Domizile und klassische Würden. Klassische Astrologie. Exil. Fall. Domizil und Erhöhung. Bedeutung der Würden im Horoskop. Horoskopdeutung. Radix.

Klassische Astrologie und neuzeitliche Ergänzungen

Die Würden 
Bestimmung der Stärke und Stellung von Planeten

Klassische Domizile und Erhöhungen

Das Exil ist jeweils gegenüber den Domizilen, der Fall gegenüber den Erhöhungen. Erhöhungen sind im äusseren Kreis dargestellt. 

Neuzeitliche Domizile und Erhöhungen (neue Planeten)

Eindeutig ist die Herrschaft folgender Zeichen:

Wassermann - Uranus
Skorpion - Pluto
Fische - Neptun

Die Erhöhungen werden von verschiedenen Autoren zum Teil anders angegeben:

Erhöungen nach Gil Brand:

Uranus herrscht in Wassermann und ist erhöht in Skorpion.
Pluto herrscht in Skorpion und ist erhöht in Löwe.
Neptun herrscht in Fische und ist erhöht in Wassermann.

Uranus und Pluto als Übeltäter. Neptun als Wohltäter.

Eröhungen nach Frank Felber:

Uranus herrscht in Wassermann und ist erhöht in Skorpion.
Pluto herrscht in Skorpion und ist erhöht in Löwe und Widder.
Neptun herrscht in Fische und ist erhöht in Wassermann und Krebs.
Chiron herrscht in Jungfrau und ist erhöht in Wassermann.
Merkur herrscht in Jungfrau und Zwillinge und ist erhöht in Wassermann.

Erhöhungen nach Alan Oken:

Neptun ist erhöht in Krebs.
Pluto ist erhöht in Wassermann (kein Schreibfehler meinerseits!), und herrscht auch in Widder.
Merkur ist erhöht in Wassermann.
Uranus ist in Skorpion erhöht.

Neuzeitliche Domizile und Herrscherbeziehungen

Die neuzeitlichen Domizile und die Besonderheiten der klassischen Würden (siehe Grafik) sind einfach zu lernen.
Neuzeitliche Domizile sind nur folgende: Skorpion (Pluto), Wassermann (Uranus) und Fische (Neptun).

Damit bleibt in der neuzeitlichen Betrachtung der Würden für Mars nur sein Domizil Widder,
für Saturn Steinbock und für Jupiter Schütze. 
Venus herrscht in Waage und Stier.
Merkur herrscht in Zwillinge und Jungfrau.
Sonne herrscht in Löwe.
Mond herrscht in Krebs.

Alte Herrschaften sind mit den neuzeitlichen Domizilen nicht ungültig!

Sie sind sogar immer noch vom einem ähnlichen Rang:

Saturn herrscht weitehin über Wassermann, und Uranus ist ein weiterer Archetyp, der aber aus der Reihe der persönlichen Planeten tritt, ebenso wie Pluto und Neptun dies tun (analogisch entsprochen durch einen grösseren Abstand zur Sonne von der Umlaufbahn aller Planeten her gesehen, als wie Saturn noch als letzter persönlicher Planet bezeichnet werden kann).

Mars bleibt Herrscher über Skorpion, Pluto ist ein weiterer wichtiger Archetyp des Skorpion.

Jupiter herrscht über Fische, Neptun ein weiterer wichtiger Archetyp des Fische. 

Die klassischen Herrscher sind in Stundenfragen, Ereignishoroskop und Mundanastrologie naheliegendere Erfahrungsmittel als wie die tatsächlichen bzw. neuzeitlichen Herrscher. Die inneren und mittleren Planeten  haben grössere bewegende Kraft, weil sie persönliche Planeten symbolisieren, und damit insgesamt "schicksalsbewegende Planeten" darstellen.

Man bezeichnet diese persönlichen Planeten auch oft als auslösende Planeten, während die Transsaturnier den Inhalt symbolisieren, der (irgendwann) durch die bewegenden Planeten  ausgelöst werden soll. So sind die persönlichen Planeten meist die einzigen, die die Anliegen einer Person in einer Stundenfrage beschreiben, und oft die einzigen, die einer Person in ihrem Handeln, Denken oder ihrer Situation signifikant entsprechen.

Man kann manchmal finden, dass die äusseren Planeten Pluto, Uranus und Neptun bestehende Energien verstärken, oder auch ein Thema unterstützen, das von klassischen (zB Saturn) und neuzeitlichen Herrscher (zB Uranus) gemeinsam beigetragen wird oder zuammengebracht ist.

Die Bezeichnung Dispositor bedeutet, dass ein Planet über ein Zeichen disponiert ist, in dem er natürlicher Herrscher ist. Der Ausdruck des Zeichens ist damit auch abhängig vom Stand seines Dispositors. 

Die Doppelherrschaft von Venus und Merkur wird plausibel durch deren Eigenschaft, Morgenstern oder Abendstern sein zu können, also zwei Gesichter zu haben, je nachdem wie sie zur Sonne stehen.  

Die Erhöhungen der Transsaturnier (Uranus, Pluto, Neptun) sollten zunächst als ungewiss beurteilt werden. Wobei immerhin Neptun in Krebs als gesichert gelten kann, vielleicht auch Pluto in Löwe.

