Apoll, auch Apollo oder Apollon (Beinamen: phoibos Apollo = "Leuchtend, rein, heilig"; und nomiós Apollo = nomós, Weide; nómos, Ordnung, nomiós dann im Sinne von Hirte; Apollo medice mit Bezug auf den Gott der Heilung und seiner milden Eigenschaft bei den Vestalinnen), ist als Sohn des Zeus und der Titanin Leto (auch Latona genannt) einer der Olympier. Seine Zwillings-Schwester ist Artemis. Sein Bruder ist Hermes, zu dem er ein besonderes Verhältnis hat.
Dargestellt wird er stets in männlicher, und sehr jugendhafter Kraft. Ähnlich seinem Halbbruder Hermes ist er ein Idealtypus der Männlichkeit, vorwiegend aber weniger muskulös und noch jünger. Während Apollo zur höchsten moralischen Autorität im antiken Griechenland wurde (einzig übertroffen von Zeus), galt Hermes eher als beweglich in den Ansichten und als amoralisch.
Apollo ist der Herr der Heilkunst, der Musik (besonders die Leier), des Bogenschießens, und steht in Beziehung zu Hirten und Herden. Er ist als Beschützer und Lehrer der Musik und für seine mantischen Fähigkeiten bekannt. Apollo ist der wahre, große, nicht irrende Prophet, der den Willen seines Vaters Zeus kennt und diesen den Menschen enthüllt. Seine Prophezeiungen sind fast ausnahmslos durch eine fortgeschrittene Moral gekennzeichnet.
Attribute: Seher, Sonne, Weissagung, Weisheit, Musik (Klang) auch menschliche Stimme, Ärzte. Einheit von Musik, Weisheit und Medizin. Apollo ist Patron der Künste, wegen seiner Nähe zu den Musen.
Orakelgott wie
Sonnengott,
damit in Bezug zur Astrologie als Interesse an den physischen
Einwirkungen der Gestirne auf die Welt und das Leben.
Wechselseitig
gibt es mal förderliche und mal schädigende Einflüsse aufgrund der
Sonnensymbolik. Die Sonne, die heiss verbrennen oder hell nähren
kann. Apollo ist Heiler und Zerstörer.
Besonderes Attribut des Apollo ist unter den Pflanzen der Lorbeer. Man glaubte, dass ein Einschlafender, dem man ein Lorbeerblatt auflegt, einen Wahrtraum haben werde. Deswegen trage der Gott einen Lorbeerkranz. Der Lorbeer ist leicht entzündlich, immergrün und habe reinigende Eigenschaften, was den Lorbeer zu einem passenden Attribut für den Sonnengott mache, da dieser ebenso in Bezug zum Element des Feuers steht. Lorbeer sollte auch ein Mittel gegen Zauberkrankheiten sein. Als Gott der Hirten ist er wie der Hirte auch Arzt der Herde. Und zum Hirtengott noimos passt auch seine Musik; denn Hirten, die spielen und singen waren nicht nur im Altertum geläufig, sie sind es noch heute.
Apollo ist mächtig, er sitzt stets an zur Rechten von Zeus.
Nur einmal zog er sich den Ärger von Zeus zu, als er versuchte ihn zu entthronen. Apollos Sohn Asklepios hatte die Kühnheit besessen, einen Menschen wiederzubeleben, und dadurch Hades einen Toten vorzuenthalten, wodurch einmal Hades sich an Zeus wandte, und gleichfalls auch die Macht des Zeus ins wanken geriet. Zeus erschlug Asklepios daraufhin mit einem Blitz. Apollo wollte sich daraufhin rächen und tötete die Kyklopen (die dem Zeus seinen Blitz schmiedeten). Nur das Flehen um Gnade durch Leto besänftigte Zeus, sonst wäre Apollo auf immer in den Tantaros (Unterwelt) gegangen. Apollo musste aber Besserung schwören. Als Strafe musste er dennoch ein Jahr in den Kuhställen des Admetos arbeiten. Daraufhin entsteht auch der Bezug von Apollo zum Hirtenleben: Die Herde lebt, die Ziegen vermehren sich, und er bewirkt, dass vor allem Zwillinge bei den Schafen und Kühen geboren werden. Nach dieser Arbeit bei Ademtos, dem König von Pherai, als Buße für seine Taten, predigte er - wie er es als Besserung seiner Selbst versprochen hatte - Bescheidenheit in allen Dingen. Die Sätze "Kenne dich Selbst" und "Nichts im Übermaß" verkündete er nun ständig.
