Mythologie zu Ceres

Ceres ist gleichbedeutend mit der griechischen Demeter.

Die Göttin Ceres ist Tochter des Titanen Kronos und der Titanin Rhea. 

Ceres wird stets als ehelos dargestellt. Von Zeus gebar sie Iakchos und in jungen Jahren auch Persephone (Kore), ebenfalls mit Zeus. 

Poseidon näherte sich ihr, doch Ceres verwandelte sich in eine Stute. So verwandelte Poseidon sich ebenfalls in einen Hengst. Aus dieser Verbindung ging das Pferd Areion hervor, das geschah in der Herde des Königs Onkos.
Onkos war Sohn des Apollon.

Angeblich wurde auch ein Mädchen aus dieser Verbindung gezeugt, deren Namen nur Eingeweihte aussprechen durften - es wird anscheinend nirgends ihr Name überliefert. Mit Iason (oder Iasios) lag Ceres nach einer Variante des Mythos schliesslich auch auf einer Ackerfurche: aus dieser Frucht entsprang das Kind Plutos (Wohlstand). Damit ist der Reichtum der Erde gemeint, also üppige Ernten. Mit Iason ist hier übrigens nicht der Anführer der Argonauten gemeint.

Ceres verkörpert ein Prinzip mütterlicher und vegetabiler Fruchtbarkeit, ist Göttin des Ackerbaus und des Getreides. Das Getreide hält besondere symbolische Bedeutung bereit. Das Getreide deutet symbolisch auf die Fülle des Lebens, die Zeiten der Ernte, was heisst, dem Leben zu dienen.

Ceres ist eng verbunden mit den Jahreszeiten. Sie wird dargestellt als alte Frau ohne erotischen Liebreiz, oder als Weib in strahlender und blühender Schönheit. Das Bild der düsteren Alten ist ein Sinnbild für das Ackerfeld, das in seiner Leere auf die Rückkehr der Saat wartet.
Wie dieses Feld wandelt sich Ceres' Gestalt im Heranwachsen zur reichen Frucht. 

Ceres verkörpert neben den Attributen des Ackerbaus, Getreides und der Fruchtbarkeit der Erde, der Familiensatzung und gesellschaftlichen Ordnung auch die Strafe der Verwandlung. Ceres verwaltet ihr Geschäft mit Strenge. Nach anderen solle sie jedoch sehr sanftmütig gewesen sein. Vielleicht wurde sie etwas strenger, weil sie nie mehr richtig froh wurde, seitdem ihre Tochter Persephone von Hades geraubt wurde. 

Die Folgen ihres Verhaltens nach der Entführung der Persephone deutet auch auf ihre Launenhaftigkeit hin. 
An einer Stelle des Mythos, wird Ceres (Demeter) auch in Verbindung mit dem Schicksal von Tantalus gebracht. Tantalus wurde einst bestraft, dass er seinen eigenen Sohn Pelops den Göttern als Speise vorsetzte, um zu prüfen, ob diese den Sohn von einem Tier unterscheiden würden.
Einzig Demeter, verwirrt durch ihren Verlust der Persephone, aß einen Teil der Schulter - die übrigen Götter aber merkten den Betrug und erweckten Pelops wieder zum Leben, das fehlende Schulterstück wurde durch Elfenbein ersetzt.

Persephone

Der Wandel der Jahreszeiten, die ewige Wiederkehr der Fruchtbarkeit, wird auch durch den Raub Persephones durch Hades versinnbildlicht. Persephone (auch Kore genannt) war eine Tochter des Zeus und der Ceres.
Persephone wird von Hades begehrt, und Hades bittet Zeus um seinen Beistand. Doch Zeus kann weder zustimmen noch ablehnen - denn Hades würde tief gekränkt sein, und von Ceres wusste Zeus andererseits, dass sie niemals Zeus verzeihen würde. Doch seine Enthaltung zu dieser Frage entspricht im Grunde einer Zustimmung, da Hades einen eigenen Willen hatte und ohne direkte Ablehnung kann er walten. So wagte es Hades die Persephone zu entführen, als diese auf einer Wiese Blumen pflückte. Die Erde tat sich auf und Hades kam, sein Wagen angeführt von seinen Pferden, und verschwand mit Persephone, die er umarmt gefesselt hielt. Der Erdboden verschloß sich wieder und Persephone war wie vom Erdboden verschluckt und verschwunden.

Ceres suchte nun neun Tage und Nächte verzweifelt ihre Tochter! Keiner kann ihr helfen - weder Gott noch Mensch, oder die wahrsagenden Vögel. Was tut man dann? Vergebens rief sie ihren Namen, und suchte Hinweise.
Nur die alte Hekate hatte vernommen, dass jemand eines Morgens "Gewalt! Gewalt!" geschrien hatte. Doch als Hekate nachschaute, was dort wohl geschehe, war nichts mehr zu sehen. 

