Autor: Stefan Arens

[ Impressum ]

[ Hauptseite ]

Einleitung für das Essay:

Über die Kunst und den Betrachter

Man erweckt in der Kunst immer einen Eindruck von etwas Bestimmten. Die Kunst ist kein Ideal, sondern ein Tun, ein Umsetzen des zweckgerichteten Tuns.

Eine Absicht ist in diesem Tun enthalten, ein Ziel. Das was wesentlich ist. Nicht der Inhalt, sondern die Form. Weil ohne Form gibt es keinen Inhalt. In der Kunst.
Der Inhalt macht es an sich spannend, verleiht der Form einen Reiz. Klaro.

Kunst ist genau das Maß, weswegen eine Sache, wie zB Astrologie, oder Malerei das ist, was es sein soll. 
Der Kreis muss sich schliessen. 

Was aufs Ganze der Kunst zutrifft, gilt auch oft im Detail der Kunst. Der Kreis muss sich schliessen, es darf keine Linie oder besser gesagt keinen Ausbruch geben, der unerlöst bleibt.
Wir erleben in jeder Kunst: wenn etwas offen bleibt, zum Beispiel in der Krimigeschichte ein wichtiger, weil erwähnter Zusammenhang nicht aufgelöst wird, dann ist es nicht vollendet.
Das ist für mich eine Vollendung innerhalb der Kunst, den man nicht am bloßen Schein ablesen kann. Sondern unter Umständen auch eine gewisse Kenntnis (zB der Filmkunst) voraussetzt. Natürlich ist irgendwo Kunst ganz einfach: Sie muss gefallen, ankommen, befriedigen. Aber wie tut sie das? Die Antworten auf diese Frage zeigt, was eine jeweilige Kunst eigentlich ist.

Es ist einfach das, wovon man sagen kann: "es ist eine Kunst dies zu tun". Ein Schreiner könnte ausser Schränke keine Vasen töpfern.
Er müsste auch Töpfer sein. Es kommt also darauf, an, eine ganz bestimmte Kunst zu erfüllen, und die Kunst dabei betrifft immer die Umsetzung einer Sache. Dass es so weit gelungen ist.
Einen Papp-Karton aufzustellen und zu sagen, das ist ein Schrank und den verkaufe ich, und dann fällt der Schrank in sich zusammen: Das ist ja keine Kunst, einen Schrank herzustellen.

Eine Sache wie zB Autofahren auf drei Rädern und einem platten Reifen kann kompliziert sein, und man sagt: unter diesen Umständen ist es eine Kunst, dies zu tun. In alltäglichster Weise verstanden, liegt die Kunst einfach darin, dass man etwas macht, was andere nicht können. Letztlich ist das Leben sogar davon abhängig, dass es einer Kunst der Umsetzung bedarf. Nichts ist da, wo man nicht sagen könnte, wenn es umgesetzt ist, ist es eine Kunst dies zu tun, weil es ansonsten nicht da wäre und keinen Namen, keinen Begriff hätte. Kein Bäcker, keine Prostituierten, keine roten Ampeln und auch kein Film, in dem sich jemand befindet und eine Rolle spielt.
Alles hat einen Zweck, und diese Dinge zu tun, ist eine Kunst. Und vieles andere ist ebenso eine Kunst, also auch dass man unter gegebenen Umständen etwas schafft. Schon der Betrachter kann etwas, was sonst nur irgendetwas wäre, zur Kunst erheben. Er wendet einfach ein gewisses Konzept von Regeln auf eine Sache an. Und genau das tut auch der Künstler.
Erwartungen. Worte, deckungsgleich mit ihren Bedeutungen, weil die Sprache zB sich nicht kommandieren lässt. Ein Wort legt nahe, so gut es kann, aber es kann. Das Bild lässt sich ebensowenig festlegen auf etwas anderes, als was es ist. Alles IST, und das zu erkennen, was IST, das führt doch schon zur Kunst, weil man sich dabei nichts vormachen kann. Ob dabei Illusionen heraus kommen, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Doch gerade diese Rolle hängt sehr mit der DISTANZ zusammen, mit der ein Betrachter etwas anschaut. Sein Seh-, Lese-, und Hörverhalten ist im Grunde ein Konzept anwendbarer Regeln.
Jede schöne Kunst beachtet dabei besonders ästhetische Regeln bzw. Gesetze.

In manchen Künsten ist es ein Spiel mit den Erwartungen des Betrachters. Doch grundlegend ist es immer ein Zweck, den der Künstler mit seinen Handlungen verfolgt hat und also umgesetzt hat.

In vielerlei Hinsicht kann man den Kunstbegriff auf alle Dinge der Welt und alle Handlungen anwenden.

Wenn man davon ausgeht, dass grundsätzlich alles eine Kunst ist neben den Dingen, die man im gewöhnlichen Verständnis als Kunst empfindet,  kann man weiterhin  differenzieren, in welcher Hinsicht etwas tatsächlich eine Kunst darstellt. Indem man nach dem Zweck schaut, den die Sache haben will oder haben kann.

Dass Kunst überhaupt in einem besonderen Fall geleistet wird, das ist  immer dann gegeben, wenn eine Sache zu ihrem Zweck gekommen ist oder sie von diesem Zweck sinnhaft genug erfüllt ist, um zu sagen, die Umsetzung ist gelungen.

