Der Beginn der griechischen Antike aus paläontologischer und archäologischer Sicht

Frühzeit des Menschen

Alle alten Hochkulturen der Weltgeschichte entwickelten sich aus einer ihr vorgelagerten Frühzeit heraus. Diese ist wiederum eine Folge des langen Entwicklungsprozess der Menschheit.

Die Frage nach den Gründen ihres Daseins hat den Menschen schon immer in irgendeiner Weise bewogen; - es ist die Frage, was Leben und Welt auf sich hat. Es ist von Anfang an eine Frage um ursächliche Kräfte oder Mächte gewesen. Ob man diese Fragen konkret und direkt stellte? Es wird wohl in den Anfängen des Menschen (homo erectus und homo sapiens) keine direkete Frage gewesen sein. Es war ein Gespür, und vielleicht eine Ahnung, gewisse Phänomene verbinden sich mit erst diffusen Eingebungen und dann wird das Geahnte durch wiederholte Auseinandersetzung verdichtet zum Wissen. 

Was manche Forscher der Einbildungskraft des Menschen zuschreiben, spiegelt aber im Grunde die unmittelbare Auseinandersetzung mit der Schöpfung und ihren Erscheinungen wieder und wir können heute leicht feststellen, dass die Phänomene der Natur und des Lebens ein Symbol ausdrücken, das sich selbst erklärt, da zum Beispiel die Nacht gewisse Eigenschaften aufweist und der Tag ebenso. Bloße Assoziationen sind hier nicht der springende Punkt, denn der springende Punkt ist, dass solche Assoziationen durch Beobachtung der realen Verläufe der Schöpfungsordnung gebildet werden. Daher ist Phantasie oder Einbildung nur der letzte Schritt, um den Kern an verdichteten Wahrheiten auszuschmücken. Mitsamt verschiedenen Perspektiven oder mentalen Vorraussetzungen, die sich je nach geologischer Lage unterscheiden können, ergeben sich dann die verschiedenen frühen Religionen und Hochkulturen.

Dem Ur- und Frühmenschen ergaben sich jedoch die Antworten mehr, als wie dass es eine bewusst gestellte Frage war, und darum zu wissen, ist für uns sehr wichtig.
Denn zu leicht verfallen wir in die törichte Annahme, die mythischen Anschauungen entsprangen der Überlegung oder assoziativen Herleitung. Es war eine unmittelbare Einsicht in die Stellung des Menschen im Kosmos, und Einsicht in die Schöpfungsordnung, was alles dann erst den Mythos zustande brachte. Es stand für den Frühmenschen nicht die Reflektion und Überlegung im Vordergrund, sondern die Schau und unmittelbare Erfahrung. Der Mythos bildete sich zwangsläufig, so wie wir heute zwangsläufig über Sprache  verfügen, mit der wir die Welt, die wir erleben, fassbar machen können. Der Mythos ist vielleicht sogar als eine Erweiterung der Sprache zu denken. Während rudimentäre Sprache an sich nur ein ganz einfaches Verständnis ermöglichen sollte, oder eine archaische Ausdrucksqualität hatte,  diente der Mythos dazu, das, was man für richtig erachtete, an die Kinder einer Sippe weiterzugeben. Das soll nur eine Theorie sein, denn es gibt keine verlässliche Deutung der Herkunft des Mythos aus den Uranfängen heraus. Es gibt schlechtere, ja fast naive Theorien, die alles auf die bloße Einbildungskraft und Wunschnatur des Menschen beziehen, wonach die Sehnsucht des Menschen nach Sinn und Ordnung ausschlaggebend war. Man vergisst dabei aber, bzw. lässt unter den Tisch fallen, dass dieser Sinn einerseits ein Ausdruck des menschlichen Wesens ist, und sich andererseits die im Mythos enthaltenen Ansichten einen wahren Kern besitzen. Gerade dieser wahre Kern eines frühgeschichtlichen Mythos geht der heutigen Forschung weitgehend ab, denn die heutige Zeit hat keine Kategorien für höhere Wirkmächte, oder wirksame Prinzipien oder gestaltbildende Kräfte, die dem Leben und der Schöpfung übergeordnet sind. 

Weil man aus einem Standpunkt heraus argumentiert, dem der Bezug auf höhere Wirkmächte verloren gegangen ist, erscheinen die esoterisch anmutenden Theorien und Ansichten über das frühgeschichtliche Leben notwendigerweise für rational geprägte Augen plump. Andererseits erscheinen aber auch die üblichen rationalen Theorien nicht nur plump, sondern zuweilen vereinfachend und teils absurd für Augen, die die Betrachtung höherer, verborgener Ordnungsgefüge gewöhnt sind.
Nur selten findet man die Bereitschaft, den Schamanismus als Seelenreise, oder Astralreise, oder ähnliche Kommunikation mit anderen Wirklichkeiten anzunehmen, geschweige denn diese als übersinnlich bekannten Sachverhalte in Verbindung mit der Entstehung von Mythologien zu bringen.

Archetypen

Die Religion ist vom Wortsinn oft und zutreffend als "Rückbindung" bezeichnet worden. Es ist mit dem Begriff "religion" auch eine bejahende Aussage in Bezug zu etwas Höherem verbunden ("höher", weil es als erstrebenswert gilt, nämlich dafür niedrigeres zu vernachlässigen). 

Die Menschen waren nicht religiös oder fromm, so wie wir heute diese Begriffe verstehen würden; das heisst, sie wollten keine Vorstellung erwecken, keine Idee besitzen, sondern in lebhaften Bezug zu etwas treten. Heute würden viele dazu Rituale verwenden, aber sie empfanden sich als Teil eines Ganzen und es war für sie natürlich, den Bezug zu diesem Ganzen nicht zu verlieren; in dieser Haltung bestand die Religion der Frühmenschen, und es war das Leben an sich ein Ritual, wobei das Ritual bloßer Ausdruck des Lebendigseins war. Wir sehen daran, wie sehr sich das Leben verändert hat...

Dieses Höhere löst nebenher schliesslich - als Bestandteil der Erfahrung - eine gewisse Ehrfurcht aus.

Diverse Begriffe wurden von den Religionen benutzt, um eine zentrale Aussage zu treffen: Erleuchtung, Transzendenz, Jenseits, Nadelöhr, höheres Bewusstsein, Selbst, Spiritualität, Nirvana, Dao als der "rechte Weg", Götter - und sie meinen alle im Grunde eine Dimension des Erlebens ganzheitlicher Art. 

Ganzheit schliesst einen erfahrbaren Sinn unbedingt ein. Man erlebte sich auf eine ganzheitliche Art und nahm die Welt aus einem Einheitsbewusstsein wahr.

Das Leben hat seit dem Aufkommen der Sprache eine Eigendynamik entwickelt, die in ihrer Substanz bis heute eigentlich darin besteht, von dem Einheitsbewusstsein zunehmend abzulenken. Die begriffliche Sprache kann sehr leicht Trennungen schaffen. Zuerst gab es die Trennung zwischen "Ich" und Welt. Das "Ich" wurde mit dem gewachsenen Sprachvermögen und verbunden mit weiteren Entwicklungsprozessen zum zentralen Punkt aller Reflektionen und Bewertungen.

Der Frühmensch spürte aber, wie er als Teil eines grösseren Ganzen existierte. Bis zur Ausbildung eines Ich-Bewusstseins war auch das Selbst noch nicht wirklich als Behälter von Archetypen geschaffen. (Frühmensch: vielleicht ab 35.000 v. Chr. - diese Zeitangaben sind keineswegs wissenschaftlich gesichert).

Die Instinktgrundlage des Urmenschen

Das Erleben des Menschen war ein einziger Ur-Archetyp. Alles war in eine einzige Instinktgrundlage gebettet, und insofern befand sich der Urmensch (Urmensch: vor 90.000 v. Chr.) in einem Ur-Archetyp des Selbst. Aus diesem Selbst heraus wuchs der moderne Mensch (homo sapiens).

Aus der neuen Fähigkeit der Reflektion und des komplexeren Werkzeuggebrauchs wurde dann die Vielfalt des menschlichen Erlebens ermöglicht. Die Übergänge vollzogen sich in Jahrtausenden der Menschwerdung.

Komplexe Religionen wurden erst möglich, indem der Mensch mit der Sprache Begrifflichkeiten erfassen konnte, als auch (gedankliche) Trennungen zwischen zB "Welt und Ich" schaffen konnte. Alles was zeitlich davor gelagert ist, kann man als Ur-Religion bezeichnen.

Die Religionen und ihre Mythen bezeichnen meist das Selbst als die Möglichkeit, durch ihm weise Führung zu erhalten, nicht nur um zum Göttlichen oder der Wahrnehmung sonstiger höherer Sphären vorzudringen, sondern auch entstammen manche Überlebensstrategien aus diesem Selbst, was nicht verwundert, da das Selbst und die Instinkte eine enge Bindung aufweisen. Im Selbst behinhaltet ist auch jegliches Bewusstsein über die Schöpfung und ihre Prozesse oder Gesetzmässigkeiten. 

Eine archaische Form dieses Bewusstseins um die Schöpfung mag in dem Einheitsbewusstsein des Urmenschen bereits bestanden haben. Was er wahrnahm kreiste aber noch nicht um das reflektierende Zentrum eines "ICH", und es fehlte ihm die geistige Durchdringung des Bewusstseins um die Einheit der Schöpfung.

Einheitsbewusstsein kann als ein Bewusstsein beschrieben werden, in welchem die Geborgenheit in einem grösseren Ganzen  erfahren wird, bzw. diese unmittelbar erlebt und geschaut wird - es ist nicht wesentlich, dass solche Geborgenheit gedacht oder in sprachliche Benennung gebracht wird, sondern sie wird als solche erfahren und sogleich die Phänomene als selbstverständlicher Ausdruck dieses Einheit gedeutet. 

Auch heute können wir dieses Bewusstsein, Teil eines Ganzen zu sein, erfahren - und wir merken, dass "Erfahrung" etwas anderes bedeutet, als an etwas zu denken.
Wissen ist eigentlich etwas, was aus Erfahrung resultiert, wir bezeichnen es als Wissen, wenn wir "wissen", was die Zahl vier bedeutet, aber wir wissen nichts über die Bedeutung der Zahl vier, oder können es uns nicht vorstellen, wenn wir nicht vier Dinge oder Einzelheiten konkret vor uns liegen haben oder erinnern; erst dann wissen wir wirklich, was "vier" ist. In diesem Sinne ist Wissen "unmittelbar".

Aus einem Einheitsbewusstsein heraus wird die Welt als Ganzes erfahren. Das kann zum Beispiel für den frühen Menschen der Eindruck sein, zur Mutter Erde zu gehören, eingebettet in die grosse Fruchtbarkeit, gleichgestellt neben allen anderen wahrnehmbaren Phänomenen und Lebewesen, die sich auf der Erde befinden und kontinuierlich existieren (sich fortpflanzen und dadurch in gewisser Weise wahrnehmbar bleiben).

Die Jagd entwickelte sich aus einem Urbedürfnis, hin zur kultivierten Handlung einer ganzen Gruppe. Die Jagd wurde komplexer, und vor der Jagd "beabsichtigte" man vermutlich sehr oft den Beutefang durch das magische Malen des Tiers auf Felswänden. Dies hatte wohl auch einen weiteren Grund darin, dass man begann das Leben auszuschmücken, wozu zwar auch das soziale Leben gehörte, welches aber nicht in dem Sinne ausgeschmückt wurde durch irgendwelche Rituale oder Zusammenkünfte - diese Arten des komplexer werdenden sozialen Lebens wird es wahrscheinlich erst mit der Sesshaftigkeit des Menschen gegeben haben, also nicht vor 10.000 v. Chr..

Dinge wurden bemalt - warum tat man das? Es hatte ja keinen praktischen Zweck, aber es war sozusagen ein Fest des Lebens, ein Umstand, das Leben auszuschmücken, aber auch mit Bedeutung zu versehen, es mit menschlicher Bedeutung zu versehen, als Ausdruck des Selbst.

Ein Etwas wird mit der Sprache irgendwann benannt, und existiert damit als Vorstellung, losgelöst von der Wirklichkeit des gemeinten Etwas. Die Vorstellung kann ausgebaut werden zu geistigen Ideen. Doch umso mehr dies getan wird, verliert sich der Bezug zu einem "Ding an sich". Denn das Ding, wie es erlebt wird, wurde mit der geistigen Idee dieses Dings abstrahiert und was "sprachlich erlebt" wird ist etwas ganz anderes, als wenn man es unmittelbar erlebt.

Der Früh- und Urmensch konnte gar nicht anders, als die Welt in einer Weise des Unmittelbaren zu erleben, was wir uns heute kaum vorstellen können; - aber meiner Meinung ist es nicht ganz unmöglich, sich eine Vorstelllung darüber zu bilden, bzw. durch eigenes Erleben dieses prähistorische Bewusstsein in Facetten nachzuvollziehen: durch annähernde innere Stille der Gedanken etwa, während wir gleichzeitig normale alltägliche Dinge wahrnehmen, sie können mit einem "Blick, der kein Urteil kennt" uns etwas anders erscheinen. Und der Höhepunkt solcher Erfahrung ist es noch heute, etwa in der Meditation zur Erleuchtung zu kommen. Dabei wird unser gewöhnliches Erinnerungsvermögen und Gedächtnis ausgeschlossen, weil wir die Welt und das sinnlich Erfahrbare nur noch unmittelbar wahrnehmen, ganz so wie uns die Eindrücke als seiendes Wesen berühren. Nebenbei gesagt wird ind er Meditation auch ein Bezug auf das Selbst aufgestellt.
In dieser Weise sind wir mit unserem Selbst verbunden, welches zugleich die Einheit mit allem anderen Dingen und Geschehnissen (=Welt) zu erkennen vermag, und wodurch es möglich ist, diverse Kräfte und Energien wahrzunehmen. Der Urmensch konnte darüber nicht reflektieren und dennoch hat er Millionen von Jahren überlebt - es war also kein Chaos, was er erlebte. Seine Ordnung war die des Selbst und seiner Instinkte.

Mit der Sprache und damit auch der Vernunft wird insgesamt eine Polarität zur ursprünglichen Einheitserfahrung, also zum Selbst bzw. zur Ganzheit geschaffen. Eine sprachliche Fähigkeit ist entstanden, die der Entwicklung des Bewusstseins in seinen vielfältigen Möglichkeiten zu dienen scheint.
Aber bald wurde sie übertrieben. Ist doch die Vernunft mit ihrer Kategorienbildung und Instanz einer Ordnung in der Lage, eine Ersatzwirklichkeit zu schaffen, die von der unmittelbaren Schau und Einheitserfahrung ablenkt. Die Wirklichkeit begann nun als Idealbild zu existieren. Was wir heute auch denken mögen, es ist fast alles ein Abbild des Wirklichen. 

Anno 500 vor Christus begann dieser Prozess der Ausbildung einer zunehmenden Rationalität in Griechenland und man verstand zunehmend die Religionen der olympischen Götter als Phantasie oder Konstruktionen der Willkür. Solange es die Sprache gab (man kann sie ab 20.000-10.000 vermuten), musste es nicht heissen, dass die Einheitserfahrung verloren ging. Das geschah erst viel später, wohl ziemlich exakt ab 500 vor Christus. Noch in der langen Zeit der Vorantike, so kann man annehmen, wurden die Mythen nicht als Konstruktionen aufgefasst, sondern als Mittel, sich der ständigen Präsenz einer allgegenwärtigen Macht zu vergewissern, die sie mit den Göttern identifizierten. In anderen Religionen wurde diese kosmische Macht mit anderen Attributen versehen, doch es handelt sich immer um etwas übergeordnetes, das allem Geschick eine Richtung zu geben vermochte; in manchen Religionen auch etwas deterministischer aufgefasst.

Die beginnende Rationalität fand mehr Sicherheit in begrifflichen Vorstellungen als wie in der Einheiterfahrung. Ein Grund dafür war sicherlich die zunehmende Komplexität der Welt, der Lebensbedingungen und die neuen technischen Errungenschaften, der Handel und Austausch, und die Heranbildung hierarchischer Strukturen, die die Relikte des alten Matriarchats endgültig verdrängten. Denn das ist auch klar, wo es ein Matriarchat gab, war die Bindung an die Natur - und damit an die kosmischen Kräfte - intensiver.
Der Gebrauch der Schrift wurde seit 800 v. Chr. immer gegenwärtiger. Wir wissen nicht genau, wieso dieser Prozess der Ablösung von der Einheitserfahrung so schnell von statten ging, und es mögen auch Gründe eine Rolle spielen, auf die wir gar nicht kommen mögen.

Der Beginn der Sprache setzt den Prozess der Trennung in Gang, und zwar die Trennung von den Dingen an sich, so wie die Welt ist. Das hat einen Vorteil, aber auch den Nachteil, dass damit eine kontinuierlich aufrechterhaltene Trennung und Eigendynamik der "Ersatzwirklichkeit" geschaffen ist. Kinder wachsen in diesen Konstruktionen auf und beginnen als Heranwachsene aus diesen Konstruktionen die Orientierung für die Welt zu gewinnen.

Es gibt viele mögliche Arten oder Definitionen des Archetyps

Alter, Jugend, Krieg, Armut, Schutz, Reise, Junggesellentum, Elternschaft, sogar Ernährung (Mahlzubereitung) sind gewöhnliche Archetypen; ein See, Berg, Landschaftsformen, Wald, Wiese, Wind, Sonne, Jahreszeiten, Nacht sind sozusagen phänomenale Archetypen, sie sind erfahrbar als Phänomene (=Erscheinungen). Gerade diese Phänomene der Natur drücken aber auch symbolische Energien aus: der wahrnehmende Mensch kann sich an ihnen erfreuen, an ihnen teil haben, aber bedeutsam sind sie, weil sich in ihnen die verborgen angelegten Geheimnisse über die Schöpfung verbergen. Wir kennen heute noch die vier massgeblichen Elemente: Feuer, Wasser, Erde und Luft und auch das sind Archetypen. Alles in der Welt besteht aus grundsätzlichen Urkräften, und man ordnet die erscheinenden Phänomene zu diesen Urtpyen, also Archetypen.

Eine Art spiritueller Archetyp kann in dem Einheitsbewusstsein, der inneren Reise, dem Selbst, auch in der erahnten Unendlichkeit und dem Fließen der kosmischen Ewigkeit, in der inneren Stimme und der inneren Führung gesehen werden.

Für das Lebewesen mit ausgeprägten Ich-Bewusstsein kann es leicht fallen, sich die Wirklichkeit als Abbild zu erschaffen, und diese abbildhafte Wirklichkeit als viel realer aufzufassen, als wie die Dinge ohne ihre Beschreibung existieren würden. Da sist natürlich ein ziemlich grosser Sprung, hin zu einer Welt ohne Beschreibung. In der Bibel steht, dass Gott die Tiere und Pflanzen erschuf, es aber dem Menschen (Adam) überliess, sie zu benennen. Damit ergibt sich die Spaltung, notgedrungen, nämlich die Spaltung zwischen tatsächlicher Wirklichkeit als einer kosmischen Erfahrung, einer Wirklichkeit, die so existiert, wie sie ist, und der angeblichen Wirklichkeit (Platon würde sagen: den Ideen an sich im Gegensatz zu ihren Abbildern). 

Der Frühmensch im Übergang zum Neolithikum (10.000 v. Chr.) erkannte, dass es nicht nur diese Archetypen gibt, sondern dass allem, was existierte, Energien, bzw. gestaltbildende Kräfte zugrundelagen. Energien oder Kräfte, die schliesslich mit Göttern übersetzt wurden, denn alles trug eine Signatur. Diese Götter wurden als etwas begriffen, dem man sich nicht entziehen konnte, denn die Götter wirkten und schafften die Dinge und auch unser Schicksal; die Götter hatten an allem Geschehen einen Anteil, und je nach Art des Geschehens konnte man verschiedene Götter identifizieren. Im Prinzip können wir heute auch von Naturgesetzen und auch uns bislang verborgenen Kräften reden, um sie mit den Göttern gleichzusetzen. Doch der springende Punkt ist, dass alles eine Signatur trägt, die wiederum aus Sicht des Selbst einen Archetyp bedeutet.

Mythos

Was für die moderne Welt das Geld ist, das ist für den Menschen, der den Mythos lebt, die seelische Erfahrung. Ab 8.000 v. Chr., so lässt sich allgemein sagen, bildeten sich (weltweit, aber zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Arten) die Vorstellungswelten über Sein und Kosmos heraus, die später in den Mythen erst mündlich, dann ab 3000 v. Chr. schriftlich überliefert und fixiert werden konnten. Diese Mythen bildeten eine Brücke hin zu der Einheitserfahrung, die ihrerseits wahrscheinlich lange Zeit vor 8.000 v.Chr. schon erlebte Realität war.

In der Einheitserfahrung der Jahrzent-tausende vor den Mythen war das Handeln spontaner, es wurden sehr wahrscheinlich sofortige Strategien der Lösung angestrebt, sofern ein Problem akut war, bzw. je nach individueller Gesinnungs- und Verhaltensart prompt umgesetzt, was die Instinkte oder der unmittelbare Eindruck der Realität vorgab. Nichtsdestoweniger kann es nicht sein, dass die Menschen der Frühzeit - wie gewisse Philosophen und Evolutions-Psychologen annehmen könnten -, über keinerlei Reflexionsvermögen verfügten, man muss nur das Reflektieren eher im Sinn einer Schau verstehen.

Es gibt zahlreiche Hinweise zumindest in Bezug der Zeit des Neolithikums (ab 10.000), dass Menschen fähig waren, in ihrer Vorstellungswelt ein gewisses Bewusstsein über Dinge und Geschehnisse (Zyklen) zu bilden, was dann schliesslich in der Vorstellung weiter ausgestaltet wurde:
Kunst und Technik (Werkzeuge), und nicht zuletzt die astronomischen, einfachen Anordnungen zum Beispiel von Stonehenge (etwa 3000 v. Chr.). Diese Reflexion fand wohl weniger mit der Betonung linker Gehirntätigkeit statt, sondern ging aus dem bildlichen Denken des rechten Gehirns hervor, dieses empfand ein ganzes Bild, und zwar so wie etwas sein sollte. In derselben Art einer Schau wird man sich auch selbst betrachtet haben, eingebettet in das grössere Ganze (Kosmos, Gruppe etc.).
Diese Art bildliche Vorstellung lässt sich auch auf die Frühzeit der Menschen beziehen, die etwa der Höhlenmalerei nachgingen, um durch diese Malereien eine Absicht des Jagens zu bilden. Reflektion ist in diesem Sinne eine nicht verbale. Sie ist mehr eine Schau. Man sollte die Begriffe (Reflektion) nicht wörtlich nehmen, um deren vorhandene Eigenschaft zu bejahen oder zu verneinen, sondern den richtigen Kontext und Bedeutung des Gemeinten anstreben (was man eine Art archaische Reflektion nennen könnte, bildliche Reflektion).

Hypothese: Ein Archetyp ist eine "Lade, Truhe" der menschlichen Orientierung

Arche leitet sich etymologisch von "Kasten, Lade" ab und in "Truhen" wurde das "Heilige", "Sakrale" gehalten, was den profanen Blicken des Alltäglichen entgehen sollte, und für besondere Momente gab es die magische Brücke, Zeremonie, wobei die menschliche Aufmerksamkeit sich dem magischen Bewusstsein öffnen sollte.
Die Aufmerksamkeit war damals in der frühen Antike wahrscheinlich schon als sehr Wichtig eingeschätzt, und man war sich halbwegs bewusst, dass der Aufmerksamkeit eine besondere Fähigkeit zukommt, nämlich eine (feinstoffliche) Energie zu übertragen oder es schien ganz einfach schicklich, die sakralen Bereiche des Lebens sorgsam "abzutrennen" von dem gewöhnlichen Leben und dadurch die Eigenschaft des Sakralen rein zu halten. Man merkte, dass, wenn man es nicht tat, die (magische) Kraft der Objekte verblasste.
Darüberhinaus steht die arche als Truhe oder Kasten auch symbolisch für einen Bereich des Bewusstseins, in dem sozusagen bewahrt wurde, was zum höheren Bewusstsein führte. Das konnte zum Beispiel der Mythos sein. Dieser Begriff Arche, so kann man annehmen, fand seinen Ursprung so um 2000 v. Chr. (bezogen auf Griechenland).

