Schöpfungsmythen der griechischen Antike

Die Himmelsrichtungen und die Unterwelt

Ursprüngliche Anschauungen bezogen sich auf die naturnahe Archetypik der Himmelsrichtungen und besagen, dass man im Osten der aufgehenden Sonne allgemein das Licht lokalisierte.

Der Osten ist der Ort, wo der Himmel die Erde berührt und die Sonne ihren Aufstieg jeden Tag erneut beginnt.
Der Westen dagegen ist das Land der Dunkelheit, dort auch vermutet man die Grenze der Erde. Fern im Westen geht die Sonne unter. Im Land der Dunkelheit befand sich auch (in Homers Odyssee) der Eingang zum Hades, "eine tiefe Spalte im Gestein".

Ungeheuer werden oft an den äussersten Bereich, an die Grenzen der Erde gesetzt.
Die Erde war eine runde Scheibe. Die Welt wurde vom Ozean umflossen, vom Himmel überwölbt und von der Unterwelt getragen.

Es gibt dort im fernen westlichen Dunkeln bzw. in der Unterwelt einen Ort, welcher der Persephone geheiligt ist. Dort stehen Pappeln und Weiden, anscheinend ausserhalb des (unterirdischen) Hauses des Hades. In der Nähe des Hades als Reich befindet sich das Tor der sinkenden Sonne und das Land der Träume. In dieser Gegend steht ein Markstein, wo sich zwei große Flüsse treffen, anscheinend ein Fluß aus dem Hades, und der Okeanos, der die ganze Welt umfliesst. Der Hades selbst hat noch mehrere Nebenflüße.

Geht man an den beiden Flüßen vorbei, kommt man zur Asphodeloswiese, wo die Abgeschiedenen wohnen. Große und kleine Menschen, die ein fühlloses und farbloses Leben führen. Beschäftigungen ihres einstigen Lebens fortführend, mechanisch und ewig wiederholend. Diese Geister sind "bloße Schemen der Lebenden", Phantome entkräfteter Menschen, denen die eigentlichen Vorraussetzungen eines wirklich kraftvollen Lebens fehlen. Anscheinend fehlt ihnen die "Blutseele" und so etwas wie ein "Zwerchfell". Übrig geblieben ist nur noch die "Atemseele", die weil fast körperlos, nur ein armseliges Ding ist.

Es gibt einen Fluß der Erinnerung, aus dem manche eingeweihte Seelen trinken, was ihnen einen gewissen Vorrang vor ihren Leidensgenossen verschaftt, die nur aus dem Fluß der Lethe trinken. Manche werden von Blut angelockt, weil sie so einen kurzen Moment sich wieder lebendig fühlen, so lockt Odysseus die Schatten der Verstorbenen bei Homer mit Blut eines Tieres an, das er in eine kleine Furche schüttet, nachdem er am Hades angekommen ist.

Nicht alle Tote jedoch kommen an diesen traurigen Ort. Einige wenige aber hochbegünstigte Seelen werden mit Körper und Seele zugleich nach Elysion entrückt, eine Art Paradies. Andere Seelen kommen in den Tartaros, den finsteren Ort (gewöhnlich einfach Hades genannt). Waren sie weder gut noch böse, verbleiben sie auf der Asphodeloswiese.

Das Elysion wird von Rhadamantus allein oder zusammen mit Kronos beherrscht und von den Griechen mit der Insel der Seligen gleichgesetzt. Hier ist alles vollkommene Glückseligkeit, die wohl sinnlich, aber nicht grob sinnlich aufgefaßt wird (nach Herbert J. Rose). Pindar: "Dort liegen vor ihrer Stadt Wiesen mit purpurnen Rosen, beschattet von Weihrauchbäumen und schwer beladen mit goldenen Früchten. Einige freuen sich an Rossen und am Ringkampf, andere am Brettspiel, wieder andere an der Leier, und jede Art von Glück blüht bei ihnen in segensreicher Fülle. Von den Altären der Götter breitet sich Wohlgeruch aus, auf das sie Räucherwerk aller Arten im weitleuchtenden Feuer zu mischen pflegen. Durch ihrer Hände Kraft stören sie die Erde nicht noch das Wasser des Meeres, um das nackte Leben zu gewinnen.