Er zähmte dann auch noch die Wildheit der Musen.
In Bezug zu Apollo standen auch die Sibyllen, die als weise Frauen in ähnlicher Weise wie die dunklen Worte der Pythia den Ratschluss der Götter offenbarten. man hielt sie für gottgeweihte Frauen, die bald in ganz Griechenland auftraten.
Entfernt taucht er in Bezug zu den Wölfen auf als "Wolfsgott", indem er den Hirten die Wölfe mit dem Pfeil und Bogen fern hielt. Ebenso konnte er aber diese gefährlichen Wölfe auch über die Herden bringen.
Aus zahlreichen Liebschaften gehen viele Kinder mit Nymphen und sterblichen Frauen hervor: Asklepius (mit Koronis), Orpheus (mit Kalliope), Amphion (mit Antiope), Doros und seine Brüder (mit Phthia), die Korybanten (mit der Muse Thalia), Aristaios (mit Kyrene) u.a.. Apollo versuchte auch mit der Nymphe Daphne zusammen zu kommen, die sich aber mit Hilfe von Zeus in einen Lorbeerbaum verwandelt, oder die in einer anderen Version des Mythos mit Hilfe von Mutter Erde (Gaea) nach Kreta weg gezaubert wurde, an ihrer Stelle ließ Mutter Erde einen Lorbeerbaum zurück, aus dem Apollo sich als Trost einen Lorbeerkranz flochtete - denn er liebte Daphne schon lange und konnte sie doch nie erobern.
Er hatte auch ein Verhältnis zum Knaben Hyakinthos. Der schöne Jüngling wurde auch von Zyphyr, dem Westwind geliebt, bevorzugte aber Apollo. Zephyros rächte sich, indem er, als Apollo mit seinem Geliebten Hyakinthos Diskus schleuderte, den Wind so scharf drehte, daß das Wurfgeschoss vom Windstoss erfasst Hyakinthos am Kopf traf und tötete. Apollo war tief bekümmert und bewirkte dass der Knabe vergöttlicht wurde. Aus anderen Sagen wird Hyakinthos als bärtiger Vegetationsgott verehrt, und man nimmt an, dass, weil Apollo mit dem Ackerbau entfernt verbunden ist, die neuere Sage einen älteren (ägäischen) Gott mit Apollo vereinnahmt hat.
Kassandra, die Tochter des trojanischen
Königs Priamos, überschüttet er
mit Gunstbezeigungen und verleiht ihr auch die Sehergabe, gleichwohl
wollte sie sich ihm nicht hingeben - und da kein Gott seine Gaben
zurücknehmen kann, so straft er sie mit dem Fluch, dass niemand auf
ihre Weissagungen hört. So hört niemand auf Kassandra, die Hinweise auf
die drohenden Gefahren Trojas äusserte. Sie stiess nur auf taube Ohren.
Apollo
verliert also schon mal das rechte Maß in seinem Urteil, sobald er
begehrt und sich verliebt.
Es gibt noch einen anderen Mythos um Kassandra, der angeblich eine echte geschichtliche Überlieferung darstellt: Als Troja unterging, war das Medium Apollo noch unvermählt und suchte Zuflucht an einem Bild der Athene, wure aber fortgerissen und von Asias, einem Lokrer vergewaltigt. Wegen dieses Sakrileges (in einem Tempel der Athene!) mußten die Lokrer fortan jährlich Jungfrauen aus den edelsten Familien (den hundert Häusern) der ilischen Athena als Tempeldienerin schicken. Wurden diese auf ihrem Weg zum Heiligtum von Trojanern gefangen genommen, so fanden sie den Tod, erreichten sie es aber, so mussten sie anscheinend ihr Leben lang die Pflichten der geringsten Sklavinnen erfüllen. Etwa am Anfang der christlichen Ära fand diese tausendjährige Buße ihr Ende.
Im hauptsächlich überlieferten Mythos wird berichtet, dass Kassandra von Agamemnon als Beuteanteil nach der Eroberung von Troja mit genommen wurde, und von Klytameistra ermordet wurde.
