Hauptsächlich genannt werden als Erklärungsmodell der Mythen:
Nach den ältesten Erklärungen sind die Mythen Allegorien.
Allegorie = "das Anderssagen". Gleichnishafte, rational fassbare Darstellung eines Begriffes in einem Bild.
Der Sinn ergibt sich oft erst durch den Verweis auf eine zweite Bedeutungsebene, wobei der vordergründige Textsinn eigentlich nebensächlich oder belanglos ist.
In der gewöhnlichen Betrachtung von Mythen wird die Allegorie innerhalb des Mythos angenommen, um damit nahezulegen, dass damit tiefere Weisheiten über das Leben gebildet wurden, die aus nichts anderem entstanden, als aus einer Art Reflektion über den menschlichen Zustand.
Herbert J. Rose meint dazu: sie sollten belehren und einen tiefen Sinn enthalten. Manche dieser Allegorien beziehen sich - nach dem Verständnis von Rose - auf tiefere kollektive Leitbilder, die dann in verhüllter Form dargebracht werden sollten, weil einfache Menschen entweder zu unwissend, oder zu ehrfurchtslos waren, sie richtig zu gebrauchen.
Die These von Rose, dass die Mythen willkürlich konstruiert seien, allein um gesellschaftliche Ordnung zu stiften, ist nicht haltbar - es ging vielmehr um den Einbezug des Menschen in die geschaffene Ordnung des Kosmos, und der Mensch fühlte sich dadurch eins mit dem übrigen Leben und seinem Sein, und das war der Grund, warum er den Mythos annahm.
Eine weitere These von Rose besagt, diese konstruierten
Glaubensätze und in Form des Mythos gebrachten Leitbilder, sollten
diejenigen anlocken, die einer trockenen
oder formalen Erörterung nicht zugänglich waren.
Diese Auffassung von
H.J. Rose fasst die Allegorie am wesentlichen Punkt
nicht. Denn der Mythos leitete sich aus der Schöpfungsordnung
her.
Hier
geht man von
einer verborgenen oder höheren Bedeutung einer Sache aus, ähnlich wie
die Allegorie, nur wertfreier, zweckfreier. Das Symbol enthält zum
Beispiel das Abbild einer höheren Wirkkraft, die selbst - als Ursache -
kaum sichtbar oder anders beschreibbar ist.
Man kann ein Symbol auch
beschreiben als ein Verweis auf höhere geistige
Zusammenhänge. Platon spricht vvon den Ideen, die jedem Ding oder jeder
Erfahrung innewohnen. Doch die Ideen selbst teilen sich nur durch
Vermittlung über eben jedes Ding oder Erfahrung dem Menschen mit. Die
Ideen können nur durch Symbole dargestellt werden.
Ursprünglich
diente ein Symbol als Wahrzeichen, Erkennungszeichen: Indem man eine
Münze oder ein anderes Symbolin zwei Teile aufteilen konnte, passten
die
beiden Hälften zusammen.
Nur derjenige, der die andere Hälfte hatte,
konnte so die Beglaubigung entrichten, dass er selbst als Besitzer des
Teiles der Gemeinte ist, zB bei
einer Vertragserneuerung oder Nachrichtenübermittlung.
Übertragen
auf Kunst, Ästhetik, Kräfte, oder die Formen und Energien der Welt,
verweist
das Symbol einer Handlung oder eines Gegenstandes prinzipiell
auf
eine gleiche Sache der höheren Ebene (Platons Ideen), die sich zum
dargestellten Symbol
hinzu stellt. Das Symbol ist nicht eindeutig abgrenzbar von anderen
Begriffen wie Allegorie, Metapher, Emblem usw..
Das Symbol verweist im eigentlichen Sinne stets auf die Schöpfungsordnung.
Üblicherweise wird bei wissenschaftlicher Darstellung der Symbole nur auf Phantasiegestalten des menschlichen Bewusstseins Bezug genommen, ohne die eigentlich platonische Dimension der wahrhaften Ideen zu berücksichtigen. Denn diese platonischen Ideen drücken sich im Leben andauernd aus, ungeachtet, ob man sie als solche erkennt.
Diese Art der Begründung von Mythen ist im Grunde nichts
anderes als
eine symbolische Erklärung, aber allein in Bezug auf die
vorkommenden Naturphänomene. In diesem Sinne haben Naturphänomen nur
einen zufälligen Rang ohne Bedeutung. Alle Mythen verweisen demnach
allein auf zufällige Naturphänomene. Naturphänomene, die
daher auch anders beschaffen sein könnten.
Aus der schnellen
Bewegung der Sonne, so ein Forscher, sei dann das Bild eines von
schnellen Pferden gezogenen Wagens entstanden. Dazu gehören auch
personifizierte Naturkräfte.
Allerdings: umso weiter der Mythos in der Zeit seiner Entstehung voran schreitet, wird der Bezug zu Naturphänomenen abnehmen. Manche Forscher sehen aber in "übernatürlichen" Gestalten des Mythos phantastische Spekulationen über unbekannte Kräfte, was als leichter Unfug gelten muss; - überhaupt muss jeder Bezug allein auf die Phantasie sehr kritisch angesehen werden, wenn nicht zugleich behauptet wird, dass es auch einen anderen, etwa symbolischen Bezug gibt: in einer Art wie die phantastischen Attribute eben symbolisch für wirkliche, aber verborgene Eigenschaften stehen, die nun in der Gestalt gut sichtbar geworden sind. Aus diesem Gesichstpunkt sind die Mythen nämlich Beschreibungen von Urkräften, die letztendlich durch die Sonnenbewegung, die Erde in ihren Tag- und Nachtabläufen und alles andere abbildhaft veranschaulicht werden.
Diese
Erklärungsmodelle bestehen beispielhaft in den
Ansichten von Robert von Ranke-Graves, auf dessen Werk ich im Folgenden
auch näher eingehen werde.
In der rationalen Auffassung werden die
übernatürlichen Attribute der Helden und Götter als einfache
Dichtung abgetan oder zB, wie von Ranke-Graves, ausschliesslich auf die
Wiederspiegelung geschichtlicher
Prozesse bezogen.
Eigentlich
stellen aber die übernatürlichen Bezüge Symbole dar, die sich nur
verstehen lassen, indem man sie auf die Schöpfungsordnung bezieht: alle
Ereignisse und handelnde Personen stehen in Beziehung zur
Schöpfungsordnung und dem, was diese für Rahmenbedingungen aufstellt.
Das bedeutet, dass man die Symbole als Ausdruck der Prinzipien
begreifen muss, die die Schöpfungsordnung aufstellt und dass man diese
Prinzipien nur verstehen kann, wenn man sie als (mehr oder weniger
abstrakten) Erfahrungsraum begreift, den die Schöpfungsordnung dem
lebenden Menschenwesen aufstellt - es ist ein typisches
Zerrbild,
dass Rationalisten entweder jede Übersetzungsarbeit angesichts der
Symbole verweigern, oder alles sprichwörtlich nehmen (weswegen sie dann
diese Bezüge auf die Schöpfungsordnung negieren, weil es dann für sie sich
allzu phantastisch anhört: "Wie kann es einen Zeus hinter den Wolken
geben"?).
Bei der allegorischen Herleitung des Mythos steht die Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung mittels ideeller Glaubenssätze im Vordergrund. Die bewusst geschaffen wurden von Autoritäten oder Weisen - ohne dass aber ein Bezug zu höherem Wissen oder zur Schöpfungsordnung vorliegt. Es geht dabei nur um die Aufrechterhaltung sozialer Ordnung.
Der Mythos berief sich in Wahrheit
auf die Schöpfungsordnung, auf einen transzendenten Sinn und stand
allen Menschen offen - dieser transzendente und erlebbare Sinn verlieh dem Mythos Akzeptanz.
Wenn auch nicht jeder
die
Bezüge zur Schöpfungsordnung darstellen und in Form bringen konnte,
verstand doch jeder den wesentlichen Kern und konnte sein Leben nach den Bestimmungen des Mythos gestalten.
Man brauchte nicht blind an
die Inhalte und an die im Mythos befindlichen Handlungsanweisungen glauben
. Das Glauben-müssen wurde freilich im Laufe der Zeit immer wichtiger,
da der Bezug zu den erfahrbaren Wirklichkeiten verloren ging. Dem
Mythos liegen archetypische Ordnungen zugrunde. Der Mythos vermochte das Leben einzurahmen mit Bedeutung und Bestimmung. Diese
Archetypen werden als psychische Inhalte erfahren und können strukturbildend auf Leben und
Lebensauffassung wirken. Kaum etwas ist ein stärkerer Einfluss, als der
auf die psychischen Inhalte eines Menschen.
Man
vergleiche die Wirksamkeit
alter mit modernen Mythen. Heutige Mythen, die wir - sei es bewusst
oder unbewusst - als
beglückende Bestätigung oder Motivierung eigener Vorhaben wie auch
Ideen erfahren. Und
wir können nur wirklich dort motiviert werden, wo wir
tatsächlich irgendeinen Lustgewinn erfahren, wo wir tatsächlich
etwas wollen. Die Lust an der Existenz scheint uns
normal vorzukommen, oder als nötiger Druck zur Anpassung - dennoch
beruhen unsere Lebenskonzepte auf allgemein verbindlichen Anschauungen,
hinter denen strukturelle Ordnungsmuster stehen.