Manchmal wird das Elysion nicht als getrennter Ort zum Hades beschrieben (Arisrtophanes und Vergil zB), sondern als Teil einer Unterwelt aufgefasst.
Wie dem auch sei, ist dieser Ort genauso wie auch der Hades durch einen (unterirdischen) Fluß von der Welt der Lebenden getrennt.
Einen Eintritt ins Elysion erhält man nur durch die Gunst der Götter, bzw. durch ein anständiges Leben.

Der Ort der Strafe für die Bösen ist dem Elysion ganz entgegengesetzt und wird Tartaros genannt. Der Eintritt zum Tartaros ist durch schwarze Pappeln am Ufer des Stromes Okeanos bepflanzt. Es war lange Zeit Brauch, den Toten Münzen auf die Augen oder eine Münze auf die Zunge zu legen, damit sie Charon, den Geizigen bezahlen konnten, der sie dann über den Styx (der Unterweltsfluß) führt. Geldlose Geister müssen ewig an dem diesseitigen Flußufer warten, wenn es ihnen nicht gelingt ihren Führer Hermes zu entfliehen und durch einen Hintereingang einzuschleichen. Kerberos, der dreiköpfige (oder fünfzigköpfige) Höllenhund bewacht das andere Ufer des Styx, damit es weder einem Geist gelinge zu entfliehen, noch dass ein lebender Eindringling sich Zutritt verschaffe

Für die Vollstreckung von Urteilen oder der Verhängung von Bestrafung und Sühne im Hades werden Rhadamantus, Minos und Aiakos genannt. Diese sind auch zuständig für die Verteilung der Seelen oder Sterblichen zu den drei Bezirken Tartaros, Elysion und Asphodelos-Wiese. Während Rhadamantus auch schon als Herr für das Elysion genannt wurde. Diese Verschiedenheiten werden durch verschiedene Versionen des Mythos von den verschiedenen Dichtern hervorgerufen, es kann aber auch so verstanden werden, dass Rhadamantus eine Doppelrolle zukommt. Hades und Persephone urteilen nur selten über die Toten.

Die Beschreibung des Hades bzw. sein weiter in der Tiefe liegender Bereich des Tartaros, ferner das paradiesische Elysion und die Wiese Asphodeles, werden in unterschiedlichen Mythen der Dichter unterschiedlich beschrieben. Die Bezeichnung Hades kann für alle diese Bereiche gelten oder auch streng genommen nur für den Tartaros. Teilweise vermengt sich das eine mit dem anderen. Wahrscheinlich gab es eine Art Ur-Mythos, an dem angeknüpft wurde. In der dreiteiligen Art entdecken wir selbst Ähnlichkeit mit der christlichen Vorstellung einer Hölle, eines Fegefeuers und eines Himmels. Doch fehlt dem griechischen Mythos eine eindeutige moralische Verurteilung. Und auch der Begriff des Karmas war den Griechen fremd, obwohl auch dies einige Analogien mit der indischen Religion erlaubt.

Sowohl Tartaros als auch Hades sind einerseits ein Ort und andererseits ein mythologisches Wesen.

Oft taucht in den Schöpfungsmythen der Begriff Chaos auf. Nach philologischer Auffassung bedeutete im ursprünglichen Sinne Chaos soviel wie "gähnende Leere", und nicht so sehr eine Art anfängliches Durcheinander. Es ist eine rohe und ungeordnete Masse, nichts als unbewegliches Gewicht, übereinandergeworfen und ohne Beziehung zueinander, aber durch diesen Brei zieht sich als wesentlichste Eigenschaft die gähnende Leere.

Manchmal taucht die Bezeichnung Ge auf. Die Ge ist die reine Erdgöttin, gleich Gaea.


Pelasgischer Schöpfungsmythos

(auf der Basis der Zusammenstellung von Ranke-Graves)

