren ergeben. Das ist mittlerweile aber auch an besondere
Originalität gebunden, damit es nicht schon wieder bekannt und
abgedroschen erscheint. Schliesslich bleiben immer weniger
Möglichkeiten für einen originellen Bankraub-Film. Der Versuch noch von
Reiz zu sein, führt dann zu immer weiteren und unbekannten
Handlungslinien und neuen Varianten. Denn wenn man bedenkt, dass
man nicht zu phantastisch werden kann, und mit einem
selbstgebastelten Star Trek Beamgerät den Helden das Geld aus der Bank
holen lässt, bleibt das immer eine ziemlich enge Wahl isngesamt. Und
wenn man einen Film beurteilt, sollte man vor allem auf diese
Handlungslinien achten, die die gesamte wesentliche Struktur des Filmes
aufstellen. Irgendein Hauptthema, und verschiedene Nebenthemen. Meist
bedingt durch die Dynamik des Geschehens. Lahme Filme, belassen es bei
einer oberflächlichen, verkitschten Ausformung eines eigentlich
wesentlichen Gehaltes. Der Film, und dessen Botschaft, soll ein Exempel
für eine beispielhafte Geschichte statuieren, und nicht das Exempel,
dass schlechte Kunst lohnen könnte.
Betrachtet
man nur ein Land und ein Genre, vervollständigt sich nicht das Bild einer weltweiten Kultur.
Für jeden einzelnen wird ein anderer Bereich dieser
Kultur gespiegelt oder widergegeben. Das hängt von der Empfänglichkeit
oder Sichtweise ab. Aber dieser Jemand ist in der Lage, wie jeder andere, sich anhand
aller Filme ein vollständiges Bild der weltweiten Kultur zu machen,
eben da die Filme einmal die Kultur spiegeln, und natürlich weil es so
etwas wie die Verantwortung des Regisseurs und Filmemachers gibt. Der
nämlich nimmt stellvertretend für den Zuschauer einen ganz bestimmten
Blick und Perspektive ein, die ihn den Film anordnen lässt. Egal was
für eine persönliche Vision er hat, anordnen tut er irgendetwas, was
man -aus seiner Sicht - so stehen lassen kann, und genau darin drückt
sich der seelische Gehalt eines Filmes aus. So viel Absicht steckt da
nicht immer hinter, manche wie Trier finden durch die Improvisation zum
authentischen Ausdruck, so dass die Botschaft ins Fließen geraten kann.
Und diese Botschaft ist oft ganz banal, einfach - aber in jedem
Fall elementar. Und
man wird finden, jeder nimmt eine leicht andere Botschaft wahr.
Vielleicht geht es bei Idioten um eine Art Trauerspiel des Menschseins,
vielleicht geht es um ein Loblied auf das Menschsein. Jedenfalls wird
der Mensch in seinen Trieben gezeigt und seinen Maschen, die nicht zu
hintergehen sind, und immer ein Thema sein werden. Letztzlich ist die
gesunde Botschaft des Filmes aus diesem Blickwinkel, dass wir alle
Idioten sind. Idioten sind meist solche genannt, die nichts wissen.
Oder solche, die sich wie Idioten verhalten und zB anderen Ungemacht
bereiten, obwohl sie es besser wissen könnten, wie das leicht zu
verhindern wäre. Also geht es auch um Rücksicht.
Jedenfalls kommt die eigentliche Botschaft des Filmes jeweils vermittelt über die im Geschehen gespiegelten Wert- und Sinnverhältnisse zum Vorschein. Man erlebt so ungefähr einen Standpunkt, den der Filmemacher quasi in Kauf genommen hat. Manchmal es auch bewusst drauf angelegt hat. Ich denke, die Botschaft ist einfach da, egal warum sie das tut.
Das mit der Botschaft eines Filmes
ist
natürlich ein so subtiler Vorgang, dass die Interpretation individuelle
Spielräume verlangt.
Da
wir nicht wissen, wie die Gruppe bei Idioten wirklich endet, oder
weitermacht, weil sich am Ende die Gruppe
doch sehr verändert, bleibt ein kleiner Wermutstropfen der Utopie die
Rolle eines Idioten zu spielen. Im Grunde ist es bei Idioten dieses
Spiel. Ein Rollenspiel. Allerdings liegt bei Idioten der Ansporn
Behinderte zu simulieren, gerade im Umstand begründet, dass die
anderen Leute das einfache Glück zu verspotten scheinen und sie tun es
nicht mehr, wenn sie geistig Behinderte vor sich haben.
Natürlich
geht es bei Idioten auch um ein regelrecht psychologisches Thema: die
Therapie, die Findung eigener Ausdruckskräfte. Abenteuer. Aber es ist
und bleibt eine Art komisches Drama.
Was symbolisieren die
echten geistig
Behinderten? Sie sind wie die Engel des Himmels. Sie sind zwar irgendwo
einfältig, aber gerade deshalb der Natürlichkeit und Lebensfreude so
nahe.
Es läuft im Grunde nur darauf hinaus nach eigenem Gestus zu schauen, was einem der Film sagen will. Wenn die Botschaft zu einfach ist, zu plump, meinen wir eigentlich nicht, dass der Film uns besonders gefallen hat. Meist ist das mit der Botschaft eher ein Erahnen, als dass man sie klar formmulieren könnte.
Und es ist leichter sich für die Botschaft zu öffnen, sich ein Bild zu machen - als wie zu erklären, warum man als Zuschauer von einem Film in bestimmter Weise berührt wird. Vermutlich, weil jeder jeweils anderes wahrnimmt und Schwerpunkte setzt.
Und genau darum braucht es gewisse Freiräume. Das Wesen eines guten Filmes ist für mich die Erzählung an sich, und darin die Konsistenz der Spannungsbögen. Spannungspole und -bögen, die aber nicht zu plump sein dürfen. Nicht wie bei einem 0815 Drehbuch. Der Film in seinem Plot muss mit den Erwartungen des Zuschauers Umgang finden, und es ihm nicht hinschmeissen, das mit der Dramaturgie und den Kontrasten, den Hadnlungslinien, die zusammen krachen. Wie eine kalte Kartoffel dem Zuschauer einen Batzen UN-originalität vorsetzen, das ist meist kein guter Umgang.
Manche Filme sind sehr ungeordnet in ihrer erzählerischen Konsequenz (Actionfilme) und voll von einem zusammenhanglosen Symbolismus (!!!---> jede Actionszene ist typischerweise leer und drückt an sich nichts aus, was auf der Symbolebene des Filmes irgendeine Bedeutung bekommen könnte; meistens ist dies jedenfalls ziemlich einfältig. Anders zB in Public Enemies: dort ist die Gewalt Ausdruck für sich selbst, drückt Action Gewalt aus).
Es
geht um Kultur, in jeder Hinsicht. Kultur als Nährboden wohlgemerkt,
und sie muss nicht Inhalt des Filmes sein, weil der Film selbst Teil
des Apparates der eigentlichen Absicht dieser Kunst ist: Illusionskunst
als Mittel zur affektiven Teilhabe und Kartharsis. In manchen Filmen
wird diese Kartharsis auf Ebene des Sozial-Utopischen geleistet.
Gerade Filme wie "Stadt der Blinden"
oder
"Anderland" als soziale Dystopien zeigen uns ein besonderes Spektrum
der Kultur. Beide Filme zeigen das Leben, wie es sich in der Natur des
Menschen zeigt. Ob es getan oder erlebt wird. Dass die Natur des Menschen gezeigt wird, ist etwas sehr
elementares für einen Film. Und diese Natur ist alles andere als harmlos.
Aber
nicht jeder Film tut das so subtil anrühren, dass die Natur des
Menschen auch die Wahl der Liebe beinhalten kann, und Lieebe wiederum
viele Gesichter hat, wie in
"Antichrist".
Die Liebe. Wenn auch in Stadt der
Blinden so subtil, dass man es nicht merken könnte - aber es gibt
durchaus offensichtliche Szenen, womit es zumindest als Nebenthema in
"Stadt der Blinden" auftaucht. Stadt der Blinden wurde von der Kritik
zu einseitig bewertet, vermutlich hinsichtlich des Spanungsgefüges. Er
finge gut an, verflache aber. Doch für mich offenbart sich dabei auch
eine Dimension des Schreckens oder Leidensbils, ja Landschaftsgemälde
einer typisch menschlichen Szenerie, was an sich ein Genuß ist, dem zu
folgen.
Es
gibt
tatsächlich auch ein subtiles Spannungsgefüge in Stadt der Blinden, das
sich aber nur erschließt, wenn
man der Landschaft dieses Filmes folgt. Erst im Nachhinein wurde mir
klar, wie gut Stadt der Blinden ist. Eine Epidemiologie der Blindheit,
wie zutreffend das doch ist, dass man dies auch symbolisch auffassen
kann als Sinnbild einer Gesellschaft, die jeden sich selbst überlässt,
der in Momenten der Hilflosigkeit Führung benötigt, eben weil alle
blind sind, diese Hilflosigkeit zu sehen, und andererseits die richtige
Führung anzubieten.
Und da steht eben die ganze Zeit der Eindruck vor Augen, wie wertvoll es ist (!), sich im Raum orientieren zu können und wieviel man darum Sehnsüchte entwickelt, den Raum der gegebenen Möglichkeiten und Notwendigkeiten überblicken zu können, und sich zu orientieren um wenigstens halbwegs glücklich zu sein. Als Blinder. Was wäre man ohne Führung? Wer bringt einem die Nahrung, die man nicht selbst ernten kann?
Im
Grunde wird bei Stadt der Blinden damit auch etwas Grundsätzliches des
Menschseins angesprochen: was nämlich Menschsein eben mehr als nur jene
Beobachtung der Dingwelt ist, um mit der sichtbaren Dingwelt
Bedürfnisse zu befriedigen; sondern das Bedürfnis, das Gefühl an sich
wird jetzt wichtiger, als Ausdruck der Eigenart und in der Liebe wird
das besonders deutlich, dass es in der Dunkelheit die Intimität eine
andere bedeutung erhält. Wie sagt man so schön: "die Nacht gehört den
Liebenden"...
Auch
das Tasten, um sich zurecht zu finden, wird spürbar vermittelt - und
auch ein elementares Gefühl der Aufgehobenheit, Intimität wird mit dem
wahren Menschsein geschildert, und was auch immer die vielen anderen
inneren
Angelegenheiten bedeuten mögen: auf sie lenkt sich nun der Blick, um
sich zu orientieren in einer ansonsten unsichtbaren, undeutbaren
Welt.
Mein erster Gedanke bei diesem Film
war, dass ich mich an die Utopie einer besseren Welt erinnerte: Wieder
ein Film, der mich ganz persönlich anrührte, einen roten Faden
weiterwebte auf meinem ganz persönlichen Weg. Das ist ja oft so, man hat so seine Filme. Ich glaube, das ist
wichtiger als man jetzt verstehen mag.
Wir alle haben eine Utopie, eine
Bewusstheit um ein Ziel. Es kann ein momentanes, der Lebensphase
zugehöriges Bild einer utopie sein, oder ein grosses Thema, das wir zu
unserer Lebensaufgabe gemacht haben. Der Film liefert
genauso wie das Leben am laufenden Band Archetypen.
Wir
können uns ihm, dem Schicksal näher fühlen. Und manche
Filme transportieren dafür ein wichtiges Stück Gefühl. Denn nicht alle
Filme bewegen uns gleichermaßen, unser geschmack führt uns.
Aber wie weit alle Filme diesen inneren Traum eines jeden Menschen anrühren und einen wichtigen Impuls beisteuern, dass ihm dieser Traum geheuerlicher wird, das liegt ganz am individuellen Schicksalsplan und eben auch am Geschmack. Geschmack aber ist nichts anderes als Schicksal, übrigens.
Ich
erwähnte das Subtile
mehrmals. Tja. Was soll man sagen. Das Subtile ist am schönsten. Es ist
einfach so, als wenn ein nacktes erotisches Bein verhüllt ist, als wenn
man die Vagina direkt sehen kann. Letzteres ist geil, ersteres erotisch. Sind Unterschiede.
Wenn man etwas ahnt, berührt es einen
durch die Phantasie umso mehr, weil die Phantasie freien Lauf hat, um
dem Gefühl zu folgen. Subtilität in jeder Hinsicht, inhaltlich. Den
Inhalt betreffend.
Eine subtile
Ästhetik ist aber was andere.
Der Regisseur Lars von Trier betont eine
schlichte alltägliche Realität . Es ist ja so, so wie Filme
gemacht werden, kommen
sie auch rüber. Die Kulisse und Stil, alles beeinflusst. Bei von Trier
oft rauhe unbearbeitete Wirklichkeit: Handkamera, keine intensive
Beleuchtung, keine
Trickszenen oder Nachbearbeitung.
Ein Mystery film, so meint man, kann es so nicht geben. Denn wir erwarten darin eben auch solche Effekte, die in einem Nachfahren des Dogma 95 Projektes nicht auftauchen werden können. Denkste! Lars von Trier zeigt, wie es mit seiner "Hospital Geister" Serie trotzdem geht. Der Zuschauer denkt sich auch hier die Lücken zuende. Die Phantasie wird angesprochen durch die Rollen, die ihr inneres ausschütten, womit die Realität dieser Ereignisse viel greifbarer wird und auch der Film einheitlicher wirkt (!).
Nichts ist subtiler als ein früher von Trier oder ein anderer Film der Dogma 95 Bewegung. Denn wenn man so viel Wert auf Inhalt legt, dann muss das auch stimmen, und man merkt, es stimmt bei diesen Filmemachern aus dem Norden. Die Schauspieler sind gut, das Drehbuch ist intelligent, und das Sujet jeweils unglaublich spannend, dabei doch so trivial und abgedroschen. Aber die machen das wirklich gut bei den frühen Vier der Dogma 95 Bewegung. Weil der Inhalt keine besonders komplexe Umhüllung bekommt und leicht einsehbar bleibt, wird genug Raum für den eigentlich symbolischen Stoff geschaffen , die ganzen Kontraste zum Beispiel. Diese Symbolik und manchmal leichte Form von Dystopie ist nicht immer leicht zugänglich, aber man spürt, dass die da ein hohes Maß an einem "komplexen Film" erreichen ...
Dennoch
empfinde ich einen gewissen deutlichen
Mehrwert bei ( von der sichtbaren Ästhetik her geseheh:)
einigermaßen
gestylten Filmen.
Styling muss nicht schlecht sein. Wenn der Film
einheitlich bleibt. Eingeblendete Geister sind an sich eine
Gratwanderung, weil sie immer die Einheitlichkeit des Filmes stören.
Das ist eine Kunst für sich, dass etwaige Effekte nicht
"eingeschnibbelt" erscheinen. So sind die eingeblendeten gemäldeartigen
(nackten) Menschenansammlungen im Wald bei Antichrist der
Einheitlichkeit zuträglich, und fallen nur etwas aus dem Rahmen. Da
zugleich drei Tiere auftreten, die etwas tun, was normalerweise so
nicht geht. So wird insgesamt ein Umfeld für besondere Ebenen
geschaffen, die sonst in Reibung käme mit der im Film ansonsten
gezeigte Ebene des "Nichtgeisterlichen", des Alltäglichen .
So eine Art Mysterythriller wie aus Amerika müsste er mal machen - ich kann es nicht anders sagen - es wäre in meinen Augen ein Mysterythriller von "Lars von Trier" schlussendlich noch der Höhepunkt der Laufbahn eines "besten Regisseurs der Welt". Bislang kommt er ja mit sehr wenig Effekten aus, aber er hat mal anklingen lassen, dass er davon gehört hat, wie die Zuschauer so eine Art amerikanisches Styling für seine Filme erwarten würden, also so eine Art typischer Kommerzfilm.- Was für ein anderes Sujet wäre besser geeignet als wie ein Mysteryfilm, da seine Karriere schon mit diesem Sujet anfing ("Hospital der Geister"). Bio und Filmographie: http://de.wikipedia.org/wiki/Lars_von_Trier
Träume,
das ist für mich immer ein ganz besonderes Thema im Film. Grundsätzlich
ist deshalb auch alles erlaubt im Film. Obwohl es uns einen besonderen
Reiz gibt, wenn die Geschehnisse in einem Film auch plausibel für
unseren Verstand sind, vertrauen wir doch darauf, dass grundsätzlich
alles, was erlebt werden kann auch schon plausibel genug ist (und Filme
erlebt man in dieser Hinsicht nicht anders als den gegebenen Alltag).
Ich
will damit andeuten, dass es im Grunde sowieso schon darauf
hinausläuft, dass jeder Film ein traumähnlicher Zustand bedeutet. Und
wenn ein Film dann die nächtlichen Träume als ERFAHRUNGSWIRKLICHKEIT
schildert (so wie etwa in The cell ), dann fügt sich das nahtlos
in die Grundnatur des Ereignisses, des Filmes.
Ein besonderes
Gewicht erhält für mich das Thema Traum im Film deshalb, weil es
zum Beispiel in Form luzider Träume mir bekannt ist, so träumen zu
können, als wäre man in der alltäglichen Welt. Wenn ein Film das
Träumen in irgendeiner Form transportiert in den dazu gehörenden
Symbolen, wird freilich immer nur ein Ausschnitt gezeigt. Es gibt
andere Filme, in denen man wie bei Nightmare Ungeuhern begegnet in
einer gespiegelten Alltagswelt. Und in der Realität stirbst Du, wenn Du
im Traum gestorben bist.
In Matrix wird dieses Thema auf die Spitze getrieben.
Aber
es ist nicht so, dass Effekte
schon einen Film machen. Und was sind Effekte ohne Story? Effekte sind
nicht so wichtig. Slow-Motion mag eine Ausnahme sein, aber was ist mit
den Einblendungen von Geistern? Sie wirken im Grunde immer lächerlich.