Das frühe Denken
erscheint uns heute vielleicht phantastisch. Heute soll das Denken, auf das wir uns begründen, so genau
wie möglich und so detailreich wie möglich, und so übereinstimmend mit
real greifbaren Sachverhalten
wie nur möglich etwas äusseres beschreiben. Alles was
man in rationaler Weise beschreiben möchte, muss man in
dieser Richtung denken und formulieren. Früher galt aber der Fokus
nicht der äusseren Dingwelt, sondern der inneren Welt der Erfahrung.
Das Auffinden oder Bestätigen innerer Strukturen, die sich mit dem
Mythos in einen lebendigen Bezug befanden, ermöglichte nicht etwa
Willkür in Bezug zu der Wirklichkeit, sondern es war vor allem ein
lebendiger, funktionierender Bezug. Es war nicht wichtig, die Dinge so
zu sehen, wie wir dem heute eine Wichtigkeit beimessen. Das hat uns
natürlich viel gebracht und es wäre absurd, den alten Zustand
zurückzuerobern. In Wahrheit haben wir uns entwickelt, aber gleichwohl
uns in eine Einseitigkeit begegeben, als wir alles entmystifizierten.
Aber es war das Leben vor langer Zeit nicht
weniger Lustgewinn als heutzutage, vielleicht heute quantitativ mehr im
Sinne der Möglichkeiten, die wir heute haben, um etwas zu tun. In welcher Weise
wir wiederkehrende Kreisläufe erschaffen können, die uns Lust oder
Mühen bedeuten ist egal. Dem Chaos will man etwas entgegen
stellen. Eine Ordnung, einen wiederkehrenden Inhalt, das, was Bedeutung
schafft, die uns vielleicht nicht nur tröstet, sondern auch einbettet
in eine erlebbare Einheit mit dem Leben. Das eint den modernen Mythos mit einem alten Mythos.
Vielleicht ging uns mit der totalen Entmysthifizierung des Lebens aber das Wesentliche verloren, mit dem wir die ganzen Ideen, Möglichkeiten und Ziele auswählen könnten, die uns das Leben offenbart. Richtungslos erzählen uns die Dinge nur, was wir ihnen anheften. Wir schauen also sowieso nach innen, und sind immer in Gefahr, dem Subjektivismus in die Falle zu gehen. Aber nach innen zu schauen, ist trotz des damit verbundenen Risikos in die Irre unserer Annahmen zu kommen, der Schlüßel für die Mythenkunde. Darin, in dem Innen, werden die Archetypen wach gerufen, die uns in Form eines Mythos begegnen.
Was
ist Transzendenz? Es ist die Erfahrung höherer Wirkmächte und höherer
(verborgener) Wirklichkeiten, die eine Ordnung in sich tragen. Je nach
Betrachtungsperspektive ergeben sich verschiedene Ordnungen. Es lassen
sich typischerweise die Zahl drei, vier, sieben und zwölf finden.
Das
Wirken der Abläufe sichtbaren Geschehens - im Grossen und
Kleinen der ganzen Schöpfung - wurde nicht bloß eingeordnet in
einen sinnvollen Prozess - sondern man begriff oder befolgte eine
Wechselwirkung zwischen dem Mythos und dem Ich - denn insofern man
sich selbst harmonisch in
den Prozess einordnete, enstanden durch die Handlungsanweisungen,
Rituale oder Kulte, die der Mythos lieferte, der lebendige Bezug
innerhalb eines sinnvoll geordneten oder erlebbaren Geschehens. Diese
Bilder waren kollektiv nicht nur geduldet, sondern unterschiedslos
tragbar. Aus heutiger Sicht scheinen diese Bilder einmal naiv und
evtl. (rational gesehen) falsch hinsichtlich der "Weltbeschreibung".
Einen Mythos muss man jedoch verstehen als Gebilde des Menschen. Es
soll gar nicht die Wirklichkeit so wiedergeben, wie wir es heute
betrachten würden. Es war der damalige Mensch und dieser erkannte in
den Bildern keinen Kitsch, sondern war in höchstem Maße davon
angerührt, was eine spezielle Wirklichkeit erzeugte. So wie Stress
einen Unterschied zur Einfügung in eine harmonische Gleichung (auch als
Liebe beschreibbar).
Jedenfalls:
elementar ging es den Menschen um für ihn erlebbare Wirklichkeit, und
nicht um eine physikalische (auf äussere Vorgaben bezogene)
Wirklichkeit. Anders als wie wir Wirklichkeit heute verstehen würden,
verstand man damals das Wirkliche als Etwas, was einem geschah und dem
man unterworfen war - und es mag darin letztendlich um den Gunst dieser
Unterwerfung gehen, dass man im Gegenzug etwas erhält. Sicher verstand
man es nicht so wie wir heute, aber es funktionierte, auch das mit den
Opfergaben schien für sie damals zu funktionieren... - wir müssen, um
dies zu verstehen, Spekulationen freilich von verlässlichen
Einschätzungen unterscheiden. Mir selbst ist unklar, was zB energetisch
gesehen mit den Opfergaben geschah, oder welche Ebenen von
Wirklichkeiten damit berührt wurden... - diesen Punkt zu früh damit zu
beantworten, dass es nur sinnlose Taten mit allenfalls einer Placebo
Wirkung oder psychischen Wirkung war, scheint mir zu einseitig und auch
nicht lohnenswert. Es könnten mit einem Opfer Sachverhalte verbunden
sein, die unser Verständnis von Sitte und Anstand (im Sinne eines
Gottes, der den Sinn eines Opfer zulässt oder im Sinne eines Menschen,
der entscheidet so zu handeln), auf die Probe stellen - was eine
mögliche Erklärung für übereilte Schlußfolgerungen in diesen
Sachverhalten bedeuten könnte. Dass man nicht zu früh seine Forschung
abschliesst, setzt einfach voraus, die Sache ohne Vorbehalte zu
betrachten bzw. falls man einem akademischen Umfeld ausgesetzt ist:
dass man eine Sache auch ohne Vorbehalte betrachten kann, zB weil man dafür Zeit zur Verfügung gestellt bekommt (sinnvollerweise Arbeitszeit).
Sich auf die Schöpfungsordnung zu berufen, bringt nicht den Mythos als eine willkürliche Erfindung des Menschen hervor, sondern der Mythos kam zu Bedeutungen und Inhalten, die ablesbar in der Schöpfungsordnung bestehen. Also bereits existierten, bevor der Mensch sie in Form des Mythos brachte. Freilich sind die Bilder, das was wir heute darin sehen wollen, nicht schon identisch mit der Schöpfungsordnung. Der Archetyp aber, der Teil eines jeden (echten) Mythos ist, das ist ein Stück Schöpfungsordnung.
Da der Mensch selbst Teil der Schöpfungsordnung ist, hat er in sich selbst auch schon das Werkzeug der Wahrnehmung und des symbolischen Verständnisses dieser Ordnungen um ihn herum. Weiterhin wird er auch ohne darum zu wissen, archetypische Symbole ausdrücken und so auch zwingende Inhalte des Mythos bilden, die sich dann in einem Mythos also wiederfinden lassen.
Wesentlich für die antike Allegorie ist nicht allein das sittliche Element, oder die chiffrierte Form, sondern vor allem auch die individuelle Nutzbarkeit des im Mythos beschriebenen essentiellen Sachverhaltes. Sich an die Archetypen zu halten ist beschreibbar als Vorgang, in dem man sich einem Klima, dem Mythos , aussetzt und mit dessen Inhalten die eigenen Inhalte bestärkt sieht. Ein solcher Inhalt kann auch aus dem Gewissen oder der Moral (das gute Gefühl) bestehen.
Es gibt vielleicht auch nur ein taugliches Messinstrument der zugrundeliegenden Schöpfungsordnung: die eigene Wahrnehmung, die sich über die Grenzen der physikalisch messbaren Wirklichkeit hinweg setzen kann, ohne dabei zur Phantasie zu kommen, sondern die zur Erkenntnis verborgener Wirkmächte hin gelangt. Der Mythos ruft erst etwas hervor, einen Archetyp in uns, und das muss vorliegen, das Bild, bevor der Mythos sichtbar wird. Es ist nicht schon sichtbar wie bei physikalisch feststehenden Dingen. Im Grunde ist das einzige Hindernis zum Verständnis, dass man den Mythos nicht ernst genug nimmt. Man lehnt ihn insgeheim ab. Man braucht ihn nicht ernst nehmen, aber man muss sich auf ihn einlassen, und sich selbst den Bildern übergeben, als sei man Kind und hätte Vergnügen daran (so kann man die Blockaden am leichtesten zu überwinden versuchen, indem man den Mythos so versteht, als wäre es eine Geschichte an einem anderen Ort, und als wäre das Geschehen plausibel, weil man sich ganz diesem Bild überlässt. Bei diesem Vorgang wird ja diese Wirklichkeit nicht real - auf anderer Ebene - erlebt. Wenn wir ins Kino gehen, überlassen wir uns auch den Eindrücken - genauso sollten wir mit dem Mythos umgehen; als liebten wir diesen Vorgang).
Diese Einsicht in die verborgenen Ordnungen der Schöpfung, mit den die Lebenswirklichkeit bedingenden Wirkmächten der Natur und des Lebens und einem möglichen sinnvollen Bezug auf diese Kräfte, wurde zu verschiedenen Zeiten angepasst an das jeweilige Lebensgefühl oder Notwendigkeiten kollektiver Ideale. Der Mythos schuf ein Gerüst von übergeordneter Bedeutung, das als Ruhepol diente und als Zentrierungspunkt des Lebenswirklichen. Wirklich ist, was wir erfahren. Aber es ist vor allem das, was wir diesem Vorgang beigeben. Es ist die Welt und ales Geschehen sonst ein ungeordnetes uns bedrohendes Chaos, wenn wir nicht die Wirklichkeit in ihrem Geschehen "interpretieren" würden. Wir tun es heute ohne Mythos nicht anders als damals mit Mythos, was das Strukturelle angeht. Die zugrundeliegenden Ordnungen des Alls, der Natur und des Menschen bleiben dieselben, erhalten nur unterschiedliche Verkleidungen; Inhalte bleiben und Bedeutungen wechseln.