Orientierungen hat jeder Mensch, es ist das, was er aufmerksam verfolgt.
Selbst nichts zu tun, verfolgt diese Aufmerksamkeit (des Nicht-Tuns), nämlich die einer Absichtslosigkeit. Hierbei muss nur bedacht werden, dass ein beabsichtigtes Nicht-Tun nur deshalb möglich wird, weil gewöhnlich sehr vieles aus Routine getan wird. Routinen gelten für uns heute mehr, als wie für Menschen einer Frühzeit.
Bald mit der zunehmenden Versprachlichung der Welt, durch das gelebte Leben, das nun nebenher eine weitere Ordnung der Wirklichkeit erzeugte, wurde der Bereich des magischen Bewusstseins zu einer zweiten Orientierung, zu der man die Bindung nicht verlieren wollte.

Nun wurde die Lade, der Kasten, die Arche zwangsläufig errichtet, als Institution um dadurch das Wahre, also die Rückverbindung, den Mythos und Kult zu überliefern: damit es nicht in Vergessenheit gerät und als Zugang zur anderen Wirklichkeit erhalten bleibt.
Eigentlich drückt der Mythos nur sprachlich aus, was die Menschen schon lange Zeit vordem in ihrer Vorstellungswelt bewahrt hatten.

Andererseits geht es beim Mythos auch um die Ausschmückung des Hintergrundes mit sinnhaften Bezügen, das ist jene Vorstellungswelt, die sich aus der Frühzeit des Menschen erhalten hat, jene Vorstellungswelt, die sich als Einheitserfahrung mit der Menschwerdung parallel ausgebildet hat. Die Welt mit ihrem Sosein, mit dem Dasein und allen Kräften, den Naturkräften und dem Umstand, ihnen ausgesetzt zu sein - darin erschien die Welt und das Sosein durchaus als schaudererregend, und ein Mythos verwischt nicht den Schauder, sondern knüpft direkt daran an und integriert so die Ehrfurcht mit Sinn.
Aber dass dies so gemacht wurde, ist wohl weniger mit der Leere zu erklären, die sich dem Menschen stellte, sondern massgeblich wird das ein Gespür gewesen sein, dass das Leben einen höheren Grund hat.
Kein Verstand war hier ausschlaggebend, sondern Schau und das Begreifen des Sinns (der Schöpfung und des Seins) in unmittelbarer Weise. Selbst wenn es aus einem menschlichen Komplex des Sinnbedarfs herrührt, so ist dieser Sinnbedarf in der Schöpfung (des Menschen) angelegt und es hat seinen "guten Grund", dass der Mensch sich dem Sinnhaften zuwendet.

Diese Bedeutung der arche als "Lade, Kasten, Truhe, den Blicken verborgen, geheim, exerzieren" ging über die Zeit des römischen Zeitalters dann über zu einem Ort des "Geldes". In der biblischen Überlieferung wurde es wieder zu dem "Bewahrer" des Kostbaren. Noch in der griechischen Antike wurden in den realen Truhen Idole oder magische Gegenstände verwahrt. So kann die arche als etwas angesehen werden, was dem Willen des Menschen als kostbares Gut erschien, nämlich sich in Wahrnehmung und Aufmerksamkeit darauf einzulassen. Eine Lade ist im Bezug zur (seelischen) Orientierung nun grundsätzlich alles Mögliche, es ist der Ort des "Wichtigen".

Ein Archetyp kann ein wiederkehrendes Motiv sein (Geburt, Tod): wir erleben zB eine Geburt symbolisch gesehen öfter im Leben, oder es kann sich bei einem Archetypen um eine sehr ursprüngliche Kraft der Natur oder des Lebens handeln, auch etwas Übergeordnetes, eben ein Gott (analog zu einem Erfahrungsbereich, einem Energiefeld, wahrnehmbaren Kräften, erkannten Gesetzen usw.) oder die grosse Mutter Erde und so weiter. Es kann aber auch einfach ein (seelischer) Erfahrungsgrund gewesen sein.

Ein Mythos ist in seinem Ganzen stets ein Archetyp des Selbst (es spricht das Selbst an).
Es wird so begriffen, dass der Mensch zum Erleben und zur Wahrnehmung geschaffen ist und so alle Archetypen einen höheren Sinn haben, da sie das "Leben" verkörpern.
Alle Archetypen beziehen sich im Grunde auch auf diese innere Wirklichkeit, weil es stets der Mensch ist, der Archetypen wahrnimmt, ob das Landschaftsformen sind oder Naturphänomene (zB Wind oder Sonne) - ausserdem spiegelt sich das Innere, stets im Äusseren, das Oben wie Unten (analoge Entsprechungen sind nicht zufällig solche, sondern sie sind analog, weil die Schöpfung so angelegt ist, dass dies so beobachtbar ist); -  so gesehen kann man gewisse Wirklichkeiten allein aus den Archetypen heraus definieren, die dabei erlebbar werden.

Ein Kult stellt eine Lade dar, aus der gewissermassen das magische Ritual und die Zeremonie entnommen wird, um sich dem Ganzen zuzuwenden, der Erfahrung des All-Eins, der Erfahrung des Kosmischen, der Erfahrung der Energie, des pulsierenden Lebens und der magischen Kraft, die Beeinflussung der eigenen lebendigen Energie oder dem Bewusstseins der seelischen Erfahrung.
Darin liegt die Aufforderung zum Reinen, zur Annäherung an das Göttliche, die Unbeflecktheit, was alles im eigentlichen Sinne nichts anderes ist als die Befreiung vom Störenden und die Erweckung des Bewusstseins. Opferkulte oder Reinigungszeremonien sind nicht einfach nur symbolische Handlungen, sondern sie setzen eine Energie frei, eine kultische, eine initiatorische oder einfache eine der reinigenden Art, der zielgerichteten Art, der seelischen Art.

Eine (kultische) Gemeinschaft kann zusammen kommen und diese Energien potenzieren.
Andere Kulte, Myterienkulte, die eine bestimmte Göttin oder bestimmten Gott dienen, sollen ebenfalls eine solche Energie freisetzen, für das Leben der Teilnehmenden. Man lädt sich mit der Kraft auf, stimuliert sich und verdichtet seine eigene Energie mit dieser Kraft, und sorgt für Kontinuität der Erfahrung über den Kult hinaus. Wir kennen es alle: ein besonderes Erlebnis, und sei es nur ein Urlaub, wird uns noch lange nach dem Erlebnis berühren können, wir erinnern uns, fühlen uns zurück in die Stimmung, die wir während des Urlaubs hatten. Das ist zwar nur ein vages Beispiel, aber es soll diese Kontinuität des Erlebens vor Augen führen.

Im Sinne der bewusstseinsmässigen Anlage des Menschen, handelt es sich dabei einfach nur um einen Rythmus der Wiederkehr, der auch in seinem negativen Aspekt für die Routinen und den sogenannten Alltagstrott sorgen kann, bis hin zu Depressionen, "wo wir etwas in uns über längere Zeit hinweg hineinfressen".

Kulturgeschichte und Geschichte der Menschwerdung

Um die Archetypen besser zu verstehen, lohnt ein Blick auf lang zurück liegende Zeiten. Wir nähern uns dem Mythos (besser: der Vorstellungswelt) des Frühmenschen, und könnten vielleicht dadurch besser die Mythen der antiken Griechen und aller anderen Völker verstehen, denn es handelte sich immer schon um archetypische Wahrnehmungen, die dem Mythos zugrunde liegen.

Der Frühmensch zeigt schon einige Arten archetypischen Gewahrsein: ausgedrückt zB in der Venus von Willendorf (25.000 v. Chr.) und den Felsmalereien (ab 30.000 v. Chr.).
In dem einen Archetyp geht es um die Fruchtbarkeit, im anderen um die Jagd.

Ein Grundarchetyp liegt in der Schöpfung und des Seins an sich. Dass man sich innerhalb eines grossen Ganzen als eigene (einzelne) Identität erlebt, regt zum Schaudern und zur Erfahrung des Numinosen an. Selbst wenn dieses Begreifen einer eigenen Identität zunächst nur sehr vage war, die begriffliche Abstraktion war zu dieser Zeit sehr wahrscheinlich dem Menschen noch nicht gegeben, so empfand sich der Mensch mit Sicherheit als Teil eines grossen Ganzen.

Ausserdem ist es für uns heutige Menschen äusserst sinnstiftend, eine Vorstellung darüber zu bilden, was den Menschen lange Zeit beschäftigte, und was in ihm heute noch eingebrannt ist, und zwar als Erbe einer hundertausend Jahre langen Art des Umgangs mit sich und dem, was man Welt nennen kann.
Eventuell beziehen sich sogar die Mythen der Schöpfung auf diese evolutionären Abläufe, die durch die Visionäre bzw. den Mythen, die mit der Zeit entstanden, wiedergespiegelt werden könnten (wenn es auch einer gewissen Vorsicht bedarf, nicht den Fehler zu machen, alles eins zu eins übersetzen zu wollen).

Begriffsklärung zweier verschiedener Gattungen/Rassen:

-frühmoderner homo sapiens: etwa 70.000
-moderner homo sapiens: etwa 40.000-33.000

In wissenschaftlichen Artikeln genannte Zeiträume:

- Mittelpaläolithikum: etwa 130.000
- Jungpalöolithikum: 40.000
- Neolithikum: 10.000-8.000

Die Zeiten, die man mit dem Frühmensch oder Urmensch in Zusammenhang bringt, sind nicht genau definiert; ich selbst wähle folgende Einteilung:

- Urmensch bezieht sich auf den Menschen vor 35.000 Jahren, also auch auf Menschen vor 2 Mill. Jahren.
- Frühmensch bezieht sich auf den Menschen seit etwa 35.000-10.000 Jahren.

Ein Rückblick auf die Entstehung des Universums, der Erde und des organischen Lebens

Man kann nur zu den Zahlen greifen, die uns die Wissenschaftler vorlegen.
Irgendeine Plausibilität wird darin schon liegen, irgendeine Berechungsgrundlage. Letztlich irgendeine Schätzung aufgrund von Wahrscheinlichkeiten.

Zeitraum: vor heute (Mrd = Milliarde, Mill=Millionen)
15 Mrd Entstehung des Universums durch Wasserstoff-Gaswolken
10 Mrd jetzt erst der Urknall: Urmaterie auf engstem Raum im Uratom (Ylem) wird explosionsartig auseinander getrieben
9 Mrd die ersten Galaxien entstehen
5 Mrd unsere Milchstraße entsteht und damit unser Sonnensystem; ein dichter Nebel mit Staub und Materie bildet sich um die Sonne
4 Mrd Die Erde entsteht, allmählich kühlt die Oberfläche ab
3 Mrd. PRÄKAMBRIUM, früheste Erdformationen. Urkontinente und Urmeere (durch Kondensieren des Wasserdampfes).
2.5 Mrd Frühe Lebensformen (Blaualgen). Vor 2.1 Mrd Jahren die ältesten Gebirgsbildungen und Ozeanbecken. 
1 Mrd Weitere Gesteinsbildungen und Urtiere im Meer, Vielzeller (Radiolarien, Medusen), Würmer, Gliederfüßler
650 Mill Erste Eiszeit in Nordamerika und Südafrika. Vor 600 Mill. Jahren weltweite Eiszeit.
570 Mill
PALÄOZOIKUM
, mildes und subtropisches Klima, dann warm-trocken. Reiche Tierwelt im Meer (ca. 2000 Arten). Vor 540 Mill Jahren relativ hohe Temperaturen. Schnecken, erste kieferlose Wirbeltiere, erste Gefäßpflanzen.
Vor 395 Mill Jahren Übergang des Tierlebens auf das Festland. Zurückweichen des Meeres. Erstmals Lungenatmung. Erste Landpflanzen wie Farne und Halmpflanzen bis 18 m Höhe, Plize, Bärlauch, Schachtelhalme.
Vor 345 Mill Jahren feuchtwarmes Sumpfklima. Große Insekten, Lurchen und Reptilien. Aus den vorhandenen Farnen, Halmpflanzen und anderen Pflanzen bildet sich ein erster Urwald.
Vor 280 Mill Jahren Frühform heutiger Meerestiere und Pflanzen. Nacktsamer herrschen vor (Gingko). Nadelhölzer. Es treten Vorfahren der Säugetiere auf.
225 Mill
MESOZOIKUM
, ausgeglichenes Klima. Starke Vulkantätigkeit. Dominanz des Gingko-Baumes und der Fächerpalmfarnen. Im Meer bilden Kalkalgen grosse Riffe. Erste Säugetiere, Reptilien entwiceln sich weiter (Krokodile, Schildkröten) und erste Raub-Saurier. Ammoniten. Vor 136 Mill sind die Saurier entwickelt. Der Luftraum wird erstmals von Wirbeltieren bevölkert, erster Urvogel und Flugsaurier.
Vor 136 Mill Jahren bedeckt das Meer grosse Landmassen, zum Neozoikom hin entwickelt sich das Leben weiter: Umschichtung der Tier- und Pflanzenwelt. Blütenpflanzen entstehen. Säugetiere entstehen weiter, Knochenfische. Erste Laubbäume.
65 Mill
NEOZOIKUM
, heutiges Erscheinungsbild der Erde bildet sich heraus. Riesige Lavaergüsse (Basalt) auf dem Festland. Entfaltung kleinerer Säugetiere, dann Raub- und Huftiere nach dem Aussterben der letzten Saurier.
54 Mill Erste Primaten (Halbaffen) und Ausbildung des räumlichen Sehens. Nagetiere und Raubtiere. Gürteltiere.
37 Mill Nun entwickeln sich weitere Säugetiere, zum Beispiel die Kaninchen, Pferde, Esel, Rinder und die ersten Menschenaffen treten auf.
20 % der heutigen Tierarten.
7 Mill 80 % der Tierarten. Der Mensch geht allmählich aus dem Tier hervor. Letzte Epoche milden Klimas vor der zweiten grossen Eiszeit.

Es fällt auf, dass die Entwicklung der Erde und der Evolution langsam begann, und allmählich forschritt, es dann aber - von der Zeit her betrachtet - zunehmend beschleunigt wird, wahrscheinlich durch die Prozesse verursacht, die einmal der Kosmos, dann die Erde (bes. klimatische Bedingungen) und schliesslich das Leben selbst hervorruft.

Die ersten Menschen

Man rechnet damit, dass der Vorläufer aller späteren menschlichen Gattungen mit dem Australopithecus um 7 Mill. Jahren vor unserer Zeit auftauchte. Der älteste archäologische Fund (Australopithecus) stammt erst aus etwa 3 Mill. Jahren vor unserer Zeit. Es folgte entwicklungsgeschichtlich der homo habilis (etwa 2,5 Mill Jahre) und der homo erectus vor 1,7 Mill Jahren. Zu dieser Zeit (homo habilis) kann man ersten Werkzeuggebrauch vermuten, aber noch keine Herstellung von Werkzeugen.

Dass der Mensch vom Affen abstammt, sollte man wohl nicht zu wörtlich nehmen, da es vielleicht vor 26 Millionen Jahren einen uranfänglichen Keim und Ursprung (Urgattung) gab, dann Menschenaffen und Hominiden (Australopithecus) sich aber abzweigten und in langen Zeiträumen unabhängig voneinander entwickelten.
Der Australopethicus nahm bereits die Hände vom Boden, in leicht gebückter Haltung bewegte er sich ohne die Hände am Boden fort.

Manche Wissenschaftler nennen die Jahreszahl 110.000 für den ersten Fund eines (annähernd modernen) Menschen, andere auch die Jahreszahl 160.000.
Der Vorläufer dieser dem Menschen sehr nahe kommenden Art, war der Hominide homo erectus. Die Wissenschaftler unterteilen oft den homo sapiens in zwei Kategorien, und meinen damit eine Frühform des modernen heute anzutreffenden Menschen (160.000-70.000) und den echten homo sapiens, auch in der Verdopplung homo sapiens sapiens genannt, der um 40.000 deutlich auftritt. Man kann aber auch anscheinend den homo erectus in dieser Weise differenzieren und den Menschentyp um 160.000-70.000 einer Spätform des homo erectus zuordnen.

Erst um 40.000 beginnt der Menschentyp aufzutauchen, der den heutigen Menschen biologisch ähnlich ist, und ab 10.000 bis heute hat sich keinerlei gewichtige Veränderung mehr ergeben, so dass um 10.000 v. Chr. alle heute lebenden Rassen des Menschen schon ausgeprägt waren.

Einigkeit herrscht darüber, dass der Neandertaler dem Menschen sehr ähnlich war, aber der Mensch nicht aus dem Neandertaler hervorging sondern der Neandertaler zusammen mit dem homo sapiens eine parallele Entwicklung aus einem gemeinsamen Vorfahren (homo ercetus) bedeutete, und dass der heute lebende homo sapiens etwa 40.000-33.000 Jahren vor unserer Zeit seine Ausprägung fand.

Der Neandertaler soll um 70.000 nur in Europa existiert haben. Einige Skelette von Neandertaler wurden auch in Griechenland gefunden. Der homo erectus hatte sich auf der ganzen Welt verbreiten können.
Der Neandertaler soll bis zu 30.000 oder 40.000 Jahre (vor unserer Zeit) parallel neben dem modernen homo sapiens bzw. Menschen gelebt haben und um spätestens 35.000 ausgestorben sein - das Besondere am Neandertaler ist, dass er sich mit Sicherheit nicht mit dem heutigen Menschen vermischt hat, sondern unabhängig von diesem existierte und dann ausstarb; - während nach weitgehend einhelliger Überzeugung der Wissenschaftler der homo sapiens zu verfeinerten Überlebenstrategien fähig war.

Der Neandertaler scheint nach Meinung einiger Wissenschaftler keinerlei künstlerische Fähigkeit zur Gestaltung wie Dekoration oder Höhlenmalereien vorzuweisen. Andere Wissenschaftler dagegen betonen den Fund von Malmaterialien neben den Funden von Neandertalern und schliessen aus den Funden von einfach hergestellten oder bearbeiteten Gegenständen ein ziemliches Geschick des Neandertalers.
Es wird so sein, dass seine Kunst sich vorwiegend auf das Bemalen seines eigenen Körpers beschränkte und auf die Dekoration mobiler Gegenstände richtete. Auch die Frühform des homo sapiens, der um 60.000 lebte, wird seinen Körper ebenso wie Gegenstände bemalt haben. So gesehen haben Neandertaler und homo sapiens anscheinend zeitgleich über ein entsprechendes Niveau verfügt.

Thesen:

Das Leben braucht für den modernen homo-sapiens kein grausam-barbarisches oder kannibalisches, schlachtenreiches gewesen sein, sondern könnte einige Ähnlichkeit mit heutigen Nomadenstämmen gehabt haben: Diverse Sippen zogen umher, und könnten auch - wenn auch selten - eine Art primitiven Tauschhandel betrieben haben. Während andererseits eine natürliche Fremdheit gegenüber anderen Sippen existierte, die sich vielleicht in einer Weise ausdrückte, dass man sich einfach aus dem Wege ging.
Man muss bedenken, dass jeder Wandel kultureller Art nur allmählich vonstatten geht, wenn auch nach einer langen Phase der Vorbereitung und "Vorahnung". Dann kann eine exponentielle Steigerung der diesbezüglichen Aktivitäten stattfinden.

Sicher gab es wilde Triebe, also Eifersucht und ähnliches (Futterneid?), und dadurch eine Art spontanen Mord oder Vertreibungen. Wir können über diese "Wildheit" nur spekulieren.

Umso näher man der sogenannten neolithischen Revolution kommt (18.000-10.000 v. Chr.) - gemeint ist der Beginn des Ackerbaus und der Viehzucht bzw. das sesshafte Leben - werden auch immer mehr Tätigkeiten und Gegenstände der späteren Zeitepoche im Vorab bereits sporadisch auftauchen.
So wurde Ackerbau schon etwa 18.000 sporadisch betrieben, und dann erst ab 10.000 kontinuierlich.
Weiterhin kann man all die Dinge, die ab 8.000 v. Chr. zur Regel wurden, aufzählen: Werkzeuge, Töpfe, Keramiken, verfeinerte Werkzeuge, komplizierter Fallenbau (einfache Fallen soll es schon 30.000 gegeben haben), Schmuck, Horten und Handel, all das, tauchte vorher gewiss schon sporadisch auf. Schliesslich Beziehungen -  wer weiss zu beurteilen, wann man bezüglich der monogamen Beziehungen begann die Heirat als Zeremonie einzuführen?! Mit dem sesshaften Leben (anno 10.000-5.000) oder schon weit davor? Jedenfalls mag in der Frühzeit des Menschen die monogame Lebensweise nicht weit ausgeprägt und vermutlich nur auf die ersten Jahre beschränkt gewesen sein (Aufzucht der Nachkommen).
Anfänglich (25.000?) mag es so ausgesehen haben, dass vielleicht Inzest in einer umher ziehenden Sippe nicht besonders verhindert wurde, oder aber durch einen Instinkt (?) - eine Art Berührungsfremdheit - in der eigenen Sippe hervorgerufen wurde, wenn auch ein Mann sich einfacher darüber hinweg gesetzt haben konnte, als wie die Frau; - doch der Reiz gegenseitiger Anziehung wird bei Leuten aus verschiedenen Sippen wahrscheinlich tendenziell immer grösser sein, als wie im Geruch der eigenen Sippe den Partner zu finden. Es kann natürlich sein, dass man auch einfach zu denen kam, die einer Sippe angehörten, es ist schwer zu beurteilen, wie gross eine gemeinsam umherziehende Sippe überhaupt gewesen sein mochte. Man nennt Zahlen in der Größenordnung von 10 - 50.

Schliesslich begegnete man gewiss auch anderen Sippen, und sah "die" Frau. Es konnte sich vielleicht nun um einem archaischen Reflex des "begriffenen Besitztums" der Sippe gehandelt haben - die Fruchtbarkeit ging ja mit dem Abgang der Frau fort, man tauschte die aus der Sippe verloren gehende Frau gegen Gegenstände, und irgendwann, umso näher man dem Neolithikum kommt, wurde daraus eine verfeinerte Beziehung zwischen den Sippen, eine kultiviertere Art des Umgangs etc. mit Tauschhandel - bis zum Tanz und des begriffenen Anlaßes zur Freude oder Heiterkeit, der sozialen Errungenschaft des entwickelten, aus dem dunklen archaischen Bauch heraus gehobenen strahlenden Mitgefühls.

Menschwerdung

Feuer entand wahrscheinlich durch Wald- oder Buschbrände, durch Sonneneinstrahlung oder durch Blitze hervorgerufen und es wurde dann in Höhlen gebracht. Weil man selbst kein Feuer bilden konnte, liess man anscheinend das Feuer nicht ausgehen, was vielleicht die 6m dicke Kohleschicht in einer Höhle erklärt, die auch durch andere Funde auf etwa 600.000 v. Chr. datiert wird; und es gibt weitere  Funde, die auf Feuernutzung hindeuten, worüber sich Wissenschaftler einig sein wollen, dass sie auf diese Zeit datiert werden können (man kann aber auch zweifeln an der suggerierten Genauigkeit dieser Messungen). Damit wäre eine Grenze zwischen Tiermensch und Mensch, der das Feuer zu bändigen lernte, bei circa 600.000 Jahren.

