Einleitung für das Essay:
Über die
Kunst und den Betrachter
Man
erweckt in der Kunst immer einen Eindruck von etwas Bestimmten. Die
Kunst ist kein Ideal, sondern ein
Tun,
ein
Umsetzen
des
zweckgerichteten
Tuns.
Eine
Absicht ist in diesem Tun enthalten, ein
Ziel. Das was wesentlich ist. Nicht der Inhalt, sondern die Form. Weil ohne Form gibt es keinen Inhalt. In der Kunst.
Der
Inhalt macht es an sich spannend, verleiht der Form einen Reiz. Klaro.
Kunst ist
genau das Maß, weswegen eine Sache, wie zB Astrologie, oder
Malerei
das ist, was es sein soll.
Der Kreis muss sich schliessen.
Was
aufs Ganze der Kunst zutrifft, gilt auch oft im Detail der Kunst. Der
Kreis muss sich schliessen, es darf keine Linie oder besser gesagt
keinen Ausbruch geben, der unerlöst bleibt.
Wir erleben in jeder Kunst: wenn etwas
offen bleibt, zum Beispiel in der Krimigeschichte ein wichtiger, weil
erwähnter Zusammenhang nicht aufgelöst wird, dann ist es nicht
vollendet.
Das
ist für mich eine Vollendung innerhalb der Kunst, den man
nicht am bloßen Schein ablesen kann. Sondern unter Umständen auch eine
gewisse Kenntnis (zB der Filmkunst) voraussetzt. Natürlich ist irgendwo
Kunst ganz einfach: Sie muss gefallen, ankommen, befriedigen. Aber wie
tut sie das? Die Antworten auf diese Frage zeigt, was eine jeweilige
Kunst eigentlich ist.
Es ist einfach das, wovon man sagen kann: "es ist eine Kunst
dies zu tun". Ein Schreiner könnte ausser Schränke keine Vasen
töpfern.
Er müsste auch Töpfer sein. Es kommt also darauf, an, eine
ganz bestimmte Kunst zu erfüllen, und die Kunst dabei betrifft immer
die Umsetzung einer Sache. Dass es so weit gelungen ist.
Einen
Papp-Karton aufzustellen und zu sagen, das ist ein Schrank und den
verkaufe ich, und dann fällt der Schrank in sich zusammen: Das ist ja
keine Kunst, einen Schrank herzustellen.
Eine
Sache wie zB Autofahren auf drei Rädern und einem platten Reifen kann
kompliziert sein, und man sagt: unter diesen Umständen ist es eine
Kunst, dies zu tun. In alltäglichster Weise verstanden, liegt die Kunst
einfach darin, dass man etwas macht, was andere nicht können. Letztlich
ist das Leben sogar davon abhängig, dass es einer Kunst der Umsetzung
bedarf. Nichts ist da, wo man nicht sagen könnte, wenn es umgesetzt
ist, ist es eine Kunst dies zu tun, weil es ansonsten nicht da wäre und
keinen Namen, keinen Begriff hätte. Kein Bäcker, keine Prostituierten,
keine roten Ampeln und auch kein Film, in dem sich jemand befindet und
eine Rolle spielt.
Alles
hat einen Zweck, und diese Dinge zu tun, ist
eine Kunst. Und vieles andere ist ebenso eine Kunst, also auch dass man
unter
gegebenen Umständen etwas schafft. Schon der Betrachter kann etwas, was
sonst nur irgendetwas wäre, zur Kunst erheben. Er wendet einfach ein
gewisses Konzept von Regeln auf eine Sache an. Und genau das tut auch
der Künstler.
Erwartungen.
Worte, deckungsgleich mit ihren Bedeutungen, weil die Sprache zB sich
nicht kommandieren lässt. Ein Wort legt nahe, so gut es kann, aber es
kann. Das Bild lässt sich ebensowenig festlegen auf etwas anderes, als
was es ist. Alles IST, und das zu erkennen, was IST, das führt doch
schon zur Kunst, weil man sich dabei nichts vormachen kann. Ob dabei
Illusionen heraus kommen, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Doch
gerade diese Rolle hängt sehr mit der DISTANZ zusammen, mit der ein
Betrachter etwas anschaut. Sein Seh-, Lese-, und Hörverhalten ist im
Grunde ein Konzept anwendbarer Regeln.
Jede schöne Kunst beachtet dabei besonders
ästhetische Regeln
bzw. Gesetze.
In
manchen Künsten ist es ein Spiel mit den Erwartungen des Betrachters.
Doch grundlegend ist es immer ein Zweck, den der Künstler mit seinen
Handlungen verfolgt hat und also umgesetzt hat.
In vielerlei Hinsicht kann man den Kunstbegriff auf alle Dinge der Welt
und alle Handlungen anwenden.
Wenn
man davon ausgeht, dass grundsätzlich
alles eine Kunst ist neben
den Dingen, die man im gewöhnlichen Verständnis als Kunst
empfindet, kann man weiterhin differenzieren, in
welcher Hinsicht etwas
tatsächlich
eine Kunst darstellt. Indem man nach dem Zweck schaut, den die
Sache haben will oder haben kann.
Dass
Kunst überhaupt in einem besonderen Fall geleistet wird, das
ist
immer dann gegeben, wenn eine Sache zu ihrem Zweck gekommen ist oder
sie von diesem Zweck sinnhaft genug erfüllt ist, um zu sagen, die
Umsetzung ist gelungen.