Erhöhungen und besondere Zonen

Erhöhungen
In Klammern zusätzlich den besonders starken Grad für den Planeten nach Ibn Ezra (nach verschiedenen Auffassungen ist für eine Erhöhung eines Planeten relevant a) nur der Grad, auf dem der Planet stehen muss, b) ein gewisser Orbis von diesem Grad entfernt, c) das ganze Zeichen, in dem sich der Grad befindet; nach einfacher Überprüfung kann man sagen, dass in jedem Fall die Erhöhung im ganzen Zeichen wirkt):

Sonne in Widder (19°)

Mond in Stier (3°)

Venus in Fische (27°)

Mars in Steinbock (28)

Jupiter in Krebs (15°)

Saturn in Waage (21°)

Merkur in Jungfrau (15°)

Würden

Das Domizil ist das Zeichen für einen Planeten, in dem dieser seine natürlichste Eigenschaft und wesensverwante Energie findet. Hier fühlt er sich nicht nur wie zuhause, er ist zuhause. Er kann bestimmen und herrschen. Das bedeutet praktischerweise oft, dass andere Planeten, die im selben Zeichen oder Haus stehen, in ihrem Ausdruck von diesem Planeten bestimmt werden. 

Das Exil ist jeweils gegenüber dem Domizil des Planeten.
Das Exil kann man gut im Wortsinn verstehen: nämlich als Zeichen, in dem der Planet von Fremdheiten umgeben ist und dadurch auch in seiner Natur leicht abgelenkt wird; ihn verlangt es eigentlich zurück in die Heimat, nämlich seiner eigenen Wesensnatur gerecht zu werden; - der Planet kann sich selbst nicht verleugnen, aber wird vom Zeichen einem Einfluß ausgesetzt, der einer Verleugnung ähnlich ist.
Er ist gegen äußere Fremdheiten gestellt; was besonders dann akut wird, wann immer er zusätzliche Konfrontationen durch weitere Faktoren erhält (zB Aspekte); der Planet findet nicht die Kraft, sich den Konfrontationen konstruktiv zu stellen. 

Die aufgestellten Probleme werden eigentlich nur deshalb zu solchen, weil der Planet im Exil zunächst nur zu solchen Mitteln greifen kann, die seiner Wesensnatur fremd sind. Die Konfrontation wird gleichermaßen durch das "gegensätzliche Zeichen" ,in dem er sich befindet, verstärkt - so kommt ein solcher Planet oft zu einer reaktiven Art des Ausdrucks, der erheblich vom Einfluss des Zeichens auf diesen Planeten bedingt wird. Er wird abgelenkt von seinen Aufgaben.

Um einen solchen Planeten konstruktiv und sinnerfüllt zu erleben, muss man daher vermutlich die Wesensnatur des Planeten stärken, und das Zeichen gleichwohl in die Ausdrucksweise des Planeten integrieren. So kann zum Beispiel eine Venus im Widder (Exil) auch durchaus die gewisse Spontaneität, und spielerische Offenheit des Widderzeichens nutzbar für sich machen innerhalb von Beziehungen usw.. - aber in der Regel wird der Planet im Exil als Magnet für gewisse Probleme erlebt, zu denen man keine angemessene Haltung finden kann.
Das Exil wird auch manchmal mit dem Begriff Verbannung beschrieben. 
Zum Beispiel: Mars hat seine Exile im Zeichen der Waage und des Stiers. Merkur hat seine Exile in Schütze und Fische.

Das Erhöhungszeichen beschreibt eine Wesensähnlichkeit für den Planeten und hier fühlt sich der Planet nicht nur als willkommener Gast, sondern kann "in seinem Urteil und Wille verwirklicht werden".
Ein Planet ist im Fall jeweils gegenüber seiner Erhöhung. Der Fall ist nicht ganz so fremd für den Planeten wie im Exil,  aber im Grunde ähnlich zu beschreiben, wobei nicht die Eigenschaft der Fremdheit und Gegensätzlichkeit im Vordergrund steht, sondern vielmehr eine Ablenkung durch das Zeichen, das ein sehr verschiedenes Interesse ausdrückt (beim Exil ist das Interesse völlig gegensätzlich).
Zum Beispiel: Mars hat seinen Fall in Krebs, da Mars in gegenüberliegenden Steinbock erhöht ist.

Zwei Domizile und Exile

Die Zeichen Skorpion (für Mars), Wassermann (für Saturn), Fische (für Jupiter), Jungfrau (für Merkur) wurden in der klassischen Tradition jeweils als Domizil gewertet. Die zugeordneten Herrscher haben bereits andere, offensichtlichere Domizile, zB Merkur für Zwillinge, Uranus für Wassermann, oder Jupiter für Schütze. 

Die Exile liegen jeweils gegenüber den Herrschaften bzw. Domizilen, und so ist offensichtlich, dass bis auf Sonne und Mond jeder Planet je zwei Domizile hat. Damit sind auch zwei Exile gegeben. 

Weshalb Merkur in Jungfrau gemäß der klassischen Tradition sowohl sein Domizil als auch sein Erhöhungszeichen hat, ist mir allerdings unklar, kann aber darauf hindeuten, dass das Domizil Zwillinge für Merkur viel massgeblicher ist. Neuerdings neigt man dazu, Merkur auch in Wassermann als erhöht zu sehen. Er ist damit in Löwe in einem weiteren Fall. 

Es geht in den Herrscherbezügen um die Fliessrichtungen der Planeten, sie suchen sich den leichtesten Weg.

