Erläuterungen und Erfahrungen in Bezug zur Herstellung von Ölfarben
Die
Maler der Renaissance und noch Maler des Barocks zu Rembrandts Zeiten,
werden sich nach und nach spezielles Wissen über das Malmaterial
angeeignet haben. Sie mussten es wissen, weil sie nicht nur dafür
verantwortlich waren, dass die Bilder, die sie malten, auch haltbar
waren, sondern weil sie ihr Material kennen mussten, ihre
Eigenschaften. Es gab damals nicht so viele Kenntnisse und Produkte,
und die Rohstoffe waren meist von sehr unterschiedlicher Güte. Sie
mussten sich auskennen.
Ihre
Aufmerksamkeit war nicht nur auf das Ergebnis ihrer Kunst gerichtet,
sondern vor allem auch auf die Vorraussetzungen ihrer Kunst. Das ist
etwas, was heute nicht mehr nötig ist, oder anders gesagt: Die
Verantwortung für das Bild wurde delegiert an die Fabrikanten.
Was wir heute über die Materialkunde wissen, verdanken wir wohl zum grössten Teil den beiden klassischen Autoren K. Wehlte und M. Doerner.
Wenn von einer altmeisterlichen
Technik
geredet wird, ist im Grunde nichts anderes als der Versuch bezeichnet,
herauszufinden, wie die Maler vergangener Jahrhunderte wie
Breughel, van Eyck, Rembrandt usw. in maltechnischer Hinsicht malten.
Die Maltechnik
als Begriff ist die Verbindung zwischen malerischem Geschick und
technnischem Wissen. Das Wissen wird eingesetzt um einen malerischen
Effekt zu erzielen, die Haltbarkeit mag sich entweder aus dem
sinnvollen Einsatz der Materialien ergeben oder wurde von den alten
Malern direkt beabsichtigt.
Heute geht es um das Wissen, mit
welchen Werkstoffen welcher Effekt verbunden war (welche Öle und
Zusätze gebrauchten sie in ihren
Ölfarben), und ganz besonders, wie sie ihre Bilder aufbauten (zB
mehrere Schichten,
Temperauntermalung, die Imprimatur-Grundlasur, oder die sogenannte
Weisshöhung usw.). Maltechnik bezeichnet eigentlich sowohl die Art und
Weise der malerischen Umsetzung als auch die Haltbarkeit der Bilder.
Was
die reine Technik anbelangt, die alte
Meister in ihren Werken vollbrachten, ist es keine Frage, ob man mit
dieser Technik
auch abstrakte Bilder malen kann - natürlich kann man das, jedenfalls
bis zu einem gewissen Grad.
Doch die
Maler alter Zeiten malten ja nicht in dicken pastosen Schichten, kaum
so, wie man heute als
moderner Maler eine mit Quarz-Sand verdickte Farbe als letzte Schicht
auf ein Bild legt. Doch das Prinzip einer "gesunden Technik" ist
dieselbe, auch diese Farbe soll
halten.
Die Konzeption sieht in etwa so aus: Indem man gewissenhaft eine gute Grundierung anlegt, und dann mit feinsten bzw. dünnen Lasuren hinauf arbeitet zu einer letzten Schicht, die anschliessend mit verhältnismässig pastoser Ölfarbe abgeschlossen wird, und dies womöglich auch nur stellenweise dick aufgetragen. Dabei können die untersten (dünnen) Lasuren auch Tempera (zB Eitempera) sein, sofern sie dünn bleiben.
Eigentlich bedeutet das Zeichnen in erster Linie die Kontur und Form herauszuheben, das Malen bezeichnet eigentlich die Arbeit mit farblichen Nuancen und Abstufungen. Auch beim Malen wird gezeichnet, und es geht prinzipiell nur um die persönliche Herangehensweise, wie man mit malerischen und zeichnerischen Mitteln - selbst wenn diese rudimentär sind - ein Bild komponiert und zum Ende bringt.
Was
sich durch das Hervorheben des Materials auch ergibt, ist eine
Einsicht in die grundlegendsten Mechanismen der Malerei. Man
kommt ja auf die wesentlichen Punkte der Malerei. Besonders für
abstrakte Künstler
offenbart sich hier vielleicht sogar die einzige wahre Quelle neuer
Gestaltungsideen.
Hier hat sich für mich eindeutig bewiesen, wie
wichtig zum Beispiel die feinen in Kauf genommenen (!) Unebenheiten bei
der
Grundierung sein können, aus dem sich weiteres ergeben kann. Der
abstrakte Maler muss das Wirken aus anderen gesichtspunkten betrachten,
als der Naturmaler. Der abstrakte Maler kann oft hoffnungslos vor einem
Bild stehen und weiss nicht weiter, wenn
alles so rein und glatt ist.
Eine weitere Methode beseht in einem
wirklich dünnen Farbauftrag, der in
vielen Schichten und dünn gehalten wird, um sich dadurch langsam einer
Form,
Fläche oder Gestaltungsidee anzunähern. Dabei kann man untere Schichten
verwerfen, indem man neue Ideen aufnimmt, ohne dass wirklich die Farbe
dicker wird.
Es ist die Nuance, wie man diesen Begriff auch im alltäglichen verwendet: Eine Nuance bedeutet eine Winzigkeit, ein Quentchen, ja weniger als ein Tropfen! Und diese Nuance spielt in der Ölmalerei eine wichtige Rolle.
Bei
der Anfertigung von Ölfarben, aber auch anderen
Farben ist diese "Nuance" sicher nur ein Grundsatz, den man für eine
technisch gesehen
zulängliche Arbeitsweise aber beherzigen muss. Für mich ist zunächst
die Nuance
wichtig, um eine standardisierte annähernd klassische Ölfarbe zu
erhalten. Die
Farbe ist an sich optimal
mit Bindemitteln versetzt, wenn sie kurz ist, wenn sie pastos
stehen bleiben kann, und nicht zerläuft. Ein einziger Tropfen
Öl
(die Nuance) kann diese Balance, die nötig ist zwischen
Festkörperanteil und
Bindemittel total umkippen. Obwohl man durch diesen schon winzig
bemessenen Tropfen manchmal eine zu trockene
Masse überwinden mag, kann
dann ein Tropfen schon wieder zuviel sein.
Daher merkt man
beim Umgang mit dem Selbstzubereiten der Farben ganz besonders, wie
wichtig die Nuancen in der Malerei insgesamt sind, nämlich die feinen
Werteinheiten, die zwischen diversen
geschaffenen Tatsachen bestimmen.
Die Stoffe, die bei der Selbstbereitung von Ölfarben zum Einsatz kommen können, sind heute allesamt bekannt. Nur über deren Einsatz besteht selten Klarheit und es fehlt der eindeutige Rat. Eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Beim Mischungsverhältnis dieser Stoffe geht es oft um Nuancen. Hat man dies begriffen, dann macht sich dies oft deutlich in dem eigenen Schaffen bemerkbar.
Aber es gibt eben noch die Eigenschaften, die erkundet werden
müssen. Vieles wurde nicht berichtet, und so sehe ich die
Notwendigkeit, selbst diese Erfahrungswerte aufzubauen.
Über
eben diesen Einsatz der Stoffe (Dammar, Harze, Wachse etc.) will ich
also
noch Erfahrungen sammeln und
im Laufe der Jahre werden diesbezügliche Informationen, und
weitere
Erfahrungen, die ich machen werde, hier
gewiss ergänzt werden. Noch sind die Informationen auf dieser Web-Seite
ein wenig dürftig, und vielleicht eher für den Anfänger geeignet, der
aber schon
eine gewisses Stadium der absoluten Anfängerschaft überwunden haben
sollte.
Über Mitteilungen von Vorschlägen, Tricks
und Erfahrungen via Email freue ich mich (Email
Adresse siehe
Kontakt).
Zunächst widme ich mich hier auf dieser Webseite den
Grundlagen.
Frohes Schaffen!
Die alten Meister sind schon immer Vorbild des Malers gewesen, was vor allem die Achtsamkeit anbelangt, mit der diese das Material handhabten. Und zwar jene Achtsamkeit, die dazu führte, dass im grossen und ganzen die Bilder 500 Jahre gehalten haben - was man von vielen Bildern, die anno 1800-1950 gemalt wurden, nicht behaupten kann. Rissbildungen und Abblättern der Farbe, Schwärzungen und Farbveränderungen dieser modernen Bilder - das alles sollte eine Warnung sein, dass der heutige Künstler seine Bilder haltbar macht. "Was wird", so fragte ein Maler, "noch übrig bleiben von den modernen Werken, wenn hundert Jahre vergangen sind?" Zweifelsohne dürfte der Restauratorberuf erst mal noch zukunftsfähig sein.
Eine
Tempera-Untermalung wird von vielen Malern abgelehnt, und einige
Schriften aus dem 16. Jahrhundert berichten von reiner Öluntermalung
(siehe: http://www.jegielka.de/wissen.htm).
Die Temperauntermalung (also die Mischtechnik) dürfte nach diesen
Berichten und
Meinungen eine Ausnahme gewesen
sein. Und wenn, dann vielleicht auch insbesondere einen speziell für
die
spätere
Ölübermalung geeigneten
Grund
besessen haben. Oder die Tempera- und Ölschichten sind entsprechend
dünn
gehalten. Wenn man wie die alten Meister malen will und auch eine
Temperauntermalung heranziehen möchte, sollte man auch so dünn
malen, wie die alten Meister.
Wehlte und Doerner berichten aber nicht, dass die
Temperauntermalung handwerklich gesehen bedenklich wäre. Wehlte
zieht Dürer, Altdorfer und Pieter Breughel (Hieronymus Bild) heran, die
eine solche Mischtechnik benutzten, aber wohl ohne besonders
pastose
Farbschichten der Untermalung, und bedeutenderweise anscheinend auch
nicht bei der Übermalung.
Wehlte gibt ungefähr folgende
massgebliche
Kriterien an:
1. Kreide-Grund und darauf eine Art Vorzeichnung
2.
Grundlasur (Harzgrundlasur: Dammar-Öl Gemisch 1:4) und
3. nun
abwechselnd dickere Schichten (Weisshöhungen) mit Tempera und die
Öllasuren stets dünn oder halbdeckend. Zu pastose Ölschichten könnten
die Arbeit zum "reissen" bringen. (Wehlte: "Temperamalerei").
Man
stößt also auf verschiedene Ansichten. Man sollte sich in Acht nehmen
vor den Klischees, die man gelegentlich als Ansatz zu
hören bekommt, aber in der Folge zu starr angewendet werden könnten: wo
"fett auf mager" wörtlich genommen wird, und
man eine
dicke Schicht einfach mit einer "sehr dicken Schicht" bedecken
will. Das scheint materiell gesehen nicht sehr haltbar. Wenn man eine
dicke Schicht verwenden will, sollte man es auf den unbemalten
(grundierten) Malgrund tun.
In einigen Büchern scheint man nur bestimmte
Maler heranzuziehen, bestimmte
Manuskripte, und vernachlässigt den ganzen Blick oder macht sich nicht
wirklich ein eigenes Urteil.
Es kommt wohl einfach drauf an, und zwar
auf
das
verwendete Material, und auf die Maltechnik (Schichtenmalerei zB).
Und
der Untergrund ist immer das Wichtigste, und der Untergrund ist nicht
nur durch die Grundierung gegeben, sondern kommt auch durch die ersten
Schichten von Farbe zustande. Denn eine dicke Schicht Farbe (pastos)
kann wahrscheinlich nur auf einer relativen freien Fläche verlässlich
gut halten, also auf einer Stelle, die am besten nur aus der
Grundierung besteht.
Für
mich ist es fast zwingend, davon auszugehen, dass sich der Grundsatz
fett auf mager ausschliesslich so verhält: Die untersten Schichten
können zahlreich sein, wenn sie denn dünn sind und stets
durchgetrocknet sind, die letzte Schicht kann dann vereinzelt pastos
sein. Man kann natürlich auch eine ganze Schicht pastos , auf einer
sehr
dünnen auftragen - doch die Frage wäre offensichtlich: warum dann eine
Untermalung, wenn sie nicht mehr
durchkommt (hinter der dick aufgetragenen Malschicht
verwschwindet)?
Sollte die Untermalung gar eine Vormalung sein? Dann könnte man
diese auch
mit
Tusche oder ähnlich dünner Farbe bekommen, und Temperra sollte dann
also niemals dick sein. Eine dicke Temperaschicht saugt sehr stark und
entzieht dann der Ölfarbe das Bindemittel.
Einige
Maler weisen darauf hin, dass eine Vorzeichnung nicht
wie üblich mit
Bleistift erfolgen sollte, weil der Graphit sich mit der Zeit durch das
Öl hindurcharbeitet und sichtbar in Erscheinung tritt. Anzuraten für
eine Vorarbeit oder Vormalung, ist eine Art unlösliche, verdünnte
Tusche, oder sogar gleich
mit entsprechenden Pinseln und sehr verdünnter Farbe. Man kann sogar so
dünn arbeiten, dass im Verlauf der Vormalung entstehende
Änderungswünsche leicht zu erreichen sind, wenn man dann entsprechend
die letzte Phase verstärkt und sich so dem Endprodukt annähert.
Wollte man es allerdings so haben, dass eben nur stellenweise der Untergrund durchkommt, und an an einigen Stellen pastose Erhebungen sein sollen, kann man im vorhinein überlegen, wo diese pastosen Stellen sein sollen, und malt dort entsprechend sehr dünn die Vormalung. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, dem Material und der Haltbarkeit schon. Manchmal kann man tricksen, und dann ergibt sich die Bildidee aus der Herangehensweise (Herangehensweise hinsichtlich des Umgangs mit dem Material) - doch dürfte das nur für abstrakte oder ungegenständliche Malerei im besonderen Maße gelten.
Manche berücksichtigen den Grundsatz fett auf mager in einer Weise, dass sie einfach nur den Bindemittelanteil bedenken (unten weniger, und oben: egal wie fett, aber fett). Viele Maler und ich selbst sind davon überzeugt: das ist kein positives Kriterium für die Haltbarkeit der Bilder, wenn zum Beispiel pastos auf pastos gemalt wird, und sei die letzte Schicht auch noch so fett im Vergleich zu vorigen Schichten. Denn diese pastose Schicht, die auf einer anderen pastosen Schicht gesetzt wird, ist immer bedenklich! Vielleicht geht es von der Haltbarkeit gesehen, wenn die erste Schicht wirklich über ein ganzes Jahr und länger durchtrocknen konnte, je nach Dicke dieser (untersten) Ölfarbenschicht.
Über besondere Maltechnik hinsichtlich der materiellen Verarbeitbarkeit (Haltbarkeit) gibt es wahrlich nicht viele ernstzunehmende Quellen, und die wenigen wie Wehlte und Doerner sind zwar ernstzunehmend, aber doch irgendwie auch ein wenig oberflächlich, weil nicht ausführlich genug! Es fehlt die aufbereitete lange Erfahrung der Jahrzehnte von 1950 bis heute, in denen es neue Werkmaterialien gibt.
Es ist in Teilen nicht veraltet (Terpentinöl zB bleibt immer Terpentinöl), aber durchaus "mangelhaft": Weil diverse Erfahrungen aus einer Zeit stammen, die der heutigen längst unterlegen ist (von der Vielfalt der technischen Möglichkeiten des Materials her gesehen). Viele neue Werkstoffe gibt es, und viele Werkstoffe werden heute zB in erstklassiger Qualität angeboten und Wehlte wie Doerner sprechen noch von Materialien, die man auf ihre Reinheit überprüfen musste.
Und dann ist es natürlich auch so, dass das chemische Wissen
damals
nicht so beschaffen war wie heute, und sowohl ein Doerner als jeder
andere Autor ist vor einem Irrtum oder falschen Beobachtung nicht
gefeit. Doerner werden sogar einige mangelhafte Ansichten allgemein und
Interpretationen der altmeisterlichen Maltechnik zugeschrieben.
Dennoch, mich haben diese
Bücher immer geleitet, weil es (noch) keine besseren gibt. Es gibt
freilich andere auch neuzeitliche Bücher, doch da findet man oft auch
einen Mangel: sie
versprechen mehr als sie zu leisten imstande sind, sind oft einseitig
auf eine
Methode gemünzt usw., oder wiederholen eben nur, was Doerner und Co.
geschrieben haben - also bleibt nicht viel mehr übrig, sich zusammen
mit
Doerner und Wehlte und einigen anderen Autoren, das heutige Wissen
im Grunde selbst aufzubauen - vor allem auch durch eigene Erfahrungen,
die man sorgsam prüft.
Es ist eigentlich kein Wunder, dass Öl- und Temperatechniken sich im Mittelalter in einem Bild zusammen fügten (als Mischtechnik), da bis zu den ersten Ölbildern die Ikonen zB stets mit Tempera oder anderen Nicht-Öltechniken gemalt wurden. So kam sozusagen die Synthese zustande. Vielleicht war die Ölfarbe auch als etwas sehr Materielles (Festes) angesehen, und man kam erst später dazu, sie zu verdünnen.
Schliesslich kristallisierte sich ein Ideal heraus, eine
Malfarbe mit reinem
Leinöl, die mit den Pigmenten zu einer steifen Farbe angerieben wurde -
die, sofern die Farbe zu dick fürs vermalen ist, mit reinem Leinöl
etwas verdünnt werden sollte. Die Maler des Mittelalters berichten aber
ebenso von
der positiven Wirkung der Harze und anderer Zusätze.
Anzutreffen ist der mehrschichtige
Aufbau der Ölbilder, mit entsprechenden Trocknungspausen,
die zu den geschmeidigen alten Meisterwerken führt.
Für mich ist es ein Gütesiegel meiner Kunst, wenn
ich
entsprechende
Zutaten selbst zubereitet habe. Meine Aufmerksamkeit fliesst sodann in
die gesamte Kunst. Fertige Produkte sind oft "flott", sämig, sie haben eine
entsprechende
Eleganz,
die nicht immer vorteilhaft oder sinngerecht für die malerische Absicht
ist.
Wenn man etwa Sand in die Farben mischen will, um sie
massenreicher
zu
bekommen, wäre es entweder ein teurer Unfug, fertige Tubenfarbe dafür
zu nehmen oder maltechnisch eine Gratwanderung, weil man evtl. noch
weitere Zusatzstoffe hinzugibt, die insgesamt die Haltbarkeit der Farbe
mindern könnten.
Ein 5 Liter Eimer Ölfarbe kostet in Studienqualität etwa 80
Euro.
In
Künstlerqualität etwa 140 Euro. Man wird bei diesen Farben nicht
feststellen können, was für Zutaten dort enthalten sind und dann mischt
man es mit eigenen Zutaten noch weiter: Und hat irgendwann ein Produkt,
das
vielleicht dem hohen Ausgangspreis nicht mehr gerecht wird, weil die
bereits vorhandenen Zutaten eine ganz andere Zielsetzung hatten, als
wie die selbst zugefügten Stoffe und es im Ganzen eine gegenseitig
korrumpierende Wirkung hat.
