Zur Kunst und Malerei

Der Betrachter und der Künstler

Der geniessende Betrachter ist grosszügig, der Künstler dagegen kritisch...

In beiden Fällen, als Betrachter oder Schöpfer, will man geniessen. Der Genuss des Künstlers liegt auch in der Macht, mit der er bestimmen kann, was bewirkt werden soll, und er folgt dabei seinem eigenen Geschmack.
Diese Möglichkeit, dem eigenen Geschmack und Urteil zu folgen und schaffen zu können, bedeutet stets einen Hochgenuß für den "kreativen Homo Sapiens".
Der Begriff "Homo ludens" bezeichnet den durch das Spiel sich selbst entdeckenden Menschen. In Bezug auf die Kreation bedeutet das eigene Schaffen von selbst erfundenen Wirklichkeiten geradezu ein Spiel mit dieser menschlichen Fähigkeit, nämlich solche Wirklichkeiten frei nach den eigenen Willensäußerungen zu entwerfen.

Doch es gibt eine Art Problem für jeden Künstler. Jedem ist irgendein persönliches Problem gegeben. Delacroix leidete zB unter schlechter Gesundheit (das wäre ein Extrem der "Künstlerlaufbahn"). Das wäre eine Art äußerer Faktor. Aber die Regel sind innere Faktoren, die zum Problem der Kunst werden.

Picasso veranschaulicht ein Grundproblem der Moderne: Picasso hatte alles oder zumindest viel im "Gepäck", wollte im Grunde einfach nur drauf los schaffen, und spontan ging er an ein neues Bild und übermalte auch stets und regelmässig bereits gemalte Partien. Sein Können war groß, aber seine Arbeit am Detail gering - und ich denke, dass darin auch ein Mangel seiner Kunst liegt. Es ist symptomatisch für viele Künstler, dass in der Regel zu sehr darauf geachtet wird, wie die Bilder aus drei oder vier Schritt Entfernung wirken. Die Maler des Mittelalters malten nicht anders, wohlgemerkt! Aber bei ihnen sieht es stilistischer aus - zumindest aus heutiger Sicht, da sie sehr effizient dabei waren, einen gewissen Schein und eine Illusion des (groben) Pinselstrichs zu gebrauchen. Die Spuren des Pinselstrichs erfüllten meist ihren Zweck. In der Moderne wurde der Pinselstrich, den man aus der Nähe erkennt, allerdings zum Überfluss, ein Stigmata der Wildheit oder Spontaneität.

Manche Künstler der heutigen Zeit leiden auch unter dem Problem, welches fast jeder Künstler in jedem Zeitalter hatte: die Existenznot zwingt sie unbedingt etwas verkaufen zu müssen, worunter die Qualität ebenso leiden kann.
Oder aber sie haben zuwenig Ausdauer, obwohl sie ein Können vorweisen. Oft vernachlässigen sie die Arbeit an ihrem Stil, indem sie etwas machen, was ihnen liegt, aber das nicht weiter vertiefen und ihr volles Potential ausschöpfen. Und warum ist das so? Ich denke, es liegt zum grössten Teil an der fehlenden Muße unserer heutigen Zeit. Ständig gibt es Verpflichtungen oder Rechnungen sollen bezahlt werden - das Leben hält uns auf Trab. Das bedeutet eigentlich eine Herausforderung an den Künstler. Und die schöpferischsten werden diese Herausforderung sicher auch bewältigt haben.

Immer steht die Freude an der Arbeit im Vordergrund - gewöhnlich sollte das jedenfalls so sein - und der Anfänger muss den Aspekt des Malenwollens überwinden und zur Arbeit am Werk kommen. Wenngleich die Freude am Wirken notwendig bleibt, aber freilich beständig auf ein höheres Niveau gestellt werden muss.

Ein Künstler, der alle Probleme gelöst hätte, wäre ein Übermensch.

Das ist etwas, das jeder Mensch automatisch schon immer tun will: Genießen (je nach Standpunkt ergibt sich der Betrachter oder Künstler). Dem Künstler kommt eine besondere Freude auf, aber er verliert sie, wenn das Bild verkauft ist. Er muss sich diese Freude also während eines kontinuierlichen Schaffensprozesses erneuern.