Am Anfang war Eurynome, die Göttin aller Dinge. Nackt erhob sie sich aus dem Chaos. Aber sie fand nichts Festes, worauf sie ihre Füße setzen konnte. Sie trennte daher das Meer vom Himmel und tanzte einsam auf seinen Wellen. Sie tanzte gen Süden; und der Wind, der sich hinter ihr erhob, schien etwas Neues und Eigenes zu sein, mit dem das Werk der Schöpfung beginnen konnte. Sie wandte sich um und erfasste diesen Nordwind und rieb ihn zwischen ihren Händen. Und, siehe da! es war Ophion, die große Schlange. Eurynome tanzte, um sich zu erwärmen, wild und immer wilder, bis Ophion, lüstern geworden, sich um ihre göttlichen Glieder schlang und sich mit ihr paarte. So ward Eurynome vom Nordwind, der auch Boreas genannt wird, schwanger. Dies ist der Grund, warum Stuten oft ihr Hinterteil dem Winde entgegenhalten und trächtig werden ohne Hilfe eines Hengstes.
Dann nahm Eurynome die Gestalt einer Taube an, ließ sich auf den Wellen nieder und legte zu ihrer Zeit das Weltei. Auf ihr Geheiß wand sich Ophion siebenmal um das Ei, bis es ausgebrütet war und aufsprang. Aus ihm fielen all die Dinge, die da sind. Sonne, Mond, die Planeten, Sterne, die Erde mit ihren Bergen und Flüssen, ihren Bäumen, Kräutern und lebenden Wesen.
Eurynome und Ophion schlugen ihr Heim auf dem Berge Olympos auf. Hier rief er ihren Unwillen hervor, weil er behauptete, der Schöpfer der Welt zu sein. In ihrem Zorn trat sie ihm mit der Ferse auf den Kopf, schlug ihm dabei die Zähne aus und verbannte ihn in die dunklen Höhlen unter der Erde.
Die nächste Tat der Göttin war die Erschaffung der sieben Planeten. Über jeden setzte sie eine Titanin und einen Titanen. Theia und Hyperion über die Sonne; Phoibe und Atlas über den Mond; Dione und Krios über den Planeten Mars; Metis und Koios über den Planeten Merkur; Themis und Eurymedon über den Planeten Jupiter; Tethys und Okeanos über den Planeten Venus; Rhea und Kronos über den Planeten Saturn.
Aber der erste Mensch war Pelasgos, Ahnherr der Pelasger, er entsprang dem Boden Arkadiens, gefolgt von anderen, die er lehrte, Hütten zu bauen und Eicheln zu essen. Die Kleidung nähten sie aus Schweinshäuten, wie sie noch heute arme Leute in Euboia und Phokis tragen.

Nach: Robert Ranke-Graves. Von ihm nach diversen antiken Autoren wie Pausanias, Plinius, Homer, Apollonios Rhodos, Tzetses, Apollodoros etc. zusammengestellt; S.22-23.

Eurynome bedeutet dem Worte nach so viel wie "weites Wandern"

Als Göttin wurde Eurynome halb als Jungfrau, und halb als Fisch dargestellt. Sie ist Herrin über die Fische und steht für Speisen aus dem Meer. Eurynome tritt als Gattin des Ophion auf, und beherrschte in dieser Variante des Mythos vor Kronos die Welt.


Die Bedeutung der sieben Planeten als planetare Mächte bedeuteten (erforscht von Ranke-Graves):

Sonne = Licht
Mond = Verzauberung
Mars = Wachstum
Jupiter = Gesetz
Merkur = Weisheit
Saturn = Frieden
Venus = Liebe

Schöpfungsmythos

(basierend auf einer Zusammenstellung  von Ranke-Graves)

Manche sagen, daß zuerst Dunkelheit war und daß Chaos der Dunkelheit entsprang. Aus der Paarung von Dunkelheit und Chaos entsprangen die Nacht, der Tag, Erebos und die Luft.

Aus der Paarung der Nacht mit Erebos entstanden Verderben, Alter, Tod, Mord, Entsagung, Schlaf, Träume, Zwietracht, Elend, Ärger, Nemesis, Freude, Freundschaft, Mitleid, die drei Schicksalsgöttinnen und die drei Hesperiden.

Aus der Paarung von Luft und Tag entstanden die Mutter Erde, der Himmel und das Meer.

Aus der Paarung zwischen Luft und Mutter Erde entstanden Schreck, Handwerk, Zorn, Hader, Lügen, Rache, Maßlosigkeit, Streit, Vertrag, Vergessen, Furcht, Stolz, Schlacht; auch Okeanos, Metis und die anderen Titanen, Tartaros und die Erinyen (Furien).

Aus der Paarung von Erde und Tartaros entstanden die Riesen.

Aus der Paarung des Meeres und seiner Flüsse entstanden die Nereiden.

Aber noch gab es keine sterblichen Menschen. Da formte sie Prometheus, Sohn des Iapetos, mit der Zustimmung der Göttin Athene, den Göttern ähnlich. Er verwendete Lehm und Wasser aus Panapeus in Phokis, und Athene atmete Leben in sie.

