Pan
gehört nicht zu den olympischen Zwölf.
Dennoch wurde er am Olymp
immer sehr gerne gesehen, obwohl Hermes ihn anfänglich nur zu
Belustigung der Götter einmal mitnahm. Manchmal verachteten sie Pan
aufgrund seiner Einfachheit und den lärmenden Vergnügungen, die er
provozierte. Die Götter des Olymps
nutzten aber seine Kräfte weidlich aus.
Angeblich war es so, dass Apollon ihm die Kunst der Prophezeiung entlockte. Hermes kopierte die Flöte von Pan, die er als eigene Erfindung pries und sie dem Apollo verkaufte.
Pan ist ein Fruchtbarkeitsgott, und hat noch größere
Bedeutung als Berg-Gott
der Hirten und Bauern, derer es in einem so ländlichen Land wie
Griechenland viele gab.
Er ist auch als Musiker bekannt, bläst die
Flöte und ist der Gott, dem man die Hirtenlieder verdankt. Er
besucht die Hirten auf
ihren Sommerweiden in der Höhe der Berge. Pan bewacht auch die
Bienenstöcke und half den Jägern, ihre Beute zu finden.
Einheimisch soll Pan im ländlichen Arkadien gewesen sein. Fichten tauchen im Zusammenhang mit ihm oft auf. Manchmal wird er mit Satyrn in den Mythen verwechselt - beide sind sich ähnliche Gottheiten, jedoch steht Satyrn im Umfeld des Bacchus Kultes und scheint dem Dionysus zu entsprechen, zu dem Pan jedoch auch einige Ähnlichkeit hat, eben wegen der Lüsternheit, und dem Einklang seiner Gestalt mit dem Triebhaften.
Charakteristisch ist für Pan, dass er ein kräftiger und fruchtbarer Gott ist; er ist lüstern und leicht reizbar, besonders wenn er in seiner mittäglichen Ruhe gestört wird. Dann gab es einen panischen Schrei von ihm. Panik ist sodann auch ein sehr treffendes Attribut, die wilde, grundlose Angst, die größere Menschenmassen ergreift und sie veranlaßt, sich wie erschreckte, und plötzlich die Flucht ergreifende Tiere zu verhalten.
Seine körperliche Erscheinung ist oft so, dass er nie in rein menschlicher Gestalt erscheint, sondern mit den Hörnern, den Ohren und Beinen eines Bockes. So wurde er auch schon geboren. Behaart und rauhbehaart, krummnasig und geschwänzt mit Geissfüßen, so dass seine Mutter in Schrecken floh.
Sein Name könnte sich von paein ableiten, was "weiden" bedeutet.
Sein Vater ist Hermes, anscheinend mit Dryope. Manche nennen die Nymphe Oineus seine Mutter. Aber es werden auch Apollo, Zeus (mit Hybris), Odysseus, Uranus (mit Ge) und Kronos als Väter genannt. Die Mütter sind ebenso ungewiss, da wird oft Penelope (die Gemahlin von Odysseus mit Odysseus selbst, Antinoos oder Amphinomos) genannt. Sogar die Ziege Amaltheia wird genannt.
An den Lustbarkeiten der Berg-Nymphen fand er grossen Gefallen, und sie auch an ihm. Die Nymphen des Berges tanzen und singen abends, während er die Flöte spielt. Und er selbst singt in hohen Tonlagen, was ihm als Gesang besonders gut gefällt.
Er versuchte stets einige Nymphen zu verführen, so Echo, die ihm Inyx gebar, und mit Eupheme, eine Amme der Musen, woraus Krotos (der Bogenschütze im Tierkreis) hervorging. Er rühmte sich auch mit all den trunkenen Mainaden des Dionysos geschlafen zu haben. Nach einer Version verführte er Echo jedoch nicht, die sich nämlich verweigerte, und nicht überreden ließ - aus Wut ließ Pan den Wahnsinn über die Hirten kommen, die Echo in Stücke zerrissen. Nur ihre Stimme blieb lebendig erhalten als Echo der Berge. Eine andere Geschichte erzählt, dass Echo die Göttin Hera beleidigte, indem sie Hera lauschte, wie Hera im Gespräch mit anderen Nymphen nämlich erfahren wollte, mit welchen Nymphen Zeus heimlichen Umgang hatte. Hera entdeckte Echo und beraubte sie aus Rache ihrer Sprache bis auf das Vermögen, die letzten Worte, die jemand zu ihr sagte, zu wiederholen.