Die Domizile der persönlichen Planeten stellen daher die massgeblichste Herrschaft dar.

Die Planeten bis einschliesslich Saturn stellen den inneren Kreis der Persönlichkeit dar, sie sind der Sonne nahe liegend, und dieses Bild macht Sinn und man es sprichwörtlich nehmen. 

Da die Transsaturnier aus einem bestimmten Grunde sozusagen einen längeren Weg mit sich bringen, sucht sich das Zeichen Skorpion für seinen Ausdruck in erster Linie den Planeten Mars, und umgekehrt, sucht sich Mars seine Verwandtschaft zunächst in Skorpion. Dasselbe gilt für Wassermann, das auch über den Weg des Saturns den leichteren (dynamischeren) Ausdruck findet. 
Das ist kein Widerspruch, weil sowohl Saturn wie auch Uranus die Integrität des Selbst verfolgen, und für eine fixierende Wirkung stehen. Bei Uranus ist der fixe Aspekt eine Beharrlichkeit des Egos, ebenso wie Saturn beharrlich seine Prinzipien verfolgt. Weiterhin ist es interessant, dass in den medialen Readings von Edgar Cayce der Planet Saturn auch als "Planet der Veränderung und Reinigung" bezeichnet wird: "Es ist das, was getan worden ist, oder ungetan geblieben ist..." (Gammon; S. 58). Darauf, was getan worden ist, oder ungetan geblieben ist, folgt die Rückkehr zu diesen Taten, was esoterische Astrologen als Karma beschreiben. Vor diesen Erfahrungen können wir nicht weglaufen, da sie wie ein Magnet zu uns kommen. Wir werden mit unserer Unvollkommenheit konfrontiert, aber eigentlich mit einem Ist-Zustand unserer Selbst, solange, bis dass wir uns verändern.
Die Art der Veränderung ist bei Saturn niemals oberflächlich, sondern ist nur dann eine, wenn wirklich eine neue Form (zB des Ausdrucks oder Erlebens) aufgebaut wird, so dass ihre Existenz des Ausdrucks als Manifestation von zielgerichteter Aktion zum  sinnhaften Ausdruck aller bisherigen Bemühungen gewertet wird! Umgekehrt bedeutet jegliche Manifestation die Veränderung der Beweglichkeit, da eine Richtung beibehalten wird (Steinbock).

Bei Saturn ist eine zwingende Auseinandersetzung geschaffen, die wir auch bei Uranus in etwas anderer Form antreffen. Wir können Uranus nicht ausweichen, er sorgt für Extreme, von Hier auf Jetzt ändert sich eine Stimmung, Einfluß oder ein Zustand. Diese Stöße verursachen in uns einen fixen Punktr. Die Extreme sind nur die Oberfläche der Ausdrucksart des Uranus, genauso wie bei Saturn die Beharrlichkeit oder der Konservatismus nur die Ursachen psychologischer Wirkungen bedeutet. Uranus regt ebenso an, eine innere Balance zu entwickeln, wie es bei Saturn der Fall ist. Bei Uranus finden wir, dass wir abrupt abgelenkt werden, oder von einer Seinsebene herunter rutschen, wenn wir diese Balance nicht finden, das wollen wir nicht. Bei Saturn wollen wir verhindern, dass wir vom Leben weg gerissen werden in die Richtungslosigkeit. Daher besteht das Bedürfnis eine Balance zu entwickeln, also Integrität aufzubauen. Bei Saturn finden wir, dass es ebenso um Integrität geht. Von innen her betrachtet, haben beide Planeten also grosse Ähnlichkeiten. Übrigens wurden in alter Zeit Sonne und Mond gleichermaßen als wesensverwandt gesehen, und der Mond war nicht in der Fremde, wenn er in Löwe stand, und die Sonne nicht, wenn sie im Krebs stand.
Das Zeichen Fische, und die Planeten Neptun und Jupiter, werden plausibel in ihren Bezügen zu Fische, indem man den Idealismus betrachtet, der mit beiden Planeten verbunden sein kann. Auch Humanität und das Fliessen von (psychischen) Energien ist für beide Planeten eine gemeinsame Entsprechung.

Die Energien suchen sich die beweglichsten Planeten als Träger der Energien, und am beweglichsten sind nur die Planeten bis Saturn (im Sonnensystem von der Sonne aus gesehen). Die klassischen Herrscher sind nicht nur theoretische Konstrukte, sondern bewähren sich in der Praxis als hauptsächliche Träger der Energien.

Die Transsaturnier können als archetypische Qualität definiert werden, zu denen ein essentieller Teil der Energien durch das Zeichen in Verbindung gebracht wird. Daher verdienen die Transsaturnier Beachtung, durch eine gewisse Grundorientierung oder Grundarchetypik, die sie dem Horoskopeigner verleihen. Verfolgt man die Transsaturnier als Herrscher, ergeben sich also verwurzelte Motivationen, die die 7 Hauptplaneten allerdings an Dynamik nicht nahe kommen.  

Als Fazit lässt sich festhalten, dass die klassischen Domizile eine offensichtliche, und die neuzeitlichen Domizile eine hintergründig-archetypische Ordnung aufzeigen.