Andere wiederum sagen, daß der Gott der Dinge - wer immer er auch gewesen sein mag, manche nennen ihn Natur - plötzlich im Chaos erschien und die Erde vom Himmel, das Wasser von der Erde und die obere Luft von der unteren Luft trennte. Nachdem er die Elemente entwirrt hatte, gab er ihnen die noch heute gültige Ordnung. Er teilte die Erde in Zonen, von denen manche sehr heiß, manche sehr kalt und andere eher gemäßigt waren. Und er formte Ebenen und Berge und bekleidete sie mit Gras und Bäumen. Darüber setzte er die Wölbung des Firmamentes, besät mit glitzernden Sternen. Den vier Winden wies er ihre Posten zu. Er bevölkerte die Gewässer mit Fischen, die Erde mit Tieren, und den Himmel füllte er mit der Sonne, dem Mond und den fünf Planeten. Und zuletzt erschuf er den Menschen - der allein unter allen Lebewesen sein Antlitz zum Himmel erhebt und die Sonne, den Mond und die Sterne beobachtet -, falls es nicht doch wahr ist, daß Prometheus, Sohn des Iapetos, des Menschen Körper aus Wasser und Lehm formte und daß wandernde göttliche Elemente, die aus der Zeit der ersten Schöpfung stammten, die Seele beisteuerten.

Nach: Robert Ranke-Graves;  von ihm nach Hesiod, Hyginus, Apollodoros, Lukian, Pausanias und Ovid zusammengestellt; S.27-28.

Der Kampf der Titanen

Die Titanen sind es, die der Welt das Licht spenden. Gott schied zuvor den Himmel von der Erde, und von der Erde das Wasser und den klaren Himmel trennte er von der dunstigen Luft. 
Die feurige und schwerelose Kraft des Himmelsgewölbes leuchtete auf und nahm ihren Platz ganz oben ein. Ihr am nächsten, was die Leichtigkeit und den Ort betrifft, kam die Luft; dichter als diese war die Erde. Sobald Gott die Masse so geordnet und getrennt hatte, und in Gliedern gezwungen hatte, ballte er die Erde zur Kugel. (nach Ovid).

Die Welt als Scheibe

Die Ansicht der Erde als Kugel kam mit der Zeit erst noch auf. Die frühen Griechen stellten sich die Erde als ovale Scheibe vor, die auf dem Okeanos schwamm. 

Mittelpunkt war für die Griechen Delphi, der Ort des berühmten Orakels (Apollo geweiht). Dazu kam der Olymp, der Himmel, als Sitz der Götter. Und die Unterwelt als Ort der Verstorbenen. 

Die frühen Griechen stellten sich eine Stütze vor, die die Erde so hält, wie sie ihren Ort einnimmt (Atlas trägt das Himmelsgewölbe).

Die Götter als Teil des Himmels (Äther)

Die Götter bewegen sich wie in einem Traum durch den Raum, sie fliegen oder gleiten vom Olymp herab oder wandern am Himmelsbogen entlang (Helios), und werden von Pferden gezogen.

Schnelle Bewegung war am Boden nur mit Pferden denkbar, also ist es naheliegend diese Bewegungsart auf die Götter zu übertragen und ihnen die Pferde beizugesellen.
An anderen Stellen des Mythos haben sie einfach irgendwelche kleineren Vorrichtungen, Flügel an den Füßen etwa, die ihnen das Fliegen ermöglichen.

Die fünf Zeitalter I.

(von mir zusammengestellt nach diversen Sekundär-Quellen)

Das goldene Zeitalter war eines, in dem Alalkomeneus der erste Mensch war. Nicht Prometheus, noch ein anderer half bei ihrer Entstehung, sondern sie entsprangen einfach der Erde.

Der erste Mensch (Alalkomeneus) trat auf, noch bevor es den Mond gab und er war der Ratgeber von Zeus, als dieser mit Hera stritt, und der Erzieher der Athene, als diese noch ein Mädchen war. 

Diese Menschen waren die sogenannte goldene Rasse, Untertanen des Kronos. Sie lebten ohne Sorge und Arbeit, aßen nur Eicheln, wilde Früchte und Honig, der von den Bäumen tropfte und tranken die Milch der Schafe und Ziegen. Alle Dinge besaßen sie gemeinsam und wohnten sicher inmitten eines großen Überflusses von Erzeugnissen jeder Art, welches die Erde von selbst hervorbrachte. "Saturnia regna", es stand unter der Herrschaft von Kronos. Sie alterten nie und tanzten und lachten viel; für sie war der Tod ebensowenig ein Schrecken wie der Schlaf. Sie alle sind nicht mehr. Aber ihre Seelen überlebten als Geister glücklicher, ländlicher Zufluchtsorte, und als Spender von Glück und als Hüter der Gerechtigkeit.