Bei der Astrologie ist das
etwas Bestimmtes. Manche meinen, das sei die Prognose, es sei die
höchste Kunst der Astrologie. Wieder andere meinen, Prognose sei
natürlich nicht wesentlich für die Astrologie, aber doch eine mögliche
Kunst. Andere sehen die Kunst in der psychologischen Komponente.
Meiner Meinung nach, ist es jedenfalls legitim, die Prognose zu
isolieren und
den Zweck der Prognose als Kriterium heranzuziehen, um dann zu
entscheiden, ob dieser Zweck erfüllt werden kann, um dann in einem
letzten Schritt eine Kunst daraus zu machen (ob es also Prognose oder
Effekthascherei, also Illusionskunst wird). Das soll eine Kunst sein,
die genau das umsetzt, was wesentlich der Sache zugrundeliegen soll.
Aber was wäre das in Bezug auf astrologische Prognose? Exakte
Ereignisdeutung oder Trendanalyse?
Wie
sind die Regeln dieser Kunst? Worin besteht das Kriterium dieser Kunst,
woran soll man das Ergebnis messen?
Es
gibt sicher genauso viele Leute, die an astrologische Prognose glauben
wie jene, die glauben, dass im Grundsätzlichen bloß
Trends mehr
oder weniger auszuleuchten sein können.
Es ist in Wahrheit freilich unklar oder
nicht genügend diskutiert und sogar persönlich selten entschieden, was
die Astrololgie
eigentlich zweckvoll umsetzen kann und was nicht.
Ob
die
Prognose Lebensreignisse eindeutig vorhersagen kann oder nur
ungefähr, und wie weit sie dabei überhaupt gehen kann, oder sagen wir
anders: Was die Astrologen und die anderen Leute davon meinen, was
möglich sei.
Es
ist bei der Politik üblicherweise und in Wahrheit in erster Linie die
Gestaltung wirtschaftlicher Prozesse gemeint -
oder
man müsste noch fragen, was Politik eigentlich beabsichtigt, zu sein
oder zu tun. Man erkennt die jeweilige Wahrheit an den Taten, die den
ZWECK ausdrücken. Nicht erkennt man irgendetwas im schattenhaften Reich
der Zuschreibungen und Etiketten. Ich kann noch so lange etwas
behaupten, und es kann sich dennoch um eine bloße Etikettierung
handeln.
Ob
eine bestimmte Sache nur von einer Elite wahrgenommen werden kann, ist
völlig in Ordnung. Es ist dann eine elitäre Kunst, die ihren Rang
einnimmt.
Bei
der Literatur ist das klar, was sie leisten soll. Wofür man die
Literatur für eine Kunst hält. Es soll ein Inhalt passabel vermittelt
werden. Es kann weiterhin noch entschieden werden,
welches Genre der Roman repräsentiert, oder was
als Stoff
umgesetzt
werden sollte.
Je
nach Ebene der Betrachtung ändert sich die Perspektive, und was man
also von einem Zweck einer künstlerischen Handlung halten muss.
Ein Horrorfilm und sein Genre
verfolgt andere
Ziele als eine Literaturverfilmung. Der jeweilige Grad an Spannung in
der Dramaturgie sind sich in der Literatur oberflächlich
betrachtet technisch gesehen ähnlich, aber der Stoff wechselt, der als
Ziel
dem ganzen Unternehmen untersteht.
Abstrakte Kunst hat andere Zwecke als die gegenständliche Malerei.
Das
führt uns alles zu dem Punkt, dass der Zweck, welcher der Sache
zugrundeliegt,
im Wesen
der jeweiligen Sache liegt und ausserordentlich
wichtig ist.
Alles hat einen Zweck, oft ist die Zuschreibung, was
man der Sache für Zwecke beigibt, oder erfolgreich behauptet, was der
Zweck sein soll, anders, als wie die Sache von sich aus
einen Zweck erfüllt.
Es
geht hier nur um die Umsetzung
dieses Zweckes, um etwas gemachtes oder gewirktes
als Kunst zu
bezeichnen; es geht hier nur
um
die
Kunst, nicht um die eigentliche Sache, nicht um
Astrologie oder Malerei, oder Pfirsichbäume pflanzen oder
Genmanipulation, oder wissenschaftliche, ökologische, politische oder
sonstige Weltverbesserung. Es geht nur um die Kunst,
wie man dabei
vorgeht, den jeweiligen mit der Sache verbundenen Zweck umzusetzen.
So dass man sagen kann: "Es ist eine Kunst dies zu tun."
Nur letzteres, der Zweck, kann und muss aus der Sache
abgelesen
werden; die Kunst dabei ist jedoch immer gleich, es muss den
verfolgten Zweck
so gut
wie möglich
entsprochen haben, das ist eine Umsetzung. So dass das
Ergebnis von einer Kunst der Umsetzung
zeugt, und der Klempner zurecht seinen Namen trägt ebenso wie der
Bankier, Taschendieb oder der Bäcker.
Dinge können ihren Namen ändern, aber ihre Seele und
ihre Wahrheit der Bestimmung und des Zweckes ist
nicht in dieser Welt noch
in einer anderen an die Zuschreibung gebunden.
Allerdings gibt es natürlich einen Bereich, in denen die Dinge
parallel und gleichzeitig mehrere einander widersprechende Zwecke verfolgen, die
aber jeweils für sich wichtige und nötige Zwecke sind. [
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