Die
Angabe eines Grosshändlers zu den von ihm
angebotenen Pigmenten
(feinste Qualität) besagt, dass diese für die zehn- bis zwanzigfache
Menge Bindemittel ausreichen. Ich bin mir darüber nicht ganz sicher ob
das zB so auch für Ölmalerei gilt, und gehe eher von der vier- bis
fünffachen Menge an Bindemitteln (Öl) aus.
Mal
eine Rechnung: 5 Liter reines
Leinöl kosten etwa 50 Euro, Pigmente für diese
Menge: vielleicht im Mittel 40 Euro und man hat aus diesen
Ausgangsprodukten eine
hochwertige weil hoch pigmentierte Ölfarbe. Preisersparnis mind. 50
Euro. Das Papier an sich zersetzt sich sehr langsam.
Diese Ölfarbe ist noch nicht gestreckt, also nicht mit weiteren Zusatz-
und Füllstoffen
versehen. Würde man sie mit verschiedenen Produkten wie Blanc
Fixe, Kreiden, Wachsen und Harzen strecken, was man vielleicht auf
insgesamt 10-15%
ansetzen kann (ohne deutlich an Qualität einzubüssen), erhält man 500
ml zusätzliche Ölfarbe. Die feinste
Künstlerqualität, die noch teurer ist (und nur in Tuben
erhältlich) als der oben angegebene Preis,
die ist ja manchmal schon "gestreckt" (Angaben zum Inhalt: Harz, und
bestimmte Tubenfarbenmarken mit Wachsen etc.), obwohl die Pigmente
freilich in höchster
Konzentration darin vorhanden sind. Andere teure Tubenfarben sind zwar
höchst pigmentiert - doch ist es vielleicht gar nicht die Regel, dass
die teuerste Farbe auch die beste ist, nämlich im Sinne der Haltbarkeit
(die Füllstoffe erhöhen die Haltbarkeit). In Acrylfarben oder Gouache
Farben sind solche aber auch andere Zusatzstoffe enthalten, zB Kreiden
oder auch in geringer Menge Tone.
Der
hohe Preis
der fertigen Ölfarben ergibt sich wohl dadurch, dass man die Pigmente
in
komplizierter Manier mit Walzen "anreibt". Das sind Unmengen an Farbe,
und dieser Vorgang nimmt Zeit und Kontrolle der Arbeiter in Anspruch.
Da die Pigmente sich nur im
Bindemittel verteilen, und nicht etwa auflösen, ist es für mich noch
die Frage, welcher Sinn darin besteht, die Farbe dermassen lange zu
reiben. Nun. Wenn man Farbe selbst anreibt,
wird man entdecken, dass zunächst das einfache Mischen zwischen Pigment
und Leinöl noch keine verstreichfähige Farbe ergibt. Sie muss
angerieben werden, vielleicht ist ein besserer Ausdruck "anspachteln".
In der Fabrik erledigen die Walzen diesen Vorgang und man
mag wohl annehmen, dass dies in optimalster Weise geschieht. Die Farbe
in der Fabrik läuft üblicherweise durch drei Walzen,
die
jeweils
unterschiedlich schnell laufen und einen unterschiedlichen Abstand
zwischen den Walzen haben. Diese Durchlauf durch drei Walzen
geschieht 3-7 Mal. Die letzte
Walze ist ganz eng gefasst, hier wird die Farbe wirklich verrieben, und
in meinen Augen ist diese Walzentechnik weniger erfunden worden, um in
erster Linie
eine hochwertige Farbe herzustellen, sondern um möglichst viel
Farbe
herstellen zu können.
Wie
immer kann man dann den Prozess des Herstellens mit Walzen damit
beschminken, dass man die Pigmente ja sehr fein reibt, so fein, wie sie
kein Mensch imstande wäre zu reiben. Das ist die gängige Werbung eines
Produktes, dass man die Vorteile herausstellt (bzw. "überspitzt", denn
vielleicht ist das nur ein nebensächlicher Faktor, dass die Farbe fein
ist?!).
Ob die Feinheit der Farbe aber ein Qualitätsmerkmal ist?
Denn manche Maler erwähnen, dass die Feinheit der Farbe bei manchen
Pigmenten gegen den materiellen Haltbarkeitsanspruch steht.
Umso
mehr Körper eine Farbe hat (also Pigmentgrösse), desto haltbarer wird
die Malschicht. Ich muss aber zugeben, dass mir die Prozesse des
Walzens und die Prozesse der Pigmentherstellung in Mühlen bzw.
Pigmentmühlen nicht ganz vertraut sind (Walzen und Pigmentherstellung
sind zwei verschiedene Dinge an verschiedenen Orten). Ich weiss nicht
wirklich, was beim Walzen geschieht.
Wenn die Feinheit der
Pigmente also beim Mühlen schon zustande kommt, und die Walze (für die
Vermischung der Pigmente mit Öl) nur dafür sorgt, dass die Pigmente
sich im Bindemittel des Öls fein verteilen, dann haben wir die Feinheit
der Pigmente bereits von der Mühle (bei einigen feinstmöglichen
Pigmenten, denn es gibt auch gröbere) und kaufen im Geschäft ja eben
solche Pigmente aus Mühlen und brauchen uns nur noch fragen, ob wir
diese Tätigkeit der Walzen nicht sogar als einen automatisierten Ablauf
des Reibens, verglichen mit dem der Hand vergleichen können. Dass es
also keine Unterschiede gibt. Und sich vielleicht so etwas wie ein
Mythos um die "bessere Farbe" der Fabrik gebildet hat. Sie ist in
meinen Augen auf jeden Fall einheitlich und meist auch sehr
rein.
Ob sie aber "besser" ist? Die Bindemittel sind dieselben.
Wenn
ich selbst eine Farbe gewissenhaft anreibe, dürfte der Qualitätsverlust
kaum merklich sein, vielleicht stellt man diesen Unterschied sogar nur
im Labor fest. Ich benutze dieselben Pigmente und dieselben Bindemittel.
Ich brauche in der Tendenz nur die Walzen nachahmen:
Also 3x7 = 21 Mal fleissig reiben mit ein wenig Druck, in der Regel
wohl öfters. .
Strecken bis hin zur Studienqualität kann man die eigene Farbe
nach Belieben,umso mehr man streckt, je blasser wird die Farbe natürlich.
Wenn
man Pigmente in Studienqualität kauft, sollte man sie nicht noch weiter
strecken, denn sie sind schon gestreckt. Manche Pigmente
sind überdies nicht in Reinform des jeweiligen Pigments zu kaufen,
sondern wegen der Verarbeitbarkeit schon etwas "angerichtet" (fragt
sich nur mit welchen Zusatzsstoffen, siehe oben; vermutlich handelt es
sich in den meisten Fällen um das feine Bariumsulfat).
Wenn
man Farbe dünn macht, also mit viel Bindemittel versetzt, hat man
im Prinzip die Farbe auch gestreckt, nur dass die
Maleigenschaften an Bindemittel reicher Farbe natürlich
anders sind.
Pigmente
sind feinste Körner. Streng genommen kleine Kristalle.
Farbe
bezeichnet die eigentlichen Sinneseindrücke der Farben: Grün, Gelb,
Orange, der blaue Himmel, alles was eben als Farbe in Erscheinung tritt.
Nuance
oder Farbton bezeichnet die bestimmte und eigentümliche Mischung einer
Farbe zB helles Olivgrün oder braunes Rot, daneben kann man noch den Sättigungsgrad
(Farbintensität) einer Farbe unterscheiden, was man vom Computer (RGB
Farbensystem) sehr gut kennt: eine Farbe oder Farbton ist licht und
blass (trüb), oder satt und prall (rein).
Manche sehen in der
Eigenschaft der Nuance nicht den Farbton sondern eine weitere Skala der
Intensität
usw.
Pigmente sind
kein Farbstoff, weil sie ein Medium oder eine Substanz nicht einfärben
können sondern sich als feinste Körner nur auf die Materie legen oder
im Bindemittel (aneinander und auf einen Grund) gebunden werden.
Üblicherweise wird das Pigment also den Farbmitteln zugeordnet, sie
sind ein Mittel zur Farbgebung. Eigentlich sogar eine Materie.
Übrigens
sollte man alte Kleidung verwenden, bei noch so grosser Achtsamkeit
(mit Öl zu malen muss nicht schmutzig sein, wenn man ein wenig acht
gibt), lässt es sich vor allem bei der Herstellung oder Malen doch nie
ganz
vermeiden, dass Pigmente ob mit oder ohne Bindemittel mal auf die
Kleidung kommen und Textilien
verfärben sich doch sehr leicht, selbst ohne Bindemittel. Wenn dies
geschieht, sollten Flecken immer sobald wie möglich mit Seife
ausgewaschen werden, bevor die Farbstoffe sich in die Textilie
"arbeiten" können.
Eigentlich heisst es wohl Spatel, ich benutze einfach allgemein den Begriff Spachtel für das Malmesser. Ähnlich bezeichnet das Anreiben wohl einen umfassenderen Prozess, wo die Pigmente auch zerkleinert werden, ich spreche dagegen von Anreiben allgemein, auch wie man mit dem Spatel bzw. Spachtel dann die Farbe mit dem Bindemittel "vernetzt".
Der Japanspachtel ist mittlerweile für mich unentbehrbar geworden, den man im Baumarkt gewöhnlich sehr günstig bekommt (rechteckiger Spachtel).
Ein paar Zeilen über die (Fach-)Sprache:
Die Wahl bestimmter Worte sollte aber nicht engstirnig erfolgen, als ob man nur noch Malfarben zu Ölfarben sagt, anstatt einfach nur Farbe usw.; einziges Kriterium ist für mich die Verständlichkeit beim Lesen, was sich durch den Kontext ergeben sollte. Ich bin prinzipiell ein Gegner von wuchernden Fachsprachen und bei Gelegenheit stößt mancher Befürworter sich jedoch in lächerlicher Art gegen den Verstoß.
Eine andere Sache ist es, wenn ein ganzer Text
sich bestimmten
Ansichten oder Inhalten widmet, wo eine Fachsprache wirklich
unumgänglich
wird, nämlich um die Kürze
und Zugänglichkeit des Textes zu gewährleisten.
Für Anfänger nützliche Begriffskunde:
Deckende Farbe - Eine Farbe, die man auch verhältnismässig dünn auftragen kann und so dicht ist, dass sie den Untergrund völlig überdeckt
Pastos - dicker Farbauftrag
Lasur - ist nicht einfach nur ein dünner Farbauftrag, sondern besteht meist aus Pigmenten, die nicht deckend genug sind und eine unterste Malschicht durchscheinen lassen. Eine rotfarbige Lasur über roten Grund ergibt als Farbsynthese Orange. Mit deckenden Farben wäre dies nicht möglich.
Grundierung - Jeder Werkstoff, ob Leinwand oder Spanplatte ist ohne einer darauf befindlichen Grundierung nur schwer zu bemalen, weil die Farbe zu stark aufgesaugt wird und die Haltbarkeit dadurch sowohl der Leinwand als auch der späteren Farbschicht nicht gewärhleistet ist. Eine Grundierung schafft den sprichwörtlichen Boden für das spätere Arbeiten, was sich durch unterschiedliche Saugfähigkeit dieser Grundierung ergibt.
Imprimatur - Ist die erste meist farbige oder braune Grundschicht über die Grundierung, die verwendet wird um einen einheitlichen Grundton herzustellen, aus dem sich dann das eigentliche zu malende Sujet bzw. Bild ergibt. Diese Schicht kann später noch durchscheinen aber auch vollkommen unter den späteren Malschichten verschwinden, wird aber als leicht färbender Reflektionsgrund vielleicht noch durchschimmern.
Selbstherstellen von
Malfarben - Man
benötigt für das Selbstherstellen einer Malfarbe
1.
Farbmittel/Farbstoffe (Pigmente) 2. Bindemittel und muss beides
zusammenbringen.
Weitere Zusatzstoffe verfeinern die Eigenschaften der Farbe oder strecken die Farbe wie um eine grössere Ausbeute aus den verhältninsmässig hochwertigen Pigmenten zu erzielen.
Eine sehr bekannte Tuben Farben Sorte ist so eingerichtet, dass die Harzlösungen als Bestandteile hinsichtlich des Volumens der Farbe schrumpfen, indem die Lösungsmittel verdampfen, während das Leinöl sich bei seiner zwangsläufigen (und für die Festigkeit und Trocknung der Farbe erwünschten) Oxidation voluminös ausdehnt, die Ölfarbe nimmt Sauerstoff auf. So verhalten sich Schrumpfen und Ausdehnung ausgewogen, und die Farbe soll dadurch weniger zur Rissbildung neigen (wenn man dicke Farbschichten anlegt).
In erster Linie geht es mir persönlich darum, überhaupt mit selbst gewählten und verarbeiteten Zutaten zu arbeiten, also eine Farbe zu haben, deren Bestandteile ich kenne, was natürlich den offensichtlichen Vorteil hat, diese Farbe in ihrem Einsatz kontrollieren zu können.
Viele Pigmente in Bindemitteln gelöst, trocknen unterschiedlich. Die Fabrikanten versuchen das durch verschiedene Zusätze auszugleichen, nehmen auf diese Weise aber in anderer Hinsicht der Natur der Farbe ihre Einheitlichkeit, nur um die Einheitlichkeit der Trocknung zu erzielen.
Ich
glaubte zunächst, dass prinzipiell die beste, reinste, und
farbkräftigste Farbe nur eine solche sein kann, die ausschliesslich mit
Öl und
Pigment auskommt, aber bald schon las ich in einigen Ratgebern und
hörte von anderen Malern, dass diverse Zusätze wie Harze, Wachse und
auch
Kreide diese Farbstärke, Vermalbarkeit oder auch Haltbarkeit in der
Qualität erhöhen
können, so wie es
mit der teuren Tuben Farbe auch erreicht zu sein scheint.
An
den
Tubenfarben stört mich aber weiterhin, dass ich nicht weiss, was da
drin ist. Als Maler, der viel Wert auch auf das
Handwerklich-Technische legt ist das für mich dann so, als ob ich mit
solchen Tubenfarben mit
etwas "Unfassbares", "Unsichtbares" arbeite. In Frage kommt eben auch
ein
Faktor, dass zB für die Haltbarkeit und Lagerungsfähigkeit der
Tubenfarbe noch weitere Zutaten hinzukommen können.
Konservierungsstoffe und sonstige Stoffe, die die Haltbarkeit und auch
Lagerung ermöglichen. Die Farben werden, um standardmässig den immer
selben Farbton zu
bekommen, auch mit anderen Pigmenten und Stoffen abgemischt. Reinste
Pigmente sind so also nicht immer anzutreffen, aber es gibt sie
(vielleicht mind. die Hälfte des Angebots). Auch hier im letzten Glied,
nämlich den Pigmenten, fehlen leider oft die Angaben des Fabrikanten.
Das ist sehr schade und geradezu ein Armutszeugnis, oder anders gesagt:
man gaukelt sogar den Profi noch was vor und hat ja auch Erfolg damit.
Selten weiss jemand, ob er gerade ein reines Pigment in der Hand hat
oder ob es mit weiteren Stoffen "angerichtet" ist.
Die Fabrikanten sind unter Umständen auch zu besonderen Maßnahmen gezwungen, um die Farbe in Tuben abfüllen zu können, was die vielen Zusatzstoffe angeht, die man dem Verbraucher gewiss nicht allein wegen der geheimen Rezeptur vorbehält: eine Rezeptur ist übrigens noch dann geheim, wenn man das Verhältnis der angegebenen Zutaten nicht kennt, aber man erwähnt noch nicht mal die Inhalte! Eine Tragödie für den Maler, der das Material kennen will, mit dem er arbeitet - solange die Leute natürlich kaufen, brauchen die Fabrikanten diese Überwindung nicht vorzunehmen; obwohl fast jede Innenwandfarbe des Baumarktes schond ie Inhalte geordnet nach ihrer Menge angibt, warum nur, frage ich mich, gilt das nicht erst recht für Künstlerfarben! Ein Unding es vorzuenthalten).
Die Walzen des Anreibens des Fabrikanten wird man in der
Eigenherstellung nicht verwirklichen können; aber Max Doerner meint
sogar, dass zu fein
geriebene Pigmente unter Umständen zu körperlos werden (neigen im
Bindemittel gelöst, schliesslich leichter zu Rissbildungen). Ein
weiterer Nachteil dieser
maschinellen Herrichtung ist auch, dass auf diese
Weise jedes Pigment gleich behandelt wird, denn einige Pigmente
vertragen
zum Beispiel die Metallwalzen nicht so gut, und man hat sogleich einen
rigorosen Qualitätsverlust. Das Feinste ist eben nicht immer das Beste.
Diese Walzen sollen die Pigmente feinst
verteilen, doch es wird eben jedes farbige Pigment in gleicher
Weise behandelt und es ist zumindest Doerner bekannt, dass einige
Pigmente darunter
leiden.
Diese Unwägbarkeit vermeidet man also beim
Selbstanreiben. Und die feine Verteilung der Pigmente muss also
keineswegs ein Gütezeichen von Farbe sein.
Meine erste Arbeit, die durch das Selbstanreiben entstand, war eine banale weiss grundierte Holzplatte, auf die ich die einzelnen Pigmentfarben der Anschauung halber (mit reinem Leinöl) aufgestrichen habe: jeweils in reinem Ton, dann mit zwei weiteren Weissmischungen heller werdend, eine Weiss/Schwarz Mischung und mit Schwarz gemischt. Also 5 unterschiedliche Farbaufstriche. Auf diese Weise kann ich nun beurteilen, was für eine Farbe eigentlich dem jeweiligen Pigment inne wohnt. Diese Tafel wird für jedes neue Pigment, das ich bekomme, erweitert. Es macht sicher Sinn die Pigmente auf diese Weise kennen zu lernen, ist aber besonders für Anfänger hilfreich, um das Selbstanreiben nicht gleich mit einem zu malenden Bild zu verbinden.
In
der Geschichte der Malerei (auch zur Bemalung von Keramiken) wurden
seit je her Erdpigmente (diverse Ockertöne) mit unterschiedlichen
Bindemittel zur
Farbherstellung herangezogen. Bunte Farben erhielt man aus dem
Zermahlen von Lapislazuli und Azurit (Blau), Malachit (Grün), Zinnober
(Rot) und Pflanzenfarben kamen, weil einfach zu erhalten, sehr oft zum
Einsatz (Gelb, Rot und auch Blau), nur ist die Qualität der
Pflanzenfarben nicht so erhaben.
Schwarz wurde aus Knochenkohle und später sprichwörtlich aus Lampenruß
gewonnen und es gab sogar ein Ruß aus mumifizierten Leichen.
Schon im
antiken Ägypten begann man, aus Verbrennungen und Zusammenführung
verschiedener Stoffe (zB Kupfer) weitere Farbpigmente zu erhalten. So
gewann man auch gebrannte Erden.
Dieser
Prozess der synthetischen
Herstelllung wurde zur Zeit der Renaissance stark erweitert und um
1700-1800 (1704: Preussisch Blau) kam der wahre Fortschritt in der
Herstellung neuer Pigmente, bis man ab 1900-1950 nun fast alle
Pigmente, die man heute kennt, herstellen konnte. Ultramarin zB wurde
nun künstlich hergestellt, und war kostengünstiger zu haben als die
Pigmente aus dem teuren Edelstein Lapislazuli.