Deswegen ähneln sich verschiedene Mythologien verschiedener Völker insgesamt in ihrer Essenz, aber weisen erhebliche Unterschiede im Detail auf. Schöpfungsordnung und kollektive Grundsätze sind ja nicht dasselbe. Letzteres bilden einen Filter, mit dem die Ordnung gesehen wird.
Wieso sollte aber die Schöpfungsordnung oder ein Bezug zu ihr
Sinn verleihen?
Das neuzeitliche Denken sieht die Schöpfung als Zufall und wird es von
vorneherein schwer haben, die ganze Schöpfung als gerichteten Prozess
zu begreifen. Ein Schöpfungsprozess, innerhalb dem eine zwingende
Ordnung herrscht, auf die der
Mensch bezogen sein und eine bestimmte Haltung einnehmen kann. Nichts
anderes leistete der Mythos.
Hier muss man dem Menschen der
Frühzeit eine Unvoreingenommenheit zugestehen, die wir durch unser
komplexes aber auch konditioniertes Denken kaum noch aufbringen können.
Die Gefahr eines auf das sichtbare beschränkten Sichtweise, um Wissenschaftlichkeit zu gewährleisten, ist die absolute
Uneinsichtigkeit in das Verborgene, ausserhalb der materiell
beobachtbaren Wirklichkeit. Womit eine solche (rationalistisch-reduktionistische) Wissenschaft hinterfragbar wird.
Diese Uneinsichtigkeit wird in Kauf genommen , oder deren Zustandekommen beweisen die
rationalistischen Profanisierungen am laufenden Band. Erfahrungswissen
ist ab dem Punkt nicht mehr möglich, in dem es um geschaute Bedeutung geht,
also etwas, was ja nur subjektiv geschaut werden kann.
Es gibt aber
einen objektiven und zureichenden Grund auch für solche Sachverhalte. Indem mehrere Schauende oder
Seher, dieselben Wirkmächte ergründen oder verschiedene Mythen
letztlich ähnliche Inhalte bilden.
Das Schauen der Schöpfungsordnung aber bedingt eine sehr klare
Geisteshaltung, unvoreingenommen, und unbelastet von den gedanklichen
Voreinnahmen und Prägungen und ist vielleicht auch nicht jedem möglich
(jedem ist es nur möglich als wahrscheinlich
hinzunehmen, was andere vermitteln, die diese Ordnung geschaut haben).
Dieses Schauen beinhaltet als Ergebnis keine dem Verstand allein
zufriedenstellende Inhalte, die eine feste und klare Kontur hätten,
denn dies Schauen findet auf einer Ebene statt, die der Verstand gar
nicht erreichen kann, aber die dennoch zu seinem essentiellen Kern
kommt.
Es ist die Hybris des Rationalismus, dass er Bedeutung, Sinn und Gültigkeit nur auf der Ebene des allein verstandesmässig Einsehbaren erkennen kann und will. Dazu kommt auch noch das, was man überhaupt zu glauben bereit ist und was man nicht für möglich hält , was also Ausgangspunkte und damit auch Gerüste des Denkbaren schafft- also letztlich sehr subjektive Kriterien, die den Anspruch des Rationalismus als objektive Richtung vollständig untergraben. Interdisziplinarität hat immer schon aufzeigen können, dass einzelne Schlussfolgerungen von anderen Fachrichtungen widerlegt werden könnten oder auch ergänzt und vervollständigt. Der Rationalismus ähnelt einer Richtung, die jede Interdisziplinarität quasi aus Prinzip ablehnt und sich so neuen Einsichten nicht widmen kann, die über das vom Rationalismus abgesteckte Reich des Messbaren und überhaupt Einsehbaren hinaus gehen.
Die Beschränkung auf allzu deutliche Fakten und physikalisch
messbare Daten, bedeutet eine Simplifizierung der Wissenschaft des
Lebendigen. Einzelne Statistiken werden geglaubt oder nicht geglaubt,
je nachdem, wie sie interpretiert werden wollen. Der
Rationalismus kommt zum Rahmen dessen, was Verstand und
Vernunft als zu verarbeitenden Inhalt erhalten können, aufgrund einer
Art Politik, in der sich gültiges Material nicht mit wissenschaftlichen
Methoden durchgesetzt hat, sondern allein, was als Material gültig sein
darf.
Das Material liegt der Ethnologie zum Beispiel vor und einzelne
Wissenschaftler erforschten den Schamanismus vor Ort - hier hat die
Schamanismusforschung zum geringen Teil belegen können, dass der
Anspruch dahin gehemn muss, wirklich zu ergründen, was Schamanen tun
und was bei ihrer Trance für eine Ebene der Wirklichkeit erreicht wird.
Es erweist sich, dass kein Wissenschaftler über diese Dinge Einsicht
erhalten kann, wenn er nicht selbst zu gewissen Wahrnehmungen oder zumindest Kategorisierungen
imstande ist, die auch der Schamane auf bringt. Sofern das nicht möglich ist, bedeutet es letztlich,
dass der Rationalismus sich der Mitteilungen bedienen muss, die er von
denen erhält, die eine solche Schau leisten können. Das gemügt aber
noch nicht, er muss auch die richtigen und
zureichenden Kategorien bilden können. Leider erweist es sich aber,
dass in der neuzeitlichen Wissenschaft jeglicher Bezug zu einer Wirklichkeit, die nicht materiell zu nennen
ist, auf bloße Halluzinationen des Gehirns reduziert oder verklärt wird.
Einige
Wissenschaftler und Gelehrte, vor allem von Wirkenden bis
1950,
deren Werke heute noch viel beachtet und in
hoher Auflage erscheinen,
betrachten die allegorischen, symbolischen und naturmysthischen
Erklärungsmodelle als
unzureichend und beziehen sich auf überwiegend rationalistische
Erklärungsversuche.
Neuerdings wurde von modernen Wissenschaftlern
viele dieser rationalistischen Erklärungen zwar zurückgewiesen, dennoch
bleibt eine
gewisse Tendenz der Verklärung der wahren Bedeutung eines Mythos
bestehen.
Oft bezieht man sich ausschliesslich auf die Quellen der Mythen. So als ob die Erzählungen von Mythen einfach irgendwann begonnen wurden, nämlich erzählt zu werden. Als seien diese Mythen nichts weiter als erzählte Geschichten, die einfach irgendwann begonnen hatten, erzählt zu werden.
Dabei wird angestrebt, möglichst die Herkunft und das Entstehen der Mythen (in der Quellenforschung) bis zum letzten Urgrund verfolgen zu können.
Die Schöpfung der
vielen Götter und übernatürlichen Bezüge wird zumeist mit der einfachen
Phantasie des menschlichen Geistes oder
auf archaische
Reflexionen über Naturphänomene abgetan. Während widersprüchlicherweise
gleichzeitig für die
späteren Versionen der Mythen, diese archaische Reflektion als Art des
Entstehens ausgeschlossen wird, weil die Mythen ja erzählt
wurden,
und zwar aus heiterem Himmel, und wiederum verändert erzählt wurden und
so weiter - wenn man diese rationalistische Grundlage der Mythen ernst
nehmen würde.
Innerhalb
der rationalistischen Deutung, wird das Leben praktisch - und für die
Rationalisten zureichend - aus dem Zufall erklärbar. Geschichten als
Mythen wurden einmal erfunden von der schieren Fruchtbarkeit
jungfräulicher Phantasie, und dann - als die Sprache sich damit auch
gleichzeitig weiter entwickelte - wiederholt erzählt, verändert und
wieder erzählt. Nun, es ist eine isolierte Betrachtungsart. Es ist
isoliert von weiteren Möglichkeiten, die wir vielleicht gar nicht
wissen können, weil wir nie dabei waren, als die Menschheit das
Sprechen lernte. Jedenfalls, nimmt man grössere Betrachtungswinkel ein,
kann - ohne dabei phantastisch zu werden -, angenommen werden, dass
weitaus mehr als sich aus dem Zufall ergebende ordnungsbildende
Prozesse dahinter stecken. Die selbstorganisierenden Kräfte isoliert
betrachtet mögen als Zufall durchgehen, aber weitet man den
Zusammenhang, ist es viel wahrscheinlicher, dass diese Kräfte, die das
Leben organisiert haben, nicht dem Zufall entspringen, sondern einer
natürlichen Ordnung, die bereits existiert, ohne dass ein Mensch sie
sehen müsste. Die Mythen beschreiben diese Ordnung auf ihre Weise und
in ihren Bildern . Die Mythen berücksichtigen auch den Standpunkt des
Menschen , berücksichtigen den praktischen Nutzen für das Leben, des
Einzelnen, des Stamms. Mythen sind allerdings nicht ausschließlich
daran gebunden, was sie von sich aus bedeuten, sondern auch, was man
aus den Mythen macht.
Aus der rationalistischen Richtung wurden die Titanen als Synonym für die alte Religion gedeutet, die von den Griechen verdrängt wurde.