Ceres verliess nun traurig den Götter-Himmel, und war ganz verwirrt. Aus Wut und Ärger beschloss sie, dass das Wachsen der Pflanzen aufhöre! In ihr steckt also eine gewisse Macht, die sie durch ihre Entscheidungen bewirken kann. Eine sonst verborgene heimlich wirkende Macht, die sich auf die Fruchtbarkeit der Felder bezieht, und sich vermutlich auch auf den gewohnten Ablauf der Aufeinanderfolge von aufeinander aufbauenden Wachstumszyklen bezieht.

Am zehnten Tage nach dem Verschwinden ihrer Tochter Persephone kam Ceres dann verkleidet nach Eleusis, das war nach dem peinlichen Zusammentreffen mit Poseidon in den Herden des Onkos.
König Keleus und seine Frau Metaneira nahmen sie gastfreundschaftlich auf. Sie bot ihnen an, als Amme für ihren Sohn Demophon - den neugeborenen Prinzen - zu bleiben.

Noch wollte sie selbst weder essen noch trinken. Die lahme Amme Iambe versuchte schliesslich Ceres mit frivolen Versen zu trösten und die andere Amme Baubo bot ihr Gerstensaft an.
Doch Ceres lehnte den Wein ab - Ceres trank ja keinen Alkohol. 

Baubo hieb dann ihren Rock und entblößte ihre Geschlechtsteile, was Ceres dann endlich zum Lachen brachte - und da kam Ceres' Sohn Iakchos durch die Beine hervor. 

Abas ein älterer Sohn des Keleus rief aus: "Oh wie begierig du trinkst", und Ceres war nun ganz empört und verwandelte ihn in eine Eidechse. Zu diesem Zweck warf sie den Bodensatz des Getränkes in sein Gesicht. 

Doch nun schämte sie sich ihrer Ungezügeltheit und nahm sich vor, den Demophon als Geschenk für den König unsterblich zu machen. 

Sie hielt Demophon von nun an jede Nacht über Feuer, um die Sterblichkeit aus Demophon zu brennen. Doch bevor das Werk vollendet war, kam Metaneira hinzu und brach den Zauber durch ihre einschreitende Art - in Unwissenheit, wessen Zwecken das Tun von Ceres galt. Demophon starb daraufhin! Wie unglücklich ist doch mein Haus, klagte Keleus. Ab nun wurde Keleus Dysaleus genannt. 

Ceres tröstete ihn, "du hast noch drei Söhne, von denen ich Triptolemos mit reichen Gnaden beschenken werde, dass du den Verlust deiner beiden Söhne vergisst!"
Triptolemos hütete das Vieh seines Vaters. Dazu gibt es mehrere Varianten des Mythos. In einer ist es Triptolemos, der als weiterer Sohn neben Demophon das Vieh behütet. Triptolemos beobachtet die Entführung der Persephone durch Hades, und berichtet dies Ceres. 

Ceres ist nach der Vereitelung ihres Werks an Demophon erzürnt, dass sich Metaneira dermassen einmischte.
Verärgert entblösst sie nun ihre göttliche Erscheinung (in anderen Versionen gibt sie sich schon ganz zu Anfang, als sie sich als Amme anbot, als Göttin zu erkennen) . Sie äussert sich über die Beschränktheit menschlicher Wahrnehmung und menschlicher Einsicht, und gibt ihnen kund, welche göttliche Ehrung sie dem Sohne vorenthalten hätten.

So verlangt sie, dass man ihr einen Tempel baut, und Ceres selbst werde die Riten lehren,  welche die Eleusiner üben sollen, um der Göttin Herz zurückzugewinnen. 

Es scheint, dass Ceres sich von den Menschen wie von den Göttern verlassen sah. Während der Tempel gebaut wurde, herrschte die Hungersnot, keine Frucht will ja mehr wachsen, die Saat wird in der Erde zurückgehalten. So hätte sie die Menschheit zerstört.

Die chronologische Folge der Entführung der Persephone sieht nach den homerischen Hymnen so aus: zunächst pflückt Persephone auf einer Wiese Blumen, der Boden tut sich auf und Hades verschlingt sie. Ceres hört die Klagerufe oder vermisst sie bald, und macht sich auf die Suche. Nach neun Tagen erfährt sie von Helios die Wahrheit, dass Hades hinter der Entführung steckt.
In eine alte Frau gehüllt geht sie zu den Städten unter den Menschen, und findet in Eleusis Ruhe an einem Brunnen, wo sie sich trauernd niederlässt. Die Töchter des Königs Keleos von Eleusis finden sie dort und bieten ihr den Dienst einer Amme an.
Traurig sitzt Ceres abseits im Haus des Keleus. Jambe gelingt es sie mit Scherzen aufzuheitern. Als Amme pflegt sie den Königssohn Demophon und des nachts hält sie ihn heimlich über das Feuer. Schliesslich überrascht sie die Mutter und bricht in lautes Klagen aus. Ceres gibt sich erzürnt zu erkennen und verlangt, dass das Volk des Königs ihr einen Tempel und Altar bauen soll, denn sie ist es immerhin, die für die Freude unter Göttern und Menschen sorgt. Die Bevölkerung beginnt den Bau des Tempels. Doch Ceres lässt derweil alle Felder vertrocknen und trauert weiterhin um ihre Tochter. Keine Saat will keimen. Eine Hungersnot breitet sich aus. 