Viele Pigmente haben unterschiedliche Eigenschaften. Sie können an der Sonne mehr oder weniger beständig sein (Lichtechtheit). Für das künstlerische Malen von endgültigen Werken sollten nur Pigmente mit Lichtechtheit über 7 in Frage kommen.
Pigmente
und Farbstoffe sind für
deckenden Farbauftrag geeignet, oder sind von vorneherein ausschliesslich Lasurfarben,
oder sie können
halbdeckend sein (das heisst weniger stark deckend).
Das
Pigment, welches für Ultramarin in Frage kommt, ist
nur als Lasur zu erhalten (es sei denn man streckt sie gehörig mit
Füllstoffen, was zwangsläufig den Farbton beeinflussen muss; aber in
Gouache geläufig ist, doch handelt es sich bei Gouache schon immer um etwas mattere Farben).
Manche Pigmente benötigen mehr Bindemittel, andere weniger.
Manche Pigmente lassen sich schwerer verarbeiten, andere eher leicht. Helle Lasurfarben lassen auch im pastosen Auftrag den Untergrund oft noch durchscheinen, dunkle Lasurfarben erscheinen eher schwarz, können ihren Ton also nur auf hellem Grund in dünner Malweise entfalten.
Aus dem Grunde, dass die Pigmente also unterschiedliche Eigenschaften haben, erklären sich auch manche Zusätze der Fabrikanten. Sie wollen eine möglichst gleiche Palette an Farben herstellen. Diesen Umstand der verschiedenen Eigenschaften der Pigmente muss man auch beachten, wenn man eigene Farben herstellt, und auch wenn man mit Zusätzen arbeiten will.
Pigmente sind in Bindemittel unlösliche Körper. Sie werden im
Bindemittel "eingerieben" verstreichbar.
Farblacke sind Pigmente, die über einen Träger (manchmal
blanc fixe) ihre Farbe abgeben und darauf fixiert werden, also im
Unterschied zu den meisten Pigmenten löslich ursprünglich sind (Lack).
Als Lacke kann man sie dann wie ein normales Pigment verarbeiten.
Übrigens
habe ich auf verschiedenen Internetseiten zahlreiche
Widersprüche entdeckt (sowohl von Malern als auch bei
Chemikern!) hinsichtlich der Frage, ob Pigmente nun Farbstoffe sind und
abfärben oder stets nur Pigmente in Bindemittel bleiben (letzteres
halte ich für überzeugender). Ob dies Widersprüche oder zum Teil
ungenügend klare Darstellung ist, bleibt offen. Da ich kein Chemiker
bin, kann ich mir nur ein Urteil bilden aufgrund der allgemeinen
Informationen, die man zusammen genommen erhalten kann. Ich vermute,
dass stets nur Pigmente in feinster Körnung "abgerieben" werden und so
der Eindruck einer Färbung entsteht.
Bei den diversen Pigmenten von verschiedenen Herstellern oder
Preisklassen gibt es Qualitätsunterschiede. Die Qualität ist
wie bei den fertigen Tuben-Farben unterscheidbar:
Studio-/oder
Studienqualität für geringere Qualitäten, die vielleicht
sogar gestreckt sind (Füllstoffe, Verschnittmittel),
Profi-/Meisterqualität
bzw. feinste Künstlerfarben für grösstmögliche
Qualitäten.
Teuere
Pigmente sind im Grunde erste Wahl, wenn man ein vollendetes Bild malen
möchte. Aber die "Teuersten" müssen es wohl nicht immer sein.
Von den erstklassigen Pigmenten sind hauptsächlich die der
Studienqualität zu unterscheiden. Studienqualität kostet dann bei einem
Kilo Pigmente etwa zehn Euro,
Profiqualität (bzw. die mittlere Preisklasse) ist dann bei 250 gramm
für denselben Preis oder sogar den doppelten Preis zu haben. Der
Unterschied ist manchmal optisch auf den ersten Blick bei den vermalten
Farben schon sehr gewichtig, fällt manchmal auch schon bei den
Pigmenten auf. Studienpigmente haben oft geringere Brillianz und
Farbkraft bzw. Farbstärke.
Dann gibt es
noch Anbieter, deren Preise für 100 Gramm nach oben offen sind
(die "teuersten" Pigmente). Und selbstverständlich gibt es Anbieter,
die auch sog. historische Pigmente anbieten oder Besonderheiten aller
möglichen grünen Erden usw.
Die
Pigmente weisen folgende Eigenschaften auf:
Es gibt eine Skala für
Lichtechtheit (Beständigkeit der Farbe am Licht), Korngröße
(grob oder
fein), und wohl von der Korngrösse abhängig der Bindemittelbedarf,
Färbevermögen (Farbstärke),
Deckkraft
(Deckend oder Lasur) und
schliesslich natürlich die eigentliche Farbe
(Rot) und Farbton (Rotviolett,
Rotbraun, Gelbgrün etc.).
Man sollte stets Pigmente der höchsten Lichtechtheit wählen. Die mit weniger Lichtechtheit können vorzugsweise für Studiozwecke genutzt werden. Lagern sollte man sie freilich nicht im direkten Sonnenlicht. Pigmente mit geringerer Lichtechtheit können nach einem halben Jahrhundert erheblich verblassen, unter Einwirkung der verschiedenen Bindemittel auch schon früher. Ob dies auch für extrem mit Zusätzen gestreckte Pigmente gilt (die ansonsten höherer Qualität sind), ist mir persönlich unklar.
Übrigens: Die fertig angeriebenen Farben sind in der Regel im Ton dunkler und satter als in reiner Pigmentform.
Um
das Selbstanreiben zu erlernen, kann man sich zunächst mit den
billigsten
Pigmenten versorgen oder eine Mischung zwischen guten und teuren. Oder
aber gleich die etwas teueren.
Besonders die Gelb- und Rottöne machen aber grosse
Unterschiede in der Qualität aus, je nachdem ob sie billiger Herkunft
sind oder feinerer Qualität sind.
Strecken, das heisst den
Pigmenten Füllstoffe beizugeben, um die Farbe in der
Masse zu vergrössern; so erreicht man eine grössere Ausbeute bei dem
Einsatz der Pigmente. Zum Teil wird auch die Deckfähigkeit erhöht,
besonders bei Weisspigmenten, wie es bei diversen Quellen berichtet
wird. Deckfähigkeit und Farbstärke sind allerdings vom Prinzip her zwei
verschiedene Dinge.
Doch
umso mehr man streckt, desto mehr wird die
Farbe auch zur Studiofarbe mit minderer Qualität.
Empfehlenswert
sind wohl etwa 10 % Füllmittel um eine hohe Qualität der Farbe
zu
gewährleisten.
Da
die Mittel, die zum Strecken in Frage kommen, oft alles Kalkprodukte
sind (Kalziumkarbonat = Kreide), liesse sich
überlegen, ob nicht jede Kreideart für diesen Zweck bei der Ölfarbe zum
Einsatz kommt,
aber offensichtlich gibt es Unterschiede in der Beschaffenheit des
Kalks. So ist angeblich Champagnerkreide aufgrund irgendeiner
Eigenschaft der Farbgebung nur für weisse Pigmente günstig, was auch
die Deckfähigkeit der weissen Pigmente erhöht.
Vermutlich sind denn auch nicht alle
Kreiden in derselben Weise für jedes Pigment (oder jede Farbe) gleich
geeignet. Es sollten Kreiden und das sogenannte Blanc Fixe (Bariumsulfat)
nur für deckende Farben
verwendet werden, um den Lasurcharakter der entsprechenden Farben nicht
zu hintergehen und sie so in ihrer Qualität zu vermindern (Faustregel:
man kann
eine Lasurfarbe durch deckende
Zusätze nicht
verbessern in ihrem Deckvermögen, weil dies eine Art Konflikt
beinhaltet; der Kreidezusatz verweisslicht die Farbe; allenfalls kann
man Lasurfarben strecken).
Blanc
Fixe ist jedenfalls zum Strecken der Buntpigmente
in Öl zu
gebrauchen, was
wiederum an einer besonderen Eigenschaft liegt (oft wird Blanc Fixe als
Träger von lackenden Farbstoffen genommen, um dadurch ein verlacktes
Pigment zu erhalten). Blanc Fixe verhält sich neutral zu der Buntheit.
Rügener Kreide und
Marmormehl vielleicht zum Strecken für alle
Pigmente bzw. alle
Bindemittel (so wurde es von einem Großhändler genannt).
Alle Arten von Kreide sollen auf jeden Fall sehr gut zum
Strecken von
Tempera und
Gouache-Farben sein.
Verdicken kann man die anzureibende Farbe ebenso durch diese Füllstoffe, hier wird ganz besonders Marmormehl erwähnt.
Umso mehr man ausschliesslich die Pigmente benutzt und ohne Füllstoffe auskommt, umso reiner und klarer der Farbton. Bei Zinkweiss könnte man so die Deckfähigkeit erhöhen, ich selbst bin noch am ausprobieren, ob der Zusatz von Champagnerkreide bei weisser Ölfarbe keinen negativen Effekt hervorruft.
Es gibt eine natürliche Grenze im Einsatz der Pigmentmenge, nämlich insoweit dass eine gewisse Menge Pigmente immer eine gewisse Menge Öl verlangt, um diese angeriebene Farbe pastos zu bekommen. Für die Haltbarkeit (auch wegen Rissbildung bei evtl. Übermalungen oder nur mittelmässigen Leinwand-Gründen) ist es prinzipiell das Beste, die Farbe so dick wie möglich zu bekommen, das heisst, die Masse (Körperhaftigkeit) in der Farbe (Pigmente und Füllstoffe, und nicht etwa der Bindemittelanteil) entscheidet über die grundsätzliche Haltbarkeit und die Vermeidung der Rissbildung.
Die Farbstärke der Pigmente ist eine Bezeichnung, um die sogenannte Mischlänge zu unterscheiden. So kann eine Malfarbe, die aus einem bestimmten Pigment besteht, unterschiedlich (Farbstärke, Färbevermögen) eine andere Farbe beeinflussen. Weiss zum Beispiel wird durch ein farbstarkes Bunt-Pigment sehr leicht, bei schon geringen Mengen durch dieses farbstarke Pigment gefärbt.
Mit welchen Farben (Pigmenten) soll man überhaupt malen? Es ist dieselbe Frage, wie man sie auch bei der Beschaffung von Tubenfarben stellt. Doch hier bei den reinen Pigmenten ist die Frage noch gewichtiger, weil man verhältnismässig grössere Mengen (zB 250g) einkauft und sich dadurch einen Grundbestand schaffen muss.
Weiss und Schwarz
Man
wird jede Menge Weiss benötigen, aber sehr wenig Schwarz! Zinkweiss
soll angeblich eher zur
Rissbildung (Bersten) neigen, wenn man es in den unteren Malschichten
verwendet. Titanweiss neige eher zum Gilben. Ein Maler gibt
an,
dass er für die unteren Schichten Titandioxid verwende und für die
oberen Zinkweiss.
Die bunten Pigmente (vor allem Blau und dunkles Grün) kann man nur selten in reinstem Ton nutzen und müssen aufgehellt werden, je nach Einsatzzweck.
Man wird am besten für Schwarz Elfenbeinschwarz nehmen. Als
Weiss
ist wohl Titandioxid (Rutil) das gängigste aber auch teuerste Weiss.
Zinksulfid soll aber auch gut sein, vor allem um
Buntfarben aufzuhellen. Andererseits neigt Zinksulfid manchmal zum
Verseifen (ergibt einen seifigen Eindruck).
Man kann universell auch Lithopone nehmen, das meist viel
billiger ist und sich ebenso zur Aufhellung eignet, aber weniger
Deckvermögen hat.
Rot
Um
violette Farbtöne zu mischen, eignet sich Karminrot für
Mischungen
mit Blau in der Regel besser. Krapplack ergibt eher braune Töne als wie
violette. Kadmiumrot
ist ein sehr schönes und klares Rot, geht aber - für Mischungen zB
Violett - rein technisch gesehen etwas zu sehr ins Orangefarbene
(es erklärt sich dadurch, dass durch das Element Kadmium auch
Kadmiumgelb
möglich ist; Kadmiumgrün wird jedoch aus Kadmiumgelb und
Chormoxidgrün hergestellt und/oder anderen Pigmemntmischungen
mit
Kadmiumgelb). Kadmiumtöne haben eine gute Deckkraft und hohe Färbekraft.
Azo-Bordo ist ein faszinierender Ton, der sogar schon
aufgehellt mit Weiss (zB Lithopone) deutlicher als wie es bei
Karmin/Krapplack der Fall wäre ins Violette geht, obwohl der reine
(ungemischte) Azo-Ton eher dem Bordeaux Ton ähnelt. Vielleicht
entwickelt man eine Vorliebe zu:
-
Kadmiumrotton und ebenso einen Karmin-/Krapplack/Azo-Ton aus obigen
Gründen. Karminrot hat in der Regel geringe Lichtbeständigkeit, man
kann statt dessen das Chinacridonrot nehmen, das schon stärker in den
violetten Farbtonbereich geht.
Gelb
-
Kadmiumgelb (gutes Färbevermögen) für ein reines Gelb, evtl.
nach Belieben auch Citrongelb
oder ein anderes Gelb. Gelb verbraucht sich erfahrungsgemäß immer sehr
schnell!
Blau
- Ultramarinblau.
- Preussischblau. Preussisch Blau hat ein sehr starkes Färbevermögen
und
ist ein Klassiker, hat einen unnachahmlichen Grundton.
Ebenso hat Phtaloblau ein starkes Färbevermögen. Manche
erwähnen, dass
die Lichtechtheit von
Preussischblau in Zinweiss und anderen Weisspigmenten
(Weissausmischungen) nachlässt und empfehlen für diese Zwecke
Phtaloblau. Preussischblau verlangt einige Ausdauer beim Anreiben.
Weitere Möglichkeiten:
-
Türkis, oder ein
helleres Blau wie Manganblau oder Türkis. Es gibt unterschiedliche
Bezeichnungen für hellere Blau Pigmente die dem Türkis Ton zwar ähnlich
sind, aber
nicht so grünstichig wie Türkis sind: zB Echtblau oder Himmelblau.
Kobaltblau hat in der Regel keine gute Färbekraft, ist dafür aber
lichtecht und hat einen ansehnlichen oft sehr eigentümlichen Blau-Ton.
Man
probiere mit der Zeit das jeweilige Blau aus, was einem am meisten
zusagt. Indanthronblau ist ein vielseitiges Blau mit wunderbaren
Nuancen, die man erreichen kann. Wenn man dieses Blau hat, bräuchte man
vielleicht kein Preussischblau (auch Pariserblau genannt). Hier bei
diesen reinen Blautönen entscheidet ganz gewiss der Gechmack aber auch
der Einsatzbereich.
Grün
Irgendein
Grün nach Belieben. Der Farbton Schweinfurtergrün eignet sich
vermutlich nur für besondere Einsätze. Irgendein Kadmiumgrün dürfte für
Landschaften ausgezeichnet in Frage kommen. Noch mehr aber
Chromoxidgrün, das oftmals als stumpferes Grün bezeichnet wird. Mit
roten und braunen Tönen gemischt, ergibt Chromoxidgrün ein grünliches
Umbra.
Auch andere erforderliche Grün-Töne kann aus einem Hauptgrün leicht
weiter mit den
anderen Farben in den Nuancen und Tonwerten erweitern. Phtalogrün ist
ähnlich
Preussischblau schwer anzureiben, hat aber ebenso wie Preussischblau
grosse Farbstärke und auch einen schönen satten (saftigen) Ton.
Erdfarben,
Eisenoxide
Sind meist allesamt recht günstig zu erstehen:
Alle Eisenoxide haben in der Regel gute Deckfähigkeit, und in der
Regel auch gutes Färbevermögen.
-
Eisenoxidgelb gehört zu meinem persönlichen Grundbestand. Eisenoxidgelb
hat einen Ton, der sich vielseitig
verwenden lässt. Er kann statt des Goldockers verwendet werden.
Ockertöne sind natürlicher Herkunft, bestehen aus diversen Stoffen und
haben oft auch Tonerde; Eisenoxide als synthetisch hergestellte Stoffe
sind dagegen rein. Ocker der Erde wurden seit vielleicht mehr als
50.000 Jahren für Malereien und Dekorationen gebraucht.
-
Caput Mortuum ist ein Klassiker, obwohl es anscheinend für Anfänger
zunächst schwer ist mit diesem Ton harmonisch zu malen. Es gibt ein
Caput Mortuum ohne weitere Bezeichnung und ein dunkles Caput
Mortuum. Caput Mortuum wurde einst in
einer Zeit der Alchemisten, jedenfalls bedeuten die Worte so viel wie
"wetloses Zeug", da es erwünscht war, aus Pyrit Schwefelsäure zu
gewinnen und Caput Mortuum als Neben-Produkt abfiel. Etymologisch hat
man andere Worte herangezogen, die eine Ähnlichkeit zu "Caput
Mortuum" hatten und kam auf "Totenkopf" (und klingen recht mysthisch,
bildhaft, und soll angeblich auf das geronnene Blut hinweisen, dem es
ähnlich ist und besonders an vom Leib getrennten Köpfen in dieser Farbe
gerinnt).
Sehr gutes Färbevermögen. Caput Mortuum übrigens mit zwei "u"
Buchstaben. Wenn man Caput Mortuum hat, braucht
man vom Farb-Ton her gesehen eigentlich kein di Siena gebrannt und
umgekehrt. Allerdings ist Caput Mortuum deckend und di Siena lasierend.
- di Siena Natur ist im Ton ähnlich wie Eisenoxidgelb oder helles
Goldocker. Di Siena ist eine klassische Lasurfarbe.
-
Umbra gebrannt ist in der Regel eine feine Nuance dunkler als Umbra
natur, beide Pigmente sind reine braune Töne, haben aber auch
Ähnlichkeit zu di Siena gebrannt (welches allerdings bedeutend
rötlicher ist), und vor allem zu Caput Mortuum (besonders zu Umbra
gebrannt).
- Umbra grün ist ähnlich "grüne Erde". Alle Umbrasorten haben gutes
Färbevermögen.
-
Kassler Braun (auch Van Dyck Braun genannt) ist ähnlich wie das dunkle
Eisenoxidbraun. Kassler Braun ist aber wenig Lichtbeständig und wird
oftmals unansehnlich grau, wenn man es mit Weiss mischt. Man bekommt
das Vandyck-Braun auch durch Beimischung von Schwarz zu Kadmiumorange
(auch einem anderen Orangepigment).
Um Hauttöne zu malen, könnte man aufgehelltes Caput Mortuum, di Siena gebr., Umbra gebr. und natur, sowie für hellere Partien aufgehelltes di Siena natur als Basisfarbstoffe versuchen. Eine Internetquelle (http://www.arttrivium.de/4_7.htm?categoryId=30) erwähnt eine Mischung von dunklem Zinnoberrot, Kadmiumgelb (jeweils eine "Bohne") und im Verhältnis dazu etwas weniger Goldocker (eine "Erbse"), und empfiehlt den Hautton entsprechend der Gesamtwirkung des Bildes zu finden. Lasurweiss (Zinkweiss) schliesslich als Aufhellung des rosa-rötlichen Grundtones benutzen. Die Imprimatur (erste einheitliche Grundfarbe des gesamten Hintergrundes eines Bildes) wird oft in rötlichen Ton gewählt.