Die Titanen sind im griechischen Mythos jene Wesen, die unter
Kronos
vor den Olympiern des Zeus herrschten.
Es wird oft der Kampf
der Titanen mit den Olympiern mit einem
ursprünglichen Naturmythos identifiziert, in denen der Kampf zwischen
den wilden und den wohltätigen Kräften der Natur versinnbildlicht sei,
und andererseits auf den Sieg des von den eingewanderten Griechen
mitgebrachten Glaubens über die vorgefundene ältere lokale
Religion.
Auch die Erdbeben und vulkanischen Aktivitäten der Region könnten eine Rolle gespielt haben, um den Begriff Titanen im Mythos gebildet zu haben.
Dies alles mag durchaus stimmig sein, und eine Rolle gespielt haben, und hat eine symbolische Entsprechung - nur machen manche Forscher den Fehler, in solchen Ansichten ausschliessliche Thesen zu sehen. Sie übersehen die potentiell universale Entsprechung der Mythen, und vor allem die eigentliche Aussage der Mythen.
Es kann keine Rede davon sein, dass ein Mythos, wie dieser um die Titanen, zB sich allein auf den Umstand bezogen hätte, dass die Griechen damit einen Sieg über eine alte Naturreligion erinnern wollten. Das widerspricht auch der Geschichtsauffassung der antiken Griechen. Sie lebten im Hier und Jetzt und richteten sich die Vergangenheit (also die Erinnerung an die Geschichte) entsprechend ein. Der Kern des Mythos ist die bedeutungsvolle Essenz, handelnde Personen mögen sich ändern.
Die Mythen spiegeln die allem Sein und allem Kosmos zugrundeliegende (=universale) Schöpfungsordnung wider! Das ist die Wahrheit, über die Rationalisten nicht nur hinweg gehen, sondern die zu begreifen auch dazu beitragen kann, viele bislang als esoterisch verbrämte Ansichten in einem neuen Licht zu sehen.
Als beispielhaft für
einige andere Mythen-Deuter, und repräsentativ für die Masse
der
rationalen Wissenschaft, soll Robert von
Ranke-Graves und
sein Buch
"Griechische
Mythologie - Quellen und Deutung" (Rowohlts
Enzyklopädie 2001) hier näher beurteilt werden; - die von Ranke-Graves
gewählte Methodik veranschaulicht sehr gut,
wie
viele Fehler aus einer ungenügenden Herangehensweise
entspringen
können.
Natürlich
ist es eine andere Sache, wenn sich das Wissen mit der Zeit
konkretisiert, und alte Thesen widerlegt werden - aber was ich hier in
den Vordergrund stelle, ist die übliche Manier, nämlich die Mythen
einseitig mit rationalistischen Erklärungsmodellen zu versehen.
Wenn ich auch Robert von Ranke-Graves Leistung noch in Bezug zum Zusammenstellen der Mythen anerkenne, und man auch dankbar sein kann für viele Verweise auf ähnliche Mythen und andere Kulturen innerhalb des Buches, bin ich doch immer noch skeptisch beim Lesen der einzelnen selbst verfassten Erzählungen, die er aus verschiedenen antiken Autoren-Quellen zusammengefasst hat. Denn diese Methodik hat sehr wahrscheinlich sein Zuammentragen der verschiedenen Mythen beeinflusst. Man weiss dann nicht, wieviel er von den einzelnen Autoren wirklich in Bezug zu einem Mythos zusammen gemischt hat (Synkretismus, Ekletizismus).
Dabei ist das natürlich nicht grundsätzlich zu bedauern, aber es wird von ihm ein Eindruck von Präzision erzeugt, der - durch suggestive Wirkung - zu falschen Ansichten führen könnte. Immerhin wird der Mythos in dieser Weise von ihm fortgeführt, in dem er verschiedene Autoren und ihre verschiedenen Standpunkte zu einer neuen mythischen Geschichte verknüpft. Es ist wahrscheinlich, dass diverse Elemente des ursprünglichen Mythos durch seine Nacherzählung verloren gehen und andere falsch gewichtet werden.
Möglicherweise verdient sein
Werk dennoch Beachtung, indem er die verschiedenen Mythen systematisch
zusammengetragen hat.
Man kann sowohl bei ihm, als auch bei Herbert J.
Rose sehr gut die einzelnen Varianten eines Mythos ersehen, auch
genealogisch
und im Kulturvergleich - was zweifellos einen großen Wert
darstellt.
Es scheint so zu sein, dass durch Ranke-Graves` Auswahl und
Zusammenstellung
(was dann die Erzählung des jeweiligen Mythos ergibt) tatsächlich eine
weitgehend umfassende Schau aller vorfindbaren Elemente eines Mythos
anzutreffen ist. Doch es kommt andererseits ein leiser Zweifel
herüber, dass diese umfassende Schau von vorneherein immer nur
geleistet werden
kann durch eine subjektive Auswahl, die bei ihm nun einmal rigoros eine
gewisse Leitidee verfolgte und sozusagen eine Fragmentierung aller
antiken Autoren zustande brachte.
Wenn von den "Schicksalsgöttinnen" (S.39-40) die Rede ist, dann beschreibt er den Mythos: "Es gibt drei zusammenwirkende Schicksalsgöttinnen, gekleidet in weiße Gewänder usw." - dann werden als Autoren genannt: Homer, Hesiod, Aischylos, Simonides, Platon, Herodot, Pausanias und Vergil.
Seine Methode ist, wie er es in
der
Einleitung beschreibt, dass er die verstreuten Elemente jeder einzelnen
Mythe in einer harmonischen Erzählung zu sammeln bestrebt war, und
diese durch weniger bekannte Variationen in ihrer Bedeutung zu
unterstützen.
Leider aber geht die Bedeutung des wesentlichen Kerns eines Mythos in
der Hervorhebung von Nebenschauplätzen oft verloren. Es wird
kein
Unterschied von ihm gemacht. Er geht vor in einer Weise der
quantitativen Suche nach Gemeinsamkeiten, stützt, wie er sagt,
aber dennoch diese Gemeinsamkeiten dann, wenn in der seinigen
Erzählstruktur eine passable Lücke dies erlaubt (d.h. wenn das
zusätzliche Material nicht im Widerspruch zum übrigen steht).
Ausserdem ist es natürlich eine selektiver Prozess, sich solches Material auszuwählen, also subjektiv. Nach welchen Kriterien er ausgewählt hat, wird allerdings von ihm nicht allzu deutlich gemacht.
Was ich persönlich überhaupt nicht berücksichtige beim Lesen seines Handbuches sind denn auch die angehängten Interpretationen an die jeweiligen Mythen. Und zwar die (zum Teil rein assoziativen) Bezüge auf Geschichte und der Rückbezug auf frühere Mythen und Kulte. Das erscheint oft zu sehr konstruiert, nach dem Motto, wer suchet, der findet: zB "die Geschichte von Kleobis und Biton bezieht sich auf die zur Weihe eines neuen Tempels der Mondgöttin vollzogenen Menschenopfer." (S.259) oder "Das Schlachten der Stuten des Marmax könnte sich auf die Zeremonie der Krönung des Oinomaos beziehen, bei der eine Stute geopfert wurde." (S.366) oder "Achilleus ist nach den Umständen seiner Geburt, Jugend und seines Todes mythologisch als der alte pelasgische `Heilige König` zu verstehen, der zum `lippenlosen` Orakelheroen bestimmt war." (S.640)
Jeder könnte in den Kulten und Mythen tausend Vorlagen finden, um Zusammenhänge zu generieren, die allein durch symbolische oder dingliche Ähnlichkeit resultieren - für irgendeine Erzählung passt es. Irgendwo gibt es genügend Berührungspunkte. Überzeugend ist eine solche Vorgehensweise nicht, weil es wohl weitgehend zufällige Übereinstimmungen sind. Er geht dabei auch davon aus, dass die Mythen erst durch Kulte entstanden. Ob das nun manchmal oder grundsätzlich der Fall ist? Es kann gut sein, dass eine Variante des Mythos in dieser Weise gebildet wurde, aber dass doch kaum jeder Kult ohne vorherigen Mythos oder vorheriger mythischer Vorstellung zustande kam. Die Mythen befanden sich in den Köpfen, bevor der Kult entstand!
Durch
diese Art des Ekkletizismus, der auf die Spitze getrieben wurde, wird
nebenbei der typischste Fehler wissenschaftlich-rationaler
Vorgehensweise anschaulich geschildert. Das Erstellen falscher
Zusammenhänge und Schlussfolgerungen aufgrund von zuviel Phantasie.
Gerade die Phantasie ist es, die in der Wissenschaft der Archäologie,
Geschichte oder Kunstgeschichte zu falschen Zuschreibungen und
Erklärungen führt - und es scheint auch oft so, dass die akademische
Wissenschaft
sich darüber nur wenig bewusst ist, wie sie selbst ihren Anspruch der
Rationalität hintergeht. Denn Vernunft und Verstand bedeuten im Grunde
nur, etwas plausibel zu finden. Ob etwas als wahrhaftig
erkannt wird, hängt oft viel mehr dem herrschenden Zeitgeist zusammen.
Allerdings gibt es Dinge, über deren Wahrhaftigkeit man sich überzeugen
kann. Bei den Mythen aber handelt es sich um Erklärungsgründe einer
nicht mehr so gut beobachtbaren Zeit - wir können niemanden mehr direkt
fragen, der aus jener Zeit stammt.
Auch
muss nachdenklich stimmen, dass Mythenerzähler an verschiedenen Orten
der Welt, unabhängig voneinander, zu denselben Symbolen gekommen sind.