Die innere Struktur der zodiakalen Würden

Ausgehend von der Würdelehre werden die Zeichen Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze und Steinbock als "Sonnenhäuser" bezeichnet, und die Zeichen Krebs, Zwillinge, Stier, Widder, Fische und Wassermann als "Mondhäuser". (Diese Systematik entspricht übrigens nicht der Einteilung in Tag- oder Nachtplaneten; Tag- und Nachtplaneten: siehe unten).

Der Zodiak wird in zwei Teile geteilt. Nach gil Brand spiegeln die Zeichen von Löwe bis Steinbock die aktive, evolutive und sonnenhafte Bewegung wieder: "wohin gehe ich" (Selbstentwicklung und Streben nach Vergeistigung); und die Zeichen Krebs bis Wassermann in umgekehrter Bewegungsrichtung spiegeln die rezeptive, erinnernde und mondhafte Bewegung wieder: "woher komme ich?" (Inkarnation, verwebend in die diesseitige Existenz).
In traditioneller Auffassung wird die Sonne und der Mond auch als Einheit beschrieben, aus einer anderen Perspektive gleichwohl aber auch als Gegensätze.

Von Mond und Sonne aus, jeweils einmal in östliche und westliche Richtung gegangen, werden in denselben Abständen jeweils dieselben Planeten als Herrscher beschrieben. Zum Beispiel herrscht links von Krebs Merkur (in Zwillinge) und rechts von Löwe ebenso Merkur (in Jungfrau). Mars bildet dabei die Mitte bei Skorpion und Widder. 

Nach den Lehren der Gnostiker symbolisiert dieser so beschriebene Tierkreis den der Wiedergeburt und Werdung. Diese beiden Zeichen Skorpion und Widder symbolisieren innerhalb des Kreislaufes die Stationen Tod und Wiedergeburt.

Begriff der "Würde"

Der Begriff Würden bezeichnet man nicht nur des Planeten gehobene Stellung, wie diese durch des Zeichens Energiefeld verursacht wird. Die bekanntesten Würden sind Domizil und Erhöhung. Sondern auch Exile und Fälle, mit denen der tendenziell schlechte Stand beschrieben wird, den ein Planet im Zeichen hat. Eine neutrale, d.h. peregrine Stellung ist immer noch besser als ein Exil oder Fall.

Darüberhinaus gibt es noch einige weitere Würden als Stellungsmerkmale bezüglich des Zeichens, die nach klassischer Ansicht darüber entscheiden, ob ein bestimmter Planet stark oder schwach steht. Dekanate (auch Dekane genannt), Triplizitäten, Grenzen. Diese letzteren Würden sind aber nicht so bedeutend wie Domizile und Erhöhungen. Die Exile und Fälle sind eigentlich keine Würde, weil die Planeten dort eben nicht würdevoll stehen.

Alle diese Würden werden auch zodiakale Würden genannt. Es handelt sich um Zeichen und dessen besondere Bereiche - relativ zum Planeten der in diesem Bereich steht. 

Im allgemeinen hat es sich aber eingebürgert, die Exile und Fälle mit dem Begriff Würde gleichzusetezn. Ein Begriff, der im speziellen aber nur den gehobenen Stand der Planeten beschreibt. 

Ich selbst benutze aus praktischen Gründen den Begriff der Würde ausschliesslich bezogen auf Domizil, Exil. Umgangssprachlich betrachte ich auch Erhöhung und Fall eines Planeten als eine Würde, um die Sache nicht zu verkomplizieren. Allerdings ist es zweckdienlicher,  wenn man Domizil oder Exil beim Namen nennt, und mit Würde nur den potentiell höheren Stand eines Planeten bezeichnet. Jeder weiss was gemeint ist, sobald das Wort Exil oder Fall und damit die Beurteilung "schwacher Stand" auftritt.

Den ureigentlichen Begriff Würde (als hohen Stand) als besonders geeignete und entsprechende Zonen für einen Planeten zu definieren, oder den Begriff nur auf einige wenige speziell deutliche Bereiche anwendet... - das ist noch nicht klassisch.

Wie man es auch versteht - es ist mitunter der eigenen Methode geschuldet von Anpassungen an die astrologische Symbolsprache. Zunächst entscheidet über die Richtung die Auswahl von Zeichenhaftigkeit (Symbol, Energie, Prinzip, Kraft, Eigenschaft, Zusammenhang, Kombination, Form, Gestalt, Archetyp usw.). Innerhalb der zur Verfügung stehenden astrologischen Anordnung ist die Auswahl zwar begrenzt, aber bis zu dieser Grenze des Vertretbaren frei zu wählen. Vertretbar ist, was einem genügenden Kriterium entspricht. Wahr oder unwahr: Da ist es so, dass der Begriff Klassisch wahrhaftig nur einen Bezug auf eine Stilform (Form) aufweist, deren Inhalte andauernd rezipiert werden. Die Inhalte können nicht mehr zum Leben erweckt werden, jeder Rückgriff aus heutiger Zeit wird immer ein Moderner bleiben. Sprich: Die Sache wird einfacher, sobald man beginnt die Zeichenhaftigkeit der zwölf Zeichen, in denen ein Planet stehen kann, aufzutrennen in 1. Symbol und 2. Wirkung des Umfeldes (Zeichen) für einen Planeten. Das Symbol ist das Ursächliche, es liegt im Zeichen. Die Wirkung ist das in Erscheinung tretende, das Gewirkte, Leben, Form, Wirklichkeit, Reusltat. Das Resultat oder Gewirkte  sollte entsprechend seinen Zielen (Planet, Funktion) unterstützt werden . Das Gewirkte oder Resultat ist ureigentliches Selbstverwirklichen, Erfahrung, Werden (Sonne und eigentlicher Sinn des ganzen Unterfangens): die klassischen Astrologen sahen das Gewirkte mehr auf das Schicksal bezogen, die modernen sehen es auf das Psychologische bezogen.