Als am einfachsten zu Verarbeiten gelten Erdfarben, Kadmiumpigmente, Eisenoxidpigmente, Kobaltfarben und Ultramarin.
Die Pigmente reibe ich immer pur an und mische den Farbton erst mit fertig angerührten Farben, um den gewünschten Ton kontrollieren zu können.
Manch erfahrener Maler meinte: "Umso grösser die Palette, desto geringer das Vermögen des Malers." Wenn ich auch glaube, dass es möglich ist, mit wenigen Farben auf der Palette auszukommen, und dass es eine gute Übung ist, bin ich doch der Meinung, dass ein Laie seine Erfarhungen in jedem Fall selber machen muss und solche Aussagen daher eher pauschale Aussagen sind, die man immer wieder hört; - es kommt wohl eher auf den einfachen Umstand an, ob man weiss, was man tut.
Nur mit roten, gelben und blauen Farbpigmenten kann man nicht malen! Die Mischungen ergeben eben nicht alle Töne, die "physisch" möglich sind. Die reinen Erdfarben zum Beispiel haben eine Stimmung, die durch Mischung kaum nachgeahmt werden kann, davon abgsehen muss auch die Natur der Pigmente in Betracht gezogen werden, zum Beispiel ob sie lasierend oder deckend sind.
Cezanne und Matisse hatten je knapp 20 Farben auf
der Palette. Eine Regel für Anfänger ist es immer, von der geringsten
Basis auszugehen, um das Notwendige zu finden. So käme er vielleicht
auch auf 8-12 Farben in einer kleinen Skala.
Andererseits
mag man auch experimentieren und kommt
so erst zu neuen Möglichkeiten der Bildgestaltung, ausserdem, wie
gesagt, man ist und bleibt so lange neugierig und unzufrieden, bis man
alles selbst ausprobiert hat. Was solche Maler wohl
meinen, ist jener Automatismus, den man verhindern sollte, dass man von
vorneherein alle möglichen Farben auf die Palette mischt und keine
Ahnung hat, was man damit eigentlich anzufangen gedenkt.
Seinen Schrank der Pigmente kann man von
der Palette unterscheiden. Es kann nicht schaden,
eine grosse Auswahl an Pigmenten zu haben und möglichst umfassend
mit der Zeit die verschiedenen Pigmentfarben kennen zu lernen.
Mit
irgendetwas an Pigmenten muss man jedenfalls anfangen. Man
sollte jedoch
einfach die verschiedenen Pigmente mit der Zeit selbst ausprobieren
und ein eigenes Urteil bilden, um stets einen Grundbestand vorrätig zu
haben. Man sollte jedenfalls einen guten Anteil von Erdfarben im
Repertoire haben, um die reinen Farben (Gelb, Rot, Blau) zu brechen.
Für eine realistische Landschaftsmalerei ist es fast undenkbar, mit
reinen Farben zu malen. Ansonsten kann man natürlich alles machen, doch
mir hat die Erfahrung auch dann noch gezeigt, wie wertvoll es ist,
nicht immer die reinen Farben zu wählen, nach dem Motto höchstmöglicher
Effekte. Nur mit Gelb, Rot, Blau zu malen ist ebenso langweilig, als
ein Bild nur mit einer einzigen Farbe in verschiedenen
Hell-/Dunkelwerten zu malen.
Mit dem Bindemittel Öl wird das Pigment von allen Seiten umhüllt. Die Pigmente lösen sich nicht auf, sondern werden benetzt oder vernetzt. Mir ist bislang noch kein Pigment bekannt, das nicht für Ölfarben geeignet wäre, eben weil die Händler wohl vorzugsweise ausschliesslich solche Pigmente in ihren Angebot haben, die vor allem mt Öl zu vermalen sind. Anders ist das für Kalkfarben (evtl. für besondere Gründe ein interessantes Wissen um die Eigenschaften bzw. Verwendbarkeit), Aquarell und Tempera, evtl. Kasein, Ei-Bindemittel usw. - nicht jedes Pigment ist fein genug für Aquarell und nicht jedes beständig in Kalk etc.
So weit ich informiert bin und glaube, sieht der Trocknungsvorgang des Öls ungefähr folgendermassen aus. Der Trocknungsvorgang des Öls kennt zwei Phasen, die erste führt zu einer raschen Raumausbreitung, die zweite Phase dauert sehr viel länger, führt aber zu Raumverminderung, und dadurch kommt es zum evtl. Reissen der auf den Grund aufgetragenen Farben. Ebenso erklären sich die Runzeln nach wenigen Tagen, bei zu grossem Bindemittelanteil. Zunächst dehnt sich die Farbe aus, dann trocknet die oberste Haut und die Farbe beginnt zu schrumpfen und die Runzeln entstehen. Während die Ölfarbe trocknet, nimmt sie Sauerstoff auf (Oxidation). Leider findet man auch hierüber nur selten ausführliche Informationen.
Als Bindemittel für Ölmalerei kommt in Frage: Leinöl,
Mohnöl, sogar Walnussöl und Sonnenblumenöl werden genannt. Letztere
müssen wohl
besondere und gerinigte Qualitäten aufweisen.
Also Leinöl oder Mohnöl. Mohnöl
trocknet nicht so gut durch, verhärtet nicht so gut wie Leinöl, und
Mohnöl trocknet auch über einen längeren Zeitraum. Mohnöl vergilbt aber
weniger als Leinöl und kommt, wie manchmal angegeben, oft für
Kobaltblaupigmente in Frage,
ebenso wie für weisse Pigmente.
Allerdings
berichtet Wehlte einerseits
eine Warnung vor Mohnöl in Kombination mit Zinkweiss und Titanweiss bei
pastosem Auftragen dieser Farbe, und andererseits von einem Fall, dass
ein Gemälde mit abnorm pastosem Auftrag mit Chromoxidgrün in Mohnöl
noch nach 14 Jahren an dieser Stelle weich war und führt dies auf den
pastosen Farbauftrag mit Mohnöl generell zurück. Ich selbst weiss nun
nicht, ob es nun dieser Effekt auch am Grund liegt oder am Mohnöl.
Kurt Wehlte gibt den
Hinweis, dass für die gute Durchtrockung Mohnöl keineswegs auf wenig
und nicht-saugende Gründe (auch Metalle) verwendet werden
sollte. Ausserdem könne
man für prinzipiell schnell trocknende Pigmente Mohnöl verwenden.
Man kann statt reinem Leinöl, auch Leinöl mit Sikkativen versetzt nehmen (Leinölfirnis). Der trocknet etwas schneller. Viele Maler, die Wert auf reine Materialien legen, benutzen aber ausschliesslich reines Leinöl. Dieses vergilbt auch weniger.
Eine Warnung vor Entzündung des Leinöls muss gegeben sein: Leinöl kann durch die entstehende Hitze bei der Oxidation sich selbst entflammen. Bei dem Auftragen des Leinöls auf die Leinwand ist die Konzentration zu gering, aber ein durchtränkter Lappen vermag sich selbst zu entzünden (innerhalb von etwa 24 Stunden). So etwas kann geschehen, wenn man aus Versehen aussergewöhnlich viel Öl ausgekippt hat und mit einem Tuch oder Lappen aufwischt. Dieses Tuch also entsprechend handhaben, an einen Ort aufbewahren wo keine Folgen bei einem Entzünden geschehen können (draussen auf freier asphaltierter Fläche zB), oder in ein Glas oder Metallbehälter verschliessen, was bei luftdichten Verschluß den Nachteil hat, dass der Lappen nicht trocknet. Bloß nicht in eine Schublade gelegt oder zusammengerollt, da verstärkt sich die Hitzeentwicklung jedoch. Ich selbst konnte solche Effekte noch nicht feststellen, aber eine wirklich grosse Menge Leinöl hatte ich auch nie auf einen Lappen, so dass dieser "triefte".
Weisse Farbe, so eine Empfehlung die ich im Internet gelesen habe, kann man auch auf einer extra Platte anreiben, weil feinste Rückstände der bunten Pigmente sich in das Glas einarbeiten können und nach bester Reinigung noch minimal in das Weiss einziehen können.
Als
Glasplatten nehme ich die Scheiben von
Bilderrahmen, die man billig kaufen kann.
Da
kann man fast jede Größe
nach eigenem Anspruch wählen (meine ist 40x40cm und habe noch einige
kleinere Formate). Aus dem Sperrgut habe ich auch noch zwei dickere
Glasplatten ergattern können. Die teuren dicken Glasplatten, die eine
aufgerauhte
Oberfläche haben, sind natürlich immer eine Möglichkeit.
Allerdings weisen sie im Unterschied zu normalen Bilderrahmenscheiben
eine rauhe Oberfläche auf, die das Verteilen der
Farbe ins Öl anscheinend erleichtern soll.
Vielleicht nimmt man
statt
der glatten Scheiben von Bilderrahmen matte Scheiben (sofern man diese
Alternative aus Kostengründen in Betracht zieht), aber vom Gefühl her
meine ich: müsste die glatte Platte leichter zu reinigen sein.
Vielleicht gibt es
noch andere Möglichkeiten, zum Beispiel Keramikplatten, die meist auch
etwas rauher sind (Vorsicht vor der Benetzung mit Lösungsmitteln wie
Terpentin im Zusammenhang mit manchen Oberflächen, auf denen nämlich
Lacke oder
ähnliches aufgetragen ist). Es gibt daneben
noch die Möglichkeit, vielleicht eine glatte Steinplatte
(Vorsicht: Schiefer färbt ab!) zu
benutzen, die ihrerseits im Vergleich zu Glas sehr rauh ist; Granit
oder Marmor könnte hier in Frage kommen. Diese
lässt sich zusammen mit einer Glasplatte benutzen, man reibt zB die
Farbe zusammen mit ein wenig Terpentin auf dem Stein an, und bringt die
Farbe schliesslich auf die Glasplatte, um sie dort mit Leinöl
anzureiben. Auf dem Stein mit Leinöl zu arbeiten dürfte vielleicht
Reinigungsprobleme mit sich bringen, sprich: der Stein ist bald nicht
mehr zu gebrauchen. Muss man ausprobieren, wie man selbst vorgeht.
Auch ob man einen Glasläufer benutzen will, muss man selbst entscheiden, oft wird das für bestimmte Sorten von Pigmenten angeraten, der Glasläufer selbst hat üblicherweise eine angerauhte Unterfläche.
Ich verwende einen Japanspachtel, um bei grösseren Mengen die Pigmente mit der Farbe zu vermengen. Immer gut das Öl und die Pigmente hin und her quetschen und ziehen.
Ich selbst bin noch am experimentieren, wie ich die
angereibten Farben
bereit halte für das Malen, oder ob ich für bestimmte Bild-Partien
jeweils kurzfristig Farbe anreibe.
Die
Farben kann man wohl in Bezug zur angereibten Menge am besten je nach
Zweck anrühren,
manche füllen sie aber auch in Tuben ab. Doch da stellt sich auch das
Problem, dass man glaubt diese lange lagern zu können - irgendwann
setzt sich aber der ölige Anteil am Tubenende oder an der Öffnung ab,
während die Fabrikhersteller dieses Problem mit Zugabe von weiteren
Stoffen versuchen zu minimieren. Ich habe bis jetzt noch nie die ganze
Dose Pigmente auf einmal angerührt, denn man rührt ja das Rezept an und
nicht die Pigmente, die Vorgehensweise kann sich ändern und ohne
Erfahrung mag man so vielleicht eine ganze Dose guter Pigmente nur zu
mittelmässiger Farbe anreiben. Ausserdem stellt sich das Lagerproblem.
Es
wird Maßnahme
empfohlen, die Ölfarbe in verhältnismässig grossen oder breiten
(Marmeladen-)Gläsern
abzufüllen, und um das Antrocknen an der Luft (die sich in der Dose
befindet) über eine längere Lagerungszeit zu verhindern, einen geringen
Teil Wasser über die Öl-Farbe
zu
schütten. Dieses Wasser dürfte man über der pastosen Öl-Farbe ganz gut
wieder abschütten können, wenn man daran geht sie zu benutzen. Dammar
ist anscheinend in Wasser übrigens nicht löslich.
Dabei
gibt es aber von irgendwo die Warnung, dass nicht jedes Pigment dies
verträgt. Andererseits ist dies kaum zu glauben, da es ja heisst, dass
die
Pigmente ja nicht in Wasser gelöst werden wie ein Farbstoff, der das
Wasser einfärbt. Vielleicht gibt es nur einige sehr wenige Pigmente,
die das "Wässern" nicht vertragen. Ein weiteres Problem könnte sein,
dass ein wenig Wasser stets auf der Ölfarbe in dem Glas enthalten sein
wird, nachdem man es auch ausgeschüttet hat. Das Wasser stört
bekanntlich beim Farbaufstrich. Evtl. dann also ein Taschentuch oder
ähnliches saugendes Tuch nehmen, um den Rest des Wassers erheblich
abzunehmen.
Ich
habe die
beste Erfahrung gemacht, die nötige Menge, die ich brauche,
einzuschätzen und jeweils für eine Sitzung anzurühren, und einen
möglichen Überschuß des Tages für ein abstraktes Bild
zu vermalen, auf einer Leinwand oder Tafel, die ich eigens für diesen
Zweck angerichtet habe (selbst wenn dies nicht mit den überschüssigen
Farben
vollendet werden kann). So kann man eine kleine Palette an Farben
anreiben und auf einer extra Glasplatte oder ähnliches zwischenlagern
für den weiteren Gebrauch am selben Tag.
Manchmal kann man eine Leinöl-Farbe (welche Sikkative enthält,
Leinölfirnis) am Abend noch bis
zum Morgen mit einem Deckel abdecken und so vor ein wenig Luft
schützen, und am Morgen noch weiter verwenden, wenn man etwas reines
(ohne Trockungsbeschleiniger) Leinöl darauf gibt und schliesslich mit
Pigmenten oder Füllstoffen
wieder verdickt.
Auf diese Weise lernt man auch wieder eine
gewisse Achtsamkeit und Effektivität. Am besten man experimentiert
selbst, wie man vorgehen möchte.
Eine
einfache Ölfarbe ohne Zusätze ist sehr einfach herzustellen. Die
Grundschritte:
1. Pigment auf die Platte oder den Stein,
Leinöl hinzu, und anreiben mit Spachtel, Japanspachtel oder Glasläufer
(auf einem
Stein besser nur mit Spachtel, weil sonst der Glasläufer Schaden nehmen
könnte).
2. Dabei
die Ölmenge äusserst gering halten, lieber
einen dicken Teig als einen zu flüssigen! Evtl. bei zu flüssigem Brei
dann Pigmente (oder
Füllstoffe) zum Verdicken hinzugeben, um einen Teig zu bekommen. Weiter
unten
dazu noch mehr (Haltbarkeit der Ölfarbe auf dem Malgrund).
3. Kurz
vor dem Malen einige
Tropfen Terpentinöl der Farbe zusetzen, oder für geringe Mengen von
Farbe, entsprechende Mengen
des Terpentins abteilen von einem grösseren Tropfen Terpentinöl. Wie
gesagt, es geht hier oft um Nuancen.
Das
Schwierigste ist
zunächst das Handhaben an sich, man muss ein wenig drauf achten, was
man sprichwörtlich tut und sich stets neue Tricks (der Handhabung)
einfallen lassen. Hier kann man kreativ sein, und das nicht zum
Selbstzweck, sondern in Notwendigkeit der Handhabung der Materialien.
Der Anfänger sollte sich nicht entmutigen lassen, und
auch nicht zu nachlässig sein, wenn manche Pigmente zunächst sich
gar nicht reiben lassen wollen, man muss da ein wenig
ausdauernd und beharrlich sein.
Ein
weiterer Hinweis: Geringste Menge
an Öl erweisen sich immer als vorteilhaft: Das ist oft keineswegs
zuwenig an Öl, wenn man den Eindruck hat, dass die Pigmente sich so
schlecht
verreiben lassen, es braucht ein bisschen Geduld und man sollte nicht
einfach immer zum Öl greifen um das Anreiben zu erleichtern (es sei
denn es ist wirklich zu wenig Öl drin). Man merkt alsbald,
wie sehr die kleine Glasplatte und die eigene Aufmerksamkeit einem in
die Nähe von einem Chemielabor bringt.
Jedes Pigment braucht eine im Vergleich zu anderen Pigment unterschiedliche Menge Bindemittel. In dieser Hinsicht kommt es auf die Feinheit der Pigmente an, feinere, lockere Pigmente brauchen mehr Öl, und gröbere Korngrößen, also schwerere Pigmente dagegen wenig Öl.
Um die Farbe kurz bzw. steif zu kriegen, das heisst, dass sie nicht zerläuft und pastos bleibt (Pinselstrich bleibt sichtbar), muss man die Menge des Öls so gering wie nötig halten. Will man Sand zu der Farbe geben (am besten auf einer Platte, die man beanspruchen kann, also nicht auf der Glasplatte), dann sollte man die Menge des Öls ruhig so halten, dass diese sandige Menge keineswegs zu spröde wird. Evtl. probiere man einen etwas spröderen, also trockenen Auftrag der Farbe und einen mit einer Menge Öl um die Wirkung zu vergleichen. Eine Menge Öl, die diese sandige Masse "glänzen" lässt, dass diese Masse aber nicht von Öl trieft - der Unterschied zwischen zuviel Sprödigkeit und genügender Pastosität beträgt oft nur Nuancen. Die zu spröde gewordene sandige Masse könnte bei mechanischer Beanspruchung oder auf einer Leinwand leicht abgehen. Man muss nämlich bedenken, dass es vom Untergrund abhängt, wieviel Öl aufgesaugt wird, so dass ja noch ein bisschen Öl aus der sandigen Masse gezogen wird, was aber nur ein Problem ist, wenn die Farbe wirklich zu spröde aufgetragen wird.
Zunächst also die gewünschte Menge an Pigmenten auf die Glasplatte zu einem Haufen anrichten. Eine Mulde ist hilfreich bei grösseren Farbmengen, um dort das Öl hinein zu befördern.
Immer mit absolut sauberen Werkzeugen in die Pigmentdose gehen! Hat man vorher andere Pigmente benutzt, so den (trockenen) Staub mit einem Tuch abwischen, ich habe immer ein Tuch in der Nähe und eine Wasserflasche (1.5 Liter), und befeuchte stets einen kleinen Teil des Tuchs mit Wasser (oder für andere Reinigungs-Zwecke mit Spiritus) und wische mit dem trockenen Teil des Tuches nach, alles sehr gewissenhaft.