Weil es sie in dieser Form wohl kaum gibt. Allenfalls muss der Film an
sich das Geschehen einheitlich machen, etwa indem er das Geschehen
einfach im Ganzen schon traumähnlich macht, dann können auch Geister
erscheinen.
Dagegen erscheinen mir
solche "Präsenzen", wo es sich um Energien handeln könnte, ebenso
glaubwürdig, und genau das kann ein Film ja nicht darstellen, sondern
nur vermitteln: diese dunklen Energien. Aber wenn die
menschengestaltähnlichen Geister an sich plausibel wirken, habe ich
nichts dagegen. Es kommt immer auf den Film an. Wie er Ideen handhabt
und realisiert. Ein Film darf den Erwartungen des Zuschauers nicht zu sehr zuwiderlaufen.
Aber Styling, Kulisse, Licht - das ist doch sehr nützlich.
Obwohl
Antichrist gut ist, finde
ich es als ein Manko, dass die Symbole, die Lars von Trier darin
entwarf, selber gar nicht so recht durchdrungen hat, verstanden hat,
wie er in einem Interview erklärte. Das heisst, er hat einfach mal so
Symbole zusammengesetzt wie bei einem Puzzle, als sei es ein
Experiment. Interessant aber, dass diese Tiere ihm auf seiner
schamanischen Reise begegnet sind. An sich kann man das Experiment
begrüßen und es lädt ein, dem Vorgang des Kunstbetrachtens zu schulen.
Nun
ist das nur ein Manko, und es macht den Film aber nicht
schlecht. Viele der paranoiden Kritiker sehen in von Trier den
Depressiven, der jetzt nur noch Scheisse macht. Paranoid ist es, weil
sies zum Teil rein projizieren, zum Teil ein Fleckchen Wahrheit
erblickten... (dass er seine eigene Befindlichkeit irgendwo doch sehr
offensichtlich zum Thema macht; aber immerhin hat er darüber genug
Anschauung, und vielleicht hilft ihm so ein Film ja weiter, nicht wahr?
Aber für mich ist das kein Grund, den Film auch nur ein Stück
negativer zu sehen. Weil es darauf ankommt, auf den Film, und
nicht die Hintergründe zu achten. Und sie sehen nichts anderes, sie sehen nix Wesentliches mehr ... Weil
sie den eigentlichen Film verkennen und alles an der Person Trier
anbinden. Und das tut man einem Depressiven an, ihn festzunageln auf
einen willkürlich gewählten Spot seiner Lebensgeschichte. Lächerliche
Kritiker, die keinen Film sehen, sondern eine Erwartung an die Person
Trier prüfen).
Der
Film "Idioten", ein Meisterwerk. Freilich, für mich ist
von Trier auf dem Weg, aber es hat in jedem Film noch ein Manko
gegeben. Bei Idioten ist es der etwas abrupte Schluss - es ist
hinnehmbar, aber insgeheim etwas zu flüchtig geraten. Es ist grausam,
was da passiert, und es gibt dem Film unglaublich Tiefe. Ein
sozialkritisches Manifest, aber damit es wirkt, und deutlicher wird,
hätte der Film ein zwei Szenen länger sein können (vielleicht mit
entsprechenden
Szenen), finde ich. So wie in das Fest. Wunderbar, genial (von
Vinterberg). Idioten verkörpert für mich das Vulgäre einer
Gesellschaft, die schnell und dann bereitwillig annimmt, es bei anderen
Personen mit Idioten zu tun zu haben, während für sie selbst, die
Idioten um den Anführer herum, einschliesslich der schüchteren Karen,
darum geht, glücklich zu sein was im Grunde ein "Ausleben" ist.
Die
meisten Filme beschränken sich jedoch sowohl auf eine Oberfläche
des sozialen Lebens als auch der Liebe. Und zeigen nicht so wie bei
diesen drei Filmen (Antichrist, Anderland, Stadt der Blinden) die Gründe hinter dem Leben und der Liebe.
In
Anderland geht es um etwas, das sich Sexsucht nennt, weil man den
richtigen Genuß nicht empfindet. Bald geht es um Kuchenduft, der einem
einen richtigen Duft vermittelt. Bei Anderland denkt man, man sei in einer empfindungslosen Welt gefangen.
Bei
"Stadt der Blinden" wird zum Teil das Umfeld geschildert, in denen sich
verschiedene Gruppen zusammengefunden haben und unterschiedliche
kulturelle Nährböden ausformen. Weil alles letztlich sich selbst
überlassen wird, bilden sich auch unterschiedliche Gemengen.
Aber letzten Ende sind sie alle gleich. Blind. Nur eine Gruppe, die wird angeführt durch eine Sehende.
Insgesamt ein weiteres sozialkritisches Werk, das ich nur empfehlen kann. Stadt der Blinden.
Was in der Welt fehlt ist Liebe, Verständnis, wahre Freiheit, und eben nicht dieser Dreck mit dem Reichtum der Wenigen. Und genau das ist es, was Lars von Trier in Idioten deutlicher als nirgendwo thematisiert. Ganze Existenzen hängen davon ab. Und man macht sich letztlich zum Idiot, wenn man etwas anderes tun möchte. Wie wärs mit glücklich sein!? Man versteht Idioten nur, wenn man das Menschsein begriffen hat, dass es darauf hinaus läuft Liebe, Glück und Freiheit für sich zu verwirklichen.
Sie
stellen wie Fantasy Filme die Welt auf den Kopf. Effekte sind hier das
Alpha, und die "Glaubwürdigkeit" und Einbettung ins Ganze das
Omega.
Effekte müssen nicht immer dirch digitale
Nachbearbeitung entstehen, sondern werden schon erzeugt durch die
Erwartung und geleistete Vervollständigung des Zuschauers. Wenn der
Protagonist im Film das Grauen erlebbar macht, dann ist das einer
der stärksten Effekte. Resultat ist der Schauer einer
unheimlichen Welt in der Fokussierung auf das Überleben (Horror), oder
Fokussierung auf die unbekannten Wirklichkeit in einem Jenseits
der uns bekannten Welt, und was die geheimnisvollen Seiten des
Seins betrifft (Mystery). Ein leichter Grusel der Berdrohung. In einem
Horrorfilm aber ist die Bedrohung radikal, offen und aufs äusserste
brutal, den ein Horrorfilm will schockieren bis dass man vor Angst
kotzen müsste. Natürlich sieht man Horrorfilme nicht ohne Distanz. Es
ist Unterhaltung. Aber im Grunde läuft es darauf hinaus, am Geschehen
Teil zu haben und zu erleben, wie der Film einen mitnimmt auf eine
Reise.
Horror und Mystery sind nicht zu vergleichen. Aber ein
Horrorthriller wie "Poltergeist" kann beides vereinen. Klassisches
Horror aber ist es nur, wenn reichlich Blut fliesst und man Angst vor
der Brutalität haben müsste.
Komödien brauchen nicht schlecht sein, und können einen Filmabend wert sein.
Sie offenbaren grundsätzlich eine Spiegelung des Menschen und seines Alltages. Gute Komödien können uns bereichern, indem sie das Leben in dessen Komik spiegeln, oder aufzeigen, dass es auch eine komische Seite des Lebens gibt. Das wäre auch schon, was man über Komödien ingesamt sagen kann.
Insgesamt
kommt der Aspekt einer Komödie zu dem eigentlichen Genre (zB
Agentenfilm, Bankräuberfilm, Fluchtfilm, Romanze usw.) hinzu.
Ähnlich
wie Actionfilme sehe ich erfahrungsgemäß und persönlich
Komödien jedoch selten von besonderen Reiz. Doch es gibt ein
grosses Plus: Gute Komödien können ebenso mit der symbolischen Formen-
und Archetypensprache in Resonanz stehen, vermitteln aber den heiteren
Aspekt des Lebens, was auf keinen Fall fehlen darf - vor
allem in einer Welt, die zu sehr das Kindsein verloren hat.
Beim Kindsein gehts in Wahrheit darum, sich erheitert genug zu
sehen, das zu tun, was man tut. Es geht ums Erheitern. Klamauk ist
nicht mein Fall, Komödien müssen intelligenten Witz haben und dabei
nicht unter Zwang komisch wirken wollen.
Typischerweise offenbaren Dramen und Krimis, ebenso wie Thriller deutliche Spannungsgefüge.
Aber es gibt noch viel mehr Spannungsgefüge, die nur indirekt vom Film angesprochen werden, aber durch den Film ausgelöst werden.
Zunächst einmal zeigt der Film uns auf die eine oder andere Weise immer entweder eine Dystopie oder Utopie. Eine Utopie ist eine gute Entwicklung der Dinge, und die Dystopie eine schlechte Entwicklung.
Alles
Leben beruht im Grunde immer auf den
utopischen Idealen
einer ganzen Epoche, egal ob diese eingelöst wurden oder zur
Rechtfertigung herangezogen werden. Zugleich mit den Utopien entstehen
die Potentiale einer Dystopie. Somit kann man aus einem elementaren
Gesichtspunkt also bei jedem Film aufs neue entscheiden, ob er entweder
Utopie oder Dystopie ist.
Vielleicht lässt sich das bei einigen Filmen nicht streng
auseinanderhalten, da sie sowohl utopische als auch dystopische
Merkmale aufweisen. Doch im Grunde überwiegt einer dieser beiden
Möglichkeiten, wobei es nicht auf das Genre ankommt, sondern die
Botschaft, die der Film während seines Geschehens entwirft.
Auch
kann es natürlich sein, dass
ein Mensch eine persönliche Utopie gegen die Utopie des Kollektivs
stellt. Eine persönlichere Utopie, die sich möglicherweise
sogar als einlösbar entpuppen könnte.
Wir erleben, dass diese Wirklichkeit
eigentlich auch unserem Lebensgefühl entspricht: Selten sind die
Bedingungen so, wie wir sie für das Wohl des eigenen und allen anderen
Lebens erwarten möchten. Besonders gegen die Selbstentfremdung
stellen wir unsere Rebellion. Eine Rebellion, die wir als Indivduum
stets als Zuwendung zum eigentlichen Leben verstehen, sonst würden wir
nicht das tun, was wir wollen (während wir feststellen, dass es
manchmal so kommen kann, dass andere nicht das wollen, was wir als
Individuum wollen, sondern etwas anderes; womit der grundlegende
Konflikt eines in die Gesellschaft gestellten Subjektes beschrieben
wird).
Wobei
die Welt, gegen
die wir uns stellen, ja bedeutenderweise alles andere als utopisch
gelten will, sondern als realistisch gelten will. Es gibt allen Grund,
um die Realität zu beachten. Doch ist nich auch der Realismus
vielleicht die Gefahr, dass wir in eine dystopische Gesellschaftsform
schleichen?
Da wir Realisten sind, merken wir dann auch nicht, wie sehr
unsere Träume an Einlösbarkeit einbüßen mit der Zeit.
Jedenfalls: Das wäre die echte Definition des Wortes Utopie, wenn das erstrebte Glück erreichbar ist (solche Utopien gibt es, man darf es nur nicht übertreiben mit seinen Idealen; das Glück, die Liebe, die Eroberung, die Flucht, das Abenteuer, das finden wir in unserem ganz persönlichen Leben am laufenden Band. Es gibt auch besondere Utopien, denen man greifbar nahekommt und die den Klang einer wirklichen Nähe offenbaren, und so also glaubhaft wirken).
Zum anderen pendelt der Film immer zwischen Utopie und Dystopie auch deshalb, weil natürlich Aussichten auf Dystopien in der heutigen Zeit an der Tagesordnung sind - der Reiz der Botschaft, die der Film liefern kann, erhält damit eine besondere Qualität .
Es könnte uns leichter fallen durch solche Filme, von den Idealen des kollektiven Wahns loszulassen, indem wir begreifen, dass nur Katastrophen uns zusammenschweissen, aber ansonsten jeder etwas macht, was einem anderen meist völlig fremd ist. Auf die Spitze getrieben kommen wir uns manchmal vor, wie in einem Labyrinth der Wahnsinnigen. Wir erleben uns in einer kafkaesken Welt, deren einziger Sinn darin zu bestehen scheint, an der Utopie einer unbestimmten Gesellschaft mitzuwirken, während wir eine solche Gesellschaftsordnung, würden wir sie bestimmen wollen, gar nicht bewusst wollen anstreben würden.
Dass ich von Wahn spreche, soll nicht heissen, dass die Ergebnisse schlecht wären, sondern es geht nur darum, wie sich der einzelne innerhalb des Kollektivs vorkommt. Dass das Kollektiv oder dessen Ideale verrückt ist, das wird eine ewige natürliche Geschichte aller Epochen bleiben. Das ist unbestritten, nicht weil es abhängig wäre von einem subjektiven Gesichtspunkt. Sondern die Welt des Geschehens offenbart über längere Zeitabschnitte beobachtet einen tiefen Widerspruch zwischen einer zahlreichen Gruppe, die nichts bestimmen kann, und einer Minderheit, die alles für die grössere Gruppe bestimmt. Daher findet dieses Thema (Utopien versus Dystopien) hervorragend Eingang in den Film. Es passt auch deshalb, weil in einem Film der Traum angerührt wird, ebenso wie wir unser Leben eigentlich nicht anders erleben könnten, als einen Traum. Selbst wenn man sich Gehirnforschern zuwendet, wird man nicht umhin kommen zu sagen, dass alle Welt und alles Erleben in der Tat von uns traumähnlich erlebt wird. Jederzeit wird die Wirklicheit gefiltert durch unseren Bewusstseinszustand wahrgenommen. Selbst die Objektivisten oder Realisten werden sich etwas vormachen, ihre Verstandeswelt eingeübter konditioneller Reize, nämlich das Gelernte für die Wirklichkeit zu halten. Oder sich an das zu halten, was in Mode ist.
Wer wäre so vermessen und behauptete: Die Welt, wie sie ist, wie sie politisch, wirtschaftlich, ökologisch, sozial gesehen usw. ist, das wäre eine Welt, an deren zustandekommen alle Menschen beteiligt gewesen wären, was die Auswahl der Ideale und Erwartungen angeht. Erwartungen lenken unseren Realismus, das ist die Wahrheit. Erwartungen lassen uns danach Auschau halten , was die Realität noch beiträgt, um diese Erwartungen entsprochen oder nicht entsprochen zu sehen. Wie sich Realität zu diesen Erwartungen verhält, ist die Frage.
Tatsächlich entspricht diese Welt zum Beispiel in ihren Maßstäben nur sehr selten den Bedürfnissen oder Vorstellungen der meisten Menschen. Obwohl es offenkundig ist, dass dies ein Problem der Zeit ist, dass es keine Demokratie gibt. Interessant wird ein Film aber erst, wenn er diesen Blick auf die herrschenden Ideen eines Kollektivs in die Zukunft verlagert und eine bestimmte Welt zeichnet.
Wenn jemand träumte, er könnte die Welt gestalten, würde er eine ganz andere Welt vorfinden wollen. Wenn dies so ist, ist es meist eine Dystopie: eine schlechte Entwicklung.
Ja, es ist nicht sehr weit gediegen mit den Utopien der Realität - obwohl sich alle so verhalten, als gäbe es etwas zu verteidigen. Man könnte fast sagen, eine mögliche Dystopie in der Zukunft wäre eine Welt, in der alle Menschen artgerecht untergebracht sind, aber trotzdem jeder eine Depression hat.
Die Depression ist immer ein Kennzeichen von (mehr oder weniger persönlichen) Fehlentwicklungen. Aber selten, mit Ausnahme der Filme "Anderland", oder "Antichrist" (Antichrist ist aber keine klassische Dystopie), wird die Depression im Film zum Thema gemacht. Obwohl sie doch elementar ausdrückbar wird als grosses Thema der Zukunft, wenn wir uns anschauen, dass wir in einer Welt leben und sie zementieren, die alles darauf anlegt, dass die Menschen depressiv werden.
So sind die Themen auserlesener moderner Filme immer auch Themen der Menschen.
Man scheut auch die
Angst umsonst, da sie solange Beherrscher bleibt, wie sie nicht
verstanden wurde. Und wirklich gute Filme wie Antrichrist,
die es
rüber haben klingen lassen, dass die ANGST greifbar wird, die sind selten.
In "Anderland" wird der Typ depressiv, wenn er keine Kontakte knüpft. Aber am Ende geht es ihm nur um Sex und Genuß. Sicher, die persönlichen Schwächen eines Menschen spielen eine Rolle, doch das Kollektiv wirkt teilweise auch als Auslöser. Besser gesagt ein herrschendes Umfeld, ein Zeitgeist.
Dass Dystopien an der Tagesordnung sind wird klar, sobald man sich überlegt und die Frage stellt: dass die Gesellschaft immer irgendeine Idealität aufweist, wie zum Beispiel das Ideal der funktionierenden Wirtschaft. Interessant bei den Dystopien - als Sinnbild einer negativen Entwicklung - ist es, dass wir die negativen Entwicklungen als Preis für das zu bewahrende Ideal bewerten. Was wir der Realität der uns präsenten Gegenwart entnehmen, ist nicht das Idealistische, aber die Konfrontation mit den negativen Entwicklungen die sich beim Verfolgen des Ideals eingestellt haben. Entwicklungen, die für uns normal geworden sind, da sie - Anpassung vorausgesetzt - erträglich sein können.
Der Film "1984" bietet für diesen Gedankengang (gemeint ist: die uns gar nicht sonderlich schwer fallende Anpassung an eine Gegenwart) einen guten Einstieg.
Jeder
Film, der in irgendeiner Weise unseren
Alltag behandelt, pendelt zwischen den beiden Möglichkeiten Utopie
oder Dystopie zu sein. Unter Utopie stellen wir uns das Gute vor, unter Dystopie das Schlechte.
Gut und Böse. In vielen Facetten.
Oft vermischen sich beide Realitäten der heilen Welt und der entstellten Welt utopischer Möglichkeiten, wenn es Dystopie ist, als einer vom Heil ganz verschiedenen Wirklichkeit. Einer Wirklichkeit wie in 1984, in der die Arbeiter mit Horrormeldungen und Bonusmeldungen bei Laune gehalten werden.