Die keusche Pitys versuchte Pan zu vergewaltigen, die ihm nur entkam, indem sie sich in eine Fichte verwandelte. Die liebliche aber spröde Syrinx entkam ihm, indem sie sich in Schilfrohr verwandelte. Da er sie von den anderen Schilfröhren nicht unterscheiden konnte, schnitt er ein ganzes Bündel ab und machte daraus die Panflöte. Eine andere Geschichte erzählt, dass er in einem Wettkampf mit Eros - wohl beim Ringen - unterlag und zur Strafe sich in Syrinx verlieben musste, die ihn aber zurückwies. Auf der Flucht vor ihm sollen Nymphen am Fluß Ladon Syrinx in Schilfrohr verwandelt haben, deren sich aneinander reibenden Halme einen Klang erzeugten, die den Verliebten so bewegten, dass er sie nahm und aus ihnen die Panflöte schnitzte, die auch Syrinx genannt wird.
Sein grösster Erfolg war die Entführung der Selene. Dazu versteckte er seine haarige und böckische Gestalt unter weissen Fellen. Sie erkannte ihn nicht und war bereit auf seinem Rücken zu reiten, und ihm mit ihr tun zu lassen, was ihm gefiel.
Pan war der Freund und Lehrer seines unglücklichen Halbbruder
und
jungen Hirten Daphnis, eines Sohnes des Hermes und einer Nymphe aus der
Gegend um Aetna.
Mit vorzüglicher Anlage für den Gesang begabt,
erfand
Daphnis das Hirtengedicht. Der Hirte Daphnis gewann die Nymphe
Echenais, und sie
drohte, wenn er die Treue nicht halte, ihm mit Blindheit zu strafen.
Das geschah, als Daphnis sich mit Chimära einliess, eine Königstochter.
Den kurzen Rest seines Lebens verbrachte Daphnis damit, kummervolle
Lieder über sein unglückliches Schicksal zu singen, worin manche den
Ursprung aller Hirtenlieder sehen.
Eine berühmte Tat des Pans war die Hilfe, die er den Athenern bei Marathon gewährte. Aus Dank an seine Hilfe, errichteten die Athenern unterhalb des Randes der Akropolis eine Kultstätte mit einem Tempel für Pan.
Zu anderer Zeit, half er den Göttern mit den Rat. Gegen den Typhon, ein aus der Erde geborenes Ungeheuer und einer der Giganten, sei für den Göttern ein Entkommen möglich, sich in Tiergestalt zu verwandeln, was dann auch funktionierte. Später wurde Typhon besiegt. Aus Dankbarkeit setzten die Götter für Pan das Sternbild Steinbock an den Himmel.
Als Jäger kommt Pan in entlegenste Gebiete. Und ein Mal war es, da meldete er den Aufenthaltsort der Demeter (Ceres), als diese sich versteckte, weil sie den Groll über Persephones Entführung austrug, und die schließlich auch die Götter selbst durch die Weigerung, die Pflanzen wachsen zu lassen, in Sorge brachte, so dass die Götter nach ihr suchten.
Pan ist der einzige Gott, der in irdischen Zeiten starb. Als dem Matrosen Thamos die Kunde seines Todes vermittelt wurde, sollte er auf Geheiß einer ihm unbekannten Stimme die Kunde weiter verbreiten, und an allen Küsten erhob sich grosses Wehklagen.
Später hat der Philosoph Platon die Art der Rede mit Pan, dem Sohn Hermes, gleichgesetzt. Die Rede deute alles an (=pan; alles, durchdringend), und sei doch sowohl wahr als falsch, nicht zu bändigen in ihrer Bestimmbarkeit, das Wahre lebe oben im Himmel und sei glatt und göttlich, das Falsche sei rauh und böckisch und liege unterhalb der Menschen, so wie Pan zu Gast im Himmel war, gleichwohl aber viel lieber auf seinen Weiden.