Man kann einen (extrem sauberen!, am besten eigens dafür vorgesehen) schmalen Malspachtel in die Öffnung des gekippten Ölkanisters tauchen, und hat dann eine gewisse Menge Öl an dem Spachtel. Ist die Ölmenge zu gross, muss man weiter Pigmente oder Füllstoff hinzufügen. Eine extrem grosse Ölmenge sollte man unbedingt vermeiden. Nach einiger Zeit und Erfahrung kann man schon ganz gut die Ölmenge dosieren. Ich bringe das Öl vom Spachtel auf eine leere Fläche der Glasplatte, so bleibt der Spachtel sauber. Mit einem anderen breiteren Spachtel reibe ich schliesslich die Pigmente an, indem ich das Öl auf der Glasplatte in der gewünschten Menge zu den Pigmenten bringe, mal schiebe ich, mal trage ich (halte den Spachtel in die Lache). Den Rest des Öls kann man evtl. zum späteren Malen verwenden oder als Lager für nötige Zugaben an Öl.
Ist die Menge der Pigmente zu gross, und der Teig zu trocken, fügt man tröpfenweise mehr Öl hinzu. Bei sehr grosser Menge an Farbe, welche man mit dem Pigment herstellen will: entsprechend zB mit einem sauberen Malspachtel mehr Öl abtropfen lassend. Das Öl kann man auch direkt auf eine leere Fläche der Glas-Platte giessen und dann mit dem (sauberen) Spachtel je nach Bedarf verschieben, oder auch aus der Kanne direkt auf die Pigmente geben. Dabei hat man aber oft eine sehr grobe Dosierung - dieser Vorgang eignet sich für eine Zubereitung von viel Ölfarbe für eine zu malende Fläche von gewisser Größe. Dabei sit dei Empfehlung auch hier mit geringen Maßen an Öl im Verhältnis zum Pigment anzufangen.
Zur Haltbarkeit und Festkörperanteil in der Masse.
Es
wird einmal empfohlen, mit im Verhältnis geringen Mengen an Öl zunächst
einen klebrigen Teig
anzureiben, auch deshalb, damit die Pigmente sich besser im Öl
verteilen bzw. genauer
gesagt: man nennt diesen Vorgang "Benetzen der Pigmente". Und dann
schliesslich in weiteren Schritten die Farbe etwas flüssiger machen
(bis zur Grenze der
erwünschten Pastosität). Man kann auch einige Tropfen Terpentinöl den
Pigmenten vor
der Ölzutat hinzufügen und verreiben, um die Benetzung
der Pigmente zu verbessern, und es ist ja eh empfohlen, pure
Leinölfarben (ohne Zusätze) stets etwas mit Lösungsmitteln verdünnt zu
vermalen. Auf diese Weise kann man sogar stets verfahren, und dazu den
Glasreiber verwenden, der ohne Leinöl nicht so sehr verschmutzt wird.
Dann kann man mit Leinöl und Spachtel schliesslich die Ölf-Farbe
komplett machen. Jemand anderes empfiehlt Terpentinöl dagegen erst nach
dem pastosen Anteigen hinzuzufügen, um die Farbe vermalen zu können.
Ich konnte keine erheblichen Probleme mit dem vorherigen Benetzen der
Pigmente feststellen, aber auch keine besonders günstige Verteilung der
Pigmente beobachten (vielleicht entzieht sich der Effekt auch der
Beobachtbarkeit, was an der tatsächlich besseren Verteilung
der
Pigmente nichts ändern mag).
So wie eingangs beschrieben gehen viele auch bei Eitempera und Acryl vor, dort wird der Glasläufer über die mit Wasser oder Netzmittel (zB Ochsengalle) angeteigte Farbe verwendet, und erst am Ende mit dem Zusatz des Bindemittels (das Acrylat) und dem Vermischen mit dem Spachtel die Farbe fertig hergestellt.
Zum
Reiben selbst empfiehlt sich eine gewisse Gründlichkeit, den Spachtel
flach auf das Glas zu legen mit ein wenig Druck
(aber natürlich nicht bis zum Abbrechen) und wie einen Teig immer
wieder zu bearbeiten, hin und zurück bewegend, und immer
darauf achten, dass man alle Pigmente verreibt, also Spachtelunterkante
und -oberkante regelmässig mit einem zweiten Malmesser oder
Spachtel abstreichen, und zusammenstreichen, vielleicht auch ein
wenig auf der Platte "schmiergeln" und den Glasläufer zu imitieren
(sofern
man nicht sogleich den Glasläufer benutzt). Mit Glasläufer hat man
allerdings
auch mehr Material zum Reinigen, bei grossen Mengen ist dies
aber
sicher irrelevant.
Manche
Pigmente lassen sich schwerer verarbeiten, es sind dies in der Regel
die feinstkörnigen Pigmente wie di Siena oder Caput Mortuum..., da ist
Geduld gefragt.
Zuviel
Öl in der Farbe (Bindemittelüberschuss) verursacht nicht nur
Rissbildungen, wenn zudem der
Malgrund noch schlecht ist oder bereits der Grund bemalt ist, sondern
beim pastosen Auftrag auch ein Runzeln der Farbe auf der trocknenden
Oberfläche der
Ölfarbe (die Haut), bei sehr dünnen Farbschichten kann dies noch
vermieden werden,
aber gewöhnlich wird der Farbauftrag immer eine gewisse Dicke
aufweisen.
Dieses Runzeln geschieht durch Volumenzuwachs ganz
natürlich: die
Haut an der Oberfläche trocknet an der Luft zuerst, so dass man auf
diese Masse aufdrücken kann und sich der innere Teil als feucht und
flexibel erweist und noch lange Zeit benötigt durchzutrocknen, aber die
Runzeln bleiben und will man sie platt drücken, zerstört man die
Malschicht vollends, das Ergebnis ist bei Fortführung des Plattdrückens
ein unansehnlicher Brei, der so zustande kommt. Selbst bei abstrakten
Bildern ist ein weiteres Arbeiten mit solchen angetrockneten
Malschichten fast unmöglich, es sei denn man will diesen Effekt
sichtbar in Erscheinung treten lassen.
Es ist von Anfang an anzuraten, grössten Wert auf Sauberkeit und Ordnung zu legen. Lüften ist natürlich auch wichtig, denn mit der Zeit wird es sonst einem "stickig" in dem Raum, und ein Kopfschmerz macht sich sonst bemerkbar. Man kann die Bilder mit den fertig gemalten Schichten in einem anderen Raum lagern.
Aber am wichtigsten ist die Sauberkeit. Die hilft einem oft
weiter.
Man versucht wohl am besten und prinzipiell sich anzugewöhnen, immer
nur kleinstmögliche Flächen der Glasplatte mit der anzureibenden
Ölfarbe zu "verschmutzen". So kann man an anderen Stellen Öl bereit
lagern, oder andere Pigmente anreiben. Ein Autor weist darauf hin,
immer nur walnußgrosse Pigmentteige anzureiben, aber da kommt es
vielleicht auch auf die erwünschte Technik des Malens an bzw. die
benötigte Farbmenge oder ob man einen Glasläufer benutzt etc.
Die Platte zu reinigen geht sehr einfach: Zu grosse überflüssige Mengen von der Platte mit dem Spachtel oder Japanspachtel (ein flacher breiter Spachtel) wegbringen (- ja, aber wohin? Zur Not bei geringen Mengen einfach in Taschentücher, Toilettenpapier, alte Zeitung etc. oder am besten noch auf eine alte Holzplatte, oder Bild, das man so mit der Zeit bearbeitet).
Um
die Platte für das nächste
Anreiben von Pigmenten zu reinigen, reicht es gewöhnlich mit einem
(eigens dafür
eingesetzten) Tuch oder altem Handtuch und ein paar Tropfen Spiritus,
die man auf die Platte gibt den Schmutz weg zu wischen.
Und um die Platte endgültig ganz säubern (für
den nächsten Tag) entsprechend ein genügend Maß Spiritus (eine
kleine Lache) benutzen und abwischen.
Eingetrocknetes Öl lässt sich ebenso leicht mit Spiritus und ein bisschen Schaben und vorsichtiges Spachteln mit einem Japanspachtel beseitigen. Ich selbst verursache eine kleine Spirituslache, und schiebe sie dann entsprechend über die Platte, und zwar zusammen mit den Resten und arbeite mich so über die Platte; am Schluss nehme ich den Japanspachtel um die Reste weg zu nehmen, oder lasse sie über den Rand auf ein Blatt Papier fallen, und gehe schliesslich noch einmal mit normalen Wasser und Tuch über die Glasplatte.
Terpentinöl ist unsinnig, verursacht mehr Dreck als dass es die Platte säubert, und man muss ja nicht ewig diese Dämpfe einatmen.
Den Spachtel oder Spatel nicht im feuchten Zustand lagern, nachdem man ihn zB gereinigt hat - weil er leicht oxidiert.
Zusätze
kann
man fertig angerichtet kaufen als Malmittel 6, Malmittel 28 und
Turbo-Ultra usw., aber auch fertigen Dammar als Dammarfirnis etc. -
leider sind die Bezeichnungen der Inhaltsstoffe bei den Malmitteln zum
Teil ungenügend, so weiss man über die verwendeten Stoffe nicht genug
und kann unter Umständen diese Malmittel nicht ohne weiteres mit
eigenen Vorhaben oder weiteren Zusätzen verknüpfen. Die Überlegung, wie
sich diese Malmittel wirklich verhalten, fällt unter diesen Umständen
natürlich etwas schwerer. Die Fabrikanten sollten doch eigentlich
annehmen, dass sie diese Malmittel an Profis verkaufen möchten, die
wiederum wissen wollen, womit sie malen, was sie da also in den Händen
haben (die Geheimniskrämerei ist selbst für die Mengenverhältnisse kaum
gerechtfertigt, was ja oft angebracht wird, und es wird gesagt: es
handle sich um ein Geheimrezept; zumindest kann man innerhalb
einer Toleranz von 5-15% diese Mengen angeben: zB
ca. 2/4
Stoff A, ca. 1/4 Stoff B usw; jeder Hersteller, der daran gehen würde,
so eine Rezeptur zu kopieren, würde doch noch selbst Versuche anstellen
müssen, und die meisten Grund-Rezepturen oder Richtlinien sind den
Fabrikanten sowieso bekannt! Aber nicht den Konsumenten). Also ein
weiteres Argument, um seine
Malmittel selbst herzustellen... (auch um selbst endlich die Materie
und die nötigen Mengenverhältnisse kennen zu lernen).
Ausserdem macht das Selbstzubereiten einigen Spaß, und
erweitert wiederum
die grundlegende Materialkenntnis. Nämlich wie die Stoffe sich
tatsächlich verhalten und nicht immer sind die fertigen Malmittel auch
ganz der eigenen Absicht angepasst. Dann bleibt nur, sie entsprechend
abzuändern, zB zu verdünnen, oder aber selbst herzustellen. Als
Füllstoffe zum Strecken kommen Blanc Fixe für Buntpigmente in Frage,
und Kreide (Champagnerkreide) für weisse Pigmente. Solche Füllstoffe
könnte man bis zu 10-15 Prozent hinzufügen.
Eine Angabe zu Wachs, von einem amerikanischen Maler: 2-4 %.
Zu hohe
Wachszugaben lassen den Ölfilm schlecht trocknen.
Der
Künstler gibt folgendes Rezept an: 250 ml Lein-Öl erwärmen (nicht auf
direkter Flamme oder Kochstelle sondern in einem Wasserbad in einem
extra Topf). 30 g gebleichtes Bienenwachs hinzugeben und sehr gut
verrühren. Dann das Öl von der Wärmequelle nehmen, das Öl darf
keinesfalls zu warm werden (dunkelt sonst zu sehr nach) und das Wachs
muss gut genug verrührt werden. Nun 730 ml reines Leinöl
hinzugeben und einen Tag stehen lassen, bevor man es weiter verarbeitet
(zum Farben anreiben). Dieses bereitete Öl sollte möglichst
keine
Luftzufuhr haben, also einen Topf oder Gefäß zum Aufbewahren wählen, in
dem sich möglichst wenig Luft zum Rand hin befindet, wenn man es
verschließt oder abdeckt. Der erwähnte Künstler gibt einige Brocken
saubere Steine oder Glaskugeln hinein, um die abgefüllte Menge zum Rand
zu
bringen.
Man kann von dieser Menge immer etwas abzweigen und
entsprechend weitere Steine hineingeben, um die Menge zum Rand des
Gefäßes zu bringen. Jener Maler gibt diese Möglichkeit an, man müsste
sich vielleicht überlegen, was für Möglichkeiten es sonst noch gibt, um
das Öl zu lagern, ohne dass es an der Luft oxidieren kann (mehrere
kleinere
Gefäße zB, kleinere Mengen die man direkt verarbeiten kann, oder auf
ein Mal hin eine grosse Menge Ölfarbe herstellen um diese zu lagern
etc.).
Weitere mögliche Zusätze:
Terpentinöl
(Balsam), das zähflüssige 'Venetianisch
Terpentinöl' (mit Terpentinöl verdünnt der Ölfarbe zugegeben ergibt
schon
eine Harzölfarbe, schafft auch einen emailleartigen Glanz), andere
Harze, Dammar, evtl. Mastix (? wird heute anscheinend nicht mehr dem
Dammar bevorzugt, weil es stärker gilbt als wie das mitttlerweile
bevorzugte Dammarharz), Wachse
(gebleichtes Bienenwachs, Carnabauwachs) macht die Farbe buttriger
("kurz"), und sogar Schellack (? manchmal
ja nur als spezielle Grundierung oder Firnis) etc. sind
die
Zutaten, mit denen man experimentieren kann. Ich selbst bin noch nicht
so weit vorgedrungen, über diese Zusätze
umfassende Auskunft
aus eigener Erfahrung zu geben. Nur eines, umso mehr Zusätze, desto
grösser die Gefahr - so ist anzunehmen - dass die Farbe an Haltbarkeit
verliert. Ein gewisses Maß bestimmter Zusätze dagegen kann die
Haltbarkeit erhöhen.
Ausserdem kann man natürlich auch Sand in die Farbe geben, sollte dies aber nicht auf der guten Glasplatte zusammenmischen wegen den Kratzern. Ich nehme zum Mischen mit Sand manchmal eine leere Leinwand, die nachher ein abstrakes Bild ergeben soll oder einen Holzplatte und ähnliches. Quarzsand gibt es in verschiedenen Qualitäten, wo die Körnung ab 0.1 angegeben ist, kann es sich um verschwindend geringe Prozentangaben handeln, und andere Qualitäten haben dagegen einen hohen Anteil der sehr viel feineren Grad der Körnung. Im Baumarkt. Diese Sandzugabe ist das beste Mittel, um eine Farbe zu erhalten, die körperhaft ist, die man wirklich dick auftragen will, weil sie dabei Materie verkörpert. Man kann auch eine noch grössere Masse auf die Leinwand erhalten, indem man zuerst mit Spachtelmasse vorgeht, die man sich auch aus Acrylbinder selbst bereiten kann (zum Beispiel Erde fein mahlen oder Kreide als Spachtel-Füllstoff), um dann nach der Durchtrocknugn dieser Spachtel-Masse erst die versandete Ölfarbe mit ihren wertvollen Pigmenten in dickerer Schicht aufzutragen. Dann erhält man einen optischen Effekt, als hätte man sehr viel von dieser Farbe aufgetragen. In meinen Augen ist es verschwenderisch, und technisch gesehen waghalsig, eine sehr grosse Masse allein mit Ölfarbe auf einen Malgrund zu setzen, obwohl sie mit Sand versehen auch sehr viel besser hält.
Wachse
sollen eine Substanz weich machen. Ein Gegensatz zur Sprödigkeit von
manchen Harzen zB.
Anscheinend können Wachse auch Oberflächeneffekte
der Farbe erzeugen, angeblich geht die Tendenz in Richtung
Mattigkeit.
Sikkative (Trocknungsbeschleuniger) halte ich für überflüssig, sofern die Maltechnik oder eine gewisse Pragmatik dies nicht verlangt. Ich halte grundsätzlich - wie bereits erwähnt - für die Arbeit mit Zusätzen das Prinzip für massgeblich: das Überflüssige zu meiden und das Notwendige streng zu dosieren, was ich nicht nur von Dörner, Wehlte und Co. gehört habe, sondern für mich ein universales, gesundes Prinzip für die Maltechnik ist, es erklärt sich gewissermassen von selbst, so zu handeln (und hat auch den Vorteil, nebenbei gesagt, die eintretende Wirkung der Zusätze bei effizientem Einsatz genauer beobachten zu können). Wenn man Leinölfirnis verwendet, hat man schon Sikkative in der Ölfarbe.
Nach Doerner ergibt ein Zusatz von Dammar zu den Farben eine Harzölfarbe. Solche Farbe mit Dammar erhält eine besondere Tiefenwirkung.
Es gibt anscheinend verschiedene
Wege, den Dammar aufzulösen. Am vorteilhaftesten scheint natürlich
Terpentinöl zu
sein (denn man kann die Ölfarbe, die man mit Malmitteln versetzt, nur
weiter verdünnen mit demselben Lösungsmittel, das man auch für das
Malmittel angewendet hat):
1
Teil Dammar auf 3 Teile Terpentinöl bei
Ölfarbenverwendung. Andere nennen eine Lösung von 1:2 als Malmittel.
Gemeint sind zB 100 gr Dammar und 300 ml Terpentin.
Doerner empfiehlt den Dammar in Gaze- oder Tüllbeutel in ein Einmachglas zu hängen, so dass es in das Terpentinöl ragt. Heutige Qualitäten des Dammars könnten vielleicht auch ohne weiteres in einem losen Glas gelöst werden, welches man verschliessen können muss (evtl. regelmässig umrühren, oder das Glas schütteln). Doppelt rektifiziertes Terpentinöl wird empfohlen. Abgefüllte Harzlösung vor Lichteinfluss schützen (zum Beispiel mit Klebeband und Papier das Glas verdunkeln). Wenn man Dammar direkt auflöst, dann in irgendeiner Weise (Gaze, Tüll, evtl. Teebeutel-Einsatz) abseihen um der Reinheit willen. Einfacher geht es wohl, den Dammar in einem verschliessbaren Glas oder einer weithalsigen Flasche aufzulösen, evt. anzukippen um eine grössere Ansetz-Fläche zu erzeugen, und dann später durch ein Sieb zu sieben (evtl. ein Teesieb aus Eisen), um die möglichen Verunreinigungen des Dammar abzutrennen von der Lösung.
Dammar gibt der Farbe Brillanz und weist wohl auch bessere Verstreichbarkeit der Farbe auf (muss ich noch überprüfen). Ausserdem fördert Dammar, wie bei den erwähnten berühmten Tubenfarben, die Durchhärtung der Malschichten.
Für
die Beurteilung und Wahl von Zusätzen ist es zwingend erforderlich
anzunehmen, und als Grundlage der Überlegungen heran zu ziehen: dass jeder
Stoff nicht nur eine
Eigenschaft hat, sondern mehrere. Und dass andere
Stoffe, wie zum Beispiel das Leinöl in Verbindung mit Zusätzen eine
weitere Eigenschaft erzeugen oder eine bestehende Eigenschaft (des
Leinöls) verändert wird.
