Mythologie zu Vesta

Vesta ist der römische Name für die griechische Hestia.

Anders als die griechische Hestia hat die römische Vesta keinen Platz im Einzelhaus der Menschen, wo sie bei den Griechen als Gottheit bzw. Statue (Idol usw.) gehuldigt wird, sonst sind sie völlig identisch.

Die römische Vesta befindet sich in einem eigens eingerichteten und geweihtem (runden) Tempel, unter der Obhut des "Pontifex Maximus". Nur Vestalinnen, die jungfräulichen Priesterinnen der Vesta haben Zutritt zu diesem Ort. Bei den Römern wurde der häusliche Herdkult auf den Staatskult übertragen, so musste stets eine Flamme der Vesta im Tempel brennen; erlösche sie, galt das als böses Omen und die verantwortlichen Priesterin(nen) mit dem Tode bestraft.

Hestia war Kind des Kronos und der Titanin Rhea. Hestia nahm als einzige der olympischen Göttinnen niemals an Kriegen teil oder hatte ihre Hand bei Streitigkeiten im Spiel. Sie widerstand auch dem Liebeswerben der anderen Götter, Titanen oder anderer. Nachdem Kronos enthront war, stritten sich Poseidon (Neptun) und Apollon um sie. Da schwor sie beim Zeus, dass sie ewig eine Jungfrau bleibe. Da sie so bestrebt war, den Frieden auf dem Olymp zu sichern, belohnte sie Zeus mit jeder ersten Gabe öffentlicher Opferfeiern. Es galt als sitttsam, bei jedem Trunk anfangs und ende süßen Wein ihr zu opfern. Hestia war die Göttin des Herdes, dem natürlichen Mittelpunkt des Familienkultes. Im Zentrum des griechischen Lebens stand der häusliche Herd, das Feuer als Quelle von Wärme und Mahl. Das Feuer der Vesta wurde im Gegensatz zum Feuer des Vulcanus als freundlich angesehen. Aber es wird auch erwähnt, dass man (die römische) Vesta zugleich für das Feuer und für die Erde hält. Die Römer hätten auch deswegen in die Mitte ihres Tempels das Feuer gesetzt, weil diese Mitte den Erdmittelpunkt symbolisierte.

Der Herd war auch Opferaltar. Feuer und Leben wurde gewöhnlich gleichgesetzt. Ohne Feuer gäbe es weder Opfer noch religiösen Kult. Das gibt ihr offenbar im Kult den Rang der mächtigsten unter den Göttern. (Hans K. & Susanne Lücke; Antike Mythologie; rowohlts Enzyklopädie 1999; S. 478f) Ferner heisst es nach Ovid (ebd. S. 479): "Vesta und die Erde sind dasselbe: Unter ihnen beiden ist das wachsame Feuer. Erde und Herd bezeichnen ihren Sitz. Einem Ball ähnlich ist die Erde, keiner Stütze verbunden ruht ihr so schweres Gewicht in der Luft". So würde der Tempel der Vesta zum Bild der Erdkugel. Er birgt in sich kein Kultbild der Göttin sondern einzig unauslöschliches Feuer. Die Vesta sei darin zu erkennen, einzig als lebendige Flamme. Aus der Flamme geborene Leiber gebe es nicht. In diesem Sinne sei Vesta rechtens Jungfrau, welche weder Samen gibt noch empfängt. Ovid: "Wir schauen die Göttin offenbar in der Flamme an".

Etymologisch klingt lat. vestire an: kleiden. Isidor: "Vesta heiße sie, weil sie in Pflanzen und vielerlei andere Dinge gekleidet sei oder weil sie aus eigener Kraft steht." Ovid leitet den Namen von dem Vermögen der Erde ab, aus eigener Kraft zu stehen. Aus diesem werde auf das Element Erde geschlossen. Während alle anderen Elemente sich ohne Zutun von Außen bewegen, stehe die Erde (Element) aus eigener Kraft stille.

April 2007
Stefan Arens