Glücklicher war Apollos Liebe zu Kyrene, der Tochter des Hyseus, des Sohnes des Flusses Peneios und einer Naiade (bzw. Najade), Kreusa. Kyrene war eine Jägerin. Als Apollo sie sah, rang sie gerade mit nur einem Arm und unbewaffnet mit einem Löwen. Die Bewunderung des Gottes für ihren Mut verwandelte sich in leidenschaftlicher Liebe und sie wurde von ihm schnell ergriffen und in einem goldenen Wagen entführt, irgendwo nach Afrika. Dort wurde sie die Mutter des Aristaios, einer bäuerlichen Gottheit, des Erfinders verschiedener ländlicher Arbeiten und Zeitvertreibe, wie das Halten von Bienen, des Pflanzens von Oliven und des Jagens. Aristaos war selbst in Liebe zu Eurydike entbrannt. Als sie vor ihm auf der Flucht von einer giftigen Schlange gebissen wurde, nahmen ihre Schwesterdryaden Rache, indem sie alle Bienen starben ließen.
Leto ist die Mutter Apollos. Leto ihrerseits hat
als Mutter die Titanin Koios, die astrologisch mit Merkur assoziiert
wird.
Keine Insel und keine Stadt will die schwangere Leto
aufnehmen, so dass sie Apollo und seine Zwillings-Schwester Artemis
gebären kann, denn die Bewohner fürchten die eifersüchtige Hera.
Schließlich
weist Apollo prophetisch - noch im Bauche der Mutter Leto - den Weg zu
einer kleinen Insel, die schwimmend über das Meer irrt.
Eine
weitere
Erzählung besagt einfach, dass die Insel Delos so trostlos war, dass
kein weiterer Fluch ihren Zustand hätte verschlimmern können. Einer
Nymphe, namens Delos, wurde von Leto versprochen, daß ihr Sohn Apollo
ihre
Insel berühmt machen würde und sein erstes Heiligtum auf ihr errichten
würde, wenn sie ihn bei sich aufnehmen würde.
Hera versucht die
Geburt
mit vielen Mitteln zu verhindern, so lenkte sie die Geburtsgöttin
Eileithyia ab, so dass Leto sieben Tage lang unter den Wehen zu leiden
hatte, auch durch eine Schlange, die Hera der Leto aufhetzt.
Eine andere Variante erzählt die Geschichte, dass Zeus neben Leto auch
noch ihre Schwester Asteria wollte, Asteria aber verwandelte sich in
eine Wachtel, woraufhin sie von Zeus in einen Stein verwandelt wird und
ins Meer stürzt. Als Leto auf der Flucht vor der von Hera gesandten
(weiblichen) Schlange Python daher kommt, steigt dieser Stein auf und
wird zur schwimmenden Insel Ortygia. Auf dieser Insel, später Delos
genannt, kommt Leto nieder.
Nach anderen Berichten hat sie sich entbinden können durch bloße
Berührung einer Palme (die Palme ist Apollo geweiht) oder eines
Ölbaumes, oder Artemis sei zuerst geboren worden, und half Leto als
Hebamme bei der Geburt von Apollo.
Von Themis wird das Kind Apollo mit Nektar und Ambrosia, der
Götterspeise genährt. Nach Genuß dieser Götterpeise sprengt das Kind
sogleich seine goldenen Säuglingsfesseln, und mit männlicher
Entschlossenheit tut er den Umstehenden kund, was seine
Neigungen und Absichten beinhalten. "Die Lyra und der Bogen sollen mir
immer treu sein, und den Menschen will ich den unfehlbaren Willen des
Zeus verkünden." Pfeil und Bogen erhielt er von Hephaistos.
Die Musik ist ein wichtiges Attribut des Apollo, es heisst, seine Musik sei magisch betörend, lässt Ares die Waffen sinken und lässt den Adler auf dem Zepter des Zeus schlafen. Diese Musik banne das Bewegte und ordnet das Ungeordnete. Drei Saiten, vier, sieben oder zehn Saiten haben seine Instrumente. "Die Lyra weist mit ihrem Klang Mensch, Tier und auch Ding den jeweils gehörigen Platz an. Der Bogen wehrt der Hybris, der Maßlosigkeit, der bedachten oder auch fahrlässigen Übertretung gesetzter Grenzen, recht eigentlich gegen die Götter. Seine Gewalttätigkeit (des Bogens) hat etwas von einem chirurgischen Instrument. (...) Das Gesetz, aus dem die Musik den Fuß im Schritt Richtung, Strecke und Ort anweist, weist auch dem Stein, der Mauer und dem Haus die gehörige Gestalt, Größe und Platz an." (nach H. und S. Lücke)
Es heisst, es gebe eine "objektive Musik", die Mauern zum Einsturz bringen könne, und dies steht wohl in Bezug zu der einheitlichen Triade Medizin, Weisheit und Musik.