Die nächsten Rassen unterschieden sich dann zunehmend, bis auf das heroische Zeitalter, und sind minderwertiger von dieser goldenen Rasse.

Das silberne Zeitalter, so Hesiod, war das nächste nach dem goldenen Zeitalter. Die Menschen dieser Zeit brauchten 100 Jahre um erwachsen zu werden. Die Männer waren ihren Müttern gänzlich untertan. Die Menschen ernährten sich von Brot. Sie zeigten sich ungerecht, streitsüchtig, gottlos, denn sie opferten den Göttern niemals. Jedenfalls bekämpften sie sich untereinander nicht.
Zeus vernichtete sie schliesslich. Auch dieses Zeitalter war eine Schöpfung der Götter.

Dann brach das Bronzezeitalter an. Alles war aus Bronze, sogar die Häuser. Diese Rasse fiel wie Früchte von den Eschen. Sie aßen sowohl Fleisch wie auch Brot.  Sie waren dreist und mitleidslos. Die Menschen waren heftig. Sie fanden Freude am Krieg und vernichteten einander und gingen so endgültig zugrunde, während die der früheren Zeitalter nach ihrem Tode zu Dämonen wurden. Der schwarze Tod raffte sie alle hinweg.

Als nächstes folgte das heroische Zeitalter, das wieder besser war, die Zeit des thebanischen und trojanischen Krieges. Dieses Zeitalter war ebenfalls bronzen, aber edler und großzügiger als das vorherige. Denn die Menschen waren von den Göttern mit sterblichen Müttern gezeugt. Sie sind Heroen und bewohnen die Elysischen Gefilde.

Schliesslich kam das jetzige, das eiserne Zeitalter.
Das taugt gar nichts. Es wird noch schlechter werden. Die Menschen dieser Rasse sind wertlose Abkömmlinge der vierten Rasse, entartet, grausam, ungerecht, böse, unzüchtig, ohne Achtung vor den Eltern und sich selbst. Sie sind auch verräterisch.

Die fünf Zeitalter II.

(von mir zusammengestellt, ausschliesslich nach Ovid)

Am Anfang war das Chaos, irgendeine Gottheit schuf Erde, Himmel, Meer und alle Dinge. Ganz zuletzt wurde der Mensch durch Prometheus erschaffen, indem er aus feuchten Ton den Menschen nach Ebenbild der ewigen Götter schuf.

Das älteste Geschlecht der Menschen war aus eigenem Antrieb gut: es brauchte keine Gesetze oder Richter, keine Mauern vor den Städten oder Häusern, keine Waffen und keine Schilde. In Ruhe und Frieden gab es einen ewigen Frühling, durch die Ströme von Honig und Milch floßen. Unbestellt brachte die Erde die reichen Ernten und Früchte hervor, nichts trübte dieses Menschengeschlecht. Darum nannte man es das goldene Zeitalter.

Als aber Jupiter seinen Vater Saturn entthront und in die unterste Unterwelt verbannte, machte er dem ewigen Frühling ein Ende und liess ihm den Jahreslauf Sommer, Herbst und Winter folgen. Darum mussten sich die Menschen Behausungen schaffen oder lebten in Höhlen und sie mussten das Feld der Demeter bestellen. Sie spannten Stiere in den Joch und wußten nun, was harte Arbeit ist. Das war das silberne Zeitalter.

Nun begannen die Menschen sich zu bewaffnen, das eherne Zeitalter (Bronzezeitalter) brach an. Wilden und derben Sinnes waren sie den schrecklichen Waffen geneigter, aber noch nicht so verbrecherisch wie das nachfolgende eiserne Geschlecht.

Die Menschen des eisernen Zeitalters gingen nun Wege, die noch nicht gegangen wurden, sie nahmen der Erde ihre Frucht an Bodenschätzen, sie setzten die Segel, nahmen sich was andere horteten oder besaßen, hier kam Gewalttat, Habgier und Hinterlist in die Welt und im Krieg stießen die Schwerter klirrend aufeinander. Selten sind die Brüder in Eintracht und der Mann kommt so weit die Frau zu töten, wie die Frau dies auch zum Manne wünscht. Lange bevor der Vater sein Alter erreicht, hoffen die Jüngeren ihm schon im Grab. Schamlos und von bösen Gelüsten getrieben hintergehen diese Menschen die Wahrheit. Lebensbedarf gibt Raub.