Die Unterstützung erhält der Planet durch das Zeichen, den Nährboden, den Boden, das Umfeld , in dem er steht und auch aufgeht.  

Die Würde als hoher Stand ist ersichtlich durch 1) Domizile und 2) Erhöhungen. Weitere hohe Stände (Würden) können entstanden sein durch  die 3) Triplizität, die 4) Stellung im Dekanat (Gesichter) des jeweiligen Zeichens, 5) wenn ein Planet in für ihn geeigneten Grenzen (Abschnitten) eines Zeichens  steht. 

Domizil, Erhöhung, Exil, Fall, Triplizität, Dekanat: das sind zodiakale Würden. Sie werden auch als essenzielle Würden bezeichnet.  

Es gibt aber auch akzidentelle Würden:
- Bewegungsrichtung muss direktläufig sein (Rückläufigkeit bedeutet eine Schwächung);
- Hausstellung (6., 8., und 12. Haus sind ungünstig; dann fallende Häuser; und etwas noch das 7. Haus bei einigen Planeten wie Mars, Saturn; als ein Haus der konkreten Begegnung kann ein Planet im 7. Haus zu einem Stolperstein für die Interaktion mit der Welt werden, wo ansonsten Offenheit und Harmonie hilfreich ist);
- vor allem Aspekte; besonders ungünstig wenn ein Planet keine Aspekte innerhalb des Zeichens bildet bzw. keine erhalten wird (applikative). 

Die akzidentellen Würden  können oft erst entscheiden, welche grosse Schwächung aus einem Exil oder Fall resultieren wird. Diese Schwächung von Exil oder Fall ist potentielll nicht so erheblich wie die Stellung in einem würdevollem Zeichen, da eine von zwei Energien zusammen kommen können, die sich gegenseitig in einem grösserem Maß stärken können (synergetischer Effekt), als wie sich zwei Kräfte schwächen können. Das Exil oder Fall besagt meist einfach den besonderen Umstand, dass Selbsterkenntnis wichtig wird. Alles Weitere kann sich sowohl zum Guten als auch zum Schlechten entwickeln, abhängig von der Kenntnis dieses Gefahr des Abdriftens in das Unbewusste, bei einem Planeten im Exil oder Fall.

Endgrad 

Ein Planet auf einem Endgrad kann unter Umständen schwach wie gut stehen. Es kommt meist auf die Umstände an, wie weit er an der Zeichengrenze steht, was seine Würde angeht, und was den Bezug zu seinem Dispositor angeht. 

Es kommt bei jedem Planeten in der Würde oder in Exil und Fall steht, erheblich darauf an, wie gut sein Dispositor steht, und ob er oder der Dispositor einen ( oder mehreren) günstigen Aspekt innerhalb eines gültigen Orbis bildet. 

Diese Anschauung ist meines Wissens nicht original in der klassischen Literatur überliefert; und muss noch weiter geprüft werden, scheint sich aber zu bestätigen.
Andererseits scheint es so zu sein , dass ein Planet auf einem Endgrad keine besondere Kraft mehr durch das Zeichen erhält, in dem er steht. Er verliert die Verankerung, aber für den Umgang mit den Kräften und Potentialen kann das sehr vorteilhaft sein.

Da wäre dann schliesslich die Frage, ob auch der Dispositor noch darüber entscheiden kann, ob der Endgrad für einen Planeten auf dem Endgrad wichtig wird.

Es handelt sich beim Endgrad jedenfalls um eine leichte Besonderheit, die zumindest überragende Geltung zu haben scheint für Geburtshoroskope.
Vielleicht hat ein Endgrad auch leicht plutonischen, jovialen oder uranischen Charakter, da der Horoskopeigner sich mit dem Planeten und seinem Thema meist sehr intensiv auseinandersetzt und Höhen wie Tiefen (=Lebenserfahrung) mit diesem verbinden wird - was natürlich sowohl in die Richtung der Manifestation nach aussen als wie nach innen gilt. 

Der Herrscherbezug taucht dagegen in der klassischen Literatur freilich sehr bedeutsam auf:
Beispiel: rückläufiger Mars auf 29° Zwillinge im 11. Haus (neutrale bis gute Hausstellung), und Merkur steht in 3° Konjunktion mit der Sonne (=verbrannt) im 4. Haus und in Schütze (Exil des Merkurs und gleichzeitig Opposition zu Mars, wenn auch nur vom Zeichen her).
Mars steht in diesem Beispiel sehr schlecht und die starke Stellung des Merkurs in einem Eckhaus gilt nur als leichte Abmilderung. Mit genügend Lebenserfahrung und der Einsicht, was wirklich zählt (auch durch Endgrad verursacht), gelingt es aber zuweilen, das Potential des Mars zu erfüllen. Weiteres zu der Besonderheit des Endgrades habe ich an anderer Stelle noch beschrieben. Vielleicht steht Jupiter in diesem Radix gut, dann kann ein verwirklichter Merkur helfen, auch dem Mars im Zwillinge zur Geltung zu bringen, da Merkur durch seinen Dispositor Jupiter (Merkur in Schütze) eine Stütze erfahren könnte, und Mars dann auf Umwegen ebenso begünstigt werden wird.