Thesen:

Es ist in allen Erscheinungen des Kosmos eine Achse der Entwicklung erkennbar, deren Sinn in der Menschwerdung liegt (nach Teilhard Chardin). Dies scheint die Innenseite der Dinge zu bedeuten, aber der springende Punkt ist nicht, wie man mit der Herausbildung des Verstandes meinen könnte, die Sprache oder Kultur, sondern der springende Punkt ist allein die Wahrnehmungsfähigkeit.
Sprache und Kultur schafft Differenzierung und Vielfalt und erweitert prinzipiell die Wahrnehmung. Das fehlende Bindeglied in der Entwicklung vom Tier zum Menschen kann - so T. Chardin - in der Ansicht gefunden werden, dass im Uranfang schon alles ("dunkel") vorhanden in Szene gesetzt war.
Aus der kosmischen Sphäre entstand das Sonnensystem, aus dem Sonnensystem folgten die Planeten und es gab ein organisches Band (Sonnendistanz der Erde), auf dem der Planet Erde das Leben hervorbringen konnte. Aus einer Probiosphäre ging die Biosphäre (Lebenssphäre) mit ihrer Fauna und Flora hervor: hier schon bildet sich nicht erst als Keim die Bewusstseinssphäre, diese ist vielmehr als einfacher Reiz und Gegenreiz bei den ersten Vielzellern vorhanden und mit den ersten weiter entwickelten Tieren folgt die Gehirnausbildung. Der Mensch wird nun ein folgerichtiges Produkt und kann anders als das Tier, ein Bewusstsein über sich selbst entwickeln. Die Frage nach dem Sinn von Ereignissen, Handlungen oder Prozessen (Geburt, Leben und Tod) taucht auf.
Nun ensteht der Sinn für Kulte, bald die Zeremonien und irgendwann der Mythos - und nicht als blosser Zeitvertreib sondern als lebenswichtige Zutat; der Mythos ist eng verbunden mit diesen archaischen Reflektionen, und das alles ist noch immer auf der Wahrnehmung gegründet. Diese Kulte und Zeremonien bilden sich nur heraus, indem Bewusstsein zunehmend entsteht, nicht Reflektion, sondern Bewusstheit! Bewusstsein über sich selbst, über andere, über alles.

Primäre Tätigkeiten und Wahrnehmungsfelder des Frühmenschen drehten sich um die Beschaffung von Nahrung, Sexualität (ein mächtiger Impuls für den Frühmenschen, den man vermutlich nicht unterbewerten darf), Aufzucht der Nachkommen, Begegnung mit anderen, Konflikte mit anderen (einzelnen oder unter Sippen), Schutz, das Suchen und Bauen von Obdach, Gebrauch von Werkzeugen, Anfertigen von Werkzeugen und Waffen, Anfertigen und Tragen eines Gewandes, Bändigung und Dienstbarmachung ebenso wie Erzeugen des Feuers, lange Wanderungen, aber auch Träume und Erinnerung, Furcht und Wohlbehagen - begriffene Ängste oder erfahrene Tatsachen (instinktive Erinnerung) lösen sicherlich ein natürliches Streben nach Wohlbehagen aus.

Die Art der Wahrnehmung des Urmenschen ist uns prinzipiell heute nachvollziehbar, aber nicht vergleichbar. Nachvollziehbar, indem wir einerseits die Sprache (unser sich im Kreis bewegendes Denken ebenso wie das abstrakte Vermögen) und begriffliche Vorstellung (höhere Ebenen der Assozisation) von der Wahrnehmungsart abziehen, und die Instinkte, so etwas wie ein "Selbst" und das Körperliche als grosse "Blase" auffassen, in die der Mensch gehüllt ist, und daraus entsteht für den Urmenschen die Anleitung für sein Verhalten.

Ein Impuls herrscht vor, der zum Nachgehen auffordert - dabei können wir auch beim Tier erkennen, dass diese Impulse keineswegs chaotisch sind, sondern zielgerichtet und von Bedürfnissen angetrieben.
Der Urmensch aber befindet sich im Übergang zum heutigen Menschen, der zur Sprache fähig ist. Man kann die Brücke zwischen Urmensch und Frühmensch darin finden, dass es dem Urmenschen möglich war, eine Vorstellungswelt aus seinen Instinkten mit einer ausgeprägten Wahrnehmung des äusserlich Sichtbaren zu verbinden, er konnte nun als Frühmensch beginnen, die Entscheidung und Wahl zu treffen, natürlich immer noch verbunden mit den Instinkten.

Die spätere Kunst anno 40.000 und die Faustkeile anno 500.000 aber sind nur denkbar, indem ein passender Stein mit einer gestaltbildenden Absicht bearbeitet wird. Diese Absicht kann nur aus der ganzen instinktiven "Blase" eines Selbst herrühren, als gestaltbildende Absicht.
Eine mögliche aber nicht gesicherte These: Das Unbewusste kann erst entstehen, nachdem die Sprache und bewusste Wahl und schliesslich das Tabu (kulturell-sozialer Art) entsteht und damit die mögliche Verdrängung; - der Urmensch lebt gewissermassen noch völlig im Einklang mit seiner Selbst.

Der Australopithecus (vor 2-5 Millionen Jahren) ernährte sich, wie man wohl aus dem Schädel und Kiefer schloss, vorwiegend von Pflanzen. Knackte harte Nüsse und dickschalige Früchte.
Der Eiweißbedarf könnte durch Verzehr von Insekten gedeckt worden sein. Es kann sein, dass diese Gattung Mensch auch noch das verzehrte, was von Raubtieren übrig gelassen wurde oder dass er wenig wehrhafte Tiere erlegte. Ein kräftiges Grabwerkzeug (für die Nahrungssuche) erwies sich da vielleicht auch als Totschlagwerkzeug.
Spätere Gattungen des Menschen wurden beweglicher, geschickter und betrieben mehr und mehr die Jagd erst nach kleineren Tieren, dann aber nach sehr viel grösseren (im Verbund der Gemeinschaft von Jägern einer Sippe).

Thesen:

Wann die komplexe Sprache aus den ersten Lauten oder einer rudimentären Verständigungssprache entstand, ist unter Wissenschaftlern ungeklärt. Ich gehe davon aus, dass dies sicherlich nicht vor 15.000-12.000 Jahren geschah und sich nur sehr langsam entwickelte. Eine Bedingung könnte das sesshafte Leben (ab 10.000) gewesen sein, wo sich über längere Generationenfolgen an einem lokalen Ort erst Begriffe und schliesslich durch Wiederverwendung von Begriffen durch viele Menschen auch Differenzierungen bilden können.
Mit 8.000 Jahren frühestens sind die ersten komplexeren Anordnungen von Schriftzeichen gegeben, womit eine Sprache gesichert scheint ab dieser Zeit.
Sprache entsteht nicht erst mit der kompetten Ausbildung eines dafür vorgesehenen Moduls (Sprachzentren im Gehirn), sondern kann sich auf eine Ebene zurückführen lassen, die mit den Instinkten (instinktive Verständigung), Wollen, Wahrnehmung und ähnlichem schon zusammenhängt. Die ganze Wahrnehmung ist schon eine Art Sprache. Balzverhalten bei Tieren kann als eine Sprache angesehen werden, Instinkte sind eine Art Sprache. Es wird Bedeutung gegeben und es wird Bedeutung gesucht.

Damit verbunden ist auch zwingend, dass man dieselbe Sprache spricht, ein Übereinklang muss entstehen. Bis dahin lebt der Mensch in einem Wahrnehmungsfeld seines Inneren, er weiss, was er fühlt und für Eindrücke hat. Sprache soll Sinn machen, etwa genauso, wie Ereignisse (Tod) Sinn machen sollten. Zwist und Uneinheitlichkeit zB in Beziehungen ist nun auch eine Dimension, die wahrscheinlich sehr viel Einfluß auf die Entwicklung des Bewusstseins gemacht gehabt haben müssen.

Das Bezugsystem zwischen einem "Ich" bzw. Eigenem und einem Aussen bzw. Fremden findet auch in der Beziehung des Jägers mit seiner Beute statt. Weiter auch in Bezug zu erkannten Feinden, die vielleicht als menschliches Gegenüber bestanden; - wer weiss zB, wie die Menschen auf Eifersucht reagierten. Das Gefühlte und der Instinktgrund muss etwas Intensives gewesen sein, dass lässt sich behaupten, indem man den Urmenschen anno 1000.000  vor allem noch in der Nähe seines Ursprungs des Tieres sieht, von dem er sich nur langsam bis zum heutigen Menschen entfernte.

Übertragen auf den Menschen wird nun klar, wie weitreichend das Bezugssystem zwischen einem Eigenem und dem Fremden geht, und wie sehr in die Wahrnehmung verwoben letztendlich die Eindrücke von Aussen und Innen für die wahrnehmende Kreatur sind.
Es ist nicht auszuschliessen, dass gestaltbildende Prozesse des Selbst (des Instinktbereiches) von anderen wahrnehmbar sind, und so eine Art Telepathie (natürlich ohne begriffene Gedanken, sondern in bildhafter, ganzheitlicher Art) lange Zeit ein Kommunikationsmittel darstellte. So wie wir uns bewegen und Haltungen einnehmen, drücken wir innere Absichten und Intentionen aus, und wenn es keine andere Kommunikationsmöglichkeit gibt, bildet diese körperliche Sprache die einzige! Uns fehlt heute das Gespür für die körperlichen unwillkürlichen Gesten, aber wir sollten nicht meinen, dass, nur weil wir kein Gespür mehr für dieses ummittelbare Verständnis haben, wir die Lügen eines Gegenübers nicht mehr deuten können, die Menschen der Urzeit ja nur noch primitiver sein müssten. Es geht nicht um irgendeine Primitivität, sondern vermutlich eher um die Notwendigkeit, sich irgendwie zu verständigen bzw. zu verstehen. Und ohne Sprache, auf die man sich festlegen kann, ist der Druck zum verstehen-müssen noch grösser und die Wege unmittelbarer.

Totenkulte und Fruchtbarkeitsgöttin

Der Neandertaler und der Mensch derselben Zeit (70.000), kannten schon einen Totenkult, und sie legten den Verstorbenen Gaben ins Grab - zB Waffen, Nahrungsmittel wie Pflanzen, Kräuter, auch rote Ocker (Erdfarben) usw. und angefertigte Gebrauchsgegenstände.

Zunächst wurden die Toten begraben (also nicht mehr liegen gelassen), ein paar tausend Jahre später kamen die Grabbeigaben und schliesslich wurden die Toten in Hockstellung beerdigt; - die Toten wurden zudem mit rotem Ocker gefärbt und manchmal reich geschmückt (40.000-25.000 v. Chr.). Man nimmt an, dass die Toten begleitet durch Zeremonien oder Kulte beigesetzt wurden. Es wurden auch Musikinstrumente in den Gräbern gefunden (18.000) und nach dem Wikepedia Eintrag zu urteilen, könnten die Menschen zu dieser Zeit vom Toten in einer Art Tanz Abschied genommen haben.

Thesen:

Mit dem Tod scheint schon für den Frühmenschen eine Art Ahnung gegeben worden zu sein, "was nämlich konkret zu tun ist" im Fall des Todes: denn wie erklärt man die Grabbeigaben ab 75.000 v. Chr. hinreichend?
Diese Beigaben als archaischer Totenkult spiegeln eine halbwegs "bewusste" Handlung wieder, die sich nicht um Nahrung, Obdach oder ähnlich zwingenden Notwendigkeiten drehen.
Es ist entweder eine Art Bewusstsein, eine Reflektion oder eine Ahnung darüber, was jetzt zu tun ist - aber es kann sich kaum um vernünftige Überlegungen gehandelt haben, es sind vor allem Impulse, die hier massegeblich sind, und die auf den Menschen eindrucksmässig einwirken, und ihn eine Art neue Notwendigkeit vorführen.
Wir Heutigen sehen nur das Sichtbare und das, was der Verstand als ein Abbild der Welt erzeugt. Wir sollten nicht vergessen, dass wir auch heute Grabbestattungen in erster Linie für uns selbst tun. Es geht in unsere Wahrnehmung ein. Aber dass eine annehmbare Bestattung vielleicht auch mit dem Loslösen der Seele von der materiellen Existenz zu tun haben könnte, kann man gewiss in die Überlegungen mit einbeziehen.
Wir sehen sogar unsere eigenen Instinkte nicht mehr klar, haben die Verbindung zu diesem Urgrund verloren und halten uns mit dem auf, was Gedächtnis und Reflektion zustande bringt (Ich-Bewusstsein) und was sich dennoch noch hintergründig mit Instinkten vermischt (Krankheiten können so viel eher entstehen, weil ein Ungleichgewicht nicht instinktiv und früh genug behoben werden kann).
Der Frühmensch hatte weitestgehend nur einen medial anmutenden Urgrund der Erfahrung augenblicklicher Wirklichkeit und dem Erkennen gewisser Notwendigekiten (zB Nahrung), was beinahe als Instinkthandlung dann zur Jagd und zum Sammeln von Nahrung führte.

Wie erklärt man aber die Grabbeigaben? Noch finde ich keine zufriedenstellende Antwort: es kann sich um eine letzte Gunsterweisung handeln, vielleicht vermisst man aus Trauer den Verstorbenen und ruft so noch einmal eine Freude hervor (es gibt vereinzelte Berichte über Tanzspuren an den Gräbern); es erinnert mich auch daran, dass in manchen Kulturen (Naturvölkern oder in Afrika) der Tod eines Menschen mit einer akzeptablen weil angemessenen Freude verbunden wird und wurde - wie man sich des Lebens freut, weil einem vorgeführt wird, wie vergänglich das Leben ist; und zwar freut man sich in einer dankbaren Weise, als ob der Tote einem diesen Wert vorführte, so spielt man ihm also diese Freude vor, dem Toten. Ob das aber für den Frühmenschen gilt? Wie erklärt man sich den Bezug zur Musik, falls denn wirklich keine Fälschung oder ein Irrtum in Bezug zu den aufgefundenen Artefakten vorliegt?

Es kann sich bei den Grabbeigaben auch darum handeln, dass man das Leben des Verstorbenen in der Erde oder sonstwo sich vorstellte, wie es ja bei manchen späteren Kulten gang und gäbe zu sein scheint. Unsere heutigen Totenfeiern erfüllen einen ähnlichen Zweck und sogar manch zeitgenössischer Glaube knüpft an eine vielleicht archaische Vorstellung oder Wahrheit an, dass die Toten noch das Begräbnis mitbekommen, also"wahrnehmen" (als Seele gegenwärtig sind). Ich selbst habe vor einiger Zeit den Tod eines Freundes erlebt: Als dieser starb, in der Nacht und ich im Halbschlaf lag, nahm ich plötzlich eine Erscheinung war, die in meinem Dämmerzustand vielleicht eine Armeslänge von mir entfernt empor schwebte, es war nicht diese Wirklichkeit, sondern sozusagen eine Zwischenwelt in der dies mir sichtbar wurde, und ich wusste, dass es mein Freund war. Mir war nun auch klar, dass er verstorben war. Diese Erscheinung, Entität strahlte "reine", seelische Freude aus. Er bewies mir vielleicht auf diese Art Abschied noch einmal die Bedeutung unserer Bekanntschaft und es war für mich ein grosses Geschenk, eine Gnade, die mir durch diese Wahrnehmung zuteil wurde, denn jetzt wusste ich wirklich, dass die Seele beim Tod den Körper verlässt. Am nächsten Morgen war ich nicht überrascht, als der Anruf kam.
Kann man nun (auch einzelnen) Visionären oder Begnadeten der Frühzeit nicht ähnliche Wahrnehmungen zutrauen?

Es kann sich auch darum handeln, dass man die Gegenstände, die dem Verstorbenen gehörten, nicht mehr mit sich herum tragen wollte, weil sie keinen Reim mehr machten, da sie dem Verstorbenen gehörten; - oder weil sie nicht den eigenen Bedürfnissen entsprechen konnten (ratioanlistische Erklärung). Am wahrscheinlichsten ist aber die Gunsterweisung bzw. eine Handlung, dem Toten noch etwas mitzugeben auf seiner Reise. Denn dies taucht auch in späteren Mythen und Kulturen immer deutlicher auf.

Viele Forscher meinen, es sei damit schon ein Bewusstsein für eine Art "Reise" und Wiedergeburt gegeben, was man tatsächlich nicht ausschliessen kann - dann muss dies aber auf einem zwingenden Grund zurückzuführen sein, denn irgendwie muss es für die Wahrnehmung als sinnvolle bzw. notwendige Handlung erscheinen, und zwar so weitreichend, dass man dem Verstorbenen in dieser Weise einen Dienst erweisen will. Irgendwelche Impulse aus dem Inneren oder aus den Vorgängen der Wahrnehmung (Anschauung) müssen dem zugrundeliegen. Das kann auch eine akkumulierte Wahrnehmung von Prozessen und Geschehnissen gewesen sein, so dass man aus dem Ablauf der Schöpfung auf eine höhere Ebene schloß oder sich dieses "Bild" einfach ergab.

Es kann mit diesem Bestand der Erfahrung (Tod) etwas grundsätzliches (Bewusstsein über Wiederkehr) angerührt sein: Der Mensch braucht Nahrung. Nun könnte er mit der Zeit erkannt haben, dass diese Dinge, die man verzehrt, allesamt wiederkehren; ein Beutetier stirbt, aber es gibt immer wieder andere Tiere, die dessen Platz einnehmen.
Dass er als Jäger die Beute nimmt, und er überall auch tote Tiere (auch als Kadaver) bemerkt, aber diese alle wiederkehren, wie die Pflanzen auch, tritt in Verbindung mit dem Umstand, dass er aus einer primitiv-archaischen Wahrnehmung heraus versucht sein könnte anzunehmen, dass alles andere ja auch immer wieder kehrt, vielleicht tut es auch dieser Mensch (als Mensch, und nicht als dieser Jemand, vielleicht spürte man aber wirklich schon die Wiederkehr der Seele=Reinkarnation). Letztendlich wird es sich, meiner Meinung nach, immer um eine Art Ganzheit oder ganzheitliche Erfahrung und Wahrnehmung handeln, was schliesslich zu gewissen Riten oder gebildeten und überlieferten Anschauungen führte.

Das Rätsel um einen uranfänglichen Glaubens der Menschen, liegt auch in der steinernen Darstellung von Frauen (Venus von Willendorf). Was drücken die stark hervorgehobenen Brüste, der dicke Bauch und offensichtliche Hervorhebung des Bauchnabels und die stark oder zuweilen nur angedeutete Vulva aus? Die Menschen wissen, dass ein anderer Mensch aus dieser Vulva kommt.
Über die Funktion des Samens und der Begattung hatten sie noch keine Ahnung. Das scheint zumindest wahrscheinlich, da es Anzeichen dafür gibt, dass dieses Bewusstsein über die tatsächliche Befruchtung tatsächlich erst etwa 4000-500 v. Chr. auftauchte.
Es besteht auch (selbst für uns heute) kaum ein sichtbarer kausaler Zusammenhang zwischen den langen Zeiten zwischen Begattung, Schwangerschaft und Geburt. Dieser Zusammenhang erschliesst sich uns heutigen ja nur durch Forschung und meist sogar nur aus dieser Forschung hervorgehenden überliefertem Wissen.
Menschen kommen zwar zusammen, aber die logische Reflektion wird wohl nicht vor 15.000 wirklich Fuß gefasst haben können -  "Ganzheit" vermittelt einfach ein ganzes Bild, in dem die Besamung als einzelnes Element nicht zwingend genug ist, um in einem Zusammenhang mit der Geburt erkannt zu werden. Selbst wenn die Menschen der Früh- und Urzeit diesen Vorgang instinktiv erkannten, musste das keine Besonderheit darstellen. Man sah in der Urzeit einfach, dass man selbst eingebettet ist, in ein Ganzes der Fruchtbarkeit der Erde.

Sie erkannten (bei einer Geburt) jedenfalls, dass der Bauchnabel das Kind mit der Mutter verbindet, und die Brüste der Ernährung des Säuglings dienten. Wenn sie es nicht rational erkannten, so wie wir heute etwas erkennen, so hatten sie ein Bild davon.

Die Fruchtbarkeit wird das entscheidende Motiv zur Herstellung und der wichtigste Inhalt sein, der bei diesen Figuren dargestellt wurde.
Es war vermutlich auch eine Quelle der Zuversicht in einer kargen Zeit (man befand sich in einer Eiszeit bis etwa 18.000 v. Chr.).
Es steht aber nicht fest, was sie wirklich dachten und fühlten, was also der Zweck war, diese Figuren herzustellen.

Dass aber Menschen geboren werden, ist der krasse Gegensatz zum Ereignis des Todes. Der Tote liegt da, bewegt sich nicht mehr, ist kalt und starr. Kann es sein, dass die Frühmenschen beides - Leben und Tod - miteinander verbanden? Stellen die "Totenkulte" eine Verbindung her zu den Frauenfiguren?
Mircea Eliade formulierte diesen Gedanken, indem er die Toten-Rituale heutiger lebender Schamanen untersuchte. Dabei erwähnt der Schamane bei einem bestimmten Ritual, "dass die Grube der Uterus ist". Verschiedene Schmuck-Steinchen, Muscheln und die Schale eines Bauchfüßlers werden auf den Grund des Grabes gelegt.

Kann man die heutigen Naturvölker und ihre Rituale und Auffassung mit den Frühmenschen vergleichen? Der Unterschied ist immerhin die heute ausgebildete Sprachfähigkeit und andere Ausstattung des Gehirns, das komplexe Denken ist heute möglich (Mircea Eliade beobachtete ja Schamanen der heutigen Zeit). Aber vielleicht stimmt das Bild überein, dass es auch in der Frühzeit auf eine gewisse Art eine dunkle Bewusstheit über einen Zusammenhang zwischen Geburt und Tod gab. Eine Ahnung, eine tiefe Ahnung.

Das Element der Wiederkehr ist allein schon durch Erfahrung von Tag und Nacht gegeben (Nächte sind ungewiss; Tage sind hell und wo es hell ist, kann man sicher sein). Der Tag ist gleichbedeutend mit der Wiederkehr des Lebens und den Möglichkeiten am Tag, sich als lebendes Wesen zu erfahren.
Wiederkehr von Frühling und Fruchtbarkeit nach einer Zeit des Winters und der Kälte (allerdings gab es zwischen 70.000 und 10.000 Eiszeiten ohne besonderen jahreszeitlichen Wechsel, also kann das Element der Jahreszeiten erst sehr viel später als Teil einer Erklärung herangezogen werden). Wiederkehr der Tiere, die man einst in der Jagd erlegt hat. Schliesslich Wiederkehr von Menschen aus einer Schöpferquelle, der Frau.
Es wird so gewesen sein, dass dem Urmenschen (und dem Frühmenschen erst recht) eine Art Einheitsbewusstsein gegeben war. Er sah sich selbst mit seiner Eigenschaft Jäger zu sein und stets Nachkommen zu haben, in der Nähe der Tiere, die ja dasselbe taten.
Die Pflanzenwelt kommt hinzu, und dient ihm als Ernährer. Sicherlich würde so ein Einheitsbewusstsein auf keiner Reflektion zurückzuführen sein, sondern auf prompte Wahrnehmung, als würde man sagen, besser sehen: "es ist so." Der Urmensch sah sich als Teil des Lebens.

Die symbolisierte Fruchtbarkeit der Steinfiguren kann als eine Möglichkeit betrachten werden, wie dem Frühmenschen bewusst war, dass das Leben immer wieder geboren wurde, und wieviel davon abhängt, dass das Leben "wiederkommt". Auch spielt es eine grosse Rolle, dass die Nahrung wohl instinktiv wohl vor allem der Frau zukam, die sich um die Aufzucht der Kinder kümmern musste. Ein Kind muss zehn Jahre gewiss versorgt werden und die Stillzeit betrug wohl bedeutend länger als wie heutzutage.

Da die Toten später oft in Hockerstellung begraben wurden, erinnert das auch wieder an diese Embryonalstellung. Man konnte wahrscheinlich vom Eindruck her sich ein Kind nur gerollt im Mutterleib vorstellen. Und erkannten sie also die Verbindung zwischen neuen Leben und der Mutter und dann den Bezug des Todes zu dieser Wiederkehr?
Weshalb macht man solche Figuren? Um Kraft zu schöpfen? Vielleicht in den Zeiten, wo man der Fülle und Fruchtbarkeit entbehren muss? Sah der Frühmensch vielleicht in der Frau eine Art Archetyp, die ferner auf die Erdgöttin hinweist (die über allem Leben steht und welche Göttin alles ähnlich wie die Frau hervorbringt und nährt)? Die Erde, die alles hervorbringt, konnte verglichen werden mit der Fruchtbarkeit der Frau.