Bei der Astrologie ist das etwas Bestimmtes. Manche meinen, das sei die Prognose, es sei die höchste Kunst der Astrologie. Wieder andere meinen, Prognose sei natürlich nicht wesentlich für die Astrologie, aber doch eine mögliche Kunst. Andere sehen die Kunst in der psychologischen Komponente.

Meiner Meinung nach, ist es jedenfalls legitim, die Prognose zu isolieren und den Zweck der Prognose als Kriterium heranzuziehen, um dann zu entscheiden, ob dieser Zweck erfüllt werden kann, um dann in einem letzten Schritt eine Kunst daraus zu machen (ob es also Prognose oder Effekthascherei, also Illusionskunst wird). Das soll eine Kunst sein, die genau das umsetzt, was wesentlich der Sache zugrundeliegen soll.
Aber was wäre das in Bezug auf astrologische Prognose? Exakte Ereignisdeutung oder Trendanalyse? Wie sind die Regeln dieser Kunst? Worin besteht das Kriterium dieser Kunst, woran soll man das Ergebnis  messen?

Es gibt sicher genauso viele Leute, die an astrologische Prognose glauben wie jene, die glauben, dass im Grundsätzlichen bloß Trends mehr oder weniger auszuleuchten sein können.
Es ist in Wahrheit freilich unklar oder nicht genügend diskutiert und sogar persönlich selten entschieden, was die Astrololgie eigentlich zweckvoll umsetzen kann und was nicht.
Ob die Prognose Lebensreignisse eindeutig vorhersagen kann oder nur ungefähr, und wie weit sie dabei überhaupt gehen kann, oder sagen wir anders: Was die Astrologen und die anderen Leute davon meinen, was möglich sei. 

Es ist bei der Politik üblicherweise und in Wahrheit in erster Linie die Gestaltung wirtschaftlicher Prozesse gemeint - oder man müsste noch fragen, was Politik eigentlich beabsichtigt, zu sein oder zu tun. Man erkennt die jeweilige Wahrheit an den Taten, die den ZWECK ausdrücken. Nicht erkennt man irgendetwas im schattenhaften Reich der Zuschreibungen und Etiketten. Ich kann noch so lange etwas behaupten, und es kann sich dennoch um eine bloße Etikettierung handeln.

Ob eine bestimmte Sache nur von einer Elite wahrgenommen werden kann, ist völlig in Ordnung. Es ist dann eine elitäre Kunst, die ihren Rang einnimmt.

Bei der Literatur ist das klar, was sie leisten soll. Wofür man die Literatur für eine Kunst hält. Es soll ein Inhalt passabel vermittelt werden. Es kann weiterhin noch entschieden werden, welches Genre der Roman repräsentiert, oder was als Stoff umgesetzt werden sollte.
Je nach Ebene der Betrachtung ändert sich die Perspektive, und was man also von einem Zweck einer künstlerischen Handlung halten muss.

Ein Horrorfilm und sein Genre verfolgt andere Ziele als eine Literaturverfilmung. Der jeweilige Grad an Spannung in der  Dramaturgie sind sich in der Literatur oberflächlich betrachtet technisch gesehen ähnlich, aber der Stoff wechselt, der als Ziel dem ganzen Unternehmen untersteht.

Abstrakte Kunst hat andere Zwecke als die gegenständliche Malerei.
Das führt uns alles zu dem Punkt, dass der Zweck, welcher der Sache zugrundeliegt, im Wesen der jeweiligen Sache liegt und ausserordentlich wichtig ist.

Alles hat einen Zweck, oft ist die Zuschreibung, was man der Sache für Zwecke beigibt, oder erfolgreich behauptet, was der Zweck sein soll, anders, als wie die Sache von sich aus einen Zweck erfüllt.

Es geht hier nur um die Umsetzung dieses Zweckes, um etwas gemachtes oder gewirktes als Kunst zu bezeichnen; es geht hier nur um die Kunst, nicht um die eigentliche Sache, nicht um Astrologie oder Malerei, oder Pfirsichbäume pflanzen oder Genmanipulation, oder wissenschaftliche, ökologische, politische oder sonstige Weltverbesserung. Es geht nur um die Kunst, wie man dabei vorgeht, den jeweiligen mit der Sache verbundenen Zweck umzusetzen. So dass man sagen kann: "Es ist eine Kunst dies zu tun."

Nur letzteres, der Zweck, kann und muss aus der Sache abgelesen werden; die Kunst dabei  ist jedoch immer gleich, es muss den verfolgten Zweck so gut wie möglich entsprochen haben, das ist eine Umsetzung. So dass das Ergebnis von einer Kunst der Umsetzung zeugt, und der Klempner zurecht seinen Namen trägt ebenso wie der Bankier, Taschendieb oder der Bäcker.

Dinge können ihren Namen ändern, aber ihre Seele und ihre Wahrheit der Bestimmung und des Zweckes ist nicht in dieser Welt noch in einer anderen an die Zuschreibung gebunden.

Allerdings gibt es natürlich einen Bereich, in denen die Dinge parallel und gleichzeitig mehrere einander widersprechende Zwecke verfolgen, die aber jeweils für sich wichtige und nötige Zwecke sind. [weiter lesen im Essay]