Wie das in 1984 getan wird, indem man künstliche oder fiktive Kriege führt, die zur Rechtfertigung aller besonderen Umstände herangezogen werden, besonders die Überwachung betreffend - das interessiert. Nichts anderes als die Utopie des perfekten Überwachungsstaates vor allem mit seinem Mittel der Kontrolle, wird in 1984 verwirklicht. Eine Tendenz, die in unserem Alltag spürbar vorhanden ist. Doch natürlich wird es im Film auf die Spitze getrieben.
Wir sehen 1984 als Fiktion, aber es enthält auch einen vertrauten Alltag, der symbolisch gesehen uns vorkommen könnte als unser eigener Alltag. Wir passen manchnal gut hinein in den Rahmen von 1984.
1984 entwirft einen Gegenpol zu unserer Welt, und 1984 wird natürlich grausamer dargestellt als wie die Ansätze solcher Entwicklungen in unserer Gegenwart. Wir werden daran erinnert, dass wir genauso gut in 1984 leben könnten, schaut man sich unsere Zeit und die Herrschaft über diese Zeit in unserer Epoche an (ökonomische Interessen nebst Kontrolle der Masse als Ansätze, die durchaus mehr oder weniger stark verwirklicht werden; massgeblich sind immer die Interessen, um zu bestimmten, ob etwas die Formen von "1984" annimmt).
Aus den Kontrasten egal welcher Art und einem ewigen Spannungsverhältnis der Natur des Menschen ergeben sich im Film die vielen Beispiele an Revolutionen und Umwälzungen, an dargestellten Kriegen zwischen Rebellen und dem Establishment. Zwischen Wildheit und Zivilisation oder Trieb und Sublimierung.
Der Mensch pendelt freilich auch sehr zwischen diesen Polen.
Wir
nehmen jede Zukunft in einem Film als eine von uns verschiedene wahr -
selbst wenn sich nichts grossartig ändert, es muss allein
formal
einen Unterschied geben. Sonst wäre es kein Film über die Zukunft (und man müsste ihn anders nennen).
Wir kennen immer nur unseren Alltag als eine
Utopie und Dystopie unserer Wirklichkeit. Jeder andere Alltag wird als
eine nicht vertraute, also zukünftige Dystopie oder Utopie
wahrgenommen. Ist sie vertraut, dann kann sie zB eine gegenwärtige oder
geschichtliche sein usw..
Wir können nicht wissen, wie
die Menschen 2120 die Dinge sehen werden. Jeder Science-Fiction Film entwickelt über eine Zeit der Zukunft
eine Auswahl an denkbaren Möglichkeiten (in einer Utopie oder Dystopie der Geschehnisse).
Die
Gegenwart ist aus einem objektiven Standpunkt weder gut noch böse - sie
ist das,
was wir Realität nennen würden. So wie wir sie erleben , und wie wir
versuchen ein Stück Bedeutung hineinzulegen oder herauszunehmen.
Vergessen wir nicht einen jeweils
subjektiven Standpunkt: In unserer heutigen Welt entscheiden sich die
Dinge aufgrund eines Wahrnehmungsstandpunktes, ob sie Utopie oder
Dystopie, gute oder schlechte Entwicklungen sind.
Der Banker hält es
für eine gute Entwicklung, wenn alle Leute Arbeit haben, egal welche.
Der Arbeiter hält es für eine schlechte Entwicklung, wenn er gezwungen
wird, Arbeiten zu machen, für die er selbst
zwar
geeignet , aber nicht willens genug ist.
In einer möglichst
extremen Dystopie wird sinnvollerweise die schlechte Entwicklung im
Film vom Betrachter daran gemessen werden, wie sich das im Film
gezeigte Leben der Menschen
dazu fügt. Daraus ergibt sich ja erst die Reibung, das Offenbarwerden
der Dystopie als Dystopie.
Es
ist für uns interessant, wieviele und welche Reibungen dabei erzeugt
werden,
wenn das ganz normale Leben der fernen Zukunft
gezeigt
wird. Da wir Menschen bleiben werden, ändert sich unsere Art zu leben
nie wesentlich. Die Inhalte bleiben gleich, nur die äußeren Bedingungen
ändern sich.
Es geht immer um Spannungsverhältnisse , die die Dynamik
des Filmes (seines Geschehens) im Kern ermöglichen. Ohne diese Krisen
wie die drohende Scheidung, unerfüllte Liebe, die Abwendung einer
Katastrophe, die
zu bestehende Prüfung, die Bewährung, das Versagen, ohne Krisen wie
Mord und Bedrohung
durch brutale Gewalt wäre ein Film quasi tot. Er belebt uns dann nicht
sonderlich als Kunst. Und Filmkunst fängt uns dadurch auf, und macht
die Gewalt im Film erträglich , dass der Film für die gezeigten Krisen
eine Exposition der
Bewältigung
bietet. Diese Exposition findet statt im ganzen Geschehen des Filmes, und nicht allein am
Helden
gemessen.
Der Held, der Hauptdarsteller ist jedoch das Wichtigste bei
dieser Exposition.
Dieser Nachvollzug des Zuschauers, egal welcher Art und
Weise, ob
jemand im Film zum amoklaufenden Zombie wird oder zum siegesgewissen
Footballstar, führt zu einer Kartharsis der Emotionen.
Das Gute ist in
uns angelegt, so brauchen wir keine Angst zu haben, dass manche
Filme mit der in ihnen gezeigten Gewalt uns berühren - allerdings müssen wir uns den
Bildern stellen. Im Grunde ist das eine Art Achterbahnfahrt . Aber man
sollte berücksichtigen, dass ein blutspritzender Mund, der vorher einen
Baseballschläger abbekommen hat, nicht jedermanns Geschmack
ist oder Sache ist.
Eine Dystopie ist eine Anti-Utopie, eben keine schöne heile Welt.
Eine Dystopie malt uns ein Schreckensszenarium der verlorenen Träume (aus heutiger Sicht).
In einem Film wirkt aber jede Dystopie als normal, wird die "Gesellschafts-Ordnung" für die darin lebenden Menschen als Gegenwart empfunden, und dort ganz anders, als wie wir solche Dystopien als abstoßend finden.
Und nun stelle man sich vor, wie wir heute in einer "Gesellschafts-Ordnung" leben, die genauso ist: Wir leben darin, als sei nichts gewesen: Wir sind total angepasst und jeder ist halbwegs zufrieden. Aber vor 500 Jahren hätte man gedacht: Was für ein Wahnsinn, so zu leben.
Und das ist ja der Clou dabei: Egal welche Dystopien (zB die Welt aus 1984), sie können aus heutigen Tendenzen durchaus ableitbar sein.
Utopien können wir all jene Filme nennen, die Romanzen sind, oder das Glück zum Thema haben. Utopien sind sehr selten und das liegt am Sujet, am Thema, das weniger interessant und weniger Möglichkeiten bietet, als wie eine Vorstellung einer Welt, die aus den Fugen geraten ist - wie bei 1984. Unsere Welt! Wenn man es genau nimmt, leben wir in einer Welt, die tatsächlich aus den Fugren geraten ist. Das gerät jedenfalls eher in unsere Wahrnehmung als die offenbar misslungenen Versuche, eine heile Welt abzubilden, die es jedoch in dem Dauerthema Liebe und Glück gibt, das natürlich in jedem Film als Spannungspol irgendwo auftauchen mag.
Je nachdem, zu welchen Sachverhalten man wie Stellung bezieht, entdecken wir doch immer noch das Chaos in der Welt. Egal welcher Standpunkt es ist, man hat eine persönliche Nase nach dem zu riechen, was uns nicht passt oder aber geradezu passt.
Der Film erinnert uns immer wieder daran: Wir wollen uns unsere Welt am besten selbst aussuchen. Die Macht der Vorstellung haben wir.
Es ist immer eine kleine Rebellion im Spiel, wenn wir das Geschehen der äußeren Welt prinzipiell in den meisten Filmen in Frage stellen (weil sie tendenziell eher Dystopien sind) - wir erwarten eine gescheite Antwort auf das aufgestellte Szenarium, zB dass wir den Untergang der Idee (der Utopie) miterleben, nachvollziehen, dass er einen Grund hat, aufgrund zB der Hybris des Szenariums selbst.
Im Grunde ist auch die Welt in "28 Days later" eine Dystopie, da aus Forschung heraus ein sogenannter "Wut-Virus" in die Aussenwelt entwich, und so der todbringe Zombie-Virus hausgemacht ist.
Zombiefilme, wie sie bei George A. Romero anfingen, spiegeln das Konkurrenzverhalten des Tiers in uns, und spiegeln zugleich auch die Welt, die wir als Alltagswelt kennen, wo wir zuhause sind. Und die werden nicht einfach in ein Spannungsgefüge verwandelt, diese unsere Alltagswelten, sondern auch symbolisch gespiegelt, auf einer Ebene gespiegelt, wo uns das Konkurrenzverhalten in einem neuen Gewand erblickt.
Nach 5 Wochen ist dann in "28 days later" alles vorbei (wie sich in "28 weeks later" herausstellt) und ein Land ausgerottet von Menschen, und damit auch der Virus vernichtet. Selbst unsere schnelllebige ressourcenverbauchende Zivilisation wird gespiegelt, indem in den alten Romero Filmen die Zombies als Wesen erschienen, die sich dem Konsum hingaben (symbolisiert durch die Angewohnheit der Zombies vertraute genüssliche Plätze aufzusuchen, wo man konsumieren kann; die Zombis bewegen sich bei Romero noch so träge, dass sie an die Trägheit der modernen Konsumenten erinnern).
Am Ende bleibt uns nur noch, genügend Nahrung vorzufinden, und ein sicheres Obdach zu haben, sicher vor den Zombies. Wie ideal erscheint uns dafür der Supermarkt oder das Kaufhaus, wie in dem zweiten Romero Film "Zombies" von 1978.
Jederzeit wird Ausschau gehalten nach Infizierten. Bei "28 days later" gibt es keine langsamen Zombies mehr. Spätestens nach "Dawn of the Dead" sind die Zombies wie Athleten und fast schon Kampfhunde, die Dich an irgendeiner Stelle Deines Körpers schon kriegen werden und mit dem Speichel schon infizieren können.
In "28 days later" ist der Anfang grandios, aber er verfällt am Ende in zu viel Seichtheit. Bei "Resident Evil" ist der Zombie als Zombie-Virus ebenfalls hausgemacht, weil an Kampfmitteln geforscht wurde.
Vergessen wir also nicht, dieser Virus (in 28 days later) ist hausgemacht. Nur bei Dawn of the Dead ebenso wie den Romereo-Filmen, ist der Ursprung des Virus unbekannt (wenn ich mich darüber jetzt richtig erinnere). Das Remake von Dawn of the dead (2004) ist vielleicht der beste Zombiefilm. Das Original schon ein Meisterwerk. Zu deutsch heisst das in etwa Morgendämmerung der Toten.
"28 weeks later", der zweite Teil von "28 days later" ist ein Meisterwerk. Aber Vorsicht. Dieser Film schockiert. Ich habe bislang nichts schockierenderes gesehen, als die Szene, in der Don seine Frau Alice umbringt, da er sich in ein Zombie verwandelte. Was - in dem Frühstadium des Virus - auf eine äusserst brutale und mörderische Weise geschieht ( nachdem er zunächst vor den Schreien von Alice noch Halt macht, sie zu beissen, schlägt er im nächsten Moment mit der Faust sehr kraftvoll mehrmals auf sie ein, bis dass der Virus sich weiter ausbreitet und er noch mehr Wut empfindet um sie mit zwei Fingern zu töten, die sich in die Augen graben). Mit dieser Szene aber wird der gesamte spätere Ablauf, als das Geschehen in ganz London ausser Kontrolle gerät, noch viel packender, eben wie es für einen Horrofilm nötig ist, dass man sich jede einzelne Begegnung mit einem Zombie sehr blutig, grausam und brutal vorzustellen hat.
Hausgemachte Katastrophen und Untergangs-Szenarien enthalten richtig umgesetzt etwas, was reines Hollywood niemals mit noch so vielen Effekten bieten kann : Ein jüngstes Gericht, in dem abgerechnet wird mit den Sünden. Eine Katharsis für den Zuschauer, der teilnimmt an der Art und Weise, wie der Autor des Films dieses Szenario ausbreitet. Symbolisch geht es bei den Zombiefilem von Romero um den Konsum. Noch eher geht es um die uns vertraute Welt, in der man sich einzig auf einen engen vertrauten Kreis von Menschen verlassen kann, in einer Welt, in der sonst nur Zombies rumlaufen.
Im Endeffekt ist es wie ein Computerspiel, man genießt die Flucht durch immer schwieriger werdende Momente des Prozesses. Ein Genuß ist es nur, wenn man es bis jetzt noch geschafft hat. Aber wenn der Weg ziemlich schwieriger wurde bis jetzt, dann wird es auch immer heikler.
Jenes Prozesses sich durch eine Welt von Zombies, seelenlos gesteuerten Ungeheuern zu bewegen, die Dir mehr als nur Angst machen sondern Dir auch an die Wäsche wollen, ja sogar am liebsten fressen wollen. Dieses Zombies haben nur eines im Sinne. Fressen. Was wollen wir fressen? Unsere Bedürfnisse. Wir jagen und kämpfen für unseren tollen Konsum. Immer viel Geld haben, damit wir die Öde ertragen können, den uns ein stumpfsinniger Job gibt. Immer viel konsumieren, und uns dabei nicht pflegen zu betragen, nämlich in einer Welt voll lebendiger Wesen zu wandeln.
Wie wir aneinander vorbei hetzen und blicken, als wollten wir sie alle beiseite schieben: "Mach mal Platz. Geh mir nicht auf den Nerv und stehe dort blöd rum. Hast Du keine Augen im Kopf? Hier wollte ich her gehen. Kann man da nicht mal einen Schritt zur Seite machen?" Stöhn. Aber das passiert ja in Wahrheit nur wenn man schnell durch die Einkaufszone geht. man soll das mal ausprobieren. Wenn man langsam flaniert, passt man sich dem Tempo an, und findet sich zurecht, man kann den Platz nutzen, weil eben die anderen nicht mehr stören. Und so geht das aber immer: Die ganze Herde treibt dich dazu, genauso zu werden wie sie selbst. Wenn alle langsam sind, wirst Du auch lagsam. Und blicken drein auf viele Sachen, aber Dich wollen sie nicht sehen. Wir wenden interesselos den Blick ab.
Gurdjieff in einer heutigen Zeit hätte gesagt: In einer Welt voll schlafender Menschen.
Was ist das Wesen der Zombiefilme? Du wirst angegriffen, Du musst Dich verteidigen. Am besten geht das, indem Du den Kopf des Zombies abtrennst. Aber wesentlich ist dabei der Archetyp: Des Flüchtlings. Und sehen wir uns nicht am flüchten als zu oft auch in unserem Alltag: Vor den Mitmenschen, wie sie seelenlos ihre Sorgen vor sich ausbreiten und eine ganze Welt dirigieren, in den Konsum und die Bewusstlosigkeit? Eigentlich ist unsere Welt keine harmlose Dystopie, sondern eine Dystopie der Entmenschlichung, denn indem wir unser Bewusstsein verlieren. Wie wir fremdgesteuert durch Konsumgüter werden, verlieren wir unsere eigentliche Bestimmung als Mensch, der ein zur offenen Wahrnehmung fähiges Wesen ist, und eben nicht andauernd dem Zwang des roten Triebes unterliegt, dem Blut, dem Rausch, dem Adrenalin, der Hetze des Alltages und den Ellenbogen, dem Zwang zu fressen. Ja, so leben wir, immer hinein in den Schlund, wir wollen diese Öde vergessen, und unser Leckerchen haben.
Wo kannst Du heute im Supermarkt noch jemanden in die Augen blicken, ohne dass dieser nicht mit sich selbst beschäftigt wäre? Suchst Du diese Augenblicke, musst Du Glück haben, jemanden zu begegnen, der noch Augen für das Geschehen drumherum hätte. Sie werden den Blilck von Dir abwenden, so rasch es geht.
Dystopien,
die für den Film tauglich sind, enthalten immer eine Szenerie der
grössten Spannungen. Deswegen Morde, Untergänge, Verschwörungen,
Umstürze, Katastrophen, die in einer Welt zukünftiger Entwicklungen
oder gegenwärtiger Zustände geschehen.
Aber es ist schon eine Dystopie, schlechte Entwicklung, in die Welt gestellt zu sein als Einzelner gegen Viele.
Indem Dystopien meist in den Filmen an sich selbst zugrunde gehen, oder von der Natur der Zeit und der Natur des Geschehens überrannt werden, offenbart sich auf diese Weise auch ein versteckter Impuls der Antreibung einer gesellschaftlichen Revolution, nach der die kollektiven Ideen dermaßen von diesem Anti-Bild durchgeprägt sind, dass für solche Dystopien nur noch ein Abgesang in Frage kommt. Alle stoßen in dieses Rohr: Der Naturschutz mit der Apokalypse des Klimawandels. Die Wirtschaftsliberalen mit der Apokalypse des Zusammenbruchs des wirtschaftlichen Systems. Die Politiker mit der Apokalypse des unterbliebenen Wandels. Die kleinen Leute mit der Apokalypse einer trostlosen Zukunft, denn die fehlenden Perspektiven sind es, die zur Revolution letztendlich den letzten Funken sprühen. Wenn die Perspektiven fehlen, wird zuerst die Jugend rebellieren und damit entfacht sich immer das Feuer, und kann bei genügend vorbereiteten Herden um sich schlagen und alle überzeugen, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, etwas konkret für eine bessere Welt zu tun. Die Jugend nimmt die Impulse der Alten auf. Die Alten brauchen sich nicht schämen, dass die Jungen gegen sie aufbegehren, denn die Alten haben geleistet, diesen Impuls zu bilden und zu konkretisieren, bis dass die Jugend kein anderes Umfeld mehr vorfand, in der eine ganz bestimmte Idee massgeblich wird. Wie zu unserer Zeit es die Frage ist, wie wir in Zukunft leben wollen, wenn wir das jetzt entscheiden könnten. Daher helfen dystopische Filme über die Zukunft jenem kollektiven Diskurs über die Gestaltung des Jetzt für die Zukunft. Die falschen Ideale, die falschen Wege wirken abschreckend. Und wir werden finden, dass eine ganz bestimmte Lebensart, in der das Leben verkommt, gegenwärtig weit verbreitet ist und in Dystopien wird einfach ein ganz geringer Ausschnitt der Gegenwart und ihrer Tendenzen und Fakten vergrössert um eine ganze Welt daraus zu machen.