Vielleicht war es tatsächlich so, dass für die Frühmenschen der Lebende mit dem Tod in ein "Nichts" verschwand. Aber ebenso aus dem "Nichts" kommt auf einmal der dicke Bauch und das Kind (und bildet neben dem numinosen Ereignis der Fruchtbarkeit auch den Fortbestand der Sippe; altes geht, neues kommt). Hier entsteht das Bewusstsein der Werdung ähnlich wie man auch das Werden der Früchte beobachten konnte - und vielleicht insgesamt die Ahnung oder Vorahnung der Gottheit, der personifizierten oder erfahrenen, aber weitgehend unsichtbaren Kraft, die solchen Erscheinungen wie Fruchtbarkeit zugrunde liegt: Die Frauengottheit oder Erdgöttin.
Man kann auch tatsächlich nicht ausschliessen, dass schon diese Menschen aus einer Art Urquell des Wissens schöpften. Das hört sich zunächst befremdlich an, ist aber ganz banal. Die Wahrnehmung muss eine ganz andere gewesen sein als wie die unsere: alles war eindrücklich mit Instinkten verbunden, Vision und Gedächtnis waren weitgehend eins, die Reflektion konnte nur sehr marginal gewesen sein, und vielleicht ergab sich im Ganzen ein  Eindruck aus dem Selbst hervorkommend, von einer gewissen Ordnung herrührend (die auch heute noch aus dem Selbst heraus zur Wahrheit führt), in der sich auch zwangsläufig die Wahrheit über die Schöpfung nicht als Reflektion, sondern als Eindruck wiederspiegelte. Die Erde und alle ihre Elemente und beobachtbaren Erscheinungen drücken die Schöpfung direkt aus, spiegeln sie direkt.

Das Selbst und die Instinktgrundlage rief ein entsprechendes Gewahrsein hervor; - diese Art der Wahrnehmung, wie auch beim Tier, ähnelt einem Träumen; - nur bei dem Urmenschen im Gegensatz zum Tier, ist die durch das Gehirn geleistete Interpretation der Wahrnehmung (mit Gebrauch der Hände) schon eine andere, etwas weiter entwickeltere, im Vergleich zum Tier.

Kunst und Felsmalereien

Ab 34.000 v. Chr. beginnt die vermehrte Kunstausübung des Menschen, dokumentiert vor allem durch Höhlenmalereien (obgleich wir annehmen können, dass sowohl der Mensch und Neandertaler vor dieser Zeit geringere Dekorationen, einfachste Flächenausfüllung oder Strichfiguren an beweglichen Gegenständen vorgenommen haben könnte, die er bei sich trug).
Die Höhlenmalereien finden sich ab 30.000 bis ins Neolithikum (10.000) und darüberhinaus bei Ureinwohnern bis heute.

Geographisch gesehen war die Höhlenmalerei zwischen 14.000-11.000 am weitesten verbreitet.

Zu Anfang waren die Darstellungen von Tieren unförmig und abstrakt (30.000).
Nun kamen erste Menschendarstellungen (25.000) und es fanden sich bald anscheinend schon Genitaldarstelllungen der Vulva und vergrösserte Brüste, wie sie auch bei den Steinfiguren auftreten.
Später (20.000) wurden die Darstellung von Tieren und Menschen, Körper und Köpfen ausgereifter, linear-stilistisch, auch mit  perspektivischer Verschiebung. Dann zunehmend realistischer (15.000) und mit noch feineren Verzierungen versehen. Die Qualität nimmt nun immermehr zu.
Ab 13.000 v. Chr. finden sich sog. "Röntgenstrahlen-Malereien", die das Innere (Organe) des Tieres zeigen.

Ab 8.000-6.000 gibt es einen deutlichen Wandel in der Felsmalerei im Vergleich zu allen vorherigen Zeiten.
Es treten nun Bogenschützen und auch Hunde bei der Jagd nach Tieren auf. Bilder von Phallus und Vulva kommen nun sehr oft vor. Menschliche Paare, auch Gruppen von zwei Menschen, die sich gegenübersitzen (und sich zu unterhalten scheinen).
Menschengestalten, welche die Hände nach oben strecken. Aber auch Menschen mit breiten Füßen, verbunden mit Tiergestalten und Tierköpfen, die aus menschlichen Rümpfen emporwachsen und eine Art magischen Charakter aufweisen.
Das gemalte Zeichen an der Wand oder die malerisch-zeichnerische Gestaltung von Steinen kann als eine Vorstufe des sprachlichen Umgangs angesehen werden.

Dargestellt werden in den Malereien Tierfiguren, später (ab 10.000) mit Pfeilen versehen. Es waren Jagdbilder: Jäger die ein Tier jagen.
Dann Menschen und Hände; ein menschliches Antlitz - zu erkennen an den Augen - wird mit tierischer Gestalt des übrigen Gesichts versehen: eine Art Mensch mit Katzenmaske zB. Weiterhin Vulva und Brüste, diesmal sehr viel "pornographischer".

Man kann den Stil der Felsmalereien auch auf andere gestaltete Gegenstände, Idole, Knochen oder Steine übertragen (und umgekehrt die Gestaltung von Gegenständen auf Felsmalereien übertragen).

Knochen wurden etwa um 18.000 reich und auffällig künstlerisch verziert. Mit Sicherheit gab es um 18.000 auch Musikinstrumente (Blashorn aus Knochen).

Dolme und Megalithe beginnen wohl erst um 4.000 aufgestellt zu werden, aber wahrscheinlich gibt es einfachste Vorläufer von aufgestellten (kleineren) Steinen schon ab 30.000-10.000, die sich nur nicht bis heute in ihrer Anordnung erhalten haben.

Es gibt aus der Zeit von vor 6.000 Jahren Steinfiguren, die zwei Menschen eng miteinander verschlungen zeigen, fast in einer Art Symbiose.

Der erste bedeutende Kunstgegenstand aus Stein, der jemals gefunden wurde, ist anscheinend die berühmte Venus von Willendorf um 25.000 v. Chr.

Es gab in Stein gehauene Reliefbilder, Muttergottheiten (auf jeden Fall gut beleibte Frauenfiguren), Idole, also Menschendarstellungen aus Stein, aber auch von Tieren.

Die erste gebrannte Tonfigur und Keramiken wurden bereits um 20.000 gefunden. Aber es kann sich auch um einen archäologischen Irrtum handeln (?), denn offensichtlich gibt es nur eine Fundstelle (in Mähren).

Magie und Glauben

Thesen:

Eine einfache Magie bei der Höhlenmalerei könnte darin bestanden haben, dass man das Notwendige, Gewollte und Gesuchte zunächst bildlich malte. Suchte man ein Obdach, malte man ein Zelt (solche Malereien gab es), suchte man eine Frau, malte man eine Frau, wollte man Tiere jagen, malte man Tiere; - so wurde das Bewusstsein sozusagen erinnert, eingeübt auf die Absicht.

Magie muss man für die Vorzeit (also vor 10.000 v.Chr.) unbedingt in Bezug allein zur Wahrnehmung betrachten - inklusive den Bedeutungen für das Leben, die die Magie hat, und wenn es darin besteht, Kraft zu speisen bei Beschwörung einer (unsichtbaren) Wirkkraft oder von ihr angeleitet zu werden.
Magie könnte in Bezug auf diese Menschen ausschliesslich als psychologische Magie erklärt werden, es sei denn man nimmt an, dass mit der psychologischen Dimension auch die Beschwörung von ausserpsychischen Kräften einher geht, dessen Bedeutung für das Sein oder Leben man für jeden Menschen (also auch heutigen) nicht ganz ausschliessen mag.

So ist die Bedeutung, die ein magischer Zweck hat, in der Wahrnehmung begründet.
Selbst wenn ich Hunger habe, ist das eine Wahrnehmung. Ich betone das deshalb, um irgendeine Art allzu-vernünftiger Überlegung auszuschliessen. Man sollte sich auch nicht täuschen, und etwa einen Mangel in der Qualität der Wahrnehmung des Urmenschen sehen - höchstens hatte er einen Mangel in der Reflektion, weil wir heute zu erweiterten Möglichkeiten (des Erkennens, Denkens und Planens) fähig sind.

Bei ganzheitlicher Wahrnehmung, wie sie dem Urmenschen gegeben war, sind alle Begriffe ersetzt durch konkret erschaute Bedeutung und Wissen um etwas, was zu tun schicklich scheint (man beachte die etymologische Ähnlichkeit zwischen dem Wort Geschick und Schicksal).
Das ist keine mindere Form von Magie, sondern vermutlich echte und ursprünglichste Magie. Man kann diese Art der Magie auch noch heute bei Ureinwohnern finden, und annehmen, dass es eine grosse Ähnlichkeit zwischen heutiger (naturvölkischer) Magie und damaliger Magie des Ur- und Frühmenschen gibt, dass es also einen gemeinsamen Nenner gibt.

Die Darstellung von Tieren in Höhlenmalereien kann man auch als Animalismus bezeichnen. Hier wird der Bezug auf das Tier angestellt, mit dem man sich verbunden fühlt. Der Mensch kann als Lebewesen definiert werden, der sich in alle anderen Lebewesen prinzipiell "einfühlen" kann bzw. mit verbinden kann.

Etwa 80 Prozent aller Malereien sind Tierdarstellungen.
Vielleicht erkannte der Mensch in den Tieren auch nicht nur Beute für die Jagd, sondern spätere Malereien bilden Menschen mit Tiermaske ab, was vielleicht auf eine Instinktnähe hindeutet, indem der Mensch in sich eine Ähnlichkeit zu den aussen wahrgenommenen Tieren entdeckte.
Vielleicht war aber dem Frühmenschen etwas bewusst, was uns heute erstaunen könnte: Zusammen mit dem schon erwähnten Fruchtbarkeitsaspekt, der dem Menschen "bewusst" sein könnte, könnte sich auch für seine Wahrnehmung das Bild ergeben haben, dass er auf der Erde zusammen mit den Tieren lebt, er erkennt, dass Tiere Tiere jagen und er seinerseits Tiere jagd. Die dargestellten Tiere erscheinen oft in ruhiger Haltung, eben nicht in Flucht, während in der Darstellung Pfeile auf sie fallen. Das könnte allerdings direkt darauf verweisen, dass der Jäger sich an seine Beute anschlich.
Vielleicht stellt sich hier auch ein Bild dar, dass tatsächlich die (gefühlte) Einheit der Schöpfung ausdrückt ist, man selbst ist darin,  genau wie die Tiere, man selbst und andere werden sterben, genau wie die Tiere, und es kommen alle wieder. Man ist in einem Becken, in einem Land, keineswegs abwegig scheint mir der Begriff "paradiesische Vorstellung" zu sein (wenn man nur nicht assoziatitiv an irgendein ideologisch fixiertes Bild denkt).
Man fühlte sich eins, so banal sich das anhört. Nicht von der Reflektion her gesehen, sondern vom (quasi-instinktiven) Eindruck her: alles ist in einem und man ist selbst Teil, wie auch alles andere ein Teil dieses Ganzen ist.

Man muss unbedingt auch die Träume und die Arbeit des Unbewussten in Betracht ziehen. Man weiss nicht, welchen Eindruck die Träume und dunklen Botschaften darin auf den frühen Menschen machten. Wir wissen auch nicht, was das "Unbewusste" in dieser frühen Form des menschlichen Bewusstseins wirklich bedeutete. Vielleicht gab es weniger Verdrängung und weniger Komplexe.
Es kann sein, sehr gut sogar, dass für den Menschen mit den Träumen ein Bereich entstand, wo ihm klar wurde, dass die Träume "in einer anderen Welt" (verglichen mit dem Alltag) stattfinden: Wenn er nämlich aufwacht, ist die Traumwelt nicht mehr - womit dann auch das prinzipielle Bewusstsein über eine andere Welt bzw. Sphäre geschaffen sein könnte. Diese Sphäre ist unbedingt ein Teil des Selbstes, dieser Frühmensch hat den Träumen sicherlich mehr Bedeutung zukommen lassen, als wie wir es heute tun.
Wir wissen nicht, welche Inhalte in den Träumen auftauchten. Das Unbewusste wird etwas anders geartet gewesen sein. Verdrängung mag nicht so leicht, wenn überhaupt funktioniert haben. Denn alles war unmittelbar und die Instinkte forderten wohl zum unmittelbaren Handeln, besonders wenn der Grund (Antrieb) zwingend genug schien. Vieles wurde direkt "abreagiert".

Der Schlüßel scheint mir folgender zu sein: Die Zeit (als Eigenschaft) ist in einer Tendenz bei den Träumen ja aufgehoben. Wir kennen das Phänomen: Wir träumen Erlebtes des gestrigen Tages, aber auch Kommendes in der Nacht zuvor! Wenn aber alles, was wir tun, in den Träumen wiederkehrt - wer weiss, gab es dort in Bezug auf Erlebnisse also Hinweise, Bilder, weitere Wahrnehmungen, Symbole, die offensichtlich in den Träumen ja prompt gedeutet werden, was dann - bedingt durch den Umstand, dass Traum und Realität sich vermischen - durch diese Botschaften zu einer erweiterten Sicht über die Schöpfung führte und auch zum Gedanken bzw. Eindruck der Wiederkehr: Der Alltag kehrt wieder; der Trauminhalt kehr ebenso manchmal wieder, und im alltäglichen Leben kannten sie es schon: tote Tiere kehren wieder, Menschen ebenso. Das Phänomen (=Erscheinung) der Wiederkehr wurde sehr wahrscheinlich allumfassend erkannt.

Mit dem Malen von Tieren auf Wänden, erschaffe ich die Wirklichkeit.
Eine These: In der Tat könnte das Selbst sozusagen "programmiert" werden, um von ihm (dem Selbst) auf eine fast medial anmutende Art und Weise zu den Tieren geführt zu werden.
Es war vielleicht keine Vision des Ortes, wo das Tier zu finden ist, aber eine Art Intuition, die den Menschen dorthin führte - heute sagen wir, das Unbewusste "weiss alles", für den Urmenschen muss es das Selbst an sich gewesen sein: Irgendwoher kam das Wissen, oder irgendwie wurde er zum Tier geführt.

Es kann freilich auch sein, dass der Akt des Malens ihn bloß einstimmen sollte, und es nichts mit dem Finden der Beute zu tun hat.
Aber ausschliessen kann man solche Art der "Herbeiführung des Wissens" nicht. Da gibt es noch Geheimnisse für den heutigen Menschen, Geheimnisse, woher das Wissen überhaupt stammt; - aber es gibt tatsächlich das Phänomen, dass ein Schamane oder Heilkundiger in dem Moment, wo er etwas sucht, nach innen lauscht bzw. sich sponrtan auf den Weg macht, und er dann dorthin geführt wird, wo es das gibt, was er sucht (zB eine Heilpflanze); - dazu aber muss eine Absicht geklärt sein, man brauchte sozusagen ein magisches Ritual, um diese Absicht seiner Suche zu beschwören.

Hier steht das Element der Frage im Vordergrund, und die Antwort könnte vom Urmenschen selbst gefunden worden sein, indem er sich durch die Malerei selbst animierte zu suchen, zielgerichtet auf die Beuute bezogen; oder aber auch, indem er irgendeine Ausrichtung des Bewusstseins vornahm (Absicht), um folglich die leisesten Instinkte auszurichten, auf das Gesuchte Acht zu geben: Gerüche, die man sonst nicht wahrnimmt, die man nun nach der "gemalten Absicht" unbewusst wahrnimmt und von ihnen geleitet wird, Gerüche, die von den Tieren über den Wind getragen werden, Spuren im Sand, und es ist ja dies, was wir heute Intuition nennen, aber auch der Insinkt ist beteiligt, noch viel mehr das Geheimnis: dass es vielleicht eine Art "Äther" gibt, wo alle Informationen liegen, diese Sphäre, in der angeblich, nach schamanischer Auskunft, alle Dinge miteinander verwoben sind - und damit ist klar, dass es eine Art Informationsquelle gibt, die man anzapfen kann (die Instinkte könnten für den Urmenschen massgeblich gewesen sein, um eine Verbindung zu diesem Äther herzustellen um an Wissen zu kommen, er war eins mit sich, es kann gar nicht anders sein, und damit war er auch der Urquelle des Äthers nahe) -  der Urmensch wusste nicht, was er tut, aber sein Instinkt führte ihn dann (vielleicht) zum Tier; oder andererseits, etwas rationaler: die Felsmalerei könnten als eine Art Gebet aufgefasst werden, die folgerichtig Einfluss auf sein ganzes Selbst hatte (welches Selbst mit seinen Instinkten dann zu den Tieren führte).
Es kann als weitere Möglichkeit aber wesentlich von Bedeutung sein, dass es hier ausschliesslich um ihn selbst geht: Der Jäger formt sich eine Absicht zu jagen, indem er die Beute durch Malen sich bewusst macht und folglich mehr Erfolg im Jagen erwarten kann. Es gibt Berichte von luziden Träumern (aus der Neuzeit), die in ihren Wach-Träumen jene kunst - oder handwerklichen Dinge des Alltags vorwegnehmen, sich im Traum auf diese Dinge einstellen und sie üben, wenn sie dann in dem Alltag an die physisch tastbare Wirklichkeit herangehen, knüpfen und verknüpfen sie das im Traum geübte mit der Realität. Luzide Träume sind eine Art Traum, in dem man sich wie im Alltag mit Absicht bewegen und verschiedene Dinge genau planen bzw. behandeln kann. Man träumt sozusagen eine Wirklichkeit.
Insofern, weil man eine Art besonderes Bewusstsein (in Nähe zum Traumzustand) bei den frühen Menschen annehmen kann, könnte solch ein Malen also tatsächlich als Vorstufe des eigentlichen Jagens begriffen werden. Großwild zu jagen ist keine leichte Angelegenheit.

In jedem Fall wird es um eine Art Absicht gehen, die den Jäger zur Beute bringt und ihn vielleicht auch bei der Beutejagd stärkt oder die Gemeinschaft der beteiligten Jäger stärkt. Ein magischer Akt insofern, wie er für den Menschen bemerkbare oder auch unsichtbare Wirkkräfte auf psychischer Ebene beeinflussen kann.

Man kann daraus sogar noch weiteres aus der Zeit der Urmenschen ableiten. Wir wissen heute, dass wir für ein intuitives Wissen immer grundsätzliches Material benötigen, also bestehende Punkte geringeren Wissens. Diese Punkte könnten beim Frühmenschen als Wissen zB um Mondphasen und die Wiederkehr gewisser Ereignisse (Zyklen) bestanden haben. Es gibt Vermutungen, dass zwischen 20.000 und 10.000 sich bereits eine Zeitmessung etablierte. Mondphasen, Jahreszeiten, etc. - da konnte vom Frühmenschen ein Zusammenhang zwischen Jahreszeit und Sonnenlauf bzw. den 12-13 Mondzyklen eines Jahres vermutet werden; einfache Striche auf Knochen und Steinen könnten den Anfang gebildet haben für immer komplexer werdende astronomische Beobachtungen; - ein Ur-Material der Beobachtungen, welches folgerichtig für die weitere Intuition zur Grundlage wurde.
Die Methode, über Jahrzehnte nachgegangen, wird immer wieder herangezogen und weiter ausgebildet, und daraus entsteht dann schliesslich als Endglied einer langen Entwicklung zB die Stonehenge Anlage anno 4000-5000 v. Chr. oder die Astrologie in Mesopotamien und Indien. Sie Stonehenge Anlage diente wohl nachweislich der präzisen Beobachtung von gewissen markanten Punkten der Zyklen diente (Sonnenwendpunkte). Es gibt auch andere Henge Anlagen, auch in Deutschland aus der selben Zeit, die noch eindrücklicher die Absicht einer Bestimmung des Sonnenwendpunktes darlegen.
Mit dem Wissen der heutigen Astrologie kann zwingend angenommen werden, dass natürlich damals die Beobachtungen des Lebens mit den Positionen astronomisch beobachtbarer Himmelsbewegungen oder Phänomene (Finsternisse) verglichen wurden, woraus schliesslich das Wissen darum enstand, dass die Planetenpositionen Aussagen über das Leben erlauben. Die heutige Astrologie entstand aus diesen Uranfängen heraus. Was heutzutage leider von vielen Menschen als gesichertes Wissen abgelehnt wird, wobei sicherlich die Erklärungsnot eine grössere Rolle spielt, als wie die beobachtbaren bzw. zu den Gestirnspositionen paralell ablaufenden Ereignisse im Leben eines Menschen.
Omenkunde und Zeichenkunde sind weitere Bestandteile damaliger Anschauungen.

Eine Opferung für höhere Wirkmächte findet bei den Frühmenschen jedoch wahrscheinlich noch nicht statt, obwohl man die Grabbeigaben als solche deuten könnte. Depotfunde könnten Opfergaben darstellen, aber vielleicht auch einfachste Nahrungsmittelspeicher.
Jedenfalls gibt es eben verschiedene Hinweise auf ein mögliches Gewahrsein von höheren oder unsichtbaren Wirkmächten, wie es mit dem Fruchtbarkeitsaspekt geschildert ist - aus denen sich, zwecks Beschwörung bald beim heutigen Menschen (ab 10.000 v. Chr.) eine solche Opferung ergeben könnte.

Fazit: Die Darstellungen der Tiere bei den Felsmalereien (allesamt 30.000-10.000), sind in meinen Augen tatsächlich rein magischer Art, zum Zwecke der Jagd. Aber auch hier könnte sich analog dem Traum (Geträumtes; Aufwachen; Wiederkehr des Geträumten im Alltag) das Element der Wiederkehr als wichtiges Element erweisen, um die "Vorstellungswelt" der Frühmenschen insgesamt zu beurteilen: "Ich male das Tier, das ich (in der Realität) wiederfinden will."

Also entweder Wiederkehr Symbolik oder Magie, die rein psychologische Absicht zu jagen oder eine Mischung dergleichen.
Rationalisten sehen hier leicht den Zufall, erklären das Malen vielleicht mit der Lust am Malen selbst, wer weiss - aber heutige Naturvölker, wie von Ethnologen berichtet, antworten auf die Frage: "Warum malen sie ihre Jagdbeute?": dann: "Wie könne man jagen ohne zu malen?"

Eine weitere Anmerkung: Die Höhle stellt eine Symbolik des Uterus dar und fügt sich in ein Gesamtbild des zentralen Punktes der Wiederkehr (Uterus=Hort des erscheinenden Lebens).

Epochengeschichte der Faustkeile als hauptsächlichstes Werkzeug

Die ersten, weitgehend unbearbeiteten, rohen Faustkeile fand man in der Zeit vor etwa 600.000 Jahren (wenn man den Datierungen der Wissenschaftler Glauben schenken will).
Man konnte im Gebiet Frankreichs und Westeuropas sehr viele Faustkeile aus Stein finden, und zwar über Jahrzehnt-Tausende hinweg. Bearbeitete Faustkeile finden sich von Anfang (120.000) an bis etwa 8.000 Jahre v. Chr. -  sie lassen mehrere Epochen der deutlichen Veränderung erkennen:
Sie sind erst grob und schwulstig, leicht gezähnt (wie um Fell und Fleisch besser abschneiden bzw. abschaben zu können), werden dann zunehmend länglicher, flacher und spitzer, so dass die Kanten einem üblichen Messer ähnlicher werden (ab 120.000 bis etwa 70.000), es kommen dann zu kleiner gewordenen Faustkeilen auch tatsächlich stark messerähnliche Faustkeile, mit schmalen Klingen und noch länglichere Spitzen hinzu (33.000 v. Chr.).
Damit tritt auch der Holz-Speer auf und Wurfgeschosse wurden gefunden.
In der Zeit zwischen 33.000 und 24.000 v. Chr. werden die Faustkeile immer stilisierter, fast rund, aber nach wie vor meist länglich, und es lassen sich doppelseitige Klingen finden. Es treten auch vermehrt Knochenwerkzeuge auf, die sehr spitz und schmal sein können.
Um 18.000 bis 8.000 v. Chr. tauchen stark gesäbelte Klingen auf, das sind Harpunen die schon an moderne Sägen erinnern. Diese Steinarbeiten lassen eine Art Vorstufe des modernen Werkzeugs erkennen, sind aber noch etwas grob oder erscheinen als gerade zweckdienlich genug.
Ab 8.000 v. Chr. werden aus den vormals noch archaisch anmutenden Klingen, Harpunen und Werkzeuge beinahe Schmuckwerke. Sehr feine Spitzen und Pfeilspitzen tauchen auf, bemalte Kiesel. Pfeil und Bogen sind nun wahrscheinlich auch üblich geworden.