Dem (angeblich) hohen Genuß liegen tiefere Einblicke zugrunde, die man Urteile oder Ideale, Erwartungen oder Voreingenommenheiten nennen könnte. Es wird immer solcherlei Vorbedingungen des Betrachtens geben, sei man Küünstler oder Publikum - aber es gibt für beide eine Art innere Wahrheit, eine objektive Wahrheit, die allem Schauen zugrunde liegen kann und mit der man das Kunstobjekt beurteilt. Diese Wahrheit liegt zum Beispiel in den unabänderlichen ästhetischen Gesetzen. Was einem gefällt, unterliegt natürlich auch persönlichen Vorlieben; dennoch gibt es ein paar Dinge, auf die man sich sicher einigen kann, zB grobe Verstöße der Farbharmonien oder derbe unproportionierte Formen.

Beide sollten - sowohl der Betrachter einer fremden Kunst, als auch der ausfertigende Künstler an seinem eigenen Werk - ihren besten Teil erhalten: den Augenblick, der es wert war. 

Für den Künstler ergibt sich die Maßgabe des objektiven Blickes oder des objektiven Augenblicks: Denn er tut etwas, und es ist zwar alles unter seinen eigenen subjektiven Blick gestellt, doch gibt es unabänderliche ästhettische Gesetze, deren Vielfalt niemals in ein einziges Bild enthalten sein kann, aber ein Ausschnitt. Es ist eine gewisse Anstrengung nötig, das Bild mit "fremden", d.h. unbefangenem Blick betrachten zu können, um der eigenen Auswahl dessen, was Gefallen soll, Kontur zu verleihen. So stellt der Künstler (Schaffende) etwas hin, dass er trotz der Ideale von sich lassen muss, um es neu wahrzunehmen, um seinen Anspruch (sein Ideal) an der Wirklichkeit zu messen.

Es ist im Grunde die Überlegung, ob man es so stehen lassen kann; - vielleicht hilft der Spachtel (abkratzen, zerstören), wenn der Akt zu keinem Ergebnis kommen will und man muss erneut beginnen. Das Schlechteste, was man meiner Meinung nach tun kann, ist ein Bild und Ergebnis herbeizuzwingen, falls das Fundament oder die Architektur des Bildes nicht ganz zu diesem Ziel passen. Dann übermalt man zum Beispiel grosse Flächen und sieht unter dem fertigen Bild noch den alten Farbauftrag als Struktur. Dann lieber alles eben machen und aus dem Chaos etwas ganz anderes gestalten, das Bild sich offenbaren lassen. Nun, das sind natürlich nur persönliche Sichtweisen.

Dem Betrachter ergeht es ähnlich wie dem Künstler, denn auch er muss vor aller Tat (seinem Urteil) erst noch sehen können, sehen lernen, was nämlich überhaupt da zu sehen ist.

Bloß der Künstler, der kann König sein, über seine Macht und auch sein Unvermögen, das Bild zu verändern - es ist die Macht, was er verändern kann oder - um bei der Wahrheit zu bleiben - was er malen tut, und was er im momentanen Zustand des unfertigen Bildes tatsächlich schon sieht, worauf das Bild hinaus will, und was er dann daraus noch macht, indem er einen Plan entweder weiter entwickelt oder neu entwirft. 

Die Intention des Malers

Das Besondere am Künstler ist seine Intention, das ist seine Absicht. Und ihm muss es wahrscheinlich am ehesten so vorkommen, als wüsste er, was er tut, und sei es noch so einfach, denn man muss wissen, was man tut. Und man muss wissen, "was nicht sein soll".

Der Künstler will es so, und er will überhaupt! Sein Wille und Gestus ist das, was er erkennen kann, um durch diese Selbsterkenntnis vielleicht auch hieran noch zu arbeiten, nämlich am Stil seines Wollens, und nicht an bloß vereinzelten Konzentrationspunkten des Bildes. Es geht auch um die Art und Weise wie man malt.
Ästhetik vereinzelt genommen, ist selten zu etwas genüge, denn es geht immer ums Ganze. Darin drückt sich eigentlich die Intention aus, die Seele, das Fluidum der Kunst, oder des geschöpften Produktes. Manchmal weiss man gar nicht, was man macht, aber man weiss, was man tun muss, oder auch verhindern muss. Das ist es, was sein muss.

Der Wahnsinn und Urteilen über die Kunst

Was ist Wahnsinn? Ist es nicht so, dass die Gedankenbewegungen schon dem Wahnsinn sehr deutlich entsprechen? Sie führen meist nur in die Irre oder Nirgendwohin. Näheres zum Wahnsinn (etymologisch), kann man auch unter folgenden Webseite lesen (kompakt und kurz): http://www.sgipt.org/gipt/psypath/et_wahn0.htm

Alles, was uns vorgibt "Welt" zu sein, ist letztlich eine Art Wahnsinn, den wir mit unseren Augen und Denken hervorbringen, wenn man es genau nimmt. Die Welt ist nur geschautes und interpretiertes Gut, gehörte oder vermittelte Wirklichkeit, eine Erzeugung. Keine Tatsache. Tatsachen sind nur insofern gegeben, indem wir den Inhalten der Welt eine Bedeutung beimessen! Der psychisch Kranke, erfindet Bedeutungen auf seine Art, losgelöst von der gewöhnlichen und gesunden Art.

