Alle
alten Hochkulturen der Weltgeschichte entwickelten sich aus einer ihr
vorgelagerten Frühzeit heraus. Diese ist wiederum eine Folge des langen
Entwicklungsprozess der Menschheit.
Die
Frage nach den Gründen ihres Daseins hat den Menschen
schon immer
in irgendeiner Weise bewogen; - es ist die
Frage, was Leben und Welt auf sich hat. Es ist von Anfang an eine
Frage um ursächliche Kräfte oder Mächte gewesen. Ob man diese Fragen
konkret und direkt stellte? Es wird wohl in den Anfängen
des Menschen (homo erectus und homo sapiens) keine direkete
Frage
gewesen sein. Es war ein Gespür, und vielleicht eine Ahnung, gewisse
Phänomene verbinden sich mit erst diffusen Eingebungen und dann wird
das Geahnte durch wiederholte Auseinandersetzung verdichtet zum
Wissen.
Was manche Forscher der Einbildungskraft des Menschen zuschreiben, spiegelt aber im Grunde die unmittelbare Auseinandersetzung mit der Schöpfung und ihren Erscheinungen wieder und wir können heute leicht feststellen, dass die Phänomene der Natur und des Lebens ein Symbol ausdrücken, das sich selbst erklärt, da zum Beispiel die Nacht gewisse Eigenschaften aufweist und der Tag ebenso. Bloße Assoziationen sind hier nicht der springende Punkt, denn der springende Punkt ist, dass solche Assoziationen durch Beobachtung der realen Verläufe der Schöpfungsordnung gebildet werden. Daher ist Phantasie oder Einbildung nur der letzte Schritt, um den Kern an verdichteten Wahrheiten auszuschmücken. Mitsamt verschiedenen Perspektiven oder mentalen Vorraussetzungen, die sich je nach geologischer Lage unterscheiden können, ergeben sich dann die verschiedenen frühen Religionen und Hochkulturen.
Dem Ur- und
Frühmenschen ergaben sich jedoch
die Antworten mehr, als
wie dass es eine bewusst gestellte Frage war, und darum zu wissen, ist
für
uns sehr wichtig.
Denn zu leicht verfallen wir in die törichte
Annahme,
die mythischen Anschauungen entsprangen der Überlegung oder
assoziativen Herleitung. Es war eine
unmittelbare Einsicht in die Stellung des Menschen im Kosmos, und
Einsicht in die Schöpfungsordnung, was alles dann erst den
Mythos zustande brachte. Es stand für den Frühmenschen nicht
die Reflektion und Überlegung im Vordergrund, sondern die Schau und
unmittelbare Erfahrung. Der Mythos bildete sich zwangsläufig, so wie
wir heute zwangsläufig über Sprache verfügen, mit der wir die
Welt, die wir erleben, fassbar machen können. Der Mythos ist vielleicht
sogar als eine Erweiterung der Sprache zu denken. Während rudimentäre
Sprache an sich nur ein ganz einfaches Verständnis ermöglichen sollte,
oder eine archaische Ausdrucksqualität hatte, diente der
Mythos
dazu, das, was man für richtig erachtete, an die Kinder einer
Sippe weiterzugeben. Das soll nur eine Theorie sein, denn es gibt keine
verlässliche Deutung der Herkunft des Mythos aus den Uranfängen heraus.
Es gibt schlechtere, ja fast naive Theorien, die alles auf die bloße
Einbildungskraft und Wunschnatur des Menschen beziehen, wonach die
Sehnsucht des Menschen nach Sinn und Ordnung ausschlaggebend war. Man
vergisst dabei aber, bzw. lässt unter den Tisch fallen, dass dieser
Sinn einerseits ein Ausdruck des menschlichen Wesens ist, und sich
andererseits die im Mythos enthaltenen Ansichten einen wahren Kern
besitzen. Gerade dieser wahre Kern eines frühgeschichtlichen Mythos
geht der heutigen Forschung weitgehend ab, denn die heutige Zeit hat
keine Kategorien für höhere Wirkmächte, oder wirksame Prinzipien oder
gestaltbildende Kräfte, die dem Leben und der Schöpfung übergeordnet
sind.
Weil man aus einem Standpunkt heraus
argumentiert, dem der Bezug auf höhere Wirkmächte verloren gegangen
ist, erscheinen die esoterisch anmutenden Theorien und Ansichten über
das frühgeschichtliche Leben notwendigerweise für rational geprägte
Augen plump. Andererseits erscheinen aber auch die üblichen
rationalen Theorien nicht nur plump, sondern zuweilen vereinfachend und
teils absurd für Augen, die die Betrachtung höherer, verborgener
Ordnungsgefüge gewöhnt sind.
Nur
selten findet man die
Bereitschaft, den Schamanismus als Seelenreise, oder Astralreise, oder
ähnliche Kommunikation mit anderen Wirklichkeiten anzunehmen,
geschweige denn diese als übersinnlich bekannten Sachverhalte in
Verbindung mit der Entstehung von Mythologien zu bringen.
Die Religion ist vom Wortsinn oft und zutreffend als "Rückbindung" bezeichnet worden. Es ist mit dem Begriff "religion" auch eine bejahende Aussage in Bezug zu etwas Höherem verbunden ("höher", weil es als erstrebenswert gilt, nämlich dafür niedrigeres zu vernachlässigen).
Die Menschen waren nicht religiös oder fromm, so wie wir heute diese Begriffe verstehen würden; das heisst, sie wollten keine Vorstellung erwecken, keine Idee besitzen, sondern in lebhaften Bezug zu etwas treten. Heute würden viele dazu Rituale verwenden, aber sie empfanden sich als Teil eines Ganzen und es war für sie natürlich, den Bezug zu diesem Ganzen nicht zu verlieren; in dieser Haltung bestand die Religion der Frühmenschen, und es war das Leben an sich ein Ritual, wobei das Ritual bloßer Ausdruck des Lebendigseins war. Wir sehen daran, wie sehr sich das Leben verändert hat...
Dieses Höhere löst nebenher schliesslich - als Bestandteil der Erfahrung - eine gewisse Ehrfurcht aus.
Diverse Begriffe wurden von den Religionen benutzt, um eine zentrale Aussage zu treffen: Erleuchtung, Transzendenz, Jenseits, Nadelöhr, höheres Bewusstsein, Selbst, Spiritualität, Nirvana, Dao als der "rechte Weg", Götter - und sie meinen alle im Grunde eine Dimension des Erlebens ganzheitlicher Art.
Ganzheit schliesst einen erfahrbaren Sinn unbedingt ein. Man erlebte sich auf eine ganzheitliche Art und nahm die Welt aus einem Einheitsbewusstsein wahr.
Das Leben hat seit dem Aufkommen der Sprache eine Eigendynamik entwickelt, die in ihrer Substanz bis heute eigentlich darin besteht, von dem Einheitsbewusstsein zunehmend abzulenken. Die begriffliche Sprache kann sehr leicht Trennungen schaffen. Zuerst gab es die Trennung zwischen "Ich" und Welt. Das "Ich" wurde mit dem gewachsenen Sprachvermögen und verbunden mit weiteren Entwicklungsprozessen zum zentralen Punkt aller Reflektionen und Bewertungen.
Der Frühmensch spürte aber, wie er als Teil eines grösseren Ganzen existierte. Bis zur Ausbildung eines Ich-Bewusstseins war auch das Selbst noch nicht wirklich als Behälter von Archetypen geschaffen. (Frühmensch: vielleicht ab 35.000 v. Chr. - diese Zeitangaben sind keineswegs wissenschaftlich gesichert).
Das Erleben des Menschen war ein einziger Ur-Archetyp. Alles war in eine einzige Instinktgrundlage gebettet, und insofern befand sich der Urmensch (Urmensch: vor 90.000 v. Chr.) in einem Ur-Archetyp des Selbst. Aus diesem Selbst heraus wuchs der moderne Mensch (homo sapiens).
Aus der neuen Fähigkeit der Reflektion und des komplexeren Werkzeuggebrauchs wurde dann die Vielfalt des menschlichen Erlebens ermöglicht. Die Übergänge vollzogen sich in Jahrtausenden der Menschwerdung.
Komplexe Religionen wurden erst möglich, indem der Mensch mit der Sprache Begrifflichkeiten erfassen konnte, als auch (gedankliche) Trennungen zwischen zB "Welt und Ich" schaffen konnte. Alles was zeitlich davor gelagert ist, kann man als Ur-Religion bezeichnen.
Die Religionen und ihre Mythen bezeichnen meist das Selbst als die Möglichkeit, durch ihm weise Führung zu erhalten, nicht nur um zum Göttlichen oder der Wahrnehmung sonstiger höherer Sphären vorzudringen, sondern auch entstammen manche Überlebensstrategien aus diesem Selbst, was nicht verwundert, da das Selbst und die Instinkte eine enge Bindung aufweisen. Im Selbst behinhaltet ist auch jegliches Bewusstsein über die Schöpfung und ihre Prozesse oder Gesetzmässigkeiten.
Eine archaische Form dieses Bewusstseins um die Schöpfung mag in dem Einheitsbewusstsein des Urmenschen bereits bestanden haben. Was er wahrnahm kreiste aber noch nicht um das reflektierende Zentrum eines "ICH", und es fehlte ihm die geistige Durchdringung des Bewusstseins um die Einheit der Schöpfung.
Einheitsbewusstsein kann als ein Bewusstsein beschrieben werden, in welchem die Geborgenheit in einem grösseren Ganzen erfahren wird, bzw. diese unmittelbar erlebt und geschaut wird - es ist nicht wesentlich, dass solche Geborgenheit gedacht oder in sprachliche Benennung gebracht wird, sondern sie wird als solche erfahren und sogleich die Phänomene als selbstverständlicher Ausdruck dieses Einheit gedeutet.
Auch heute können wir dieses Bewusstsein,
Teil eines Ganzen zu
sein, erfahren - und wir merken, dass "Erfahrung" etwas anderes
bedeutet,
als an etwas zu denken.
Wissen ist eigentlich etwas, was aus
Erfahrung
resultiert, wir bezeichnen es als Wissen, wenn wir "wissen", was die
Zahl vier bedeutet, aber wir wissen nichts über die Bedeutung der Zahl
vier, oder
können es uns nicht vorstellen, wenn wir nicht vier Dinge oder
Einzelheiten konkret vor uns liegen haben oder erinnern; erst dann
wissen wir
wirklich, was "vier" ist. In diesem Sinne ist Wissen "unmittelbar".
Die Jagd entwickelte sich aus einem Urbedürfnis, hin zur kultivierten Handlung einer ganzen Gruppe. Die Jagd wurde komplexer, und vor der Jagd "beabsichtigte" man vermutlich sehr oft den Beutefang durch das magische Malen des Tiers auf Felswänden. Dies hatte wohl auch einen weiteren Grund darin, dass man begann das Leben auszuschmücken, wozu zwar auch das soziale Leben gehörte, welches aber nicht in dem Sinne ausgeschmückt wurde durch irgendwelche Rituale oder Zusammenkünfte - diese Arten des komplexer werdenden sozialen Lebens wird es wahrscheinlich erst mit der Sesshaftigkeit des Menschen gegeben haben, also nicht vor 10.000 v. Chr..
Dinge wurden bemalt - warum tat man das? Es hatte ja keinen praktischen Zweck, aber es war sozusagen ein Fest des Lebens, ein Umstand, das Leben auszuschmücken, aber auch mit Bedeutung zu versehen, es mit menschlicher Bedeutung zu versehen, als Ausdruck des Selbst.
Ein Etwas wird mit der Sprache irgendwann benannt, und existiert damit als Vorstellung, losgelöst von der Wirklichkeit des gemeinten Etwas. Die Vorstellung kann ausgebaut werden zu geistigen Ideen. Doch umso mehr dies getan wird, verliert sich der Bezug zu einem "Ding an sich". Denn das Ding, wie es erlebt wird, wurde mit der geistigen Idee dieses Dings abstrahiert und was "sprachlich erlebt" wird ist etwas ganz anderes, als wenn man es unmittelbar erlebt.
Der
Früh- und Urmensch konnte gar
nicht anders, als die Welt in einer Weise des Unmittelbaren
zu
erleben,
was wir uns heute kaum vorstellen können; - aber meiner Meinung ist es
nicht ganz unmöglich, sich eine Vorstelllung darüber zu bilden, bzw.
durch eigenes Erleben dieses prähistorische Bewusstsein in Facetten
nachzuvollziehen: durch annähernde innere Stille der Gedanken etwa,
während wir gleichzeitig normale alltägliche Dinge
wahrnehmen, sie können mit einem "Blick, der kein Urteil kennt" uns
etwas anders erscheinen. Und der Höhepunkt solcher Erfahrung ist es
noch heute, etwa in der Meditation zur Erleuchtung zu kommen. Dabei
wird unser
gewöhnliches Erinnerungsvermögen und Gedächtnis
ausgeschlossen,
weil wir die Welt und das sinnlich Erfahrbare nur noch
unmittelbar wahrnehmen, ganz so wie uns die
Eindrücke als
seiendes Wesen berühren. Nebenbei gesagt wird ind er Meditation auch
ein Bezug auf das Selbst aufgestellt.
In
dieser Weise sind wir
mit unserem Selbst verbunden, welches zugleich die Einheit mit allem
anderen Dingen und Geschehnissen (=Welt) zu erkennen vermag, und
wodurch es möglich ist, diverse Kräfte und Energien wahrzunehmen. Der
Urmensch konnte darüber nicht reflektieren und dennoch hat
er Millionen von Jahren überlebt - es war also kein Chaos, was er
erlebte. Seine Ordnung war die des Selbst und seiner Instinkte.
Mit der Sprache und damit auch der
Vernunft wird insgesamt eine Polarität zur ursprünglichen
Einheitserfahrung, also zum
Selbst bzw. zur Ganzheit geschaffen. Eine sprachliche Fähigkeit ist
entstanden, die
der Entwicklung des
Bewusstseins in seinen vielfältigen Möglichkeiten zu dienen scheint.
Aber
bald wurde sie übertrieben. Ist doch die Vernunft mit ihrer
Kategorienbildung
und Instanz einer Ordnung in der Lage, eine Ersatzwirklichkeit
zu
schaffen, die von der unmittelbaren Schau und Einheitserfahrung
ablenkt. Die Wirklichkeit begann nun als Idealbild zu existieren. Was
wir heute auch denken mögen, es ist fast alles ein
Abbild des
Wirklichen.
Anno 500 vor Christus begann dieser Prozess der Ausbildung einer zunehmenden Rationalität in Griechenland und man verstand zunehmend die Religionen der olympischen Götter als Phantasie oder Konstruktionen der Willkür. Solange es die Sprache gab (man kann sie ab 20.000-10.000 vermuten), musste es nicht heissen, dass die Einheitserfahrung verloren ging. Das geschah erst viel später, wohl ziemlich exakt ab 500 vor Christus. Noch in der langen Zeit der Vorantike, so kann man annehmen, wurden die Mythen nicht als Konstruktionen aufgefasst, sondern als Mittel, sich der ständigen Präsenz einer allgegenwärtigen Macht zu vergewissern, die sie mit den Göttern identifizierten. In anderen Religionen wurde diese kosmische Macht mit anderen Attributen versehen, doch es handelt sich immer um etwas übergeordnetes, das allem Geschick eine Richtung zu geben vermochte; in manchen Religionen auch etwas deterministischer aufgefasst.
Die
beginnende Rationalität fand mehr Sicherheit in begrifflichen
Vorstellungen
als wie in der Einheiterfahrung. Ein Grund dafür war sicherlich die
zunehmende Komplexität der Welt, der Lebensbedingungen und die neuen
technischen
Errungenschaften, der Handel und Austausch, und die Heranbildung
hierarchischer Strukturen, die die Relikte des alten Matriarchats
endgültig verdrängten. Denn das ist auch klar, wo es ein Matriarchat
gab, war die Bindung an die Natur - und damit an die kosmischen Kräfte
- intensiver.
Der Gebrauch der Schrift wurde seit 800 v. Chr.
immer gegenwärtiger. Wir wissen nicht genau, wieso dieser Prozess der
Ablösung von der Einheitserfahrung so
schnell von statten ging, und es mögen auch Gründe eine Rolle spielen,
auf die wir gar nicht kommen mögen.
Der Beginn der Sprache setzt den Prozess der Trennung in Gang, und zwar die Trennung von den Dingen an sich, so wie die Welt ist. Das hat einen Vorteil, aber auch den Nachteil, dass damit eine kontinuierlich aufrechterhaltene Trennung und Eigendynamik der "Ersatzwirklichkeit" geschaffen ist. Kinder wachsen in diesen Konstruktionen auf und beginnen als Heranwachsene aus diesen Konstruktionen die Orientierung für die Welt zu gewinnen.
Alter, Jugend, Krieg, Armut, Schutz, Reise, Junggesellentum, Elternschaft, sogar Ernährung (Mahlzubereitung) sind gewöhnliche Archetypen; ein See, Berg, Landschaftsformen, Wald, Wiese, Wind, Sonne, Jahreszeiten, Nacht sind sozusagen phänomenale Archetypen, sie sind erfahrbar als Phänomene (=Erscheinungen). Gerade diese Phänomene der Natur drücken aber auch symbolische Energien aus: der wahrnehmende Mensch kann sich an ihnen erfreuen, an ihnen teil haben, aber bedeutsam sind sie, weil sich in ihnen die verborgen angelegten Geheimnisse über die Schöpfung verbergen. Wir kennen heute noch die vier massgeblichen Elemente: Feuer, Wasser, Erde und Luft und auch das sind Archetypen. Alles in der Welt besteht aus grundsätzlichen Urkräften, und man ordnet die erscheinenden Phänomene zu diesen Urtpyen, also Archetypen.
Eine Art spiritueller Archetyp kann in dem Einheitsbewusstsein, der inneren Reise, dem Selbst, auch in der erahnten Unendlichkeit und dem Fließen der kosmischen Ewigkeit, in der inneren Stimme und der inneren Führung gesehen werden.
Für das Lebewesen mit ausgeprägten Ich-Bewusstsein kann es leicht fallen, sich die Wirklichkeit als Abbild zu erschaffen, und diese abbildhafte Wirklichkeit als viel realer aufzufassen, als wie die Dinge ohne ihre Beschreibung existieren würden. Da sist natürlich ein ziemlich grosser Sprung, hin zu einer Welt ohne Beschreibung. In der Bibel steht, dass Gott die Tiere und Pflanzen erschuf, es aber dem Menschen (Adam) überliess, sie zu benennen. Damit ergibt sich die Spaltung, notgedrungen, nämlich die Spaltung zwischen tatsächlicher Wirklichkeit als einer kosmischen Erfahrung, einer Wirklichkeit, die so existiert, wie sie ist, und der angeblichen Wirklichkeit (Platon würde sagen: den Ideen an sich im Gegensatz zu ihren Abbildern).
Der Frühmensch im Übergang zum Neolithikum (10.000 v. Chr.) erkannte, dass es nicht nur diese Archetypen gibt, sondern dass allem, was existierte, Energien, bzw. gestaltbildende Kräfte zugrundelagen. Energien oder Kräfte, die schliesslich mit Göttern übersetzt wurden, denn alles trug eine Signatur. Diese Götter wurden als etwas begriffen, dem man sich nicht entziehen konnte, denn die Götter wirkten und schafften die Dinge und auch unser Schicksal; die Götter hatten an allem Geschehen einen Anteil, und je nach Art des Geschehens konnte man verschiedene Götter identifizieren. Im Prinzip können wir heute auch von Naturgesetzen und auch uns bislang verborgenen Kräften reden, um sie mit den Göttern gleichzusetzen. Doch der springende Punkt ist, dass alles eine Signatur trägt, die wiederum aus Sicht des Selbst einen Archetyp bedeutet.
Was für die moderne Welt das Geld ist, das ist für den Menschen, der den Mythos lebt, die seelische Erfahrung. Ab 8.000 v. Chr., so lässt sich allgemein sagen, bildeten sich (weltweit, aber zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Arten) die Vorstellungswelten über Sein und Kosmos heraus, die später in den Mythen erst mündlich, dann ab 3000 v. Chr. schriftlich überliefert und fixiert werden konnten. Diese Mythen bildeten eine Brücke hin zu der Einheitserfahrung, die ihrerseits wahrscheinlich lange Zeit vor 8.000 v.Chr. schon erlebte Realität war.
In der Einheitserfahrung der Jahrzent-tausende vor den Mythen war das Handeln spontaner, es wurden sehr wahrscheinlich sofortige Strategien der Lösung angestrebt, sofern ein Problem akut war, bzw. je nach individueller Gesinnungs- und Verhaltensart prompt umgesetzt, was die Instinkte oder der unmittelbare Eindruck der Realität vorgab. Nichtsdestoweniger kann es nicht sein, dass die Menschen der Frühzeit - wie gewisse Philosophen und Evolutions-Psychologen annehmen könnten -, über keinerlei Reflexionsvermögen verfügten, man muss nur das Reflektieren eher im Sinn einer Schau verstehen.
Es gibt zahlreiche
Hinweise zumindest in Bezug der Zeit des Neolithikums (ab 10.000), dass
Menschen fähig waren, in ihrer
Vorstellungswelt ein gewisses Bewusstsein über Dinge und Geschehnisse
(Zyklen) zu bilden, was
dann schliesslich in der Vorstellung weiter ausgestaltet wurde:
Kunst und Technik (Werkzeuge), und nicht
zuletzt die astronomischen, einfachen Anordnungen zum Beispiel
von
Stonehenge (etwa 3000 v. Chr.). Diese Reflexion fand wohl weniger
mit der Betonung linker Gehirntätigkeit statt, sondern ging aus dem
bildlichen Denken des rechten Gehirns hervor, dieses empfand
ein ganzes
Bild, und zwar so wie
etwas sein sollte. In derselben Art einer Schau wird man
sich auch selbst betrachtet
haben, eingebettet in das grössere Ganze (Kosmos, Gruppe
etc.).
Diese Art bildliche Vorstellung lässt sich auch auf die Frühzeit der
Menschen beziehen, die etwa der Höhlenmalerei nachgingen, um durch
diese Malereien eine Absicht des Jagens zu bilden. Reflektion ist in
diesem Sinne
eine nicht verbale. Sie ist mehr eine Schau.
Man sollte die Begriffe (Reflektion) nicht wörtlich nehmen, um deren
vorhandene Eigenschaft zu bejahen oder zu verneinen, sondern den
richtigen Kontext und Bedeutung des Gemeinten anstreben (was man eine
Art archaische Reflektion nennen könnte, bildliche Reflektion).
Arche leitet
sich etymologisch von "Kasten, Lade" ab und in "Truhen" wurde das
"Heilige", "Sakrale" gehalten, was den profanen Blicken des
Alltäglichen entgehen sollte, und für besondere Momente gab es die
magische Brücke, Zeremonie, wobei die
menschliche Aufmerksamkeit sich dem magischen Bewusstsein öffnen sollte.
Die Aufmerksamkeit war damals in der
frühen Antike wahrscheinlich schon als sehr Wichtig eingeschätzt, und
man war sich halbwegs
bewusst, dass der Aufmerksamkeit eine besondere Fähigkeit zukommt,
nämlich eine (feinstoffliche) Energie zu übertragen oder es schien ganz
einfach schicklich, die sakralen Bereiche des Lebens sorgsam
"abzutrennen" von
dem gewöhnlichen Leben und dadurch die Eigenschaft des Sakralen rein zu
halten. Man merkte, dass, wenn man es nicht tat, die (magische) Kraft
der Objekte verblasste.
Darüberhinaus steht die arche
als
Truhe oder Kasten auch symbolisch für einen Bereich des Bewusstseins,
in dem sozusagen bewahrt wurde, was zum höheren Bewusstsein führte. Das
konnte zum Beispiel der Mythos sein. Dieser Begriff Arche,
so kann man
annehmen, fand seinen Ursprung so um 2000 v. Chr. (bezogen
auf Griechenland).
Orientierungen hat jeder Mensch, es ist das, was er aufmerksam
verfolgt.
Selbst nichts zu tun,
verfolgt diese
Aufmerksamkeit (des Nicht-Tuns), nämlich die einer Absichtslosigkeit.
Hierbei muss nur bedacht werden, dass ein beabsichtigtes Nicht-Tun nur
deshalb möglich wird, weil gewöhnlich sehr vieles aus Routine getan
wird. Routinen gelten für uns heute mehr, als wie für Menschen einer
Frühzeit.