Eiszeiten/Kältezeiten

Die zweite erdgeschichtliche Eiszeit hat anscheinend insgesamt fast 60.000 Jahre gedauert, etwa von 70.000-10.000 v. Chr.

Nach den Erkenntnissen der Forschung gab es sehr kalte Eis-Zeiten (zumindest in Europa) von 75.000 bis 47.000,  32.000-27.000 und 23.000-18.000. Die Menschen waren immer schon Jäger und Sammler, wanderten viel und waren grundsätzlich wohl kaum sesshaft, wenn es auch einige Sommerlager gab. Mit dem Wechsel des Klimas gehen vor allem Veränderungen der Fauna (Tiere) und Flora (Pflanzen) einher.

Bis hierhin war der Mensch Jäger und Sammler.
Er ernährte sich vor allem von Tieren, zu einem geringeren Teil von Pflanzen, und sammelte alles, was er finden konnte: Samen, Wurzeln, Früchte, Plize etc.. Bedeutend (auch für den heutigen Menschen ist), dass der Mensch seit jeher ein Jäger ist bzw. einen Jagdarchetypen in sich zu haben scheint.

Neolithische Revolution

Ab 10.000 v. Chr.  lassen sich an den gefundenen Skeletten deutliche Ähnlichkeiten mit heute vorhandenen Rassen erkennen.

Zu dieser Zeit tauchen auch vermehrt Tonkrüge und Keramiken auf, und es ist sicher, dass Ton gebrannt wird (10.000 v. Chr.).
Beile und Äxte wurden jetzt hergestellt. Ab 7000 kann man von einer euopäischen Frühkultur sprechen.

Ab 5000 v. Chr. beginnen die Keramiken verziert zu werden (erste Strich-Ornamente, Bänder) was dann zunehmend bis zu einem wahrscheinlich erreichten Höhepunkt um 2500 v. Chr., zu reichhaltigen ornamentalen Ausschmückungen und schliesslich Bebilderung führt.

Allerdings findet um 12.000-8.000 v. Chr. auch eine bedeutende Veränderung klimatischer Verhältnisse statt. Das Klima ist nun deutlich feucht. Mit der Bewaldung weichen die grossen Graslandschaften.
Mammut, Wollnashorn und andere Tiere sterben aus. Viele wilde Tiere wanderten zudem in den Norden. Andere kleinere, flexiblere Tiere wandern ein.
Es werden ab 4000 auch Megalithen aufgestellt, Dolmen, die dem Totenkult dienen.

Und, das ist jetzt der wohl bedeutendste Umschwung in der Menschheitsgeschichte, ab 11.000-6.000 begann in Europa die kontrollierte Viehzucht, der organisierte Ackerbau und damit das sesshafte und kultivierte Leben. Alles im (Süd-)Osten Europas beginnend.

Im Orient (Syrien und die Gegend um das tote Meer) gab es bereits vor 11.000-9.000 Jahren ersten Getreideanbau, dem eine lange Zeit des Getreidesammelns voraus ging (ab 20.000), während auch schon erste sesshafte Strukturen ausgebildet wurden. Doch fehlt diesen Abläufen anscheinend noch die Kontinuität oder das Klima war noch zu rauh für eine solche Dauerhaftigkeit.
Der organisierte Ackerbau soll dann in Anatolien seinen Anfang genommen haben oder zwischen Iran und Jericho (und dann nach Anatolien gekommen sein), und sich über Anatolien über Europa ausgebreitet haben.

Die Jäger und Sammler gingen nun zu Ackerbau und Viehzucht über. Offensichtlich war dazu auch gerade eine massgebliche Änderung des Klima nötig, welches nun die Jahreszeiten hervor brachte, wie wir sie heute kennen.
Vorher war das Nahrungsangebot ganzjährig knapp und man kann davon ausgehen, dass notgedrungen Tiere gejagd werden mussten.

Ausgehend von der langen Steinzeit der Jahrtausende bis etwa 4000 v. Chr. gab es noch überwiegend Fischer und Jäger, Sippen und arme Stammesgruppen, die in den nächsten Jahrtausenden (in Griechenland ab 7000-6000) zunächst zu Viehzüchtern, dann zu Bauern wurden.

Die Häuser werden in den nächsten Jahrtausenden zunehmend fester und geschlossener. Erste Siedlungen entstanden, wurden aber nicht automatisch mit dem fortlaufenden Zeitalter grösser, sondern eher befestigter (auf Hügeln).
Mit dem Ackerbau und der Viehzucht wurde das Aufbewahren von Nahrungsüberschüssen möglich und nötig, das sesshafte Leben konnte sich nun erst ereignen, der Handel auch über weite Strecken wurde zunehmend ab 3000 v. Chr. ermöglicht.

Ab 6500 ist die Domestikation von Tieren (Katzen, Hunden) als ein entscheidendes Merkmal archäologisch überliefert.
Weitere Merkmale, die bis 500 v. Chr. immer weiter ausgebildet, differenziert und spezialisiert wurden, können locker aufgezählt werden - aber man muss sich gleichwohl vor Augen halten, dass der anfängliche Keim solcher Tätigkeitsfelder zunächst (7000 v.Chr.) primitiv, archaisch und einfach ist, und in den folgenden Jahrtausenden allmählich weiter entwickelt wird:
Herstellung von Gebrauchsgegenständen und Werkzeugen aus Holz und anderen Materialien, Waffen, Steinarbeiten, Keramik- und Zimmermannsarbeiten, Schmiede- und Metallarbeiten. Pflanzenzucht und -verwendung. Anbau, Ernte, Herstellung und Transport von Lebensmitteln, Haus-, Stadt-, Straßen-, Brücken- und Wasserleitungsbau, Schiffsbau und Schiffsverkehr, Wagenbau und Landtransport, Fell und Lederbearbeitung, Textilherstellung, Seilerei und Schneiderei, Färberei, Näherei und Kleiderherstellung, Ziegel- und Kalkherstellung, Glasherstellung usw. - die Dynamik intellektuellen und geistigen Strebens nahm nun zu und führte zur allgemeinen Kultivierung und Zunahme der gesamten menschlichen Möglichkeiten.

Es ist eine zweiteilige Entwicklung in Europa auszumachen seit 7.000 v. Chr. Der Westen und Mitteleuropa stagnierte, hier wurde die ganze Zeit über massgeblich gelebt und gejagd, seit Zehntausenden von Jahren, und der Osten und das östliche Mittelmeergebiet kultivierten sich jetzt zunehmend.
Die von den kultivierten Völkern genannten Barbaren blieben zunächst im Westen lange erhalten. Die Kultivierung kam vom Osten aus dem Mittelmeerraum. Die archäologischen Funde beweisen zudem, dass es nicht möglich ist, die verschiedenen Kulturen dieser Zeit in Europa voneinander abzuleiten, sie sind untereinander in der Zeit um 6000-3000 v. Chr. noch sehr verschieden. Noch wurde vereinzelt anscheinend in Höhlen gelebt.

Wohnstätten

Lebten die Menschen vor der neolithischen Revolution (in der frühen Frühzeit des Menschen) in umher wandernden Sippen, und suchten Schutz in Höhlen, Felsunterhängen oder bauten kurzfristige Hütten aus Ästen und Zweigen, á la heutigem Survivaltraining, wurden schliesslich Gruben mit aufgesetzten Hüttendach ab 30.000-20.000 v. Chr gebaut, die wahrscheinlich überwiegend als Sommerlager dienten oder aber jeweils schnell gebaut werden konnten. Mit dem sesshaften Bauernleben begann der Bau von festen Wohnhäusern aus Holz, Lehm oder Stein.

Zeitalter der Metallverarbeitung

Erste Metallverarbeitung: etwa ab 8.000 v. Chr.
Kupferverarbeitung, Kupferzeit: 4000-2500 v. Chr.
Bronzeverarbeitung, Bronzezeit: 1800-700 v. Chr.
Eisenzeit: ab 1200 v. Chr.

Das Griechenland der Vor-Antike

Als tatsächlicher Beginn der Antike wird meist das archaische Zeitalter bezeichnet, welches um 800 v. Chr. begann, welche zugleich Homers Zeit war. Der Begriff archaisch definiert sich mit dem kulturellen Höhepunkt der griechischen Antike anno 500-300 v. Chr., welches als klassisches Zeitalter betrachtet wird, und tatsächlich den Brennpunkt der griechischen Antike bildet.
Das archaische Zeitalter ist nämlich der klassischen Antike vorgelagert und ihr hauptsächlicher Keim. So lässt sich also die Antike auf den Zeitpunkt des Beginns bei ungefähr 800 v.Chr. beziehen, welche eine eigenständige Epoche beschreibt.
Diese aber ist in eine noch viel grössere eingebettet, die bereits um 3000 v. Chr. begann, oder mit anderen Worten, der wahre Keim der Antike liegt in den Jahrhunderten weit vor 800 v. Chr. Und das Jahrhundert 800 v. Chr. (arachaisches Zeitalter) ist nur der Anfang des klassischen Zeitalters.

Lange im Dunkeln liegende Jahrtausende gehen der eigentlichen griechischen Antike voraus, was man auch "Wunder der Ägäis" genannt hat. "Wunder", weil man keine besonderen Einblicke in die einzelnen Phasen dieser Werdezeit unmittelbar vor 800 v. Chr. nehmen konnte, denn ab 1200 v. Chr. gibt es keine grösseren archäologischen Funde mehr, die die Geschichte bis etwa 800 v. Chr. dokumentieren könnten (deswegen dunkles Zeitalter). Dennoch gibt es jüngste archäologische Funde, die einen kontinuierliche Übergang zwischen der Zeit vor 1200 v.Chr bis 800 v. Chr. annehmen lassen. Die Zeit ab 3000 v.Chr. bis 1200 v. Chr. ist dagegen besser dokumentiert.

Es sind bereits die Jahrhunderte vor 800 v. Chr. eine wichtige Epoche, um zu beurteilen, wie die Antike entstanden sein könnte - da die Zeit davor all das im Keim trägt, was schliesslich zur Blüte gelangt.
Die Jahrhunderte zwischen 2800 v. Chr. und 1200 v. Chr. kann man - zunächst in Kreta und dann ab 1800 v. Chr. auf dem Festland Griechenlands - als Hochkulturen betrachten: und zwar als minoische (Kreta) und mykenische Hochkultur (Festland). Es gibt eine auch eine kykladische Kultur (auf den kykladischen Inseln), die als solche postuliert wird, weil sie sich wesentlich genug von den übrigen unterscheidet und auch eigene Entwicklungsphasen beinhaltet.

Wenn von Griechenland gesprochen wird, ist meist einfach nur das Land unabhängig von den Völkern gemeint. Was man Griechen nennt, sind die mykenischen Griechen, jene Griechen also, welche vor allem aus dem Norden einwanderten, dann auch allgemein diejenigen, die sich einfach auf dem griechischen Festland zunehmend ausbreiteten und das hellenische Griechenland prägten, die den eigentlichen antiken Mythos hervorbrachten; - die minoischen Kreter und die ägäische Grundbevölkerung sind dagegen in der Forschung oft nicht als Griechen bezeichnet. Auch weil die Linie der heutigen Griechen eher zu den Mykenen als zu den Minoern führt

Die Kultur der Kreter wird minoisch genannt, nach dem mächtigen König Minos. Die Kultur der festländischen Griechen wird mykenisch genannt, nach dem historisch gesehen ersten archäologischen Fundort auf Mykenai um 2000 v. Chr. (auf der Peloponnes Halbinsel).

Zunächst hielten die Minoer (Kreta und ägäische Inseln) eine Übermacht und kontrollierten und beeinflussten weitgehend die Ägäis (durch Handel und wirtschaftlichen Interessen angetrieben). Eine Verwaltungsstruktur wurde sowohl auf Kreta von den Minoern perfekt betrieben, wie auch später von den mykenischen Städten auf dem Festland.
Export der produzierten Überschüße (zB Nahrung) sorgte neben erweiterten Handelsstrukturen auch für die Verfeinerung der eigenen Lebensverhältnisse des Adels. [Man nimmt an, dass Homer als Hofsänger aus der langen Tradition dieser Adelsaristokratie hervorgegangen ist.]

Um 1500-1400 v. Chr. brachen die Mykenen das Monopol der Minoer und strebten ihrerseits die Vorherrschaft an - es vermischten sich beide Kulturen zunehmend, die mykenische Kultur des Festlandes hatte nun jedoch einen grösseren Einfluss gewonnen, als es dem minoischen Zeitalter vorher möglich war.
Die minoische Kultur kann man als kultisch und matriachalisch, die mykenische Kultur als die Geburt des Heroischen betrachten.

Die Götter gehen vermutlich massgeblich durch den mykenischen Einfluss hervor, doch wurde die mykenische Kultur während ihrer ganzen Zeit bis 1200 v. Chr. von der minoischen und ägäischen Kultur beeinflusst.
Die minoische Kultur gilt im Grundsätzlichen als verschieden von der mykenischen und auch als verschieden von der späteren griechischen Antike ab 800 v. Chr.. Aber doch nicht als ganz anders.

Anno 6500-2800 war die Insel Kreta und die Ägäis nur dünn besiedelt. Es wanderten dann vermutlich nicht lange vor 2800 v. Chr. nicht-indogermanische Völker aus Anatolien ein und bildeten die ägäische Grundbevölkerung.

Um 2200-2000 v. Chr. gab es in Griechenland und den Inseln zugewanderte indoeuropäische (neue) Völker aus dem Norden, die auf die ägäische Grundbevölkerung stießen. [Anmerkung: Indogermanen und Indoeuropäer bezeichnen begrifflich dasselbe Volk]
Geringe (nicht-indogermanische) Einwanderungswellen aus Anatolien und Syrien nach Kreta, werden für die Jahrhunderte 2000, 1600 und 1200 v. Chr. genannt.

Man kann sagen, es gab Einwanderungswellen der Indogermanen zu verschiedenen Zeiten (alle vor 2000 v. Chr.). Und es gab ständig Menschen überall auf der Welt, die man ab anno 15.000-10.000 v. Chr. als verwurzelte Kulturen ansehen kann - selbst wenn sie als Nomaden umher zogen und gleichwohl in neue Gebiete eingewandert sein könnten, wo es bereits Menschen gab. Diese verwurzelten Menschen bilden die späteren, in Europa heimischen archaischen Kulturformen, auf die die einwandernden Indoeuropäer etwa ab 2200 v. Chr. stießen.
Es wird nun angenommen, dass die Indogermanen nicht hauptsächlich die Kultur nach Griechenland brachten, sondern dass sie auf bereits ausgereifte Kulte trafen und erst nach einigen Jahrhunderten nach dem Einheimischwerden das mykenische Zeitalter hervorbrachten.

Niemand weiss, was die mächtige (indogermanische) Einwanderungswelle auslöste, von der Europa insgesamt anno 2200 beeinflusst wurde. Es ist anzunehmen, dass der ursprüngliche Kern dieser indogermanischen Volksgruppe irgendwo zwischen Indien, dem Iran und dem mittleren Russland lag. Vom Kaukasus bis Anatolien (heutige Türkei) strömten die Einflüsse auf Europa bis nach Griechenland, welches als erstes von der neuartigen Kultur berührt wurde. Obgleich die Anfänge der Kultur in der Ägais recht dunkel erscheinen, ist die Zuwanderung der aus dem Norden kommenden Völker sehr sicher.

Griechenland und Kreta

Vom Neolithikum bis zur Bronzezeit

Zusammenfassung: Nach den ersten Einwanderungen aus dem Norden strömten kulturelle Einflüsse hauptsächlich aus Asien, Europa, Ägypten und Afrika durch Handelsbeziehungen nach Kreta vor, das ab 2800 vor Chr. zum Schmelztiegel der ganzen Ägäis wurde.
Kreta bildete einen zentralen Punkt der Einflüsse dreier Kontinente. Daher hat Kreta in Bezug zur weiteren Entwicklung ganz Griechenlands einen besonderen Stellenwert.

Mit dem neuen Klima, mit dem Nahrungsanbau und dem Bezug zur Vegetation (Säen-Reifen-Ernten) wurde die Fruchtbarkeitsgöttin zunehmend von der menschlichen Ebene (beim Frühmenschen besonders der Fruchtbarkeitskult der Frau) auch auf die pflanzliche Ebene eindeutig erweitert und betont. Die Aufmerksamkeit bündelte sich nun auf die Erde als Ernäherin.
Die Natur ist für die Menschen von Kräften durchwirkt, von guten und magischen Geistern ebenso wie von furchteinflössenden und dämonischen.

Die Wiederkehr der Phänomene muss nun ganz sicher ein wesentlicher Bestandteil der Anschauung geworden sein. Tag-Nacht, Sommer-Winter kehrten immer wieder, während man selbst an einem Platz blieb und die Veränderungen deutlich spürte.

Beginn der Antike

Der Beginn der Antike soll im folgenden nicht etwa auf 800 v. Chr. bezogen werden, als die olympischen Spiele das erste Mal veranstaltet wurden, und der epische Gesang (und damit der uns bekannte griechische Mythos) von Homer eingeleitet wurde, sondern auf die vielen Jahrhunderte davor zwischen 3000 und 1000 v. Chr. Darin liegt der wahre und echte Keim der Antike.
Dass manche Forscher annehmen, dass grosse Teile der Religion von den Indogermanen herrührt, halte ich für nicht stimmig und geradezu falsch. Es mag ein kleiner Teil gewesen sein, der von den Indogermanen herrührt, vielleicht von Gewicht als ein kulturelles Erbe, aber nicht von Gewicht, in Bezug zur Ausbildung der tatsächlichen Mythen: Die Mythen oder Inhalte der Heldengesänge standen zur Zeit der indogermanischen Einwanderung noch nicht fest.

Den ureigentlichen Beginn der mykenischen Hochkultur kann man auf etwa 1750-1600 v. Chr. ansetzen. Die minoische Kultur hat vor allem die neue mykenische Kultur beeinflusst. Die mykenische Kultur kann als eine höhere Stufe der ursprünglich ägäischen Kultur angesehen werden, die aber vor allem auch neue Elemente geschaffen hat, die in der minoischen Kultur noch nicht auftraten. Anmerkung: Die ägäische Kultur ist als Begriff weitgehend identisch mit der minoischen Kultur, obwohl eigentlich die minoische Kultur sich nur auf Kreta bezieht, die ägäische Kultur aber auf das frühe Griechenland im ganzen (ägäische Inseln und Festland).

Die schon in der Steinzeit gefundenen Plastiken mit Darstellung einer vermutlichen Fruchtbarkeitsgöttin tauchen in der Zeit zwischen 7.000 und 3.000 in der Ägäis und Griechenland wieder auf. Man fand um 6.000 v. Chr. in Thessalien schon männliche Statuetten in thronender Darstellung, die auf die ägäische Grundbevölkerung bezogen werden müssen (weil sie ja die einzigen Einheimischen zu dieser Zeit waren).
Erste feste Siedlungen werden in Griechenland und Kreta auf 6500 v. Chr. datiert.

Es gibt in der minoischen Epoche (ab 2900 v. Chr.) "heilige Orte", Wohnräume und anscheinend nicht dem Wohnen dienliche Häuser, aus denen sich zusammen mit (in Häusern gefundenen) Idolen und anscheinend kultischen Einrichtungen ein Hauskult entwickelte (Altäre, Miniaturgefäße, und Geräte, die zum praktischen Gebrauch nicht geeignet sind, wie bleierne und goldene Äxte, Figuren von Tieren, Menschen und sogar Geräten). Weiterhin wurden zahlreiche Höhlenkultplätze gefunden, die man dieser Zeit zuordnete.
Opferkulte sind aber schon ab 5.000 v. Chr. sehr wahrscheinlich, wie aus Funden rekonstruiert werden kann. Es gab anscheinend zu dieser Zeit schon Masken, die den Dionysos Kult der griechischen Antike vorwegnahmen.

Thesen:

Was die Indogermanen angeht, ist folgende These im Umlauf: Die Indogermanen hatten ihrerseits eine ausgeprägte Vorstellung von Göttern, Opfern und dem Einbezug des hohen Amtes, um etwa die Opfer, Weihung und Gebete zu vollbringen. Vermutlich brachten sie neben diesem "strukturellen" Erbe auch sprachliche Elemente mit, während die ursprüngliche archaische Vorstellungswelt der Ägäer noch ursprünglicher bzw. noch matriarchalischer ausgerichtet war.

Die griechische Sprache entwickelte sich sehr wahrscheinlich unter den Einflüssen der Indogermanen und sie gaben der griechischen Sprache ihren Kern.
Das Wort Zeus ist übrigens indogermanisch. Das muss aber nicht bedeuten, dass der Inhalt dieses Gottes indogermanischer Herkunft ist, es ist für die Griechen der höchste Gott, so wie für andere (indogermanische) Völker eben auch ein höchster Gott als Begrifflichkeit existiert. Vielleicht brachten die Indogermanen die Disposition (Vorraussetzungen kulturell-geistiger Art) für einen solchen Gott mit - aber man muss bedenken, die Einwanderungen fanden anno 2200-2000 v. Chr. statt und die mykenische Kultur wurde erst ab 1700 wirklich bemerkbar.

Viele griechische Worte finden sich im Altindischen ebenso (wo sprachlich gesehen der Ursprung des Indogermanischen liegt) und haben dort meist dieselbe Bedeutung wie im Griechischen.
Eine weitere interessante Folgerung kann sich nun daraus ergeben, dass das spätere griechische Wort hekatombe "Opfer von 100 Rindern" bedeuten kann, aber nach den Gesetzen der indogermanischen Wortbildung ist darunter vielmehr eine Handlung zu verstehen, "die 100 Rinder einbringt".
Das erinnert nun an jenen Umstand, den ich schon in Bezug zur Steinzeit erwähnte, als man einerseits Menschen in den Tod (ins Nichts) gehen sah, und andererseits Menschen bei der weiblichen Vulva hervortreten sah, nachdem (wie aus dem Nichts) die Frau schwanger wurde, genauso wie alle anderen Erscheinungen (Tierwelt, Pflanzenwelt) einmal vergehen und dann wiederkommen.
Es ist der wichtige, wahrnehmungsbildende Aspekt, dass etwas nicht mehr da ist, was zu dem Bewusstsein erst führen kann, dass etwas erneut kommen kann.