Hermes erfand die Lyra im Kindesalter. Dann stahl der schlaue Hermes, gerade als er geboren war, die Herde des Apollo. Der ebenso schlaue Apollo entdeckte den Dieb. Im Tausch gegen die Lyra durfte Hermes die Herde behalten und so ist die Lyra seitdem ein Attribut des Apollo.
Schliesslich gründete er nach Bestrafung der bösen Schlange Python (für seine Mutter), ein Orakel bei Krisa unter dem schneebedeckten Parnaß. Dort in der Nähe befand sich eine böser Drache. Er tötete diesen mit seinen Pfeilen. Der Kadaver verrottete bald (pythesthai=verrotten), und man nannte den Platz nun Pytho. Mutter Erde berichtet diese Untat dem Zeus. Dieser befahl Apollo zu Ehren von Python die pythischen Spiele einzuführen und ihnen vorzustehen um Reue zu beweisen.
Nach einer anderen Geschichte (von Apollodor) hat Apollo zunächst die Kunst der Weissagung (Mantik) erlernt, und zwar von Pan oder von Glaukos. Dann sei er nach Delphi (Pytho) gegangen. Die Schlange Python bewachte das Orakel und verwehrte Apollo den Zugang. Apollo tötete sie und übernahm das Orakel.
Die frühen schriftlichen Quellen und Kulte um Apollo zeigen diesen als jemanden, der als Aufgabe den Menschen den allerhöchsten Ratschluß des Zeus zu weisen habe. Apollo ist kein Bote wie Hermes, der mitteilt. Apollo weist an, und das geschieht "ordentlich" durch ein Orakel. Weder Hermes und noch ein anderer Unsterblicher durften die Kunst der Weissagung ausüben und Hermes dürfe Apollon nie nach den Beschlüßen des Zeus fragen. "Und was den Menschen angeht, werde ich dem einen schaden und dem anderen nützen und so die Völker der wenig beneidenswerten Menschen arg verwirren." (Homerische Hymnus 4)
Die heilende Seite des Gottes veranschaulicht Apollos Sohn Asklepios.
Seit etwa dem 6. Jahrhundert vor Christus setzt man Apollo mit dem Sonnengott gleich (siehe seinen Beinamen phoibos). Die Strahlen der Sonne, alles-sehend, ähneln in der Symbolik dem Strahl eines Pfeils.
Einst schnitzte Athene eine Flöte aus den Knochen eines Steinbocks und spielte darauf. Zwar war die Musik recht hübsch, die man auf der Flöte spielen konnte. Ihre Gesichtszüge waren dabei aber jedesmal entstellt und die anderen Götter lachten. Erst als sie in einem Teich ihr Spiegelbild erkannte, wie es sich verzerrte, belud sie die Flöte mit einem Fluch und warf sie weg. Unglücklich für Marsyas, der die Flöte fand und nun den Bauern darauf vorspielte. Als Anhängerin der Göttin Kybele zog er durchs Land und die Bauern rühmten ihn, dass Apollos Musik keine bessere sei. Marsyas widersprach ihnen nicht und liess sich ehren. Das zog Apollos Zorn herauf. Er forderte Marsyas zum Wettstreit auf und rief die Musen als Schiedsrichter. Der Sieger sollte dem Besiegten jede Strafe auferlegen können, die er wollte. Tatsächlich konnten sich die Musen nicht entscheiden, denn es hörte sich wirklich beides gleich gut an und waren entzückt. So forderte Apollo, dass Marsyas mit seinem Instrumente das gleiche tun solle, was Apollo vorführte, er solle das Instrument auch umdrehen, dann singen und spielen zur gleichen Zeit. Dies war natürlich für eine Flöte nicht möglich. Apollo aber drehte seine Leier um und sang wunderschöne Hymnen auf die Götter, dass die Musen nicht anders entscheiden konnten, als ihm den Sieg zuzusprechen. Erst täuschte Apollo Milde vor, aber dann rächte er sich hinterrücks, indem er Marsyas bei lebendigem Leibe die Haut abriess und an eine Tanne oder Platane nagelte.