Was also auf der einen Seite ein beliebiger
Zusatz etwas gutes beisteuert, kann in anderer Hinsicht weniger gut
sein - das alles sollte hinsichtlich der Haltbarkeit der Bilder wie
auch gemäß der persönlichen Zielsetzung bewertet werden.
Aus diesem
Grunde, so nehme ich an, gibt es auch die vielen unterschiedlichen
Ansichten darüber, ob zum Beispiel Wachs in der Ölfarbe nützlich ist
oder nicht, oder ob Dammar dem Mastix vorzuziehen ist usw.
Weiterhin sollte man in Bezug zu diesen Zusätzen stets eigene
Erfahrungen sammeln.
Man kann zB die Zusätze gut beurteilen lernen, wenn man einerseits
zunächst einzelne Zusätze untersucht und nicht alle auf einmal. So kann
man die Wirkung der
Ölfarbe untersuchen: ist sie mit einem Zusatz matt, ist sie glänzend,
wird sie emailleartig, stumpf, oder kann man sie besser vermalen,
eignet sich ein Zusatz für feine Pinselstriche, also für konkrete
Malerei von Gegenständen und natürlichen "Phänomenen" (der Natur zB),
oder ist sie
dadurch eher für körperhaften Auftrag geeignet. Und schliesslich: was
passiert wenn ich
die Zustätze zusammenbringe usw.. - bald sind das einfachste
Erfahrungswerte, manches ergründet man mit Intuition. So habe ich zum
Beispiel einfach schon verinnerlicht, dass jeder massige und
dünnflüssige Farbauftrag (zum Beispiel flüssige Tränen, die nach unten
fliessen), den Grund aufweicht und technisch gesehen
Haltbarkeitsprobleme mit sich bringt. Ab und zu in der abstrakten
Malerei will man ja auf diese Weise gewisse Effekte verursachen, aber
es kennt eben maltechnische Grenzen.
Dasselbe ist es, wenn man zu
dicke Temperaschichten anlegt, und sie mit Ölfarbe übermalen will - da
wird wohl nur noch eine Ölfarbenschicht drüber passen. Usw..
Eine Sache muss man bedenken bei der Menge der anzureibenden Ölfarbe
oder wie man Zusätze integriert: Wenn man das Bild einheitlich mit
diesen Zusätzen gestalten will, müsste man wohl grössere Mengen
anreiben und diese kurzfristig aufbewahren, je nach Methode und
Technik. Weil man meist ja nicht das gesamte Bild in einer Sitzung fertig bekommt.
Und dass man eben nicht für jeden Abschnitt, den man im Bild gehen
will, erneut Farbe anrühren muss. Bei unterschiedlichen Farben lässt sich ein
gewisser Unterschied aber nicht unbedingt vermeiden, es sei denn man
eignet sich Übung in der Dosierung des Materials und Einschätzung der
verschiedenen Eigenschaften der Pigmente an.
Eigentlich sollte dieses
Problem aber nicht so gewichtig in Erscheinung treten. Mit der
Erfahrung könnte man sogar die in etwa immer gleich grosse Menge an
Zusätze ziemlich gut in den Griff bekommen.
Möglicherweise
kann man auch über diesen Umstand der Einheitlichkeit hinweggehen, auch
hier muss man es selbst überprüfen. Was also auch die eigene Malweise angeht.
Ich habe gelesen, dass man Ölfarben, die nur aus Leinöl bestehen, also meist die selbst angeriebene Farbe, mit ein bisschen Terpentin verdünnen sollte (was zudem ein Malmittel ergibt), um das Nachdunkeln der Leinöle zu verhindern.
Dieses Nachdunkeln geschieht prinzipiell, wenn ein Bild lange Zeit vor Lichteinflüssen geschützt ist, wenn es in der Abstellkammer, eingepackt im Keller oder angelehnt mit der Vorderseite an die Wand gerichtet lange Zeit im Dunkeln gelagert ist. Doerner geht über diesen Umstand hinweg und spricht von den an die Wand gestellten Bildern, um sie ja vor den Staubeinfall zu schützen. Möglicherweise ist ein solches an die Wand stellen an einem helleren, also nicht gleich absolut dunklen Ort noch vertretbar.
Und noch eine Möglichkeit: Es wird berichtet, dass die Farben später, wenn das Bild wieder dem Licht ausgesetzt ist, aufhellen, womit man das Nachdunklen prinzipiell vernachlässigen könnte. Da kann man nur selbst eine Entscheidung treffen oder die Ergebnisse beobachten. Die Ölfarbe trocknet je nach dem, ob Trocknungsbeschleuniger enthalten sind (Sikkative, Leinölfirnis zB), und wie dick die Schichten sind in 4-6 Tagen (Sikkative) bis 6 Wochen (Pur), manchmal sehr viel länger bei extrem dicken Schichten. Im Sommer trocknen die Bilder natürlich wegen der wärmeren Temperatur schneller als im Winter.
Der Mangel anderer Öle besteht darin, dass zB Mohnöl sehr lange Trocknungszeiten hat. Das Leinöl trocknet am besten und schnellsten. Ob das Mohnöl lohnt, für klarere Farben oder Weisstöne, das muss man selbst austesten.
Mit diesem Weg über die Materie wird vielleicht als Begleitumstand bzw. als Tendenz der Hang zum rein ideellen Wirken überwunden, also jenes künstlerische Schaffen, weil man halt Kunst machen will. Man will sonst sehr leicht (Weg des geringsten Widerstandes) die Illusion, den Effekt um des Effektes willens, die Hervorbringung, und setzt in Abfolge des Malprozesses: das Wirken vor der nötigen Absicht (Intention), und alle Mittel sind recht, sind sogar egal, und man geht dabei aber dennoch über den Weg der Materie, aber über die Masse, um das Wirken zu kontrollieren, verliert somit das Detail und sprichwörtlich die Gründe aus den Augen. Für mich als Maler habe ich sehr viel Gewinn, weil Bewusstheit gewonnen, seitdem ich mich mit dem Material in dieser Weise beschäftige, was tatsächlich auch Auswirkung auf die Malweise hat.
Es geschieht sonst leicht eine gewisse Fahrlässigkeit. Etwa: Ein Pinselstrich wird als ungenügend erkannt, und man setzt einfach einen weiteren darüber. Das ist manchmal unausweichlich, aber man gewöhnt es sich andererseits auch zu leicht an. Man sieht nicht mehr das Material, sondern nur den Effekt.
Es ist allerdings zu bemängeln, dass die grossen Hersteller ihre Rezepturen (wenigstens die Inhaltsstoffe) nicht auflisten, manche geben noch nicht mal das Pigment oder Pigmentzusammenstellungen für ihre Tuben- oder Dosenfarben an. Der in der Nahrungsmittelindustrie übliche Verbraucherschutz müsste bedingt durch das maltechnische Interesse auch in der Malerei zum Einsatz kommen.
Experimentieren
kann man gewiss auch sehr gut mit Erden, die man in der Natur vorfinden
kann. Ich siebe zunächst in einem (alten) Küchensieb die Erde und dann kann man
sie noch weiter zerkleinern,
zum Beispiel in einem Mörser oder mit zwei grossen Steinen (mit flacher
Seite). Übrigens: Schiefer wird aber durch das Reiben abfärben auf die Erde.
Da gibt es aus der Natur einen hellen Eisenoxidgelb/Ockerton,
den ich gefunden habe, der allerdings sehr lehmhaltig (tonig) ist.
Was immer man auch in der Küche anrichtet, ob Leim im Wasserbad und gewöhnlich einem kleineren Kochtopf (ins Wasserbad gestellt), oder Erdfarben im Sieb oder Mörser oder sonstwas, diese Töpfe und Gegenstände sollte man sodann freilich nur noch für diese Zwecke benutzen und ins Atelier stellen.
Die alten Meister hatten ein Pigment mühsam gefunden, oft konnten sie es aus einem Steinbruch erhalten, mussten es aber selbst zerkleinern. Andere Pigmente waren dagegen selten und kostbar. So waren sie zur Achtsamkeit gezwungen.
In
der Europäischen Union und Deutschland darf kein Produkt ohne besondere
Kennzeichnung
verkauft werden, das giftig genug ist, um damit im Umgang
erhebliche Gesundheitsschäden davon zu tragen. Von daher, weil die
Kennzeichnung
der Pigmente in deutschen Läden fehlt, kann man davon ausgehen, dass
die Stoffe unbedenklich sind, selbst in Bezug zu den Kadmiumfarben.
Dennoch, auch Terpentin oder Spiritus wird (mit Gefahrenhinweis) frei
verkauft, und geringe
Gefahren bestehen auch bei diesen Produkten - sorgfältiger Umgang ist
also
gefordert.
Essig Essenz oder Nähmaschinenöl trinkt man ja nun auch nicht pur, und sind normale Gebrauchsstoffe.
Es ist ein Vorteil, dass
gewissenhafte Händler stets angeben, ob die Pigmente giftig sind oder
nicht. Kadmiumpigmente sind zB im Prinzip für den Maler relativ
ungiftig:
sofern sie nicht verbrannt oder zum Glühen gebracht werden.
Andere
in Pigmenten
enthaltene giftige Stoffe befinden sich in fester molekularer
Ordnung. So zum Beispiel bei Bariumsulfat (in Lithopone oder als Blanc
Fixe), denn
Barium an sich ist giftig, aber als Molekülbindung (als Sulfat)
unlöslich (erst ab Temperaturen über 1200° zersetzen sich die
Verbindungen und Barium wird frei gesetzt) -
somit ist Lithopone oder Blanc Fixe für den Maler ungiftig. Bariumsulfat
wird
sogar als Kontrastmittel bei Röntgenuntersuchungen vom Patienten
eingenommen.
So ist es bei vielen
Pigmenten. Preussischblau enthält zwar den einzelnen Stoff Cyan, das an
sich giftig ist, aber befindet sich ebenso in einer stabilen Molekülbindung
mit Eisen.
Man sollte sich bewusst sein, dass die meisten Pigmente
künstlich
hergestellt sind und aus chemikalischen Prozessen oder Rohstoffen
herrühren. Vielleicht sollte man besser nicht der Versuchung erlegen,
an
den Pigmenten zu riechen. Ausserdem handelt es sich im Grunde um Staub
- und man kennt ja die Gefahr von Staub auf die Lungen.
Im Ganzen gesehen dürfte es kein Problem
sein, mit diesen Pigmenten zu arbeiten. Die
meisten Hersteller bieten keine wirklich gefährlichen Pigmente mehr an.
Zinnober
wird
heute eigentlich nur noch als Imitat angeboten. Zinnober als
rohes
Mineralstein enthält ansonsten
das in langer Aussetzung sehr giftig wirkende Quecksilber. Auf manchen
Edelsteinbörsen ist es zwar möglich, an solche giftigen Mineralien zu
gelangen; ich selbst habe einen Zinnoberstein, den ich in einen
Glasbehälter verschlossen habe. Aber es kann nur davon abgeraten
werden, auf diese Weise selbst an Pigmente zu gelangen. Der Feinstaub
des grünen Malachits zum Beispiel ist hochgiftig.
Ähnlich
giftig verhält es sich mit Schweinfurter Grün (Kupfer), das nur noch
imitiert angeboten wird. Bleiweiss kriegt man
gewöhnlich auch nur noch mit einem entsprechenden (amtlichen) Nachweis über die
nötige Verwendung.
Die heutige Zeit des Handelns ist also umwelt- und gesundheitsbewusster, und es gibt weniger Gefahren für das Selbstanreiben von Farben. Ein grosses Plus der Moderne: Technische Erweiterung der Möglichkeiten und Bewusstheit über die Eigenschaften. Zinkweiss und Titanweiss gibt es erst dank der technischen Industrialisierung seit etwa 1900 und hat das Bleiweiss, das bis dahin das einzige bekannte Weiss war, verdrängt.
In der Regel genügt es gewiss, die Pigmente nicht
ausserordentlich
zum Zerstäuben zu bringen (aus höher Höhe fallen lassen), und den Staub
der Pigmente nicht einzuatmen - also
nicht dran riechen - und nicht zu verschlucken; Augenschutz, Atemschutz
oder gar Gesichts-Schutzmaske dürften nur für Allergiker in Frage
kommen. Bei evtl. Kontakt mit den Händen sollte man jedoch vorsichtig
sein, denn wegen der möglichen Reizung (feiner Staub) nicht mit den
Fingern
am Auge zu kratzen oder im Ohr zu popeln usw.
Dann gilt noch, dass
die meisten chemischen Substanzen oft nur dann ihre potentiell toxische
Wirkung entfalten, wenn man ihr über längerer Zeit und auch in
grösseren Dosen ausgesetzt ist; eine Ausnahme könnten freilich wie gesagt
Allergiker bilden.
Die bedenkliche Risikotechnologie "Nanotechnik" wird manchmal im Zusamenhang mit Titandioxid angegeben. So weit ich weiss, handelt es sich dabei aber um mit Nanotechnologie farblos gemachtes Titandioxid, was also nicht für die Malerei Anwendung finden kann, und in Sonnencremes verwendet wird.
- Kadmiumpigmente (rot, gelb, grün). Sie enthalten das auch in
Batterien
enthaltene Schwermetall Kadmium. Doch die Pigmentform ist nicht so
giftig wie andere Kadmiumverbindungen. Beim Verbrennen wird Kadmiumoxid
freigesetzt, das viel giftiger ist. Die Kadmiumfarben werden entweder
in Molekülbindung mit Schwefel oder in einer Bindung von Kadmium mit
Schwefel und Selen hergestellt, beide sind im menschlichen Magen kaum
wasserlöslich.
-
Chromgelb u. Neapelgelb wird ebenso kaum noch angeboten, Chromgelb
enthält Chromate und Blei. Neapelgelb enthält Blei.
-
Bleiweiss (Blei), Kremserweiss (Blei). Diese Pigmente und Schweinfurter
Grün (Kupferoxid) werden in der Regel nicht mehr angeboten.
- Bei Zinkoxid gibt es angeblich eine antiseptische Wirkung,
die beim Verschlucken leichte Irritationen hervorrufen könnte.
- echtes Lampenschwarz gilt als krebserregend im Kontakt mit der Haut
- Kassler Braun (aus manganhaltiger Braunkohle hergestellt) und
Umbrasorten enthalten manchmal etwas höhere Konzentration von Mangan
von bis zu 20% (in Ocker sind die Konzentrationen geringer, meist unter
1%). Mangan sollte man nicht dem Körper zusätzlich
zuführen; obwohl es in kleinster Menge als
Spurenelement wichtig ist. Denn ein Mangel führt zu
Erschöpfungszuständen, aber es wird genügend in geringsten
Konzentrationen über
die Nahrung aufgenommen und darf keinesfalls in hoher Dosis extra
zugeführt werden. Dies aber ist wohl nur möglich, wenn man absichtlich
grosse Mengen an diesen Pigmenten einnimmt. Die Gefahr der chemischen
Stoffe besteht in Reizung von Schleimhäuten, Augen und Verschlucken,
evtl. aber seltener durch Hautkontakt.
-
Unbedenklich sind Ultramarin, Krapplack (natürlich u. synthetisch),
Preussisch Blau (andere Namen: Pariser Blau, Berliner Blau)
und
Eisenoxide (zB Englischrot); Eisenoxide sind auch teilweise im Ocker
vorhanden. Zink wird oft als Sonnenschutz verwendet und ist wie
Titandioxid ungiftig. Titandioxid ist angeblich sogar als
Lebensmittelstoff zugelassen.
-
Permanentgrün wird oft aus Phtalocyaninpigmenten und Chromoxidgrün
hergestellt, oder aus Preussischblau, Cadmiumgelb. Evtl. Chromgelb und
Zinkgelb als Bestandtteile (dies aber dürfte heute nicht mehr die Regel
sein!).
- Chromoxidgrün (besteht aus Hämatit, Eisen) und die meisten (reinen)
Eisenoxide: zB. Eisenoxidgelb, Englischrot.
- Alle Ockerfarben (Goldocker, gelbe, rote), Grüne
Erde, und Terra di Siena kann man ohne Bedenken
verarbeiten.
- Titandioxid ist ungiftig.
- Coelinblau (Kobalt-Zinn Mischoxid in äusserst stabiler
Molekül-Bindung) ist ungiftig.
-
vermutlich ungiftig: Krapplacke, Karminrot, Chinacridonpigmente,
Cochenile-pigmente (Pflanzenfarbstoffe: Karmin - oder aus der Laus
Cochenil gewonnen: Krapplacke).
- Kobaltblau-pigmente (nach Meinung einiger: Gefahr beim verschlucken
oder einatmen; besonders bei andauernder Belastung wenn man
Kobaltblaupigmente an mehreren Tagen hintereinander mischt etc.;
sicherheitshalber Staubmaske tragen; viele Händler verzichten
vermutlich wegen dem teuren Preis für Kobalt auf Kobaltblaupigmente,
denn es gibt ähnlich gute Farbtöne, evtl. aus Ultramarin mischen).
Andere weisen darauf hin, dass diese Unkenrufe Quatsch sind, weil es
sich auch hier um eine stabile Molekülverbindung handelt, innerhalb dem
Kobalt ungiftig
ist. Da
Kobalt aber teuer ist, wird der Farbton oft imitiert angeboten.
Dieselbe potentielle Ungiftigkeit gilt für Kobaltgelb und Phtalocyanine
(Kupfer in stabiler Molekülbindung).
Ich selbst gehe davon aus, dass die meisten Pigmente (90%) im normalen Handel prinzipiell unbedenklich sind, sofern man mit den Pigmenten sorgsam umgeht, sie also nicht in die Nahrung bringt und nicht intensiv dran riecht. In der Regel dürfen erhebliche Gefahrenprodukte auch nur mit entsprechenden Hinweis (in Deutschland/Europa) verkauft werden, und dies fehlt bei den Kadmiumpigmenten zum Beispiel (was nicht automatisch bedeuten soll, dass man den staatlichen Verordnungen vertrauen darf und man diese Gefährdung stets selbst überprüfen sollte).
Eine Ausnahme von dieser Regel könnten sehr
umfassend bestücke
Angebote von Händlern sein, die aber oft auch über
Informationsmöglichkeiten über giftigere Pigmente verfügen.
Die Verwendung von zB Kadmiumgelb und
-rot dürfte bei Beachtung der obigen Hinweise (nicht Einatmen o.
Verschlucken) kein Problem darstellen.
Der
Mal-Grund ist das Fundament für Hatbarkeit wie auch für die Qualität
der
Aufmalung. Eine gute Grundierung macht den Grund fest und Haltbar,
indem die Poren verschlossen werden, damit die Ölfarbe die
Poren
nicht zerstört.
Der
zweite wichtige Punkt ist natürlich der weisse Anteil an Pigmenten, um
die
später aufgetragene Farbe (das eigentliche Bild) durch den weissen
Grund leuchtender und klarer zu
machen. Der weisse Grund wirkt als Reflektor.
Man hat mit dem Malgrund zum einen den Effekt, die Poren der textilen Gewebe zu verschliessen. Auf der anderen Seite konträr gegenüber steht die Trocknungsspannung: wenn es zuviel Leim in der Grundierung gibt, dann kann diese Grundierung absplittern oder ablösen. Zuwenig Leim schützt das textile Gewebe ungenügend gegen das Leinöl, zu viel Leim macht den Grund zu spannungsvoll.