Da nun nur noch die Höhe des Äthers, der Olymp sicher wurde, trachteten die vond er Erde geborenen Giganten hinauf und türmten Berge um zu zu den Sternen zu greifen, da schlug sie der allmächtige Vater hernieder. Aus dem Blute ihres Leibes wurde die Erde geschwängert und ein nächstes Menschengeschlecht geboren, das die Götter verachtete und von unstillbarer Mordlust erfüllt war. Da rief Zeus die Götter zur Versammlung:

"Mehr nicht hab' ich gezagt für die Weltherrschaft im Gemüte
Dazumal, wie die Brut der Schlangenfüßler die hundert
Arme geregt und gehofft, den eroberten Himmel zu greifen.

(gemeint sind die Giganten)

Denn, wie grimmig der Feind auch war, doch ruhte auf einem
Haufen allein und einem Geschlecht die erhobene Fehde.
Jetzo muss ich, soweit rings Nereus rauscht um den Erdkreis,
Weihn dem Verderb das Menschengeschlecht. Bei den Fluten der Tiefe
Schwör ich, die unter der Erd' hingleiten im stygischen Haine.

(Nereus ist ein Meeresgott; im stygischen Hain: gemeint ist der Unterweltsfluß Styx, bei dem ein Schwur unabwendbar Folge zu leisten ist)

Erst sei alles versucht, doch die nimmer zu heilende Wunde
Muss ausschneiden der Stahl, dass nicht das Gesunde verderbe.
Hab' ich doch auch Halbgötter und ländliche Mächte, die Nymphen,
Faune und Satyrvolk und Silvane, die Bergbewohner:
Diese, von uns noch nicht zu der Ehre des Himmels erhoben,
Sollten zum wenigsten frei die beschiedene Erde bewohnen.
Glaubt ihr aber genug, ihr Himmlischen, jene gesichert,
Da mir, der ja den Blitz, der euch stark hält in den Händen,
Lauernde Fallen gestellt der berüchtigte rohe Lykaon?"

(Lykaon war ein grausamer Vater von noch grausameren 50 Söhnen und bewirtete einst Zeus mit dem Fleisch eines geschlachteten Kindes, wofür Zeus ihn in einen Wolf verwandelte und alle seine Söhne bis auf den jüngsten mit dem Blitz erschlug.)

Wie diesen Lykaon will Zeus nun die Menschheit vernichten und entschloß sich zunächst zu einem Weltenbrand, befürchtet jedoch dass auch der Äther Feuer fängt und so beschliesst er durch eine Flut und Platzregen, dass die Erde versinken sollte.

Nur Deukalion und seine treue Frau Pyrrha überlebten die Katastrophe.
Deukalion ist Sohn des Prometheus und Pyrrha Tochter des Epimetheus.
Ihr Kahn strandete am Parnass, nicht weit vom Orakel zu Delphi.
Als Jupiter sah, dass bis auf diese beiden die Menschheit vernichtet war, befahl er Poseidon und alle anderen Kräfte,
dass das Wasser sinken möge.

Deukalion und Pyrrha fühlten sich entsetzlich einsam in der Öde und kamen auf die Idee,das Orakel zu befragen.
Themis gerührt, erteilte den Spruch: 

"Weg gehet vom Tempel,
Hüllt euch beide das Haupt und löst die gegürteten Kleider,
Und so werft das Gebein der großen Erzeugerin rückwärts.
"

Dunkel waren die Worte und sie verstanden es erst nicht.
Deukalion wagt:

"Mich trügt entweder die Einsicht,
Oder der Spruch ist gerecht und rät kein sträflich Beginnen.
Zeugerin nennt er die Erd', und im Leibe der Erde die Steine,
Denk ich, sind das Gebein: die sollen wir hinter uns werfen.
"

Themis freute sich, sie waren auf dem rechten Weg,
doch die beiden zweifelten noch am Gebot der Götter.
Sie gehn nun weg, und hüllen das Haupt und entgürten die Kleider;
Hinter sich werfen sie dann auf den Weg die geheißenen Steine.
Daraus wuchsen Gebilde mit Menschengestalt,
gleich wie aus glatt behauenem Marmor,
Nicht vollendet genug und ganz wie rohe Gebilde.