Bald mit der zunehmenden
Versprachlichung der Welt, durch das gelebte Leben, das nun nebenher
eine weitere Ordnung der Wirklichkeit erzeugte, wurde der Bereich des
magischen Bewusstseins zu einer zweiten Orientierung, zu der man die
Bindung
nicht verlieren wollte.
Nun wurde die
Lade, der Kasten, die Arche
zwangsläufig errichtet, als Institution um dadurch das Wahre, also die
Rückverbindung, den
Mythos und Kult zu überliefern: damit es nicht in Vergessenheit gerät
und als
Zugang zur anderen Wirklichkeit erhalten bleibt.
Eigentlich drückt der Mythos nur sprachlich aus, was die Menschen schon
lange Zeit vordem in ihrer Vorstellungswelt bewahrt hatten.
Andererseits
geht es beim Mythos auch um die Ausschmückung des
Hintergrundes mit sinnhaften Bezügen, das ist jene Vorstellungswelt,
die sich aus der Frühzeit des Menschen erhalten hat, jene
Vorstellungswelt, die sich als Einheitserfahrung mit der Menschwerdung
parallel ausgebildet hat. Die Welt mit ihrem Sosein, mit
dem Dasein und allen Kräften, den Naturkräften und dem Umstand, ihnen
ausgesetzt zu sein - darin erschien die Welt und das Sosein durchaus
als schaudererregend, und
ein Mythos verwischt nicht den Schauder, sondern knüpft direkt daran an
und integriert so die Ehrfurcht mit Sinn.
Aber dass dies so gemacht
wurde, ist wohl weniger mit der Leere zu erklären, die sich dem
Menschen stellte, sondern massgeblich wird das ein Gespür gewesen sein,
dass das Leben einen höheren Grund hat.
Kein
Verstand war hier ausschlaggebend, sondern Schau und das Begreifen des
Sinns (der Schöpfung und des Seins) in unmittelbarer Weise.
Selbst wenn es aus einem menschlichen Komplex des Sinnbedarfs herrührt,
so ist dieser Sinnbedarf in der Schöpfung (des Menschen) angelegt und
es hat seinen
"guten Grund", dass der Mensch sich dem Sinnhaften zuwendet.
Diese Bedeutung der arche als "Lade, Kasten, Truhe, den Blicken verborgen, geheim, exerzieren" ging über die Zeit des römischen Zeitalters dann über zu einem Ort des "Geldes". In der biblischen Überlieferung wurde es wieder zu dem "Bewahrer" des Kostbaren. Noch in der griechischen Antike wurden in den realen Truhen Idole oder magische Gegenstände verwahrt. So kann die arche als etwas angesehen werden, was dem Willen des Menschen als kostbares Gut erschien, nämlich sich in Wahrnehmung und Aufmerksamkeit darauf einzulassen. Eine Lade ist im Bezug zur (seelischen) Orientierung nun grundsätzlich alles Mögliche, es ist der Ort des "Wichtigen".
Ein Archetyp kann ein wiederkehrendes Motiv sein (Geburt, Tod): wir erleben zB eine Geburt symbolisch gesehen öfter im Leben, oder es kann sich bei einem Archetypen um eine sehr ursprüngliche Kraft der Natur oder des Lebens handeln, auch etwas Übergeordnetes, eben ein Gott (analog zu einem Erfahrungsbereich, einem Energiefeld, wahrnehmbaren Kräften, erkannten Gesetzen usw.) oder die grosse Mutter Erde und so weiter. Es kann aber auch einfach ein (seelischer) Erfahrungsgrund gewesen sein.
Ein
Mythos ist in seinem Ganzen stets ein Archetyp des Selbst (es spricht
das Selbst an).
Es wird so begriffen, dass der Mensch zum Erleben und
zur Wahrnehmung geschaffen ist und so alle Archetypen einen höheren
Sinn haben, da sie das "Leben" verkörpern.
Alle Archetypen beziehen sich im Grunde auch auf diese innere
Wirklichkeit, weil es stets der Mensch ist, der Archetypen wahrnimmt,
ob das Landschaftsformen sind oder Naturphänomene (zB Wind oder Sonne)
-
ausserdem spiegelt sich das Innere, stets im Äusseren, das Oben wie
Unten (analoge Entsprechungen sind nicht zufällig solche, sondern sie
sind analog, weil die Schöpfung so angelegt ist, dass dies so
beobachtbar ist); - so gesehen
kann man gewisse Wirklichkeiten
allein aus den Archetypen heraus definieren, die
dabei erlebbar werden.
Ein Kult stellt eine Lade dar, aus der gewissermassen das
magische
Ritual und die Zeremonie entnommen wird, um sich dem Ganzen
zuzuwenden, der
Erfahrung des All-Eins, der Erfahrung des Kosmischen, der Erfahrung der
Energie, des pulsierenden Lebens und der magischen Kraft, die
Beeinflussung der eigenen lebendigen Energie oder dem Bewusstseins der
seelischen Erfahrung.
Darin liegt die
Aufforderung zum Reinen, zur Annäherung an das Göttliche, die
Unbeflecktheit, was alles im eigentlichen Sinne nichts anderes ist als
die Befreiung vom Störenden und die Erweckung des Bewusstseins.
Opferkulte oder Reinigungszeremonien sind nicht einfach nur symbolische
Handlungen, sondern sie setzen eine Energie frei, eine kultische, eine
initiatorische
oder einfache eine der reinigenden Art, der zielgerichteten
Art, der seelischen Art.
Eine (kultische)
Gemeinschaft kann zusammen kommen und diese Energien potenzieren.
Andere Kulte, Myterienkulte, die eine bestimmte Göttin oder
bestimmten
Gott dienen, sollen ebenfalls eine solche Energie freisetzen, für das
Leben
der Teilnehmenden. Man lädt sich mit der Kraft auf, stimuliert sich und
verdichtet seine eigene Energie mit dieser Kraft, und sorgt für
Kontinuität der Erfahrung über den Kult
hinaus. Wir kennen es alle: ein besonderes Erlebnis, und sei es nur
ein Urlaub, wird uns noch lange nach dem Erlebnis berühren können, wir
erinnern uns, fühlen uns zurück in die Stimmung, die wir während des
Urlaubs hatten. Das ist zwar nur ein vages Beispiel, aber es soll diese
Kontinuität des Erlebens vor Augen führen.
Im Sinne der bewusstseinsmässigen Anlage des Menschen, handelt es sich dabei einfach nur um einen Rythmus der Wiederkehr, der auch in seinem negativen Aspekt für die Routinen und den sogenannten Alltagstrott sorgen kann, bis hin zu Depressionen, "wo wir etwas in uns über längere Zeit hinweg hineinfressen".
Um die Archetypen besser zu verstehen, lohnt ein Blick auf lang zurück liegende Zeiten. Wir nähern uns dem Mythos (besser: der Vorstellungswelt) des Frühmenschen, und könnten vielleicht dadurch besser die Mythen der antiken Griechen und aller anderen Völker verstehen, denn es handelte sich immer schon um archetypische Wahrnehmungen, die dem Mythos zugrunde liegen.
Der Frühmensch zeigt
schon einige Arten archetypischen Gewahrsein: ausgedrückt zB in der
Venus von Willendorf (25.000 v. Chr.) und den Felsmalereien (ab 30.000
v. Chr.).
In dem einen Archetyp geht es um die Fruchtbarkeit, im
anderen um die Jagd.
Ein Grundarchetyp liegt in der Schöpfung und des Seins an sich. Dass man sich innerhalb eines grossen Ganzen als eigene (einzelne) Identität erlebt, regt zum Schaudern und zur Erfahrung des Numinosen an. Selbst wenn dieses Begreifen einer eigenen Identität zunächst nur sehr vage war, die begriffliche Abstraktion war zu dieser Zeit sehr wahrscheinlich dem Menschen noch nicht gegeben, so empfand sich der Mensch mit Sicherheit als Teil eines grossen Ganzen.
Ausserdem ist es für uns heutige Menschen äusserst
sinnstiftend, eine
Vorstellung darüber zu
bilden, was den Menschen lange Zeit beschäftigte, und was in ihm heute
noch eingebrannt ist, und zwar als Erbe einer hundertausend
Jahre
langen Art des Umgangs mit sich und dem, was man Welt nennen kann.
Eventuell beziehen sich sogar die Mythen der Schöpfung auf diese
evolutionären Abläufe, die durch die Visionäre bzw. den Mythen, die
mit der Zeit entstanden, wiedergespiegelt werden könnten (wenn es auch
einer gewissen Vorsicht bedarf, nicht den Fehler zu machen, alles eins
zu eins übersetzen zu wollen).
-frühmoderner homo
sapiens: etwa 70.000
-moderner homo sapiens: etwa 40.000-33.000
- Mittelpaläolithikum:
etwa 130.000
- Jungpalöolithikum: 40.000
- Neolithikum: 10.000-8.000
- Urmensch bezieht sich
auf den Menschen vor 35.000 Jahren, also auch
auf Menschen vor 2 Mill. Jahren.
- Frühmensch bezieht sich auf den Menschen seit etwa 35.000-10.000
Jahren.
Man
kann nur zu den Zahlen greifen, die uns die
Wissenschaftler vorlegen.
Irgendeine
Plausibilität wird darin schon liegen, irgendeine Berechungsgrundlage.
Letztlich irgendeine Schätzung aufgrund von Wahrscheinlichkeiten.
| 15 Mrd | Entstehung des Universums durch Wasserstoff-Gaswolken |
| 10 Mrd | jetzt erst der Urknall: Urmaterie auf engstem Raum im Uratom (Ylem) wird explosionsartig auseinander getrieben |
| 9 Mrd | die ersten Galaxien entstehen |
| 5 Mrd | unsere Milchstraße entsteht und damit unser Sonnensystem; ein dichter Nebel mit Staub und Materie bildet sich um die Sonne |
| 4 Mrd | Die Erde entsteht, allmählich kühlt die Oberfläche ab |
| 3 Mrd. | PRÄKAMBRIUM, früheste Erdformationen. Urkontinente und Urmeere (durch Kondensieren des Wasserdampfes). |
| 2.5 Mrd | Frühe Lebensformen (Blaualgen). Vor 2.1 Mrd Jahren die ältesten Gebirgsbildungen und Ozeanbecken. |
| 1 Mrd | Weitere Gesteinsbildungen und Urtiere im Meer, Vielzeller (Radiolarien, Medusen), Würmer, Gliederfüßler |
| 650 Mill | Erste Eiszeit in Nordamerika und Südafrika. Vor 600 Mill. Jahren weltweite Eiszeit. |
| 570 Mill |
PALÄOZOIKUM, mildes und subtropisches Klima, dann warm-trocken. Reiche Tierwelt im Meer (ca. 2000 Arten). Vor 540 Mill Jahren relativ hohe Temperaturen. Schnecken, erste kieferlose Wirbeltiere, erste Gefäßpflanzen.Vor 395 Mill Jahren Übergang des Tierlebens auf das Festland. Zurückweichen des Meeres. Erstmals Lungenatmung. Erste Landpflanzen wie Farne und Halmpflanzen bis 18 m Höhe, Plize, Bärlauch, Schachtelhalme. Vor 345 Mill Jahren feuchtwarmes Sumpfklima. Große Insekten, Lurchen und Reptilien. Aus den vorhandenen Farnen, Halmpflanzen und anderen Pflanzen bildet sich ein erster Urwald. Vor 280 Mill Jahren Frühform heutiger Meerestiere und Pflanzen. Nacktsamer herrschen vor (Gingko). Nadelhölzer. Es treten Vorfahren der Säugetiere auf. |
| 225 Mill |
MESOZOIKUM, ausgeglichenes Klima. Starke Vulkantätigkeit. Dominanz des Gingko-Baumes und der Fächerpalmfarnen. Im Meer bilden Kalkalgen grosse Riffe. Erste Säugetiere, Reptilien entwiceln sich weiter (Krokodile, Schildkröten) und erste Raub-Saurier. Ammoniten. Vor 136 Mill sind die Saurier entwickelt. Der Luftraum wird erstmals von Wirbeltieren bevölkert, erster Urvogel und Flugsaurier.Vor 136 Mill Jahren bedeckt das Meer grosse Landmassen, zum Neozoikom hin entwickelt sich das Leben weiter: Umschichtung der Tier- und Pflanzenwelt. Blütenpflanzen entstehen. Säugetiere entstehen weiter, Knochenfische. Erste Laubbäume. |
| 65 Mill |
NEOZOIKUM, heutiges Erscheinungsbild der Erde bildet sich heraus. Riesige Lavaergüsse (Basalt) auf dem Festland. Entfaltung kleinerer Säugetiere, dann Raub- und Huftiere nach dem Aussterben der letzten Saurier. |
| 54 Mill | Erste Primaten (Halbaffen) und Ausbildung des räumlichen Sehens. Nagetiere und Raubtiere. Gürteltiere. |
| 37 Mill | Nun
entwickeln sich weitere Säugetiere, zum
Beispiel die Kaninchen, Pferde, Esel, Rinder und die ersten
Menschenaffen treten auf. 20 % der heutigen Tierarten. |
| 7 Mill | 80 % der Tierarten. Der Mensch geht allmählich aus dem Tier hervor. Letzte Epoche milden Klimas vor der zweiten grossen Eiszeit. |
Es fällt auf, dass die Entwicklung der Erde und der Evolution langsam begann, und allmählich forschritt, es dann aber - von der Zeit her betrachtet - zunehmend beschleunigt wird, wahrscheinlich durch die Prozesse verursacht, die einmal der Kosmos, dann die Erde (bes. klimatische Bedingungen) und schliesslich das Leben selbst hervorruft.
Man rechnet damit, dass der Vorläufer aller späteren menschlichen Gattungen mit dem Australopithecus um 7 Mill. Jahren vor unserer Zeit auftauchte. Der älteste archäologische Fund (Australopithecus) stammt erst aus etwa 3 Mill. Jahren vor unserer Zeit. Es folgte entwicklungsgeschichtlich der homo habilis (etwa 2,5 Mill Jahre) und der homo erectus vor 1,7 Mill Jahren. Zu dieser Zeit (homo habilis) kann man ersten Werkzeuggebrauch vermuten, aber noch keine Herstellung von Werkzeugen.
Dass der Mensch vom Affen abstammt,
sollte man wohl nicht zu wörtlich nehmen, da es vielleicht vor 26
Millionen Jahren einen uranfänglichen Keim und Ursprung (Urgattung)
gab, dann Menschenaffen und Hominiden (Australopithecus)
sich aber
abzweigten und in langen Zeiträumen unabhängig voneinander
entwickelten.
Der Australopethicus
nahm bereits die Hände vom Boden, in leicht gebückter Haltung bewegte
er sich ohne die Hände am Boden fort.
Manche Wissenschaftler nennen die Jahreszahl 110.000 für den
ersten Fund
eines (annähernd modernen) Menschen, andere auch die Jahreszahl
160.000.
Der Vorläufer dieser dem Menschen sehr nahe kommenden Art, war der
Hominide homo erectus.
Die Wissenschaftler unterteilen oft den homo sapiens
in zwei Kategorien, und meinen damit eine Frühform des modernen heute
anzutreffenden Menschen (160.000-70.000) und den echten homo sapiens,
auch in der Verdopplung homo
sapiens sapiens genannt, der um 40.000 deutlich auftritt.
Man kann aber auch anscheinend den homo
erectus in dieser Weise differenzieren und den Menschentyp
um 160.000-70.000 einer Spätform des homo erectus
zuordnen.
Erst um 40.000 beginnt der Menschentyp aufzutauchen, der den heutigen Menschen biologisch ähnlich ist, und ab 10.000 bis heute hat sich keinerlei gewichtige Veränderung mehr ergeben, so dass um 10.000 v. Chr. alle heute lebenden Rassen des Menschen schon ausgeprägt waren.
Einigkeit herrscht darüber, dass der Neandertaler dem Menschen sehr ähnlich war, aber der Mensch nicht aus dem Neandertaler hervorging sondern der Neandertaler zusammen mit dem homo sapiens eine parallele Entwicklung aus einem gemeinsamen Vorfahren (homo ercetus) bedeutete, und dass der heute lebende homo sapiens etwa 40.000-33.000 Jahren vor unserer Zeit seine Ausprägung fand.
Der Neandertaler soll um 70.000 nur in Europa
existiert haben. Einige Skelette von Neandertaler wurden auch in
Griechenland gefunden. Der homo
erectus hatte sich auf der ganzen Welt verbreiten können.
Der Neandertaler soll bis zu 30.000 oder 40.000 Jahre (vor
unserer Zeit) parallel neben dem modernen
homo
sapiens bzw. Menschen gelebt haben und um spätestens 35.000
ausgestorben sein - das Besondere am Neandertaler ist, dass
er sich mit Sicherheit nicht mit dem heutigen Menschen
vermischt
hat, sondern unabhängig von diesem existierte und dann ausstarb;
- während nach weitgehend einhelliger Überzeugung der Wissenschaftler
der homo sapiens zu verfeinerten Überlebenstrategien fähig war.
Der Neandertaler scheint nach Meinung
einiger Wissenschaftler keinerlei künstlerische Fähigkeit zur
Gestaltung wie
Dekoration oder Höhlenmalereien vorzuweisen. Andere Wissenschaftler
dagegen betonen den Fund von Malmaterialien neben den Funden von
Neandertalern und schliessen aus den
Funden von einfach hergestellten oder bearbeiteten Gegenständen ein
ziemliches Geschick des Neandertalers.
Es wird so sein, dass
seine Kunst sich vorwiegend auf das Bemalen seines eigenen Körpers
beschränkte und auf die Dekoration mobiler Gegenstände
richtete. Auch die Frühform des homo
sapiens,
der um 60.000 lebte, wird seinen
Körper ebenso wie Gegenstände bemalt haben. So gesehen haben
Neandertaler und homo sapiens anscheinend zeitgleich über ein
entsprechendes Niveau verfügt.
Das
Leben braucht für den modernen
homo-sapiens
kein
grausam-barbarisches oder kannibalisches,
schlachtenreiches gewesen sein, sondern könnte einige Ähnlichkeit mit
heutigen Nomadenstämmen gehabt haben: Diverse Sippen zogen umher, und
könnten
auch - wenn auch selten - eine Art primitiven Tauschhandel betrieben
haben. Während andererseits eine natürliche Fremdheit gegenüber anderen
Sippen existierte, die sich vielleicht in einer Weise ausdrückte, dass
man sich einfach aus dem Wege ging.
Man muss
bedenken, dass jeder Wandel kultureller Art nur allmählich vonstatten
geht, wenn auch nach einer langen Phase der Vorbereitung und
"Vorahnung". Dann kann eine exponentielle Steigerung der
diesbezüglichen
Aktivitäten stattfinden.
Sicher gab es wilde Triebe, also Eifersucht und ähnliches (Futterneid?), und dadurch eine Art spontanen Mord oder Vertreibungen. Wir können über diese "Wildheit" nur spekulieren.
Umso näher man der
sogenannten neolithischen Revolution kommt (18.000-10.000 v. Chr.) -
gemeint ist der Beginn des Ackerbaus und der Viehzucht bzw. das
sesshafte
Leben - werden auch immer mehr Tätigkeiten und Gegenstände der
späteren Zeitepoche im Vorab bereits sporadisch auftauchen.
So wurde
Ackerbau schon etwa 18.000 sporadisch betrieben, und dann erst ab
10.000 kontinuierlich.
Weiterhin kann man all die Dinge, die ab 8.000 v. Chr. zur
Regel
wurden, aufzählen: Werkzeuge, Töpfe,
Keramiken, verfeinerte Werkzeuge, komplizierter Fallenbau (einfache
Fallen soll es schon 30.000 gegeben haben), Schmuck, Horten und Handel,
all das, tauchte vorher gewiss schon sporadisch auf. Schliesslich
Beziehungen - wer weiss zu beurteilen, wann man
bezüglich der monogamen Beziehungen begann die Heirat als
Zeremonie einzuführen?! Mit dem
sesshaften
Leben (anno 10.000-5.000) oder schon weit davor? Jedenfalls mag in der
Frühzeit des Menschen die monogame Lebensweise nicht weit
ausgeprägt und vermutlich nur auf die ersten Jahre beschränkt
gewesen sein (Aufzucht der Nachkommen).
Anfänglich (25.000?) mag es so
ausgesehen haben,
dass vielleicht Inzest in einer umher ziehenden Sippe nicht besonders
verhindert
wurde, oder aber durch einen Instinkt (?) - eine Art
Berührungsfremdheit - in der
eigenen Sippe hervorgerufen wurde, wenn auch ein Mann sich einfacher
darüber hinweg gesetzt haben konnte, als wie die Frau; - doch der Reiz
gegenseitiger Anziehung wird bei Leuten aus verschiedenen Sippen
wahrscheinlich tendenziell immer grösser sein, als wie im Geruch der
eigenen Sippe den Partner zu finden. Es kann natürlich sein, dass man
auch einfach zu denen kam, die einer Sippe angehörten, es ist
schwer zu beurteilen, wie gross eine gemeinsam umherziehende
Sippe überhaupt gewesen sein
mochte. Man nennt Zahlen in der Größenordnung von 10 - 50.
Schliesslich begegnete man gewiss auch anderen Sippen, und sah "die" Frau. Es konnte sich vielleicht nun um einem archaischen Reflex des "begriffenen Besitztums" der Sippe gehandelt haben - die Fruchtbarkeit ging ja mit dem Abgang der Frau fort, man tauschte die aus der Sippe verloren gehende Frau gegen Gegenstände, und irgendwann, umso näher man dem Neolithikum kommt, wurde daraus eine verfeinerte Beziehung zwischen den Sippen, eine kultiviertere Art des Umgangs etc. mit Tauschhandel - bis zum Tanz und des begriffenen Anlaßes zur Freude oder Heiterkeit, der sozialen Errungenschaft des entwickelten, aus dem dunklen archaischen Bauch heraus gehobenen strahlenden Mitgefühls.
Feuer entand wahrscheinlich durch Wald- oder Buschbrände, durch Sonneneinstrahlung oder durch Blitze hervorgerufen und es wurde dann in Höhlen gebracht. Weil man selbst kein Feuer bilden konnte, liess man anscheinend das Feuer nicht ausgehen, was vielleicht die 6m dicke Kohleschicht in einer Höhle erklärt, die auch durch andere Funde auf etwa 600.000 v. Chr. datiert wird; und es gibt weitere Funde, die auf Feuernutzung hindeuten, worüber sich Wissenschaftler einig sein wollen, dass sie auf diese Zeit datiert werden können (man kann aber auch zweifeln an der suggerierten Genauigkeit dieser Messungen). Damit wäre eine Grenze zwischen Tiermensch und Mensch, der das Feuer zu bändigen lernte, bei circa 600.000 Jahren.
Es
ist in allen Erscheinungen des Kosmos eine Achse der Entwicklung
erkennbar, deren Sinn in der Menschwerdung liegt (nach
Teilhard
Chardin). Dies scheint die Innenseite der Dinge zu bedeuten, aber der
springende Punkt ist nicht, wie man mit der Herausbildung des
Verstandes meinen könnte, die Sprache oder Kultur, sondern der
springende Punkt ist allein die
Wahrnehmungsfähigkeit.
Sprache und Kultur schafft Differenzierung und Vielfalt
und erweitert prinzipiell die Wahrnehmung. Das fehlende Bindeglied in
der Entwicklung vom Tier zum Menschen kann - so T. Chardin - in der
Ansicht gefunden werden, dass im Uranfang schon alles ("dunkel")
vorhanden in Szene gesetzt war.
Aus der kosmischen Sphäre entstand das
Sonnensystem, aus dem Sonnensystem folgten die Planeten und es gab ein
organisches Band (Sonnendistanz der Erde), auf dem der Planet Erde das
Leben hervorbringen konnte. Aus
einer Probiosphäre ging die Biosphäre (Lebenssphäre) mit ihrer Fauna
und Flora hervor: hier schon bildet sich nicht erst als Keim die
Bewusstseinssphäre, diese ist vielmehr als einfacher Reiz und Gegenreiz
bei den
ersten Vielzellern vorhanden und mit den ersten weiter entwickelten
Tieren folgt die Gehirnausbildung. Der Mensch wird nun ein
folgerichtiges Produkt und kann anders als das Tier, ein Bewusstsein
über sich selbst entwickeln. Die Frage nach dem Sinn von Ereignissen,
Handlungen oder Prozessen (Geburt, Leben und Tod) taucht auf.