Der Betrachter lässt sich davon halten, was seine Sinne ihm eingeben, oder was seine Erwartungen bedeuten, oder was er glaubt, wie er zu einem "richtigen" Urteil kommen kann; durchschaut er es eigentlich, wieso er auf etwas kommt? Was sind seine Beweggründe? Was erwartet er? Und so ist und bleibt es meist nur eine derbe Interpretation, ein Spiel mit Erwartungen. Der Geschmack kann sich so nicht erweitern und die Fülle wahrnehmen. 

Es sind Urteile, Erwartungen, Begierden, Launen, Phantasien, die unseren Wahnsinn ausmachen. Denkbewegungen, kluge oder absurde Gedanken, alles Mögliche. 

Für den Ur-Menschen ging es um den Gewinn an Zeit, an Augenblick, an Mana, könnte man sagen. Die Aktivitäten sollten sich lohnen, auch für uns heute noch soll sich alles lohnen, nach gewissen Gesichtspunkten. Aber Normalität ist heute was? Die meisten nehmen den subtilen Effekt nicht wahr, der in einem reinen Schauen liegt, einem Schauen ohne Bedenken. Das ist es, ein Spiel - warum es doch im eigentlichen Sinne gerechtfertigt ist, von einem grundsätzlichen Wahnsinn des Schauens zu sprechen, weil sehr viele Leute das reine Schauen verlernt oder nie gelernt haben.

Wieder wie die Kinder zu sein, kann hier einiges aufschließen helfen, wenn man nur anzuwenden weiss, was bei diesem Bibelspruch gemeint ist: wie die Kinder zu werden; ohne Vorurteil, liebend, fröhlich, spielerisch, neugierig, ergründend oder vergleichend. Und im Augenblick verweilen, das heisst, man lockert den Bezug zu allen Erwartungen und beurteilt ein Bild nicht mehr mit dem Maßsttab des bereits Bekannten - es spielt keine Rolle, was wir denken, wenn nur der Akt der Wahrnehmung ein richtiger ist - vielleicht gehts sogar im Bibelspruch darum - dass man das reine Schauen wieder lernt, ich komme auf keine andere Interpretation, die mir so stimmig scheint.

Denn mit dem reinen Schauen ist auch all das Leben berührt, der Alltag, den wir tätigen und abfertigen. Der wahre und authentische Gewinn ist ein Gewinn an Selbst. Wenn man schaut, kommt man zu sich selbst. Und es ist verkehrt, wenn die "Gesellschaftsordnung" sagt, das sei ein Luxus, zu sich selbst zu kommen, man solle doch endlich erwachsen werden, und sich mit seiner Knechtschaft abfinden. Man solle sich an die Automatisiertheit des Lebens anpassen. Erwachsenwerden, so meine ich, bedeutet in Wahrheit aber geradezu, diesen Kleister an Illusionen und manipulativen Verzerrungen zu durchschauen und das Selbst und Seelische nicht zu verlieren - weil worin wäre man erwachsen, hätte man seine Seele verloren?

Was ist ein gutes Bild?

Allein das Schauen ist die eine Sache, aber dass man über Kriterien verfügt, über ein wirkliches ästhetisches Urteil, ja fast ein Gewissen, das ist Vorraussetzung, um zu beurteilen ob ein Bild gut ist. Wir haben diese Kriterien in uns. Wir brauchen sie nur befreien oder den inneren Raum von Ballast freiräumen, damit der Klang in uns widerhallen kann. 

Vielleicht gibt es längst nicht mehr so gute Kunst wie zur Zeit der griechischen Antike, wenn man einen gewissen Standpunkt einnimmt, mit dem man betrachtet, was für einen Nutzen eine Kunst hat; denn die Bilder von Göttern und göttlichen Wirken spiegelten die Vorstellung wieder, dass es diverse Kräfte gab, die über Leben und Schicksal walten; die Künstler der Statuen  bildeten etwas ab, was im alltäglichen Leben integriert war. Auch die Ornamente der Messer und Schwerter bei den Kelten und anderen Kulturen berühren diese Ebene, sie machten das Schwert glücklicher, sie erhoben es in dem geistigen Wert. Es war wie ein Siegel göttlicher Energie und Kraft. Die ästhetischen Formen beinhalteten Symbole, die dem Gebrauch dieser Werkzeuge oder den Motivationen des trägers entsprachen. Heute benutzen wir Symbole, über dessen energetische Wirkung wir keinen Schimmer haben, wir müssen also zwangsläufig mit diesen verborgenen Wirkungen spielen. Ein wirklich gutes Bild wäre demnach ein Bild, dessen innerer Klang mit dem ästhetischen und sichtbaren Inhalt übereinstimmt.