Es gibt einiger Maler, die sich
bei Konservatoren informiert haben und die Leimfarbe, also den
Hasenleim und Hautleim
ablehnen, wegen der Resonanz auf Feuchtigkeit in der Atmosphäre. Der
Leim würde sich ausdehnen und zusammenziehen, je nach Wechsel der
Feuchtigkeit in der Luft, welche der Leim zum Teil aufnimmt
(Hygroskopisches Verhalten). Nun, wie immer
bin ich skeptisch auf solche Meldungen, die es noch nicht geschafft
haben, eine grosse Mehrheit oder Breite in der Meinung zu erlangen.
Oder wenn gar unternehmerische Absichten hinter solchen Rufen stehen
("kauft unseren Acrylgrund..." oder "kauft unseren Azid GAUD
9010"...).
Manch
einer, ob Restaurator, Konservator oder Maler, ruft etwas aus, mit
einem
natürlichen Eigeninteresse (eigenem Sichtwinkel), denn die eigene
Haltung beruflicher Praxis versteht vielleicht andere Meinungen entsprechend, bewertet
Aussagen aufgrund des eigenen Anspruchs usw., oder weil ein Maler es halt
mit Gewissen so tut (und ich bin da
keine Ausnahme), und so kommt dieser zu der Ansicht, dass es richtig ist so zu handeln ...
- man ist gut
beraten, sich stets selbst zu informieren und verschiedenen Positionen einzuholen. Aber wo? Tja - also, egal wen man
fragt, so muss man, so meine Erfahrung im Umgang mit
Meinungen,
immer
berücksichtigen, welche Intention derjenige hat, welches Wissen, und in
wie weit er sich überhaupt mit der Sache auseinandergesetzt hat etc. -
so kommt
es fast, dass man nur noch sich selbst trauen darf.
Noch also ist das
letzte Wort für mich auch in Bezug zum Leim nicht gesprochen. Man darf
wohl annehmen, dass der perfekte Werkstoff noch nicht erfunden wurde,
und Acryl auch andere Probleme mit sich bringen kann. Irgendwo muss man
immer Zugeständnisse eingehen.
Eine gewisse natürliche Spannweite der Hygroskopie in der Leinwand könnte jedenfalls vertretbar sein.
Man
kann 10% Alaun zum Leim geben, das macht den Leim vielleicht allgemein
stabiler -
möglicherweise ist das Problem der Feuchtigkeitsaufnahme und -abgabe
damit wenn nicht beseitigt, so doch besänftigt.
Immerhin ist schon die
Leinwand an sich mit hygroskopischen Eigenschaften ausgestattet,
weshalb ja der Keilrahmen erfunden wurde, wodurch jederzeit ein
Nachspannen möglich ist, wenn durch die andauernde Ent- und Anspannung
die verkeilten Rahmen sich gelockert haben. Aus einem Zuviel der Spannung
kommen die Risse in der Malschicht zustande, die man ja vermeiden
möchte, was wiederum vom Grund abhängig ist.
Der
Leimgrund aber wird
ebenso wie der Acrylgrund verwendet, um die
schädlichen Eigenschaften des Leinöls auf die textilen Fasern zu
verhindern. Eigentlich steuert eine gute Grundierungsfarbe (und
möglicherweise auch alle weiteren späteren Malschichten) mit ihren
Pigmenten und Füllstoffen der Rissneigung bzw. entstehenden Spannung
entgegen. Deshalb ist der Kreidezusatz auch sinnvoll - dieser
wirkt wie
eine Pufferung. Bedenklich könnte der Leimgrund dann werden, wenn man
technisch gesehen eine Gratwanderung macht, die ein verhältnismässig
dünner Acrylgrund vielleicht besser verträgt. Wie immer gilt es, dass
es eine Balance gibt, eine beinahe natürliche Harmonie aller Zutaten
und Zusätze. Zuviel Kreide ist nämlich auch wieder bedenklich, das
saugt zu viel und die Farbe könnte zum Bröckeln neigen, da das
Bindemittel vom Kreidegrund zu sehr aufgesaugt wird.
Wer auf Nummer Sicher gehen will, benutzt einen Acrylgrund. Das ist auch sehr einfach zu verwenden. Es hat nur einen Nachteil: Der Grund ist jedes Mal ziemlich derselbe und Acrylgründe lassen sich in der Saugfähigkeit selten so kontrollieren wie wahrscheinlich ein Leimgrund. Es hat eine beständige befriedigende Qualität, aber vielleicht keine hohe Qualität (in Bezug zu den jeweiligen maltechnischen Vorhaben).
Es heisst auf einer Tafel (Holzbrett) und mit Schluß-Firniss versehen wäre die Möglichkeit der Aufnahme und Abgabe von Feuchtigkeit bei einem Leimgrund geringer. Vielleicht grundiert man sicherheitshalber auch die Rückseite des Leinwand-Bildes, was aber unter Umständen auch einige Nachteile gerade hinsichtlich der Haltbarkeit mit sich bringen könnte (wie sich das verhält, ist mir selbst tatsächlich nicht ganz klar).
Es gibt einige Rezepte, die man irgendwo im Internet findet oder bei Wehlte und Doerners Büchern (wenn man das Geld nicht aufbringen kann, diese Bücher sind ja zum Teil recht teuer, gibt es in einigen Universitätsbibliotheken von Universitäten, die Kunst in irgendeiner Weise anbieten, die Möglichkeit Einsicht in diese Bücher zu bekommen).
Weiter unten habe ich ein Grund-Rezept für den Kreidegrund aufgelistet. Ebenso lässt sich leicht ein echter Gipsgrund mit Leim herstellen.
Man bereitet Leim zu, und mischt ein wenig weisse Pigment Farbe hinzu und sollte einige Vorsicht und Achtsamkeit beim Auftrag auf die rohe Leinwand aufwenden. Lieber zwei dünne Schichten als eine zu dicke Schicht. Der Mal-Grund ist hier wahrlich das Fundament alles weiteren.
Alaun kann man übrigens in der Apotheke bekommen und dieser Klebestoff (eigentlich eine Beize) soll dazu dienen, dass der Leim sich mit Wasser nicht mehr auflösen kann - für ein sicheres Malen auf einem Grund wohl sehr wichtig, er löst sich in Wasser, nicht aber in Alkohol (!).
Ich selbst habe nach diversen Rezepten viele verschiedene Gründe hergestellt, auch einen Halbkreidegrund (jeweils die Hälfte Leim und Öl) und es ist Tatsache, dass man hier sehr viel falsch machen kann. Wenn man Halbkreidegrund gemacht hat (egal wieviel Öl man verwendet), sollte man ihn sehr lange (mindestens 1 Monat) trocknen lassen. Sind im verwendeten Öl keine Sikkative enthalten, sollte man solche Gründe langfristig planen und sie vielleicht sogar ein halbes Jahr trocknen lassen. Ein Ölgrund wird von sehr vielen Malern abgelehnt, da er die Haltbarkeit des Bildes beeinträchtigt; vielleicht kommt es aber auch auf die Maltechnik an, wie man auf einem solchen Grund malt, wieviele Schichten man anlegt, wieviel Verdünnung man verwendet, und wie dick die Farbe aufgetragen wird; optimal wäre bei einem Ölgrund vermutlich ein ganz dünner Farbauftrag, was bei einem farbigen Ölgrund vielleicht dann auch mit dem besonderen Glanz oder anderes einen entsprechenden Effekt oder Mal-Intention möglich macht. Man kann vielleicht auch Naß in Naß auf den Ölgrund malen(aber dünn) um eine erste Schicht farbig zu gestalten. Für die nächste Schicht sollte man dann aber den Grund ordentlich trocknen lassen.
Auf die rohe Leinwand oder Spanplatte sollte man nie arbeiten, weil die Ölfarbe dermassen aufgesaugt wird, dass der Bindemittelanteil, der für die Haftung auf der sichtbaren Oberfläche wichtig ist, so gering wird, dass die Malschichten nach einiger Zeit schon unansehnlich werden und auch reissen können oder leicht abblättern. Oder diese Beschädigung des Materials liegt an der Porösität der Gewebe (Sprödigkeit), die durch das Aufsaugen und Trocknen des Öls verursacht wird.
Je nach Maltechnik, wenn man mehrere Schichten oder dicke Schichten anlegt, ist der Grund umso wichtiger. Gerade die dadurch leicht entstehende Sprödigkeit ist etwas, was mir wichtig scheint zu verhindern. Die Flexibilität des Grundes geht umso mehr verloren, desto mehr Farbschichten und damit Bindemittel man aufträgt.
Wenn
ich die Mühe scheute, bin ich bislang dazu übergegangen,
einfach
einen dünnen
Acrylgrund mit herkömmlichen Grundierweiss anzulegen; ich
experimentiere in dieser Weise weiter und habe zB mehrere Spanplatten
einfach mit verschieden
dick und dünn aufgetragenem klaren Tiefgrund oder verdünntem (klaren) Acrylgrund
in einer ersten Schicht bestrichen und dann nur eine etwas dickere
Grundierschicht darüber gelegt (mit handelsüblichen
Acryl-Grundierweiss, das leicht mit Wasser verdünnt wurde). So ein Acrylgrundierweiss kann man natürlich auch
selbst mit Acrylbinder und Weisspigmenten herstellen.
Auf den Mal-Grund bezogen könnte es sein, dass eine
verhältnismässig dichte
oder dicke Grundierung
zB für die abstrakte
Malerei
nicht immer gut ist, wenn man grosse Farbdicke erreichen
möchhte. In dieser Weise beansprucht man schon erheblich das
Material (den Grund) und somit die Haltbarkeit.
Dann genügt vielleicht sogar ein handelsbüblicher Tiefgrund.
Die
Maxime ist: Mit dem Grund kann man die Saugfähigkeit der späteren
Malschichten kontrollieren. Ein Ölgrund saugt am wenigsten, und
Ölfarben auf solchem Grund trocknen generell nur langsam (ungeachtet
dass man den Grund selbst gewöhnlich schon lange trocknen lassen
sollte).
Viele Materialkenner empfehlen einen Halböl bzw.
Halbkreidegrund, und keinen vollständigen Ölgrund.
Man kann auch einen
wenig saugenden Acrylgrund anlegen, statt einem ölhaltigen Grund, der
eigentlich der Haltbarkeit der Gewebe im Prinzip entgegen wirkt (da
muss man also sehr sorgfältig sein, vielleicht eine Vorleimung mit
purem Leim durchführen).
Auch mit verdünntem Dispersionsgrund (bzw.
Tiefgrund) kann man die erste oder eine spätere Schicht anlegen, auch
um evtl. zu stark saugende Gründe zu isolieren. Man kann
auch eine dünne Schicht Dammarfirnis (nach Pawlik) benutzen, um
Grundierschichten einzusparen.
Hier muss man im Ganzen seine Erfahrungen sammeln und genau beobachten.
Übrigens,
Jute ist ein sehr grobes Material. Wenn
man Jute verwendet, so müsste
auch jede weitere Handhabung folglich ein Stück grober sein, das
heisst, bei Jute handelt es sich um dicke Poren der "Leinwand", die man
massig
füllen muss.
Jetzt ist die Frage, der ich persönlich noch nachgehe, ob Jute dadurch
besonders
haltbar ist für gewaltig dicke Ölfarbenschichten (die zB mit Sand
vermischt sind, oder bezüglich Spachtelmassen) - oder dem eher
entgegenstehen. Es kann sein, dass diese Jute eine enorme Sprödigkeit
mit sich bringt und daher nur für annähernd gewaltige Aufträge von
Material (Sand, Spachtelmassen) geeignet ist. Hier muss mit der
Grundierung experimentiert werden,
vielleicht ein paar Gramm mehr Leim der Leimzubereitung zugesetzt
werden oder aber mehr Füllstoffe oder überhaupt nur Spachtelmasse
direkt auf die Jute etc..; jedenfalls verschlingt die Jute durch die
grossen Poren eine Menge Material und drückt sich auf der Rückseite
durch,
Ich bin der Meinung: lieber genaue Informationen, die vielleicht etwas Mühe erfordern sie zu sichten, als dass man ungenügende Informationen anbietet.
-
"Marmormehl oder Champagnerkreide" + "Zinkweiss oder Lithopone oder
Titandioxid"; evtl. auch andere Kreiden (Rügener Kreide, Bologneser
Kreide usw.).
"Menge
nach Belieben" wird stets angegeben - ich selbst bin bei der Menge von
Kreide und Pigment noch am Experimentieren. Jemand erwähnte, dass er so
viel Kreide und Pigmente einrührte (in ihrem jeweiligen Verhältnis),
bis diese Pigment-Gemisch circa 1-2 cm unter der Leimschicht wäre, aber
da kommt es wohl auch auf das Gefäß an, das man benutzt (den
Durchmesser und Tiefe).
Ein weiterer
Maler gibt das Verhältnis 3/4 Liter Kreide auf 1 Liter Leimwasser an;
es
ist nur die Frage, wie er das Liter Maß für die Kreide meint,
vielleicht das Raummaß (Messbecher) - bei diesem Rezept handelt es sich
aber um die erste Grundierung (Isolierung der Leinwandporen). Der Maler
gibt als nächsten Schritt an, dass man gut 2 Liter Kreide (keine Angabe
über evtl. Pigmente) pro Liter Leimwasser für die letzte
Grundierschicht verwenden kann, nimmt aber für diese
letzte Schicht nur
Leimwasser aus 40g pro Liter.
Ein
anderer Maler gibt die Regel an, und beruft sich auf eine lange
Tradition, dass man 1 Kilo Pigmente für 1 Liter Leimwasser
benutzt. Dieser Maler geht so vor, dass er die Hälfte des
Wassers
mit
dem Pigmenten über nacht "einweichen" lässt (damit sich die Pigmente
besser verteilen) und dann später das halbe Liter Leimwasser
(separat) zubereitet und beides zusammenführt (nachdem er den
Pigmentteig ordentlich durchgerührt hat).
Dies sind aber nur einige Angaben und es gibt
sicher noch weitere Möglichkeiten der Mengenverhältnisse (für
die
Leinwand und den späteren Malvorgang).
Es bleibt im Ganzen nur der Selbstversuch um Erfahrungen zu sammeln. Die Regel scheint also zu sein: ungefähr genauso viel Volumen-Maß wie Leimwasser, und bei feinen Kreiden evtl. sogar die zweifache Menge; - oder man richtet sich einfach nach dem Grad der Zähflüssigkeit, die man erreichen möchte. Der Grund soll auch dazu dienen, mit seiner weissen Relfektion die Farbstärke der später aufgetragenen Farbe zu erhöhen.
Man muss das wohl auch hier selbst ausprobieren. 1 Liter Leimwasser ist auch relativ viel: es kommt aber drauf an, ob man dünne Grundierschichten haben möchte oder einige wenige genügend zähflüssige Schichten - und es kommt auch drauf an, wieviele Leinwände man bearbeiten will. Denn wenn man mehrere Gründe anlegen möchte, muss man bedenken, dass bei mehreren Grundierschichten für eine Leinwand, dann für die letzteren Schichten, die man wahrscheinlich an einem anderen Tag grundieren wird, noch etwas übrig bleiben muss von der Ausgangsmenge. Also wenn man sehr viele Leinwände grundieren möchte, muss man die Menge der benötigen Grundierfarbe für die zu grundierenden Leinwände und all ihren Schichten abschätzen.
Man kann wie gesagt natürlich auch das Leimwasser flüssiger machen, als wie in den meisten Rezepten angegeben, um mehrere dünne Grundierschichten anzulegen. Auch hier muss man wohl wie stets auf den Punkt zurückkommen: Alles selbst ausprobieren. Ich selbst variiere, weil ich (noch) keine altmeisterliche Techniken anwende oder realistische Bilder male - von daher ist das, was ich als Grund anlege, in gewisser Weise oft willentlich dem Zufall überlassen, um von hier ausgehend das Weitere anzugehen. Eine Unebenheit ist mir da manchmal der erste Schritt um das weitere mit den eigentlichen Buntfarben in Angriff zu nehmen.
Man kann die Deckfähigkeit
von Zinkweiss (Zinksulfid) und Lithopone mit Zusätzen von
Titandioxid erhöhen.
Man
kann natürlich auch farbige Gründe anlegen und
tauscht Weiss mit Buntpigmenten aus oder verändert das Verhältnis
entsprechend. Oder man kann die erste Schicht ohne Pigmente vorleimen,
oder mit Weiss vorgrundieren, und dann eine bunte Grundierung darüber
anlegen etc.
So kann man auch eine Imprimatur
(Grundton/Hintergrund des Gemäldes) gleichsam mit der letzten
Grundierschicht erreichen.
Hautleim ist am besten geeignet durch seine hohe Elastizität. Für hölzerne Gründe kann man auch Hasenleim nehmen.
Gröbere Pigmente verstärken die Deckfähigkeit und auch die Haftbarkeit und Festigkeit des Grundes (die meisten Eisenoxide sind grobe Pigmente), daher auch der Kreidezusatz, da er den Grund stärkt. Lasurpigmente sind meist fein, das ist bei di Siena der Fall. Allerdings scheint das Pigment di Siena schwer mit dem Leim zu vermischen, und da man einen Malgrund wohl ausschliesslich mit deckenden Farben anlegt, kämen Lasurfarben auch kaum in Frage, sofern man sie nicht mit weissen Pigmenten mischt, was jedoch das Deckvermögen je nach Menge der lasierenden Buntpigmente entsprechend herabsetzt.
Diese Pigmente (plus evtl. Kreide) trocken vermischen, und dann mit dem fertigen Leimwasser wie bei einer Ölfarbe dick anteigen und "wie einen Kuchen" durchmischen, aber vorsichtig so dass sich keine Blasen bilden, und erst nach und nach den Rest des Leimwassers zugeben.
Bereitung des Leimwassers
-
Verhältnis: 60:1000 oder 70:1000.
Also 60 gramm (Doerner) oder 70 gramm
(Wehlte) Leim mit 1 Liter (kaltem) Wasser über 12-24 Stunden
vorquellen lassen. Wenn der Leim in kleinen Stücken gekauft ist,
reichen vermutlich ein paar Stunden (der Leim darf jedenfalls keine
festen bzw. hartkörnige Teile mehr enthalten).
Andere nehmen 80 g Leim, und für grössere Formate (?) wird sogar 100 gramm auf 1 L empfohlen. Ein Maler erwähnte auch nur 40 g. Mit dem Leimverhältnis wird die mögliche Elastizität und Sprödigkeit (Trockungsspannung versus Klebkraft und Versiegelung der Poren) entschieden. Ich denke, 60 gr. sind ideal.
Leim trocknet unter Spannung auf, und ist auch in getrockneten Zustand noch wasserlöslich - umso mehr Leim, desto eher die Wahrscheinlichkeit, dass der Malgrund sich ablöst, bzw. "aufsteht" . Wenn man zuwenig Leim benutzt, dann nähert sich der Effekt immer mehr jenem Umstand zu, wo man - ironisch ausgedrückt - eine Fläche nur mit einem Wasser-Pigmente Teig anrührt: die Pigmente lassen sich nach dem Trocknen leicht weg wischen und auf der anderen Seite werden die Poren der Leinwand nicht wirklich geschlossen.