Was an den Steinen jedoch feucht durchdrungen von Säften war
und was erdiger Stoff, das ward zum fleischigen Leibe;
Aber was unbeugsam und fest, geht über in Knochen,
Und was Ader zuvor, das bleibt mit dem selbigen Namen.
Kurz nur währte die Frist, da gewann durch göttliche Fügung.
Alles Gestein, das der Mann entsendete, männliches Antlitz,
Während vom weiblichen Wurf ein Weib neu trat in das Leben.
Davon sind wir ein hartes Geschlecht, ausharrend in Mühsal,
Und wir geben Beweis, woher wir genommen den Ursprung.
Drauf von sich selber gebar die Erde die andern Geschöpfe.

Nach: Robert Ranke-Graves, von ihm nach Hesiod, Platon, Eusebius und Hippolytus;  S.29.
Herbert J. Rose, ebenso nach Hesiod; S.39.
Gerhard Fink, nach Ovid; S.27-30.
Ovid selbst, Metamorphosen, übersetzt von R. Suchier.

Der olympische Schöpfungsmythos

(basierend auf der Zusammenstellung von Ranke-Graves)

Am Anfang aller Dinge tauchte Mutter Erde aus dem Chaos auf, und gebar im Schlafe ihren Sohn Uranos.
Er blickte von den Bergen liebevoll auf sie herab und sprühte fruchtbaren Regen über die geheimen Öffnungen ihres Leibes. Da gebar sie Gras, die Blumen und die Bäume und auch die Tiere und Vögel, die dazu gehörten.
Der gleiche Regen brachte die Flüße zum Fließen und füllte die Tiefen, so daß Seen und Meere entstanden.

Ihre ersten Kinder, die hundertarmigen Riesen Briareos, Gyges und Kottos, waren von halbmenschlicher Gestalt.
Nach ihnen kamen die drei wilden, einäugigen Kyklopen Brontes, Steropes und Arges, Meisterschmiede und Erbauer gigantischer Mauern.

Erst waren sie in Thrakien ansässig; später zogen sie nach Kreta und Lykien. Odysseus traf ihre Söhne auf Sizilien. Die Kinder aber wurde von Apollon aus Rache für den Tod Asklepios` getötet und ihre Geister in die Höhlen des Vulkans Ätna verbannt.

Nach: Robert Ranke-Graves, von ihm nach Appolodoros, Euripides,
Chrysippos, Lucretius, Homer zusammengestellt;  S.26.

Der Kampf der Olympier gegen die Titanen und Giganten

(von mir zusammengestellt)

Von diversen Dichtern stammen mehrere Versionen. Im Grunde kristallisiert sich folgende Geschichte heraus:

Zuerst gebar Gaea die Titanen, das sind Naturgewalten , die wild miteinander ringen in der Urzeit. Uranus verbannte wegen ihres entsetzlichen Aussehens seine Kinder, die Hekatoncheiren und die Kyklopen, in die Schluchten der Erde (Gaea). Gaea schmerzte dies, und sie erzürnte sich. So gebot sie den Titanen, die sie ja geschaffen hatte, sich gegen den Vater Uranus aufzulehnen. So wurden die Titanen, 22 an der Zahl also aus der Erde nach oben gesandt. Nur Okeanos nahm nicht an der Verschwörung teil.

Kronos (Saturn) nahm die Sichel, die ihm Gaea reichte und entmannte Uranus. Kronos (Saturn) wurde als Herrscher eingesetzt. Aber er verstieß sogleich die meisten der übrigen Titanen - seine Brüder - wieder in den Abgrund der Erde, den Tartaros, und die Hekatoncheiren wurden zu ihren Wächtern bestellt. Mit Rhea zeugte Kronos das gesamte Göttergeschlecht: Hades (Pluto), Demeter (Ceres), Hestia (Vesta), Poseidon (Neptun), Hera (Juno) und Zeus (Jupiter).
Kronos wusste aus einer Prophezeiung, dass eines seiner Knder sich gegen ihn erheben und vom Throne stossen würde, so verschlang er alle seine Kinder, Rhea wusste nur Zeus, als letzten, den er verchlingen wollte, zu retten. Statt ihm Zeus zu geben, gab sie ihm einen Stein. Zeus wurde an einem sicheren Ort gebracht und wuchs schnell heran. Durch Methis (Klugheit) erhielt er ein Brechmittel, das er dem Kronos gab. Daraufhin kamen die verschlungenen Kinder wieder hervor, auch der Stein. Mit ihnen verbündete sich Zeus um Kronos erfolgreich zu stürzen. 