Andererseits ist es gerade der Merkur, der die Richtung des Mars in Zwillinge bestimmen kann, und daher die gegebenen Probleme des Mars auch immer von Merkur abhängen werden. Also benötigt der Merkur ein Aufgabengebiet, in dem sich auch der Mars in seiner Aufgabe und Natur und mit einer Zielvorstellung verwirklichen kann.

Der Endgrad ist nicht mit dem nächsten Zeichen verbunden. Die klassische Literatur ist hier zwar eher unklar, doch kann man den Angaben entnehmen, dass der Endgrad noch auf dem Boden des Zeichens steht, er nur keine Kraft mehr vom Zeichen erhält.
Während der Planet aber noch vom Zeichen des Endgrades gespeist wird, schwingt das nächste Zeichen ab 15-30 Bogenminuten vor der Zeichengrenze leicht herüber, was man vielleicht mit der Wirkung eines Aspektes vergleichen kann. Der Grad am Ende eines Zeichens brandet vor die Barriere gegensätzlicher Energie. Im ersten Grad (ab 0°01; 0°00 ist gleich 30°00'!)  ist die Energie pur, wenn auch jungfräulich, frisch, zuweilen gefangen in sich selbst bis etwa 0°30' - aber das vorherige Zeichen ist jetzt nicht mehr enthalten, allenfalls in der Archetypik des jeweiligen Abschnittes (individuelle Natur des ersten Dekanat bzw. erstes Drittel des Zeichens).

Peregrinität

Peregrin steht ein Planet, wenn er weder in seiner Würde (Domizil, Erhöhung) noch Exil oder Fall steht, und auch nicht in seiner Triplizität. Dann ist der Planet dem Wortsinn (peregrin=): auf fremden Boden. Dies suggeriert eine Stellung ähnlich Exil oder Fall. Aber ein Planet, der peregrin steht, ist gewissermaßen nur auf Reisen, und nicht unbedingt in einem schlechten Ort zu Gast. 

Man versteht die Peregrinität, wenn man sich radikal vorstellt,  dass grundsätzlich jedes Zeichen einen Planeten belästigt und die Belästigung dann ertäglich wird, wenn der Planet in Würden (Domizil, Erhöhung oder Triplizität) steht. Eine Rezeption kann nach klassischer Auffassung solche Planeten im Exil oder Fall, ebenso wie in der Peregrinität, aber wieder bedeutend stärken.

Domizil und Erhöhung

In erster Linie kann sich dieser Planet natürlich und besonders leicht entfalten, und er ist aufgrund seiner Würde oft einer der massgeblichsten Gestaltungskräfte im Horoskop und Leben, umso mehr, desto stärker er auch in Haus und Aspekt steht.

Ein Planet im Zeichen seines Domizils oder im Zeichen seiner Erhöhung kann wegen durch das Zeichen erhaltenen Energie und daraus resultierenden Stärke durchaus Probleme bereiten (Einseitigkeit durch die hervorgehobene Stellung). Er schluckt und bündelt regelrecht die Energien (auch solche, die ihn durch Aspekte erreichen), wie eine kleine Sonne im Radix.
Das sind Probleme welche durch einen schlechten Stand im Haus oder zusätzlichen Aspekt zu einem anderen Planeten massgeblich angezeigt und konkretisiert sein können. 

Besonders erheblich wird es, wenn ein Planet (im Domizil oder Erhöhung) im Aspekt mit einem anderen Planeten steht, der im Fall oder Exil ist. In alle diesen Fällen muss man einen solchen Planeten im Domizil oder Erhöhung mit dem übrigen Horoskop harmonisieren, weil die zusätzliche Schwierigkeit des Exilplaneten ihn noch weiter überhöhen mag und aus dem übrigen Verbund bringen kann. 

Oft ist es aber auch so, dass dieser Planet nach Beachtung verlangt, und man findet wie von selbst einen Kanal für diesen Planeten, ansonsten muss man einen Kanal finden (besonders wenn er einen Exilplaneten oder Fallplaneten aspektiert), um die hervorragenden Möglichkeiten zu nutzen; gelingt das, kommt das Gefühl zustande, im Leben angekommen zu sein.

Viele Planeten im Domizil oder in der Erhöhung können ein starkes Radix bedeuten, und in gewisser Weise fehlende Aspekte kompensieren. Solche Planeten vermitteln dem Horoskopeigner eine ähnliche Kraft, die er ansonsten durch Aspekte erhalten würde.