Es ist eine Frage der Übung, wie man die Bilder verarbeitet, ohne dabei den eigentlichen Inhalt zu verdrängen, der gezeigt wurde.
Weil es ist ja eh alles fiktiv. Wir kotzen nicht den Boden voll, weil wir Eingedärme in einem Film sehen. in der Realität wäre es sicher schlechter zu ertragen. Das Geschehen ist im Film nicht unmittelbar sondern mittelbar dargestellt. Und wir haben den Film verloren, wenn wir den Film bewusst in die Fiktion ziehen. Denn das ist ja die besondere Gratwanderung: Der Film erschafft zwar eine fiktive Realität, aber wir nehmen sie vorübergehend wahr, nehmen sie einfach als gegebene Realität. Alles was da passiert, wird so genommen, als wäre es wahr, was da geschähe - zumindest vom Aspekt des Erlebens der Szenen gesehen, denn wir trachten danach, vom Film gepackt zu werden. Sonst würden wir uns keinen Film ansehen wollen.
Weil die Realität hinnehmbar ist im Film, sobald sie einmal dargestellt ist, können da auch mechanische Schlangen mit organischen Augen aus Steckdosen kriechen, die einen auffressen wollen. Gibts nur im Film.
Ist das Geschehen auf Ebene des Films realistisch genug (meist bei aussergewöhnlichen Inhalten bedingt durch Spezialeffekte), dann hat man teil an einem Erfahrungsgrund. Die Helden auf Leinwand bieten uns eine Projektionsfläche. Wir vergleichen nicht oft unseren Charakter und unsere Vorgehensweise mit der des Helden, viel eher schlüpfen wir auch in seine Charaktereigenschaften - weil wir in unserem Erleben und Sosein im Grunde kompatibel mit jedem anderen Menschen sind.
Es ist beim Filmeschauen fast so, als tauche man in eine Welt ein, die einfach da ist.
Alles was ein wirklich
guter Film braucht, ist die Dynamik unterschiedlicher Charaktere. Viele
billige Filme entwerfen aber bloß eine trivale oder banale Matrix eines
Archetyps und vertrauen darauf, dass dies genüge. Was ein Archetyp ist, wird in den folgenden Absätzen erklärt.
Die besten Filme
lassen den jeweiligen Archetyp nicht allein und runden ihn mit
der Dymamik der verschiedenen Rollen ab. Dabei spielt kann es eine
gewisse Bedeutung haben, dass der Zuschauer aufgrund eines Gespürs um
allgemeine Sympathie, zwischen den vorhandenen Rollen eine Auswahl
trifft, mit denen er sich am ehesten identifIziert oder die er
insgeheim
ablehnt (bzw. in beiden Fällen, ob sympathisch oder unsympathisch ein
gerechtes Schicksal für diese Charaktere erwartet - und das Gute ist,
dass ein Film einen Charakter auch wechselseitig in Licht und Schatten
hüllen kann und es den Zuschauer spannend macht, auch von dieser Seite
aus dem Geschehen durch Antielnahme zu folgen in einem Bad der
Gefühle).
Die mit den verschiedenen Rollen verbundene Dynamik gehört
wesentlich zum Spannungsgefüge eines Filmes (jede dieser Rollen schafft
einen Kontrast, und jeweils eine auf ihre Art zündende Begegnung
in Bezug zu den anderen Rollen).
Alles
Geschehen, was immer es ist, trägt in sich eine typische Struktur, so
etwas wie eine Architektur und Handlungsrahmen des Geschehens.
Und dabei drückt sich beinahe immer
ein hauptsächlicher Archetyp der Handlung aus. Archetypen sind Prägemuster.
Es
geschieht
ja immer etwas, und wenn man danach sucht, spannende Geschichten zu
erzählen, kommen zwangsläufig immer dieselben Archetypen zum
Vorschein':
Die Flucht,
die Jagd, die Eroberung, das Abenteuer, die Aufklärung, die
Suche,
die Katastrophe oder der Überlebenskampf
- jeweils sind bestimmte Arten von Geschichten damit verbunden, eben
weil die Umstände und die Handlung ein Grundmuster bilden. Meist sind
es sogar mehrere dieser Archetypen in einem Mikro-
und
Makrokosmos des filmischen Geschehens. Aber dennoch gibt es einen
Haupthandlungsstrang, den man zutreffend mit einem bestimmten Archetyp
beschreiben kann. In "Lost in Space", dem Weltraumabenteuer ist es zum
Beispiel annähernd der Archetyp einer Odysee.
Oder in "Alien" der
Überlebenskampf. Bei einem Bankraub wohl am ehesten ein Archetyp der
Eroberung und zweitrangig Flucht. Man kann die Archetypen noch weiter
eingrenzen und letztlich den Bankraub-Archetyp in einem Film
verwirklicht sehen, oder auch einen grundsätzlichen Archetyp des Helden
wieder erkennen.
Nicht alle Filme berücksichtigen alle Formen von Archetypen gleichermaßen und betonen einige.
Archetypisch gesehen werden wir immer betroffen werden können, denn alles was einer im Film tun kann, ein Akteur, der als Schauspieler verkörpert wird, könnten wir an seiner Stelle ja auch tun und erleben. Wir identifizieren uns mit dem Geschehen , in das die Akteure stellvertretend involviert sind.
Wie
man einsehen wird, muss ein bedeutender Reiz im Film enthalten sein,um
in für uns von Interesse zu machen. Weshalb bestimmte Arten
genremässiger Archetypen immer in egal welchen
Film auftauchen werden. Denn das ist schon Reiz genug. Es ergibt sich
prompt eine Erwartung und Reiz, dem Geschehen weiter zu folgen. die
billigsten Filme können 100 Millionen Budget haben, und trotzdem zu
sehr auf die bloße Matrix der Archetypen Wert legen. Denn in
Wahrheit sind es die Charaktere und Rollen, also das übrige Drehbuch ,
was einen Film in seinem Wert vervollständigt.
Es ist so, als würde automatisch jeder Archetyp
nach einer Durchführung verlangen. Die Eroberung, die Jagd, das
Überleben - das sind nur Kennzeichen eines Geschehens. Es wird ja nicht
einfach nur das Ziel und Ergebnis gezeigt, sondern die ganze Art und
Weise, wie man (im Film) dahin kommt.
Es geht ums Erleben, denn aus dem ERLEBEN des Protagonisten (Schauspieler und seine Rolle) heraus wird überhaupt das Geschehen, das er antreibt oder antreiben will, plausibel - nur aufgrund des Erlebens. Das bedeutet auch, dass der Schauspieler dieses Erleben transportieren können muss. So wird er zum Träger des Archetyps oder der Archetypen, die in seine Geschichte und in die Geschichte des Films verwoben sind. Die Archetypen füllen sich durch die Protagonisten mit Leben, mit Inhalt, mit Bedeutung und werden entfaltet, wo sie ansonsten begrifflich zu vage wären. Der Film zeigt eine mögliche Entfaltungsart des Archetyps unter sehr vielen denkbaren Möglichkeiten.
Alles ist voller Archetypen, und es gibt nur ein mehr oder weniger starkes Ausgeprägtsein durch die entsprechenden Archetypen.
Was passiert aber mit der Gewalt, die man mit dem Film erlebt? Kleine Jungs, die in einer Atmosphäre der Gewalt aufwachsen, werden bereits ein Mehr des Archetyps der Gewalt (bzw. Aggression) in sich verbürgen als andere - und es liegt nicht allein an diesem einen Menschen, der Gewalt erfahren hat, sondern auch am Umfeld, wenn man darüber diskutieren wollte, ob Gewalt im Film auch Gewalt im Alltag fördert. Der wahre Sprengsatz wird in den Familien der Gewalt gebastelt. Und diese Gewalt kann auch eine indirekte, verbale und fordernde Gewalt sein, eine strukturelle Gewalt, wie die meisten Amokläuferbiographien offenbaren.
Nichts anderes als Katharsis entsteht bei einem psychisch gesunden Menschen beim Filmeschauen.
Psychisch gesund soll heissen: psychisch gesund bis zu einer betimmten Schwelle jedenfalls.
Es ist natürlich stimulierend und gesund, einen Film als Katharsis zu erleben. Der Reiz des Kinos ist es auch, dass er unsere kleinen Krisen spiegelt, eben weil wir niemals vollständig psychisch gesund sein können (allein dass wir mit der Seele einem Körper unterworfen sind liefert uns einem Ungleichgewicht aus oder dass wir in einem unbefriedenen Alltag leben usw.).
Aus
diesem
Grund sind mir Dystopien am liebsten. Weil sie die ganze Hybris jeder
gesellschaftlichen Idealvorstellung ans Licht bringen. Hybris, insofern diese kollektiven Ideen
beginnen an Stelle des betreffenden Menschen darüber zu befinden, wie
er glücklich zu sein hat. Und das scheint stattzufinden, sobald Menschen zusammen kommen.
Noch schlimmer ist es, wenn das Schicksal des
Einzelnen davon abhängt, wie die Anderen weiter Fürwahrhalten,
was sie an utopischen Idealen verwirklicht sehen wollen. Die Hybris ist
also eine Normalität, die man als solche, ohne Weltschmerz erleiden zu
müssen, akzeptiert.
Ganz
besonders die gegenwärtige Form der Arbeitsgesellschaft ist
ja
grandioses Beispiel für die Hybris. Eine Gesellschaftsordnung, ein
Leitbild, bei dem es egal ist, was Du willst. Hauptsache Du
gehst
"machen, was für sie gut ist". Und was Du kannst.
Sobald dies überwacht
und kontrolliert wird ist die Real-Dystopie perfekt. Das deutsche
Sozialhilfegesetz Hartz 4 verwirklicht in einem Ausschnitt der
Wirklichkeit viele Aspekte und Symbole des Films: "1984".
Filme fördern die Katharsis, eine seelische Reinigung - verursacht durch affektive Provokation . Der Film verursacht nichts anderes als eine Anregung. Eine Anregung, die provoziert zu einem Eindruck zu kommen. Ein Eindruck, der beim Film immer typischerweise affektiv beladen ist. Wir finden letztlich, dass nicht wir verrückt sind, weil wir die Krisen erleben, sondern dass die Welt, wie sie ist, auch für andere so ist. Dass es also normal ist. Obgleich damit verbunden sein wird, dass wir bestimmten Aspekten des Kollektivs aber auch des Menschens insgeheim ein Fragezeichen entgegen setzen, was natürlicher Bestandteil der Katharsis ist.
Herangezogen oder zur Rechtfertigung benutzt werden Utopien immer; es steckt im Wort utopisch im geläufigen Sprachgebrauch die Bedeutung darin, dass etwas nicht einlösbar ist: Wir in unserer heutigen Epoche befinden uns in einer Phase, in der sich die Heilsversprechen langsam beginnen als utopisch, das heisst fern entrückt von der Gegenwart zu entlarven.
Damit erhält das Wort "utopisch" seine eigentliche Bedeutung für uns.
Utopische Poltik ist ebenso möglich wie die utopische Vorstellung, man könne in der Zeit reisen, wenn man nur richtig forschen würde. Utopisch klingt all das, was sich mittlerweile als unrealisierbar ergibt.
Aber Vorsicht: Das Dogma, dass bestimmte Dinge als utopisch gelten, schafft das Potential einer Dystopie: nämlich wenn ein Fortschritt (ob technischer Art oder ein Fortschritt des Wissens) plötzlich ermöglichen würde, in der Zeit zu reisen, aber die Leute es ablehnen, weil sie immer noch sagen, das müsse utopischer Quatsch sein.
Um zu erkennen, dass unsere Welt, die Realität, der Alltag, immer
zwischen Heil und Chaos hin und her
schwankt, muss man nur mit dem Vorbehalt auf diese Welt schauen, dass
diese Wahrnehmung eben einmal von uns bewertet wird. Ganz einfache
Sache, aber es hängt so viel davon ab, wie wir die Welt betrachten.
Somit haben wir einen Referenzwert (als gesitteter Mensch),
und
so können wir uns auf grobe Richtlinien einigen, die
den
Anarchismus und zum Beispiel die Störung des Anderen möglichst
vermeiden. So denken
wir: dass wir die Welt eingerichtet haben, um auf diese Weise halbwegs
darin zu leben. Und zwar für alle am besten. In Wahrheit ist dies und
wird dies auch immer ein Kampf bleiben zwischen Jugend und Alter,
zwischen Reich und Arm, zwischen Rechts und Links.
Aber
die Welt könnte genauso gut auch eine andere
sein. Deswegen ist jeder Dystopie-Film eine Warnung an die Gegenwart: damit
nicht vergessen wird, wieviel davon abhängt, was wir Wirklichkeit nennen. Wenn eine
Dystopie wie "Anderland"
herauskommt, müssen wir uns fragen, ob wir noch zwischen Traum und
Realität unterscheiden können. In diesem Film kann es nur eine Art
Traum sein, weil die Gesetze der Realität früh ausgehebelt werden.
Aber
für unseren Alltag fehlen diese Reize einer Entlarvung der Realität als
Trug. Ohne diese Anzeichen einer Hybris der jeweiligen Realität, werden
wir natürlich unsere Anpassung für lohnend empfinden.
Sie
- die WELT - ist jedoch völlig willkürlich, aber alles, wirklich alles darin ist uns gewiss
dabei, und kann nicht geleugnet werden. Nicht anders gibt der Film auch Realität
vor, sie kann nur hingenommen werden - egal ob aus der
Steckdose an der
Wand ein gigantischer Planet schlüpft und daraus ein schwarzes Loch
hervor geht.
Alles
was IST, kann nur geprüft werden, dass es ist, und
dann nur noch hingenommen werden. Ich rede hier vom Film, und nicht von
dem Versuch, unsere gegenwärtige Realität als Traum zu
definieren.
Der Film aber zeigt uns, dass es im Grunde keinen
Unterschied gibt, als wenn wir unseren Alltag und den des Filmes
gleichsetzen mit dem Traum. Traum IST Wirklichkeit, jedenfalls für den Moment.
Wenn wir einen Film sehen, müssen wir in
diesen Traum hinein kommen und das geht ja nur, wenn wir uns für diese
Welt des Filmes öffnen. Und was ich sagen will: Im Grunde öffnen wir uns für die
Realität des Filmes nicht anders, als wie für die Realität unseres
Alltages. Wir nehmen diese Realitäten hin.
Insgesamt scheint unsere Wahrnehmung entweder Glück oder Pech zu erwarten. Genauso wie im Film. Daher ist eine Utopie nichts anderes als das gute Gefühl betreffend, und die Dystopie ist nichts anderes, als dass sie etwas Ungeheuerliches oder Abstruses, dass das schlechte Gefühl betrifft.
Jeder Film erfindet die Welt (bzw.: erfindet die Welt neu) . Wir wissen, dass uns im Film etwas Fiktives gezeigt wird, was wir nur als Utopie oder Dystopie eines Geschehens auffassen werden können, als gute oder schlechte Entwicklung. Fast bewerten wir es automatisch, beinahe instinktiv. Wir fühlen oder empfinden die Verwerfungen des Menschen, und auch jene Verwerfungen der Welt.
Eben weil wir zur Wahrnehmung fähige Menschen sind, die das automatisch so wahrnehmen (wir werden vom Film berührt, weil wir uns hineinfinden, womit sich ja die ganze atmosphärische und auch gewünschte Spannung ergibt).
Bei Kindern nicht mit sehr viel Reflektion oder Distanz.
Deswegen sind Horrorfilme und gruselige oder brutale Szenen auch nur für Erwachsene geeignet, da sie das Geschehen bewusst aus der Distanz erleben können, ohne aber eine persönliche Schwelle der Anteilnahme am gezeigten Geschehen einzubüßen. Ein Horrorfilm treibt die Katharsis auf die Spitze und es geht immer um die Abarbeitung des Horrors. Der schlimmsten Vorstellungen, die man sich machen kann.
Ausserdem spüren wir in uns ein Bedürfnis, das der Film stillen muss. Ein Bedürfnis, dass der Film meist selbst aufstellt, als das, was das Geschehen für FRAGEN UND ERWARTUNGEN AUFSTELLT, aber nicht ohne dass es den Zuschauer gibt, der nicht nur nach Kartharsis verlangt, sondern auch so etwas wie einer Pointe, Quintessenz, Moral der Geschichte usw. erwartet. Einen positiven Weg, den der Film bietet, wird es immer geben, weil wir als Mensch einen Film immer so betrachten, dass wir genau wissen, was gut und böse ist und folglich dem Guten immer folgen, auch wenn wird "das Böse" im Film miterleben werden.
Dass der Fim uns auch einen reinen vergnüglichen Reiz bietet, dafür kann vieles genügen. Ob am Ende der Rachefeldzeug gegen den Axtmörder Erfolg hat, oder nicht. Oder ob es keinen Axtmörder gibt, sondern eine Romanze, in der am Ende die Braut nicht erscheint. Es ist ja die Geschichte, die massgeblich für das Wesentliche ist, aber ohne Handlung, ohne Axtmörder oder Liebesgeschichte, kann keine Geschichte, wie es sich für einen Film gehört: vergnüglich erzählt werden. Dennoch braucht es nicht an Geschichte zu fehlen, die auch sehr symbolisch sein darf (siehe Lars von Trier).