Vielfalt und Einfachheit

Die Moderne leitete über zu einer fundamentalen Erweiterung der Möglichkeiten, hin zu einer neuen Ästhetik. 

Diese Revolution der Tabus hat die Kunst in alle Richtungen geöffnet.

"Einfach" malen kann man in vielerlei Weise. Es ist das Prinzip einfachster Gestaltungsart ja zunächst immer etwas einfaches. Es muss nicht schlecht sein, aber etwas sinnvoll anzuwenden in irgendeiner einfachen Weise, ist etwas anderes, als nur ein zu einfaches Ergebnis.

So einfach malen wie Mondrian ist das eine, es aber zu erlernen das andere. Von weit her betrachtet sehen seine Bilder genau aus, sie sind in den Harmonien und Unterteilungen harmonisch, das ist der Trick, die Anwendung, die Harmonie, die zu leisten ist: nämlich die Proportion zu beachten, genauer gesagt den goldenen Schnitt, der in jedem Winkel und Abstand von Linien und unterteilten Flächen ja eh immer entsteht.

Das lässt sich selten genau messen, eher erfühlen oder herantasten. Oder aus einem Geschick heraus vollbringen. 

Dünne Schichten, könnten hier helfen. Sich heranzunähern. An eine Form, an eine Proportion. Oder man gebraucht Schablonen, oder malt Sisyphos-Linien, ja ohne Übung wird das nichts.
Aber guckt man sich Mondrian aus der Nähe an, entdeckt man häufig etwas Grobes, durchaus ist das auch am Duktus gelegen, das ist ein Mangel, wie ich finde. Und selbst bei Delacroix entdeckt man dieses Grobe. Für abstrakte Bilder sollte es eigentlich auch um das Detail gehen, wir sollten das Bild sowohl aus der Ferne wie aus der Nähe betrachten können.

Es sollte weiterhin (zumindest ideell) das jeweilige Detail aus dem Guß hervorgehen, nicht soll die ausführende Methode den Guß heuchlerisch vorspiegeln. Nun ja, ich konnte beobachten, dass das, was etwas "Ganzes" zu versprechen schien, immer dann am besten war, wenn es in erster Linie von der tragenden Absicht abhing (vor allem in der Musik), was meist auf einer Vorliebe für gewisse Melodien und Harmonien gegründet war, die sich jedoch ergaben ohne sie erzwingen zu wollen - ein Etwas, was sich zwangsläufig in das Werk einfand, ohne dass man es erzwingen musste. 

Worauf ist in der Malerei zu achten?

Neben den oben genannten Punkten komme ich persönlich zu einem zentralen Punkt, wo man die Kunstgeschichte aussen vor lässt, und besonders den Umstand hervorhebt, wie überhaupt Kunst (Malerei) gemacht wird. Denn es ist die Frage: Was ein Kunstmaler eigentlich beabsichtigen sollte, wenn er von der Tätigkeit her daran geht, ein Bild zu malen. 

Eine naive Frage? Nein, ganz und gar nicht, die Frage nach den Ursachen seiner Kunst, das ist die entscheidende Frage des Künstlers, und sie hängt nicht nur von einer Idee ab, sondern beinhaltet den ganzen Vorgang. Es geht darum ein Bild zu malen, nicht etwa eine "Skulptur anzumalen".
Es gibt wohl kaum etwas, was man dazu klar formulieren könnte, aber es lässt sich andeuten, dass dabei letztendlich immer etwas Besonderes im Vordergrund steht: Die tatsächliche Wirkung. 

Es ist egal, ob ich Konventionen breche oder stütze (wenn ich von der Ursache her daran gehe, ein Bild zu malen), denn für ein gutes Bild ist die ästhetische Wirkung (=das Gewirkte) natürlich die massgeblichste Instanz, was für jeden selbstverständlich sein muss; - also der optische Eindruck, das konkrete Erleben.