Auch Pan forderte Apollo zu einem Wettstreit heraus. Tmolos, ein Berggott, stand als Schiedsrichter bereit. Nachdem die göttlichen Künstler abwechselnd gespielt hatten, Pan die Flöte, Apollo die Leier, entschied Tmolos zugunsten Apollos. Der phrygische und dem Dionysos nahestehende König Midas aber war anderer Meinung, worauf Apollo zur Strafe seine Ohren in die eines Esels verwandelte. Der König schämte sich ausserordentlich, aber es gelang ihm einen Turban oder eine (phrygische!) Mütze zu tragen, so daß seine Verunstaltung unentdeckt blieb. Doch sein Barbier war notgedrungen Mitwisser seines Geheimnisses, und da er das Berufslaster der Schwatzhaftigkeit hatte, war er nahe daran zu platzen, weil er niemanden etwas mitteilen durfte. Schliesslich grub er ein Loch in den Boden und flüsterte das Geheimnis hinein. Unglücklicherweise wuchsen bald Schilfrohre aus dem Boden heraus, die jedesmal, wenn der Wind durch sie hindurch bläste, hörbar wisperten: "König Midas hat Eselsohren".
Der Mythos beschreibt viele Ansichten über das Orakel zu Delphi. Immer ist es der Spalt in der Erde, entweder einst wo Delphyne, der Drachen des Typhon, als Ausgeburt der Kräfte der Erde, den Zeus bewachte. Oder andererseits war es die Schlange Python. Python soll tatsächlich die Gemahlin des Typhon gewesen sein. Beide, Drachen und/oder Python befanden sich an dieser Erdspalte, aus der Apollo die Erdkräfte ausströmen sah und daraufhin diese Kräfte für ein Orakel nutzen wollte.
Er tötete erst die Python (oder den Drachen) und errichtete dann das Orakel. Python war des Apollos Mutters (Leto) Feind, als die Schlange Python sie bedrohte, während Leto Apollo und Artemis behütete. Python soll an diesen Platz der Erdspalte geflüchtet sein, weil dem Apollo Rache gelüstete und der Schlange nachstellte. Nach anderen Versionen konnte die Python nur verwundet werden, und floh in den Norden und wurde von Apollon verfolgt; wahrscheinlich schlussendlich von ihm getötet. Es gibt noch eine Version, nachdem Apollo die Schlange erst tötete, und ihr Blut dann hellseherische Kräfte auf den Ort übertrug. Parnass heisst der Berg, an dessen Fuße sich diese Spalte befindet.
Nach traditioneller Auffassung musste aber jeder Mörder Buße tun, wenigstens in ein Exil gehen - so wurden in der Antike Kulte begangen, in denen ein junger Delpher aus guter Familie, der offensichtlich den Gott darstellte, nach dem Niederbrennen eines leicht gebauten Hauses genannt "Python", einen langen Weg in die Ferne gehen, bis dass er dann zurückkäme, mit Lorbeer (einem Symbol Apollos) ausgestattet. Dieses Weggehen und Ankommen symbolisiere die nötige Reinigung (Exil) nach der Tat.
Die beiden großen Kultgegenstände in Delphi waren der Omphalos (Mittelpunkt, Nabel) und der Dreifuß. Bei dem Omphalus scheint es sich um einen kegelförmigen Block zu handeln, welches von oben nach unten mit einem Eisen - einem Messerblatt vergleichbar - durchbohrt ist. Es ist unklar, ob der Block im Tempel, ausserhalb oder mehrere solcher Steine existierten. Plutarch, der berühmteste Apollon Priester: "Zwei Adler seien ausgesendet worden, von jedem Ende der Welt einer, und gerade an diesem Punkt des Omphalos hätten sie sich getroffen." Der Omphalos ist ein mit Ranken bzw. linienförmigen Ornamenten mit regelmässig knospenartigen Knoten verzierter Stein, und drückt durch die Lianen oder Ranken vermutlich die Verbindungen des Schicksals aus (wie sie im Äther angezeigt sind), symbolisiert in erster Linie aber den Mittelpunkt der Welt.
Der eigentliche Sitz der Prophezeiung war aber der erhöhte Dreifuß, auf dem die Pythia (Prophetin) saß, wenn sie das Orakel gab. Einige sagen, durch die abgehobene Haltung könne der heilige Einfluß des Gottes unter und in den Körper treten, eine rationalistische Legende besagt, dass eine Art Dampf aus dem Spalt im Boden kam und in durch einen weiteren Spalt des Opmhalos in sie eindrang.