Am besten ist es immer, dass eine möglichst inhaltsvolle Botschaft des Filmes enthalten ist.
In beiden Fällen, also ob der
Held und seine Entscheidungen das Sujet
und Thema (typisch für Dramen) betont werden, handelt es
sich um eine Art Kartharsis. Unser Erleben, mit genommen vom Film,
wird durch das Gezeigte des Fimes kurz ausgehebelt, um so bei
uns einen
weiteren Sinn über "das Geschehen und sich-ereignen von Archetypen"
auszubilden. Egal welches Geschehen, im Grunde
basiert das alles auf Archetypen, die in einem Geschehen entfaltet
werden.
Die Symbole in einem Film haben natürlich immer auch universellen Charakter und färben nicht nur , sondern liefern Archetypen, die für sich genommen schon Sinnhaftigkeit aufweisen. Der Film macht dies erst spannend, weil er die Archetypen in Szene setzt und mit ihnen spielt. Und wenn es ein kunstvoller Film ist, gefällt er.
Zusammen mit der Geschichte, wird dann ausgeformt, was der Film eigentlich sagen will. Aber das Symbol wird erst dann zum vollen Klang gebracht, wenn der Künstler (Drehbuch, Regie, Kamera usw.) ebenso ein Auge für solche Symbole hatte und eine universelle Grammatik für diese Dinge anzuwenden weiss. Das ist bei vielen, aber nicht allen Filmen der Fall. Es ist heute schon keine besondere Regel mehr. Aber gute Western vermögen dies zum Beispiel in grandioser Weise im Spannungspol zwischen Zivilisation und Barbarei, was zwei elementare Spannungspole jeder Epoche sind und was damit universell ist. Damals war vermutlich das Filmgeschäft durch die beschränkten Möglichkeiten bedingt bewusster als Illusison wahrgenommen. Man rief das Bild noch mehr in sich selbst auf, als eine Vorstellung, und überliess es nicht der perfekten Farbleinwand, was ja zu dieser Zeit immer etwas körniger und nicht so brilliant wie heute war. Heute glaubt man an die Bilder, die zelebriert werden, aber vergisst oft die Bilder, die sich dahinter befinden und den eigentlichen Gehalt eines Filmes ausmachen.
So kann England in "28 days later" auch wichtig sein als Symbol, aber dessen Bedeutung hängt mehr von unserer persönlichen Lesart ab. Denn dieser Film sagt uns nicht direkt, in welcher Weise uns das Symbol "England" etwas sagen könnte. Das spricht zu uns indirekt, und wenn es am Ende bloß ein Eindruck von England ist, dann ist das ebenso richtig, als wenn wir subjektive Verknüpfungen anstellen . Andere Symbole werden freilich von einem Film bewusst gesucht. Symbole sind zugleich von universeller wie subjektiver Bedeutung.
Jedenfalls: Dieser verbliebene Freiraum in einem Film, dass immer Symbole auftauchen, die der Film zwangsweise zB durch seinen Drehort erhält, den halte ich für nicht unwesentlich. Ein Freiraum, der vom Film nicht berührt wurde, nur aufgestellt wurde. Jeder Film weist diese Freiräume irgendwo auf, es ist sicher eine Film-Kunst, sie bewusst zu schaffen oder mit diesen zu interagieren.
Matrix, Sunshine, Der Name der Rose, Outlander, Wallstreet, Public Enemies (beeindruckender Realismus), Quentin Tarantino Filme (neben dem meisterlichen Handwerk: sie schaffen es immer wieder, einen neuen Aspekt der Filmgeschichte zu schreiben und bringen überraschend Momente an alten und bisher oft abgebrauchten Themen in neuem Gewand zustande). Der Clou. Impostor. XChange. Chinatown hat ein grandioses Drehbuch und sehr gute Kulisse, es macht Spaß diesen Film zu schauen.
"Im Auftrag des Teufels". "Insomnia - Schlaflos". "Troja" (von W. Petersen), vielleicht ein Meisterwerk, vielleicht auch nicht , aber sehenswert. Leider reicht die Einbindung der Mythologie nur so gerade an dem Mainstream heran und geht nicht darüber hinaus: Der Vorstellung von Furcht vor den Göttern, und der Rebellion vor ihnen. Aber immerhin ein mythologisches Thema, das über die üblichen Klischees weit hinaus geht. Dass der Film vielleicht wenig Rücksicht auf den wahren Mythos nimmt, kann man deshalb verzeihen, da die Griechen sellbst ihre Geschichte immer wieder neu schrieben. Ist für mich 100% in Ordnung, aber trotzdem fehlt dem Film etwas, da er zu sehr auf den Kampf zwischen Hektor und Achilles fokussiert. Aber dieser Kampf ist allerdings etwas, das der Film prächtig umzusetzen vermag.
"No
country for old men". Eine echte Empfehlung für das DVD-Regal. Ein
Meisterwerk. Zunächst dachte ich, der wäre zu eintönig brutal, als ich
eine Kritik las. Aber als ich ihn dann ausgeliehen und angesehen hatte, war mir klar,
dass er noch weitaus schöne Momente enthält, Landschaftsaufnahmen,
Stimmungsbilder, und alles sehr wohl temperiert, und wie sich die Geschichte
entfaltet: Zucker. Auch begreift man schnell, wieso er eigentlich als
Western gilt, obwohl er eher Attribute eines Road Movie enthält. Es geht im Grunde ums Überleben in einem kargen Umfeld.
No country for old men steht in einer Reihe mit Fargo,
und schildert den abgelegenen Alltag eines Polizisten. Die Handlung
spielt beinahe fern der Zivilsation, in
den stillen Ecken der Zivilsation, wo das Böse Einzug hält in Texas (no country...) und seine Spuren hinterlässt, ebenso im
verschneiten Minnesota (Fargo). Ein Alltag, in das ein grausames
Geschehen
(Gangster und Killer) Einzug hält, das von dem Polizisten aufgeklärt
werden will (Texas), von der schwangeren Polizistin in Fargo oder dem alternden Sherriff in no country for old men.
Die Ähnlichkeit beider Filme verwundert nicht, da
beide Male dieselben Regisseure Hand anlegten. Auch Fargo muss als
Meisterwerk gelten. Dennoch ist keiner der beiden Filme langweilig,
wenn man den anderen kennt, und bieten je genügend Reize und
Unterschiede.
"Shining".
David Lynch Filme (wegen dem Mysthischen, auch dem beinahe esoterisch-spirituellen Aspekt in seinen Filmen; insbesondere die mysthische Symbolik bei Dune versehen mit dem heiligen Krieg in angemessenen Gewand gegen einen auserwählten Gegner), Steven Soderbergh-Filme, Oliver Stone Filme, Tom Twyker Filme. Filme von Jane Campion.
Baader Meinhof Komplex.
Tony Scott (vor allem die Themen sind gut und die handwerkliche Machart), Peter Webber (scheint ein aufkommender Stern zu sein), Ridley Scott (vom handwerklichen Aspekt her gesehen), David Fincher Filme (einige, besonders "Sieben"). Unterhaltsam sind die Ocean Eleven bis Thirteen Filme. Auch "Herr der Ringe", wegen der Atmosphäre.
Taxi Driver (mit De Niro), und Attentat auf Richard Nixon (mit Sean Penn).
Dark City. Sie Leben! Sixth Sense. Unbreakable (Unzerbrechlich).
Harry Potter Filme. X-Men (alle Teile). Das Boot. Blackhawk Down. Cube. Pi. Bladerunner. Event Horizont. Identität. Das Experiment. 23. Mord im Orientexpress ist ein Meisterwerk. "Im Zwielicht" mit Paul Newman.
Kafka Verfilmungen: "Das Schloß" und "Der Prozess" (Orson Welles). Memento. Antichrist (Lars von Trier) ist ein Meisterwerk. Aber mit schockierenden Szenen (Warnung).
Filme von Jim Jarmusch als Filmemacher bieten originelle Unterhaltung und beseitzen einen künstlerischen Reiz. Its all about love. Das Erbe.
In allen
diesen Filmen ist eine Literatizität zu erkennen, eine Literatur, ein
gescheiter Inhalt, der vermittelt wird. Menschen, die etwas erleben.
Bei Blackhawk Down meint man
den modernen Krieg zu spüren. Dass vielleicht die Zahl der Opfer am
Ende nicht grausam genug rüber kommt, mag daran liegen, dass man einen
bestimmten Ausschnitt zeigen muss, und nicht alle Facetten, die man
zeigen könnte. Insofern kommt "Blackhawk Down" rüber, als wäre er von
einem Kriegsjournalisten erzählt, weswegen er annehmbar ist.
Aber es gibt auch solche Filme, die schockieren. Wie "Der Soldat James Ryan", den ich bis auf die eigentliche Geschichte (etwas abstrus und US-pathethisch) am Anfang der Kriegshandlungen am Meer für schockierend und schonungslos authentisch halte. Dahingehend auch "Das Leben ist schön", indem der Krieg aus den Augen eines Kindes darstellbar wird.
Der Antichrist (Lars von Trier): symbolisch gesehen besteht der Antichrist zB darin , in einer Welt der Automatismen und ohne Gefühl für die Sache zu leben. In einer Welt der Blindheit.
Gute Absichten zu haben (Christus-Geist ist synonym für das Heilsein oder Ganzsein), das ist das eine, aber sie zu verwirklichen, das andere. So wird der beabsichtigte Heiler zur Agenz (Verursacher) der Krankheit (wie in der Homöopathie). Trier rührt natürlich an ein altes kollektives Thema , das sich im Symbol Antichrist und so weiter ausdrückt (auch die Offenbarung und Bibdel betreffend, worin des Menschen Abgrund Thema wird: der Teufel). Die Lust als alter Gegenspieler, an sich zu glauben ist schon ein grosser Genuß, und also in einer Weise auftreten, den Christusgeist zu verhindern, so wie man sich dem Archetyp des Teufels hingibt.
Auch eigentlich eine Chiron-Symbolik (Symbolik der Kentauren, die einen Pferdekörper und menschlichen Kopf haben).
Ein Film, der eine wichtige Facette der Hybris der modernen Zivilisation zeigt. Einer Welt voll natürlichen und menschlichen Wahns, beinahe ohne Grenzen. Wenn "es" nur angetrieben wurde...
Man erfährt hier grosses Kino von Gefühlen und Eindrücken, die man selbst lieber nicht in der Realität sehen möchte. Der Natur unterworfen, vergänglich die Motive, weil es letzten Endes nur darum geht, zu überleben. Insofern ist "Antichrist" ein Psychothriller, aber angehäuft voller Symbole, die - deshalb ist Antichrist ein Meisterwerk - hervorragend inszeniert sind. Die Spannung ergibt sich aus dem in der zweiten Hälfte sich abzeichnenden Thriller.
Man erlebt bei Antichrist wie bei "Twilight - Bis zum Morgengrauen" das Geschehen einer Droge oder Anlage, wie es wirkt und auf einer Potenz aufbauend zur Katastrophe führen könnte. Wenn zwei Dinge zusammen kommen, ein Agenz und ein Potenz, also zB jemand der süchtig ist=je nach Sichtweise Agenz (Ursache) oder Potenz (Vermögen), und der Drogendealer mit dem Stoff=je nach Sichtweise die potentielle Verschlimmerung des Geschehens oder der Agent (tuender Vermittler) - oder wie bei Twilight: Der Vampir, der bis jetzt Kontrolle gelernt hat, und nur Tiere getötet hat um zu überleben - und nun der Vampir , der vor einem unwiderstehlichem Mädchen feststellen muss, dass ihr Geruch, ihre Austrahlung und Wesen eine alte Leidenschaft entfesseln könnte, wieder eins zu werden mit dem Blut um sie zu erfahren, um wieder Menschen also zu töten. Doch er kann seine Leidenschaft des Blutes weiter kontrollieren und so verliebt auch er sich weil er sich auf das Geschehen einzulassen wagt. Aus dieser Liebe entspringt im Grunde dann die gesamte restliche Geschichte des Filmes. Nebenbei wird das Thema oder der Archetyp "Die Schöne und das Biest" hervorragend, weil frisch (weil irgendwie originell) in Szene gesetzt. Die Kritik zu dem Vampirfilm "Twilight" fiel gnadenlos aus: Ein Kitschwerk. Ich finde, das wird dem Werk nicht gerecht. Es ist ein Film mit sehr viel Atmosphäre, und dennoch genügenden Spannungspunkten, also einer guten Geschichte. Die wird eben ausgebreitet - und wenn man dies am Film übel nehmen wollte, bräuchte man sich nicht für den Stoff interessieren, nicht wahr? (Ich finde, die meisten Kritiken zeugen von übermüdeten Krietikern, die sich auf den Film nicht mehr richtig einlassen konnten oder irgendwelchen eigenen Erwartungen auf den Leim gingen). Der "erlösende Biss" bleibt aus, und dieser Schlußakkord läßt den Film auch getreu in seiner überzeugenden Linie bleiben, dass diese Spannung in dieser Liebe gar nicht Thema ist: Ob sie nun ein Vampir wird und das Glück sich erfüllt, oder ein Mensch bleibt, und damit ein anderes Glück möglich wird. Die Liebe ist das Thema dieses Filmes und das merkt man auch bei dem Archetyp der Familie: Diese Familienmitglieder (von Bella, Edward und den Indianern) erfüllen ein hohes Maß an hilfsbereiter Integrität, wie es eine Familie aufweist. Das sind alles Dinge, die zur Atmosphäre des Films gehören. Und diese Atmosphäre schafft ein Umfeld an Geborgenheit, Bella hat die Wahl, wo sie am liebsten geborgen wäre. Und wie sie dem "Supermann" Edward nahe sein will, ich meine, das ist einfach im Film angemessen umgesetzt, dass man die intensive Leidenschaft der Anziehung spürt, wenn die beiden sich nahe kommen.
Ich
muss glasklar und knallhart sagen, dass manchmal bei wirklich guten
Filmen von
den Kritikern oft die Brille aufgesetzt wird, die sie sich angewöhnt
haben bei all den anderen Filmen. Oder sie glauben, es handelte sich
bei einem Film aufgrund eines Verdachtes (der sich auch willentlich
bestätigen lässt, eben durch die Brille) ebenso um einen Film
der
bekannten 0815 Machart und lassen den Blick für das Eigentliche des
Filmes vermissen. So mag der Blick das ansonsten Fremde der dennoch
inhaltsvollen Geschichte nicht mehr erfassen. Deshalb kam auch
Antichrist mit geteiltem Echo davon. Auch weil die Erzählung von
Geschichten ohne viel Beiwerk heute nicht mehr den Sehgewohnheiten
entspricht. Und wenn dann noch zusätzliche Effekte hinzukommen, die
fremdartig wirken, sind sie irritiert, anstatt neugierig und
aufgeschlossen.
Manchmal ist es eben doch auch eine Frage der
Aufgeschlossenheit und nicht nur des Geschmacks, wie ein Film bei den
Kritikern ankommt, die meiner Meinung nach zu oft zu wenig filmischen
Sachverstand mit bringen.
Die einen sprachen von Meisterwerk, die anderen von einer depressiven Oper eines depressiven Lars von Triers. Ich meine, an den Urteilen kann man oft erkennen, was die Leute selbst an Vorurteilen bereit sind anzunehmen. Vielleicht keine Vorurteile , sondern eine fehlende Aufmerksamkeit, die dann das UNBEKANNTE, was manche Filme bieten, in ungeeigneter Weise dann erst mit den Vorurteilen ausfüllen wird. Kritiker, die manchmal die Symbolik oder die spannungsvolle Atmosphäre einer Romanze nicht bemerken. Eine Atmosphäre, wie bei Twilight, die am Ende des Filmes das Thema wunderbar abschloß, weil die eigentliche Krise der Liebesbeziehung noch nicht zuende ist, wie es Bella hat andeuten lassen im Schlußsatz. Und genau das Zusammenkommen und Zusammenbleiben war das eigentliche Thema des Filmes, nicht die Liebesbeziehung an sich.
Auch bei Antichrist kommt die Droge zum Süchtigen: Der Psychoanalytiker, der die total kaputte Frau (sie hat auch etwas auf dem Kerbholz, was sich erst später zeigt) mit tiefsten Ängsten konfrontiert und so das Monster entfesselt. Das geheimnisvolle dabei: der Zuschauer kann sich des Eindrucks nicht entziehen, dass dieses ganze Geschehen bis zum bitteren Ende ein ganz normaler Vorgang der Lust am Leben zu sein ist, sowohl beim Psychoanalytiker als auch bei der Frau. Damit liegt der Antichrist gefesselt in dem falschen Glauben und so schliesst sich auch der Kreis mit den Einblendungen von nackten Menschen und Massen von Menschen mitten im Film, wie Traumbilder angeordnett zwar, aber vom Sujet her erinnern sie an altes Wissen über die Wahrheit des Menschen, der dem Teufel immer sehr nahe steht, und auch dem Doktor Faustus (eine etwas harmlosere Variante der Lust).
"True Romance" hat auch was. "American Beauty" ist ein Meisterwerk ebenso wie "Inglorious Basterds" (Tarantino) ein Meisterwerk ist. In diesem Film wird der Spieß umgedreht und ausserdem ein traum wahr gemacht (Hitler stirbt bei einem Attentat). Die Geschichte vertägt es, weil die Symbolik der vertauschten Rollen beider Seiten (Nazis gegen Amerika und Israel) schockierend bleibt. Und dabei zahlreiche Sujets aufgegriffen werden wie Agenten, Spionage, Unterwanderung, Widerstand, SS-Schergen und Oberhäupter.
"A.I. - Künstliche Intelligenz" ist auch ein Meisterwerk.