Ranke-Graves identifiziert die fünf Zeitalter mit
a) einer
alten
Tradition der Bienen-Gottheit,
b) der matriarchalischen Zeit
c) die
hellenischen Eroberer, das sind Hirten der Bronzezeit, die den Kult der
Esche (Wahrzeichen der Göttin und ihres Sohnes Poseidon) angenommen
hatten
d) Kriegerkönige des mykenischen Zeitalters
e) die Dorer des 12.
Jahrhunderts vor Chr., die eiserne Waffen verwendeten und die
mykenische Zivilisation zerstörten.
Die mykenische Zivilisation wurde wahrscheinlich nicht von den
Dorern
zerstört (diese These entspringt einer veralteten Geschichtsauffassung
und wird von heutigen Forschern schon eher skeptisch betrachtet),
sondern von einem Angriff eines Seevolks, vermutlich die Lykier. Mit
einem Blick geurteilt, erscheint diese Zuordnung von Ranke-Graves
heute schon nicht mehr plausibel.
Wie
dem auch sei. In jedem Fall übergeht man
die wahrhaftige Herkunft der Mythen, die sich doch wahrscheinlich eher
auf die
Schöpfungsordnung beziehen, als wie auf eine damalige Neigung,
Geschichte zu schreiben oder zu überliefern, oder einfachste Sitten
durch Märchen zu transportieren.
Er schreibt etwa, dass die Theorie: die Sphinxe,
die Gorgo oder die Kentauren entsprangen dem (jung`schen) kollektiven
Unbewussten, offensichtlich
unrichtig ist. Dabei kritisiert er jene Pathologie der Psychoanalyse,
die nur
als Unterzweig der ganzen Psychologie
des Unbewussten
angesehen werden
kann.
In dieser Psychoanalyse waren tatsächlich die meisten Erscheinungen
erst mal
nur Hinweise auf eine aus dem Gleichgewicht geratene Psyche.
Der Streit, der zwischen Uranus und Gaia entbrannte und zu ihrem Auseinandergehen führte, wird von Ranke-Graves auf den Zusammenstoß zwischen patriarchalischen und matriarchalischen Prinzip zurückgeführt, verursacht durch die hellenische (=patriarchalische) Invasion Griechenlands (=ursprüngliches Matriarchat). Ranke-Graves teilt nicht mit, dass dies eine analoge Entsprechung ist, sondern er führt die Bildung des Mythos direkt darauf zurück und erweckt den Anschein, als gäbe es keine andere Herleitung des Mythos, bzw. keine symbolische Bedeutung.
Die Zahl drei taucht dermassen oft in
dem alten
Griechenland auf, dass sich Ranke-Graves nicht rühmen braucht, diese
Zahl stets heran zu ziehen um damit den ursprünglichen Bezug auf nur
drei Götter (bei ihm meist Göttinnen) zu behaupten, und alle anderen
Bezüge späterer
mythologischer Teile nur noch auf diese drei ursprünglichen Götter
zurückzuführen, so dass alle späteren Entwicklungen also
Verfälschungen dieser uranfänglichen drei Göttinnen darstellen
würden.
Es wird damit das Bild gezeichnet, dass spätere Mythen im
Prinzip unecht sind; anstatt in Betracht zu ziehen, ja zu betonen, dass
auch spätere Mythen (nicht unbedingt die spätesten) immer noch ihre
autarke Bedeutung haben (können).
Es soll bei dieser Kritik nicht unerwähnt bleiben, dass Ranke-Graves selbst darauf hinweist, dass seine Methode und Intuition falsch sein kann; seine Leistung ist indessen auch nicht zu schmälern, da er sich bemüht hat die ursprünglichen Mythen herauszuschälen aus dem Gros aller Mythen.
Doch bedauerlicherweise entwertet er jeden einzelnen späten Mythus dadurch, dass er auf eine frühere, angeblich reinere Form verweist, und mit keiner Silbe bedenkt, dass eine spätere Variante des Mythos ebenso wahr und authentisch sein kann. Stattdessen ist sein Standpunkt, dass die späteren Mythen nur Verzerrungen eines ursprünglichen Mythos darstellen.
Wenn zum Beispiel Perseus die Medusa erst durch Vermittlung
der
Graien finden kann, so wird das im Mythos vielfach
beschrieben: Die Graien
haben nur ein Auge. Perseus stiehlt es ihnen und zwingt sie
dadurch den Weg zur Medusa zu verraten. In einer anderen
Version
schmeisst er das Auge in einen See, worauf die Medusa, deren
Hüter
die
Graien sind, unbewacht ist, und von Perseus überrascht werden kann.
In beiden Varianten sind das verbindende oder vermittelnde Element zur
Medusa, die
Graien, was dann also anscheinend als Kern des Mythos im Vordergrund
stehen muss. Die verschiedenen Symbole, die in den verschiedenen Mythen
auftauchen, müssen dabei nicht als widersprüchlich zueinander
betrachtet werden, sondern als ergänzende Aussagen in Bezug
zum
ganzen Mythos vervollständigen sie unser Wissen von diesem Mythos.
So kann die Vielfalt sogar helfen, den Kern eines mythischen Bestandes
ausfindig zu machen. Sicherlich kann es eine Rolle spielen, wie jung
ein Mythos ist, unter Umständen mag es sich natürlich wirklich um eine
grobe Verzerrung und fehlende Authentizität handeln - doch eine rigide
und pauschale Haltung diesbezüglich greift einfach zu kurz.
Im Sinne eines a) allegorischen b) symbolischen oder c) einer naturmythischen Zugrundelegung, ist es aber zwangsläufig, dass sich gemäß des analogen Prinzips - Oben wie Unten - eine Übereinstimmung mit der menschlichen Psyche ergeben muss (Oben: Schöpfungsordnung, universale Gesetze des Seins und des Kosmos. Unten : Psychologische Ordnung im Mikrokosmos).
Die Fiktion wird von diesen Dichtern zugegeben, aber sie ist eine andere, als wie wir heute Fiktion verstehen. Die Kraft eines Symbols wurde zumindest als Stoff betrachtet, und die einzelne Ästhetik der Zusammenstellung, die Dramaturgie, ergab sich aus dann aus den Fügungen, denen der Dichter lauschte.
Beides - Fiktion und Wahrheit - bildeten die Grundstruktur eines dichterischen Werkes. Diese Welt war durchströmt vom antiken griechischen Geist und ihren alten Kulten, von den erlebbaren Wirkkräften, von den Symbolen und platonischen Ideen, die man hinter den Erscheinungen der Welt vermuten konnte, das war der wahre Kern der Dichtung.
Diese Götter
lebten, weil sie als Kräfte wahrnehmbar waren und diese Götter
flossen durch das Lebendige des Kulturschöpfens getragen in die
Dichtung ein.
Es wäre ein Unding gewesen,
hätte man in der Dichtung der Göttin Athene Eigenschaften
zugesprochen, die
etwa eher dem Herakles zukamen. Die Archetypen und Symbole zogen ihre
jeweiligen und angemessenen Entsprechungen an.
Das alltägliche Leben bildete zwar eine Vorlage für die Konkretisierung der Mythen in der Dichtung, doch das erlebbare Schicksal war hier nicht die erste massgebliche Instanz, sondern es war stets die Frage, ob ich als Dichter jene Geschichten und Schicksale in die Hände von welchen Göttern legen kann. So wie man Dingen ihr Analogum (Symbol) zuordnet. So kann man zum Beispiel der Farbe Rot ein Symbol von Aktivität zuordnen und der Farbe Gelb ein Symbol von Licht und Frische usw.
Für den römischen Ovid (43 n. Chr.) war die Zeit der Götter schon abgelaufen, man konnte sich mit einigem Humor mit Jupiter auseinandersetzen, für Saphho (600 v. Chr) war die Hinwendung zum Göttlichen noch heilig und ernsthaft. Die Götter waren keine allegorische oder symbolische Beschreibung von Kräften, sondern für Sappho und ihre Zeitgenossen wirklich erlebbare und ins Leben der Menschen hineinwirkende Macht. "Der homerische Mensch fühlte sich im Kraftfeld göttlicher Gewalten, was jedoch weder selbstständiges Handeln noch eigene Verantwortung ausschließte" (im "der kleine Pauly", zitiert nach Wissmüller, S. 58).
Es kommt noch etwas grundsätzliches hinzu, betreffend der
Abhängigkeit
zwischen
Beobachter und beobachtete Sache. Es hat Einzug gehalten,
vor allem durch die Erkenntnisse von Naturwissenschaftler, etwa Bohr
und anderen Physikern, dass
das beobachtete Objekt sich relativ zum Beobachter verhält. In der
Soziologie, Ethnologie und Psychologie wurde dieser Fakt bestätigt und
übernommen.
Allerdings beziehen sich diese Forscher meist nur auf das
Sichtbare. Sie betrachten das Unsichtbare nicht genügend. Also das, was
sie nicht sehen können, und was dennoch für Wirkungen sorgt.
Jeder kennt diese Geschichten, "ich denke an
jemand Bestimmtes, und in dem Moment oder ein wenig später erhalte ich
den
Anruf".