Zeus bemerkt, dass das ganze Menschengeschlecht bald ausgerottet wäre und ruft Ceres zu sich. Doch diese kommt nicht. Nie mehr werde sie den Olymp betreten, und keine Frucht der Erde keimen lassen, ehe nicht die Tochter bei ihr zurück ist. Zeus sendet seinen Bruder Hades die Botschaft, er möge Persephone zur Mutter zurückgeben. Heimlich gibt Hades der Persephone noch Granatäpfel zu essen. Persephone und Ceres freuen sich über ihr Wiedersehen doch dann erfährt Ceres, dass sie Granatäpfel gegessen hatte. Nun ist klar, dass die Tochter nicht für immer an der Oberwelt bleiben dürfe. Alle erklären sich einverstanden mit einem Kompromiss: Zeus, Rhea, Hades, Persephone und Ceres. Nun solle Ceres die Früchte wieder wachsen lassen und Ceres tut dem Folge, die
Ehrwürdige. 

Dann aber geht sie zu den Adeligen in Eleusis, zu Keleos, Triptolemos und Eumolpos. Sie zeigte allen den Opferdienst und beschrieb die erhabenen Weihen, keiner darf sie verletzen, kein Uneingeweihter erforschen, kein Eingeweihter verkünden, denn große Ehrfurcht vor den Göttern lässt Menschenrede verstummen.
Selig der Erde bewohnenden Menschen, der solches gesehen! Doch wer die Opfer nicht darbringt oder sie meidet, wird nicht teilhaben an dem Glück, er vergeht im modrigen Düster. Hochselig die erdebewohnenden Menschen, denen die beiden Göttinnen sich gütig und liebevoll zeigen, sie schicken Plutos bald in ihr Haus als Genossen am Herde. Der aber stiftet Reichtum den sterblichen Menschen.

Plutos=personifizierter Reichtum; nicht Pluton/Hades! Plutos wurde mit Demeter/Ceres und Iason (nicht der Argonaut, sondern ein Landbewohner) auf einem dreimalgeflügten Acker gezeugt, dreimal gepflügt als brachliegendes Feld, im Frühling, Sommer und Herbst; Plutos steht somit für die reichen Gaben der Feldernte.

Manche Versionen gehen über die Episode mit Keleus auch hinweg und führen weiter an, dass Hermes von Zeus beaufragt wurde, Ceres zu besänftigen, da es so nicht weiter gehen könne, wenn die Erde keine Früchte mehr bringe.
Aber Ceres will nicht verhandeln, sie will Persephone zurück. Schliesslich lässt sich Zeus erweichen und muss dennoch die Bedingung an eine Rückkehr der Persephone stellen, denn so sei es das Gesetz der Unterwelt, dass Persephone nichts zu sich genommen haben darf, während sie in der Unterwelt weilte.
Niemand hat gesehen, wie sie etwas gegessen hat, Persephone selbst verneint es. Da kann Hades nichts machen und widerwillig gibt er sie frei. Doch ein Verräter taucht nun auf, Askalaphos, der sie doch als einziger gesehen hat, wie sie die Früchte, namentlich vier Samen des Granatbaumes ass! (In manchen Versionen des Mythos nur einen Samen)
Nach zähem Ringen kommt es zum Kompromiss, dass Persephone ein Drittel des Jahres (oder je nach Version drei Monate oder ein halbes Jahr) in der Unterwelt weilen muss, und dann den Rest des Jahres zurück darf zu Ceres.

Andere Versionen berichten auch noch ausführlich ihre Wut und ihren Zorn, der sich bald gegen die Menschen richtet. Sie nennt die Menschen undankbar, unwürdig der Gabe der Früchte, wütend zerschlägt sie Pflüge, läßt die Samen verkommen im Übermaß von Regen oder Sonne, Vögel verschlingen die Saat. Dann sei es die Nymphe Arethousa, die zum Anwalt von Erde und Insel erhoben wird und Ceres kund tun, wo sie Persephone gesehen habe. Daraufhin kam sie zu Zeus (Jupiter), der aber stellte die Bedingung mit der Nahrung, die Persephone dort im Hades nicht vertilgt haben dürfe usw.
Ceres ist es, die eine lange Zeit des Winters einleitet, dadurch dass sie Persephone (Kore) sucht und ihrem Leiden Ausdruck verleiht, dass keine Frucht und kein Grashalm mehr wachse.

April 2007
Stefan Arens