"Das Fest " von Vinterberg ist ein Meisterwerk, übrigens der erste Film des "Dogma 95 Manifestes". Überhaupt weisen Lars von Trier Filme und die von Thomas Vinterberg eine große Klasse auf. So bringen die sogenannten Dogma-Filme inspirierende Bewegung in die Machart eines Filmes (betrifft vor allem die Kamera). Der Film "Idioten" ist provokativ, zeigt aber das Leben genauso blendend und real wie "Das Fest". Hinsichtlich dieser Dogma-Filmreihe, wo mehr Wert auf die Geschichte gelegt sein wollte, und der Effekt der Kamera möglichst die Atmosphäre einfangen sollte, ist auch "Cloverfield" interessant, wobei diesder Film wirklich sehenswert ist. Wer die bisherigen Filme desselben Genres (ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten) gesehen hat, wird den Eindruck haben, dass diese allesamt mässig waren, und dieser Film ist der erste, der wirklich überzeugt. Vor allem überzeugt der Film durch die Perspektive auf das tägliche Leben, in die die Katastrophe herein bricht. Denn das Geschehen von Anfang an, ist komplett mit Handkamera gedreht und dazu passenden Überschneidungen von Handlungssträngen, die überspielt oder frei gelassen wurden, was insgesamt alles Cloverfield zu einem originellen Film macht. Er spielte in den Kinos auch gute 170 Millionen Euro ein.
Kirk Douglas in "The Game" und in "Ein perfekter Mord". Denzel Washington in "Dämon - Trau keiner Seele", ein Meisterwerk.
Generell mag ich auch Western wie "12 Uhr mittags" und "Die glorreichen Sieben". Oder gar Kriegsfilme wie den Klassiker "Die Kanonen von Navarone" oder "Agenten sterben einsam". Den habe ich schon in meinen Ferien auf dem landwirtschaftlichen Betrieb meines Onkels mir immer wieder auf Video angeschaut, als morgens bis mittags nichts weiter zu tun war oder nachmittags eintönige Arbeit zu machen war. Da war ich 15 Jahre alt. Ich empfand die Atmosphäre genau wie bei "Kanonen von Navarone" als unglaublich intensiv, was bei "Agenten sterben einsam" auch zu einem guten Teil an der Filmmusik lag. Noch heute empfinde ich beide Filme als herausragend. Als alter Klassiker ist auch "Gesprengte Ketten" mit Steve McQueen sehenswert.
"Die neun Pforten" von Polanski ist sehr gut, ein Meisterwerk. "Die neun Pforten" ist romantisch (man beginnt die Geheimnisse der Bücher zu lieben, den "Weg zur Erleuchtung" und diese von Polanski benutzte Symbolik ist grandios, selbst wenn es so einfach ist: Erleuchtung = Selbstmord im Wahnsinn, sich in Feuer selbst verbrennen weil man dem falschen Weg folgt).
"Inside Man" (Bankräuberfilm) ist auch gut. "ExistenZ" sehr sehenswert über die Frage, ob man virtuell träumt oder in der Realität ist.
"Clockwork Orange" von Kubrick: ein Muss.
"Per Anhalter durch die Galaxis" ist toll und vermutlich ebenso ein Meisterwerk.
Bei "Lost in Space" hätte der Reiz höher sein können, insofern es insgesamt so süß geworden ist. Aber aufgrund gerade dieser familiär wirkenden Süße auch wieder sehenswert.
Ein Klassiker, ein Muss von Carpenter: "Die Fürsten der Dunkelheit " und " Assault - Anschlag bei Nacht". Vor allem um ein wichtiges Motiv von Carpenter vorgeführt zu bekommen lohnt es sich auch den 80er Jahrefilm "Die Klapperschlange" von Carpenter anzuschauen, obwohl die Handlung und das Geschehen Geschmackssache ist (man muss sich nur damit identifizieren können, dass das System und der Präsident scheisse ist und man damit nichts mehr zu tun haben will, um erst eine Menge Leuten in den Arsch zu treten, damit der Weg frei wird und dann dieser Welt den Rücken zu kehren - diese Zynik, von Kurt Russel hervorragend umgesetzt und im Drehbuch implementiert, ist ein hübsches Symbol für die von Snake Plisken im Film ja schon vorgefundene Zynik des Systems; und diese Reflektion der Zynik kommt in seinem Frühwerk immer hinzu, ein quasi anarchistisch-linker Gestus (er hat einen stark beteiligten Pholus im Radix; das ist ein Asteroid, der in der Astrologie verwendet wird). Was man bei Carpenter vor allem sieht, ist das Thema: die Beherrschung und Manipulation durch eine dunkle Macht wie bei "Fürsten der Dunkelheit", der allerdings etwas einfältig ist.
"Underworld" gefällt mir gut. "Interview mit einem Vampir", ein Meisterwerk.
Der Mafiafilm Scarface von de Palma ist sehenswert (darin ein junger Al Pacino). Das Drehbuch zu Scarface stammt übrigens von Oliver Stone.
Carpenter lohnt wegen der Symbolik. Auch "The Fog" hat da was zu bieten: nämlich Geister - symbolisch beruht das auf in die Zeit geschriebene Erinnerungen, womit Handlungen und Ereignisse an bestimmten Orten sich einbrennen.
Aber nicht alle Filme von Carpenter sind gut geworden. Bei "Ghosts of Mars" merkt man das geringe Budget, es ist wie ein B-Film. Und "Flucht aus LA": damit zeigt er, dass er in Hollywood angekommen ist, aber dafür seine symbolische Literatizität eingebüßt hat.
Allerdings braucht ein Film mit niedrigen Budget nicht unbedingt schlecht sein. Das Drehbuch ist entscheidend, die Rollen, die Dynamik und die Geschichte. Aber Ghosts of Mars zeigt, wie man es bei niedrigen Budget nicht tun darf: Originell sein zu wollen. Denn die Kulisse wirkt künstlilch.
Dagegen zeigt "Believers", dass auch ein Budget von 1.8 Millionen in Hinsicht der Kulisse nicht negativ auffallen muss. Die Räumlichkeit der Aufnahmen ist ziemlich eintönig, aber das ist auch der Reiz des Filmes. Es spielt sich wie bei "Das Experiment" bei "Believers" vieles auf wenigen Metern ab. Jedoch bietet "Believers" ein schlechtes weil ideenloses Drehbuch. Obwohl die Motivation und der Glauben der Sektenheinis in Believers schon interessant ist.
Gut sind sie, wenn sie dabei nicht abdrehen in Actionreisser und einen besseren Plot aufweisen wie bei "Cleaner". Ein Film, der zwar gut gemacht ist, aber ein schlechtes Drehbuch aufweist. Die Story ist zu simpel bei Cleaner und wenn sie so simpel ist, muss irgendwo etwas komplexeres vorhanden sein, als wie eine normale Vater/Tochter Beziehung des Hauptdarstellers (Samuel L. Jackson).
Bei Cleaner kommt zudem die Botschaft nicht rüber, oder soll das alles sein: Ein Mörder und gleichzeitiger Freund schiebt einem einen Auftrag unter, womit Beweise verschwinden? Da kommt allein die Botschaft raus: Den besten Freund kann man nicht trauen. Wie gesagt, für diese Botschaft fehlt da irgendetwas, damit die Botschaft nicht zu seicht wird. Und ich glaube, das liegt am Drehbuch von Cleaner, das insgesamt zu oberflächennah und seicht ist. Wo wird da zB das Motiv des Freundes (er ist Polizist) geschildert, warum er so handelt, wie er handelt? Warum er als Polizist gleichzeitig Verbrecher ist? Sollte man sich vorstellen, dass die ganze Polizei von Korruption durchsetzt sei? Eben, es kann vorkommen, aber sollte eine Besonderheit aufweisen, die Cleaner nicht hat. Die Frage nach dem Motiv , die Ausarbeitung des Motivs nimmt natürlich auch etwas Raum ein, den es bei Cleaner nicht gibt. Es mag plausibel sein, aber zu einfach, wie es Cleaner in die Hände eines verzweifelten Polizisten legt, der früher einmal etwas falsch gemacht hat, und jetzt Angst hat, dass das bekannt wird, und deshalb jemanden umlegt, der davon wusste.
Jedenfalls, würde man auf sowas wie das Besondere an einer Szenerie und des gezeigten alltäglichen Lebens etwas mehr achten, wie sich das nämlich mit der Geschichte verknüpft, und würde noch einen interessanten Nebenzweig (ein menschliches Drama, eine Abhängigkeit oder sonst was und wenn es geistige Dekadenz oder Gehirnfraß ist) mit hineinlegen, hätte man in jedem Fall etwas mehr Komplexität als wie in Cleaner.
Eine Komplexität, die manche Filme einfach brauchen um wirklich gut zu sein, und nicht nur "ordentlich gemacht". Von der Botschaft her deshalb auch immer Stanley Kubrick Filme. Das sind Filme! Wahnsinn.
Es kommt nicht auf den gezeigten "aussergewöhnlichen" Alltag an, übersinnliche Phänomene, sprechende Computer oder fliegende Autos, ob ein Film gut ist, im Gegenteil, umso abgedrehter der Alltag ist, desto mehr braucht ein Film an allem anderen, um noch zu bestehen: es entsteht ein (nicht sichtbares, weil ins Ganze passende:) Flickwerk für die Lücken. Lücken , die durch das AUSSERGEWÖHNLICHE entstehen. Sie können auch durch die Story (Geschichte) bedingt sein, genauer gesagt erzeugt die Aufklärungsnot über einen momentanen Erzählpunkt immer eine Spannung. Etwas geschieht? Warum geschieht es? Das ist die Spannung. Es geht Erwartung damit einher, und der Film kann diese übertreffen oder umso arger enttäuschen (aber die Story muss in jedem Fall gut sein, sie muss komplex sein, eine Botschaft muss raus klingen. Auch die Schauspieler werden umso wichtiger bei einem aussergewöhnlichen Alltag; denn das Auge wird durch aussergewöhnliche Möglichkeiten, wie sie die Realität des Filmes präsentiert, prinzipiell voreingenommen. Man erwartet eine Aufklärung, und der Film muss diese bieten. Die Art und Weise und ob überhaupt ist die Kunst des Drehbuchschreibens, der Entfaltung des Plots. Und die Unglaubwürdigkeit des Films besteht manchmal einfach darin, keinen guten Film vor sich zu haben - und da braucht es starke Geschütze, um eine mögliche Erfindung oder notwendiger Bestandteil des Plots zu kaschieren. Es muss alles andere stimmen, wenn der Plot dürftig ist. Und am besten darf es keine schrägen Kanten geben, die entstehen, wenn man die Geschichte passend zwingt. Als dass sie schon von innen her passend aufgebaut wäre).
Ein guter Schauspieler und gute Kulissen, und man verzeiht manche nicht besonders originell geschlossene Lücke (der Wahrscheinlichkeitsrechnung des Zuschauers).
Effekte allein können keinen Film retten (siehe Emmerich). Effekte machen einen Film nur deshalb erfolgreich, weil es jeder sehen will, das Feuerwerk der Möglichkeiten. Und elementare Spannungspole ergeben sich auf dieser Achse Erklärungsnotstand (Erwartung der Auflösung, Durchführung) und tatsächlichen Erfüllung der Auflösung und Aufklärung (der Film malt es aus und es entsteht die Auflösung). Und auf einer anderen muss die Geschichte an sich gleichzeitg zur Entfaltung kommen, was die Geschichte kittet und zusammenschweisst wie bei einer Symphonie (Anwendung der Sonatenhauptsatzform).
Aber es gibt einen Reiz, den ein Film gekonnter als wie bei Emerich umsetzen kann: Den Alltag zu zeigen, wie er ausgehebelt wird. Chaos oder Gefahr bricht herein und fordert heraus. Und es kommt ganz drauf an, wer dies erlebt und begegnet. Es kommt auf den Alltag an. Emmerich sieht hier Dinge des Alltäglichen am geschehen: Geschichten von Menschen, die nichts weiter aussagen, als dass ihre Erlebnisse phantastisch und abgedreht witzig sind.
Dennoch kann man den Möglichkeiten des Heldens viel entnehmen und es passt für einen Film. Ein so guter Held wie in Matrix zum Beispiel. Neos Künste ergeben Sinn und Wirklichkeit durch den Einbezug einer quasi virtuellen Realität. Gleichzeitig, übrigens, liegt in Matrix's Heldenstoff aber auch die Wahrheit, dass diese Realität, die als Illusion gezeigt wird, gleichzeitig auch unsere Realität sein könnte. Ein vollständiger Gegensatz zur Alltagswirklichkeit (gewöhnliche Realität) ist der Traum.
Wenn der Alltag der ganz normalen, aber passablen Helden uns vertraut erscheint, und plötzlich ein Bruch kommt, muss dieser in die Geschichte passen. Die Gründe für die Abläufe können allein vom Wahnsinn des Mörders herrühren (einer Einzelperson), und die Welt des Helden wird in ein (spannungsvolles) Chaos gestürzt . Es muss noch nicht mal eine Katastrophe sein, eine Verwechslung kann uns zur Geisel machen, oder wir sollen erschossen werden und entkommen knapp und wollen herausfinden, wer uns das antun will und wir finden heraus, dass wir verwechselt wurden. Das gäbe uns eine Erklärung, wahnwitzig aber wahr. Das reicht aber nicht. Es muss heftiger sein. Der Held entdeckt nämlich, dass das ein Lüge ist, und bevor er den Verdächtigen findet, wird er erschossen, steht auf, wird noch mal erschossen, fällt wieder hin, und steht dann auf, und wird nicht mehr erschossen, und die Kugeln prallen ab wie von Kung Fu Handgriffen abgewehrt. Wie mit den Fingern geschnippt landen die Kugeln auf dem Boden. Der, der auf uns schoß, der Auftraggeber höchstpersönlich, kann es nicht glauben und schießt noch einmal zwei Kugel ab, diesmal weicht der Held aus, weil der Schütze zu sehr zitterte. Der Held lacht sich kaputt, und der Mörder versucht ein letztes Mal mit einem Baseballschlager dem Helden eins über zu wischen, da tritt der Held ihn um, und der Typ fällt in die Hölle, wo er brutzelt. Der Held zieht sein Kostüm aus, und nackig kommt ein Hund hervor, pinkelt auf den Boden und verwandelt sich in eine Hirschkuh.
Ein Chaos, das wir ebenfalls in Ansätzen kennen aus unserem eigenen Alltag. Unvermittelt schlägt es ein, das Chaos.
In anderer Kleidung, aber demselben Gehalt, derselben relativen Größe und Wirkung an Krise für uns, der UNBEKANNTEN ART.
Merken wir, dass etwas nicht unbekannt, sondern makelig ist, voller Makel, der Makellosigkeit beraubt, weil peinlichst schlampig gemacht oder offenkundig harmlos, dann ist es natürlich ein schlechter Film.
In vielen Fällen versetzen wir uns in die Lage des Akteurs, oder Helden und fragen uns, wie wie uns verhalten würden. Bei einem Gewissenskonflikt müssen wir aber den Helden des Filmes berücksichtigen, denn es ist sein besonderer Gewissesnkonflikt.
In einem Film ist ein wichtiger Bestandteil der Gewissenskonflikt, aber er ist noch kein Plot.
Gute Plots ergeben sich ja immer wenn es ums Ganze geht, um Mord und Totschlag. Um Extreme. Daraus ergibt sich der Weg, diese anzugleichen oder zur Begegnung zu bringen. Geschichten entwerfen und entfalten.
Und Leben ist das, was gezeigt wird, und die vielen Leben sind voller Krisen - immer (archetypisch gesehen gibt es keinen Unterschied in der Größe der Krisen!).
Grössere Krisen kennen wir aus den Nachrichten. Vielleicht sind wir morbide, wenn wir uns einen Film anschauen, indem Täter und Opfer tun und leiden. Leiden, vor allem. Das können wir akzeptieren, aber nicht den bösen Menschen, der etwas tut, da gruselt es uns. Aber das Opfer, das werden wir nehmen.
ALL DIESE ERWARTUNGEN SIND DIE ESSENZ DES FILMES. Die meisten erwartungen werden durch den Film geweckt, aber zugrunde liegt immer die Eindrücklichkeit der Bilder, die zustandekommt, weil wir Wesen fähig zur menschlichen Wahrnehmung sind. Meist müssen die Erwartungen des Filmes gekitzelt werden, Chaos muss entstehen, und dann als Bedarf steht da der Aufklärungsbedarf, die Antwort auf die unbekannte Situation wird dann im weiteren Verlauf des Filmes entrollt. Aber es ist eine Kunst, diese kritischen Punkte eines Filmes (seines Plots und der Spannungszeitpunkte) angemessen zu gestalten. Man sieht daran, wie viel der Film dem Drehbuchschreiber wert war, sich nämlich die Wahl nicht zu leicht zu machen. Wie man Chaos entwirft.
Denn das eingebrachte Chaos lässt die Würfel fallen und wie sie fallen, ist schon alles enthalten, wie der Film eine Spanne an Möglichkeiten zulässt. Wie das Chaos gelichtet und sondiert, also aufgelöst werden muss. Das Auflösen ist das Spannende, aber die an einigen Punkten eingebrachte Szenerie, die andeutungsweise entstehende Szenerie, die das Chaos einbringt, entscheidet darüber, den Schlüßel (gute Wahl) gefunden, oder Fehlgriff (schlechte Wahl) getan zu haben. Beim Kunstgriff, die Spannung auszugestalten und dafür einige, meist nur zwei oder drei massgebliche Momente der Zeit (Dauer des Filmes) als Grundgerüst der Geschichte heranzuziehen.