Nun
ensteht der Sinn für Kulte, bald die Zeremonien und irgendwann der
Mythos - und nicht als blosser Zeitvertreib sondern als
lebenswichtige Zutat; der Mythos ist eng
verbunden mit diesen archaischen Reflektionen, und das alles ist noch
immer auf der Wahrnehmung gegründet. Diese Kulte und
Zeremonien
bilden
sich nur heraus, indem Bewusstsein zunehmend entsteht, nicht
Reflektion, sondern Bewusstheit! Bewusstsein über sich selbst, über
andere, über alles.
Primäre Tätigkeiten und Wahrnehmungsfelder des Frühmenschen drehten sich um die Beschaffung von Nahrung, Sexualität (ein mächtiger Impuls für den Frühmenschen, den man vermutlich nicht unterbewerten darf), Aufzucht der Nachkommen, Begegnung mit anderen, Konflikte mit anderen (einzelnen oder unter Sippen), Schutz, das Suchen und Bauen von Obdach, Gebrauch von Werkzeugen, Anfertigen von Werkzeugen und Waffen, Anfertigen und Tragen eines Gewandes, Bändigung und Dienstbarmachung ebenso wie Erzeugen des Feuers, lange Wanderungen, aber auch Träume und Erinnerung, Furcht und Wohlbehagen - begriffene Ängste oder erfahrene Tatsachen (instinktive Erinnerung) lösen sicherlich ein natürliches Streben nach Wohlbehagen aus.
Die Art der Wahrnehmung des Urmenschen ist uns prinzipiell heute nachvollziehbar, aber nicht vergleichbar. Nachvollziehbar, indem wir einerseits die Sprache (unser sich im Kreis bewegendes Denken ebenso wie das abstrakte Vermögen) und begriffliche Vorstellung (höhere Ebenen der Assozisation) von der Wahrnehmungsart abziehen, und die Instinkte, so etwas wie ein "Selbst" und das Körperliche als grosse "Blase" auffassen, in die der Mensch gehüllt ist, und daraus entsteht für den Urmenschen die Anleitung für sein Verhalten.
Ein
Impuls herrscht vor, der zum Nachgehen auffordert - dabei können wir
auch beim Tier erkennen, dass diese Impulse keineswegs chaotisch sind,
sondern zielgerichtet und von Bedürfnissen angetrieben.
Der Urmensch aber befindet sich im Übergang zum
heutigen Menschen, der zur Sprache fähig ist. Man kann die Brücke
zwischen Urmensch und Frühmensch darin finden, dass es dem Urmenschen
möglich war, eine Vorstellungswelt aus seinen Instinkten mit einer
ausgeprägten Wahrnehmung des äusserlich Sichtbaren zu verbinden, er
konnte nun
als Frühmensch beginnen, die Entscheidung und Wahl zu treffen,
natürlich immer noch
verbunden mit den Instinkten.
Die spätere Kunst anno 40.000 und die
Faustkeile anno 500.000 aber sind nur denkbar, indem ein passender
Stein mit einer gestaltbildenden Absicht bearbeitet wird. Diese Absicht
kann nur aus der ganzen instinktiven "Blase" eines Selbst
herrühren, als gestaltbildende Absicht.
Eine mögliche aber nicht gesicherte These: Das Unbewusste
kann erst entstehen, nachdem die Sprache und bewusste Wahl und
schliesslich das Tabu (kulturell-sozialer Art) entsteht und damit die
mögliche Verdrängung; - der Urmensch
lebt gewissermassen noch völlig im Einklang mit seiner Selbst.
Der Australopithecus
(vor 2-5
Millionen Jahren) ernährte sich, wie man wohl aus dem Schädel und
Kiefer schloss, vorwiegend von Pflanzen. Knackte harte Nüsse und
dickschalige Früchte.
Der Eiweißbedarf könnte durch Verzehr von
Insekten gedeckt worden sein. Es kann sein, dass diese Gattung Mensch
auch noch das verzehrte, was von Raubtieren übrig gelassen wurde oder
dass er wenig
wehrhafte Tiere erlegte. Ein kräftiges Grabwerkzeug (für die
Nahrungssuche)
erwies sich da vielleicht auch als Totschlagwerkzeug.
Spätere Gattungen des Menschen wurden beweglicher, geschickter und
betrieben mehr und mehr die Jagd erst nach kleineren Tieren, dann aber
nach
sehr viel grösseren (im Verbund der Gemeinschaft von Jägern einer
Sippe).
Wann die komplexe
Sprache
aus den ersten Lauten oder einer rudimentären Verständigungssprache
entstand, ist unter
Wissenschaftlern ungeklärt. Ich gehe davon aus,
dass dies sicherlich nicht vor 15.000-12.000 Jahren geschah und sich
nur sehr
langsam entwickelte. Eine Bedingung könnte das sesshafte Leben (ab
10.000) gewesen sein, wo sich über längere Generationenfolgen an einem
lokalen Ort erst Begriffe und schliesslich
durch Wiederverwendung
von Begriffen durch viele Menschen auch Differenzierungen bilden
können.
Mit 8.000
Jahren frühestens sind die ersten
komplexeren Anordnungen von Schriftzeichen gegeben, womit eine Sprache
gesichert scheint ab dieser Zeit.
Sprache entsteht nicht erst mit der kompetten
Ausbildung eines dafür vorgesehenen Moduls (Sprachzentren im Gehirn),
sondern kann sich auf eine Ebene zurückführen lassen, die mit den
Instinkten (instinktive Verständigung), Wollen, Wahrnehmung und
ähnlichem schon zusammenhängt.
Die ganze Wahrnehmung ist schon eine Art Sprache. Balzverhalten bei
Tieren kann als eine Sprache angesehen werden, Instinkte sind eine Art
Sprache. Es wird Bedeutung gegeben und es wird Bedeutung gesucht.
Damit verbunden ist auch zwingend, dass man dieselbe Sprache spricht, ein Übereinklang muss entstehen. Bis dahin lebt der Mensch in einem Wahrnehmungsfeld seines Inneren, er weiss, was er fühlt und für Eindrücke hat. Sprache soll Sinn machen, etwa genauso, wie Ereignisse (Tod) Sinn machen sollten. Zwist und Uneinheitlichkeit zB in Beziehungen ist nun auch eine Dimension, die wahrscheinlich sehr viel Einfluß auf die Entwicklung des Bewusstseins gemacht gehabt haben müssen.
Das Bezugsystem zwischen einem "Ich" bzw. Eigenem und einem Aussen bzw. Fremden findet auch in der Beziehung des Jägers mit seiner Beute statt. Weiter auch in Bezug zu erkannten Feinden, die vielleicht als menschliches Gegenüber bestanden; - wer weiss zB, wie die Menschen auf Eifersucht reagierten. Das Gefühlte und der Instinktgrund muss etwas Intensives gewesen sein, dass lässt sich behaupten, indem man den Urmenschen anno 1000.000 vor allem noch in der Nähe seines Ursprungs des Tieres sieht, von dem er sich nur langsam bis zum heutigen Menschen entfernte.
Übertragen
auf den Menschen wird nun klar, wie weitreichend das Bezugssystem
zwischen einem Eigenem und dem Fremden geht, und wie sehr in die
Wahrnehmung verwoben letztendlich die Eindrücke von Aussen und Innen
für die wahrnehmende Kreatur sind.
Es ist nicht auszuschliessen, dass gestaltbildende Prozesse des Selbst
(des Instinktbereiches) von anderen wahrnehmbar sind, und so eine Art
Telepathie (natürlich ohne begriffene Gedanken, sondern in bildhafter,
ganzheitlicher Art) lange Zeit ein Kommunikationsmittel darstellte. So
wie wir uns bewegen und Haltungen einnehmen, drücken wir innere
Absichten und Intentionen aus,
und wenn es keine andere Kommunikationsmöglichkeit gibt, bildet diese
körperliche Sprache die einzige! Uns fehlt heute das Gespür für die
körperlichen unwillkürlichen Gesten, aber wir sollten nicht meinen,
dass, nur weil wir kein Gespür mehr für dieses ummittelbare
Verständnis haben, wir die Lügen eines Gegenübers nicht mehr deuten
können, die Menschen der
Urzeit ja nur noch primitiver sein müssten. Es geht
nicht um irgendeine
Primitivität, sondern vermutlich eher um die Notwendigkeit, sich
irgendwie zu verständigen bzw. zu verstehen. Und ohne Sprache, auf die
man sich festlegen kann, ist der Druck zum verstehen-müssen
noch grösser und die Wege unmittelbarer.
Der Neandertaler und der Mensch derselben Zeit (70.000), kannten schon einen Totenkult, und sie legten den Verstorbenen Gaben ins Grab - zB Waffen, Nahrungsmittel wie Pflanzen, Kräuter, auch rote Ocker (Erdfarben) usw. und angefertigte Gebrauchsgegenstände.
Zunächst wurden die Toten begraben (also nicht mehr liegen gelassen), ein paar tausend Jahre später kamen die Grabbeigaben und schliesslich wurden die Toten in Hockstellung beerdigt; - die Toten wurden zudem mit rotem Ocker gefärbt und manchmal reich geschmückt (40.000-25.000 v. Chr.). Man nimmt an, dass die Toten begleitet durch Zeremonien oder Kulte beigesetzt wurden. Es wurden auch Musikinstrumente in den Gräbern gefunden (18.000) und nach dem Wikepedia Eintrag zu urteilen, könnten die Menschen zu dieser Zeit vom Toten in einer Art Tanz Abschied genommen haben.
Mit
dem Tod scheint schon für den Frühmenschen eine Art Ahnung gegeben
worden zu sein, "was nämlich konkret zu tun ist" im Fall des Todes:
denn wie erklärt man
die Grabbeigaben ab 75.000 v. Chr. hinreichend?
Diese Beigaben als archaischer Totenkult spiegeln eine halbwegs
"bewusste" Handlung wieder, die
sich nicht um Nahrung, Obdach oder ähnlich zwingenden Notwendigkeiten
drehen.
Es ist entweder eine Art Bewusstsein, eine Reflektion oder eine Ahnung
darüber, was jetzt zu
tun ist
- aber es kann sich kaum um vernünftige Überlegungen gehandelt haben,
es sind vor allem Impulse, die hier massegeblich sind, und die auf den
Menschen eindrucksmässig einwirken, und ihn eine Art neue Notwendigkeit
vorführen.
Wir Heutigen sehen nur das Sichtbare und das, was der
Verstand als ein Abbild der Welt erzeugt. Wir sollten nicht vergessen,
dass wir auch
heute Grabbestattungen in erster Linie für uns selbst tun. Es geht in unsere
Wahrnehmung ein. Aber dass eine annehmbare Bestattung vielleicht auch
mit dem Loslösen der Seele von der materiellen Existenz zu tun haben
könnte, kann man gewiss in die Überlegungen mit einbeziehen.
Wir sehen sogar unsere eigenen Instinkte
nicht mehr klar, haben die Verbindung zu diesem Urgrund verloren und
halten uns mit dem auf, was Gedächtnis und Reflektion zustande bringt
(Ich-Bewusstsein) und was sich dennoch noch hintergründig mit
Instinkten
vermischt (Krankheiten können so viel eher entstehen, weil ein
Ungleichgewicht nicht instinktiv und früh genug behoben werden kann).
Der
Frühmensch hatte weitestgehend nur einen medial anmutenden Urgrund der
Erfahrung augenblicklicher Wirklichkeit und dem Erkennen gewisser
Notwendigekiten
(zB Nahrung), was beinahe als Instinkthandlung dann zur Jagd und zum
Sammeln von Nahrung führte.
Wie erklärt man aber die Grabbeigaben? Noch finde ich keine zufriedenstellende Antwort: es kann sich um eine letzte Gunsterweisung handeln, vielleicht vermisst man aus Trauer den Verstorbenen und ruft so noch einmal eine Freude hervor (es gibt vereinzelte Berichte über Tanzspuren an den Gräbern); es erinnert mich auch daran, dass in manchen Kulturen (Naturvölkern oder in Afrika) der Tod eines Menschen mit einer akzeptablen weil angemessenen Freude verbunden wird und wurde - wie man sich des Lebens freut, weil einem vorgeführt wird, wie vergänglich das Leben ist; und zwar freut man sich in einer dankbaren Weise, als ob der Tote einem diesen Wert vorführte, so spielt man ihm also diese Freude vor, dem Toten. Ob das aber für den Frühmenschen gilt? Wie erklärt man sich den Bezug zur Musik, falls denn wirklich keine Fälschung oder ein Irrtum in Bezug zu den aufgefundenen Artefakten vorliegt?
Es kann sich bei den Grabbeigaben auch darum handeln, dass man
das Leben des Verstorbenen in der Erde oder sonstwo sich vorstellte,
wie es ja bei manchen späteren Kulten gang und gäbe zu sein scheint.
Unsere heutigen Totenfeiern erfüllen einen ähnlichen Zweck und sogar
manch zeitgenössischer Glaube knüpft an eine vielleicht
archaische
Vorstellung oder Wahrheit an, dass die Toten noch
das Begräbnis mitbekommen, also"wahrnehmen" (als Seele gegenwärtig
sind). Ich selbst habe vor einiger Zeit den Tod eines Freundes erlebt:
Als dieser starb, in der Nacht und ich im Halbschlaf lag, nahm ich
plötzlich eine Erscheinung war, die in meinem Dämmerzustand vielleicht
eine Armeslänge von mir entfernt empor schwebte, es war nicht diese
Wirklichkeit, sondern sozusagen eine Zwischenwelt in der dies mir
sichtbar wurde, und ich wusste, dass
es mein Freund war. Mir war nun auch klar, dass er verstorben war.
Diese Erscheinung, Entität strahlte "reine",
seelische Freude aus. Er bewies mir vielleicht auf diese Art Abschied
noch einmal die Bedeutung unserer Bekanntschaft und es war für mich ein
grosses Geschenk, eine Gnade, die mir durch diese Wahrnehmung zuteil
wurde, denn jetzt wusste ich wirklich, dass die Seele beim Tod den
Körper verlässt. Am nächsten Morgen war ich nicht überrascht, als der
Anruf kam.
Kann man nun (auch einzelnen) Visionären oder Begnadeten der
Frühzeit nicht ähnliche Wahrnehmungen zutrauen?
Es kann sich auch darum handeln, dass man die Gegenstände, die dem Verstorbenen gehörten, nicht mehr mit sich herum tragen wollte, weil sie keinen Reim mehr machten, da sie dem Verstorbenen gehörten; - oder weil sie nicht den eigenen Bedürfnissen entsprechen konnten (ratioanlistische Erklärung). Am wahrscheinlichsten ist aber die Gunsterweisung bzw. eine Handlung, dem Toten noch etwas mitzugeben auf seiner Reise. Denn dies taucht auch in späteren Mythen und Kulturen immer deutlicher auf.
Viele Forscher meinen, es sei damit schon ein Bewusstsein für eine Art "Reise" und Wiedergeburt gegeben, was man tatsächlich nicht ausschliessen kann - dann muss dies aber auf einem zwingenden Grund zurückzuführen sein, denn irgendwie muss es für die Wahrnehmung als sinnvolle bzw. notwendige Handlung erscheinen, und zwar so weitreichend, dass man dem Verstorbenen in dieser Weise einen Dienst erweisen will. Irgendwelche Impulse aus dem Inneren oder aus den Vorgängen der Wahrnehmung (Anschauung) müssen dem zugrundeliegen. Das kann auch eine akkumulierte Wahrnehmung von Prozessen und Geschehnissen gewesen sein, so dass man aus dem Ablauf der Schöpfung auf eine höhere Ebene schloß oder sich dieses "Bild" einfach ergab.
Es kann mit diesem Bestand der Erfahrung (Tod) etwas
grundsätzliches (Bewusstsein über Wiederkehr) angerührt sein: Der
Mensch braucht Nahrung. Nun könnte er mit der Zeit erkannt
haben,
dass diese Dinge, die man verzehrt, allesamt wiederkehren;
ein
Beutetier stirbt, aber
es gibt immer wieder andere Tiere, die dessen Platz einnehmen.
Dass
er als Jäger die Beute nimmt,
und er überall auch tote Tiere (auch als Kadaver) bemerkt, aber diese
alle wiederkehren, wie die Pflanzen auch, tritt in
Verbindung mit dem Umstand, dass er aus einer primitiv-archaischen
Wahrnehmung heraus versucht sein könnte anzunehmen, dass alles
andere ja auch immer wieder kehrt, vielleicht tut es auch dieser Mensch
(als Mensch, und nicht als dieser Jemand, vielleicht spürte man aber
wirklich schon die Wiederkehr der Seele=Reinkarnation). Letztendlich
wird es sich, meiner Meinung nach, immer um eine Art Ganzheit oder
ganzheitliche Erfahrung und Wahrnehmung handeln, was schliesslich zu
gewissen Riten oder gebildeten und überlieferten Anschauungen führte.
Das Rätsel um einen uranfänglichen Glaubens der Menschen,
liegt auch in
der steinernen Darstellung von Frauen (Venus von Willendorf). Was
drücken die stark hervorgehobenen Brüste, der dicke Bauch und
offensichtliche Hervorhebung des Bauchnabels und die stark
oder zuweilen nur angedeutete Vulva aus? Die Menschen wissen,
dass ein anderer
Mensch aus dieser Vulva kommt.
Über die Funktion des Samens und der Begattung hatten sie noch
keine Ahnung. Das scheint zumindest wahrscheinlich, da es Anzeichen
dafür gibt, dass dieses Bewusstsein
über die tatsächliche Befruchtung tatsächlich erst etwa 4000-500 v.
Chr. auftauchte.
Es
besteht auch (selbst für uns heute) kaum ein sichtbarer kausaler
Zusammenhang zwischen den langen Zeiten zwischen Begattung,
Schwangerschaft und Geburt. Dieser Zusammenhang erschliesst sich uns
heutigen ja nur durch Forschung und meist sogar nur aus dieser
Forschung hervorgehenden überliefertem Wissen.
Menschen kommen zwar zusammen, aber die
logische Reflektion wird wohl nicht vor 15.000 wirklich Fuß gefasst
haben können - "Ganzheit" vermittelt einfach ein ganzes Bild,
in dem
die Besamung als einzelnes Element nicht zwingend genug ist, um in
einem Zusammenhang mit der Geburt erkannt
zu werden. Selbst wenn die Menschen der Früh- und Urzeit diesen Vorgang
instinktiv erkannten, musste das keine Besonderheit darstellen.
Man sah in der Urzeit einfach, dass man selbst eingebettet ist, in ein
Ganzes der Fruchtbarkeit der Erde.
Sie erkannten (bei einer Geburt) jedenfalls, dass der Bauchnabel das Kind mit der Mutter verbindet, und die Brüste der Ernährung des Säuglings dienten. Wenn sie es nicht rational erkannten, so wie wir heute etwas erkennen, so hatten sie ein Bild davon.
Die
Fruchtbarkeit wird das entscheidende Motiv zur Herstellung und der
wichtigste Inhalt sein, der bei diesen Figuren dargestellt wurde.
Es
war vermutlich auch eine Quelle der Zuversicht in einer kargen Zeit
(man befand sich in einer Eiszeit bis etwa 18.000 v. Chr.).
Es
steht aber nicht fest, was sie wirklich dachten und fühlten, was also
der Zweck war, diese Figuren herzustellen.
Dass aber Menschen geboren
werden, ist der krasse Gegensatz zum Ereignis des Todes. Der Tote liegt
da, bewegt sich nicht mehr, ist kalt und starr. Kann es sein, dass die
Frühmenschen beides - Leben und Tod -
miteinander verbanden? Stellen die "Totenkulte" eine Verbindung her zu
den Frauenfiguren?
Mircea Eliade formulierte diesen Gedanken, indem er die Toten-Rituale
heutiger lebender Schamanen untersuchte. Dabei erwähnt der Schamane bei
einem bestimmten Ritual, "dass die Grube der Uterus ist". Verschiedene
Schmuck-Steinchen, Muscheln und die Schale eines Bauchfüßlers werden
auf den Grund des Grabes gelegt.
Kann man die heutigen Naturvölker und ihre Rituale und Auffassung mit den Frühmenschen vergleichen? Der Unterschied ist immerhin die heute ausgebildete Sprachfähigkeit und andere Ausstattung des Gehirns, das komplexe Denken ist heute möglich (Mircea Eliade beobachtete ja Schamanen der heutigen Zeit). Aber vielleicht stimmt das Bild überein, dass es auch in der Frühzeit auf eine gewisse Art eine dunkle Bewusstheit über einen Zusammenhang zwischen Geburt und Tod gab. Eine Ahnung, eine tiefe Ahnung.
Das Element der Wiederkehr ist allein schon durch Erfahrung
von Tag und
Nacht gegeben (Nächte sind ungewiss; Tage sind hell und wo es hell ist,
kann man sicher sein). Der Tag ist gleichbedeutend mit der Wiederkehr
des Lebens und den Möglichkeiten am Tag, sich als lebendes Wesen zu
erfahren.
Wiederkehr
von Frühling und Fruchtbarkeit nach
einer Zeit des Winters und der Kälte (allerdings gab es zwischen 70.000
und 10.000 Eiszeiten ohne besonderen jahreszeitlichen Wechsel, also
kann das Element der Jahreszeiten erst sehr viel später als Teil einer
Erklärung herangezogen werden).
Wiederkehr der Tiere, die man
einst in der Jagd erlegt hat. Schliesslich Wiederkehr von Menschen aus
einer Schöpferquelle, der Frau.
Es wird so gewesen sein, dass dem Urmenschen (und dem Frühmenschen erst
recht) eine Art Einheitsbewusstsein
gegeben war. Er sah sich selbst mit seiner Eigenschaft Jäger zu sein
und stets
Nachkommen zu haben, in der Nähe der Tiere, die ja dasselbe taten.
Die
Pflanzenwelt kommt hinzu, und dient
ihm
als Ernährer. Sicherlich würde so ein Einheitsbewusstsein auf keiner
Reflektion zurückzuführen sein, sondern auf prompte Wahrnehmung, als
würde man sagen, besser sehen:
"es ist so." Der Urmensch sah sich als Teil des Lebens.
Die symbolisierte Fruchtbarkeit der Steinfiguren kann als eine Möglichkeit betrachten werden, wie dem Frühmenschen bewusst war, dass das Leben immer wieder geboren wurde, und wieviel davon abhängt, dass das Leben "wiederkommt". Auch spielt es eine grosse Rolle, dass die Nahrung wohl instinktiv wohl vor allem der Frau zukam, die sich um die Aufzucht der Kinder kümmern musste. Ein Kind muss zehn Jahre gewiss versorgt werden und die Stillzeit betrug wohl bedeutend länger als wie heutzutage.
Da die Toten später oft in
Hockerstellung begraben wurden, erinnert das auch wieder an diese
Embryonalstellung. Man konnte wahrscheinlich vom Eindruck her sich ein
Kind nur gerollt im Mutterleib vorstellen. Und erkannten sie
also
die Verbindung zwischen neuen Leben und der Mutter und dann
den Bezug des
Todes zu dieser Wiederkehr?
Weshalb macht man
solche Figuren? Um Kraft zu schöpfen? Vielleicht in den Zeiten, wo man
der Fülle und Fruchtbarkeit entbehren muss? Sah der Frühmensch
vielleicht in der
Frau eine Art Archetyp, die ferner auf die Erdgöttin hinweist (die über
allem Leben steht und welche Göttin alles ähnlich wie die Frau
hervorbringt und
nährt)? Die Erde, die alles hervorbringt, konnte verglichen werden mit
der Fruchtbarkeit der Frau.
Vielleicht war es tatsächlich so, dass für die Frühmenschen
der Lebende
mit dem Tod in ein "Nichts" verschwand. Aber ebenso aus dem "Nichts"
kommt auf einmal der dicke Bauch und das Kind (und bildet
neben
dem numinosen Ereignis der Fruchtbarkeit auch den Fortbestand der
Sippe; altes geht, neues kommt). Hier entsteht das Bewusstsein der
Werdung ähnlich wie man auch das Werden der Früchte beobachten konnte -
und vielleicht insgesamt die Ahnung oder Vorahnung
der Gottheit, der personifizierten oder erfahrenen, aber weitgehend
unsichtbaren Kraft, die solchen Erscheinungen wie Fruchtbarkeit
zugrunde liegt: Die Frauengottheit oder Erdgöttin.