Daher ist es wichtig, auch grundsätzlich alle Bezüge zu
beachten, die ein Beobachter zu einer beobachteten Sache
einimmt,
und
eben nicht nur die sichtbaren, von denen man annehmen würde, sie seien
die einzigen Variablen, die zu beachten in Frage kämen. Nicht nur
was man verstehen kann, sondern auch das muss angenommen sein, was
hinter dem Verstehbaren liegt: und zunächst kann das nur eine leere
Kategorie sein,
ungefüllt, aber sie muss existieren. Sonst kommt man nur in einer Art
Kreiselbewegung zu dem, was bereits bekannt ist. Und das kann nicht
genügen, wenn es um Sachverhalte geht, die bislang unbekannt waren und
zudem von der Kultur ungenügend vorbereitet wurden. Der Wissensdurst
wurde ja auch erstickt durch die Eintrichterung, dass viele
Sachverhalte Hokuspokus sein müssten oder bloße Einbildung.
Für die Physik ergibt sich dadurch, dass der Beobachter die Sache verfälschen kann. Für die Humanwissenschaft ergibt sich ähnlich, dass der zu untersuchende Gegenstand, die Erkenntnisprämissen (Prämissen=Vorraussetzungen) setzt.
Es
ist also eigentlich fast nötig,
um einen Mythos zu betrachten: alle jene Vorraussetzungen im Beobachter
zu schaffen, die auch bei denen zugegen waren, die den Mythos
verwendeten bzw. aus der Schöpfungsordnung ableiteten.
Mit anderen Worten muss man sich in das Leben der Urzeit und Frühzeit
hineinversetzen, aus denen die Mythen hervorgingen, und das geht nur
ungefähr.
Diese Vorgehensweise wird auf jeden Fall ein
annäherndes Verständnis der damaligen bewussten Einstellung
der
Menschen gegenüber den Phänomen ihrer Wirklichkeit verlangen.
Wenn ein Schamane etwa von fliegenden Dämonen spricht, wird einer, der diese Dinge als Ethnologe untersuchen will, niemals eine wirkliche Anschauung darüber entwickeln können, wenn er nicht selbst Schamane ist. Was treibt den Schamanen dazu, von fliegenden Dämonen zu sprechen und hat er wirklich welche gesehen? Wie ist es, fliegende Dämonen zu sehen? Ein naiv gestimmter Rationalist könnte unvermittelt das Bild vor Augen haben, dass diese fliegenden Dämonen jenen gleichen, die er in Comicbüchern oder in biblischen Schauermärchen des Mittelalters gesehen hat. Wer meint, dies sei jetzt doch sehr übertrieben, solle sich vorstellen, wie er sich fliegennde Dämonen denn vorstellt, und er wird finden müssen, dass er auf irgendwelche Vorstellungen zurückgreift, die er irgendwann gebildet hat durch eben kulturell überlieferte Inhalte. Die kulturell gelernten Inhalte des Schamanen sind nicht nur meist anders, sondern er hat vor allem eine Wahrnehmung gehabt, aus denen er dann zum Wort "fliegende Dämonen" greift. Der Ethnologe hat hier die Aufgabe, sowohl als auch zu denken, und zu versuchen, der Aussage auf den Grund zu gehen. Dabei kommt es darauf an, wie weit er sein Weltbild erweitern kann, ohne den Schamanen misszuverstehen.
Vielleicht ist es so, dass es keine Dämonen sind, sondern unsichtbare Kräfte, wer weiss - aber so weit, wie der Ethnologe diese für ihn unsichtbaren Kräfte noch nicht wirklich mit eigenen Augen gesehen hat, hat der Ethnologe nur eine Vernunft und Glauben, die das ablehnen oder annehmen wollen.
Tritt der Forscher in Dialog mit dem Schamanen, könnte der Schamane wiederum Bezug nehmen auf die Haltung, Einstellung und vorhandenen Kategorien des Forschers. Diese hervorgerufenen Störungen und dass der Forscher selbst wiederum eine Reaktion zu dieser Reaktion der Störung hervorruft, wird in der Humanwissenschaft "Gegenübertragung" genannt. Der Schamane könnte dies sogar bewusst tun, weil er vielleicht erkennt, dass sein Gegenüber jemand ist, der einen Schatten dunkler Energien mit sich herum trägt, und einen dunklen Verstand, der nichts erkennen wollen wird, abstreiten will - und dem man daher alle möglichen Geschichten erzählen sollte, aber nicht die Wahrheit (aus Sicht des Schamanen).
Dieses Verhältnis zwischen beobachteten Gegenstand und
Beobachter ist
auch auf den Text zu übertragen. Denn obwohl der Text keine Reaktion
bildet, fliesst doch die Sichtweise und Interpretation, und das was man
sieht und was man nicht sieht, in das Verständnis des Textes mit ein.
Epochenabhängige Selbstverständlichkeiten, werden heute
möglicherweise etwas
anderes gesehen. Die Griechen kannten kein Wort für "Obszönität",
allenfalls für das "häßlich-schimpfliche" oder für "Lächerlichkeit".
Für
sie stand der Körperbezug als etwas selbstverständliches vor. Wir sehen
in manchen "obszönen" Beschreibungen womöglich eine Art Porno(graphie),
anstatt den Ausdruck eines gesunden Verhältnisses zum Körperlichen
darin zu sehen, und Erotik nicht als perverse Spielereien zu deuten.
Die Liebe unter Männern war eine Erweiterung des Liebeslebens mit einer
Frau.
Andere Selbstverständlichkeiten werden heute, da kein
Bezug
mehr zu
den Göttern existiert, in der Tendenz oft falsch betrachtet.
Den folgenden Vers in einem Hochzeitslied der Sappho: "er kommt, dem
Ares gleich, viel größer als der Mann", wurde zuerst naiv von Fränkel
gedeutet als "der Bräutigam fühlt sich als Held, ein Gott und ein
Riese"; Geoffrey Kirk, ein Philologe, spricht 1963 dagegen aus, eine
solche Deutung sei viel zu naiv und setzt dabei in Szene, was
man
die Selbstverständlichkeit der heutigen Epoche nennen könnte: Was den
Bräutigam größer als groß mache, sei ein der Situation entsprechender
Zustand, eine männliche Größe, mündend in dem phantastischen Begehren
der Braut nach der Größe der Manneskraft, also des Penis. In Bezug zu
anderen Versen wurde dann von anderen Philologen bei einer ausdrücklich
genannten Vulva, ein großer Mann herbeigewünscht. Die
Interpretation beruht offensichtlich mehr auf dem
übersteigertem
Selbstbild des Mannes der entsprechenden Epoche.
Denn
will man diesem
Mythos gerecht werden, könnte der Vergleich mit Ares auch in eine
andere
Richtung führen: strahlende, sieghafte Kraft des Kriegers. Dies war das
Bild des Mannes, das den Frauen des alten
Griechenlands vorschwebte.Und auch andere Erklärungen wären
etwas
stimmiger als wie jene zutiefst sexualanalytische Komponente hinein zu
legen.
Woanders wird aus der Verführung einer Frau, und dem anschliessenden
Rendezvous auf dem Rasen des Gartens (und nicht etwa auf der Hecke oder
im Dornbusch des Gartens), dann der gewollte Coitus auf dem Rasen
erkannt, oder sogar die Gleichsetzung Garten=Genitalien. Der Garten
steht aber für die Griechen in einem Bezug zum Heiligtum der Göttin der
Liebe (Aphrodite). Das Betreten der Wiese eines Gartens ist nur dem
Reinen unverwehrt. Bringt man Blumen in den Garten, so kann das als
Geschenk an die Gottheit der Liebe aufgefasst werden, in dem Sinne,
sich selbst dem Gegenüber darzubringen oder sich selbst den Kranz der
Göttin darzubringen, sich unter die Kraft der Göttin zu stellen. Im
Garten der Muse werden die Dichter Blumen pflücken, mit denen sie
Menschen und Götter erfreuen.
Die Gärten werden als unberührbar
dargestellt, zu denen nicht jeder Zutritt hat. Damit wird auch das
Bild der Jungfräulichkeit hervorgerufen. Wenn aber darauf von den
Dichtern Bezug genommen wird, so ist das nicht als sexuelle Andeutung
gemeint, sondern als erotische, was für die Griechen einen bedeutenden
Unterschied macht.
Der moderne Zeitgeist, besonders vertreten unter englischen und amerikanischen Philologen, sieht beinahe in allem ein Phallus Symbol. Ein Ölfläschchen, das bei sportlichen Übungen benutzt wurde, und in einem Text bei Aristophanes auftaucht, wurde natürlich als Phallus Symbol vorgeschlagen, aufgegriffen und mit der Suche nach passenden Belegen fand sich auch irgendwann ein entfernter Zusammenhang, der aber mehr auf eine rundliche Form hinweise. Also wurde der Bezug zu den Hoden aufgenommen. Dieses Hin und Her Rollen der Bälle und Aufstellen von Phallus-Symbolen ist dabei auch für die Philologen gesellschaftsfähig, hat aber möglicherweise sehr wenig mit der wahrhaftigen Symbolik zu tun.