Damit verbunden ist auch die innere Seele eines Bildes, ist sie fad, gewöhnlich, ordinär, frei oder authentisch? Wie klingt es heraus? Um das zu beurteilen, muss ich in ein Bild (als Betrachter) auch frei und authentisch hinein schauen können. Hanswürste unter den Kritikern kann man gewöhnlich daran erkennen, dass ihre Kritik nicht begründet wird, oder oberflächlich scheint bzw. ganz besonders vorurteilsbefangen, wenn diese Kritik auf einseitigen Erwartungshaltungen gründet (die Begründung ihrer Kritik bringt dann oft zum Ausdruck, dass Vergleiche gezogen werden, aber nicht das Bild und sein Inhalt an sich beurteilt wird). Ein Kritiker muss bereit sein, sich auf das Werk überhaupt einzulassen, sich vom Bild oder der Musik mitnehmen zu lassen, und dann kann erst von ihm entschieden werden, ob der innere und äußere Gehalt ästhetisch betrachtet besser oder schlechter ist. Und welche Umstände oder Details dafür sorgen, dass es besser oder schlechter ist. Das heisst, der Kritiker muss erkennen, auf was das Bild gründet. In einem Film ist das zum Beispiel nicht nur die offensichtliche Handlung, sondern die Botschaft des Filmes, sozusagen die Moral, Quintessenz, Pointe oder bildhafte Ausage der Geschichte.

Einheitliche Bildwirkung

Es gibt für gemalte Bilder ein ganz entscheidendes Kriterium bzw. eine der Ästhetik innewohnende Qualität: die einheitliche Bildwirkung entscheidet, ob ein Bild wirklich zum Bild wird, ob es seinem Anspruch, ein Bild zu sein, gerecht wird.

Dem liegt ein optischer Eindruck zugrunde und er kann kurz mit einem typischen Beispiel erklärt werden:
Zum Beispiel existieren viele Bilder mit Figuren vor oder in einer Landschaft (etwa bei den alten Meistern des Mittelalters).

Einheitlich ist das Bild, wenn Figuren und Landschaften nicht wie Fremdkörper zueinander wirken, also wenn die Figuren nicht einfach wie "eingeklebt" oder aufgesetzt aussehen, oder wie eine Schablone aussehen, die man auf den Hintergrund aufsetzte. Man stöbere mal ein wenig in der Bildergalerie von Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Gemälde  
Es kommt nicht auf das Sujet an (Sujet: Bildthema, dargestelltes Subjekt oder Objekt oder im Bild veranschaulichte Situation oder Mythos), und nicht zu Anfang steht die Frage, ob die Farben oder die Zeichnung - den persönlichen Maßstäben des Betrachters nach zu urteilen - angenehm ist. Sondern entscheidend ist, ob das Bild im Ganzen in gewisser Weise korrekt ist, nämlich wenn es einheitlich ist. Die Einheitlichkeit des Bildes macht es erst zum Bild, ansonsten ist es eher als eine "Collage" oder Skizze zu bezeichnen.

Diese Einheit kann natürlich auch stilistisch erreicht werden, was man oft bei den japanischen oder chinesischen alten Malern findet, aber ebenso bei den Impressionisten oder dem Jugendstil.

Es gibt daneben noch Bilder, die wirken etwas zu einheitlich, sie sind im Ganzen zu seicht, zu gleichmässig im Ebenmaß; Hell und Dunkel sind zB nicht definiert, weil alles perspektivenlos ist; oder es fehlt die Spannung; oder es ist ein Stil, der keine Originalität aufweist usw. - manche Bilder können auch einen geheimen Reiz besitzen, der neben der Einheit des Bildes noch in dem Sujet bestehen kann, und in der Art der Behandlung des Sujet. Diese Behandlung trägt dann zu einer Art Spannung bei, die ansonsten im Malerischen vielleicht nicht gegeben sein mag, aber insgesamt das Bild reizvoll genug macht.

So sollten Landschaftsmalereien - prinzipiell - immer unmittelbar von einer Versenkung in diese Natur (vor Ort) abhängen, und nicht einfach nach einem Schema F im Atelier gemalt werden. Wenn man eine Landschaft aus der Phantasie malt, sollte man nicht versuchen, eine reale Landschaft zu imitieren, sondern in einem eigenen Maß die Phantasie dabei ausschöpfen, sozusagen das Mittel der Phantasie gebührend integrieren und so stilistisch dem Malprozess entsprechen. Mit der Phantasie zu malen, schätze ich übrigens als schwieriger ein, als wenn man versuchte, aus einer gegebenen Naturvorlage Formen und Stil zu gewinnen.

Ob man bei einem Landschaftsbild das schwierig zu transportierende Ölgemälde zuhause malt oder Skizzen von vor Ort (der Naturvorlage) im Atelier benutzt, halte ich persönlich für weniger wichtig, als dass es überhaupt eine solche Versenkung in die Natur gibt bzw. gab. 