Man kann auch tatsächlich nicht ausschliessen, dass schon diese
Menschen aus einer Art Urquell des Wissens schöpften. Das hört sich
zunächst befremdlich an, ist aber ganz banal. Die Wahrnehmung
muss eine ganz andere gewesen sein als wie die unsere: alles war
eindrücklich mit Instinkten verbunden, Vision und Gedächtnis waren
weitgehend eins, die Reflektion konnte nur sehr marginal gewesen sein,
und vielleicht ergab sich im Ganzen ein Eindruck aus dem
Selbst
hervorkommend, von einer gewissen
Ordnung herrührend (die auch heute noch aus dem Selbst heraus zur
Wahrheit führt), in der sich auch zwangsläufig die Wahrheit über die
Schöpfung
nicht als Reflektion, sondern als Eindruck wiederspiegelte. Die Erde
und alle ihre Elemente und beobachtbaren Erscheinungen drücken die
Schöpfung direkt aus, spiegeln sie direkt.
Das Selbst und die Instinktgrundlage rief ein entsprechendes Gewahrsein hervor; - diese Art der Wahrnehmung, wie auch beim Tier, ähnelt einem Träumen; - nur bei dem Urmenschen im Gegensatz zum Tier, ist die durch das Gehirn geleistete Interpretation der Wahrnehmung (mit Gebrauch der Hände) schon eine andere, etwas weiter entwickeltere, im Vergleich zum Tier.
Ab 34.000 v. Chr. beginnt die vermehrte Kunstausübung des
Menschen,
dokumentiert vor allem durch Höhlenmalereien (obgleich
wir annehmen können, dass sowohl der Mensch und Neandertaler vor dieser
Zeit geringere Dekorationen, einfachste Flächenausfüllung
oder Strichfiguren an beweglichen Gegenständen vorgenommen
haben könnte, die er bei sich trug).
Die Höhlenmalereien finden sich ab 30.000 bis ins Neolithikum
(10.000) und darüberhinaus bei Ureinwohnern bis heute.
Geographisch gesehen war die Höhlenmalerei zwischen 14.000-11.000 am weitesten verbreitet.
Zu Anfang waren die Darstellungen von Tieren unförmig und
abstrakt
(30.000).
Nun kamen erste Menschendarstellungen (25.000) und es fanden sich
bald anscheinend schon Genitaldarstelllungen der Vulva und vergrösserte
Brüste, wie sie auch bei den Steinfiguren auftreten.
Später (20.000)
wurden die Darstellung von Tieren und
Menschen, Körper und Köpfen ausgereifter, linear-stilistisch, auch
mit perspektivischer Verschiebung. Dann zunehmend
realistischer
(15.000) und mit noch feineren Verzierungen versehen. Die Qualität
nimmt nun immermehr zu.
Ab 13.000 v. Chr. finden sich sog. "Röntgenstrahlen-Malereien", die das
Innere (Organe) des Tieres zeigen.
Ab 8.000-6.000 gibt es einen deutlichen Wandel in
der Felsmalerei im Vergleich zu allen vorherigen Zeiten.
Es treten nun
Bogenschützen und auch Hunde bei der Jagd nach Tieren auf. Bilder von
Phallus und Vulva kommen nun sehr oft vor. Menschliche Paare, auch
Gruppen
von zwei Menschen, die sich gegenübersitzen (und sich zu unterhalten
scheinen).
Menschengestalten, welche
die Hände nach oben strecken. Aber auch Menschen mit breiten
Füßen, verbunden mit
Tiergestalten und Tierköpfen, die aus menschlichen Rümpfen emporwachsen
und
eine Art magischen Charakter aufweisen.
Das gemalte Zeichen an der Wand oder die malerisch-zeichnerische
Gestaltung von Steinen kann als eine Vorstufe des sprachlichen Umgangs
angesehen werden.
Dargestellt werden in den Malereien Tierfiguren, später (ab
10.000) mit
Pfeilen versehen. Es waren
Jagdbilder: Jäger die ein Tier jagen.
Dann Menschen und Hände; ein
menschliches Antlitz - zu erkennen an den Augen - wird mit tierischer
Gestalt des übrigen Gesichts versehen: eine Art Mensch mit Katzenmaske
zB. Weiterhin Vulva und Brüste, diesmal sehr viel "pornographischer".
Man kann den Stil der Felsmalereien auch auf andere gestaltete Gegenstände, Idole, Knochen oder Steine übertragen (und umgekehrt die Gestaltung von Gegenständen auf Felsmalereien übertragen).
Knochen wurden etwa um 18.000 reich und auffällig künstlerisch verziert. Mit Sicherheit gab es um 18.000 auch Musikinstrumente (Blashorn aus Knochen).
Dolme und Megalithe beginnen wohl erst um 4.000 aufgestellt zu werden, aber wahrscheinlich gibt es einfachste Vorläufer von aufgestellten (kleineren) Steinen schon ab 30.000-10.000, die sich nur nicht bis heute in ihrer Anordnung erhalten haben.
Es gibt aus der Zeit von vor 6.000 Jahren Steinfiguren, die zwei Menschen eng miteinander verschlungen zeigen, fast in einer Art Symbiose.
Der erste bedeutende Kunstgegenstand aus Stein, der jemals gefunden wurde, ist anscheinend die berühmte Venus von Willendorf um 25.000 v. Chr.
Es gab in Stein gehauene Reliefbilder, Muttergottheiten (auf jeden Fall gut beleibte Frauenfiguren), Idole, also Menschendarstellungen aus Stein, aber auch von Tieren.
Die erste gebrannte Tonfigur und Keramiken wurden bereits um 20.000 gefunden. Aber es kann sich auch um einen archäologischen Irrtum handeln (?), denn offensichtlich gibt es nur eine Fundstelle (in Mähren).
Eine einfache Magie bei der Höhlenmalerei könnte darin bestanden haben, dass man das Notwendige, Gewollte und Gesuchte zunächst bildlich malte. Suchte man ein Obdach, malte man ein Zelt (solche Malereien gab es), suchte man eine Frau, malte man eine Frau, wollte man Tiere jagen, malte man Tiere; - so wurde das Bewusstsein sozusagen erinnert, eingeübt auf die Absicht.
Magie muss man für die
Vorzeit
(also vor 10.000 v.Chr.) unbedingt in Bezug allein zur
Wahrnehmung betrachten - inklusive den Bedeutungen für das
Leben,
die die Magie hat, und wenn es darin besteht, Kraft zu speisen bei
Beschwörung einer
(unsichtbaren) Wirkkraft oder von ihr angeleitet zu werden.
Magie könnte in Bezug auf diese Menschen
ausschliesslich als psychologische Magie erklärt werden, es sei denn
man nimmt an, dass mit der psychologischen Dimension auch die
Beschwörung von ausserpsychischen Kräften einher geht, dessen Bedeutung
für das Sein oder Leben man für
jeden Menschen (also auch heutigen) nicht ganz ausschliessen mag.
So ist die Bedeutung, die ein magischer
Zweck hat, in der Wahrnehmung begründet.
Selbst wenn ich Hunger habe,
ist das eine Wahrnehmung. Ich betone das deshalb, um irgendeine Art
allzu-vernünftiger Überlegung auszuschliessen. Man sollte sich auch
nicht
täuschen, und etwa einen Mangel in der Qualität der
Wahrnehmung des
Urmenschen sehen - höchstens hatte er einen Mangel in der
Reflektion, weil wir heute zu
erweiterten Möglichkeiten (des Erkennens, Denkens und Planens) fähig
sind.
Bei ganzheitlicher Wahrnehmung, wie sie dem Urmenschen gegeben
war,
sind alle Begriffe ersetzt durch
konkret erschaute Bedeutung und
Wissen um etwas, was zu tun schicklich
scheint (man beachte die etymologische Ähnlichkeit
zwischen dem Wort
Geschick und Schicksal).
Das ist keine mindere Form von Magie, sondern vermutlich
echte und ursprünglichste Magie. Man kann diese Art der Magie auch noch
heute bei Ureinwohnern finden, und annehmen, dass es eine grosse
Ähnlichkeit zwischen heutiger (naturvölkischer) Magie und damaliger
Magie des Ur- und Frühmenschen gibt, dass es also einen gemeinsamen
Nenner gibt.
Die Darstellung von Tieren in Höhlenmalereien kann man auch als Animalismus bezeichnen. Hier wird der Bezug auf das Tier angestellt, mit dem man sich verbunden fühlt. Der Mensch kann als Lebewesen definiert werden, der sich in alle anderen Lebewesen prinzipiell "einfühlen" kann bzw. mit verbinden kann.
Etwa 80 Prozent aller Malereien sind Tierdarstellungen.
Vielleicht erkannte der Mensch in den Tieren auch nicht nur Beute
für
die Jagd, sondern spätere Malereien bilden Menschen mit Tiermaske ab,
was vielleicht auf eine Instinktnähe hindeutet, indem der Mensch in
sich eine Ähnlichkeit zu den aussen wahrgenommenen Tieren entdeckte.
Vielleicht war aber dem Frühmenschen etwas bewusst, was uns heute
erstaunen könnte: Zusammen mit dem schon erwähnten
Fruchtbarkeitsaspekt, der dem Menschen "bewusst" sein könnte, könnte
sich
auch für seine Wahrnehmung das Bild ergeben haben, dass er auf der Erde
zusammen mit den Tieren lebt, er erkennt, dass Tiere Tiere jagen und er
seinerseits Tiere jagd. Die dargestellten Tiere erscheinen oft in
ruhiger Haltung, eben nicht in Flucht, während in der Darstellung
Pfeile auf sie fallen. Das könnte allerdings direkt darauf verweisen,
dass der Jäger sich an seine Beute anschlich.
Vielleicht stellt sich hier auch ein Bild dar, dass
tatsächlich die (gefühlte) Einheit der Schöpfung ausdrückt ist, man
selbst
ist darin, genau wie die Tiere, man selbst und andere werden
sterben, genau wie die Tiere, und es kommen alle wieder. Man ist in
einem Becken, in einem Land, keineswegs abwegig scheint mir der Begriff
"paradiesische Vorstellung" zu sein (wenn man nur nicht
assoziatitiv an irgendein ideologisch fixiertes Bild denkt).
Man fühlte sich eins, so banal sich das
anhört. Nicht von der Reflektion her gesehen, sondern vom
(quasi-instinktiven) Eindruck her: alles ist in einem und man ist
selbst Teil, wie auch alles andere ein Teil dieses Ganzen ist.
Man muss unbedingt auch die Träume und die Arbeit des
Unbewussten in
Betracht ziehen. Man weiss nicht, welchen Eindruck die Träume und
dunklen Botschaften darin auf den frühen Menschen machten. Wir wissen
auch nicht, was das "Unbewusste" in dieser frühen Form des menschlichen
Bewusstseins wirklich bedeutete. Vielleicht gab es weniger Verdrängung
und weniger Komplexe.
Es kann sein,
sehr gut sogar, dass für den Menschen mit den Träumen ein Bereich
entstand, wo
ihm klar wurde, dass die Träume "in einer anderen Welt" (verglichen mit
dem Alltag) stattfinden: Wenn
er nämlich aufwacht, ist die Traumwelt nicht mehr - womit dann auch das
prinzipielle Bewusstsein
über
eine andere Welt bzw. Sphäre geschaffen sein könnte. Diese Sphäre ist
unbedingt ein Teil des Selbstes, dieser Frühmensch hat den Träumen
sicherlich mehr Bedeutung zukommen lassen, als wie wir es heute tun.
Wir
wissen nicht,
welche Inhalte in den Träumen auftauchten. Das Unbewusste wird etwas
anders geartet gewesen sein. Verdrängung mag nicht so leicht, wenn
überhaupt funktioniert haben. Denn alles war unmittelbar und die
Instinkte forderten wohl zum unmittelbaren Handeln, besonders wenn der
Grund (Antrieb) zwingend genug schien. Vieles wurde direkt "abreagiert".
Der Schlüßel scheint mir folgender zu sein: Die Zeit (als Eigenschaft) ist in einer Tendenz bei den Träumen ja aufgehoben. Wir kennen das Phänomen: Wir träumen Erlebtes des gestrigen Tages, aber auch Kommendes in der Nacht zuvor! Wenn aber alles, was wir tun, in den Träumen wiederkehrt - wer weiss, gab es dort in Bezug auf Erlebnisse also Hinweise, Bilder, weitere Wahrnehmungen, Symbole, die offensichtlich in den Träumen ja prompt gedeutet werden, was dann - bedingt durch den Umstand, dass Traum und Realität sich vermischen - durch diese Botschaften zu einer erweiterten Sicht über die Schöpfung führte und auch zum Gedanken bzw. Eindruck der Wiederkehr: Der Alltag kehrt wieder; der Trauminhalt kehr ebenso manchmal wieder, und im alltäglichen Leben kannten sie es schon: tote Tiere kehren wieder, Menschen ebenso. Das Phänomen (=Erscheinung) der Wiederkehr wurde sehr wahrscheinlich allumfassend erkannt.
Mit dem Malen von Tieren auf Wänden,
erschaffe ich die Wirklichkeit.
Eine These: In der Tat könnte das Selbst sozusagen
"programmiert" werden, um von ihm (dem Selbst) auf eine fast medial
anmutende Art und Weise zu den Tieren geführt zu werden.
Es war
vielleicht keine Vision des Ortes, wo das Tier zu finden ist,
aber eine Art
Intuition, die den Menschen dorthin führte - heute sagen wir, das
Unbewusste
"weiss alles", für den
Urmenschen muss es das Selbst an sich gewesen sein:
Irgendwoher
kam das Wissen, oder irgendwie wurde er zum Tier geführt.
Es kann
freilich auch sein, dass der Akt des Malens ihn bloß einstimmen sollte,
und es nichts mit dem Finden der Beute zu tun hat.
Aber ausschliessen kann man solche Art der "Herbeiführung des Wissens"
nicht. Da gibt es
noch Geheimnisse für den heutigen Menschen, Geheimnisse, woher das
Wissen überhaupt stammt; - aber es
gibt tatsächlich das Phänomen, dass ein Schamane oder Heilkundiger in
dem Moment,
wo er etwas sucht, nach innen lauscht bzw. sich sponrtan auf den Weg
macht, und er dann dorthin geführt wird, wo es das gibt, was er sucht
(zB
eine Heilpflanze); - dazu aber muss eine Absicht geklärt sein, man
brauchte sozusagen ein magisches Ritual, um diese Absicht
seiner Suche
zu beschwören.
Hier steht das Element der Frage im Vordergrund,
und die Antwort könnte vom Urmenschen selbst gefunden worden sein,
indem er sich durch die Malerei selbst animierte zu suchen,
zielgerichtet auf die Beuute bezogen; oder aber
auch, indem
er irgendeine Ausrichtung des Bewusstseins vornahm (Absicht), um
folglich die
leisesten Instinkte auszurichten, auf das Gesuchte Acht zu
geben:
Gerüche, die
man sonst nicht wahrnimmt, die man nun nach der "gemalten Absicht"
unbewusst wahrnimmt und von ihnen
geleitet wird, Gerüche, die von den Tieren über den Wind getragen
werden, Spuren im Sand, und es ist ja dies, was wir heute Intuition
nennen, aber auch der Insinkt ist beteiligt, noch viel mehr
das
Geheimnis: dass es vielleicht eine Art
"Äther" gibt, wo alle Informationen liegen, diese Sphäre, in der
angeblich, nach schamanischer Auskunft, alle Dinge miteinander verwoben
sind - und damit ist klar, dass es eine Art Informationsquelle gibt,
die
man anzapfen kann (die Instinkte könnten für den Urmenschen massgeblich
gewesen sein, um eine Verbindung zu diesem Äther herzustellen um an
Wissen zu kommen, er war eins mit sich, es kann gar nicht anders sein,
und damit war er auch der Urquelle des Äthers nahe)
-
der Urmensch wusste nicht, was er tut, aber sein Instinkt
führte ihn dann (vielleicht) zum Tier; oder andererseits, etwas
rationaler: die Felsmalerei könnten als eine
Art Gebet aufgefasst werden, die folgerichtig Einfluss auf sein ganzes
Selbst hatte (welches Selbst mit seinen Instinkten dann zu den Tieren
führte).
Es kann als weitere Möglichkeit aber wesentlich von Bedeutung sein,
dass es hier
ausschliesslich um ihn selbst geht: Der Jäger formt sich eine
Absicht zu jagen, indem er die Beute durch Malen sich bewusst macht und
folglich mehr Erfolg im Jagen erwarten kann. Es gibt Berichte von
luziden Träumern (aus der Neuzeit), die in ihren Wach-Träumen jene
kunst - oder handwerklichen Dinge des Alltags vorwegnehmen, sich im
Traum auf diese Dinge einstellen und sie üben, wenn sie dann in dem
Alltag an die physisch tastbare Wirklichkeit herangehen, knüpfen und
verknüpfen sie das im Traum geübte mit der Realität. Luzide Träume sind
eine Art Traum, in dem man sich wie im Alltag mit Absicht bewegen und
verschiedene Dinge genau planen bzw. behandeln kann. Man träumt
sozusagen eine Wirklichkeit.
Insofern, weil man eine Art besonderes Bewusstsein (in Nähe zum
Traumzustand) bei den frühen Menschen annehmen kann, könnte solch ein
Malen also tatsächlich als Vorstufe des eigentlichen Jagens begriffen
werden. Großwild zu jagen ist keine leichte Angelegenheit.
In jedem Fall wird es um eine Art Absicht gehen, die den Jäger zur Beute bringt und ihn vielleicht auch bei der Beutejagd stärkt oder die Gemeinschaft der beteiligten Jäger stärkt. Ein magischer Akt insofern, wie er für den Menschen bemerkbare oder auch unsichtbare Wirkkräfte auf psychischer Ebene beeinflussen kann.
Man kann daraus sogar noch weiteres aus der Zeit der
Urmenschen
ableiten. Wir wissen heute, dass
wir für ein intuitives Wissen immer grundsätzliches Material
benötigen, also bestehende Punkte geringeren Wissens. Diese Punkte
könnten beim
Frühmenschen als Wissen zB um Mondphasen und die Wiederkehr
gewisser Ereignisse (Zyklen)
bestanden haben. Es gibt Vermutungen, dass zwischen 20.000 und 10.000
sich bereits eine Zeitmessung etablierte. Mondphasen, Jahreszeiten,
etc. - da
konnte
vom Frühmenschen ein Zusammenhang zwischen Jahreszeit und Sonnenlauf
bzw. den 12-13
Mondzyklen eines Jahres vermutet werden; einfache Striche auf Knochen
und
Steinen könnten den Anfang gebildet haben für immer komplexer werdende
astronomische Beobachtungen; - ein Ur-Material der Beobachtungen,
welches folgerichtig für die weitere Intuition zur Grundlage wurde.
Die
Methode, über Jahrzehnte nachgegangen, wird immer wieder
herangezogen und weiter ausgebildet, und daraus entsteht dann
schliesslich als Endglied einer langen Entwicklung zB die Stonehenge
Anlage anno 4000-5000 v. Chr. oder die Astrologie in Mesopotamien und
Indien. Sie Stonehenge Anlage diente wohl nachweislich der präzisen
Beobachtung von gewissen markanten Punkten der Zyklen diente
(Sonnenwendpunkte). Es gibt auch andere Henge Anlagen, auch in
Deutschland aus der selben Zeit, die noch eindrücklicher die Absicht
einer Bestimmung des Sonnenwendpunktes darlegen.
Mit dem Wissen
der heutigen Astrologie kann zwingend angenommen werden, dass natürlich
damals die Beobachtungen des Lebens mit den Positionen astronomisch
beobachtbarer Himmelsbewegungen oder Phänomene (Finsternisse)
verglichen wurden, woraus schliesslich das Wissen darum enstand, dass
die Planetenpositionen Aussagen über das Leben erlauben. Die heutige
Astrologie entstand aus diesen Uranfängen heraus. Was heutzutage leider
von vielen Menschen als gesichertes Wissen abgelehnt wird, wobei
sicherlich die Erklärungsnot eine grössere Rolle spielt, als wie die
beobachtbaren bzw. zu den Gestirnspositionen paralell ablaufenden
Ereignisse im Leben eines Menschen.
Omenkunde und Zeichenkunde sind weitere Bestandteile damaliger
Anschauungen.
Eine Opferung für höhere Wirkmächte findet bei den
Frühmenschen jedoch
wahrscheinlich noch nicht statt, obwohl man die Grabbeigaben als solche
deuten könnte. Depotfunde könnten Opfergaben darstellen, aber
vielleicht auch einfachste
Nahrungsmittelspeicher.
Jedenfalls gibt es eben verschiedene
Hinweise auf ein
mögliches Gewahrsein von höheren oder unsichtbaren Wirkmächten, wie
es mit dem Fruchtbarkeitsaspekt geschildert ist - aus denen sich,
zwecks
Beschwörung bald beim
heutigen Menschen (ab 10.000 v. Chr.) eine solche Opferung ergeben
könnte.
Fazit: Die Darstellungen der Tiere bei den Felsmalereien (allesamt 30.000-10.000), sind in meinen Augen tatsächlich rein magischer Art, zum Zwecke der Jagd. Aber auch hier könnte sich analog dem Traum (Geträumtes; Aufwachen; Wiederkehr des Geträumten im Alltag) das Element der Wiederkehr als wichtiges Element erweisen, um die "Vorstellungswelt" der Frühmenschen insgesamt zu beurteilen: "Ich male das Tier, das ich (in der Realität) wiederfinden will."
Also entweder Wiederkehr Symbolik oder Magie, die rein
psychologische
Absicht zu jagen oder
eine Mischung dergleichen.
Rationalisten sehen hier leicht den Zufall, erklären das Malen
vielleicht mit der Lust am Malen selbst, wer weiss - aber
heutige Naturvölker, wie von Ethnologen berichtet, antworten auf die
Frage: "Warum malen sie ihre Jagdbeute?": dann: "Wie könne man jagen
ohne zu
malen?"
Eine weitere Anmerkung: Die Höhle stellt eine Symbolik des Uterus dar und fügt sich in ein Gesamtbild des zentralen Punktes der Wiederkehr (Uterus=Hort des erscheinenden Lebens).
Die ersten, weitgehend unbearbeiteten, rohen Faustkeile fand
man in der
Zeit vor etwa 600.000 Jahren (wenn man den Datierungen der
Wissenschaftler
Glauben schenken will).
Man konnte im Gebiet Frankreichs und Westeuropas sehr viele Faustkeile
aus Stein finden, und zwar über Jahrzehnt-Tausende hinweg. Bearbeitete
Faustkeile
finden sich von Anfang (120.000) an bis etwa 8.000 Jahre v. Chr.
- sie lassen mehrere Epochen der deutlichen Veränderung
erkennen:
Sie sind erst grob und schwulstig, leicht gezähnt (wie um Fell und
Fleisch besser abschneiden bzw. abschaben zu können), werden dann
zunehmend
länglicher, flacher und spitzer, so dass die Kanten einem üblichen
Messer
ähnlicher werden (ab 120.000 bis etwa 70.000), es kommen dann zu
kleiner gewordenen Faustkeilen auch tatsächlich stark messerähnliche
Faustkeile, mit schmalen Klingen und noch länglichere Spitzen hinzu
(33.000 v. Chr.).
Damit tritt auch der Holz-Speer auf und
Wurfgeschosse wurden gefunden.
In der Zeit zwischen 33.000 und 24.000 v. Chr. werden die
Faustkeile immer stilisierter, fast rund, aber nach wie vor
meist
länglich, und es lassen sich doppelseitige Klingen finden. Es treten
auch vermehrt Knochenwerkzeuge auf, die sehr spitz und schmal
sein können.
Um 18.000 bis 8.000 v. Chr. tauchen stark gesäbelte Klingen auf, das
sind Harpunen die schon an moderne Sägen erinnern. Diese Steinarbeiten
lassen eine Art Vorstufe des modernen Werkzeugs erkennen, sind aber
noch etwas grob oder erscheinen als gerade zweckdienlich genug.