Exil und Fall

Exil und Fälle zeigen grundsätzliche Schwierigkeiten im Umgang mit den jeweiligen Erfahrungen an, die mit dem beteiligten Planetenprinzip verbunden sind. Die bestimmte Art des jeweiligen Zeichens offenbart die Auswirkung, doch die Ursache liegt im schlechten Stand des Planeten, und der Horoskopeigner kommt sich damit vor wie in einem fremden land, er versteht die Zeichen und Erfahrungen zunächst oft als Bedrohung oder kommt zu falschen Entscheidungen bzw. Haltungen. Eben, weil er sich nicht hinsichtlich den Erfahrungen, die mit dem Planeten verbunden sind, nicht so gut orientieren kann. Als fehlte ihm der verlässliche Halt, sich über die Erfahrungen und damit verbundenen Auswirkungen sicher zu sein (in der Frage was die Erfahrungen bedeuten oder was man aus ihnen entnehmen kann; als wäre die verwendete Sprache undeutlich und als könne dieselbe Erfahrung aber von jemand anderen ohne Probleme gemeistert werden) . Dass jemand mit einem Planeten im Exil oder Fall tiefe Erfahrungen machen kann, ist sicher. Man neigt nur oft dazu, sich nicht näher mit dem zu befassen, was diese Planetenstände mit sich bringen. So besteht auch die  Gefahr, dass man gerade bei diesen Planeten im Exil oder Fall zwar sehr beschäftigt  sein kann, aber nicht deren Auswirkungen zu kontrollieren weiss. Als würde man einfach sich dem Geschehen überlassen.
Es fehlt prinzipiell auch eine gewisse Grundbewusstheit oder Distanz gegenüber solchen Planeten, und man hält deren problematische Auswirkungen irgendwo für selbstverständlich. Das heisst, man muss sich gerade bei Exilen oder Fällen bewusst machen, was man mit diesen Planeten tut, und ob man es nicht auch anders, besser tun könnte. Hier gilt: Von nichts kommt nichts. Man muss eine bewusste Anstrengung auf sich nehmen, um den wackligen Stand auszugleichen. Vorteilhaft erwächst daraus natürlich auch ein gewisser Schneid, dem man dem Leben abgewinnen kann (der sonstigen Schwäche von Planeten in Exilen oder Fällen steht bei konstruktiver Begegnung mit den damit verbundenen Herausforderungen das Positive gegenüber; wie es auch Resultat ist, wann immer man aus seinen eigenen Schwächen die Stärken zieht: die  persönliche Kraft, Ausstrahlung von Stärke, Gereiftheit) .

Die Wirkung des Exils ist leicht negativer als die Wirkung des Falls, und die Wirkung des Domizils ist stärker als die der Erhöhung. Und das Domizil ist in seiner Wirkung hinsichtlich der aufgebrachten Energien, sehr viel stärker als die Minderung von Kräften eines evtl. Exils oder Falls - wenn man beides im Verhältnis zueinander vergleicht.

Ein Planet im Fall oder im Exil hat nicht weniger Wirkung, sondern zeigt sich nach klassischer Auffassung oft in seinen schlechtesten Eigenschaften bzw. die des Zeichens.  

Bei solchen Planeten in Exil o. Fall, ist eine Achtsamkeit des Horoskopinhabers gefragt, damit die Planeten nicht "abrutschen" in ihre negative Rolle. Schlimm sind solche Plätze besonders für Menschen, die ihr Schicksal dem Lauf der Dinge überlassen wollen und keinerlei Selbsterkenntnis anstreben. Mit Selbsterkenntnis ist eigentlich nichts anderes verbunden, als sich zu kennen, gewöhnlich aber kennt man sich nur in jenen Bedürfnissen, mit denen das Leben besser und leichter zu geniessen ist, und dazu gehören meist die Wege des geringsten Widerstandes. Man lässt sich gehen, weil der Planet dem Druck des Zeichens ausgeliefert ist und man noch keine genügende Leistung aufbringt, um den Planeten mit anderen Mitteln zu stärken, da ihm schon die geringfügige Stärkung durch ein neutrales Zeichen fehlt.
Die nötige Achtsamkeit bringt mit sich, dass man einen "Griff" ansetzen muss, den man sonst nicht hätte ansetzen müssen. Dies ist eine einfachste Lebenserfahrung, es ist tatsächlich ein Stück Reife, das man durch das Exil oder den Fall eines Planeten gewinnen kann. Oft ist eine gewisse und zeitweise Distanz zu inneren Regungen oder Reaktionen hilfreich. Man kann so ein Exil oder Fall durchaus mit einem "imaginären Selbstquadrat" oder einer "Selbstopposition" vergleichen, als würde dieser Planet sich selbst behindern, was natürlich durch das Zeichen massgeblich verursacht ist; es ist so, dass zwei wenig zueinander passende Energien (des Zeichens und des Planets) zusammen kommen.

In der Praxis erweist es sich jedoch, dass die Exile und Fälle nicht immer die schlechteste Wirkung offenbaren. Es hängt nämlich davon ab, wie weitere Faktoren stehen oder hinzukommen.
Allgemein wirken ungünstige Aspekte, die der Planet im Exil oder Fall erhält, erst als Katalysator für die Probleme, die man mit einem solchen Planeten haben kann. Erhält der Planet keine oder aber günstige Aspekte, verursacht der Planet meist auch keine Probleme, es sei denn er steht in einem fallenden Haus oder (manchmal) im 8. Haus. 