Das wäre zumindest eine klassische Art, weil man in dem Landschaftsbild eine Art "Liebe" hineinversenken sollte, die nur entstehen kann, wenn man diese Natur auch wirklich gesehen und Besonderheiten dieser Naturvorlage nachvollzogen hat. Eine Stimmung will sich verkörpern.

Bei Cezanne's unfertigen Bildern kann man gut beobachten, wie die weissen Flächen für einen Raum stehen, der nicht gestaltet werden konnte. Cezanne konnte diese (wenigen) Bilder nicht zum Ende führen, da es vermutlich in seinen Augen die bestehende und bereits erreichte Harmonie der Farben zu sehr gestört hätte. Diese Eigenart kann man als Originalität einschätzen, oder als Makel. Gewollt hat Cezanne das sicher nicht, als er diese Bilder begann. Vielleicht ergab es sich auch bei manchen Bildern als Notwendigkeit, so wie man notwendigerweise einen blauen oder sonstigen Farbton setzt, dass man diesmal eine Fläche unbemalen lässt, so dass der Grund weiss hervorschimmert.

Der massgebliche Faktor, warum auch diese unfertigen Bilder gut aussehen liegt darin begründet, dass sie einheitlich wirken bzw. einheitlich sind.

Die Einheit des Bildes ist tatsächlich das Kriterium, das entscheidet, ob ein Bild ein Bild ist, ob ein Kunstwerk diesem Auftrag ein Bild zu sein gerecht wird.

Die Zeichnung ist nicht das wichtigste Kriterium für ein gutes Bild. Die Zeichnung in einem Bild mag im Bezug auf die Einheit des Bildes die Gesamtwirkung positiv beeinflussen, aber auch diese Zeichnung muss (irgendwie) einheitlich sein. Ist sie zu einheitlich, wirkt es wie eine Fotografie, und selten ist die zeichnerische Güte ein Ausgleich für diesen Umstand, denn manchmal fehlt dann der Reiz. Es ist oft auch zu billig, sich nur auf das Handwerkliche zu verlassen und die Inspiration und Originalität, das Andere und Neue zu vernachlässigen. Das oberflächlichste Bild kann selbst bei genauester Zeichnung grauenhaft ideenlos sein. 

Andere Bilder, etwa abstrakte Bilder können diese fehlende Einheit ebenso aufweisen, so wie die fehlende Spannung in einem jeden Bild als Langeweile gegeben sein mag. Beide Pole sollten in einem abstrakten Bild vermutlich in einer Art Gleichgewicht zueinander sein. Wo die Spannung fehlt, wird ausschließlich Einheit sein. Und wo die Spannung zu heftig wird, und zu disharmonischen Reizen führt, fehlt die Einheit wohl zwangsläufig.

Viele berühmten Meister und Künstler haben viele Bilder geschaffen, und nur einige sind wahre Meisterwerke. Andere entsprechen dem jeweils eigenen Geschmack des Betrachters, als Ebene, Kategorie oder Nuance, die man darin wiederfindet. Oder als Versuch, als Entdeckung, oder etwas ausprobiert zu haben, ausgereizt zu haben.

Die Wiederholung in der Kunst

In den Stilen der Künstler ist oft ein gewisser Mangel anzutreffen: Sie wiederholen sich nämlich.
Die Einheitlichkeit eines Stils ist eine feine Sache.

Bald aber gilt schon jener alte Spruch: kennt man ein Werk des Künstlers, kennt man alle seine Werke.

Das Selbst eines Menschen kann sich aber in tausendundeins Möglichkeiten ausdrücken. Weil ich selbst auch Musik gemacht habe, neben meiner Malerei, und so einige Erfahrungen habe, weiss ich, dass die Vielfalt grundsätzlich möglich ist, wenngleich natürlich die Vielfalt nur so gross sein kann, wie es das Selbst oder die Möglicheiten zulässt (in der Musik bilden zum Beispiel die vorhandenen Klangfarben, die Instrumente, solche Rahmenbedingungen, die sich als Klangfarben der Musik in gewisser Weise immer wiederholen werden - ein Piano bleibt immer ein Piano).
Irgendwo gibt es immer einen abgegrenzten Rahmen. Auch in Bezug zum Selbstausdruck. Also einem Bereich, wo das Selbst zu erkennen bleibt. Aber ich spreche von den Verkleidungen dieses Selbstausdrucks, von den Mitteln, von der Art und Weise und dem Wie des Einsatzes des Materials, die Art und Weise der Komposition und Srukturierung -  nicht so sehr vom Ausdruck des Selbst, den man kaum beeinflussen kann, denn er ergibt sich.