Ab 8.000 v. Chr. werden aus den vormals noch archaisch anmutenden
Klingen, Harpunen und Werkzeuge beinahe Schmuckwerke. Sehr feine
Spitzen und Pfeilspitzen tauchen auf, bemalte Kiesel. Pfeil
und Bogen sind nun wahrscheinlich auch üblich geworden.
Die zweite erdgeschichtliche Eiszeit hat anscheinend insgesamt fast 60.000 Jahre gedauert, etwa von 70.000-10.000 v. Chr.
Nach den Erkenntnissen der Forschung gab es sehr kalte Eis-Zeiten (zumindest in Europa) von 75.000 bis 47.000, 32.000-27.000 und 23.000-18.000. Die Menschen waren immer schon Jäger und Sammler, wanderten viel und waren grundsätzlich wohl kaum sesshaft, wenn es auch einige Sommerlager gab. Mit dem Wechsel des Klimas gehen vor allem Veränderungen der Fauna (Tiere) und Flora (Pflanzen) einher.
Bis hierhin war der Mensch Jäger und Sammler.
Er
ernährte sich vor
allem von Tieren, zu einem geringeren Teil von Pflanzen, und sammelte
alles, was er finden konnte: Samen, Wurzeln, Früchte, Plize
etc..
Bedeutend (auch für den heutigen Menschen ist), dass der
Mensch seit jeher ein Jäger ist bzw. einen Jagdarchetypen in sich zu
haben scheint.
Ab 10.000 v. Chr. lassen sich an den gefundenen Skeletten deutliche Ähnlichkeiten mit heute vorhandenen Rassen erkennen.
Zu dieser Zeit tauchen auch vermehrt Tonkrüge und
Keramiken auf, und es ist sicher, dass Ton gebrannt wird (10.000 v.
Chr.).
Beile und
Äxte wurden
jetzt hergestellt. Ab 7000 kann man von einer euopäischen Frühkultur
sprechen.
Ab 5000 v. Chr. beginnen die Keramiken verziert zu werden (erste Strich-Ornamente, Bänder) was dann zunehmend bis zu einem wahrscheinlich erreichten Höhepunkt um 2500 v. Chr., zu reichhaltigen ornamentalen Ausschmückungen und schliesslich Bebilderung führt.
Allerdings
findet um 12.000-8.000 v. Chr. auch eine
bedeutende Veränderung klimatischer Verhältnisse statt. Das Klima ist
nun deutlich feucht. Mit der Bewaldung weichen die grossen
Graslandschaften.
Mammut, Wollnashorn und andere Tiere sterben aus.
Viele wilde
Tiere wanderten zudem in den Norden. Andere kleinere, flexiblere Tiere
wandern ein.
Es werden ab 4000 auch Megalithen
aufgestellt, Dolmen, die dem Totenkult dienen.
Und, das ist jetzt der wohl bedeutendste Umschwung in der Menschheitsgeschichte, ab 11.000-6.000 begann in Europa die kontrollierte Viehzucht, der organisierte Ackerbau und damit das sesshafte und kultivierte Leben. Alles im (Süd-)Osten Europas beginnend.
Im
Orient (Syrien und die Gegend um das tote Meer) gab es bereits vor
11.000-9.000 Jahren ersten Getreideanbau, dem eine lange Zeit des
Getreidesammelns voraus ging (ab 20.000), während auch schon erste
sesshafte Strukturen ausgebildet wurden. Doch fehlt diesen Abläufen
anscheinend noch die Kontinuität oder das Klima war noch zu rauh für
eine solche Dauerhaftigkeit.
Der
organisierte Ackerbau soll dann in Anatolien seinen Anfang
genommen
haben oder zwischen Iran und Jericho (und dann nach Anatolien gekommen
sein), und sich über Anatolien über Europa ausgebreitet haben.
Die Jäger und
Sammler gingen nun zu Ackerbau und Viehzucht über. Offensichtlich
war dazu auch gerade eine massgebliche Änderung des Klima
nötig, welches nun
die Jahreszeiten hervor brachte, wie wir sie heute kennen.
Vorher war das
Nahrungsangebot
ganzjährig knapp und man kann davon ausgehen, dass notgedrungen Tiere
gejagd werden mussten.
Ausgehend von der langen Steinzeit der Jahrtausende bis etwa 4000 v. Chr. gab es noch überwiegend Fischer und Jäger, Sippen und arme Stammesgruppen, die in den nächsten Jahrtausenden (in Griechenland ab 7000-6000) zunächst zu Viehzüchtern, dann zu Bauern wurden.
Die
Häuser werden in den nächsten Jahrtausenden zunehmend fester und
geschlossener. Erste Siedlungen entstanden, wurden aber nicht
automatisch mit dem fortlaufenden Zeitalter grösser, sondern eher
befestigter (auf Hügeln).
Mit dem Ackerbau und der Viehzucht wurde das Aufbewahren von
Nahrungsüberschüssen möglich und nötig, das sesshafte Leben konnte sich
nun erst ereignen, der Handel auch über weite Strecken wurde zunehmend
ab 3000 v. Chr. ermöglicht.
Ab 6500 ist die Domestikation von Tieren (Katzen, Hunden) als
ein
entscheidendes Merkmal archäologisch überliefert.
Weitere Merkmale, die
bis 500 v. Chr. immer weiter ausgebildet, differenziert und
spezialisiert wurden, können locker aufgezählt werden - aber man muss
sich gleichwohl vor Augen halten, dass der anfängliche Keim solcher
Tätigkeitsfelder zunächst (7000 v.Chr.) primitiv, archaisch und einfach
ist, und in den folgenden Jahrtausenden allmählich weiter
entwickelt wird:
Herstellung von Gebrauchsgegenständen und Werkzeugen aus Holz und
anderen Materialien, Waffen, Steinarbeiten, Keramik- und
Zimmermannsarbeiten, Schmiede- und Metallarbeiten.
Pflanzenzucht
und -verwendung. Anbau, Ernte, Herstellung und Transport von
Lebensmitteln, Haus-, Stadt-, Straßen-, Brücken- und Wasserleitungsbau,
Schiffsbau und Schiffsverkehr, Wagenbau und Landtransport, Fell und
Lederbearbeitung, Textilherstellung, Seilerei und Schneiderei,
Färberei, Näherei und Kleiderherstellung, Ziegel-
und Kalkherstellung, Glasherstellung usw. - die Dynamik
intellektuellen und geistigen Strebens nahm nun zu und führte zur
allgemeinen Kultivierung und Zunahme der gesamten menschlichen
Möglichkeiten.
Es
ist eine zweiteilige Entwicklung in Europa auszumachen seit 7.000 v.
Chr. Der Westen und Mitteleuropa stagnierte, hier wurde die ganze
Zeit über massgeblich gelebt und gejagd, seit Zehntausenden
von
Jahren, und der Osten und das östliche Mittelmeergebiet kultivierten
sich jetzt zunehmend.
Die von den kultivierten Völkern genannten
Barbaren blieben zunächst im Westen lange erhalten. Die
Kultivierung kam vom Osten aus dem Mittelmeerraum. Die archäologischen
Funde
beweisen zudem, dass es nicht möglich ist, die verschiedenen Kulturen
dieser Zeit in Europa voneinander abzuleiten, sie sind untereinander
in der Zeit um 6000-3000 v. Chr. noch sehr verschieden. Noch wurde
vereinzelt anscheinend in Höhlen gelebt.
Lebten die Menschen vor der neolithischen Revolution (in der frühen Frühzeit des Menschen) in umher wandernden Sippen, und suchten Schutz in Höhlen, Felsunterhängen oder bauten kurzfristige Hütten aus Ästen und Zweigen, á la heutigem Survivaltraining, wurden schliesslich Gruben mit aufgesetzten Hüttendach ab 30.000-20.000 v. Chr gebaut, die wahrscheinlich überwiegend als Sommerlager dienten oder aber jeweils schnell gebaut werden konnten. Mit dem sesshaften Bauernleben begann der Bau von festen Wohnhäusern aus Holz, Lehm oder Stein.
Erste Metallverarbeitung: etwa ab 8.000 v. Chr.
Kupferverarbeitung, Kupferzeit: 4000-2500 v. Chr.
Bronzeverarbeitung, Bronzezeit: 1800-700 v. Chr.
Eisenzeit: ab 1200 v. Chr.
Als
tatsächlicher Beginn der Antike wird meist das archaische
Zeitalter
bezeichnet, welches um 800 v. Chr. begann, welche zugleich
Homers Zeit war. Der Begriff archaisch
definiert sich mit dem kulturellen Höhepunkt der griechischen Antike
anno 500-300 v. Chr., welches als klassisches
Zeitalter
betrachtet wird, und tatsächlich den Brennpunkt der griechischen Antike
bildet.
Das archaische Zeitalter ist nämlich der klassischen Antike vorgelagert
und ihr hauptsächlicher Keim. So lässt sich also die Antike auf den
Zeitpunkt des
Beginns bei ungefähr 800 v.Chr. beziehen, welche eine eigenständige
Epoche beschreibt.
Diese
aber ist in eine noch viel grössere eingebettet,
die bereits um 3000 v. Chr. begann, oder mit anderen Worten, der wahre
Keim
der Antike liegt in den Jahrhunderten weit vor 800 v. Chr. Und das
Jahrhundert 800 v. Chr. (arachaisches Zeitalter) ist nur der Anfang des
klassischen Zeitalters.
Lange im Dunkeln liegende Jahrtausende gehen der eigentlichen griechischen Antike voraus, was man auch "Wunder der Ägäis" genannt hat. "Wunder", weil man keine besonderen Einblicke in die einzelnen Phasen dieser Werdezeit unmittelbar vor 800 v. Chr. nehmen konnte, denn ab 1200 v. Chr. gibt es keine grösseren archäologischen Funde mehr, die die Geschichte bis etwa 800 v. Chr. dokumentieren könnten (deswegen dunkles Zeitalter). Dennoch gibt es jüngste archäologische Funde, die einen kontinuierliche Übergang zwischen der Zeit vor 1200 v.Chr bis 800 v. Chr. annehmen lassen. Die Zeit ab 3000 v.Chr. bis 1200 v. Chr. ist dagegen besser dokumentiert.
Es sind bereits die Jahrhunderte vor 800 v. Chr. eine wichtige
Epoche,
um zu
beurteilen, wie die Antike entstanden sein könnte - da die Zeit davor
all das im
Keim trägt, was schliesslich zur Blüte gelangt.
Die
Jahrhunderte zwischen 2800 v. Chr. und 1200 v. Chr. kann man -
zunächst in
Kreta
und
dann ab 1800 v. Chr. auf dem Festland Griechenlands - als
Hochkulturen betrachten: und
zwar als minoische (Kreta) und mykenische Hochkultur (Festland). Es
gibt eine auch eine kykladische Kultur (auf den kykladischen Inseln),
die als solche postuliert wird, weil sie sich wesentlich genug von den
übrigen unterscheidet und auch eigene Entwicklungsphasen beinhaltet.
Wenn von Griechenland gesprochen wird, ist meist einfach nur das Land unabhängig von den Völkern gemeint. Was man Griechen nennt, sind die mykenischen Griechen, jene Griechen also, welche vor allem aus dem Norden einwanderten, dann auch allgemein diejenigen, die sich einfach auf dem griechischen Festland zunehmend ausbreiteten und das hellenische Griechenland prägten, die den eigentlichen antiken Mythos hervorbrachten; - die minoischen Kreter und die ägäische Grundbevölkerung sind dagegen in der Forschung oft nicht als Griechen bezeichnet. Auch weil die Linie der heutigen Griechen eher zu den Mykenen als zu den Minoern führt
Die Kultur der Kreter wird minoisch genannt, nach dem mächtigen König Minos. Die Kultur der festländischen Griechen wird mykenisch genannt, nach dem historisch gesehen ersten archäologischen Fundort auf Mykenai um 2000 v. Chr. (auf der Peloponnes Halbinsel).
Zunächst hielten die Minoer (Kreta und ägäische Inseln) eine
Übermacht
und kontrollierten
und beeinflussten weitgehend die Ägäis (durch Handel und
wirtschaftlichen Interessen
angetrieben). Eine Verwaltungsstruktur wurde sowohl auf Kreta
von
den Minoern perfekt betrieben, wie auch später von den mykenischen
Städten auf dem Festland.
Export der produzierten Überschüße (zB Nahrung) sorgte neben
erweiterten
Handelsstrukturen auch für die Verfeinerung der eigenen
Lebensverhältnisse des Adels. [Man nimmt an, dass Homer als Hofsänger
aus der langen Tradition dieser Adelsaristokratie hervorgegangen ist.]
Um 1500-1400 v. Chr. brachen die Mykenen das
Monopol der Minoer und strebten ihrerseits die Vorherrschaft an
- es
vermischten sich beide Kulturen zunehmend, die mykenische
Kultur
des Festlandes hatte nun jedoch einen grösseren Einfluss gewonnen, als
es dem
minoischen Zeitalter vorher möglich war.
Die minoische Kultur kann man als kultisch und matriachalisch,
die
mykenische Kultur als die Geburt des Heroischen betrachten.
Die
Götter gehen vermutlich massgeblich durch den mykenischen Einfluss
hervor, doch wurde die mykenische Kultur während ihrer ganzen Zeit bis
1200 v. Chr. von der minoischen und ägäischen Kultur beeinflusst.
Die minoische
Kultur gilt im Grundsätzlichen als verschieden von der
mykenischen und auch als
verschieden von der späteren griechischen Antike ab 800 v. Chr.. Aber
doch nicht als ganz anders.
Anno 6500-2800 war die Insel Kreta und die Ägäis nur dünn besiedelt. Es wanderten dann vermutlich nicht lange vor 2800 v. Chr. nicht-indogermanische Völker aus Anatolien ein und bildeten die ägäische Grundbevölkerung.
Um 2200-2000 v. Chr. gab es in Griechenland und den Inseln
zugewanderte
indoeuropäische (neue) Völker aus dem
Norden, die auf die ägäische Grundbevölkerung stießen. [Anmerkung:
Indogermanen und Indoeuropäer bezeichnen begrifflich dasselbe Volk]
Geringe (nicht-indogermanische) Einwanderungswellen aus Anatolien und
Syrien nach Kreta, werden für die Jahrhunderte 2000, 1600 und
1200 v. Chr.
genannt.
Man kann sagen, es gab Einwanderungswellen der Indogermanen zu
verschiedenen Zeiten (alle vor 2000 v. Chr.). Und es gab ständig
Menschen überall auf der Welt,
die man ab anno 15.000-10.000 v. Chr. als verwurzelte Kulturen ansehen
kann -
selbst wenn sie als Nomaden umher zogen und gleichwohl in neue
Gebiete eingewandert sein könnten, wo es bereits Menschen gab. Diese
verwurzelten
Menschen bilden die späteren, in Europa heimischen archaischen
Kulturformen, auf die die einwandernden Indoeuropäer etwa ab 2200 v.
Chr. stießen.
Es
wird nun angenommen, dass die Indogermanen nicht hauptsächlich die
Kultur nach Griechenland brachten, sondern dass sie auf bereits
ausgereifte
Kulte trafen und erst nach einigen Jahrhunderten nach dem
Einheimischwerden das mykenische Zeitalter hervorbrachten.
Niemand weiss, was die mächtige (indogermanische) Einwanderungswelle auslöste, von der Europa insgesamt anno 2200 beeinflusst wurde. Es ist anzunehmen, dass der ursprüngliche Kern dieser indogermanischen Volksgruppe irgendwo zwischen Indien, dem Iran und dem mittleren Russland lag. Vom Kaukasus bis Anatolien (heutige Türkei) strömten die Einflüsse auf Europa bis nach Griechenland, welches als erstes von der neuartigen Kultur berührt wurde. Obgleich die Anfänge der Kultur in der Ägais recht dunkel erscheinen, ist die Zuwanderung der aus dem Norden kommenden Völker sehr sicher.
Zusammenfassung:
Nach den ersten Einwanderungen aus dem Norden strömten kulturelle
Einflüsse hauptsächlich aus Asien, Europa, Ägypten und
Afrika durch Handelsbeziehungen nach Kreta vor, das ab 2800 vor Chr.
zum Schmelztiegel der ganzen Ägäis wurde.
Kreta bildete einen zentralen Punkt der Einflüsse dreier
Kontinente.
Daher hat Kreta in Bezug zur weiteren Entwicklung ganz Griechenlands
einen besonderen Stellenwert.
Mit dem neuen Klima, mit dem Nahrungsanbau und dem Bezug zur
Vegetation
(Säen-Reifen-Ernten) wurde die Fruchtbarkeitsgöttin zunehmend
von
der
menschlichen Ebene (beim Frühmenschen besonders der Fruchtbarkeitskult
der Frau) auch auf die pflanzliche Ebene eindeutig erweitert und
betont. Die
Aufmerksamkeit bündelte sich nun auf die Erde als Ernäherin.
Die Natur
ist für die Menschen von Kräften durchwirkt, von guten und magischen
Geistern ebenso wie
von furchteinflössenden und dämonischen.
Die Wiederkehr der Phänomene muss nun ganz sicher ein wesentlicher Bestandteil der Anschauung geworden sein. Tag-Nacht, Sommer-Winter kehrten immer wieder, während man selbst an einem Platz blieb und die Veränderungen deutlich spürte.
Der Beginn der Antike soll im folgenden nicht etwa auf 800 v.
Chr.
bezogen
werden, als die olympischen Spiele das erste Mal veranstaltet wurden,
und der epische Gesang (und damit der uns bekannte griechische Mythos)
von
Homer eingeleitet wurde, sondern auf die vielen Jahrhunderte davor
zwischen 3000 und 1000 v. Chr. Darin liegt der wahre und echte Keim der
Antike.
Dass manche Forscher annehmen, dass grosse Teile der Religion
von den Indogermanen herrührt, halte ich für nicht stimmig und geradezu
falsch. Es mag ein kleiner Teil gewesen sein, der von den Indogermanen
herrührt, vielleicht von Gewicht
als ein kulturelles Erbe, aber nicht von Gewicht, in Bezug
zur Ausbildung
der tatsächlichen Mythen: Die Mythen oder Inhalte der Heldengesänge
standen zur Zeit der
indogermanischen Einwanderung noch nicht fest.
Den ureigentlichen Beginn der mykenischen Hochkultur kann man auf etwa 1750-1600 v. Chr. ansetzen. Die minoische Kultur hat vor allem die neue mykenische Kultur beeinflusst. Die mykenische Kultur kann als eine höhere Stufe der ursprünglich ägäischen Kultur angesehen werden, die aber vor allem auch neue Elemente geschaffen hat, die in der minoischen Kultur noch nicht auftraten. Anmerkung: Die ägäische Kultur ist als Begriff weitgehend identisch mit der minoischen Kultur, obwohl eigentlich die minoische Kultur sich nur auf Kreta bezieht, die ägäische Kultur aber auf das frühe Griechenland im ganzen (ägäische Inseln und Festland).
Die schon in der Steinzeit gefundenen Plastiken mit
Darstellung einer
vermutlichen Fruchtbarkeitsgöttin tauchen in der Zeit zwischen 7.000
und 3.000 in der Ägäis und Griechenland wieder auf. Man
fand um 6.000 v. Chr. in Thessalien schon männliche
Statuetten in
thronender Darstellung, die auf die ägäische Grundbevölkerung bezogen
werden müssen (weil sie ja die einzigen Einheimischen zu dieser Zeit
waren).
Erste feste Siedlungen werden in Griechenland und Kreta auf
6500 v. Chr. datiert.
Es gibt in der minoischen
Epoche (ab 2900 v. Chr.) "heilige Orte", Wohnräume und anscheinend
nicht dem Wohnen dienliche Häuser, aus denen sich
zusammen mit (in Häusern gefundenen) Idolen und anscheinend kultischen
Einrichtungen ein Hauskult entwickelte (Altäre, Miniaturgefäße, und
Geräte, die zum praktischen
Gebrauch nicht geeignet sind, wie bleierne und goldene Äxte, Figuren
von Tieren, Menschen und sogar Geräten). Weiterhin wurden zahlreiche
Höhlenkultplätze gefunden, die man dieser Zeit zuordnete.
Opferkulte
sind aber schon ab 5.000 v. Chr. sehr wahrscheinlich, wie aus Funden
rekonstruiert werden kann. Es gab anscheinend zu dieser Zeit
schon Masken, die den Dionysos Kult der griechischen Antike
vorwegnahmen.
Was die Indogermanen angeht, ist folgende These im Umlauf: Die Indogermanen hatten ihrerseits eine ausgeprägte Vorstellung von Göttern, Opfern und dem Einbezug des hohen Amtes, um etwa die Opfer, Weihung und Gebete zu vollbringen. Vermutlich brachten sie neben diesem "strukturellen" Erbe auch sprachliche Elemente mit, während die ursprüngliche archaische Vorstellungswelt der Ägäer noch ursprünglicher bzw. noch matriarchalischer ausgerichtet war.
Die griechische Sprache entwickelte sich sehr wahrscheinlich
unter
den Einflüssen der Indogermanen und sie gaben der griechischen Sprache
ihren Kern.
Das Wort Zeus ist übrigens indogermanisch. Das muss
aber nicht bedeuten, dass der Inhalt dieses Gottes indogermanischer
Herkunft ist, es ist für die Griechen der höchste Gott, so wie für
andere (indogermanische) Völker eben auch ein höchster Gott als
Begrifflichkeit existiert. Vielleicht brachten die Indogermanen die
Disposition (Vorraussetzungen kulturell-geistiger Art) für einen
solchen Gott mit - aber man muss bedenken, die Einwanderungen fanden
anno 2200-2000 v. Chr. statt und die mykenische Kultur wurde
erst ab 1700
wirklich bemerkbar.
Viele griechische Worte finden sich im
Altindischen ebenso (wo sprachlich gesehen der Ursprung des
Indogermanischen
liegt) und haben dort meist dieselbe Bedeutung wie im Griechischen.
Eine weitere interessante
Folgerung kann sich nun daraus ergeben, dass das spätere griechische
Wort hekatombe "Opfer
von 100
Rindern" bedeuten kann, aber nach den Gesetzen der indogermanischen
Wortbildung ist darunter vielmehr eine Handlung zu verstehen, "die 100
Rinder einbringt".
Das
erinnert nun an jenen Umstand, den ich schon in
Bezug zur Steinzeit erwähnte, als man einerseits Menschen in den Tod
(ins Nichts) gehen sah, und andererseits Menschen bei der weiblichen
Vulva hervortreten sah, nachdem (wie aus dem Nichts) die Frau
schwanger wurde, genauso wie alle anderen Erscheinungen
(Tierwelt,
Pflanzenwelt) einmal vergehen und dann wiederkommen.
Es ist der
wichtige, wahrnehmungsbildende Aspekt, dass etwas nicht mehr
da ist,
was zu
dem Bewusstsein erst führen kann, dass etwas erneut kommen kann.
Ob
nun
eine Opferung eine Stärkung der Fruchtbarkeit bedeutet? Wir
würden pauschal meinen: natürlich nicht. Diese hundert Rinder können
keine Nachkommen mehr zeugen. Anzunehmen ist aber, dass mit einem Opfer
ja nicht einfach etwas sinnlos vergeudet wird, sondern irgendeine
(unsichtbare, aber wirksame) Kraft beschwört werden will. Ein Art
Energiefeld vielleicht. Oder es handelt sich um eine Art, wie es in der
Bibel gesagt wird in Bezug auf Gott, der sprach: "Was ihr mir gebt,
erhaltet ihr hundertfach zurück". Dass man dabei nicht sprichwörtlich
das zurückbekommt, was man gegeben hat, kann man annehmen, die
Auszahlung findet auf spiritueller Ebene statt und besteht naiv
gedeutet in einer Loslöung vom Materialismus. Oder aber es hatte noch
andere Gründe, etwa dass man durch die Opferung jetzt erst recht sich
bemühen musste, die Rinder-Herde zu bewirten; - man mag darüber sehr
viel spekulieren und sollte jedenfalls nicht zu einseitig rationalen
Schlussfolgerungen kommen um den mythischen Hintergrund so zu
verwischen.
Ob die Griechen nun
tatsächlich annahmen, dass diese Dinge, die man opfert, auch wieder
zurück kommen werden in gleicher Münze? Noch fehlt mir ein
direkter
Hinweis auf eine mögliche Deutung der Opfer (in der
griechischen Original-Literatur finden man freilich eine Menge Hinweise
auf den spirituellen Bezug).