Es gibt das Chaos. Überall. Das Böse. Etwas, was uns Kummer macht. Je nach Situation. Manchmal bleibt uns so was erspart, und vielleicht gefällt uns die morbide Anteilnahme im Anschauen des Filmes nur deshalb, weil wir nicht selbst das Thema erleiden mussten. Daher sind wir offen. Aber statt Morbidität ist es Neugierde, wir wollen sehen, wie der Akteur sich verhält, und ein guter Film, muss uns seine Reize bieten - er darf auch wie bei "Inglorious Basterds" schockieren. Doch bei "Inglorious Basterds" wendet sich Mitte des Films das Blatt des Schockierend in einen beruhigenden Ablauf des Geschehens, was ich etwas als Schwäche bei "Inglorious Basterds" empfinde.
Wenn wir offen sind, erschrecken wir ob der Wahrheit solcher knallharten Realitäten und Muster. Es ist egal, ob ein Film authentisch von den Worten und Verhalten her ist, sondern ob er authentisch ist von seiner Stimmung her gesehen. Und die Stimmung passt bei Inglorious Bestards.
Man kann jede Stimmung - auch die von Ausrottungen - relativieren, indem man aufs Symbolische kommt. Damit ergibt sich eine natürliche und gesunde Distanz. Aber an sich sind das harte Kontraste zwischen den Jägern (Nazis) und wie die Jäger zu den Gejagden werden (Amerikaner).
Und die Frage nach den Gründen eines Geschehens stellt sich, und damit ein Spannungsmotiv.
Vielleicht gibt es irgendwo eine Verfehlung, eine Abhängigkeit (astrologisch ein Pluto/8. Haus Thema), psychologisch ein Übergriff auf das Leben eines anderen. Und in der Art, wie es aufgearbeitet wird vom Film und insbesondere vom Akteur, liegt ein für uns wichtiger Anschauungsgrund, da es sich bei jedem Verbrechen um das Spannungsgefüge zwischen Freiheit des Eigenen und Freiheit des Anderen dreht, wo diese nämlich überschritten wurde.
Was wir nur als Film nicht als konkrete Bedrohung unseres Alltages oder Lebens ansehen, aber als möglichen Zustand der Bedrohung des Lebens erfahren: das ist die andere dunkle Seite der Welt. Licht und Schatten. Ein Mordthriller, mit guter Geschichte, deckt dieses Spannungsgefüge direkt und grundlegend auf. Deshalb faszinirieren auch Krimis solcher Machart, bei denen jeder möglichst lange verdächtig ist und wenn der Grund für diesen Verdacht jeweils möglichst plausibel und interessant genug ist.
Die geringfügigen Verwerfungen der Moral und des Gewissens bei einem harmlosen Mord werden uns symbolisch immer ansprechen als Ausdruck einer verkehrten Welt, die aufgeklärt werden muss (zu erkennen, was geschah, welcher Grund vorliegt und welchen weiteren Verlauf die Sache nimmt). Ja, ein Geschehen wird bei Mordfilmen aufgeklärt. Die Aufklärung eines Geschehens ist sowieso elementar für jeden Film - ergibt sich schon aus dem handwerklichen Aspekt. Dinge werden so arrangiert, dass sie eine Metasprache erzählen, durch die alle Szenen insgesamt das Wesen des Filmes zu erkennen geben. Und bei einem Krimi ist der Fahrplan festgelegt, es gilt den Mörder zu finden und es gibt Verdächtige, und am Ende bleibt einer übrig. Das wäre allein völlig reizlos, es muss ein weiteres Reizgefüge hinzukommen (bei einem Krimi am besten eine durchgestylte Charakteristik der Akteure und ansehnliche Dynamik, die dabei entsteht), dann haben wir einen erfolgreichen Film.
Einfache Mordkrimis können aber auch schon deshalb interessant sein , umso mehr sie sich der Logik bedienen, die am Ende des Filmes zwingend zu einem Täter führen muss - und wenn dabei der Film zugleich noch reizvoll genug ist, haben wir ein Meisterwerk des Krimigenres.
Auch "Blue Velvet " ist sehenswert, da hier die zwei Welten von Gut und Böse im härtesten Kontrast gezeigt werden, aber auch ein bisschen die Welt dazwischen und da kommt es ja darauf an: entscheidet sich der Protagonist mehr für das Böse oder Gute, um zwischen beiden Extremen zu bestehen.
Die Welt kennt auch diese Seiten der Gewalt, und der Held ist kein anderer als jemand, der diese Seiten stellvertretend erfährt und es ist passabel, wenn es sich dabei um jemanden handelt, der von Natur aus nämlich wegen seinem Beruf mit diesem Geschehen zu tun hat. Es ist wie bei Blue Velvet aber äusserst reizend, wenn es gelingt, diese normale Rollenverteilung etwas aufzuweichen. In jedem Fall müssen es Helden sein wie zB Polizisten, Detektive und Leute, die in das Thema passen ohne dabei aussergewöhnlich stark oder "absurd Heldenhaft" zu sein, aber ein wichtiges Quentchen "Menschlichkeit" verkörpern, das sich gegen die Gewalt und düstere Absurdität von Morden und Verbrechen aus Leidenschaft stellt, was sich nämlich auf der anderen Seite gegenüber dem Alltag befindet.
Diese typische Begegnung mit der Welt des vertraut Bösen, in dem ein Einzelner seinen Trieben bis zum Mord freien Lauf lässt, filmisch umgesetzt in einem guten Plot und dennoch reizvoll genug wie Cleaner, das ist selten oder sagen wir grosses Kino. Auch Sieben, ein Klassiker des Genres, gehört dazu. Bei Cleaner aber hat man am Ende eine etwas zu einfallslose Geschichte. Die Szene bei "Doomsday - Tag der Rache", als sie vor dem Tor Schottlands stehen, vor der Quarantäne Zone, der Todeszone mit dem Virus, ist äusserst reizvoll. Sehr gut kommt "Panic Room" von Fincher daher.
Insgesamt sind Filme dann komplex genug, wenn am Ende wie bei Sieben die Geschichte diesen Spielraum erlaubt. Auch wenn man die Lücken dem Wahnsinn der geschilderten Geschichte zuschreiben könnte oder wenn der Film wegen irgendeinem anderen Aspekt sehr gut tragfähig bleibt - wenn zB die Machart des Filmes dafür sorgt, dass die Lücken der bis dahin aufgeklärten Geschichte plausibel bleiben (wie bei David Lynch in Lost Highway und Mulholland Drive).
"A little Trip to heaven" ist sehenswert.
Operation Walküre. Ein Stück deutsche Geschichte, angemessen und gut in Szene gesetzt.
Vielfalt, das ist wichtig für das Filme-sehen, weil man sonst zu steif wird in der Wahrnehmung der eigentlichen Botschaft, die nämlich auch mal eine ganz einfache Botschaft sein darf. Jedenfalls ist es wichtig, dass der Filmemacher stets eine alte Idee neu ausführt, was bedeutet, dass man vom Kern der Idee (zB Bankraub) Wege ab geht in unüblichere Varianten (statt der Geiselnahme und dem Versuch mit Geiseln zu fliehen zB die Flucht durch einen Tunnel).
Wenn der Film zumindest als das, was er ist überzeugt, ist es ein gelungener Film.
Jeder Film besteht aus bewegten Bildern, das sind Charaktere in Szene gesetzt. Aus der Szenerie mit alle den Akteuren ergibt sich die Dynamik und damit die grundsätzliche Erfahrung eines Inhaltes. Einen Inhalt, den wir statt als Film zu sehen genauso gut träumen könnten. Deswegen, weil die Qualität eines Filmes von Innen und nicht von äußeren Vorgaben abhängt, funktionieren die Highschool-Träume amerikanischer Filme, zumindest scheinen sie kompatibel mit der Vorstelungswelt aller Menschen, während andere typisch nationale Filme den Eindruck der "Traumvision" nicht erfüllen können, so wie es bei Hollywood und einem typischen Aufgreifen der Highschoolzeit und des amerikanischen Traumes ist. Die Botschaft solcher Filme mag alles mögliche sein, aber mit dem Highschool- oder Karriere-Hintergrund (american dream) erscheinen sie grundsätzlich als Utopie unseres Lebens...
Der Film "The Deaths of Ian Stone" thematisiert den Tod, und berührt einen fasznirienden Bereich des Okkulten und am Ende bleibt es offen, worin die im Film gezeigte Wirklichkeit nun tatsächlich besteht. Ein sehr guter Film. Ein Film, der knapp 90 Minuten dauert. Bei 110 Minuten hätte man auch noch einiges mehr an Rahmen zeichnen können, einzelne Handlungsstränge komplexer machen können. 90 Minuten scheinen immer ideal für die Entwicklung eines guten Plots.
Dann gibt es ja noch andere gute Filme, die mit der Wahrnehmung und dem Übersinnlichen zu tun haben wie die beiden grossartigen Filme Cell und Cell 2.
Ebenso mag ich Psychologiefilme oder Filme, die das Verhalten zum Thema haben (und/oder den Instinkt), die meist erst dadurch interessant werden, indem ein Serienkiller oder Wahnsinniger Thema wird. 12 Monkeys zählen ebenso dazu wie "Instinkt".
Ähnliches gilt für Gerichtsfilme, in denen nicht etwa das Thema Schuld, sondern bewiesene oder unbewiesene Unschuld wichtig wird - was natürlich interessant wird durch den Blick in die Abgründe der Seele und des Menschen . "Die 12 Geschworenen", Meisterwerk! In dieser Hinsicht auch interessant: der deutsche Film "Konferenz", von 2004, lief mal im Fernsehen. Der dänische Krimi über die Finanzwelt: Exit, wo der Protagonist in die Verbrecherwelt gezogen wird .
Bei beiden Genres, Psychologie und Justiz, aber muss eine Besonderheit gegeben werden, was eben einen guten Film von einem schlechten unterscheidet! Eine Besonderheit, die den Film interessant macht, eine Thematik über den Film hinaus. Zum Beispiel Gewissensfragen oder Moralfragen, was ja nicht dasselbe sein muss.
Zum Beispiel kann es um eine menschliche Fehlentscheidung in einem Psychologiedrama gehen (jemand stellt wegen der Schuld eines Dritten über einen anderen ein unzutreffendes Gutachten aus und derjenige wird unschuldig ins Gefängnis gesteckt und dort erst recht zum rachesinnenden Mörder und in der Folge versucht der Gutachter seinen Fehler wieder gut zu machen). Dieser Gutachter müsste wählen zwischen Ehrlichkeit und Gerechtigkeit und damit verbundenen Karriereverlust aber auch einem anständigen Lebenssinn, oder der Lüge und dem Schein, der die Karriere bewahrt aber dafür auch einem inhaltsvollen Leben. Diese beiden Pole: Lebenssinn und Gerechtigkeit einerseits und inhaltsvolles und gehobenes Lebensgefühl durch die Umstände bedingt andererseits, stellen elementare Spannungspole unseres Lebens dar. Sie lassen sich genauso gut auf andere Genres übertragen - solche elementaren Spannungspole, die das wirkliche und wahre Leben zeigen. In der Durchführung des Plots während des Films muss eine Kunst zu erkennen sein und die dargelegten Handlungslinien (Drehbuch) muss komplex sein. Es darf auch nicht zu einfältig dadurch scheitern, dass es schlechte Schauspieler, schlechte Kulissen (meist bedingt durch zu niedriges Budget) oder einen ähnlichen Mangel gibt.
Wenn das Leben in den Film Eingang finden kann, weil die Themen komplex angelegt sind und den elementaren Lebenskampf (Lebenskrampf) schildern, und dennoch diese komplexere Themendurcharbeitung nachvollziehbar bleibt und den schmalen Grat halten kann zwischen Komplexität und Nachvollziehbarkeit durch elementare Spnannungspole (die dem Menschen kommen, während er lebt) , - wenn ein Film so gut ist, diesen Balanceakt zwischen Reiz und Wesen des Films zu meistern, dann ist es wesentlich Literatur, also Film auf hohem Niveau. Das Wesen lässt sich nicht hintergehen: all die Geschichten, die es gibt, kennen einen inneren Gehalt, eine Motivation und Krise, eine Katharsis, sonst ist es keine Geschichte . Und die meisten Actionfilme sind deshalb auch schrott, weil sie kein Wesen haben. Kein wahres Leben, keine andere Botschaft aufweisen, als dass die Fetzen fliegen.
Und es zeichnet für mich einen Film aus, der die Grenzen des Genres deshalb übersteigt, weil er eben das Leben in beinahe esoterisch anmutenden Wahrheiten zeigt. In ganz einfachen Spannungspolen, die aber nicht zu einfach verarbeitet werden, sondern eine gute Geschichte da herum basteln.
Es wird übrigens nur nebenbei eine Antwort auf die Krise der jeweiligen dualen Spanungspole gebildet, am Ende des Filmes, was manche auch die Moral der Geschichte nennen. Sondern hauptsächlich wird ein Kampf gezeigt, ein Kampf zwischen zwei Spannungspolen. Eine Auseinandersetzung. Das ist das wesentliche, es ist Leben, und zeichnet den Lebenskampf aus. Es wird gezeigt, welche Art von Umständen den Akteur veranlassen, zwischen beiden Möglichkeiten zu wählen. Und wohin es dann führt, im WIE, das zeichnet die Botschaft aus, und sie besteht ja nicht im Gezeigten allein, sondern unserem Eindruck von der Botschaft. Wir nehmen die Botschaft ja bedingt durch eine persönliche Bewertung auf (Sympathie/Ablehnung). Deshalb können wir auch eine unanehmbare Botschaft registrieren ohne am Genuß zu sparen. Nur muss der Film durch Schauspieler, Drehbuch und Kulissen, am besten noch Kamera und Schnitt hervorragend sein, um auch ein Meisterwerk zu zeigen. Wie ich zB Sieben für ein Meisterwerk halte, gibt es derer noch andere. Aber oftmals muss eben eine Botschaft wie oben beschrieben ahnbar enthalten sein! Das ist für mich das Kriterium.
Wenn wir Glück haben, zielt der Film von Anfang an auf dieselbe Botschaft, die wir von dem Film tatsächlich erhalten werden. Das ist deshalb Literatur in solchen Fällen, weil diese Botschaften im eigentlichen Sinne einen gewissen Geist enthalten, in dem sich das Leben, wie es ist, angemessen spiegelt.
Die Inhalte sind austauschbar, aber nicht die Archetypen.
Die bleiben immer dieselben, auch für uns. Die Archetypen stellen den Plot zur Verfügung, die bloße Handlung, noch ohne Akteur.
Und die Art der Auseinandersetzung, was wesentlich ein Akteur von sich und seinem Geist und seinem Wollen und Fühlen zeigt, wird dabei zur eigentlichen literarischen Botschaft. Sie muss nicht geteilt werden, es reicht, dass sie deutlich genug hervosticht und einen gescheiten Eindruck macht (handwerklich gesehen hängt die Umsetzung einer angemessenen Botschaft vom Drehbuch und dem Geist, mit dem es geschrieben wurde, ab. Emmerich und Spielberg könnten in diesem Sinne diesen Aspekt nicht befriedigen, das sind keine Literaten). Aus demselben Grund der Literatur, die enthalten sein sollte, können noch solche Katastrophenfilme überzeugen, die zugleich das Schicksal der Einzelnen in einer ganzen Reihe von Szenen ablichten, das durch die Katastrophe einen anderen Geschmack erhält. Dabei kommt es darauf an, wesentlich(!): Welche Szenen man wählt , die das alltägliche Schicksal in Kontrast mit dem drohenden Tod stellen. Welche Sorgen gezeigt werden - das ist die Literatur, Erzählung, Botschaft dabei.
Ich zB freue mich über solche Filme, in denen das Lächerliche, und Nichtige des Alltags durch den Tod eine Wertung erhält. So in der Art objektiv gemacht, symbolisch, sind nicht viele Filme. Ein echter Mangel. Aber es gibt sie (Carpenter ist ein König der symbolischen Kunst, der zudem die Brisanz einer Botschaft hineinbringt, einer Welt, die Kontrolle ausübt über den Einzelnen oder von solchen Wesen, die wie von unsichtbarer Macht beherrscht scheinen und sei es ein dunkler Trieb, und Böses tun). Das filmische Symbol der Katastrophe ist der Tod und sein Gegenüber Leben, wie es singt und lacht, oder durch Sorgen sowieso schon abgewichen ist vom wahren Leben in die Melancholie des Alltags hinein...
Also, wie oft regen wir uns auf, beklagen wir uns und so weiter - und schaffen dadurch nur neue Probleme, und manche nennen diese Art einfach Sorgen. Wir halten etwas fest. Das ist es. Katastrophen und drohende Tode stacheln etwas in uns an: Die Bereitschaft Opfer zu bringen und über sich selbst hinaus zu wachsen. Und wenn es sein muss, bis zum letzten Atemzug, wofür hätte man sonst gelebt.
Und wenn wir uns den Alltag anschauen, entdecken wir genau solche Sorgen, nämlich nichtige Sorgen , die manchmal sogar unsere Mitmenschen verunsichern . Da aber die Szenerie der Katastrophe hinzu kommt, erscheinen diese Sorgen, die einen bisher in Trab gehalten haben, in einem neuen Licht. Egal was an Leben gezeigt wurde, es erscheint in einem neuen Licht, in dem es keine Zeit mehr gibt, etwas zu bereuen, oder aufzuschieben. Aber das weiss man auch in unserem Alltag erst, wenn eine vergleichbare Katastrophe ahnbar wird, wie wenn es droht dass ein Asteroid auf die Erde stürzen wird. Das Thema Asteroiden-/Meteoreinschlag ist jetzt auch schon zu alt, und ich bin gespannt, welche Untergangsszenarien Hollywood uns demnächst liefert. Was man an Alltag dabei gezeigt hat, und so Lebensszenarien entwickelt hat, das will ich klar sagen: Ist von Spielberg und Emmerich am schlechtesten weil kitschigsten unliterarisch hervorgebracht worden. Da wird gar nichts erzählt, sondern es wird so hingeklatscht, dass es Hauptsache WITZIG oder ACTIONMÄSSIG wirken soll.