Man kann (allein aus der Sicht des menschlich Möglichen) alles machen, wenn man nur das ästhetische Empfinden hat, dass sowohl Stille, Krach, Perkussion, Dissonanz, Zufall, Fragmente mit Pausen und alles mögliche an Harmonien, sowohl kaputte wie auch echte Harmonien, und genauso wie die Melodie, dass das alles mögliche Elemente des Musizierens sind. Diese Variablen kann man auf die Malerei übertragen. 

Man muss nur ein wenig clever sein und hinzulernen wollen, die Grenzen erweitern, sofern ein bestimmter Bereich schon ausgekundschaftet ist. Freilich stelle ich diese Aussagen nur auf, als Gegenreaktion zu der Beobachtung, wie ich so viele Wiederholungen, auch bei mir, mit der Zeit einfach langweilig finde.

Farbe oder Form?

Helligkeitswerte, Formen, das sind schon Farben, wenn auch graue. Und wo eine Farbe ist, da ist die Form.

Fehlt die Linie und Form, dann hat das Bild eine Ausdrucksqualität, die eben nur durch die Farbe hervorgerufen wird. Aber Farbe bringt ansonsten immer eine gewisse Form hervor, letztlich noch durch die Begrenzung des Bildes. Verschiedene Farbflecken im Zusammenhang ebenso. Die Leinwand und die Farbe, das ist wie ein Akt der Schöpfung (etwas neues entsteht durch Kombination), und die Form wird gezeugt.

Um 1850-1910 offenbarten einige Künstler ihre ausschliessliche Bevorzugung gegenüber der Farbe, und versuchten die Linie und Form gewissermassen zu umgehen: die Linie verschwindet im diffusen Licht der Bildwirkung. Vergleiche die späten Bilder von William Turner als Musterbeispiel.

Die Technik, mit der man malt, ist schliesslich noch ein weiteres Kriterium, das vor allem für diese Einheit des Bildes entscheidend werden kann. Das ist:

"Die Bewusstheit über die Tat, die man mit dem Pinselstrich vollbringt..."

Phantasie

Bevor es zur Phantasie kommen kann, muss der Argwohn besiegt werden.

Ein Farbklecks kann zu einer Gestalt werden.
Im Detail liegt der Teufel, und eine Vernachlässigung des Details zeigt den Teufel (nicht etwa die Arbeit an den Details ist hier gemeint, sondern das Detail, das sich selbst überlassen bleibt, ohne dass es einem bewusst geworden wäre).

Einige abstrakte Maler glauben an die Kraft von knalliger Farbe und krasser Form und vergessen die Ästhetik der Details und der ganzen Zusammenwirkungen dieser Details; sie glauben, es genügt wuchtig zu sein, und grosse Effekte hervorzurufen, die einen angenehmen Eindruck verlässlich erzeugen. Ein angemessener Pinselklacks kann eben richtig oder falsch sein, und falsch wird er, indem man diesen Klacks sich selbst überlässt, und nicht den richtigen Weg gefunden hat, um damit eine ansprechende Form zu finden. Letztlich kann man mit geschulten Auge die Abartigkeit des Gestus und die Motivation, die eine Rolle spielte, an manchen Bildern erkennen. Das ungeschulte Auge täuscht sich allerdings darin und hält bald alles, was dem eigenen Geschmack nicht entspricht, für unzureichend. Die ästhetischen Gesetze, der Selbstausdruck, und der zu bändigende, weil störende Einfluss des Unbewussten sind aber drei Faktoren, und der persönliche Geschmack nur ein weiterer, vierter Faktor!

Phantasie ist der Einsatz des Technischen (Pinselführung, Gestus) um eine bildliche Wirkung zu erzielen. Das kann ein Baum aber auch ein Farbklecks sein, oder ein Zusammenwirken dergleichen. Es wäre sogar ein originelle Idee, Bilder zu malen, bei der der Farbklecks auf der Kippe steht und sowohl Baum als auch Klecks darstellen kann. Hier sehe ich einen grossen Reiz moderner Bildauffassung. 

Der Pinselauftrag (oder Spachtel) ist notwendig, aber er ist definitiv nicht das, was wir beabsichtigen, sondern bedeutet die Übersetzung unseres Plans oder unserer Laune und dem, was sich in "Träumen am Tage" hin ziehen mag. 

Die Phantasie ist so gesehen erst etwas, was im Bilde zu existieren beginnt, und nicht erst in der Vorstellung vor dem Akt des Malens. 