Dieses Ölfläschchen tauchte bei der Auseinandersetzung der Philologen in dem Zusammenhang auf, als in dem Vers von Aristophanes davon gesprochen wurde, dass es verloren ging. So passt also diese Interpretation von Phallus und Hoden schon gar nicht mit dem Textsinn zusammen, weil Phallus oder Hoden des Körpers nicht verloren gehen können. Man könnte nun den Bezug "Kastration" aufstellen, wenn man möchte. In weiteren Bezügen des Textes ist im Zusammenhang mit dem Ölfläschchen auch nur von "stehlen", "kaufen", "anhängen", die Rede, einem "abkaufen" - was sich alles nicht in den genitalen Doppelsinn fügen will. Sicher ist es statthaft solche Bezüge und Versuche der Deutung anzustellen, doch es wird bald zum Zwang und irgendjemand formuliert daraus weitere Bezüge und stellt ein umfassende Schau des "Phallus-Symbols in der griechischen Dichtung" vor. Und der eigentliche Sinn des Textes wird lange Zeit von den epochenabhängigen Sichtweisen verzerrt, was dadurch geschieht, dass diese Deutungen allesamt in selbstverständlicher Weise geäussert werden, ohne sie als Deuter selbst zu hinterfragen - was mit einigermaßen ausgeprägtem gesunden Menschenverstand leicht zu erreichen wäre. In der Akademie ist es die Regel, dass man auf den Arbeiten und Leistungen vorangegangener (und anerkannter) Akademiker aufbaut. So wird eine ziemliche Verdichtung und Verstofflichung nicht nur des Wissen ermöglicht, sondern auch möglicher Fehler. Bis diese kritische Arbeit und Hinterfragung geleistet ist, kann viel Zeit vergehen. Während manchmal ein eigenständiger und selbstverantwortlicher Geist, diese Wahrheiten und Unwahrheiten mit einem Blick erkennen könnte. Eigenständigkeit kann Eigensinn bedeuten, und das Eigensinnige findet nicht nur bei den esoterischen Theoretikern ein, sondern auch in der Wissenschaft. Niemand, und keine Institution ist davor gefeit, sich im Eigensinn in egal welcher Form zu verlieren. Kritisch wird diese akademische Wissenschaft, weil sie sich als die einzige Autorität wähnt, und dabei ein viel beschränkteres Instrumentarium benutzt mit dem dogmatischen Ausschluß gewisser als exotisch verschriebenen Thesen. Die Wissenschaft erwartet also den zwingenden Beweis, aber andererseits spekuliert sie selbst mit naiven Annahmen, die ebenso oft trottelig klingen, wie manche esoterischen Thesen haltlos sein können. Allerdings fasse ich hier den Begriff Esoterik sehr weit und meine in Bezug zur Mythologie etwas ganz spezielles.
Marianne
Nichols weist in ihrem Buch "Als Zeus die Welt in Atem hielt"
(Scherz Verlag 1975) darauf
hin, dass die Mythen der alten Griechen sich mit dem tatsächlichen
Leben und Ritualen der Leute verbanden. Diese Ansicht ist von
vorneherein plausibel, wenn man sich mit dieser antiken Zeit
einigermassen beschäftigt hat (vor 700 v.Chr. und nicht etwa die
klassische Antike der aufkeimenden Rationalität anno 500 v. Chr.).
Die Mythen begleiteten
die Aufmerksamkeit zu gewissen Taten, um dadurch eine - wahrscheinlich
stets gesellschaftliche - Handlung, Gerichtsbarkeit oder Initiation mit
Worten und Bildern zu verstärken.
Die
alte
Frühzeit geht aus der Urzeit hervor und dort war keine Sprache, keine
Überlieferung gegeben. Man sah die Schöpfungsordnung in
Reinform:
Als
Horizont, als Wald, als Organismus und so weiter. Das alles hatte keine
verliehene
Bedeutung, sondern
war Bedeutung, die aus diesen
Erscheinungen der beobachtbaren Schöpfung direkt sprach. Mit der Zeit
bildeten
sich mit dem Verstand Unterscheidungen und Gruppen von Dingen, die
möglicherweise die ersten symbolischen Beschreibungen verschiedener
typischer Wirkkräfte darstellten. Alte Astrologen sahen direkt in den
Himmel und bewerteten die Zeitqualität, also anders als spätere
Astrologen dafür ein gezeichnetes Horoskopbild verwendeten. Ähnlich ist
das Opfer oder Los zu begreifen, das bei Neuanfängen geworfen oder
geschaut wurde: Was liegt dem Prozess, zB eine Schlacht oder
Stadtgründung, im weiteren Verlauf zugrunde?
Es geschehen gewisse Dinge,denen eine
Ordnung anzusehen ist, und verschiedene Dinge entsprechen diesen
Ordnungen, und andere Dinge anderen Ordnungen.
Was Ganzheitlichkeit
eigentlich bezwecken soll, ist die Integrität des Selbst, mit den
dazugehörenden Erfahrungsebenen.
Die alten Griechen gaben den sonst im
Leerlauf der Interpretation befindlichen Dingen um sie herum nicht nur
einen Namen, sondern einen Kontext. Jede Kultur hat das getan. Mehr
oder weniger gibt es auf der ganzen Welt Naturmythen, die eng mit dem
alltäglichen Leben in Verbindung stehen.
Auch
wir geben den Dingen Bedeutung, nur sehen wir in ihnen fixe
Beschreibungen. Begreifen sie als unwandelbare Objekte. Sie entstanden
in kausaler Folgerichtigkeit aus der Natur oder menschlichen Wirken
heraus, ansonsten aber haben sie keinerlei symbolische Qualität für
uns, die von einer höheren Wirklichkeit zeugt. Wir gehen gewissermaßen
nur bis zu einer gewissen Oberfläche der Dinge.
Man tendiert heute dazu, diese Mythen als fiktiv
darzustellen und jedes Lexikon beginnt mit solchen Einleitungen, dass
es doch selbstverständlich wäre, wie die unmöglichen Begebenheiten der
Mythen noch nicht einmal leicht idealisierte oder übersteigerte
Darstellungen geschichtlicher Vorgänge bedeuten können. Es
erscheine doch sofort klar, dass es keinen Zeus in den Wolken geben
kann.
In dieser Weise
wird die Kraft der Symbole gestutzt auf unser heutiges Verständnis der
Welt und der Geschichte. Eher ein Spiegelbild unserer eigenen (naiven)
Vorstellungen.
Nach Meinung der Philologen sei der Mythos in
seiner Funktion einer Allegorie der Schöpfung wohl kaum
plausibel, da
ja solche "hohen philosophischen Systeme" geschichtlich gesehen erst nach
den
Mythen auftauchten (Herbert J. Rose). Dabei wird - wie oft anzutreffen
- ein Vorurteil benutzt, um eine These zu widerlegen - bzw. eine
fehlerhafte These wird herangezogen. Ohne selbst weiter zu denken: "Es
ist leicht zu zeigen, daß eine solche Betrachtung (Mythos als
Allegorie) dem ursprünglichen Sinn des Mythos nicht entspricht, setzt
sie doch voraus, daß die frühen Griechen (...), eine Art systematischer
Philosophie besaßen, welche die Kräfte des Universums, sowohl die
sichtbaren wie die unsichtbaren, und auch die sittlichen Pflichten der
Menschen in ihre Betrachtungen mit einschloß. Nun wissen wir
genug von der frühen Geschichte der Griechen, um sagen zu können, daß
sie sowenig wie ein anderes Volk auf ähnlicher
Entwicklungsstufe,
damals eine solche Philosophie besaßen, die vielmehr ein Produkt des
sich verfeinernden Denkens von Jahrhunderten ist. Würde ein solches
System in den Zeiten vor Homer existiert haben, so hätte die lange
Reihe glänzender Denker, denen das geistige System der Griechen und
schliesslich das des modernen Europa verdankt wird, nicht von Grund auf
zu beginnen und selbst erst die Fundamente der Physik, Ethik und Logik
zu legen brauchen. Der
Mythos kann also ursprünglich keine Allegorie sein, weil seine Urheber
wenig oder nichts zu allegorisieren hatten." (S.2-3)
Im Grunde hat er in die richtige Rictung geschaut, aber hält es nicht
für möglich.
Er entwertet das Subjekt der Betrachtung in dessen eigentlicher Geistesart übermässig. Rose`s Buch ist aber deshalb nicht rigoros abzulehnen.
Nach Hesiod (etwa 700):
"Da die Dichter ihr
Wissen von einer höheren Instanz verliehen bekommen, kann der Inhalt
ihrer Dichtung nur wahr
sein, wobei allerdings auch die Musen bewußt dem Dichter
auch falsches eingeben können."(Theogonie
27f)
Man kann wohl die ursprünglichen, sogenannten
wahren Mythen
ebenso aus dem Rückgriff auf diese "höhere Instanz"
begreifen. Das Wahre und Falsche aber, was kann das sein? Die
historische Genauigkeit, wenn sich Mythen auf Geschichtsereignisse
beziehen? Die Genauigkeit, die angestrebt wird, um den Mythos im
Einklang mit dem zugeordneten Gott zu bringen? Diese Fragen bleiben
noch ungeklärt. Ein Vergleich mit dem Orakel zu Delphi
kann hier weiterhelfen: Das Orakel gab nur
richtige, das
heisst dem
Menschen dienliche Anweisungen.
Manchmal
kann es keine Wahrheit geben, wenn andere Instanzen des
Bewusstseins des Menschen oder auch kosmische Instanzen hier eine
Blockade oder Schutz aufstellen. Andere Male ist der Anspruch
geschickte Formulierung, Berücksichtigung anderer Menschen (und ihrer
Auffassung), oder andere ästhetische Gründe - und es mag nicht zuletzt
an unlauteren Motiven des Fragers oder Deuters festzumachen sein, wenn
eine "Eingebung" falsch ist oder von fiktiven Tatsachen
zeugt.
Es
ist anzunehmen, dass aus einigen wenigen und hauptsächlichen Kräften im
Universum
die Vielzahl der Kräfte hervorgeht - das sahen vermutlich auch die
Griechen so. Aus diesen elementaren Grundkräften kommt es innerhalb der
verschachtelten Schöpfungsordnung durch Verbindung und
Kreuzung
zu einer Vielzahl von Kräften. Das, was die Schöpfungsordnung im
menschlichen Leben aufzeigt, ist beobachtbar und wird zu den
verschiedenen Typen von Wirkmächten differenziert.