Nach
dem Quellen dann im Wasserbad bei maximal 60
° erhitzen (die niedrige Temperatur erhält die Klebekraft); also nicht
den
Topf mit dem Leim auf die
Flamme oder Heizplatte stellen, sondern den Topf in einem zweiten Topf, also in einem Wasserbad.
Der
Leim
beginnt schon bei 30° sich aufzulösen, die Temperatur sollte nicht wirklich heiss werden. Die Temperatur
von 60° ist
die absolute Obergrenze, an der der Leim beginnt sich wirklich zu
zersetzen und
seine Klebekraft geringer wird (Proteine zersetzen sich) - diese Hitze
darf nicht erreicht werden. Umso länger der Leim warm gehalten wird bzw. umso öfter der Leim
aufgewärmt wird, wird das denselben
Effekt haben. Proteine bzw. Eiweisse verursachen die Klebekraft des
Leimes
(Glutinleime).
Mit der Wärme wird der Leim aufgelöst.
Man kann evtl. kürzere Quellzeiten in Kauf nehmen um dem Leim bei der Wärmezufuhr dann sich auflösen zu lassen (gut umrühren). Ich bevorzuge aber persönlich tendenziell lieber längere Quellzeiten um die Klebekraft des Leimes so optimal wie möglich zu halten, weil man evtl. beim Erwärmen des nicht ganz durchgequellten Leimes dazu neigt, länger als nötig zu erhitzen.
Bei dem Erhitzen des Leims ab und zu leicht und vorsichtig umrühren (zu viele Blasen stören später beim Grundieren und sorgen für Blasen auf der Leinwand). Dieser Leim ist sodann gebrauchsfertig, und sollte nicht länger als ein paar Tage (im Kühlschrank) aufbewahrt werden (es ist ein organischer Stoff, der irgendwann - in der Form feucht zu bleiben - zu schimmeln beginnt). Man kann ihn warm verstreichen.
Wenn das Leimwasser geliert und nicht mehr verarbeitungsfähig
ist, kann man diese Leimzubereitung leicht anwärmen (man muss bedenken,
umso öfter man dies tut, und jeweils umso wärmer, so geht
jeweils in geringem Maße Klebkraft verloren - dieser Effekt
akkumuliert sich bei
vielfachen Aufwärmen desselben Leims). Evtl. bei zu
dicker Konsistenz etwas Wasser
zusetzen.
- 10 % Alaun (von der
Trockenmenge des Leims gerechnet
also 6-7 g), wird dem Leim falls erwünscht zugesetzt (Alaun in Wasser
lösen, kurz vor
dem Verstreichen dem Leimwasser zugeben und umrühren). Um
zu gewährleisten, dass das Alaun komplett gelöst ist und im Leimwasser
vollständig verteilt ist, kann man schon ein paar Minuten vorher eine
kleine Menge
Wasser mit dem Alaun ansetzen.
Doerner weist darauf hin, dass
Ultramarin durch Alaun entfärbt werden kann (ich habe noch keine
Überprüfung angestellt, andere konnten diesen Effekt nicht bestätigen).
Manche lassen Alaun weg, dann bleibt der
Leim wasserlöslich. Wenn man aber beim Malen die Ölfarbe auf dem Grund
besonders verstreicht,
also mit der Farbe auf dem Grund in einer Weise
streicht, dass sich der Leim lösen kann, sollte wohl Alaun
benutzt
werden.
Zwei
bis drei Grundierschichten werden empfohlen. Eine Vorleimung kann man
weg lassen. Man kann statt
mehrerer Grundierschichten (2-3) aber auch eine Vorleimung mit purem
Leim vornehmen, also ohne Pigmente und darüber nur noch eine
Grundierschicht mit der Pigment/Kreide-Zubereitung malen. Falls man
dies tun möchte:
etwas von dem Leim abschöpfen, bevor man die Pigmente und das Kalk
(bzw. Kreide) hinein gibt. Ich würde meinen, man sollte stets dünne
Grundierschichten anlegen, je mehr man davon aufträgt.
Jede
Grundierschicht 3 Stunden trocknen lassen, in der
kalten Jahreszeit evtl. etwas länger. Manche lassen jede Schicht
jeweils einen Tag trocknen, mind. 12 Stunden (und grundieren in einer
halben Woche sehr viele Leinwände um die Zeit effektiv zu
nutzen).
Leim in der Zwischenzeit in den
Kühlschrank stellen (den kann man einige Tage, aber keinesfalls mehr
als 3-4 Tage aufbewahren, weil er dann beginnt zu schimmeln). Auch
Doerner erwähnt Trockungszeiten von
einem halben
Tag im Sommer und einem ganzen Tag im Winter. Bei zu warmen
Temperaturen an die 30° kann der Leim angeblich schwer verarbeitbar
werden.
Man
kann die einzelnen Grundierschichten nach dem Trocknen auch abschleifen
für einen glatteren Grund. Bologneser Kreide soll für solche glatten
Gründe besonders geeignet sein. Ein Gesso Grund ist nichts anderes als
ein Kreidegrund, nur wird von manchen Herstellern ein fertiger
Gessogrund angeboten, der aus einem Acrylat und Kreide besteht. Ist
also eigentlich kein klassischer Gesso-Grund sondern ein Acrylgrund.
Möglicherweise kann man solchen Kreidegrund selbst herstellen,
indem man statt Leimwasser einfach
Acryldispersion nimmt.
Es
gibt
Gesso Rezepte, in denen Modell-Gips und nicht Kreide verwendet wird,
welcher aber möglicherweise (wegen dem spröden Gips) nur für Holztafeln
verwendet werden kann. Ich selbst habe solche Gründe auf Spanplatten
angelegt und stelle fest, dass dies eine interessante Möglichkeit
darstellt. Man kann den Leim sehr zähflüssig also dick machen und mit
dem Kunststoff-Spachtel auftragen (Japanspachtel aus Plastik). Ich habe
diese Grundiermasse in einem Eimer angerührt und zunächst ein wenig
Leimwasser mit dem Modellgips vermengt, und immer mehr zubereitet,
indem ich die jeweils zugefügte Masse mit dem Japanspachtel ordentlich
durch gemischt habe (in einer breiten Schüßel, die breit
genug für
den Spachtel ist; habe den Spachtel stets auf den Boden gedrückt oder
an die Seitenwand bei leicht angekippter gestellter Schüßel,
um
die
Masse zu vermischen etc.). Probleme mit Luftblasen habe ich nicht
feststellen können. Allerdings muss man wohl mehrere Schichten
auftragen. Ich habe versuchsweise eine Fläche der Spanplatte mit
Zinkweiss aufgetragen, und stellte übrigens fest, dass diese Schicht
bedeutend schneller trocknet als wie ohne Zinkweiss.
Ein solcher Gipsgrund ist hervorragend saugfähig, vielleicht die ideale
Grundierung um mit lasiertend aufgetragener oder verdünnter
Tempera eine
Öluntermalung vorzunehmen (echte Emulsion
oder
"unechte Tempera: Gouache", die eigentlich Wasserfarbe/Gummi Arabicum
ist).
Apropos:
Innenwandfarbe als Dispersion ist keine reine Kalkfarbe,
wenn Calciumcarbonat (Kreide) als Inhalt und ein
Acrylbinder
(Acrylat-Dispersion) angegeben ist. Echte Kalkfarbe besteht aus
Calciumhydroxid (gelöschter Kalk), das sowohl als
Bindemittel und Pigment dient, und Wasser als
(verdunstendes) Lösungsmittel.
Man
kann vielleicht
mit dieser gewöhnlich auch sehr billigen Baumarkt-Farbe
(Acrylat/Calciumcarbonat/Wasser) experimentieren und ihr
zusätzlich Weiss
Pigmente (zB Zinkweiss) zusetzen, um die weisse Farbe zu verstärken,
denn sie enthält
nur Kalk bzw. Kreide als weiss färbende Bestandteile. Also eigentlich
ein (halb-)klassischer Gesso-Grund! Nicht jeder Baumarkt hat aber diese
einfachen Inhalte, sondern bieten meist schon mit Titandioxid
angerührte Farbe an. Man kann sogar mit Modellgips, der in Eitempera
angerührt wird solche
saugstarken Gründe herstellen, die allerdings wenig wischbeständig
sind.
Den
Überschuss des Leims kann man bei jeder Grundierschicht auf der
Leinwand mit einem Spachtel abziehen. Empfehlung von
diversen Autoren: Die Spachtelkanten an den Ecken abschleifen um Spuren
auf der
Leinwand zu vermeiden.
Die Poren der Leinwand müssen gefüllt sein (gegen das Licht
halten um Lichtdurchlässigkeit zu prüfen). Bei schweren Leinen oder
Jute vielleicht am besten drei Grundierschichten, evtl. davor noch eine
Vorleimung. Für jede Schicht mit
dem Pinsel rasch aber nicht nachlässig arbeiten.
Diese Gründe
herzustellen stellt nicht nur eine Herausforderung dar, es macht auch
Spaß, nämlich sozusagen Herr über diese Varianten zu werden und es
verschafft immense Erfahrung. Dabei sollte man
stets versuchen, sein
Rezept
ausfindig zu machen. Man sollte bedenken und Erfahrungen sammeln, wie
stark man diese Grundierung beanspruchen kann mit verschieden dicken
Malschichten darauf. Irgendwann bleibt immer mal eine Platte Holz übrig
von mittleren Maße, um solche Tests durchzuführen.
Als ob hier wirklich ein symbolisches
Prinzip universell zum Ausdruck kommt: Die Fundamente der Malerei.
(Quelle: Wehlte, Doerner, Kremer-Pigmente u.v.a.)
Ist
sehr einfach herzu stellen. Ein Glasgefäß (ich bevorzuge weithalsige
ehemalige Konservengläser), je nach Bedarf ein oder mehrere
Eier
in das Glasgefäß (Eigelb und Eiweiss), etwas
schütteln und die Eitempera, eine echte Emulsion ist hergestellt. Diese
Emulsion giesse ich je nach benötigter Menge auf die Pigmente auf einer
(furnierten Holz-) Platte. Den Rest halte ich solange im Glas
verschlossen bis ich erneut Farbe anteige.
Man
kann die
Farbe kurz bekommen, ist dann aber wohl nicht mehr als Untermalung
einer
Ölfarbe zweckdienlich, es sei denn man malte nur eine Schicht. Es kommt
eben drauf an, was man unter dem Begriff "kurz" versteht. Der eine
meint damit eine Menge Farbe, die nicht allzu sehr zerfliesst, der
andere eine Farbe, die wirklich dick ist. Aber eigentlich ist Eitempera
geradezu eine flüssige Farbe.
Diese
Emulsion kann sowohl mit Wasser als
auch mit Öl vermischt werden, es geht sogar Öl und Wasser in diese
echte Tempera-Emulsion zu mischen. Eine solche Farbe, selbst angerührt
aus Pigmenten, ergibt eine sehr eigentümliche Klarheit und
Brillianz, die fast an Acryl heranreicht (sofern man nicht Schichten
übermalt, dann wirds eher pastellartig). Entsprechend mit Wasser
verdünnt ergeben die deckenden Pigment-Farben auch fast immer
Lasuren. Einige Pigmente sind für Ei
weniger geeignet, denn sie lassen sich dann vor allem schlecht
anteigen/anrühren.
Nur
das Lagern ist problematisch, weil Eier in zwei bis drei Tagen beginnen
faulig zu stinken (abhängig von der Aussen-Temperatur); also nur so
viel Eier
ins Glas schlagen wie man absehbar braucht. Diese Emulsion kann man
sehr schnell herstellen. Evtl. kann man die Reste der Emulsion, die man
am nächsten Tag weiter verwenden will natürlich auch in den Kühlschrank
stellen.
Das Zusammenbringen von Acrylbinder und Pigmenten funktioniert wohl am besten in einer breiten Schüßel. Um die Pigmente mit wenig Wasser anzureiben, kann man diese auch auf einer Glasplatte mit dem Glasläufer verreiben, oder mit einem Spachtel auf einer Platte, und dann in dem Topf, Schüßel oder Eimer geben um sie erst dann mit dem Binder zusammen zu bringen. Es ist äusserst wichtig, dass die Pigmente gut vermengt werden, auch mit dem Binder. Und vielleicht sollte man daher zunächst auf einer Platte und einem flachen Spachtel (Japanspachtel) arbeiten, und dann in die Schüßel abstreichen. Ausserdem muss man zügig arbeiten.
Der Binder sollte stets mit Wasser verdünnt sein, was man
im Endeffekt erreicht, wenn man die Pigmente mit Wasser vorher anreibt.
Bei zu starkem Bindemittelanteil bilden sich zu grosse Spannungen und
die Farbe bildet sehr leicht Risse. Das
kann auch so geschehen, wenn man pastose Farben aufträgt - ein Mittel
das zu verhindern sind Füllstoffe, um den Festkörperanteil der
Farbe zu vergrössern. Schäumen sollte verhindert werden durch
entsprechend vorsichtiges Vorgehen.
Hergestellte Acrylfarbe bindet
bekanntlich relativ schnell und man sollte sich überlegen, ob man sie
in entsprechenden Gefäßen lagert, oder besser für einen Zweck hin
schnell verbraucht.
Man
kann mit Google auch mal nach Pflanzenfärbestoffen (Suchworte: Färben,
Pflanzenfarben, Pigmente aus Pflanzen, "Herstellen von eigener Farbe",
Färbemittel etc.) suchen, und
auch hier experimentieren. Es gibt zB eine Färberkamille für ein Gelb.
Auch Scharfgarbe und Ginster kommen für ein Gelb in Frage. Diese
Pflanzen wachsen in grossen Mengen und sind natürlich nicht
vom
Aussterben bedroht.
Für das Färben aus Pflanzen kommt auch die Beize
Alaun in Frage. Allerdings ist die Frage, wie man die Farbstoffe so
extrahieren kann, dass man damit malen kann. Vielleicht ist das
Einfärben von weissen Pigmenten oder Kreide dazu eine Möglichkeit
Für
Malerarbeiten tendenziell gut: abnehmender Mond, denn die Lösungsmittel
(auch Wasser) verdunsten gut und die Farbschicht trocknet gut.
Besonders für materiell gesehen bedenkliche
Arbeiten (Restaurationen). Ausnahme: Mond in
Wasserzeichen
(trocknet schlecht) und Mond in Löwe (könnte zur Rissbildung
neigen, da die Farbe unter diesem Feuerzeichen zu schnell
austrocknet).
Der
abnehmende Mond ist auch immer sehr unterstützend für alle Arbeiten, wo
eine Malschicht, Mauerschicht, Material etc. von einem Grund
abgetragen werden muss.
Die Informationen auf dieser Seite spiegeln meine eigene Meinung dar und geben nur grundlegende Ansichten wider, die in ihren einzelnen Bestandteilen oder Schritten vom Maler noch sinnvoll für seine eigene Arbeit arrangiert werden müssen.
Für Schäden, die dem Leser aus der Befolgung und Anwendung dieser Informationen geschehen, kann von mir nicht gehaftet werden.
Hehehe,
wo kämen wir als Künstler sonst hin? *g*
Aus meinen Lehrjahren als Maler und Lackierer:
Kam der Stift (Azubi)
zufällig bei einem Gespräch vorbei, und belauschte folgenden Ausspruch
des Gesellen zum Meister gerichtet, der nämlich gerade zur Visite im
Bau anwesend war: "Schönes Wetter heute! Die Sonne scheint und die
Vögel zwitschern." (original Zitat aus meiner handwerklichen
Maler-Lehrzeit,
in der verursachte Makel und Fehler - auch von gestandenen Gesellen
verursacht - durch harmloses
Geschwätz schon mal vertuscht wurden; - irgendwann wurde betreffend des
obligaten Kontrollbesuchs des Meisters aus diesem
naiven Vertuschungsversuch wahrscheinlich ein Flachsen, dem
man gewohnheitsmässig nachging.
Man
begrüsste sich jedenfalls in dieser Firma seit geraumer Zeit nur noch
so: "Schönes Wetter heute...", begleitet mit einem Schmunzeln).
Das heisst im Kontext: etwaige Misstände im Umgang mit seinem Material sind natürlich selbst zu verantworten.
Für das Zeichnen braucht man bekanntlich Geduld und ein wenig Muße. Aber auch Disziplin und Ausdauer.
Es ist ein Umschalten auf die rechte (bildhafte) Hirnhälfte massgeblich für den Erfolg, was man nicht direkt wollen kann, sondern nur durch eine entsprechende Fügung des eigenen Seins (wenn man es so beschreiben mag: eine ganzheitliche Herangehensweise). Malt man nur rational, also will man das Ergebnis berechnen, kommt Murks bei raus. Man muss beim Zeichnen regelrecht Kunst vollbringen. Aber sollte sich nicht zu früh perfektionieren darin und es kann auch lohnen, Wege zu suche, um die Realität, die man zeichnen will, zu stilisieren. Stilisieren heisst schon: Etwa statt die Konturen einer Baumkrone nur die ungefähre Form zu zeichnen. Hierbei gilt, zu entscheiden, wie weit man stilisieren will und ich denke, gute Kunst zeichnet sich dadurch aus, dass die Stilisierungen einheitlich sind - und man - extrem ausgedrückt: nicht einmal den Baum als Kreis, einmal als Quadrat und dann wieder als Kontur zeichnet usw..
Kaffee zB vor der Zeichnenstunde bringt eher den logischen, assoziativen Verstand auf Touren, oder willkürlich-spontane Mechanik der Finger (ein leichtes Zittern der Hände ist nicht von ungefähr ein Begleitumstand des Kafeegenusses).
Die Fein-Mechanik sollte aber
für das Zeichnen geschmeidig werden - das bedeutet, manche reagieren
eher auf das Koffein und neigen dann zu leichtem Zittern - und
besonders, wenn man noch nicht geübt ist, wirkt sich das extrem aus. Es
lohnt sich auf diese begleitenden Umstände zu achten, die nicht nur
Physiologie
betreffen, sondern auch die Umgebung.
Fühlt man sich behaglich
an
seinem Zeichnen- bzw. Arbeitsort? Zeichnet man lieber morgens oder
abends? Jeder ist da anders gepolt und man sollte sich die leichtesten
Bedingungen dieser Art suchen, um immer wieder Lust zum Zeichnen zu
bekommen.
Es ist ein akkumulierender Effekt, sofern man genügend freie Zeit hat, täglich mindestens eine halbe Stunde und nicht weniger, aufmerksam etwas Bestimmtes zu zeichnen. Diese Art sich kontemplativ einer zu zeichnenden Sache gegenüber zu stellen, mag zuerst Überwindung kosten - denn schliesslich sind wir in der heutigen Zeit gewöhnt, stets schnell umzuschalten, und auf Rastlosigkeit programmiert. Diese quasi-Meditation ist lohnend. Und hat man einmal Geschmack gefunden, wiederholt man am besten zur selben Stunde beinahe täglich diese Übungen.