Materialien zum Malen

Als Künstler fertigt man viele Studien an. Und da ein Künstler oft sparsam leben muss, ist es für ihn die Frage, was er als Alternative zu teuren Papierwaren nehmen kann. Diese letzteren haben zwar nicht die Güte, aber es muss ja nicht jede Studie auf besonders gutem Papier gemacht werden. Also besonders für schnelle Studien und Strich-Übungen geeignet.

Man kann in einem Baumarkt Makulaturpapier-Rollen verwenden, wenn sie rein weiss sind (manche sind grau). Diese kosten in der Regel unter 10 Euro und man hat etliche Meter in 50 cm Breite für Studienzwecke. Man findet sie an dem Orte, wo sich in einem Baumarkt die Tapeten befinden. Die Makulatur wird ansonsten in der Renovierung für eine Wand verwendet, die unregelmässige Beschaffenheit hat, damit der Untergrund bei dünnen Tapeten nicht durchschimmert, bzw. durchdrückt.

Ein ähnliches Mittel ist Packpapier, das man überall bekommt, welches aber meist gerillt ist (längslaufende Linien, unterschiedliche Färbung). Diese sind meist für 2 Euro zu haben.

Dann gibt es aber ebenso im Baumarkt Altpapierrollen, die meist dazu verwendet werden, einen Boden abzudecken um beim Streichen oder Tapezieren vor Verschmutzung zu schützen. Diese sind zwar grau (eher ein Spanplatten Farbton, Sandfarben), genau wie das Packpapier, haben aber keine uneinheitliche Färbung, also keine Rillen, und sind also gleichmässig grau. Diese Rollen kosten jeweils etwa 6 Euro und sind zB 20 Meter lang und 80 cm breit.

Für kleinere Formate sind Spanplatten auch eine nette Sache, weil sie gleichzeitig kostengünstig sind und man auf ihnen einen festen Bildträger hat. Man kann sich solche in Baumärkten zurecht schneiden lassen, manchmal findet man dort auch günstige Zuschnittreste. Grössere Spanplatten sind kein Tabu, nur können sie sich evtl. mit der Zeit der Länge nach biegen. Man kann aber eine grössere Dicke nehmen (18 mm sind ideal) und die biegen sich dann überhaupt nicht mehr, sind dann als grössere Formate nur schwer zu transportieren (zB 140x100 wiegt gewiss an die 15 Kilo und sind sehr unhandlich). Solche Spanplatten sind für Versuche ideal, besonders wenn man keine "guten Textilien" (Leinen, Baumwolle) für Keilrahmen verwenden will. Alternative für Baumwolle oder Leinen wäre übrigens die relativ billige Jute. Die dickeren Spanplatten kann man auch mit Spachteln, Hobel oder Holzwerkzeugen bearbeiten, um eine rauhe Struktur hinein zu schaffen, oder Vertiefungen etc.

Aus manchen Abfällen, die am Sperrgut anfallen, kann man sich das eine oder andere Holzstück ergattern für ähnliche Zwecke oder Teststudien (zum Beispiel Haltbarkeit von angelegten Gründen, Grundierungen etc.). Furnierte Hölzer sind jedoch etwas, was man vermutlich nicht verwenden kann.

In der Natur kann man sich aus einem Erdloch einige Erden zusammen suchen, diese sieben (erst grösseres Küchensieb, dann Teesieb etc.) und zwischen Steinen die kleineren Erdklumpen zerkleinern, um damit kostengünstig zum Beispiel (erdige) Spachtelmasse herzustellen. Dieses klassische Anreiben evtl. lieber in der Natur oder auf der Terasse vornehmen, denn es staubt sehr stark.

Ich würde aber abraten, die Humusschicht bzw. oberste Erdschicht zu nehmen - denn da hat man etliches Kleinvieh und Geäst und grössere Steine mit dabei. Wenn man Glück hat, findet man irgendwo eine Baustelle und man kann locker anfragen, ob man sich etwas vom Aushub mitnehmen darf.

Eine grobe einfache Spachtelmasse kann man sich auch aus Kleister (versuchsweise) herstellen, in den man etliches zerschreddertes Papier gibt und vielleicht noch ein wenig Acrylbinder, worauf sich evtl. sogar mit gut pastosen Öl in einfacher bis dicker Schickt malen lässt.

Große und weite Marmeladengläser niemals unbedacht in den Glas-Container geben, einige könnte man gebrauchen; denn oft kann man sie für Farben, Pulver und sonstige Flüssigkeiten verwenden. Besonders geeignet für Pinsel sind auch grössere weithalsige Gurkengläser (die grössten habe ich in türkischen und italienischen Supermärkten gesehen).

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Oktober 2007
Stefan Arens