Die Ebene, auf der die Kräfte
wirken, kann jeweils anders sein. Es gibt Kräfte, die wirken in der
Natur, andere im Leben der Menschen. Die meisten Kräfte verändern nur
ihr Antlitz, je nachdem auf welcher Ebene sie wirken.
Für die
Griechen konnten diese Kräfte zwar nicht beeinflusst werden, sondern
beschwört. Das kann man sich aus heutiger Sicht so vorstellen, dass man
ein persönliches Verhältnis zu diesen Kräften aufbaute. Hera war zum
Beispiel eine Art Kraft, die wirksam sich
aus dem speiste, was real in der Ehe gelebt wurde: nach
Auffassung der Griechen konnte man eine Energie (Feld, Gott) nähren,
indem man zum Beispiel
einen Hera Kult pflegte oder der Hera Opfer darbrachte. Bedingt durch
das Opfer entsteht eine psychische, unbewusste Kraft, die man
symbolisch mit der Tarot-Karte "Kraft" (Nr. 11) beschreiben
kann.
Ein Opfer führt zu einem energetischem Sog, der entsprechendes anzieht.
Kein Opfer ist also umsonst.
So wurde diese
Hera-Energie
belebt und in gewisser Weise die Richtung der Energie
gerichtet.
Denken
wir nur an
die Kraft unserer Vorstellungen: Wenn wir uns negativ fühlen und
denken, dann ziehen wir auch solcherlei Negativität an - und wenn es
nur eine Stimmung ist, in der wir uns befinden, oder in die wir uns
bewegen.
Eine
wohl sehr taugliche, und dennoch rationalistische These
ist
auch folgende:
Die Mythen wurden
als Archetypen geschaut und beziehen sich gewollt oder ungewollt auf
die
Schöpfung. Die Schöpfung liegt ja allem, was existiert, zugrunde. In
Soziologie, Psychologie und Kosmologie finden sich Bereiche, in denen
Kräfte wirken und Formen schaffen, die sich unterscheiden lassen, und
letztlich in diverse Archetypen gruppiert werden können.
Es
gibt nichts, was nicht aus einer Ordnung heraus enstanden wäre.
Unordnung und Chaos stellen eine Ordnung für sich dar.
Zwischen Schöpfung, Psychologie, sozialer Ordnung, ferner den diversen Kulten und Ritualen, gibt es deswegen ähnliche Entsprechungen, da die Entwicklung und Formung dieser Sachverhalte einer einzigen Ontogenese entspricht (Ontogenese: Entwicklung aus einem Keim). Der Keim besteht in der unwandelbaren Schöpfungsordnung. Daraus, dass die Schöpfungsordnung nur über die sichtbar wirkenden Kräfte und Ereignisse vermittelt wird, offenbaren sich verschiedene Blickwinkel und Perspektiven, wodurch sich die Verschiedenartigkeit der Mythen erklärt.
Energie?
Wenn
ich von Energie oder Kräften rede, meine ich das im weitesten Sinne und
nicht etwa in Anlehnung auf rationalistische Vorstellungen von Energie.
Ich beziehe mich auf eine Art von Energie, wie zum Beispiel psychische
Energie. Energie bewirkt, schafft Felder oder stößt auf andere Energien
und ruft Reaktionen hervor. Hier befinden wir uns in einer Zwangslage
ungenügender Vorstellungen. Man darf nicht meinen, dass die Erwähnung
des Begriffes Energie jetzt nur psychische Felder bedeuten soll. Im
Grunde ist alles ein energetisches Feld, und wir treten durch unsere
verkörperten und aufgebrachten Energiefelder in Bezug zu anderen
Energiefelder, im Kleinen (Kult) und Grossen (Wirkmächte).
Ein Kult stand wahrscheinlich in Bezug zu Verdichtung einer ganz gewissen, dem Kult entsprechenden Energie. Die Verbindung zwischen Himmel und Erde wurde in anderen Kulturen (Schamanismus) als kosmische Säule begriffen, als Weltenbaum und anderes. Bei den antiken Griechen erkennen wir in der einbrechenden patriarchalischen Zeit noch eine Verwurzelung mit der kosmischen Energie symbolisch durch die Säulen der Tempel. So wurde gleichnishaft eine Verbindung zwischen den Schöpfungskräften des Universums (dem All) und den Menschen geschaffen und gestärkt. Das Leben hatte eine Richtung und einen Sinn. Die Symbole wirken auf das Un-Bewusstsein ein, auf die Apparatur des Psychischen, und stellen im Grunde nichts anderes als "Gedankenmuster" bereit, die nur nicht bewusst sein brauchen. So gesehen stimulieren die steinernen Säulen der Griechen das Bewusstsein, innerhalb einer grössen Ordnung eingebunden zu sein, einer kosmischen Ordnung. Da diese Ordnung auch im Kleinen (des Lebens auf der Erde) abgebildet wird, ist es nur sinnvoll, diese Schöpfungsordnung als gross angelegte Schöpfung zu begreifen und sich selbst als einen teil davon. Alles was geschieht, geschieht aus diesem Grund heraus, weil es die Schöpfungsordnung gibt.
Die grosse Göttin des Matriachats war eng mit der Erde assoziert, aber im eigentlichen Sinne ist mit der Erde sogar der Kosmos gemeint. Nicht die Sonne ist gemeint, sondern der Kosmos. Die Erde entspricht in ihrer Eigenschaft ein Gefäß für das Leben zu sein, der Eigenschaft des Kosmos, Gefäß für alle Planeten und Sterne zu sein (als leerer Raum). Auch die Erde ist ohne Licht der Sterne ein kalter Ort.
Mit der Erdung verbinden sich die weisen Frauen und die Hexen mit der kosmischen Energie, und dies war sicherlich auch den Männern und Kriegern möglich. Sie konnten diese Energie heilend durch ihren Körper fliessen lassen und auch in Bezug zu anderen einsetzen.
Zunehmend
gewann das Patriarchat an Einfluss. Es
geschah nicht
abrupt. Der abrupte Wechsel wird nur deutlich im Vergleich des
homerischen Griechenlands mit der heutigen Zeit der weitgehend
emotional
gepanzerten Menschheit (heute) und den fest gezurrten Dogmen der
Wahrnehmungsarten (ein Ding ist ein Ding), was dazu führte, den Kontakt
zur Wurzel allen Lebendigen
zu verlieren. Patriarchalisch ist geradezu der Trennung schaffende
Verstand. Matriarchalisch sowohl die kreative Phantasie als auch
Intuition - und letztere steht damit im Zusammenhang, die universale
Schöpfungsordnung in die Mythen zu übertragen.
Es mag natürlich zutreffen, dass der antike Mythos aus einem gewissen Standpunkt eine Dichtung ist, doch darüberhinaus spricht überhaupt alles dafür, in ihnen in erster Linie eine (zutreffende und taugliche) Allegorie der Schöpfungsordnung zu sehen - über die Ordnungen, die ein Mensch, die das Sein, und die der Kosmos unterstehen. Der Kosmos selbst ist darüberhinaus als höhere Ordnung dem Leben auf der Erde in gewisser Weise überlegen, soll heissen, er beinhaltet Seinsgründe, die über den Menschen hinaus gehen, doch die dem Menschen im Symbolischen (Geistigen) dennoch wahrnehmbar bleiben. Die Erde selbst ist letztlich kein vom Kosmos verschiedener Teil, sondern innerhalb der kosmischen Ordnung enthalten.
Diese Allegorie
(der Schöpfungsordnung) sollte ursprünglich nicht belehrend
wirken, als hätten
irgendwelche Weisen das beschlossen - sondern diese Allegorie
entsprang einfach aus der Anschaung heraus. Der Sinn und Zweck ergab
sich von selbst (was kein Rationalist ohne weiteres anzunehmen bereit
ist). Schauen führt
zur kosmischen Ordnung. Und das Leben stellt seine eigenen Regeln auf,
warum die Mythen in gewisser Weise immer das Leben und die Erfahrung
zum Thema haben. Warum wollte ein Mensch wissen, dass es Götter gibt,
wenn er nicht selbst davon berührt wird, in diesem Umfeld von Göttern
zu leben?
Eine
moderne Auffassung sieht in diesen Göttern einfach wirkende Kräfte. Die
Astrologie zum Beispiel bezeichnet die Wirkmächte, analog den
griechischen Göttern, als
Planeten. Die Astrologie beschreibt wirkende Einflüsse (die durch die
Planeten am Himmel symbolisiert werden und tatsächlich Zusammenhänge
zwischen Leben und diesen Planetenständen offenbart).
Die
Götter sind als Abbild dieser wirkenden Kräfte definiert sind, und man
kann sie - aus heutiger Sicht - nicht sprichwörtlich verstehen.
Es
gibt sowohl schamanische als auch esoterische Ansichten, dass das
Wirken aller Kräfte im Grunde nichts anderes ist, als wie das Wirken
lebendiger Kräfte. Die Kräfte leben also, haben eine Wirklichkeit über das bloße Ereignis hinaus.
Diese Kräfte stellen Mächte dar, die auf das
persönliche Leben nicht einfach nur wertneutral einwirken,
sondern wir stehen in einem Bezug zu diesen Kräften und die Kräfte in
einen Bezug zu uns.