Winzig Knäblein,
noch auf deiner
Lieben Mutter Armen hüpfend,
Trafst du, o Phoibos, das Tier.
Und du betratest
Heiligen Spalt des Orakels,
Sitzest auf goldenem Dreifuß,
Untrüglichem Throne,
Kündest Sprüche den Menschen
Aus der Kammer
Bei Kastalias rauschender Quelle,
Im Nabelhaus
Der weiten Erde.
Das Orakel zu Delphi wurde anfangs Pytho genannt. Eine ordnende und ausgleichende geistige Instanz (der Orakelspruch) entschied über alle Fragen, gab Auskunft und Rat über Kriege, Niederlagen, Städtegründungen, Katastrophen wie Mißernten oder Hungersnöte und belehrte in allen religiösen Fragen, in denen es um den Willen der Götter, Rituale und Opfer, Kulte, Weihungen Gestorbener, Dämone und Heroen ging. Die Fragen galten selten über die Zukunft, als viel mehr der Gegenwart von Problemen und Bitten um Rat.
Der geistige Einfluss des delphischen Orakel war sehr groß. Es soll kaum ein Ereignis, keinen Krieg, keinen Frieden, kein Unternehmen gegeben haben, das nicht von Delphi beeinflusst war. Gebete, Opfer, Sühnungen, Weihungen, Gottesdienste, für all das gab Delphi Vorschriften. Jede einzelne Pythia besaß eine religiös-mysthische und eine gesellschaftlich-bürgerliche Macht. Sie war die höchste Autorität über die allgemeine Moral und Sittlichkeit. Die Priester kannten die Geschichte der Staaten und der Familien, die Pythia nicht, denn sie sollte nichts aus der Welt wissen, nur das Wissen aus den inneren Quellen (bzw. der Quelle des Apollo) empfangen. Sie verstanden sich auf Astronomie (delphischer Kalender) und wussten in Geograpie und Menschenkunde bescheid. Viele Schätze wurden hier als Verehrung des Orakels und als Gaben an Apollo angehäuft, vor allem Bronzekessel (Attribut des Apollo). Die Pythia wurde auserwählt, und sollte so wenig Kontakt zum Leben gehabt haben wie nur möglich, keine Kenntnisse besitzen und nichts gehört oder gesehen haben, und streng enthaltsam leben, weshalb sie streng bewacht abgeschlossen wurde von der äusseren Welt, im Haus der Pythia. Zur Blütezeit gab es drei Jungfrauen, die sich das Amt der Pythia teilten.
Das Orakel sprach im Allerheiligsten, dem Adyton (=Innenraum) durch den Mund der Pythia; der Priester wurde Prophetes genannt, der die Worte der Pythia aufschrieb und an die Besucher weitergab. Wenn der Prophetes unklare Antworten weitergab, konnte man den im lebenslangen Amt eingestellten Exegeten fragen. Dass der Exegete lebenslang eingestellt war, deutet auf eine hoch angesehene Stellung und grosse Bedeutung hin. Im Adyton stand auch eine goldene Statue des Apollo. Eine dunkle Antwort kam zustande, wenn die Frage nicht klug abgefasst oder die Angelegenheit unklar war.
Die Bewohner der Insel Syphnos war ein sehr reiches Volk. Ein Abgesandter fragte die Pythia um die Beständigkeit ihres Glückes. Sie sollten sich "gegen die hölzerne Schar und den rötlichen Herold sichern, wenn ihr Rathaus und Markt weiß flimmerten." Die Syphnier verstanden das Orakel nicht. Als hölzerne Schiffe der Samier anlegten und ein Herold in rot gekleidet die Botschaft überbrachte mit der Bitte um Anleihe, lehnten die Syphnier ab und die Samier verwüsteten die Insel.
Ein weiteres, wahrscheinlich sogar das älteste Orakel in Griechenland, befand sich zu Dodona. Dieses Orakel war dem Zeus geweiht. Ein Tempel des Orakels, ein Theater und eine sehr alte Eiche standen neben einer Burg. Das Orakel zu Dodona war mindestens seit 1300 v. Chr. befragt worden und im Dienst bis etwa 300 v. Chr. Beide Orakel wurden später von Christen zerstört.