Doch nun kamen die Titanen wieder ins Spiel, die diese Herrschaft der neuen Olympier nicht dulden wollten. Ein zehnjähriger Krieg entbrannte und Zeus befreite, um zum Sieg zu gelangen, die Kyklopen und Hekatoncheiren aus dem Tartaros. Die unsterblichen Titanen wurden dann im Abgrund der Erde gefangen gesetzt oder von schweren Bergen auf ihnen an ihrer Freiheit gehindert.

Nach dem Sieg der Olympier über die Titanen wurden die drei zu verteilenden Herrschafts-Reiche folgendermaßen nach Los-Entscheid aufgeteilt.

Zeus erhielt den Himmel.
Poseidon erhielt das Meer.
Hades erhielt die Unterwelt.

Einzig den Olymp und die Erde behielten sie gemeinsam.

Nun gebar Gaea die Giganten, die sich gegen die Olympier auflehnten. Die Giganten sind von anmaßender Natur und von aussergewöhnlicher Größe. Ihre Augen blicken furchterregend und ihre Beine sind mit Schuppen besetzten Schlangen gleich. Hundert Arme haben sie.
Mit Hilfe des Herkules, als einziger Mensch, von einem Orakel aber als notwendig für diesen Kampf erachtet, trugen die Olympier und Giganten einen grossen Kampf aus, die Gigantomachie. Es gewannen erneut die Olympier gegen die Aufständischen der Erde.

Dann, als die Giganten besiegt waren wie einst die Titanen, gebar Gaea mit Tartaros den Typhon, der sich ebenso wie die Titanen und die Giganten gegen die Olympier auflehnte. Typhon hat hundert Drachenköpfe und einen furchtbar funkelnden Blick. Typhons Laute waren ein Gemisch aus allen bekannten Sprachen, mal die Sprache der Götter, dann ein Brummen eines Bärs oder das Gekicher der Vögel, bald das Rasseln und Fauchen einer Schlange. Er zeugt alle schädlichen Winde, und kam immer näher dem Olymp, um die Macht an sich zu reissen.
Alle Götter versteckten sich in Tiere verwandelt in Ägypten:
Zeus als Widder (Amon), Hermes als Ibis (Thot), Hera als Kuh (Isis), Dionysos als Ziege, Apoll als Krähe, Artemis als Katze (Path) und Aphrodite als Fisch. Einzig Pallas Athene verwandelte sich nicht und stellte sich kühn dem Typhon, doch sie konnte mir ihrer Klugheit gegen so eine dumpfe Idiotie des Typhon nichts ausrichten, jedoch kamen nun wieder die anderen Götter wagemutig hervor, aber Zeus wurde von Typhon schlussendlich besiegt. Zeus aber war unsterblich. Typhon konnte jedoch , anstatt ihn zu töten, die Sehnen des Zeus erobern. Er versteckte Zeus und die Sehnen in seiner Höhle, und liess sie durch einen schrecklichen Drachen namens Delphyne bewachen. Delphyne war die Gattin des Python, ein anderes Geschöpf der Erde.

Hermes und Pan machten sich auf die Suche, und fanden Zeus und Delphyne. Nun, Pan kannte sich in diesen Dingen aus, wenn es um die irdische Wildheit geht, und erkannte, dass Delphyne nur vor ihresgleichen in Angst geraten würde, sonst hatte dieser Drache keine Angst und so ahmte Pan die Laute des Delphyns nach, und konnte dadurch vertrieben werden. Zeus wurde wieder Heil und Ganz mit seinen Sehnen.
Die Moiren, Schicksalsgöttinnen wollten dem Typhon schliesslich nicht die Macht über die Erde erlauben und gaben diesem Wesen - entgegen den Ansprüchen des Typhons - schwache Menschennahrung, dem Typhon schmeckte das ohne etwas zu ahnen, und so wurde es geschwächt. Schliesslich konnte Zeus im weiteren Verlauf des Kampfes, den Typhon unter den Ätna begraben, es konnte zwar nicht vernichtet werden, da Typhon unsterblich war, aber das Wesen konnte begraben werden, und zwar für ewige Zeit.

Literaturhinweise (es wurde oben bis auf wenige Ausnahmen nicht wortgetreu zitiert, sondern von mir nacherzählt, wobei mir folgende Bücher als Grundlagen dienten):

April 2007
Stefan Arens