Ob nun eine Opferung eine Stärkung der Fruchtbarkeit bedeutet? Wir würden pauschal meinen: natürlich nicht. Diese hundert Rinder können keine Nachkommen mehr zeugen. Anzunehmen ist aber, dass mit einem Opfer ja nicht einfach etwas sinnlos vergeudet wird, sondern irgendeine (unsichtbare, aber wirksame) Kraft beschwört werden will. Ein Art Energiefeld vielleicht. Oder es handelt sich um eine Art, wie es in der Bibel gesagt wird in Bezug auf Gott, der sprach: "Was ihr mir gebt, erhaltet ihr hundertfach zurück". Dass man dabei nicht sprichwörtlich das zurückbekommt, was man gegeben hat, kann man annehmen, die Auszahlung findet auf spiritueller Ebene statt und besteht naiv gedeutet in einer Loslöung vom Materialismus. Oder aber es hatte noch andere Gründe, etwa dass man durch die Opferung jetzt erst recht sich bemühen musste, die Rinder-Herde zu bewirten; - man mag darüber sehr viel spekulieren und sollte jedenfalls nicht zu einseitig rationalen Schlussfolgerungen kommen um den mythischen Hintergrund so zu verwischen.
Ob die Griechen nun tatsächlich annahmen, dass diese Dinge, die man opfert, auch wieder zurück kommen werden in gleicher Münze? Noch fehlt mir ein  direkter Hinweis auf eine mögliche Deutung der Opfer (in der griechischen Original-Literatur finden man freilich eine Menge Hinweise auf den spirituellen Bezug).
Doch selbst wenn ein Dichter oder Philosoph sich dazu äussert, und etwa meint: diese Dinge kehren wirklich eins zu eins zurück, muss dies nicht bedeuten, dass alle Griechen so dachten oder es der Realität des ursprünglichen Sinns eines Opfers entspricht. Denn die Dichter oder Philosophen äusserten sich erst dazu, als schon Jahrtausende die Opferung gang und gäbe war.
Eine Anleitung zum Opfer wurden ursprünglich oft durch das Orakel verkündet. Dieses Orakel aber sprach nicht aus, was es mit dem Opfer genau auf sich hat. Ich vermute daher tatsächlich den spirituellen, und eben nicht den materiellen Aspekt des Opfers.
Anmerkung: Der Altar des Christenthums steht in einem Zusammenhang mit dem Opfer (der Ritus des Kelches), das Christenthum kultivierte so gesehen das Opfer, ohne Tieropfer für die kultische Handlung zu verwenden.
Es scheint auch angebracht, an eine Art gezeigter bzw. ritualisierter Dankbarkeit gegenüber der Frucht bringenden Natur zu denken. In der einen oder anderen Weise werden sich die Menschen sicherlich gewahr gewesen sein, dass die Gaben der Natur nicht nur auf ihre eigenen Bemühungen des Anbaus beruhten. Ich denke, dass sich diese Art Dankbarkeit vielleicht auch ganz einfach in der Huldigung der Fruchtbarkeitsgöttin gezeigt hat. Sie erkannten das Fruchtbarkeitsprinzip und zugleich, dass sie davon abhängig waren.

Um 2400-2000 v. Chr. tauchen in Griechenland Gräber in Höhlen auf und oft sonstige Gräber an Abhängen von Hügeln oder in den Fels gehauen. Detaillierte Tierdarstellungen finden sich nun, die wahrscheinlich auch einem magischen Zweck dienten. Menschliche Darstellungen derselben Zeit sind dagegen sehr viel schematischer. Die Keramik ist nun auch sehr detailliert geformt, es gibt Kannen mit Ornamenten, Schnabel und Fuß. Die Bewohner treiben Ackerbau, hielten Tiere und bearbeiteten Kupfer. Schmuck aus Gold und Silber werden üblich. Kupfer wurde auch exportiert und es entstanden Beziehungen zu Nachbarländern auf dem Festland. Ägypten wurde nun auch als Nachbar entdeckt.
Auch Handelsbeziehungen direkt zu Kreta sind durch sehr ähnliche Funde auf beiden Inseln überliefert, auf Kreta auch Funde ägyptischer Art. Allerdings dürfte der lokale Kult auf Kreta auf Kretas eigenen Anschauungen zurückzuführen sein und nicht auf ägyptische Einflüsse.

Um 1300 v. Chr. gab es eine Zeit der Wohlhabenheit. Völkerwanderungen nahmen jetzt wieder zu in den Gebieten Griechenlands (inkl. Kreta), Italiens und des östlichen Mittelmeerraumes. Die bronzenen Gegenstände vermehren sich ebenso wie die Bevölkerung, niemals zuvor wurden solche Mengen an bronzenen Schwertern, Dolche, Speer- und Pfeilspitzen, Äxte, Sicheln, Armringe, Messer, Rüstungen und Helme gefunden.
Man ging dazu über, die Toten zu verbrennen (Urnenfelderkultur).

Zypern

Auf Zypern (die dem Balkan und Syrien nahe gelegene Insel) hat man eine Siedlung an einem Abhang ausgegraben. Datiert wird sie auf 5800-4950 v. Chr. Bienenkorbförmige Häuser, die sich über den ganzen Abhang ausbreiten, etwa 10 m im Durchmesser mit konischen Dächern, von denen bis zu drei zu einem Hauswesen zusammengefasst wurden. Sie wurden oft von einem Hof umgeben.
Die Toten wurden im Fußboden der Häuser, mit angewinkelten Beinen begraben. Grabbeigaben finden sich hauptsächlich bei Frauen, vermutlich absichtlich zerbrochene Schüsseln und ferner Halsketten aus Muscheln und aus Steinen gefertiger Schmuck. Das Grab wurde mit einem neuen Fußbodenbelag bedeckt, nur in einem Fall bedeckt eine Steinplatte den Leichnam. In einigen Fällen hat man eine schwere Steinplatte auf den Kopf des Toten gelegt - warum man das tat gilt als unbekannt. Es liegt nahe, zu vermuten, dass der Geist des Leichnams daran gehindert werden sollte, aufzustehen und im Haus zu spuken (?).
Die Keramik tauchte auf Zypern etwa 3000 v. Chr. und im übrigen Europa etwa 5500 v. Chr. das erste Mal auf.

Megaron

Um 3000-2600 v. Chr. wurde ein den späteren hellenischen Tempeln ähnlicher Bau auf dem griechischen Festland entdeckt. Das sogenannte Megaron ist gemeint; das ist die Bezeichnung für den Hauptraum eines großen Hauses, mit Eingang zur Schmalseite, Vorhalle mit zwei Säulen, und der rechteckige Thronsaal.
Der spätere klassische Tempel besteht typischerweise (nicht in der Regel) aus einem Brandaltar, Kultheiligtum und eben die rechteckige Form. Der ausgebildete Tempel der antiken Griechen taucht erst etwa 700 v. Chr. auf.

Oft wird dieser Megaron-Raum durch ein Herdfeuer in der Mitte beheizt. Dieser Innenraum taucht bei den späteren Tempeln wieder auf.
Es ist natürlich anzunehmen, dass die Ausbildung der Religion eng mit dem tatsächlichen Leben und seiner Forderung nach Struktur und Ordnung zusammen hängt. Der eine Gott entspricht (von der Archetypik einer frühen Zeit her) dem Stammvater des Hauses.
So gesehen kam auch das "patriarchalische Zeitalter" von den aus dem Norden einwandernden Griechen, die das Megaron mit brachten - während die ursprüngliche ägäische Bevölkerung des Mittelmeerraumes weitaus mehr dem Matriachat zugewandt war.

Zeus

Aber für die Herausbildung von Göttern mit menschlichem Abbild kommt mit dem archaischen Stammvater noch ein anderer Aspekt hinzu.
Der Mensch begreift seine Dignität, seine Würde, besonders als Stammvater, der eine Autorität innerhalb grösserer Familienstrukturen zwangsläufig verkörpert, auch eine Würde, bestimmt zu sein für Höheres. Ihm kommen ordnende Aufgaben zu, etwas ganz neues seit dem Neolithikum, seit der Schaffung menschlicher Behausung, unter dessen Dach die ganze Familie vereint ist, er begreift in Ansätzen die Macht der Vernunft, der ordnenden Hand, die alles, dem späteren Zeus nicht unähnlich, steuern und beherrschen kann.
Hier drückt sich freilich erneut das der Schöpfung inne wohnende Prinzip des Unten wie Oben aus: Die Machtausübung innerhalb der Familie analog der Machtausübung eines höheren Gottes, letzteres hat immerhin für alle Erscheinungen und vorhandenen Möglichkeiten gesorgt, für alle strukturell (=kultisch) angelegten Gesetzmäßigkeiten.
Der Begriff des Menschen ist in zweierlei Ausprägung zu verstehen: Zunächst verkörpert sich hier seine hohe Stellung unter allen anderen Geschöpfung, seine Vollendung. Aus der Realität seines Handelns aber wird sogleich seine Hybris klar und eindeutig: Denn er ist nicht vollkommen, seine Herrschaft artet auf diesem schmalen Grat oft zur Tyrannei aus.
Hier zeigt sich der Begriff des Menschlichen als ein Begriff des Unvollendeten, des Unvollkommenen, des Unzulänglichen - und zwar wird das Menschliche als Schwäche im Vorbild des Potentials der Vollkommenheit gedeutet, das der Mensch zweifellos als symbolische Immanenz aufweist (Immanenz: das In-Etwas-enthalten-sein; - es wird symbolisch, und nicht etwa unbedingt aus der Realität gefolgert; das Vollkommene des Menschen erscheint zum Beispiel eher in seiner Rangordnung unter allen Geschöpfen oder in jener Eigenschaft, Dinge kontrollieren zu können und Herrschaft auszuüben, die Natur zu unterwerfen usw.).
Weiterhin kann man annehmen, dass eine visionäre Schau des Menschen (eine Art epopteia), unter dem Einbezug seiner Stellung innerhalb der Evolution, zu ähnlichen Anschauungen oder Schlüssen kommen muss, wie wir es heute ganz einfach mit vernünftigen Überlegungen und analogen Schlüssen tun können. Der Stammvater ist nicht vollkommen. Es ist interessant, diesen Stammvater in Analogie zu Zeus zu setzen, wenngleich mir persönlich weiteres schwer fällt daraus zu folgern, also nicht etwa, dass die Bildung des Zeus daraus eindeutig hervorginge. Aber es mag sein, dass sich in solcher Weise die Vorstellungswelt der alten Griechen nach und nach herausbildete.

Apollo

Der Gott ist nun ein hohes Ideal, in seinem menschlichen Antlitz sogleich auch Ideal des Menschen, Humanität drückt sich mit Apollo aus, der dem Zeus am ähnlichsten ist. Apollo ist der strahlendste, seine Erscheinung und Bedeutung ist durch Entschiedenheit geprägt, eine menschliche Tugend ersten Ranges.
Doch wie Zeus verkörpert Apollo auch eine hohe Moral und er bleibt unnahbar im Mythos.
Athene oder Hermes gesellen sich den Menschen zu, verkleiden sich um unter Menschen zu erscheinen - doch Apollo tritt nur dann auf, wenn er Menschen, die er lieb gewonnen hat, die ihm ehren, in Not geraten. Ansonsten erscheint er als richtungsweisende Instanz, bestraft und vergeltet die Vergehen, verweist den Menschen auf seine Sterblichkeit zurück.
Das Erkenne dich selbst, das dem Orakel zu Delphi als Attribut beigegeben ist, mag eben auf diesen Umstand der Sterblichkeit Bezug nehmen: Erkenne dich, Mensch, in deiner Sterblichkeit (thneton onta), woraus natürlich ein ganz anderes Verhalten folgt: denn welchen Sinn gibt es, wenn alles mit dem Tod zuende ist? Man braucht nicht mehr nach Ruhm oder Macht zu streben, die Wahrnehmung allein genügt, Denken, Fühlen, Handeln bekommen einen anderen Sinn, und darauf weisen weitere Sprüche des Gottes von Delphi hin: "Nicht zuviel" (meden agan) - blicke auf das Gegebene, denn was auch immer ist, das ist, aber was man denkt, das ist nicht, das ist schon zuviel. Dieses Verhalten ist menschliches Verhalten, nämlich sich der Sterblichkeit bewusst zu sein. Sterblichkeit ist im Grunde eine Sterblichkeit aller materiellen Formen, wozu man auch den Gedanken an sich zählen kann. Auf der anderen Seite aber steht auch das Streben des Menschen, er würde sein Streben vielleicht verlieren, wenn er in der Haltung lebt, dass alles umsonst wäre, er bräuchte sich nicht mehr anstrengen. Aus irgendeinem Grunde ist der griechische Mythos mit den himmlischen Göttern keineswegs fatalistisch oder deterministisch, sondern beinhaltet den Lohn jetzigen Lebens, und wenn dies auch nur ein Augenblick ist. Es gibt genügend Möglichkeiten für einen damaligen Menschen, sich des Augenblicks zu erfreuen, und gleichwohl und bedeutenderweise der Arbeit nachzugehen, in der die Existenz gesichert ist. Es gibt keinen Grund für Fatalismus, denn die Götter behüten einen oder anders gesagt, sie sind da und man ist nicht allein.

Der Tod begrenzt das Streben. Jede Art von menschlicher Demonstration, und sei es das der Frömmigkeit, ist dem Gott Apollo verhasst: die Legenden um Delphi berichten etwa, dass ein Mann aus Thessalien dem Gott ein Hundertopfer von Rindern mit vergoldeten Hörner geopfert habe, die Pythia aber sagte ihm, "dass ein Mann aus Hermione dem Gotte genehmer war, der mit drei Finger aus einem Sack Mehl geopfert habe." Als der Mann dies hörte, wollte er ein Übrigens tun und schüttete nun einen ganzen Sack Mehl auf dem Altar und die Pythia sprach nachher wiederum: "jetzt sei er dem Gotte doppelt verhasst, wie er im vorher noch lieb gewesen sei."
Die Pythia wurde ein anderes Mal gefragt, welcher Mann dem Gott wohl am eifrigsten verehrt habe, die Antwort fiel auf jemanden, der in stiller Andacht die Bilder des Gottes in seinem Haus zur rechten Zeit, säuberte und bekränzte und dem Gott Opferkuchen und Weihrauch brachte.
Es ist eine offenbare Anspruchslosigkeit, verbunden mit dem inneren Aspekt der Andacht, nicht mit dem äusseren Schein. Nur aus der Sphäre des wirklich seelisch Gelebten, geht das so Gelebte in den Wesenskern der unsterblichen Seele über oder wird Bestandteil der seelischen Erfahrung und wird damit auch erst für die Götter wirklich.

Der Apollo von Delphi verkörpert in seiner Göttlichkeit drei wichtige Grundzüge: Er ist, als Herr des Orakels, allwissend und der Gott der Wahrheit, darum hasst er das Verborgene, den Schein, und er fordert, dass alles, als das, was es an sich selbst ist, offenbar werde und zu seinem Sein gelange.
Apollo ist sodann auch tief verbunden mit der Reinheit, als solcher Gott hasst er jede Art von Befleckung und fordert, dass der Mensch und alles Ding, zur höchsten Identität mit sich selbst gebracht werde (diese Übereinstimmung entspricht der griechischen Auffassung der Reinheit). Zum dritten  ist Apollo der Gott der Musik, deren beglückender Zauber aus der inneren Geordnetheit, des Verhältnisses von Note zu Note, dem Maß fließt. Als solcher hasst er das Wilde, Verworrene, Überschwengliche und Unbändige.
Apollo huldigt den Augenblick:

Aus der dritten pythischen Ode (von Pindar):
...man muß das den sterblichen Sinnen Angemessene von den Göttern Erstreben, das erkennend, was vor dem Fuß ist: welches Teiles wir sind.

Die minoische Kultur

Lange vor der Ausprägung der Göttergestalten (um 1400-1000 v. Chr.) herrschte der ägäische Lebensstil (3000 v. Chr. bis etwa 1300 v. Chr.) vor, bei dem es eine natürliche Verbundenheit mit dem Lebendigen gab, was sich noch bis in die klassische Antike und der Formung der Göttergestalten hinein erstreckte. Die Inhalte der Darstellungen beziehen sich auf vor allem auf den Tanz, auf die Nähe zur Natürlichkeit, und natürlich schon auf Kulte.

Es gibt Beschreibungen von minoischen Kleidern auf Kreta, die sogar die Brüste offen liessen und es wird aus anderen Funden heraus erklärt, dass bei den Ägäern die Frau tonangebend war: Sie wohnte ohne Begleitung den religiösen Festen und Spielen bei (wahrscheinlich haben Wandgemälde die Forscher auf diese Anschauung gebracht).
An den Zeremonien war sie oft die einzige Hauptperson, aber es gibt auch Abbildungen von Männern, bei denen neben ihm eine Frau dargestellt wird.

Aus der minoischen Kultur gibt es keinen eindeutigen Hinweis auf die uns bekannte Mehrzahl von Göttern, aber es finden sich gleichwohl vereinzelte und leicht verschiedene Abbildungen von Göttern, etwa einer niederschwebenden Figur mit einem Speer in der Hand, was auf die Darstellung einer göttlichen Einwirkung hindeutet.
Und man weiss nicht, auf welche Archetypen oder Gottheiten sich die einzelnen Kulte (Hauskult, Höhlenkult etc.) bezogen, derer es auch zahlreiche gab. Dabei ist nicht klar, ob es sich bei den verschiedenen Abbildungen um eine Art universale (aber gleichwohl eher weibliche, irdisch-chtonische) Gottheit handelte, die man da beschwor, oder ob es mehrere Götter gab, die jeweils ausgedrückt wurden.

Es finden sich bereits gewisse Tempelräume auf Kreta, die in Beziehung zu Hauskulten stehen, ebenso wie Höhlenkulte, an deren Plätze man gleichermassen Altäre vorfand. Es gibt Kultdarstellungen auf Bildern in Kreta, die an Vegetationsgottheiten erinnern: groteske Ungeheuer mit einer Art Hunde-Schnauze, spitzen Ohren, Tiertatzen statt den Händen, aufgerichtet auf zwei Beinen. Sie lassen an ägyptische Darstellungen erinnern. Aber ansonsten gibt es wenig, was auf Ägypten hinweist und es ist interessant, dass schon die Felsmalereien um 20.000-10.000 v. Chr. Tierdarstellungen solcher Art hervorbrachten! Es ist also etwas übertrieben, diesen Fund direkt auf Ägypten zu beziehen, nur weil in Ägypten ebenso Tierköpfe dargestellt sind. Weil dies auch aus einfacher Anschauung unabhängig hervorgebracht worden sein könnte.
Solche Gestalten tauchen auch auf, indem sie in ritueller Art, Kannen über Steine oder Kulthörner ausgießen, oder wie sie Tiere schleppen oder Teile von Tieren zum Opferaltar führen. Dargestellt sind eindeutige Tierwesen, wohl kaum verkleidete Priester(innen). Vielleicht aber sind sinnbildlich die Preister(innen) gemeint, die in der Rolle des Tiers eine Funktion (gemäß der Darstellung eines evtl. Ritus) erfüllten. Der Sinn bleibt derselbe, eine Gottheit soll die rituelle Funktion übernehmen, man selbst als Funktionsträger schlüpft nur in die Rolle (vielleicht ist es eine Art Schamanismus gewesen).

Altäre sind mit Hörner übersetzt, oder von der Form eines Doppelkegels, gelegentlich mit Stuck überzogen. Es scheint so, als dienten sie nicht dem Zweck, darauf  Feuer zu entzünden. Räucherstände und Dreifußherde sind gefunden worden.

Die Kreter kannten keinen reinen Tempel, wie ihn das mykenische Megaron eindeutiger abbildet, aber Höhlen, Haine und Berge waren die kultischen und geheiligten Plätze der Kreter. Die wichtigsten religiösen Handlungen wurden im königlichen Palast vorgenommen. Der König war anscheinend zugleich Priester, oder massgeblich mit ihm verbunden. Man fand in den Palästen, in Höhlen und den entsprechenden Räumen von Häusern Altäre, Opfertische, kultische Regale und Opferkrüge, Gefäße mit Darstellungen von Tierköpfen.
Man fand die Doppelaxt und Gehörn. Der Baum, die Schlange und die Säule galten als heilige Symbole.
Es gibt also sehr viele Gerätschaften, auch einige Schalen mit Vertiefungen, offenbar um Blut aufzufangen, deren richtige Anordnung, Plazierung und Reihenfolge der Verwendung offensichtlich den magischen Kult bedeutete, was man auch aus der Alchemie des Mittelalters kennt.

Das Tieropfer war also schon heimisch, bevor die mykenischen Griechen der Antike (etwa ab 1700) es weiter kultivierten.
Die wirtschaftlich-politische Macht lag indes beim Königsthron und es gab wohl zahlreiche Zeremonien, die das königliche Zentrum stärken sollten. "Königtum ist ohne königliches Zeremoniell nicht vorstellbar" (W. Burkert). Allerdings glaube ich püersönlich nicht, dass Opferungen von Tieren die Macht des Königs direkt stärken sollten, sondern vielmehr musste er sich beteiligen oder für seine erhaltene Macht (dem Kosmischen) einen Ausgleich leisten, musste gewissermassen eine rituelle Führung durch die Zeremonie (ohne allerdings als Priester tätig zu sein) leisten, oder weihevolle Segnung vollbringen oder begleiten - vielleicht kam er dafür in Frage kraft seiner Autorität (den Göttern nicht gleich, aber archetypisch ähnlich).
Es scheinen die Paläste auch mehr Kultzentren als wie Herrscherzentren gewesen zu sein, wofür es zahlreiche archäologische Belege zu geben scheint.

Weiterhin ist der Baum anscheinend auch sehr bedeutsam für den minoischen Kult neben Höhlen, räumlichen Heiligtümern und Altären, oder gar Hainen und natürlichen Plätzen. Der Baum markiert ein Heiligtum, ist von sakraler Mauer umfasst - nach Burkerts Deutung entsprechender Abbildungen solcher Riten auf Bildern, werden die Bäume berührt aber nicht als personales Gegenüber angebetet.
Um die Bäume herum wird getanzt. Vielleicht geht es um eine Art (kosmischer) Verbindung. In ähnliche Weise werden auch Pfeiler, Pfähle oder Säulen in diesem Bezug zum Baum gesetzt. Diese (kosmische) Achse der Verbindung kennen wir auch aus den typischen griechischen Tempeln.

Dass Stiere geopfert wurden anlässlich eines Gottes (in Vorankündigung des Zeus) ist auf Kreta auszuschliessen, aber es gab Stierkulte (allerdings Kult als eine Art Unterhaltung, und nicht in erster Linie religiös oder magisch-rituell gemeint), bei denen Akrobaten sich über die Hörner des Stiers hinwegschwingen.
Wahrscheinlich wurde dann später der Stier geopfert, jedenfalls gibt es aber keine Hinweise auf besondere Riten, es gibt keine Verbindung zwischen Stier (dem Stier dieser Akrobatiken) und Opfergegenständen oder Darstellungen.
Die Hörner tauchen allerdings nicht nur in der minoischen Kultur auf, sondern auch in der mykenischen Kultur und Kunst auf, das Horn ist in der ganzen Ägäis verbreitetes Symbol.
Und der Stier, fern von diesen akrobatischen Übungen ist zumindest für einen Teil der Griechen (Mykenen) ein besonderes Tier (es wurde ja auch später ab 1000 v. Chr. spätestens, dem Gott Zeus als Attribut bei gegeben). Daher kann man sich sogar vorstellen, dass die Mykenen diese Art Stierkult auf Kreta befremdlich fanden, woraus dann vielleicht aus diesen (kritischen) Anschauungen der Minotaurus Mythos wurde (das ist König Minos. Symbolisch steht er als Herrscher für ganz Kreta. Seine Verbindung zu dem Stier. Die in den Augen der Mykenen dunkle Ehe zwischen seinem Herrschaftsbereich und dem Stier).

Aber wie auch immer, der Mythos steht stets für sich selbst - fern ab von theoretischen Herleitungen (ob an ihnen was dran ist oder nicht) - was man gar nicht oft genug betonen mag, weil die Rezeption solcher Überlegungen immer mit der Gefahr verbunden ist, den eigentlichen Mythos, als das, was er ist, damit zu entwerten, weil man insgeheim oder unterschwellig nun annehmen könnte, dass der Mythos entzaubert ist, weil er nun eine rationale Erklärung hat - denn es spielt bei solchen rationalen Verklärungen keine grössere Rolle, dass der Mythos zustande gekommen ist, und wirkt; als wie der Umstand, wie das geschehen ist, durch welche Vorlagen usw. oder (vermuteten) Ähnlichkeiten mit geschichtlichen Ereignissen oder Prozessen. Man bezieht sich mit anderen Worten mit rationalen Erwägungen zu oft dann nur noch auf Äusserlichkeiten.

Würde man die deutsche Bundesrepublik, wie sie 1948 gebildet wurde, nur als Antwort auf die nationalsozialistische Zeit sehen, wäre dies auch zu kurz gegriffen, weil sich in dem Akt der Bildung eines Staates auch etwas ausdrückt, was dem Volk und der Kultur eigen ist, und zwar weitgehend unabhängig von den weiteren Umständen der Bildung. Wir müssen bedenken, dass die Zeit der antiken Griechen eine andere ist, sie unterlagen gewiss nicht so sehr der Kontinuität der Geschichte, als wie wir heute in der Kontinuität eingebettet sind. Mit anderen Wirten, wir können mit guten Grund annehmen, dass die Griechen mehr Freiheiten hatten, ihre Geschichte "umzuinterpretieren" in einen Mythos. Denn für sie war nicht der reale Ablauf der Geschichte zwingend, sondern wie sie selbst zu ihrer eigenen Gegenwart standen. Sie definierten ihren Standpunkt nicht aus den Umständen, sondern aus ihrer Haltung gegenüber diesen Umständen!