Doch
selbst wenn ein
Dichter oder Philosoph sich dazu äussert, und etwa meint: diese Dinge
kehren wirklich eins zu eins zurück, muss dies nicht bedeuten, dass
alle Griechen so dachten oder es der Realität des ursprünglichen Sinns
eines Opfers entspricht. Denn die Dichter oder Philosophen äusserten
sich erst dazu, als schon Jahrtausende die Opferung gang und gäbe war.
Eine Anleitung zum Opfer wurden ursprünglich oft durch das
Orakel verkündet. Dieses Orakel aber sprach nicht aus, was
es mit dem
Opfer genau auf sich hat. Ich vermute daher tatsächlich den
spirituellen, und eben nicht den materiellen Aspekt des Opfers.
Anmerkung:
Der Altar des Christenthums steht in einem Zusammenhang mit dem Opfer
(der Ritus des Kelches), das Christenthum kultivierte so gesehen das
Opfer, ohne Tieropfer für die kultische Handlung zu verwenden.
Es
scheint auch angebracht, an eine Art gezeigter bzw. ritualisierter
Dankbarkeit gegenüber der Frucht bringenden Natur zu denken. In der
einen oder anderen Weise werden sich die Menschen sicherlich gewahr
gewesen sein, dass die Gaben der Natur nicht nur auf ihre eigenen
Bemühungen des Anbaus beruhten. Ich denke, dass sich diese Art
Dankbarkeit vielleicht auch ganz einfach in der Huldigung der
Fruchtbarkeitsgöttin gezeigt hat. Sie erkannten das
Fruchtbarkeitsprinzip und zugleich, dass sie davon abhängig waren.
Um 2400-2000 v. Chr. tauchen in Griechenland Gräber in Höhlen
auf und
oft
sonstige Gräber an Abhängen von Hügeln oder in den Fels gehauen.
Detaillierte Tierdarstellungen finden sich nun, die wahrscheinlich auch
einem magischen Zweck dienten. Menschliche Darstellungen derselben Zeit
sind dagegen sehr viel schematischer. Die
Keramik ist nun auch sehr detailliert geformt, es gibt Kannen mit
Ornamenten, Schnabel und Fuß. Die Bewohner treiben Ackerbau, hielten
Tiere
und bearbeiteten Kupfer. Schmuck aus Gold und Silber werden üblich.
Kupfer wurde auch exportiert und es entstanden Beziehungen zu
Nachbarländern auf dem Festland. Ägypten wurde nun auch als Nachbar
entdeckt.
Auch Handelsbeziehungen direkt zu Kreta sind durch sehr
ähnliche Funde auf beiden Inseln überliefert, auf Kreta auch Funde
ägyptischer Art. Allerdings dürfte der lokale Kult auf
Kreta auf Kretas
eigenen Anschauungen zurückzuführen sein und nicht auf ägyptische
Einflüsse.
Um
1300 v. Chr. gab es eine Zeit der Wohlhabenheit. Völkerwanderungen
nahmen jetzt wieder zu in den Gebieten Griechenlands (inkl. Kreta),
Italiens und des östlichen Mittelmeerraumes. Die bronzenen
Gegenstände vermehren sich ebenso wie die Bevölkerung, niemals zuvor
wurden solche Mengen an bronzenen Schwertern, Dolche, Speer-
und
Pfeilspitzen, Äxte, Sicheln, Armringe, Messer, Rüstungen und Helme
gefunden.
Man ging dazu über, die Toten zu verbrennen
(Urnenfelderkultur).
Auf Zypern (die dem Balkan und Syrien nahe gelegene Insel) hat
man eine
Siedlung
an einem Abhang ausgegraben.
Datiert wird sie auf 5800-4950 v. Chr. Bienenkorbförmige Häuser, die
sich über den ganzen Abhang ausbreiten, etwa 10 m im Durchmesser mit
konischen Dächern, von denen bis zu drei zu einem Hauswesen
zusammengefasst wurden. Sie wurden oft von einem Hof umgeben.
Die
Toten
wurden im Fußboden der Häuser, mit angewinkelten Beinen begraben.
Grabbeigaben finden sich hauptsächlich bei Frauen, vermutlich
absichtlich zerbrochene Schüsseln und ferner Halsketten aus Muscheln
und aus Steinen gefertiger Schmuck. Das Grab wurde mit einem neuen
Fußbodenbelag bedeckt, nur in einem Fall bedeckt eine Steinplatte den
Leichnam. In einigen Fällen hat man eine schwere Steinplatte auf den
Kopf des Toten gelegt - warum man das tat gilt als unbekannt. Es liegt
nahe, zu vermuten, dass der Geist des Leichnams daran gehindert werden
sollte, aufzustehen und im Haus zu spuken (?).
Die Keramik tauchte auf Zypern etwa 3000 v. Chr. und im übrigen Europa
etwa 5500 v.
Chr. das erste Mal auf.
Um 3000-2600 v. Chr. wurde ein den späteren
hellenischen
Tempeln
ähnlicher Bau auf dem griechischen Festland entdeckt. Das sogenannte
Megaron ist
gemeint;
das ist die Bezeichnung für den Hauptraum eines großen Hauses, mit
Eingang zur Schmalseite, Vorhalle mit zwei Säulen, und der
rechteckige Thronsaal.
Der spätere klassische Tempel besteht typischerweise (nicht in der
Regel) aus einem Brandaltar, Kultheiligtum und eben die rechteckige
Form. Der ausgebildete Tempel der antiken Griechen taucht erst etwa 700
v. Chr. auf.
Oft wird dieser Megaron-Raum durch ein Herdfeuer in der
Mitte beheizt. Dieser Innenraum taucht bei den späteren Tempeln wieder
auf.
Es ist natürlich anzunehmen, dass die Ausbildung der Religion eng mit
dem tatsächlichen Leben und seiner Forderung nach Struktur und Ordnung
zusammen hängt. Der eine Gott entspricht (von der
Archetypik einer frühen Zeit her) dem
Stammvater des Hauses.
So
gesehen kam auch das "patriarchalische Zeitalter" von den aus dem
Norden einwandernden Griechen, die das Megaron mit brachten -
während die ursprüngliche ägäische Bevölkerung des Mittelmeerraumes
weitaus mehr dem
Matriachat zugewandt war.
Aber für die Herausbildung von Göttern
mit menschlichem Abbild kommt mit dem archaischen Stammvater
noch
ein anderer Aspekt hinzu.
Der Mensch begreift seine Dignität, seine
Würde, besonders als Stammvater, der eine Autorität innerhalb grösserer
Familienstrukturen zwangsläufig
verkörpert, auch eine Würde, bestimmt zu sein für Höheres. Ihm kommen
ordnende Aufgaben zu, etwas ganz neues seit dem Neolithikum, seit der
Schaffung menschlicher Behausung, unter dessen Dach die ganze Familie
vereint ist, er begreift in Ansätzen die Macht der Vernunft, der
ordnenden Hand, die alles, dem späteren Zeus nicht unähnlich, steuern
und beherrschen kann.
Hier drückt sich freilich erneut das der Schöpfung inne wohnende
Prinzip des Unten wie Oben aus: Die Machtausübung innerhalb der Familie
analog der Machtausübung eines höheren Gottes, letzteres hat
immerhin für alle Erscheinungen und vorhandenen Möglichkeiten
gesorgt, für alle
strukturell (=kultisch) angelegten Gesetzmäßigkeiten.
Der Begriff des Menschen ist in zweierlei Ausprägung zu verstehen:
Zunächst verkörpert sich hier seine hohe Stellung unter allen anderen
Geschöpfung, seine Vollendung. Aus der Realität seines Handelns aber
wird sogleich seine Hybris klar und eindeutig: Denn er ist nicht
vollkommen, seine Herrschaft artet auf diesem schmalen Grat oft zur
Tyrannei aus.
Hier zeigt sich der Begriff des Menschlichen als ein Begriff des
Unvollendeten, des Unvollkommenen, des Unzulänglichen - und zwar wird
das Menschliche als Schwäche im Vorbild des Potentials der
Vollkommenheit gedeutet, das der Mensch zweifellos als symbolische
Immanenz aufweist (Immanenz: das In-Etwas-enthalten-sein; - es
wird
symbolisch, und nicht etwa unbedingt aus der Realität gefolgert; das
Vollkommene des
Menschen erscheint zum Beispiel eher in seiner Rangordnung unter allen
Geschöpfen oder in jener Eigenschaft, Dinge kontrollieren
zu können und Herrschaft auszuüben, die Natur zu unterwerfen
usw.).
Weiterhin kann man annehmen, dass eine visionäre Schau
des Menschen (eine Art epopteia),
unter dem Einbezug seiner Stellung innerhalb der Evolution, zu
ähnlichen Anschauungen oder Schlüssen kommen muss, wie wir es heute
ganz einfach mit vernünftigen Überlegungen und analogen Schlüssen tun
können. Der Stammvater ist nicht vollkommen. Es ist interessant, diesen
Stammvater in Analogie zu Zeus zu setzen, wenngleich mir persönlich
weiteres schwer fällt daraus zu folgern, also nicht etwa, dass die
Bildung
des Zeus daraus eindeutig hervorginge. Aber es mag sein, dass sich in
solcher Weise die Vorstellungswelt der alten Griechen nach und nach
herausbildete.
Der Gott ist nun ein hohes Ideal, in seinem menschlichen
Antlitz
sogleich auch Ideal des Menschen, Humanität drückt sich mit Apollo aus,
der dem Zeus am ähnlichsten ist. Apollo ist der strahlendste, seine
Erscheinung und Bedeutung ist durch Entschiedenheit geprägt, eine
menschliche Tugend ersten Ranges.
Doch wie Zeus verkörpert Apollo auch
eine hohe Moral und er bleibt unnahbar im Mythos.
Athene oder Hermes
gesellen sich den Menschen zu, verkleiden sich um unter Menschen zu
erscheinen - doch Apollo tritt nur dann auf, wenn er Menschen, die er
lieb gewonnen hat, die ihm ehren, in Not geraten. Ansonsten erscheint
er als richtungsweisende Instanz, bestraft und vergeltet die Vergehen,
verweist den Menschen auf seine Sterblichkeit zurück.
Das Erkenne dich
selbst, das dem Orakel zu Delphi als Attribut beigegeben ist, mag eben
auf diesen Umstand der Sterblichkeit Bezug nehmen: Erkenne dich,
Mensch, in deiner Sterblichkeit (thneton
onta),
woraus natürlich ein ganz anderes Verhalten folgt: denn welchen Sinn
gibt es, wenn alles mit dem Tod zuende ist? Man braucht nicht mehr nach
Ruhm oder Macht zu streben, die Wahrnehmung allein genügt, Denken,
Fühlen, Handeln bekommen einen anderen Sinn, und darauf weisen weitere
Sprüche des Gottes von Delphi hin: "Nicht zuviel" (meden agan)
-
blicke auf das Gegebene, denn was auch immer ist, das ist,
aber was man denkt, das
ist nicht, das ist schon zuviel. Dieses Verhalten ist menschliches
Verhalten, nämlich sich der Sterblichkeit bewusst zu sein.
Sterblichkeit ist im Grunde eine Sterblichkeit aller materiellen
Formen, wozu man auch den Gedanken an sich zählen kann. Auf der anderen
Seite aber steht auch das Streben des Menschen, er würde sein Streben
vielleicht verlieren, wenn er in der Haltung lebt, dass alles umsonst
wäre, er bräuchte sich nicht mehr anstrengen. Aus irgendeinem Grunde
ist der griechische Mythos mit den himmlischen Göttern keineswegs
fatalistisch oder deterministisch, sondern beinhaltet den Lohn jetzigen
Lebens, und wenn dies auch nur ein Augenblick ist. Es gibt genügend
Möglichkeiten für einen damaligen Menschen, sich des Augenblicks zu
erfreuen, und gleichwohl und bedeutenderweise der Arbeit nachzugehen,
in der die Existenz gesichert ist. Es gibt keinen Grund für Fatalismus,
denn die Götter behüten einen oder anders gesagt, sie sind da und man
ist nicht allein.
Der Tod
begrenzt das Streben. Jede Art von menschlicher Demonstration, und sei
es das der Frömmigkeit, ist dem Gott Apollo verhasst: die Legenden um
Delphi berichten etwa, dass ein Mann aus Thessalien dem Gott ein
Hundertopfer von Rindern mit vergoldeten Hörner geopfert habe, die
Pythia aber sagte ihm, "dass ein Mann aus Hermione dem Gotte genehmer
war, der mit drei Finger aus einem Sack Mehl geopfert habe." Als der
Mann dies hörte, wollte er ein Übrigens tun und schüttete nun einen
ganzen Sack Mehl auf dem Altar und die Pythia sprach nachher wiederum:
"jetzt sei er dem Gotte doppelt verhasst, wie er im vorher noch lieb
gewesen sei."
Die Pythia wurde ein anderes Mal gefragt, welcher Mann
dem Gott wohl am eifrigsten verehrt habe, die Antwort fiel auf
jemanden, der in stiller Andacht die Bilder des Gottes in seinem Haus
zur rechten Zeit, säuberte und bekränzte und dem Gott Opferkuchen und
Weihrauch brachte.
Es
ist eine offenbare Anspruchslosigkeit, verbunden
mit dem inneren Aspekt der Andacht, nicht mit dem äusseren Schein. Nur
aus der Sphäre des wirklich seelisch Gelebten, geht das so Gelebte in
den
Wesenskern der unsterblichen Seele über oder wird Bestandteil
der
seelischen Erfahrung und wird damit auch erst für die Götter wirklich.
Der Apollo von Delphi verkörpert in seiner Göttlichkeit drei
wichtige
Grundzüge: Er ist, als Herr des Orakels, allwissend und der Gott der
Wahrheit, darum hasst er das Verborgene, den Schein, und er fordert,
dass alles, als das, was es an sich selbst ist, offenbar werde und zu
seinem Sein gelange.
Apollo ist sodann auch tief verbunden mit der
Reinheit, als solcher Gott hasst er jede Art von Befleckung und
fordert, dass der Mensch und alles Ding, zur höchsten Identität mit
sich selbst gebracht werde (diese Übereinstimmung entspricht der
griechischen Auffassung der Reinheit). Zum dritten ist Apollo
der
Gott der Musik, deren beglückender Zauber aus der inneren Geordnetheit,
des Verhältnisses von Note zu Note, dem Maß fließt. Als solcher hasst
er das Wilde, Verworrene, Überschwengliche und Unbändige.
Apollo huldigt den Augenblick:
Lange vor der Ausprägung der Göttergestalten (um 1400-1000 v. Chr.) herrschte der ägäische Lebensstil (3000 v. Chr. bis etwa 1300 v. Chr.) vor, bei dem es eine natürliche Verbundenheit mit dem Lebendigen gab, was sich noch bis in die klassische Antike und der Formung der Göttergestalten hinein erstreckte. Die Inhalte der Darstellungen beziehen sich auf vor allem auf den Tanz, auf die Nähe zur Natürlichkeit, und natürlich schon auf Kulte.
Es gibt Beschreibungen von minoischen Kleidern auf Kreta, die
sogar die Brüste offen liessen und es wird aus anderen Funden heraus
erklärt, dass bei den Ägäern die Frau tonangebend war: Sie wohnte ohne
Begleitung den religiösen Festen und Spielen bei (wahrscheinlich haben
Wandgemälde die Forscher auf diese Anschauung gebracht).
An den
Zeremonien war sie oft die einzige Hauptperson, aber es gibt auch
Abbildungen von Männern, bei denen neben ihm eine Frau dargestellt
wird.
Aus der minoischen Kultur gibt es keinen eindeutigen Hinweis
auf die
uns bekannte
Mehrzahl von
Göttern, aber es finden sich gleichwohl vereinzelte und leicht
verschiedene Abbildungen von
Göttern, etwa
einer niederschwebenden Figur mit einem Speer in der Hand, was auf die
Darstellung einer göttlichen Einwirkung hindeutet.
Und
man weiss nicht,
auf welche Archetypen oder Gottheiten sich die einzelnen Kulte
(Hauskult, Höhlenkult etc.) bezogen, derer es auch zahlreiche gab.
Dabei ist nicht klar, ob es sich bei den verschiedenen
Abbildungen
um eine
Art universale (aber gleichwohl eher weibliche, irdisch-chtonische)
Gottheit handelte, die man da beschwor, oder ob es mehrere Götter gab,
die jeweils ausgedrückt wurden.
Es finden sich bereits gewisse Tempelräume auf Kreta, die in
Beziehung zu Hauskulten stehen, ebenso wie Höhlenkulte, an deren
Plätze man gleichermassen Altäre vorfand. Es gibt Kultdarstellungen
auf Bildern in Kreta, die an Vegetationsgottheiten erinnern: groteske
Ungeheuer mit einer Art Hunde-Schnauze, spitzen Ohren, Tiertatzen statt
den Händen, aufgerichtet auf zwei Beinen. Sie lassen an ägyptische
Darstellungen erinnern. Aber ansonsten gibt es wenig, was auf Ägypten
hinweist und es ist interessant, dass schon die Felsmalereien um
20.000-10.000 v. Chr. Tierdarstellungen solcher Art
hervorbrachten! Es ist also
etwas übertrieben, diesen Fund direkt auf Ägypten zu beziehen, nur weil
in Ägypten ebenso
Tierköpfe dargestellt sind. Weil dies auch aus einfacher Anschauung
unabhängig hervorgebracht worden sein könnte.
Solche Gestalten tauchen auch auf, indem sie in ritueller Art,
Kannen über Steine oder Kulthörner ausgießen, oder wie sie Tiere
schleppen
oder Teile von Tieren zum Opferaltar führen. Dargestellt sind
eindeutige Tierwesen, wohl kaum verkleidete Priester(innen). Vielleicht
aber sind sinnbildlich die Preister(innen) gemeint, die in der Rolle
des Tiers eine Funktion (gemäß der Darstellung eines evtl. Ritus)
erfüllten. Der Sinn
bleibt derselbe, eine Gottheit soll die rituelle Funktion übernehmen,
man selbst als Funktionsträger schlüpft nur in die Rolle (vielleicht
ist es eine Art Schamanismus gewesen).
Altäre sind mit Hörner übersetzt, oder von der Form eines Doppelkegels, gelegentlich mit Stuck überzogen. Es scheint so, als dienten sie nicht dem Zweck, darauf Feuer zu entzünden. Räucherstände und Dreifußherde sind gefunden worden.
Die Kreter kannten keinen reinen Tempel, wie ihn das
mykenische Megaron
eindeutiger abbildet, aber Höhlen, Haine und Berge waren
die kultischen und geheiligten Plätze der Kreter. Die wichtigsten
religiösen
Handlungen wurden im königlichen Palast vorgenommen. Der König war
anscheinend zugleich Priester, oder massgeblich mit ihm verbunden. Man
fand in den Palästen, in Höhlen und den entsprechenden Räumen von
Häusern Altäre, Opfertische, kultische Regale und
Opferkrüge, Gefäße mit Darstellungen von Tierköpfen.
Man fand die
Doppelaxt und Gehörn. Der Baum, die Schlange
und die Säule galten als heilige Symbole.
Es gibt also sehr viele
Gerätschaften, auch einige Schalen mit Vertiefungen, offenbar um Blut
aufzufangen, deren richtige Anordnung, Plazierung und Reihenfolge der
Verwendung offensichtlich den magischen Kult bedeutete, was man auch
aus der Alchemie des Mittelalters kennt.
Das Tieropfer
war also schon heimisch, bevor die mykenischen Griechen der Antike
(etwa ab
1700) es weiter kultivierten.
Die wirtschaftlich-politische Macht lag indes beim Königsthron und es
gab wohl zahlreiche Zeremonien, die das königliche Zentrum stärken
sollten. "Königtum ist ohne königliches Zeremoniell nicht vorstellbar"
(W. Burkert). Allerdings glaube ich püersönlich nicht, dass Opferungen
von Tieren
die Macht des Königs direkt stärken sollten, sondern vielmehr musste er
sich beteiligen oder für seine erhaltene Macht (dem Kosmischen) einen
Ausgleich leisten,
musste gewissermassen eine rituelle Führung durch die
Zeremonie (ohne allerdings als Priester tätig zu sein) leisten, oder
weihevolle
Segnung vollbringen oder begleiten - vielleicht kam er dafür in Frage
kraft seiner Autorität (den Göttern nicht gleich, aber archetypisch
ähnlich).
Es scheinen die Paläste auch mehr Kultzentren als wie Herrscherzentren
gewesen zu sein, wofür es zahlreiche archäologische Belege zu geben
scheint.
Weiterhin ist der Baum anscheinend auch sehr bedeutsam für den
minoischen Kult neben Höhlen, räumlichen Heiligtümern und Altären, oder
gar Hainen und natürlichen Plätzen. Der Baum markiert ein Heiligtum,
ist von sakraler Mauer umfasst - nach Burkerts Deutung
entsprechender Abbildungen solcher Riten auf Bildern, werden die Bäume
berührt aber nicht als personales Gegenüber angebetet.
Um die Bäume herum
wird getanzt. Vielleicht geht es um eine Art (kosmischer) Verbindung.
In ähnliche
Weise werden auch Pfeiler, Pfähle oder Säulen in diesem Bezug zum Baum
gesetzt. Diese (kosmische) Achse der Verbindung kennen wir auch aus den
typischen griechischen Tempeln.
Dass Stiere geopfert wurden anlässlich eines Gottes (in
Vorankündigung
des Zeus) ist auf Kreta auszuschliessen, aber es gab Stierkulte
(allerdings Kult als eine Art Unterhaltung, und nicht in erster Linie
religiös oder magisch-rituell gemeint), bei
denen Akrobaten sich über die Hörner des Stiers hinwegschwingen.
Wahrscheinlich wurde dann später der Stier geopfert, jedenfalls
gibt es
aber keine Hinweise
auf besondere Riten, es gibt keine Verbindung
zwischen Stier (dem Stier dieser Akrobatiken) und Opfergegenständen
oder Darstellungen.
Die Hörner
tauchen allerdings nicht nur in der minoischen Kultur auf, sondern
auch in der mykenischen Kultur und Kunst auf, das Horn ist in
der ganzen Ägäis verbreitetes Symbol.
Und der Stier, fern von diesen
akrobatischen Übungen ist zumindest für einen Teil der Griechen
(Mykenen) ein besonderes Tier (es wurde ja auch später ab 1000 v. Chr.
spätestens, dem Gott Zeus als Attribut bei gegeben). Daher kann man
sich sogar vorstellen, dass die Mykenen diese Art Stierkult auf Kreta
befremdlich fanden, woraus dann vielleicht aus diesen (kritischen)
Anschauungen
der Minotaurus Mythos wurde (das ist König Minos. Symbolisch steht er
als
Herrscher für ganz Kreta. Seine Verbindung zu dem Stier. Die in den
Augen der Mykenen dunkle Ehe zwischen seinem Herrschaftsbereich und dem
Stier).
Aber wie auch immer, der Mythos steht stets für sich selbst - fern ab von theoretischen Herleitungen (ob an ihnen was dran ist oder nicht) - was man gar nicht oft genug betonen mag, weil die Rezeption solcher Überlegungen immer mit der Gefahr verbunden ist, den eigentlichen Mythos, als das, was er ist, damit zu entwerten, weil man insgeheim oder unterschwellig nun annehmen könnte, dass der Mythos entzaubert ist, weil er nun eine rationale Erklärung hat - denn es spielt bei solchen rationalen Verklärungen keine grössere Rolle, dass der Mythos zustande gekommen ist, und wirkt; als wie der Umstand, wie das geschehen ist, durch welche Vorlagen usw. oder (vermuteten) Ähnlichkeiten mit geschichtlichen Ereignissen oder Prozessen. Man bezieht sich mit anderen Worten mit rationalen Erwägungen zu oft dann nur noch auf Äusserlichkeiten.
Würde man die deutsche Bundesrepublik, wie sie 1948 gebildet wurde, nur als Antwort auf die nationalsozialistische Zeit sehen, wäre dies auch zu kurz gegriffen, weil sich in dem Akt der Bildung eines Staates auch etwas ausdrückt, was dem Volk und der Kultur eigen ist, und zwar weitgehend unabhängig von den weiteren Umständen der Bildung. Wir müssen bedenken, dass die Zeit der antiken Griechen eine andere ist, sie unterlagen gewiss nicht so sehr der Kontinuität der Geschichte, als wie wir heute in der Kontinuität eingebettet sind. Mit anderen Wirten, wir können mit guten Grund annehmen, dass die Griechen mehr Freiheiten hatten, ihre Geschichte "umzuinterpretieren" in einen Mythos. Denn für sie war nicht der reale Ablauf der Geschichte zwingend, sondern wie sie selbst zu ihrer eigenen Gegenwart standen. Sie definierten ihren Standpunkt nicht aus den Umständen, sondern aus ihrer Haltung gegenüber diesen Umständen!