Es gab
früher mal ein paar gute Katastrophenfilme, die genau dieses
Spannungsfeld zwischen Alltagssorgen (und dadurch verpasstes Leben) und
aussergewöhnliche Sorgen (Katastrophe) elementar genutzt haben. Aber
die haben jetzt einen zu alten Geschmack, und wir brauchen nur an die
Zunahme der Geschwindigkeit des Lebens und an die technische
Revolution zu denken, um einzusehen, dass ein 70er oder sogar
80er Jahre Katastrophenfilm aus der Mode sein muss, egal wie gut er wäre. So ist das bei vielen
Filmen.
Filme
mit dem Thema Zeitreisen (Eingriffe in
die Zeit und deren Konsequenzen; auch die Telepathie betreffend).
Bei Filmen,
die sich dem
Thema Zeitreisen widmen, geht es auch darum, dass die Wirklichkeit in
ihrer Bedeutung ausgehebelt wird - wenn man zB in die Zeit zurück reist
und nun die (eigentlich schon erlebte) Gegenwart ein zweites Mal erlebt, und diesmal etwas anders
macht. Damit wird in uns ein Bereich des Seelischen angerührt, der sich
nicht mehr aufhalten muss mit der Vergangenheit, weil er erkennt, dass
die Zeit eine andere werden kann. Es zielt dann der Eindruck allein auf das Gefühl des Seins.
Das Sein ist bei Zeitreisen kontinuierlich, ist kohärent, bis auf das
Wissen um verschiedene Zeiten, die Realität aber ist nicht so
kontinuierlich.
Bei Zeitreisen in die
Vergangenheit können wir durch die
Zeit bedingt etwas anders machen wie zuvor getan, weil wir noch einmal
die Zeit und
ihre Kausalitäten erleben und beeinflussen können (mit dem Unterschied
die Zukunft zu kennen) - wider den Gesetzen der uns bekannten Welt.
Auf der Ebene des Zuschauers, können wir merken, wie wir alle
Wahrnehmung prinzipiell von Belastung befreien können, indem wir sie
uns
als Illusion entlarven, da sich Zeit geändert hat. Sie ist nur
Erlebensinhalt. Manchmal freilich auch Schicksal. Aber es geht
ureigentlich nur um die Zeit, die wir erleben, und in einem Film können
wir den Helden sehen, und mit ihm alles mögliche erleben. Es gibt nur
die Grenzen, wie das Geschehen im Film von sich sprechen kann und wir als
Menschen diesem Geschehen Bedeutung verleihen.
In Wahrheit, ändert
sich die Zeit andauernd, und wir leben nicht im Hier und Jetzt. Wir
haben viel im Gepäck, und unser ganzes Schicksal kann davon abhängen,
ja geradezu abhängen von der Frage, ob wir das überflüssige Gepäck
vielleicht einfach mal aussortieren.
Daher
sehe ich zB in "Retroactive" oder auch in "Die Vorahnung" auch
eine
Mahung an die Zeitverschwendung, wenn man sich zu sehr mit der
Vergangenheit beschäftigt, was wir andauernd tun, weil wir an diese
Welt, wie sie uns ist, glauben gelernt haben, durch die vielen
Evidenzerlebnisse (dass Wirklichkeit so ist, wie wir sie als solche
Realität "wahrnehmen").
Es funktioniert für uns, auf diesem Level der Kontinuität zu bleiben.
Das Sein ist irgendwie abhängig geworden von diesem Fluß der Realität,
anstatt sich selbst als Fluß zu begreifen.
In Wahrheit bleibt das Leben, was es ist und ändert sich nicht, nur
weil wir es anders anschauen. Aber wenn wir
es anschauen,
als ob es lebte, und nicht so wie wir uns durch den Schlamassel
dirigieren, werden wir das Leben sehen.
Und wir dirigieren uns
andauernd durch ein von uns begriffenes Schlamassel, wie ein tragischer Held,
dessen Hauptrolle
wir freiwillig einnehmen. Wenn dann dieser Ablauf Risse bekommt, durch Zeitsprünge
zB, stellt sich alles auf den Kopf. Wir halten inne. Unsere Kontinuität ist ausgerenkt.
Und
damit auch die Welt, wie wir
sie
kannten. Damit gibt es für mich einen Reiz des Okkulten, der
Möglichkeit: Ewigkeiten der Kontinuität zu entrinnen und dennoch zu
sein, frei zu sein von
dem Zwang der Zeit und ihrer Verankerung in die Kontinuität einer
ganz persönlichen Geschichte. Ausserdem geht es um den Aspekt, was ist,
wenn man die Zukunft kennt. Wie sehr man diese beeinflussen könnte.
Das schafft natürlich ein riesiges Problem, etwas tun zu können,
was sonst nicht geht. Aber dann herauszufinden, dass es gar nicht so
leicht ist. Und es eher das Geschehen selbst ist, das die Richtung
festlegt. Es schafft genau den
Spannungsraum, in den die Heldin im Film fällt. (Bei Retroactive)
Sehenswert sind Dystopien (Anti-Utopien), in denen das Bewusstseinselement auftaucht, zB Minority Report, Equilibrium, Die Insel. Aber auch Gattaca (Kontrolle über sich selbst), I robot.
Bei Matrix ist es die faszinierende Geschichte (wir könnten nicht sagen, dass wir uns nicht in Wahrheit in einer Computersimulation befinden wie in Matrix, das heisst in einem Traum). Die Karate, Kungfu und Jiu Jiutsu Szenen besitzen Symbolcharakter und weisen in meinen Augen darauf hin, dass man erst den Traum bewusst machen muss, um den Gegner, den Verstand (AGENT SMITH) auszuschalten. Denn man besiegt ihn mit besonderen Argumenten des Wissens (so wie Neo lernen muss, über bisherige Grenzen hinauszugehen, ehe er den Agenten erst widerstehen und dann vernichten kann . Aber das Wie ist unwichtig, wichtig ist, dass überhaupt gegen den Verstand gekämpft wird (das System und seine Logik). Denn warum ist Neo der Auserwählte? Das erzählen der zweite und dritte Teil von Matrix . Am besten ist aber insgesamt der erste Teil. Wieviel anderes wird in dieser Computersimulation gezeigt, als wie die künstlichen Blasen unserer Vorstellungswelt hervorruft. Eine Vorstellungswelt , die fixiert ist und dessen Befreiung von zu starren Regeln Angst verursacht, wann immer die Angst vor dem Neuen und Unbekannten sich auf drängt... - das System (Welt) hat diese Leute in der Matrix im Griff.
Bei Science-Fiction Filmen muss in der Regel die Plausibilität der Spannungsabfolgen und Plotbestandteile mitsamt den Entwicklungen zusammen passen. Ausserdem: Eine hochtechnisierte Gesellschaft der tollen Möglichkeiten anno 2100 ist geeigneter für sprechende Maschinen und überzeugt eher, als wie in einem Seuchenfilm 2035, der auf einem abgegrenzten Terrain spielt (Schottland in Doomsday) und wo allein mit dem Wissenschaftler Kane zwei für den Film starke und wichtige weitere Linien hervorgehen: Cally Kane, die Tochter des Wissenschaftlers, und vor allem Sol Kane, der ein wahnsinniger Punk ist und Glasgow beherrscht. Dabei ist der alte Kane schon bedeutend, weil er anfangs des Films die letzten Botschaften einer Quarantäne Station über die Absperrmauer (ausserhalb Schottlands ) gesendet hat über die Ausbreitung der Seuche.
Jahre später nach dem Ausbruch des Virus soll Kane nun seinerseits etwas herrschsüchtig geworden sein. Kurzum:
Das Wahrscheinlichkeitsszenario muss gewahrt bleiben, ein Umfeld der Wahrscheinlichkeit geschaffen sein. Es gibt "nicht ohne weiteres" fliegende Menschen in der Realität usw..
Ist ein bisschen viel eines einzigen ineinander verwobenen Handlungsstranges in diesem Bezug (bei den Kanes in Doomsday).
Bei wohlwollender Anschauung überzeugt Doomsday durch die Symbolik und seinem Aufgreifen utopischer Vorstellungen (die Lügen der Gesellschaft).
Bei Doomsday - Tag der Rache - mag das Thema genial sein, und streckensweise sehr überzeugend, aber dann dreht der ansonsten vielversprechende Emporkömmling Neil Marshall zu sehr ins Emmerich'sche Kino, in denen aus gewissen Szenen ein zuviel an Action mit herkömmlichen Methoden oder sogar Witz gemalt werden will.
Im Vergleich zu Doomsday lohnt sich unbedingt auch "Dawn of the Dead" anzusehen, den vielleicht besten Zombieseuchen-Action-Film.
Die unfreiwillige Komik wird bei Dawn of the Dead vor allem durch die hervorragenden Schauspieler in Szene gebracht (bei Doomsday mangelt es irgendwo am Ganzen), und das Tempo am Ende ist wahnwitzig schnell (bei Dawn of the Dead). Das Tempo zieht einfach in den Bann der Realität, die in solchen Momenten, wenn der Untergang naht, zwingend vorherrschen müsste. Bei Doomsday erkennt man Ansätze, aber es scheint, als müsste der Regisseur Marshall für seine Zukunft noch mal aussieben, was brauchbar ist und was nicht.
Von daher überzeugen auch andere Horrorfilme, wenn man diese letzten finalen Momente hautnah miterleben darf (was einen Spannungskick bringt). Aber im Wesentlichen zeigt der Horrorfilm die Angst vor dem Unbekannten. Und jeder übersinnliche Bezug bei diesem Horror, spricht auch die grundsätzlich immer vorhandene verborgene Wirklichkeit an, in der ein Schrecken dadurch entsteht, da wir Formen wahrnehmen, die ansonsten nicht sichtbar sind. Jeder Horrorfilm, in denen uns etwas oder jemand verfolgt, ist eine Hommage an die Universen der Träume, unserer Alpträume zuweilen. Durch die Filme bedingt lockern wir die Wirklichkeit und damit unsere Träume etwas auf.
Solche Filme, wo schliesslich das ganze Geschick der Menschheit in eine Richtung gelangt, nur weil ein bestimmtes drastisches Szenario vorliegt, das jedoch den für solche Filme erst interessanten Aspekt aufweist, dass die Probleme oder Untergangsgründe hausgemacht sind: zB Untergangsszenarien, die durch technische oder zivile Ursachen des Fortschrittes (und seiner Risiken) hervorgerufen wurden; kurzum: durch unsere LEBENSWEISE. Filme, in denen also so eine Moral einer Utopie oder Heilsversprechen aller Art als Lösung aller Befürchtungen gezeigt wird, die deshalb aufregend ist, weil wir gegenwärtig bereits solche Tendenzen wie im Film gezeigt vorfinden, nur eben andere. Wir könnten uns aber vorstellen , in solche Szenarien ebenfalls zu kommen.
Und wenn das Schicksal wirklich wollte, dass dies oder jenes geschähe, dann wäre es ein Kinderspiel für solche Szenarien wie ein Virus-Ausbruch, weil wir zu eng beiander leben (vegetieren und für Viren optimale Bedingungen schaffen) und sich die Fügung nur noch einen geeigneten Ausbruch verschaffen muss, wenn ein geeigneter Virus erst mal vorhanden ist, der solche Auswirkungen real möglich macht. Und im Film ist es dann soweit.
Steht auf der Gegenseite dieses Symbols (Zombie-Virus) nicht das Streben mancher Menschen nach dem Lebenselixier? Jene, die sich der Wissenschaft bedienen, um nicht mehr zu altern und zu sterben, und/oder jene, die im Sinne staatlicher oder gesellschaftlicher Kontrolle wollen, dass alle friedlich dahin zu leben trachten wie die Schafe? Und irgendwo, kommen immer auch die Ideale zum Vorschein, die herrschen in der Gesellschaft. In jedem Film, der deckungsgleich unsere Alltagswelt spiegelt. Aber am Ende wird es eben im Film doch alles anders, und statt dem Lebenselixier bekommen wir das Zombievirus (folgende Idee für einen weiteren Zombie- Film: durch Genmanipulation breitet sich ein fehlgeschlagenes Experiment der Lebensverlängerung durch ein Allerweltsereignis und weiteres Unglück aus in alle Welt und bringt in seinem endgültigen Mutationsstand schliesslich alle Menschen zu Tode, aber sie sterben nicht, sondern wachen auf von den Toten und beginnen das Fleisch anderer Menschen zu essen, wie wild stürzen sie sich auf die Menschen und jeder Biss verbreitet das tödliche Virus und am Ende beginnt man unterirdisch bei Nahrungsmitteln für zwei Jahre ein Gegenmittel zu entwickeln, das aber nicht für alle Menschen wirkt, sondern nur eine bestimmte Gengruppe. Von mir aus kann da hinterher auch noch rauskommen, dass eine Gentechnikfirma darauf bestanden hatte, mal Genmais durch bestimmte Gene vor Raubkopie zu schützen, also unfruchtbar zu machen. Dann irgendwann fand die Genstruktur auch zum Menschen und alle Lebewesen. Aber statt unfruchtbar, machte das Gen resistent gegen das spätere Zombiemedikament - so ist das in der Natur, denn da kommt es durch verschiedene Kopieraktionen dann alles anders, wie es am Anfang war; jedenfalls, so lautet die Erklärung des Naturwissenschaftlers. Im Film tritt dann noch ein New-Age-Esoteriker auf (also einer ohne Gewissen), der meint, dass die elementare evolutive Absicht unbeeindruckt von allen Manipulationen bliebe).
Oder andere Filme, in denen am Ende droht die Welt unterzugehen; solche Filme müssen Niveau haben, also nicht so ein Film wie Independence Day, in denen beispielhaft die Palette der amerikanischen Symbolik bloß paraphrasiert, nichts weiter als paraphrasiert wird. Die blasige Überkitschung des Verhältnisses Science-Fiction und Komödie komt hinzu, was also Indepence Day zu einem schlechten Film trotz der Effekte macht. Ja, in den Effekten ist Emmerich gut. Aber er hat kein Händchen für das, worauf es biem Film ankommt.
Ansonsten habe ich nichts gegen den american Way of feel, life and thinking. Patriotismus auch. Ist genau wie in Frankreich eine Eigenart. In Frankreich ist es jedoch ein distanzierter Patriotismus. In Deutschland besteht das Gefühl der Leute ja auch in einer sehr merkwürdigen in jedem Fall leichtsinnigen Haltung gegenüber dem Leben, eben indem man es zu ernst nimmt.
Filme, mit diesem Thema der amerikanischen Träume, und sei es Patriotismus, müssen nur gut gemacht sein und nicht wie bei Independence Day als Komödie getarnt die Paraphrase kaschieren, wie also dem Emmerich da nichts besseres eingefallen ist.
Im Ganzen kann man mit 10.000 BC meinen (ebenfalls von Emmerich), dass Emmerich sich eher wenig ädaquate Vorstellungen zu machen vermag, wie die Geschicke und Leben der Menschheit in den verschiedenen Phasen von Ereignissen wirklich schon im Diesseits ist. Es wird zuviel daran gemessen, was kollektiv momentan am naheliegendsten ist, was zu sagen ist von den Akteuren, was zu beschreiben ist an Szenerie und Umstände, was zu "malen" ist. Weil eins muss man sagen: Emmerich trifft den Nerv der Zeit. Das hebt auch für mich, dass er also Zeitthemen aufgreift, ein bisschen sein Niveau. Aber es macht noch keinen Film, den Nerv der Zeit nur zu treffen. Manchmal bastelt er sich Vorstellungen zurecht, die gehen meiner Meinung nach bei 10.000 BC doch ziemlich strapazierend auf die Vorstellungskraft (verschiedene Afrikastämme schliessen sich mit Jägern aus der Steinzeit zusammen, um gegen einen ägyptischen Pyramidenanführer zu kämpfen). Er verwendet auch viele Theorien aus der Schmuddelecke der Mythologie (wo auch das Thema der "Befruchtung der Erde aus dem All" oder "...durch Ausserirdische" thematisiert wird). Das sind halt Theorien, die nicht viel besser sind als Verschwörungstheorien, sobald man Stämme und Mythologien alter Völker damit verbindet (so in etwa wohl, dass Ägypten von einer ausserirdischen , vielleicht noch der Sklaverei zuneigenden Rasse geschaffen wurde). Wenn man sich derer im Film bedient, darf man nicht Emmerich heissen. Ich weiss nicht, es scheint an seinen Auffassungen zu liegen, dass solche Ideen dann regelmässig wie eine (billige, weil geistlose) Seifenoper wirken.
Es wird bei Emmerich immer völlig phantastisch oder es drängt zu meinen, er ist der bessere Verkäufer als Geschichtenerzähler.
Emmerich, der deutsche Spielberg, bedient sich den herausgegriffenen und natürlich genial gewählten Szenarien und Plots manchmal auf eine ungeschickte und tollpatschige Weise, selbst noch bei dem etwas besseren Stargate, das aber ein schlechtes Drehbuch hatte! Die Nachfolgeserienstaffeln waren viel besser als der Pilotfilm von Emmerich, aber jedenfalls: Regie kann er wohl gut. Also bei Emmerich weiss man nie, sie sind meist nicht sonderlich gut, irgendwo ist ein Wurm drin, zuviele Wurmstiche. Aber man will alle Emmerich Filme auch mal gesehen haben.
Als Literaturverfilmung: Gottes Werk und Teufels Beitrag, der vielleicht beste Michael Caine.
Idioten, Das Fest (beide sind übrigens zudem strikte Dogma 95 Filme).
Die Stadt der Blinden, Open Hearts, Das süße Jenseits, Cookie´s Fortune (Robert Altman). Antichrist.
Alexander, Natural Born Killers, Nixon (alle drei Oliver Stone).
Matrix (bes. I.), Dune, Lost Highway, Fight Club, Sunshine. No country for old men, 1984, Retroactive, Impostor, Déjà Vue.
Und vielleicht 88 Minutes trotz seiner Schwächen zumindest sehenswert.