All diese minoischen Traditionen gehen auf eine Zeit ab 3000 v. Chr. zurück und finden ihre deutlichste Ausprägung anscheinend zwischen 2000 und 1500.

Die Höhle und ihr Archetyp, das Chtonische

Das Dunkle, Chtonische ist der Erde zugewandt, ist zugleich aber nach aussen gewandt, tritt vermehrt als Kult auf, während das in der Kultur Griechenland erst später auftretende Helle und Olympische dem Innen des Menschen zugewandt ist und Vergeistigung zutage bringt. (Nach Burkert und Schadewaldt).

Eine Höhle ist für die Menschen des Neolithikums, die ja nun beginnen in Gemeinschaften zu leben und kulturelle Regeln einzuüben, sicherlich ein Ort der Abgeschiedenheit geworden: Hier wird Verbindung mit geheimnisvollen Kräften und Visionen gesucht, oder Verbindung mit dem Selbst und Unbewussten; eigentlich entsteht hier einfach gesagt die Beziehung zwischen Heiligen und Mensch, ferner mit dem Dunklen und Geheimnisvollen.
Eine Beziehung, eine Aufmerksamkeit, die durch regelmässige Kulte aufrecht erhalten werden soll.
Der Ort einer Verbindung mit der anderen Wirklichkeit, die vielleicht heute verloren wurde für den Lohn des Verstandes. Vielleicht geht es aber damals auch wirklich um Magie, um Beeinflussung von Kräften. Eine andere Wirklichkeit, so lehren uns die ethnologischen Studien zum Schamanismus, ist auch immer eine Ausrichtung der Wahrnehmung auf unsichtbarer Wirkkräfte, also Magie.

Hier in der Höhle wurden auch Tier-Opfer vollzogen.
Vielleicht wurden Werkzeuge des Tötens unter dem Blut der Opfer hier sogar geweiht (nach W. Burkert; S.56). Burkert spricht von einem Prinzip der Gabe und Gegengabe: Macht um Macht.
In Höhlen auf Kreta aus der Zeit um 2000 hat man auch schon grosse Statuetten in Fels gehauen vorgefunden, etwa aus einem Stalagmit hervorgehend, und die Figuren sind mit einer Mauer eingegrenzt. Weiterhin Altäre zum Teil mit Hörnern gekrönt, oft auch Höhlen, an die ein Hausbau und Palastbau schliesslich anschloß und so die Höhle zum Bau integriert wurde.
Man fand viele Hinweise auf Tieropfer, anscheinend wurden die Opfer zerstückelt.

Weibliche Idole finden sich nur in Hauskulten, aber nicht in Höhlen. Ein weiteres Charakteristikum kretischer Hauskulte sind die Schlangengöttinnen und Schlangendarstellungen. Schlangen tendieren dazu mit dem chtonischen (irdischen) Kräften in Beziehung gebracht zu werden. Vielleicht hielt man sich auch echte Schlangen.

Das Opfer hat auch Bezug zum gemeinschaftlichen Aspekt, dem Aspekt des Zusammenlebens und Zusammenseins: die Atmosphäre und gegenseitige Stärkung die dadurch entsteht. Auch dient das Gemeinschaftliche der Stärkung der kultischen Handlung selbst.

Schon die Einrichtungen des Thronsaals der Paläste auf Kreta, und das Megaron auf dem griechischen Festland weisen mit ihren Bänken an den Wänden auf den einfachsten aller menschlichen Kulte hin: Das Zusammensein.
So wurden auch Opfer auf Kreta gemeinsam begangen, man teilte sich die Aufgaben. Vielen Mitgliedern des Haushaltes oder der Palastfamilie (? - es ist unklar wer in den Palästen wohnte und lebte) kamen Aufgaben zu.

Um 1375 v.Chr. fand man den Megaron-Stil schliesslich auch in Kreta, was vermuten lässt, dass entweder die mykenischen Griechen (besser gesagt ihre Kultur) nach Kreta vordrangen oder weniger wahrscheinlich die Kreter (weniger wahrscheinlich) den mykenischen Stil übernahmen. Jedenfalls fand zu dieser Zeit die Verschmelzung beider Kulturen statt. Es ist nur unklar, in welcher Art und Weise das geschah.
Homer berichtet von dieser Zeit, dass auf Kreta viele Völker nebeneinanderlebten (Homer lebte um 800 v. Chr. und war also nicht Zeitzeuge sondern musste wohl irgendeine Quelle für diese Angaben gehabt haben).

Auf Zypern hat man aus dem 1200 v. Chr. einen viereckigen Steinaltar mit einem mykenischen Hörnersymbol gefunden (die Stilrichtungen der verschiedenen Hörner in der Ägäis lassen sich entweder auf minoische oder mykenische Herkunft beziehen, aber hier auf Zypern deutet eben auch vieles auf mykenischen Einfluss hin). Auf Zypern fand man auch syrisch-hethitische Statuetten eines Kriegergottes.

Zerstörungen und neue Impulse

Die Zeit 1250-1200 v. Chr. indes wurde für die antiken Griechen eine Art Rückschlag, als die barbarischen Zerstörungen von erobernden Seevölker die antike Kultur auf ein niedriges Niveau brachte: Städte und Siedlungen wurden geplündert, zerstört und in Brand gesetzt, damit auch die Verwaltungsstruktur - einige Achäer (das sind Griechen des Festlandes) haben sich anscheinend dann nach Zypern abgesetzt wo sie in Paphos sehr wahrscheinlich ein Aphrodite Heiligtum schufen und in Kition ein Heiligtum für den "Schmiedegott" (Hephaistos); - es gab auch andere Völkerbewegungen zu dieser Zeit; - ab diesem Zeitpunkt hören auch die überlieferten Dokumente über die Ägäis (mit den Linear B-Tafeln) auf, bis um 800 v. Chr. die griechische Schrift eingeführt wurde.

In der Kulturgeschichte wird diese Zeit zwischen 1200 v. Chr. und ungefähr 750 v. Chr. in grossen Teilen als "dunkles Jahrhundert" bezeichnet, da vor allem keine Schriftaufzeichnungen existieren; - gleichwohl, genau in dieser Zeit wurde das uns bekannte antike (mythologische) Griechenland vorbereitet oder eine Brücke geschaffen von der alten mykenischen/minoischen Zeit zur olympischen Zeit.

Auch haben neue archäologische Funde bewiesen, dass lediglich das Fürstentum anscheinend vom Niedergang betroffen war, aber die Keramik und andere Kunsthandwerke wurden weiterhin praktiziert.

Eine sog. "kleine Aristokratie" stützte ihre Herrschaft vereinzelt weiterhin aus ihrer Abstammung und ihrem Besitz. Dem Adel (das sind Könige und Königssöhne über einzelne Gebiete, Familienherrschaften) wird von der Forschung eine grosse Rolle für das Wiedererstarken der griechischen Kultur anno 1000-800 v. Chr. zugesprochen. Sie wurden vom einfachen Volk zum Teil vielleicht auch als die "Besten und Edelsten" gewählt oder, nach einer anderen These, wanderten sie vor allem aus Athen in die zerstörten Gebiete ein.

Nicht die Volkstradition wurde zerstört, sondern nur die Paläste und damit die alte, äussere Organisationsstrukur der Gesellschaft.

Andere Völker dieser Zeit

Ähnliche Vermischung der Kulturen wie in Griechenland fanden wohl auch bei den Hethitern statt. Indoeuropäische u. moderne Einflüsse vermischen sich mit babylonischen, kultivierten Ureinwohnern und archaischen Bestandteilen ursprünglicher Art.

Um 1200 v. Chr. wurden auch die Hethiter (auf dem Gebiet Anatoliens) verdrängt von einfallenden (wilden) Bergvölkern, es könnten sich um dieselben Seevölker handeln (die auch zu Land angegriffen haben könnten), die auch die gesamte Ägäis zu dieser Zeit angriffen und verwüsteten, oder um Verwandte der Illyrer, Thraker und Makedonen.

Phrygien und Lydien waren die letzten hethitischen Reiche. In Phrygien war eine frühe Form des Dionysoskults übrigens stark verbreitet.

Tierkult, totemistische Attribute und Naturmagie erstanden hier noch einmal auf, in einer Ähnlichkeit zu urzeitlichen Kulturen der Felsbilder. Ihr König, der sie auf Feldzügen anführte hiess Midas. Es kann auch sein, dass dieser nur ein berühmter war und bald jeder phyrigische König von den Griechen "Midas" gerufen wurde. Angeblich soll einer dieser Midas` so etwas wie ein schamanischer Häuptling gewesen sein, Oberhaupt einer Primitivenreligion.

Im benachbarten lydischen Reich war das Leben mehr vom Handel bestimmt und hier in Lydien findet die Sage um den Frevler Tantalos seinen Ursprung. Das Menschenopfer steht mit Lydien wahrscheinlich in einem entfernten Bezug, da dieses lydische Volk asiatischer Herkunft war, dass sie (nach Herodot) aus dem Gebiet des Euphrats kamen, wo rituelle Menschenopfer in Kult und Religion sehr üblich waren.

Die Mykenen

Um 1000 v. Chr. entstand als Höhepunkt der vorherigen mykenischen Einflüsse die griechisch-hellenische Polis, des auf Gleichberechtigung und Freiheit der Bürger gegründeten Gemeindestaates. Wie bereits erwähnt, geht die Bezeichnung Mykenen auf einen (ersten) archäologischen Fundort auf dem griechischen Festland zurück, Mykenai. Damit begann die heutige Rekonstruktion der festländischen griechischen (also mykenischen) Kultur.

Um 1300-800 v. Chr. entwickelte sich die griechische Schrift anscheinend mit Einflüßen aus Phönizien (Konsonantenschrift) und aus der Vorlage einfacher Strichzeichnungen (Tontafeln-Schrift Linear-B), die ihrerseits aus einfachen Bildzeichnungen hervorging.

Es scheint gar nicht so leicht, den möglichen Einfluß der Kreter und auch der ursprünglich einheimischen Ägäer des übrigen griechischen Festlandes, auf die später einwandernden (hellenischen) Griechen zu rekonstruieren, die den mykenischen Stil zustande brachten. Dieser mykenische Stil hat schon mehr Ähnlichkeiten mit dem, was wir ab 800 v. Chr. als griechische Antike kennen.

Etwa 1750-1600 v. Chr. begann die eigentliche mykenische Kultur in Vielzahl auf dem Festland aufzutreten, etwa mit Schachtgräbern und typisch mykenischen Keramiken. Aber erst ab 1500-1400 v. Chr. scheinen die Mykenen sich wirklich auf ihrem kulturellen Höhepunkt zu befinden.

Das Löwentor von Mykenai wurde etwa 1380 v. Chr. gebaut. Die mykenische Heldenzeit, d.h. epische Heldenzeit soll auch um diese Zeit gewesen sein. Das Pferd war übrigens im mykenischen Griechenland früher bekannt als bei den minoischen Kretern.

Um 1300 v. Chr. waren bereits viele bei Homer aufgeführten Götter auf gefundenen Tontafeln verzeichnet (einer mykenischen Tafel). Aus diesen Tontafeln geht auch hervor, dass viele der späteren mythischen Personen und Helden wirklich gelebt haben.

Die Endungen in der griechischen Sprache, zB -nthos oder -ssos sind keiner indoeuropäischen Sprachfamilie zuzuordnen (apropos: ob indogermanisch oder indoeuropäisch, es ist ein und dasselbe gemeint) und stammen noch von den alten Ägäern - es finden sich in Anatolien ähnliche Endungen, womit man zusammen mit anderen Informationen annehmen kann, dass die Ägäer (die 2.800 v. Chr. oder früher einwanderten) tatsächlich aus Anatolien stammen.

Viele Pflanzennamen, Bezeichnungen für Flüße, Berge und Inseln übernahmen die Griechen von der eingeborenen (ägäischen) Bevölkerung.

Bevor die indoeuropäischen Griechen nach Griechenland kamen, lebten dort ein vorindoeuropäisches Volk, das waren eben die Ägäer.

Diese Ägäer waren im gesamten Mittelmeerraum verbreitet. Die (mykenischen) Griechen kam als Indoeuropäer wohl zunächst als Eroberer, oder wanderten auf freie Flächen ein und vermischten sich sehr wahscheinlich in den ersten Jahrhunderten (also anno ab ca. 2200 v.Chr.) nach der Einwanderung mit der einheimischen (ägäischen) Grundbevölkerung.

Es wanderten übrigens in ganz Südeuropa Indoeuropäer ein.

Diese Einwanderungen werden auch als "dorische Wanderungen" bezeichnet. Dorisch ist neben der Bezeichnung für einen Volksstamm, auch die Bezeichnung für die erste typische Phase der hellenischen Kunst (kurze Stilbeschreibung der Säulen am Ende des Artikels unten).

Kreta war ein Mittelpunkt der ägäischen Besiedlung. Die Urbanität, also die Stadt, wurde im minoischen Griechenland der Ägäer etwa zwischen 3200 - 2500 v. Chr. eingeführt, vom Orient her. Es wird angenommen, dass eigentlich die spätere hellenische Polis, der Stadstaat, als überragende kulturelle Leistung auf die Stadtidee der Ägäer zurückzuführen ist.

Die Kreter bauten etwa zeitgleich mit den ersten Einwanderungen der Griechen ihre grossen Paläste etwa 2000 v. Chr (Knossos, Phaistos und Malia). Anstatt davon auszugehen, dass die Kreter das griechische Festland beeinflussten, kann man auch davon ausgehen, dass es die (festländischen) Griechen gewesen sind, die in gewisser Weise sich von den Kretern nahmen, was sie nützlich fanden.

In Gräbern wurden indoeuropäische Männer neben ägäischen Frauen gefunden (Unterschiede der Rasse). Entweder die neuen Männer waren Einwanderer, die die ursprüngliche Familie zurückliessen, oder aber sie eroberten Siedlungen und Städte und nahmen sich die Frauen.

Es gibt einige Ansichten, dass um 1600-1200 v. Chr. für die Griechen des Festlandes und für die Kreter diese gesamte Zeit eine Art Wikingerzeit war, mit vielen Raubzügen über See, vielen Abenteuern und Freude an der Beute - es wurden auch Sklaven dabei genommen, vor allem für die Bauten der Paläste auf Kreta, so nimmt man an.

Homer benutze das Wort Achäer als Sammelbegeriff für die mykenischen (festländischen) Griechen. Aber um 1200 gab es dann für die Achäer und andere ägäische Kulturen (ägäisch=des Mittelmeers um Griechenland) wie bereits erwähnt, eine Niederlage durch Raubzüge anderer Seevölker, vermutlich waren es die Lykier (aus dem Süden Anatoliens); diese werden schon in ägyptischen und hethitischen Texten nicht nur als andauernder Unruheherd bezeichnet, sondern sie sind vermutlich tatsächlich gemeint, wenn die ägyptischen Schriften von solchen erobernden Seevölkern sprechen, die sicher auch über Land zogen, aber das Meer als massgeblichstes Mittel nutzen: Zur selben Zeit wie die grosse Vernichtungswelle anno 1200 v. Chr. in der Ägäis, musste der ägyptische Ramses III. sich gegen eine Macht zu Lande und zur See zur Wehr setzen. Dabei bezwangen die Ägypter diese Völker, aber nur unter grossen Verlusten. Verschiedene Bezeichnungen in diesen Schrift-Quellen führen uns fast sicher zu den Lykiern: http://de.wikipedia.org/wiki/Seevölker

Paläste auf Kreta

Hier anschauliche Bilder aus dem (ausgegrabenen) Palast zu Knossos; - man sieht den Thron und die Wandbänke und in der Mitte die Feuerstelle: http://www.antikefan.de/Bilder/Knossos/thronsaal.html

Um 1600 wurden auf Kreta neue Paläste gebaut, nachdem die Blütezeit der Architektur auf Kreta um 1700 v. Chr. zuende ging. Diese neuen Paläste und Herrscherhäuser dienten vor allem religiösen und staatlichen Zwecken.
Es waren nicht nur Wohnräume, sondern auch viele Arbeitsräume für Kunsthandwerker darin, und umfangreiche Magazine, in denen die Güter, Vorräte und Reichtümer der Fürsten aufbewahrt wurden. Es sind zahlreiche Einzelräume kleinerer Art, die auf ein behagliches Zusammenleben schliessen lassen, und nicht so sehr auf die monumentale Großartigkeit des Throninhabers.
Der mittelmässig grosse Thronsaal, eher ein Gemach (beispielhaft auf Knossos) befindet sich an einer Ecke des Palastes, getrennt von einem Vorhof direkt am Palasthof.
Ein sehr grosser Palasthof war stets üblich.

Dieser Thronsaal (siehe den Link zu den Aufnahmen oben) hatte Wandbänke, und dem steinernen Thron gegenüber befand sich eine Art "Lichtschacht mit einer Säulenstellung; - ein paar Stufen führen in die durch ihn gebildete Vertiefung hinab... (Springer Kuntsgeschichte; S.111)."
Vermutlich wurde dieser Raum zu kultischen Zwecken, aber wegen einem wasseranfälligen Gipsstuck wohl kaum zum Bad oder zur Reinigung genutzt.
Säulen waren auf Kreta schon lange üblich, wie übrigens ebenso im Orient und in Persien.
Säulen finden sich zahlreich in den Palästen. Lebendige, frische, farbenfrohe Wandmalereien und Verzierungen und die Abbildung eines wahrscheinlich sehr matriachalisch geprägten Lebens befinden sich an den Wänden dieser Paläste, auch auf dem griechischen (mykenischen) Festland.

Man fand in den Palästen auf Kreta Figuren von Tauben, die von Säulen oder Balustraden abgefallen waren. Man fand Terrakotta Figuren, und eine Zahl von Räumen mit Altären, die nichts anderes als ein Heiligtum ausdrücken konnten.
Doppeläxte waren auf Kreta und in den Palästen auf Kreta weit verbreitet, auch als formgebendes Element von manchen Altären. Die späten Idole sind allesamt primitiv, grob und unförmig. Vielleicht aus bewusster Absicht.
Der Palast war der Sitz hoher Beamter, die wahrscheinlich religiöse wie staatliche Dienste verrichteten.
Besonders befestigt war der Palast nicht, anscheinend fühlte sich das Inselvolk recht sicher.
Es wurden aber in einem Gang im Fußboden bestimmte Vorrichtungen entdeckt, in denen Behälter in den Boden eingelassen werden konnten. Man nimmt an, dass hier Kostbarkeiten versteckt wurden, um sie vor Eroberern zu schützen. Es kann sich aber auch um einfache Aufbewahrungsorte handeln. Es sind verwinkelte, vergleichsweise schmale Gänge. Es gibt reich dekorierte Korridore, herrlich bemalte Säle, aufwendig gestaltete Treppenhäuser und säulenumstandene Galerien.
Übrige kretische Wohnhäuser auf dem Land waren meist rundlich bzw. oval, und selten rechteckig; allerdings waren die Räume der Paläste überwiegend rechteckig. Es wird allerdings auch angenommen, dass der Palast kein Herrschaftssitz war, sondern in erster Linie ein kultischer Ort.
Viele Gaben (Opfer von Lebensmittel und anderen Gütern) wurden hier anscheinend aufbewahrt. Es wurden in Knossos vermeintliche Belege für Menschenopfer gefunden (eigentlich nur einen einzigen Fund), doch ist eher davon auszugehen, dass es sich dabei um vereinzelte Bestattungen handelte, wodurch aus einem besonderem rituellen Umstand dann die Knochen eines Menschen mit den Kultplätzen in Verbindung gebracht wurden. Oder es war ein vereinzeltes Menschenopfer, oder ein gestorbener Mensch / Kind wurde nachträglich mit einem Ritus in Verbindung gebracht.

Die rechteckige Form der Wohnhäuser fanden sich vielmehr auf dem griechischen Festland als auf Kreta.
Auf dem Festland ordneten sich die meist rechteckigen Räume um ein Gemach (Megaron) herum an.
Tanz und Prozession werden in der Bildkunst sehr oft gezeigt. Es scheint, als stünde schon im minoischen Kreta der Tanz als Ritual in Beziehung zum Heiligen, zum Kult und Dienst, im Einklang mit dem eigenen Vergnügen und Wohlgefallen an solchen Tätigkeiten. Fröhlichkeit scheint eine göttliche Tugend zu sein.

Zwischen 1700 und 1505 v. Chr. fanden anscheinend auf Kreta einige grössere Katastrophen statt, denen viele Herrscherhäuser und Paläste zum Opfer fielen. Es gab auch um 1400 eine erneute Zerstörung mancher Paläste. Es ist bis heute nicht ganz gesichert, worin diese Katastrophe bestand: Brutale Eroberungsfeldzüge (die festländischen Ächäer oder andere könnten 1400 v. Chr. eine Invasion auf Kreta unterommen haben, dabei könnte ein gigantischer mehrere Tage langer Brand den Palast von Knossos zerstört haben), oder Waldbrände, Vulkanausbrüche (der Ausbruch des Santorin auf Kreta wird für 1628 v. Chr. angenommen), Erdbeben (wird für 1700 v. Chr. angenommen)?
Doch die geistige Kraft muss noch hundert Jahre stark genug gewesen sein, um weiterhin Kunst und Kultur zu schaffen. Um 1400 v. Chr. fielen die Paläste auf Kreta das letzte Mal in Trümmer und wurden nicht wieder aufgebaut; - es scheint, als sei auch die hohe Blüte Kretas, das schöpferische Schaffen damit weitgehend  beendet gewesen, obwohl das Leben natürlich noch fortbestand und auch einige Kulte, währenddessen nun auf dem griechischen Festland die Paläste und Burgen empor wuchsen.

Die neuen Götter und der Tempel

Um 700 v. Chr. begannen (vermenschlichte) Götterbilder vermehrt aufzutreten und auch der Tempelbau wurde nun üblich. Der Tempel geht - während einer jahrhundertelangen Evolution - aus dem zentralen Raum (Megaron) des Wohnhauses hervor.
Das Prinzip scheint zu sein, dass man tatsächlich den Göttern einen Ort einrichten musste, wo diese wohnen; jedenfalls um sie so der menschlichen Erfahrung näher zu bringen. Wahrscheinlich entsprang diese Konkretisation des Tempels dem archaischen Vorbild des Hausvaters, nur musste jetzt wohl auch eine Trennung zwischen der eigenen Unzulänglichkeit und der angeblichen Vollkommenheit höchster Archetypen geschaffen werden.
Leben und Kult, Menschen und Götter waren eng ineinander verwoben. Aber es ist nicht ganz sicher, wie sich die Herkunft des Tempels aus den anfänglichen Megaron und Wohnhaus wirklich erklären lassen kann.

Bildlose Kultstätten auf Berghöhen oder in Wäldern blieben mit dem Auftreten des Tempels noch ferner bestehen. In und an Tempeln musste allerdings nicht notwendigerweise ein Götterbild anzutreffen sein und es konnte ein Tempel einem bildlosen Kult dienen.
Ab 800 v. Chr. taucht der epische Gesang mit Homer auf, die Götter und Helden werden beschrieben, erzählt und überliefert und finden sich nun auch auf Bildern, bei Keramiken, Fresken, Siegeln, Münzen, Gruppen von Statuen und auf Tempelgiebeln etc. Der Tempel wird hundert Jahre später, um 700 v. Chr. zur Blüte gebracht.