All diese minoischen Traditionen gehen auf eine Zeit ab 3000 v. Chr. zurück und finden ihre deutlichste Ausprägung anscheinend zwischen 2000 und 1500.
Das Dunkle, Chtonische ist der Erde zugewandt, ist zugleich aber nach aussen gewandt, tritt vermehrt als Kult auf, während das in der Kultur Griechenland erst später auftretende Helle und Olympische dem Innen des Menschen zugewandt ist und Vergeistigung zutage bringt. (Nach Burkert und Schadewaldt).
Eine Höhle ist für die Menschen des Neolithikums, die ja nun
beginnen
in Gemeinschaften zu leben und kulturelle Regeln einzuüben, sicherlich
ein Ort der
Abgeschiedenheit geworden: Hier wird Verbindung mit geheimnisvollen
Kräften und Visionen gesucht, oder Verbindung mit dem Selbst und
Unbewussten; eigentlich entsteht hier einfach gesagt die Beziehung
zwischen
Heiligen und Mensch, ferner mit dem Dunklen und Geheimnisvollen.
Eine
Beziehung, eine Aufmerksamkeit, die durch regelmässige Kulte aufrecht
erhalten werden soll.
Der
Ort einer Verbindung mit der anderen Wirklichkeit, die vielleicht
heute verloren wurde für den Lohn des Verstandes. Vielleicht geht es
aber
damals auch wirklich um Magie, um Beeinflussung von Kräften. Eine
andere Wirklichkeit, so lehren uns die ethnologischen Studien zum
Schamanismus, ist auch immer eine Ausrichtung der Wahrnehmung auf
unsichtbarer Wirkkräfte, also Magie.
Hier in der Höhle wurden auch
Tier-Opfer vollzogen.
Vielleicht wurden Werkzeuge des Tötens
unter dem Blut der Opfer hier sogar geweiht (nach W. Burkert; S.56).
Burkert spricht von
einem Prinzip der Gabe und Gegengabe: Macht um Macht.
In Höhlen auf
Kreta aus der Zeit um 2000 hat man auch schon grosse Statuetten in Fels
gehauen vorgefunden, etwa aus einem Stalagmit hervorgehend, und die
Figuren sind mit einer Mauer eingegrenzt. Weiterhin Altäre zum Teil mit
Hörnern gekrönt, oft auch Höhlen, an die ein Hausbau und Palastbau
schliesslich anschloß und so die Höhle zum Bau integriert wurde.
Man fand viele Hinweise auf Tieropfer, anscheinend wurden die Opfer
zerstückelt.
Weibliche Idole finden sich nur in Hauskulten, aber nicht in Höhlen. Ein weiteres Charakteristikum kretischer Hauskulte sind die Schlangengöttinnen und Schlangendarstellungen. Schlangen tendieren dazu mit dem chtonischen (irdischen) Kräften in Beziehung gebracht zu werden. Vielleicht hielt man sich auch echte Schlangen.
Das Opfer hat auch Bezug zum gemeinschaftlichen Aspekt, dem Aspekt des Zusammenlebens und Zusammenseins: die Atmosphäre und gegenseitige Stärkung die dadurch entsteht. Auch dient das Gemeinschaftliche der Stärkung der kultischen Handlung selbst.
Schon die Einrichtungen des Thronsaals der Paläste auf Kreta,
und das
Megaron auf
dem griechischen Festland weisen mit ihren Bänken an den Wänden auf den
einfachsten aller menschlichen Kulte hin: Das Zusammensein.
So
wurden
auch Opfer auf Kreta gemeinsam begangen, man teilte sich die Aufgaben.
Vielen Mitgliedern des Haushaltes oder der Palastfamilie (? - es ist
unklar wer in den Palästen wohnte und lebte) kamen
Aufgaben zu.
Um 1375 v.Chr. fand man den Megaron-Stil schliesslich auch in
Kreta,
was
vermuten
lässt, dass entweder die mykenischen Griechen (besser gesagt ihre
Kultur) nach Kreta vordrangen
oder weniger wahrscheinlich die Kreter (weniger wahrscheinlich) den
mykenischen Stil
übernahmen. Jedenfalls fand zu dieser Zeit die Verschmelzung
beider
Kulturen statt. Es ist nur unklar, in welcher Art und Weise das geschah.
Homer
berichtet von dieser Zeit, dass auf Kreta viele Völker
nebeneinanderlebten (Homer lebte um 800 v. Chr. und war also nicht
Zeitzeuge sondern musste wohl irgendeine Quelle für diese Angaben
gehabt haben).
Auf Zypern hat man aus dem 1200 v. Chr. einen viereckigen Steinaltar mit einem mykenischen Hörnersymbol gefunden (die Stilrichtungen der verschiedenen Hörner in der Ägäis lassen sich entweder auf minoische oder mykenische Herkunft beziehen, aber hier auf Zypern deutet eben auch vieles auf mykenischen Einfluss hin). Auf Zypern fand man auch syrisch-hethitische Statuetten eines Kriegergottes.
Die Zeit 1250-1200 v. Chr. indes wurde für die antiken Griechen eine Art Rückschlag, als die barbarischen Zerstörungen von erobernden Seevölker die antike Kultur auf ein niedriges Niveau brachte: Städte und Siedlungen wurden geplündert, zerstört und in Brand gesetzt, damit auch die Verwaltungsstruktur - einige Achäer (das sind Griechen des Festlandes) haben sich anscheinend dann nach Zypern abgesetzt wo sie in Paphos sehr wahrscheinlich ein Aphrodite Heiligtum schufen und in Kition ein Heiligtum für den "Schmiedegott" (Hephaistos); - es gab auch andere Völkerbewegungen zu dieser Zeit; - ab diesem Zeitpunkt hören auch die überlieferten Dokumente über die Ägäis (mit den Linear B-Tafeln) auf, bis um 800 v. Chr. die griechische Schrift eingeführt wurde.
In der Kulturgeschichte wird diese Zeit zwischen 1200 v. Chr. und ungefähr 750 v. Chr. in grossen Teilen als "dunkles Jahrhundert" bezeichnet, da vor allem keine Schriftaufzeichnungen existieren; - gleichwohl, genau in dieser Zeit wurde das uns bekannte antike (mythologische) Griechenland vorbereitet oder eine Brücke geschaffen von der alten mykenischen/minoischen Zeit zur olympischen Zeit.
Auch haben neue archäologische Funde bewiesen, dass lediglich das Fürstentum anscheinend vom Niedergang betroffen war, aber die Keramik und andere Kunsthandwerke wurden weiterhin praktiziert.
Eine sog. "kleine Aristokratie" stützte ihre Herrschaft vereinzelt weiterhin aus ihrer Abstammung und ihrem Besitz. Dem Adel (das sind Könige und Königssöhne über einzelne Gebiete, Familienherrschaften) wird von der Forschung eine grosse Rolle für das Wiedererstarken der griechischen Kultur anno 1000-800 v. Chr. zugesprochen. Sie wurden vom einfachen Volk zum Teil vielleicht auch als die "Besten und Edelsten" gewählt oder, nach einer anderen These, wanderten sie vor allem aus Athen in die zerstörten Gebiete ein.
Nicht die Volkstradition wurde zerstört, sondern nur die Paläste und damit die alte, äussere Organisationsstrukur der Gesellschaft.
Ähnliche Vermischung der Kulturen wie in Griechenland fanden wohl auch bei den Hethitern statt. Indoeuropäische u. moderne Einflüsse vermischen sich mit babylonischen, kultivierten Ureinwohnern und archaischen Bestandteilen ursprünglicher Art.
Um 1200 v. Chr. wurden auch die Hethiter (auf dem Gebiet Anatoliens) verdrängt von einfallenden (wilden) Bergvölkern, es könnten sich um dieselben Seevölker handeln (die auch zu Land angegriffen haben könnten), die auch die gesamte Ägäis zu dieser Zeit angriffen und verwüsteten, oder um Verwandte der Illyrer, Thraker und Makedonen.
Phrygien und Lydien waren die letzten hethitischen Reiche. In Phrygien war eine frühe Form des Dionysoskults übrigens stark verbreitet.
Tierkult, totemistische Attribute und Naturmagie erstanden hier noch einmal auf, in einer Ähnlichkeit zu urzeitlichen Kulturen der Felsbilder. Ihr König, der sie auf Feldzügen anführte hiess Midas. Es kann auch sein, dass dieser nur ein berühmter war und bald jeder phyrigische König von den Griechen "Midas" gerufen wurde. Angeblich soll einer dieser Midas` so etwas wie ein schamanischer Häuptling gewesen sein, Oberhaupt einer Primitivenreligion.
Im benachbarten lydischen Reich war das Leben mehr vom Handel bestimmt und hier in Lydien findet die Sage um den Frevler Tantalos seinen Ursprung. Das Menschenopfer steht mit Lydien wahrscheinlich in einem entfernten Bezug, da dieses lydische Volk asiatischer Herkunft war, dass sie (nach Herodot) aus dem Gebiet des Euphrats kamen, wo rituelle Menschenopfer in Kult und Religion sehr üblich waren.
Um 1000 v. Chr. entstand als Höhepunkt der vorherigen mykenischen Einflüsse die griechisch-hellenische Polis, des auf Gleichberechtigung und Freiheit der Bürger gegründeten Gemeindestaates. Wie bereits erwähnt, geht die Bezeichnung Mykenen auf einen (ersten) archäologischen Fundort auf dem griechischen Festland zurück, Mykenai. Damit begann die heutige Rekonstruktion der festländischen griechischen (also mykenischen) Kultur.
Um 1300-800 v. Chr. entwickelte sich die griechische Schrift anscheinend mit Einflüßen aus Phönizien (Konsonantenschrift) und aus der Vorlage einfacher Strichzeichnungen (Tontafeln-Schrift Linear-B), die ihrerseits aus einfachen Bildzeichnungen hervorging.
Es scheint gar nicht so leicht, den möglichen Einfluß der Kreter und auch der ursprünglich einheimischen Ägäer des übrigen griechischen Festlandes, auf die später einwandernden (hellenischen) Griechen zu rekonstruieren, die den mykenischen Stil zustande brachten. Dieser mykenische Stil hat schon mehr Ähnlichkeiten mit dem, was wir ab 800 v. Chr. als griechische Antike kennen.
Etwa 1750-1600 v. Chr. begann die eigentliche mykenische Kultur in Vielzahl auf dem Festland aufzutreten, etwa mit Schachtgräbern und typisch mykenischen Keramiken. Aber erst ab 1500-1400 v. Chr. scheinen die Mykenen sich wirklich auf ihrem kulturellen Höhepunkt zu befinden.
Das Löwentor von Mykenai wurde etwa 1380 v. Chr. gebaut. Die mykenische Heldenzeit, d.h. epische Heldenzeit soll auch um diese Zeit gewesen sein. Das Pferd war übrigens im mykenischen Griechenland früher bekannt als bei den minoischen Kretern.
Um 1300 v. Chr. waren bereits viele bei Homer aufgeführten Götter auf gefundenen Tontafeln verzeichnet (einer mykenischen Tafel). Aus diesen Tontafeln geht auch hervor, dass viele der späteren mythischen Personen und Helden wirklich gelebt haben.
Die Endungen in der griechischen Sprache, zB -nthos oder -ssos sind keiner indoeuropäischen Sprachfamilie zuzuordnen (apropos: ob indogermanisch oder indoeuropäisch, es ist ein und dasselbe gemeint) und stammen noch von den alten Ägäern - es finden sich in Anatolien ähnliche Endungen, womit man zusammen mit anderen Informationen annehmen kann, dass die Ägäer (die 2.800 v. Chr. oder früher einwanderten) tatsächlich aus Anatolien stammen.
Viele Pflanzennamen, Bezeichnungen für Flüße, Berge und Inseln übernahmen die Griechen von der eingeborenen (ägäischen) Bevölkerung.
Bevor die indoeuropäischen Griechen nach Griechenland kamen, lebten dort ein vorindoeuropäisches Volk, das waren eben die Ägäer.
Diese Ägäer waren im gesamten Mittelmeerraum verbreitet. Die (mykenischen) Griechen kam als Indoeuropäer wohl zunächst als Eroberer, oder wanderten auf freie Flächen ein und vermischten sich sehr wahscheinlich in den ersten Jahrhunderten (also anno ab ca. 2200 v.Chr.) nach der Einwanderung mit der einheimischen (ägäischen) Grundbevölkerung.
Es wanderten übrigens in ganz Südeuropa Indoeuropäer ein.
Diese Einwanderungen werden auch als "dorische Wanderungen" bezeichnet. Dorisch ist neben der Bezeichnung für einen Volksstamm, auch die Bezeichnung für die erste typische Phase der hellenischen Kunst (kurze Stilbeschreibung der Säulen am Ende des Artikels unten).
Kreta war ein Mittelpunkt der ägäischen Besiedlung. Die Urbanität, also die Stadt, wurde im minoischen Griechenland der Ägäer etwa zwischen 3200 - 2500 v. Chr. eingeführt, vom Orient her. Es wird angenommen, dass eigentlich die spätere hellenische Polis, der Stadstaat, als überragende kulturelle Leistung auf die Stadtidee der Ägäer zurückzuführen ist.
Die Kreter bauten etwa zeitgleich mit den ersten Einwanderungen der Griechen ihre grossen Paläste etwa 2000 v. Chr (Knossos, Phaistos und Malia). Anstatt davon auszugehen, dass die Kreter das griechische Festland beeinflussten, kann man auch davon ausgehen, dass es die (festländischen) Griechen gewesen sind, die in gewisser Weise sich von den Kretern nahmen, was sie nützlich fanden.
In Gräbern wurden indoeuropäische Männer neben ägäischen Frauen gefunden (Unterschiede der Rasse). Entweder die neuen Männer waren Einwanderer, die die ursprüngliche Familie zurückliessen, oder aber sie eroberten Siedlungen und Städte und nahmen sich die Frauen.
Es gibt einige Ansichten, dass um 1600-1200 v. Chr. für die Griechen des Festlandes und für die Kreter diese gesamte Zeit eine Art Wikingerzeit war, mit vielen Raubzügen über See, vielen Abenteuern und Freude an der Beute - es wurden auch Sklaven dabei genommen, vor allem für die Bauten der Paläste auf Kreta, so nimmt man an.
Homer benutze das Wort Achäer als Sammelbegeriff für die mykenischen (festländischen) Griechen. Aber um 1200 gab es dann für die Achäer und andere ägäische Kulturen (ägäisch=des Mittelmeers um Griechenland) wie bereits erwähnt, eine Niederlage durch Raubzüge anderer Seevölker, vermutlich waren es die Lykier (aus dem Süden Anatoliens); diese werden schon in ägyptischen und hethitischen Texten nicht nur als andauernder Unruheherd bezeichnet, sondern sie sind vermutlich tatsächlich gemeint, wenn die ägyptischen Schriften von solchen erobernden Seevölkern sprechen, die sicher auch über Land zogen, aber das Meer als massgeblichstes Mittel nutzen: Zur selben Zeit wie die grosse Vernichtungswelle anno 1200 v. Chr. in der Ägäis, musste der ägyptische Ramses III. sich gegen eine Macht zu Lande und zur See zur Wehr setzen. Dabei bezwangen die Ägypter diese Völker, aber nur unter grossen Verlusten. Verschiedene Bezeichnungen in diesen Schrift-Quellen führen uns fast sicher zu den Lykiern: http://de.wikipedia.org/wiki/Seevölker
Hier anschauliche Bilder aus dem (ausgegrabenen) Palast zu Knossos; - man sieht den Thron und die Wandbänke und in der Mitte die Feuerstelle: http://www.antikefan.de/Bilder/Knossos/thronsaal.html
Um
1600 wurden auf Kreta neue Paläste gebaut, nachdem die Blütezeit der
Architektur auf Kreta um 1700 v. Chr. zuende ging. Diese neuen Paläste
und Herrscherhäuser dienten vor allem religiösen und staatlichen
Zwecken.
Es waren nicht nur Wohnräume, sondern auch viele Arbeitsräume
für Kunsthandwerker darin, und umfangreiche Magazine, in denen die
Güter, Vorräte und Reichtümer der Fürsten aufbewahrt wurden. Es sind
zahlreiche Einzelräume kleinerer Art, die auf ein behagliches
Zusammenleben schliessen lassen, und nicht so sehr auf die monumentale
Großartigkeit des Throninhabers.
Der mittelmässig grosse Thronsaal,
eher ein Gemach (beispielhaft auf Knossos) befindet sich an einer Ecke
des Palastes, getrennt von einem Vorhof direkt am Palasthof.
Ein
sehr grosser Palasthof war stets üblich.
Dieser Thronsaal (siehe den
Link zu den Aufnahmen oben) hatte
Wandbänke, und dem steinernen Thron gegenüber befand sich eine Art
"Lichtschacht mit einer Säulenstellung; - ein paar Stufen führen in die
durch ihn gebildete Vertiefung hinab... (Springer Kuntsgeschichte;
S.111)."
Vermutlich wurde dieser Raum zu kultischen Zwecken, aber
wegen einem wasseranfälligen Gipsstuck wohl kaum zum Bad oder zur
Reinigung genutzt.
Säulen waren auf Kreta schon lange üblich, wie übrigens ebenso im
Orient und in Persien.
Säulen finden sich zahlreich in den Palästen.
Lebendige, frische, farbenfrohe Wandmalereien und Verzierungen und die
Abbildung eines wahrscheinlich sehr matriachalisch geprägten Lebens
befinden sich an den Wänden dieser Paläste, auch auf dem griechischen
(mykenischen) Festland.
Man fand in den Palästen auf Kreta Figuren von Tauben, die von
Säulen
oder Balustraden abgefallen waren. Man fand Terrakotta Figuren, und
eine Zahl von Räumen mit Altären, die nichts anderes als ein Heiligtum
ausdrücken konnten.
Doppeläxte waren auf Kreta und in den Palästen auf Kreta weit
verbreitet, auch als
formgebendes Element von manchen Altären. Die späten Idole sind
allesamt primitiv, grob und unförmig. Vielleicht aus bewusster
Absicht.
Der Palast war der Sitz hoher Beamter, die wahrscheinlich religiöse wie
staatliche Dienste verrichteten.
Besonders befestigt war der Palast
nicht, anscheinend fühlte sich das Inselvolk recht sicher.
Es
wurden
aber in einem Gang im Fußboden bestimmte Vorrichtungen entdeckt, in
denen Behälter in den Boden eingelassen werden konnten. Man nimmt an,
dass hier Kostbarkeiten versteckt wurden, um sie vor
Eroberern zu schützen. Es kann sich aber auch um einfache
Aufbewahrungsorte handeln. Es sind verwinkelte, vergleichsweise schmale
Gänge. Es gibt reich dekorierte Korridore, herrlich bemalte Säle,
aufwendig gestaltete Treppenhäuser und säulenumstandene Galerien.
Übrige kretische Wohnhäuser auf dem Land waren
meist rundlich bzw. oval, und selten rechteckig; allerdings waren die
Räume der Paläste überwiegend rechteckig. Es wird allerdings auch
angenommen, dass der Palast kein Herrschaftssitz war, sondern in erster
Linie ein kultischer Ort.
Viele
Gaben (Opfer von Lebensmittel und
anderen Gütern) wurden hier anscheinend aufbewahrt. Es wurden in
Knossos vermeintliche Belege für Menschenopfer gefunden (eigentlich nur
einen einzigen Fund), doch ist eher
davon auszugehen, dass es sich dabei um
vereinzelte Bestattungen
handelte, wodurch aus einem besonderem rituellen Umstand dann die
Knochen eines Menschen mit den Kultplätzen in Verbindung gebracht
wurden. Oder es war ein vereinzeltes Menschenopfer, oder ein
gestorbener Mensch / Kind wurde nachträglich mit einem Ritus in
Verbindung gebracht.
Die rechteckige Form der Wohnhäuser fanden sich vielmehr auf
dem
griechischen Festland als auf Kreta.
Auf dem Festland ordneten sich die meist rechteckigen Räume um ein
Gemach (Megaron) herum an.
Tanz und Prozession werden in der
Bildkunst sehr oft gezeigt. Es scheint, als stünde schon im minoischen
Kreta der Tanz als Ritual in Beziehung zum Heiligen, zum Kult und
Dienst, im Einklang mit dem eigenen Vergnügen und Wohlgefallen an
solchen Tätigkeiten. Fröhlichkeit scheint eine göttliche
Tugend zu
sein.
Zwischen 1700 und 1505 v. Chr. fanden anscheinend auf
Kreta
einige grössere Katastrophen statt,
denen viele Herrscherhäuser und Paläste zum Opfer fielen. Es gab auch
um
1400 eine erneute Zerstörung mancher Paläste. Es ist bis
heute nicht ganz gesichert, worin diese Katastrophe bestand: Brutale
Eroberungsfeldzüge (die festländischen Ächäer oder andere könnten
1400 v. Chr. eine
Invasion auf Kreta unterommen haben, dabei könnte ein gigantischer
mehrere Tage langer Brand den Palast von Knossos zerstört haben), oder
Waldbrände, Vulkanausbrüche (der Ausbruch des Santorin
auf Kreta wird für 1628 v. Chr. angenommen),
Erdbeben (wird für 1700 v. Chr. angenommen)?
Doch die
geistige Kraft muss noch hundert Jahre stark genug gewesen sein, um
weiterhin Kunst und Kultur zu schaffen. Um 1400 v. Chr. fielen die
Paläste auf
Kreta das letzte Mal in Trümmer und wurden nicht wieder aufgebaut; - es
scheint, als sei auch die hohe Blüte Kretas, das schöpferische
Schaffen damit weitgehend beendet gewesen, obwohl das Leben
natürlich noch fortbestand und auch einige Kulte, währenddessen nun auf
dem
griechischen Festland die Paläste und Burgen empor wuchsen.
Um 700 v. Chr. begannen (vermenschlichte)
Götterbilder
vermehrt aufzutreten und
auch der Tempelbau wurde nun üblich. Der Tempel geht - während einer
jahrhundertelangen Evolution - aus dem zentralen Raum (Megaron) des
Wohnhauses hervor.
Das Prinzip
scheint zu sein, dass man tatsächlich den Göttern einen Ort einrichten
musste, wo diese wohnen; jedenfalls um sie so der menschlichen
Erfahrung näher zu bringen. Wahrscheinlich entsprang diese
Konkretisation des Tempels dem archaischen Vorbild des Hausvaters, nur
musste jetzt wohl auch eine Trennung zwischen der eigenen
Unzulänglichkeit und der angeblichen Vollkommenheit höchster Archetypen
geschaffen werden.
Leben und Kult, Menschen und Götter waren eng
ineinander verwoben. Aber es ist nicht ganz sicher, wie sich die
Herkunft des Tempels aus den anfänglichen Megaron und Wohnhaus wirklich
erklären lassen kann.
Bildlose Kultstätten auf Berghöhen oder in Wäldern blieben mit
dem
Auftreten des Tempels noch ferner bestehen. In und an Tempeln
musste allerdings nicht notwendigerweise ein Götterbild anzutreffen
sein und es konnte ein Tempel einem bildlosen Kult dienen.
Ab 800 v. Chr. taucht der epische Gesang mit Homer auf, die
Götter und Helden
werden beschrieben, erzählt und überliefert und finden sich nun auch
auf Bildern, bei Keramiken, Fresken, Siegeln, Münzen, Gruppen von
Statuen und auf Tempelgiebeln etc. Der Tempel wird hundert Jahre
später, um 700 v. Chr. zur Blüte gebracht.
Die Burg Mykenai liegt auf der Peloponnes Halbinsel, jener
Teil
Griechenlands, der den Zipfel bildet und an das im Süden Kreta als
Insel
anliegt. Nur ein kleiner Landstrich verbindet die Halbinsel Peloponnes
mit dem
nördlichen Festland Griechenlands, weshalb die Griechen diesen unteren
Teil
Griechenlands als Insel auffasten.
Diese (Halb-)Insel ist nach Ahnen des Agamemnon benannt. In der Illias
ist Agamemnon der grosse Gegenspieler des Achilles, dessen Zorn den
Kern der homerischen Dichtung Ilias
ausmacht. Homer schrieb (bzw. sang)
dieses Epos 800 v. Chr.; - die Blütezeit der Mykenai Burg lag zwischen
1400 und 1150 v. Chr.. Damals 1194 bis 1184 v. Chr. soll der Kampf um
Troja
stattgefunden haben.
Die wichtigsten Stätten
der vorhomerischen Kultur bestehen in den Burgen Mykenai und Tiryns,
die Ruinen von Pylos und die Paläste auf Kreta.
Auf Kreta hat man drei Arten von Schriften entdeckt. Eine
uranfängliche
aus Hieroglyphen bestehende Schrift (bestehend aus Bildzeichnungen: zB
Kopf, Hand,
Stern, Pfeil), die wahrscheinlich in der Zeit 2000-1750 v.
Chr.
angewandt wurde. Und eine sogenannte "Linear-A" Schrift aus der Zeit
ca. 1750-1400 v. Chr., bei
denen die Bildzeichen nun zu Linien vereinfacht wurden.
Meist
wurden landwirtschaftliche Erzeugnisse in dieser Schrift festgehalten.
Diese Schrift fand man auf Kreta und vereinzelt
sogar ausserhalb Kreta, zB auf der Melos Insel und Kythera, auch auf
dem Festland. Dargelegt sind darin Personenlisten und
Güterverzeichnisse. Aus
der Zeit dieser "Linear-A-Tafeln" wurde auch ein Diskos/Diskus in
Phaistos gefunden, eine runde Steinscheibe, die spiralförmig
beschriftet ist
(es ist wahrscheinlich, dass diese Scheibe sich auf eine Zeit ab 1700
v. Chr. bezieht).
Irgendwann wurde die "Linear-A Schrift" durch die sog.
"Linear-B
Schrift"
ersetzt: man nimmt an, dass das um 1500-1400 v. Chr. geschah.
Man fand auf der Insel Kreta anscheinend nur in Knossos (1375 v. Chr.)
solche
Tontafeln der B-Schrift - weiterhin aber auf dem Festland
in Theben
(1250 v. Chr.), Mykene (1230 v. Chr.) und Pylos (1200 v. Chr.).
Die Burg Pylos, das ist jene
Burg,
auf der der reale Nestor regierte (auf der Peloponnes
Halbinsel).
Die Griechen und Ägäer trockneten diese Tontafeln nur an der Sonne,
und nicht durch Feuer gehärtete Tontafeln sind allesamt über
die
Jahrhunderte verschollen.
Wahrscheinlich sind die Funde und Datierungen nur dem Umstand
zuzuschreiben, dass
sie zu diesem genannten Zeitpunkt durch eine Feuerkatastrophe in den
jeweiligen Palästen genügend gehärtet wurden, um der Nachwelt erhalten
zu bleiben. Es ist von ernstzunehmender Seite der Wissenschaft
jedenfalls
anzunehmen, dass diese Tontafeln alle aus einer Zeit um
1450 v. Chr. herrühren,
als vor allem mykenische Fürsten die Insel Kreta in Beschlag nahmen und
wohl
irgendwie (von selbst oder mit Sklaven) aus der Schrift des "Linear-A
Typs" Inspirationen für eine neue "Linear-B" Schrift aufnahmen.
Es
können Wald-Brände (1375-1200 v. Chr.), oder gelegte Brände von
Eroberern die zerstörten Paläste
erfasst haben (neben einem möglichen Bekriegen der Griechen
untereinander, könnten auch die mutmaßliche Eroberungswelle
der
Lykier für diese Brände um
1200 v. Chr. verantwortlich sein).
Gefunden wurden auf Kreta und dem griechischen Festland insgesamt über 5000 Tontafeln.
Anscheinend gab es zumindest für Knossos mindestens 60
verschiedene
Handschriften, woraus sich 60 Schreiber beziffern lassen. Dabei fällt
auf,
dass nur ein Schreiber sehr viele Sachgebiete verwaltete, aber sonst
alle jeweils nur zu bestimmten Sachgebieten schrieben (Landbesitz,
Viehherden,
Bronzezuteilungen, Nahrungsmittelrationen, Überführungen in
Heiligtümer). Als Personen werden auch genannt: Eisenarbeiter, Schäfer,
Schiffsbauer, weibliche Müllerinnen, "alle Arbeiter",
Schweinehirten, Häuserbauer, Tochter, Vater usw. und als
Gegenstände Honig,
Minze, Käse, Parfüm, Medizin, kleines Schwert, Bett, "alles und jedes",
Palmbaum usw. - auch Krüge waren mit dieser "Linear-B Schrift"
bezeichnet.
Die Sklaven
dieser Zeit könnten auch weitgehend als "gefestigte Untertanen"
bezeichnet werden,
so wie es in der modernen Arbeitswelt auch nur Arbeiter sind, die
streng die Vorschriften und Anweisungen befolgen müssen. Ein üblicher
Sklave muss ausführen, was an ihn herangetragen wird. Nicht immer waren
diese Arbeiten menschenunwürdig, sondern beziehen sich vermutlich auch
auf Aufgaben, die die jeweiligen Sklaven kraft ihres Talentes oder
erworbener Fähigkeiten erfüllen konnten.
Man kann sich ja nun allerhand ausdenken, um diese Bezüge der Tontafeln zwischen der Peloponnes Halbinsel und Kreta zu erklären; - allerdings soll nichts darüber hinwegtäuschen, dass die Tontafeln aus unterschiedlichen Zeiten stammen könnten (nur die Brände konservierten die Tontafeln und vielleicht (?) beziehen sich die Datierungen mittels der c14 Methode nur auf die Umwandlung der stofflichen Materie durch eben diese Brände. Ich bin darin allerdings kein Experte um das mehr als nur vermuten zu können.
Auf den Tontafeln - so wurde übersetzt - werden meist Speisen aufgeführt wie Koriander, Sesam, Kümmel, und andere Gewürze.
Aus der Tafel in Knossos: Überführungen in örtlich genannte Tempel und Heiligtümer, auch entweder an Götter oder Göttinnen (als Herrinnen angeredet), oder andere Personen: "für die Herrin, in Pakijana, für manasa, trisheros, dopota"; - hier tauchen auch viele den Götternamen schon auf, wie am deutlichsten Poseidon: "für poseidaon" - und die Bezeichnung "für alle Götter", als wäre damit ein allgemeiner Tribut gemeint, damit kein Gott vernachlässigt wird: Denn diese Art von Zurückstellung, dass man einem Gott versäumt zu opfern, finden wir im griechischen Mythos einige Male. Oder es geht um eine einfache Universalität.
Was der Hintergrund der Anfertigung dieser Auflistung von
Überführungen
in Heiligtümer ist, kann nur vermutet werden.
Vielleicht
eroberten
Griechen Knossos und liessen sich dort nieder und veranlassten die
Kreter ihnen jeweils einen Teil von Ernten zu überlassen, was dann den
Göttern geopfert wurde?
Drückten also die
Tontafeln der Zeit ab 1375 v. Chr. auf Kreta mykenischen
Einfluss aus? Es ist
sehr wahrscheinlich - auf jeden Fall finden wir hier den Beleg einer
allmählichen Kristallisation späterer antiker Götter und eine
zunehmende Vermischung beider Kulturen auf Kreta - doch das
minoische lebte nebenher auch noch weiter, während es an anderen Orten
ab 1200 v. Chr. mit den mykenischen Traditionen zu
verschmelzen scheint.
Anno 1200 v. Chr. gab es diese Zerrüttung
durch angenommene intensive Eroberungen durch Seefahrer
vermutlich aus Lykien (Lukka-Länder). Dass nun die Kultur
zurückgeworfen wurde, sorgte für eine Art
Revision. Viele Götter, die anscheinend bis dato schon auftauchten,
verschwanden, und ab 1000 v. Chr. kamen neue Götter hinzu.
Andere Götter
überdauerten die ganze Zeit, so eben Poseidon.
Poseidon wird auf dem peloponesischen Pylos oft genannt, und hat
anscheinend mehrere ihm dienende posidaiewes
ihm
untertan - ob es Priester(innen) oder Sklaven sind, ist ungewiss,
aber an einer anderen Stelle der Tontafeln werden für den Götterdienst
sehr viele Sklaven genannt.
Das weibliche Element steht in der
minoischen Kultur vorrangig, oft werden nur Priesterinnen genannt (so
eine Priesterin des Windes). Eine Ausnahme taucht in Pylos auf. Dort
gibt es Priester und Priesterinnen. Ausser Zeus/Hera und Poseidon
tauchen in Pylos auch Göttinnen als Herrin (pótnia=Herrin) schlechthin
auf, ohne weitere Bezeichnung: so heisst die Göttin des Heiligtums
Pakijane in Pylos einfach Pótnia. Anscheinend bezieht sich das Wort
Priester (minoisch-etymologisch) auf eine vollamtliche Stellung, und
ist nicht nur vorübergehend oder nebensächlich. Durch Gaben und
Darbringungen erweisen sich die Tempel und Heiligtümer auch schnell als
"reich".
Das mykenische Pylos kennt auch eine "Göttliche Mutter", eine Mutter
der Götter (vielleicht war Rhea gemeint), und auch schon Artemis und
Dionysos. Oft taucht in Bezug zu
Poseidon das Wort "Bett-bereiten" auf, anscheinend geht es dabei um
eine Art Hochzeitszeremonie (verbunden mit halbwegs magischen Kulten,
wie man es schon aus den anderen Hauskulten kennt).
Die Tafeln stammen aus einer Zeit zwischen 1375 (älteste) und
1200 v. Chr. (jüngste in Pylos).
Es fanden sich auf den
Tafeln auch die Anzahl von Widdern einer Herde, Mutterschafen, Böcken
und
Ziegen, Wildschweinen und Stieren. Bronzeschmiede wurden namentlich
genannt und das Gewicht des Metalls, das sie verarbeiteten.
Aufzeichnungen über Geschirr, Mobiliar, alle möglichen
Gebrauchsgegenstände, Wein und Notizen über Kampfwagen. Angaben über
verkaufte und gekaufte Sklaven, mänliche und weibliche. Auch die Menge
des Öls, das von königlichen Dienern und Dienerinnen verwendet wurde
(in Pylos) ist angegeben.
Knossos bildet rein von der geographischen Lage her,
von den
grössten Städten die zentralste Lage bezogen auf Griechenlands
Festland.
Einige Forscher aber gehen davon aus, dasss die
Griechen des Festlandes die Kreter auf Knossos dazu zwangen eine
besondere Schrift
herzustellen, woraufhin also die Linear-A Schrift in die Linear-B
Schrift
umgewandelt wurde. Woraus schliesslich die griechische Sprache
entstanden sein soll.
Mir erscheint diese Art Zwangsausübung wahrscheinlich, indem Sklaven diese Tätigkeit übernehmen mussten, aber es ist merkwürdig, dass man auf dem Festland mehrere solcher Tafeln (der Linear-B Schrift) fand, aber nicht auf Kreta; - hat man vielleicht Sklaven aus Kreta, die die Schrift aus dem Linear-A Stil weiter entwickelten, auf das Festland gebracht? Es kann auch anders gewesen sein, dass die Griechen ihrerseits selbstständig diese Schrift anwendeten oder eigene Sklaven dazu verwendeten, und die griechische Buchstaben-Schrift könnte dann nebenher entstanden sein; - etwa indem man ja diese Tontafelschrift auch für Beziehungen zu anderen griechischen Orten benutzte und folglich auf diese Weise eigenständig verfeinerte.
Die Griechen kamen zu ihrer uns heute noch bekannten
eigentlichen
Schrift vor allem ab 730 v. Chr., als man Orakelsprüche begann
aufzuzeichnen.
Die sicherste Datierung stammt von 776 v. Chr., zu
diesem Zeitpunkt wurden erstmals die olympischen Spiele aufgeführt und
die ersten olympischen Sieger schriftlich festgehalten. Um diese Zeit
schrieb Homer auch sein erstes Werk Ilias.
Was sind 100 Jahr unserer Zeitrechnung? In hundert Jahren und
ihren
Generationen konnte sehr viel geschehen, in tausend Jahren
erlebten wir
unsere ganze Geschichte des Abendlandes von 1000-2000 v. Chr..
Soviele
Jahrhunderte und
noch mehr steckt auch in der Zeit der griechischen Antike, die lange
vor 2000 v. Chr. ihre Wurzeln in der ägäisch-minoischen Kultur
hat, worauf die Epoche der ersten
deutlichen Ausprägungen der sowohl minoischen als
auch mykenischen Kultur um
1600-1200 v. Chr. folgte - und um
800 v. Chr. schliesslich ihren (vor allem geistigen) Höhepunkt fand -
was
dann 400 v. Chr mit Plato in die Ausbildung rational-philosophischer
Nachbetrachtung mündete und noch darüberhinaus auf unsere Zeit
einwirkte.
In der Tat werden viele mythischen Geschichten mit
Kreta in
Verbindung gebracht:
Die Entführung der Europa durch Zeus soll auch
angeblich mit der Zeugung von Nachkommen, die drei Söhne gezeugt haben,
die das kretische Volk begründeten (wenngleich ich nicht weiss, woher
diese These rührt, ob aus Mythen, von Herodots oder Diodors
Geschichtsauffassung oder modernen Legendenbildungen).
Jedenfalls
findet der Mythos um Minos und der Minotaurus eindeutig auf
Kreta statt und
es
gibt anscheinend noch einiges mehr (Ariadne, Phädra und Theseus, Ikarus
und sein Sonnenflug, Prometheus, Hyperion, Orpheus, Herakles), was auf
Kreta hinweist.
Stammt
die Geschichte um die Titanen vielleicht auch aus Kreta? Waren die
Titanen und Rhea vielleicht archaische, d.h. alte Bestandteile der
kretisch-minoischen Kultur? Es wird oft angenommen, dass der Sieg der
Olympier über die Titanen den Sieg der mykenischen Kultur über die
minoische repräsentiert. Was man allerdings nur spekulativ annehmen
kann, und man sollte diese analoge Stimmigkeit nicht überbewerten, wir
wissen nicht wirklich, in wie weit es einen wahren Sachverhalt
wiederspiegelt, und ob es so bedeutsam ist, dass es einen Sieg der
Mykenischen Reiligion über die Minoische gab. Es mag
zutreffend sein, dass die reale Geschichte diesen Verlauf hatte, aber
es verleitet auch zu vereinfachten Vorstellungen
über diese Zeit und vor allem über den Mythos. Man kann aber annehmen,
dass die Realität die Bildung eines Mythos inspirierte. Sie schmückten
in wahrsten Sinne des Wortes das "mythische Dasein" mit den Ornamenten
der realen Geschichte aus.
Wie dem auch sei,
es spricht nichts gegen irgendwelche Bezüge zwischen
ursprünglicher ägäischer Religion und Titanen, doch sollte man dann den
universalen Charakter eines jeden Mythos zugleich betonen, das heisst,
dass ein Mythos viele analoge Entsprechungen gleichzeitig aufweisen
kann.
Wenn man annimmt, dass die Titanen gleichzusetzen sind mit der
ursprünglichen minoischen Kultur, so vergisst man in der Regel alles
andere (eine Sünde der rationalistischen Methode) und stellt keine
weiteren Bezüge mehr auf. Eigentlich bezieht sich der Mythos des
Kampfes zwischen Titanen als chtonische Mächte und den Olympiern
immerhin auf die Werdung der Schöpfung, und nur nachgeordnet kann man
die eigentliche Werdung der religiösen Vorstellung der Griechen darin
versuchen zu
erkennen.
In Kreta gab es das Matriarchat und die indoeuropäischen Einwanderer ähneln nach Lehrmeinung mehr einer patriarchalischen Stammesordnung, die sie aus dem Norden mitbrachten. Aber auch die Kreter hatten den Thron, den König! Wenn die Hellenen gleichwohl den Tempel aus dem Megaron ableiteten, und das Megaron den zentralen Ort eines Hauses bezeichnete, in dem sich auch der Thron befand und damit auch in Bezug zum Stammvater eines Hauses stand, und die Kreter jedoch ebenso in ihren Palästen einen solchen Ort kannten, und vielleicht nur auf dem Lande vermehrt die Frau den Mittelpunkt des Lebens darstellte (wie es in manchen erhaltenen Gemälden aber auch in der allgemeinen Atmosphäre überliefert ist), könnte sich am Ende eine parallele Entwicklung abgezeichnet haben, so dass Zeus ursprünglich bei Kretern und Mykenen in ähnlichen Entwicklungen zu dem kristallisierte, was er schliesslich im Zusammenschluß beider Kulturen (für uns heute) wurde.
Der griechische Historiker Diodor: "Damals waren die Kreter im
Besitz
einer grossen Seemacht; sie hatten sich die meisten Inseln unterworfen
und beherrschten als erstes Volk das Meer."
Aus den Sagen könnte man weiteres ableiten, denn manchmal gibt es
erstaunliche schon bewiesene Ähnlichkeiten zwischen den darin erzählten
Geschichten und der tatsächlichen Geschichte.
Dem Minos aus der Sage
sollten aus Athen Menschenopfer dargebracht werden, zur Opferung des
Minotaurus. War Athen also unterworfen und tributpflichtig? Dass sich
Leben und Mythen so eng verflochten haben,
kann auch daran
deutlich werden, dass mit dem Labyrinth des Minotaurus wahrscheinlich
die verwinkelten und unübersichtlichen Palastanlagen des Minos in
Knossos gemeint sind. Der Minotaurus könnte den Stierkult
widerspiegeln.
Viele
Forscher bringen immer wieder mit den Siegen der
Helden, wie hier Theseus über den Minotaurus, den Sieg der hellenischen
Kultur über die
ursprüngliche religiöse Macht Kretas in Verbindung, was mir aber oft
entweder als zu einseitig betrachtet erscheint, oder einfach zu
konstruiert aus der Offensichtlichkeit des aus heutiger Sicht
betrachteten Geschehens. Wären die Kreter allerdings siegreich über die
Mykenen gewesen, gäbe es dann keinen olympischen Mythos, oder wäre
es dann der Sieg der Titanen über Zeus?
Der Stier ist ein unberechenbares Tier, und galt den Minoern vielleicht als dämonisch. Dass er geopfert wurde, passt insofern zu manchen anderen wilden Kulten (mit Tieropfern, vermutlich auch Menschenopfern).
Vielleicht fanden die hellenischen Einwanderer eine Art Nährboden, um die konkrete Vorstellung des Zeus herauszubilden.
Weiterhin muss gelten: Die Schöpfungsordnung existiert
tendenziell an
allen Orten weltweit,
sonst gäbe es einen Ort, an dem diese Schöpfungsordnung nicht vorhanden
wäre, das wäre wirklich ein unmöglicher Ort auf Erden. Selbst der
Mensch trägt diese Ordnung in sich.
Die Ordnung der
Schöpfung ist überall weitgehend gleich, vielleicht abgesehen von
klimatischen, geografischen, rassischen Details, und das sind
wirklich nur
Details, im Verhältnis zu der immer vorhandenen Sonne, dem Himmel und
der Erde, zu den
Menschen, Tieren. Sitte, Geist oder die in der Anschauung
begriffene Evolution der Schöpfung beziehen sich an allen Orten der
Welt immer nur auf eine vorhandene (erkennbare) Ordnung; - Anschauungen
über die Evolution kommt in den Mythen wohl auf krummen Wegen
immer zum Ausdruck.
Daher muss es an
allen Orten grundsätzlich möglich sein, durch
Anschauung oder
einer Vision, die
Schöpfungsordnung erst in ganzheitlicher
Anschauung, dann geistiger Überlieferung auszuprägen und schliesslich
in Form von Mythen zu bringen.
Die
Mythen erzählen ein Bild, ein
sinnhaftes Bild, in dem mehreres auf verschiedenen Ebenen ausgedrückt
sein kann, wobei der Mensch aber immer im Mittelpunkt steht. Kein
Mythos kann ohne den Bezug auf den Menschen wirklich erklärt werden. In
dem griechischen Mythos zum Beispiel scheint es Tatsache, dass auch
sittliche Vorstellungen eine Rolle spielen.
Es
ist daher nicht zwingend, Zeus auf die Indogermanen zu beziehen.
Tatsächlich scheinen mehr die Mykenen des Festlandes den Zeus, den wir
kennen, hervorgebracht zu haben. Und zwar in einer Zeit, nachdem diese
eingewanderten Indoeuropäer schon zu den Mykenen geworden sind.
Siehe die Wikipedia Übersichten zum Beginn der
Antike:
http://de.wikipedia.org/wiki/Minoische
Kultur
http://de.wikipedia.org/wiki/Mykenisch
http://de.wikipedia.org/wiki/Antike
1. Dorisch (ab 700 v. Chr.): die typische Säule ist in der Basis und am oberen Kapitell einfach gehalten, der Schaft der Säule ist kanneliert mit 20 flachen Furchen, die etwas scharfkantig aufeinaner stoßen (Wellen), so wird das energeische Aufwärtsstreben der Säulen betont. Die dorische Bauweise und die ionische begleiten die höchte Kulturblüte der hellenischen Architektur, beide Stilformen gehen weitgehend ineinander über. Erst allmählich kam es etwa 400 zu der typischen Form der ionischen Säule. Eindeutige Ursprünge der ionischen Säule lassen sich archäologisch nicht finden.
2. Ionisch (ab 600 v. Chr.): die Säulen sind etwas schlanker aber nicht mehr nach oben verjüngt. Sie ist etwas ungebundener und freier. Die dorische Säule hat mehr Ähnlichkeit mit den minoischen Säulen auf Kreta und die ionische mit denen aus Asien. Das obere Kapitell strahlt nun nach zwei Seiten aus (Spirale) und der Schaft der Säule weist 24 tiefere Furchen oder Kanäle auf, die durch schmale Stege voneinander getrennt sind und wie an der dorischen Säule aneinanderstoßen. Diese Säule findet sich etwa 600-400 v. Chr. deutlich ausgeprägt.
3. Korinthische Säulen haben ein sehr auffallendes Merkmal in ihrem Kopf, das Kapitell ist wie ein Korb, Kelch oder Kranz gebildet, mit Blattschmuck versehen, das an die Barockzeit des Mittelalters vorwegnehmend erinnert. Diese Art der Säule taucht schon bei den Ägyptern auf. Diese Art der Säulengestaltung tauchte in Griechenland etwa 420-300 v. Chr. auf. Die Bezeichnung korinthisch bezieht sich übrigens nicht einheitlich auf die Zeit des Auftretens dieser Säulen, sondern auch auf Reliefkunst, Wandgemälden, Keramik und andere Kulturleistungen, die mit dem Zentrum der Stadt Korinth zusammenhängen.
Man
untersucht das
Alter mit Hilfe einer besonderen chemischen Methode, die als
zuverlässig gilt. Man misst den radioaktiven Zerfall von organischen
Stoffen seit dem Tod - es gibt dabei eine Umwandlung von radioaktiven
Kohlenstoff c14 in gewöhnlichen Kohlenstoff c12.
Bei allen
Messungen lang zurückliegender Zeiten gibt es eine Unschärfe von
manchmal 1000-5000 Jahren.
Die sichere Zeit,
die hierbei gemessen werden kann liegt bei 20.000 Jahren, die
Umwandlung von c14 in Azetylen lässt sich bis auf 70.000 Jahre
verfolgen. Bei drei Messungen einer Probe erweist sich durchschnittlich
eine als abweichend.
Weitere Stoffe können bis über eine Millionen Jahre zurückverfolgt werden. Es gibt daneben noch andere Datierungsmöglichkeiten durch physikalisch-chemische Messung. Die Physiker und Archäologen vermitteln ein Bild der Genauigkeit, sprechen andererseits von Problemen der Datierung, und der normale Nicht-Physiker steht auf dem Schlauch. Deswegen kann ich persönlich nicht davon ausgehen, dass die Zeiten wirklich genau sind, obwohl man sie zur Betrachtung der Geschichte (vorsichtig) heranziehen kann, im Sinne, dass die Zeiten für einzelne Funde durchaus nicht stimmig sein könnten.
Immerhin bildet sich mit den C-Berechnungen ein ziemlich kohärentes Bild der Geschichte ab 10.000 bis heute.