Die Tontafeln der Linear B-Schrift

Die Burg Mykenai liegt auf der Peloponnes Halbinsel, jener Teil Griechenlands, der den Zipfel bildet und an das im Süden Kreta als Insel anliegt. Nur ein kleiner Landstrich verbindet die Halbinsel Peloponnes mit dem nördlichen Festland Griechenlands, weshalb die Griechen diesen unteren Teil Griechenlands als Insel auffasten.
Diese (Halb-)Insel ist nach Ahnen des Agamemnon benannt. In der Illias ist Agamemnon der grosse Gegenspieler des Achilles, dessen Zorn den Kern der homerischen Dichtung Ilias ausmacht. Homer schrieb (bzw. sang) dieses Epos 800 v. Chr.; - die Blütezeit der Mykenai Burg lag zwischen 1400 und 1150 v. Chr.. Damals 1194 bis 1184 v. Chr. soll der Kampf um Troja stattgefunden haben.
Die wichtigsten Stätten der vorhomerischen Kultur bestehen in den Burgen Mykenai und Tiryns, die Ruinen von Pylos und die Paläste auf Kreta.

Auf Kreta hat man drei Arten von Schriften entdeckt. Eine uranfängliche aus Hieroglyphen bestehende Schrift (bestehend aus Bildzeichnungen: zB Kopf, Hand, Stern, Pfeil), die wahrscheinlich in der Zeit 2000-1750 v. Chr. angewandt wurde. Und eine sogenannte "Linear-A" Schrift aus der Zeit ca. 1750-1400 v. Chr., bei denen die Bildzeichen nun zu Linien vereinfacht wurden.
Meist wurden landwirtschaftliche Erzeugnisse in dieser Schrift festgehalten. Diese Schrift fand man auf Kreta und vereinzelt sogar ausserhalb Kreta, zB auf der Melos Insel und Kythera, auch auf dem Festland. Dargelegt sind darin Personenlisten und Güterverzeichnisse. Aus der Zeit dieser "Linear-A-Tafeln" wurde auch ein Diskos/Diskus in Phaistos gefunden, eine runde Steinscheibe, die spiralförmig beschriftet ist (es ist wahrscheinlich, dass diese Scheibe sich auf eine Zeit ab 1700 v. Chr. bezieht).

Irgendwann wurde die "Linear-A Schrift" durch die sog. "Linear-B Schrift" ersetzt: man nimmt an, dass das um 1500-1400 v. Chr. geschah.
Man fand auf der Insel Kreta anscheinend nur in Knossos (1375 v. Chr.) solche Tontafeln der B-Schrift - weiterhin aber auf dem Festland in Theben (1250 v. Chr.), Mykene (1230 v. Chr.) und Pylos (1200 v. Chr.).
Die Burg Pylos, das ist jene Burg, auf der der reale Nestor regierte (auf der Peloponnes Halbinsel).
Die Griechen und Ägäer trockneten diese Tontafeln nur an der Sonne, und nicht durch Feuer gehärtete Tontafeln sind allesamt über die Jahrhunderte verschollen.
Wahrscheinlich sind die Funde und Datierungen nur dem Umstand zuzuschreiben, dass sie zu diesem genannten Zeitpunkt durch eine Feuerkatastrophe in den jeweiligen Palästen genügend gehärtet wurden, um der Nachwelt erhalten zu bleiben. Es ist von ernstzunehmender Seite der Wissenschaft jedenfalls anzunehmen, dass diese Tontafeln alle aus einer Zeit um 1450 v. Chr. herrühren, als vor allem mykenische Fürsten die Insel Kreta in Beschlag nahmen und wohl irgendwie (von selbst oder mit Sklaven) aus der Schrift des "Linear-A Typs" Inspirationen für eine neue "Linear-B" Schrift aufnahmen.
Es können Wald-Brände (1375-1200 v. Chr.), oder gelegte Brände von Eroberern die zerstörten Paläste erfasst haben (neben einem möglichen Bekriegen der Griechen untereinander, könnten auch die mutmaßliche Eroberungswelle der Lykier für diese Brände um 1200 v. Chr. verantwortlich sein).

Gefunden wurden auf Kreta und dem griechischen Festland insgesamt über 5000 Tontafeln.

Anscheinend gab es zumindest für Knossos mindestens 60 verschiedene Handschriften, woraus sich 60 Schreiber beziffern lassen. Dabei fällt auf, dass nur ein Schreiber sehr viele Sachgebiete verwaltete, aber sonst alle jeweils nur zu bestimmten Sachgebieten schrieben (Landbesitz, Viehherden, Bronzezuteilungen, Nahrungsmittelrationen, Überführungen in Heiligtümer). Als Personen werden auch genannt: Eisenarbeiter, Schäfer, Schiffsbauer, weibliche Müllerinnen, "alle Arbeiter", Schweinehirten, Häuserbauer, Tochter, Vater usw. und als Gegenstände Honig, Minze, Käse, Parfüm, Medizin, kleines Schwert, Bett, "alles und jedes", Palmbaum usw. - auch Krüge waren mit dieser "Linear-B Schrift" bezeichnet.
Die Sklaven dieser Zeit könnten auch weitgehend als "gefestigte Untertanen" bezeichnet werden, so wie es in der modernen Arbeitswelt auch nur Arbeiter sind, die streng die Vorschriften und Anweisungen befolgen müssen. Ein üblicher Sklave muss ausführen, was an ihn herangetragen wird. Nicht immer waren diese Arbeiten menschenunwürdig, sondern beziehen sich vermutlich auch auf Aufgaben, die die jeweiligen Sklaven kraft ihres Talentes oder erworbener Fähigkeiten erfüllen konnten.

Man kann sich ja nun allerhand ausdenken, um diese Bezüge der Tontafeln zwischen der Peloponnes Halbinsel und Kreta zu erklären; - allerdings soll nichts darüber hinwegtäuschen, dass die Tontafeln aus unterschiedlichen Zeiten stammen könnten (nur die Brände konservierten die Tontafeln und vielleicht (?) beziehen sich die Datierungen mittels der c14 Methode nur auf die Umwandlung der stofflichen Materie durch eben diese Brände. Ich bin darin allerdings kein Experte um das mehr als nur vermuten zu können.

Auf den Tontafeln - so wurde übersetzt - werden meist Speisen aufgeführt wie Koriander, Sesam, Kümmel, und andere Gewürze.

Aus der Tafel in Knossos: Überführungen in örtlich genannte Tempel und Heiligtümer, auch entweder an Götter oder Göttinnen (als Herrinnen angeredet), oder andere Personen: "für die Herrin, in Pakijana, für manasa, trisheros, dopota"; - hier tauchen auch viele den Götternamen schon auf, wie am deutlichsten Poseidon: "für poseidaon" - und die Bezeichnung "für alle Götter", als wäre damit ein allgemeiner Tribut gemeint, damit kein Gott vernachlässigt wird: Denn diese Art von Zurückstellung, dass man einem Gott versäumt zu opfern, finden wir im griechischen Mythos einige Male. Oder es geht um eine einfache Universalität.

Was der Hintergrund der Anfertigung dieser Auflistung von Überführungen in Heiligtümer ist, kann nur vermutet werden.
Vielleicht eroberten Griechen Knossos und liessen sich dort nieder und veranlassten die Kreter ihnen jeweils einen Teil von Ernten zu überlassen, was dann den Göttern geopfert wurde?
Drückten also die Tontafeln der Zeit ab 1375 v. Chr. auf Kreta mykenischen Einfluss aus? Es ist sehr wahrscheinlich - auf jeden Fall finden wir hier den Beleg einer allmählichen Kristallisation späterer antiker Götter und eine zunehmende Vermischung beider Kulturen auf Kreta -  doch das minoische lebte nebenher auch noch weiter, während es an anderen Orten ab 1200 v. Chr. mit den mykenischen Traditionen zu verschmelzen scheint.

Anno 1200 v. Chr. gab es diese Zerrüttung durch angenommene intensive Eroberungen durch Seefahrer vermutlich aus Lykien (Lukka-Länder). Dass nun die Kultur zurückgeworfen wurde, sorgte für eine Art Revision. Viele Götter, die anscheinend bis dato schon auftauchten, verschwanden, und ab 1000 v. Chr. kamen neue Götter hinzu. Andere Götter überdauerten die ganze Zeit, so eben Poseidon.
Poseidon wird auf dem peloponesischen Pylos oft genannt, und hat anscheinend mehrere ihm dienende posidaiewes ihm untertan - ob es Priester(innen) oder Sklaven sind, ist ungewiss, aber an einer anderen Stelle der Tontafeln werden für den Götterdienst sehr viele Sklaven genannt.

Das weibliche Element steht in der minoischen Kultur vorrangig, oft werden nur Priesterinnen genannt (so eine Priesterin des Windes). Eine Ausnahme taucht in Pylos auf. Dort gibt es Priester und Priesterinnen. Ausser Zeus/Hera und Poseidon tauchen in Pylos auch Göttinnen als Herrin (pótnia=Herrin) schlechthin auf, ohne weitere Bezeichnung: so heisst die Göttin des Heiligtums Pakijane in Pylos einfach Pótnia. Anscheinend bezieht sich das Wort Priester (minoisch-etymologisch) auf eine vollamtliche Stellung, und ist nicht nur vorübergehend oder nebensächlich. Durch Gaben und Darbringungen erweisen sich die Tempel und Heiligtümer auch schnell als "reich".
Das mykenische Pylos kennt auch eine "Göttliche Mutter", eine Mutter der Götter (vielleicht war Rhea gemeint), und auch schon Artemis und Dionysos. Oft taucht in Bezug zu Poseidon das Wort "Bett-bereiten" auf, anscheinend geht es dabei um eine Art Hochzeitszeremonie (verbunden mit halbwegs magischen Kulten, wie man es schon aus den anderen Hauskulten kennt).

Die Tafeln stammen aus einer Zeit zwischen 1375 (älteste) und 1200 v. Chr. (jüngste in Pylos).
Es fanden sich auf den Tafeln auch die Anzahl von Widdern einer Herde, Mutterschafen, Böcken und Ziegen, Wildschweinen und Stieren. Bronzeschmiede wurden namentlich genannt und das Gewicht des Metalls, das sie verarbeiteten. Aufzeichnungen über Geschirr, Mobiliar, alle möglichen Gebrauchsgegenstände, Wein und Notizen über Kampfwagen. Angaben über verkaufte und gekaufte Sklaven, mänliche und weibliche. Auch die Menge des Öls, das von königlichen Dienern und Dienerinnen verwendet wurde (in Pylos) ist angegeben.

Knossos bildet rein von der geographischen Lage her, von den grössten Städten die zentralste Lage bezogen auf Griechenlands Festland.
Einige Forscher aber gehen davon aus, dasss die Griechen des Festlandes die Kreter auf Knossos dazu zwangen eine besondere Schrift herzustellen, woraufhin also die Linear-A Schrift in die Linear-B Schrift umgewandelt wurde. Woraus schliesslich die griechische Sprache entstanden sein soll.

Mir erscheint diese Art Zwangsausübung wahrscheinlich, indem Sklaven diese Tätigkeit übernehmen mussten, aber es ist merkwürdig, dass man auf dem Festland mehrere solcher Tafeln (der Linear-B Schrift) fand, aber nicht auf Kreta; - hat man vielleicht Sklaven aus Kreta, die die Schrift aus dem Linear-A Stil weiter entwickelten, auf das Festland gebracht? Es kann auch anders gewesen sein, dass die Griechen ihrerseits selbstständig diese Schrift anwendeten oder eigene Sklaven dazu verwendeten, und die griechische Buchstaben-Schrift könnte dann nebenher entstanden sein; - etwa indem man ja diese Tontafelschrift auch für Beziehungen zu anderen griechischen Orten benutzte und folglich auf diese Weise eigenständig verfeinerte.

Die Griechen kamen zu ihrer uns heute noch bekannten eigentlichen Schrift vor allem ab 730 v. Chr., als man Orakelsprüche begann aufzuzeichnen.
Die sicherste Datierung stammt von 776 v. Chr., zu diesem Zeitpunkt wurden erstmals die olympischen Spiele aufgeführt und die ersten olympischen Sieger schriftlich festgehalten. Um diese Zeit schrieb Homer auch sein erstes Werk Ilias.

Was sind 100 Jahr unserer Zeitrechnung? In hundert Jahren und ihren Generationen konnte sehr viel geschehen, in tausend Jahren erlebten wir unsere ganze Geschichte des Abendlandes von 1000-2000 v. Chr..
Soviele Jahrhunderte und noch mehr steckt auch in der Zeit der griechischen Antike, die lange vor 2000 v. Chr. ihre Wurzeln in der ägäisch-minoischen Kultur hat, worauf die Epoche der ersten deutlichen Ausprägungen der sowohl minoischen als auch mykenischen Kultur um 1600-1200 v. Chr. folgte - und um 800 v. Chr. schliesslich ihren (vor allem geistigen) Höhepunkt fand - was dann 400 v. Chr mit Plato in die Ausbildung rational-philosophischer Nachbetrachtung mündete und noch darüberhinaus auf unsere Zeit einwirkte.

Ist der Gott Zeus kretischer oder mykenischer Herkunft, oder gar indoeuropäischer Herkunft?

In der Tat werden viele mythischen Geschichten mit Kreta in Verbindung gebracht:
Die Entführung der Europa durch Zeus soll auch angeblich mit der Zeugung von Nachkommen, die drei Söhne gezeugt haben, die das kretische Volk begründeten (wenngleich ich nicht weiss, woher diese These rührt, ob aus Mythen, von Herodots oder Diodors Geschichtsauffassung oder modernen Legendenbildungen).
Jedenfalls findet der Mythos um Minos und der Minotaurus eindeutig auf Kreta statt und es gibt anscheinend noch einiges mehr (Ariadne, Phädra und Theseus, Ikarus und sein Sonnenflug, Prometheus, Hyperion, Orpheus, Herakles), was auf Kreta hinweist.
Stammt die Geschichte um die Titanen vielleicht auch aus Kreta? Waren die Titanen und Rhea vielleicht archaische, d.h. alte Bestandteile der kretisch-minoischen Kultur? Es wird oft angenommen, dass der Sieg der Olympier über die Titanen den Sieg der mykenischen Kultur über die minoische repräsentiert. Was man allerdings nur spekulativ annehmen kann, und man sollte diese analoge Stimmigkeit nicht überbewerten, wir wissen nicht wirklich, in wie weit es einen wahren Sachverhalt wiederspiegelt, und ob es so bedeutsam ist, dass es einen Sieg der Mykenischen Reiligion über die Minoische gab. Es mag zutreffend sein, dass die reale Geschichte diesen Verlauf hatte, aber es verleitet auch zu vereinfachten Vorstellungen über diese Zeit und vor allem über den Mythos. Man kann aber annehmen, dass die Realität die Bildung eines Mythos inspirierte. Sie schmückten in wahrsten Sinne des Wortes das "mythische Dasein" mit den Ornamenten der realen Geschichte aus.
Wie dem auch sei, es spricht nichts gegen irgendwelche Bezüge zwischen ursprünglicher ägäischer Religion und Titanen, doch sollte man dann den universalen Charakter eines jeden Mythos zugleich betonen, das heisst, dass ein Mythos viele analoge Entsprechungen gleichzeitig aufweisen kann.
Wenn man annimmt, dass die Titanen gleichzusetzen sind mit der ursprünglichen minoischen Kultur, so vergisst man in der Regel alles andere (eine Sünde der rationalistischen Methode) und stellt keine weiteren Bezüge mehr auf. Eigentlich bezieht sich der Mythos des Kampfes zwischen Titanen als chtonische Mächte und den Olympiern immerhin auf die Werdung der Schöpfung, und nur nachgeordnet kann man die eigentliche Werdung der religiösen Vorstellung der Griechen darin versuchen zu erkennen.

In Kreta gab es das Matriarchat und die indoeuropäischen Einwanderer ähneln nach Lehrmeinung mehr einer patriarchalischen Stammesordnung, die sie aus dem Norden mitbrachten. Aber auch die Kreter hatten den Thron, den König! Wenn die Hellenen gleichwohl den Tempel aus dem Megaron ableiteten, und das Megaron den zentralen Ort eines Hauses bezeichnete, in dem sich auch der Thron befand und damit auch in Bezug zum Stammvater eines Hauses stand, und die Kreter jedoch ebenso in ihren Palästen einen solchen Ort kannten, und vielleicht nur auf dem Lande vermehrt die Frau den Mittelpunkt des Lebens darstellte (wie es in manchen erhaltenen Gemälden aber auch in der allgemeinen Atmosphäre überliefert ist), könnte sich am Ende eine parallele Entwicklung abgezeichnet haben, so dass Zeus ursprünglich bei Kretern und Mykenen in ähnlichen Entwicklungen zu dem kristallisierte, was er schliesslich im Zusammenschluß beider Kulturen (für uns heute) wurde.

Der griechische Historiker Diodor: "Damals waren die Kreter im Besitz einer grossen Seemacht; sie hatten sich die meisten Inseln unterworfen und beherrschten als erstes Volk das Meer."
Aus den Sagen könnte man weiteres ableiten, denn manchmal gibt es erstaunliche schon bewiesene Ähnlichkeiten zwischen den darin erzählten Geschichten und der tatsächlichen Geschichte.
Dem Minos aus der Sage sollten aus Athen Menschenopfer dargebracht werden, zur Opferung des Minotaurus. War Athen also unterworfen und tributpflichtig? Dass sich Leben und Mythen so eng verflochten haben, kann auch daran deutlich werden, dass mit dem Labyrinth des Minotaurus wahrscheinlich die verwinkelten und unübersichtlichen Palastanlagen des Minos in Knossos gemeint sind. Der Minotaurus könnte den Stierkult widerspiegeln.
Viele Forscher bringen immer wieder mit den Siegen der Helden, wie hier Theseus über den Minotaurus, den Sieg der hellenischen Kultur über die ursprüngliche religiöse Macht Kretas in Verbindung, was mir aber oft entweder als zu einseitig betrachtet erscheint, oder einfach zu konstruiert aus der Offensichtlichkeit des aus heutiger Sicht betrachteten Geschehens. Wären die Kreter allerdings siegreich über die Mykenen gewesen, gäbe es dann keinen olympischen Mythos, oder wäre es dann der Sieg der Titanen über Zeus?

Der Stier ist ein unberechenbares Tier, und galt den Minoern vielleicht als dämonisch. Dass er geopfert wurde, passt insofern zu manchen anderen wilden Kulten (mit Tieropfern, vermutlich auch Menschenopfern).

Vielleicht fanden die hellenischen Einwanderer eine Art Nährboden, um die konkrete Vorstellung des Zeus herauszubilden.

Weiterhin muss gelten: Die Schöpfungsordnung existiert tendenziell an allen Orten weltweit, sonst gäbe es einen Ort, an dem diese Schöpfungsordnung nicht vorhanden wäre, das wäre wirklich ein unmöglicher Ort auf Erden. Selbst der Mensch trägt diese Ordnung in sich.
Die Ordnung der Schöpfung ist überall weitgehend gleich, vielleicht abgesehen von klimatischen, geografischen,  rassischen Details, und das sind wirklich nur Details, im Verhältnis zu der immer vorhandenen Sonne, dem Himmel und der Erde, zu den Menschen, Tieren. Sitte, Geist oder die in der Anschauung begriffene Evolution der Schöpfung beziehen sich an allen Orten der Welt immer nur auf eine vorhandene (erkennbare) Ordnung; - Anschauungen über die Evolution kommt in den Mythen wohl auf krummen Wegen immer zum Ausdruck.
Daher muss es an allen Orten grundsätzlich möglich sein, durch Anschauung oder einer Vision, die Schöpfungsordnung erst in ganzheitlicher Anschauung, dann geistiger Überlieferung auszuprägen und schliesslich in Form von Mythen zu bringen.
Die Mythen erzählen ein Bild, ein sinnhaftes Bild, in dem mehreres auf verschiedenen Ebenen ausgedrückt sein kann, wobei der Mensch aber immer im Mittelpunkt steht. Kein Mythos kann ohne den Bezug auf den Menschen wirklich erklärt werden. In dem griechischen Mythos zum Beispiel scheint es Tatsache, dass auch sittliche Vorstellungen eine Rolle spielen.

Es ist daher nicht zwingend, Zeus auf die Indogermanen zu beziehen.
Tatsächlich scheinen mehr die Mykenen des Festlandes den Zeus, den wir kennen, hervorgebracht zu haben. Und zwar in einer Zeit, nachdem diese eingewanderten Indoeuropäer schon zu den Mykenen geworden sind.

Verwendete Literatur:

Weblinks:

Siehe die Wikipedia Übersichten zum Beginn der Antike:
http://de.wikipedia.org/wiki/Minoische Kultur
http://de.wikipedia.org/wiki/Mykenisch
http://de.wikipedia.org/wiki/Antike

Kategorien:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Minoische Kultur
http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Mykenische Kultur

Anhang:

Kurze Säulenbeschreibung der griechischen Architektur:

1. Dorisch (ab 700 v. Chr.): die typische Säule ist in der Basis und am oberen Kapitell einfach gehalten, der Schaft der Säule ist kanneliert mit 20 flachen Furchen, die etwas scharfkantig aufeinaner stoßen (Wellen), so wird das energeische Aufwärtsstreben der Säulen betont. Die dorische Bauweise und die ionische begleiten die höchte Kulturblüte der hellenischen Architektur, beide Stilformen gehen weitgehend ineinander über. Erst allmählich kam es etwa 400 zu der typischen Form der ionischen Säule. Eindeutige Ursprünge der ionischen Säule lassen sich archäologisch nicht finden.

2. Ionisch (ab 600 v. Chr.): die Säulen sind etwas schlanker aber nicht mehr nach oben verjüngt. Sie ist etwas ungebundener und freier. Die dorische Säule hat mehr Ähnlichkeit mit den minoischen Säulen auf Kreta und die ionische mit denen aus Asien. Das obere Kapitell strahlt nun nach zwei Seiten aus (Spirale) und der Schaft der  Säule weist 24 tiefere Furchen oder Kanäle auf, die durch schmale Stege voneinander getrennt sind und wie an der dorischen Säule aneinanderstoßen. Diese Säule findet sich etwa 600-400 v. Chr. deutlich ausgeprägt.

3. Korinthische Säulen haben ein sehr auffallendes Merkmal in ihrem Kopf, das Kapitell ist wie ein Korb, Kelch oder Kranz gebildet, mit Blattschmuck versehen, das an die Barockzeit des Mittelalters vorwegnehmend erinnert. Diese Art der Säule taucht schon bei den Ägyptern auf. Diese Art der Säulengestaltung tauchte in Griechenland etwa 420-300 v. Chr. auf. Die Bezeichnung korinthisch bezieht sich übrigens nicht einheitlich auf die Zeit des Auftretens dieser Säulen, sondern auch auf Reliefkunst, Wandgemälden, Keramik und andere Kulturleistungen, die mit dem Zentrum der Stadt Korinth zusammenhängen.

C14/C12 Datierungsmethoden:

Man untersucht das Alter mit Hilfe einer besonderen chemischen Methode, die als zuverlässig gilt. Man misst den radioaktiven Zerfall von organischen Stoffen seit dem Tod - es gibt dabei eine Umwandlung von radioaktiven Kohlenstoff c14 in gewöhnlichen Kohlenstoff c12.
Bei allen Messungen lang zurückliegender Zeiten gibt es eine Unschärfe von manchmal 1000-5000 Jahren. Die sichere Zeit, die hierbei gemessen werden kann liegt bei 20.000 Jahren, die Umwandlung von c14 in Azetylen lässt sich bis auf 70.000 Jahre verfolgen. Bei drei Messungen einer Probe erweist sich durchschnittlich eine als abweichend.

Weitere Stoffe können bis über eine Millionen Jahre zurückverfolgt werden. Es gibt daneben noch andere Datierungsmöglichkeiten durch physikalisch-chemische Messung.  Die Physiker und Archäologen vermitteln ein Bild der Genauigkeit, sprechen andererseits von Problemen der Datierung, und der normale Nicht-Physiker steht auf dem Schlauch. Deswegen kann ich persönlich nicht davon ausgehen, dass die Zeiten wirklich genau sind, obwohl man sie zur Betrachtung der Geschichte (vorsichtig) heranziehen kann, im Sinne, dass die Zeiten für einzelne Funde durchaus nicht stimmig sein könnten.

Immerhin bildet sich mit den C-Berechnungen ein ziemlich kohärentes Bild der Geschichte ab 10.000 bis heute.

April 2007 Stefan Arens