Auch Herrscherbezüge bzw. Dispositoren sind ausserordentlich wichtig, um zu entscheiden, wie ein Planet im Exil oder Fall wirklich steht. Der Herrscher des Krebs, der Mond, kann in seiner Stellung im Zeichen und Haus zeigen, wie schlecht Mars im Krebs wirklich steht. Der Herrscher des jeweiligen Zeichens ist wahrscheinlich noch wichtiger als ungünstige Aspekte, die ein solcher Planet im Exil oder Fall erhält. Die Zeichen bilden immer die Grundlage der Planeten, auch über Herrscherbezüge bzw. Dispositoren. Ich glaube, dass es vor allem darauf ankommt, ob das Zeichen des Dispositors für den betreffenden Planeten günstig ist. Wenn Mars in Krebs steht und sein Dispositor Mond in Stier, ist das vielleicht wegen der Erhöhung des Mondes ein ausgleichender Faktor (Ausgeglichenheit) - was sich auch in Bezug zu Mars zeigen kann; aber das Stierzeichen als Dispositor kann andererseits fehlende Initiativkraft mit sich bringen, denn hier steht Mars im Exil. Steht der Mond aber in Widder, erhält der Mars einen für ihn viel günstigeren Rückraum.

Zu beachten ist, dass auch sehr weite Konjunktionen, die aber innerhalb des Zeichens stattfinden, auf diese Weise einen leichten Aspekt bilden können, selbst wenn der Orbis theoretisch bis zu 29° gross wäre, ungeachtet ob es ein separative oder appplikative Konjunktion ist. Das Zeichen verbindet darin stehende Planeten immer miteinander, wenn auch nicht so deutlich wie bein einer vom Orbis her genauen Konjunktion. Umso genauer eine Konjunktion, desto zugespitzter kann eine Konjunktion wirken und desto mehr Kraft wird konkret gebündelt. Wenn Saturn oder Mars also innerhalb desselben Zeichens eines Planeten im Exil oder Fall stehen, kann der Planet im Exil oder Fall auch umso leichter Probleme kriegen. Viel mehr, als wie dass bei anderen Aspektverbindungen zu Mars oder Saturn der Fall wäre.

Wie wirkt Exil und Fall?

Auch in einem Domizil kann ein Planet Schwierigkeiten verursachen, weil er so viel Unterstützung erhält, dass er das ganze Radix dominieren mag. Er wird allerdings im Exil nicht die Dynamik entfalten können, die er in für ihn günstigen Zeichen entwickeln kann, sondern immer etwas von Interessen oder Antrieben abgelenkt, die den Horoskopeigner letztendlich behindern können, um den Planeten bezüglich seiner Funktion rein und authentisch in den positivsten Eigenschaften des Zeichens auszudrücken. Es ist geradezu ein etwas längerer Weg, die Qualitäten des Zeichens über diesen Planeten positiv auszudrücken.

Ein Planet im Exil oder Fall steht nicht viel schlechter, was seine Präsenz und Kraft anbelangt, als wie in einem neutralen Zeichen. Aber er verhält sich so, als ob er geradezu in Opposition zur Energie des Zeichens stünde. 

Üblicherweise wird zu viel darum gegeben, dass man die Wirkung des Planeten im Exil oder Fall aus dem Gegensatz zum Domizilzeichen oder Erhöhungszeichen zu erklären versucht - was meiner Meinung ein etwas trügerischer Weg ist, da es offensichtlich um die Wirkung von Energien geht und die Dynamik des Oppositionsaspektes erklärt sich ja auch nur wenig aus dem Gegensatz der Konjunktion (als würde man die Opposition erklären, indem man die Konjunktion heranzieht und die Opposition als Gegensatz der Konjunktion betrachtet; das mag einige stimmige Aussagen erlauben, aber im Kern an der Realität der faktischen Wirkung vorbeizielen). Es sind einfach zwei verschiedene Dinge, wenn man die Planeten im Exil oder im Domizil betrachtet. Nur in der astrologischen Anordnung erkennt man diesen deutlichen Gegensatz und die Würden lassen sich theoretisch auch durch diese Anordnung plausibel machen. 

Man sollte jedenfalls Exil und Domizil jeweils aus einer eigenen Perspektive betrachten. Ein Exil ist letztendlich (d.h. praktisch) nicht zu verstehen, indem man es als Gegensatz des Domizils auffasst. Die Wirkung von Domizilen lässt sich in der Erfahrung schnell überprüfen. Die von Exilen und Fällen jedoch nicht so leicht. Denn es handelt sich um eine ganz andere Ebene, als wie die leicht zu erkennenden Domizile und Erhöhungen, die durch eine in eine Richtung strebende Energiekombination  verursacht wird. 

Diese Energien können füreinander arbeiten oder gegeneinander. Arbeiten sie gegeneinander, ist das  eine ganz anders geartete Dynamik, als wenn sie füreinander arbeiten. Keine Energie geht verloren. So kann ein Planet im Exil nicht einfach schlechter stehen, als hätte er nun weniger Energie. Aber ein solcher Planet im Exil wird auf der Ebene seiner Natur gezwungen sich auf eine Energie einzulassen, die ihm  - in seiner Natur - einfach keine Unterstützung bietet, und in manchen Fällen macht es das Zeichen schwerer, die Energie des Planeten so einzusetzen, wie es der Planet in seiner Natur verlangt. Meist wird er entschieden in eine Richtung der Ausdrucksweise der Kombination gedrängt. Die Wirkung ist bei jedem Planeten in seinem Exil anders, aufgrund der jeweiligen Natur und der Eigenschaften des Planeten und Zeichens. Und es mag auch eine Rolle spielen, wie das übrige Radix und Dispositoren mitwirken, die Auswahl der Ausdrucksart (Form, Gestalt) festzulegen.

Bei einem Domizil erkennt man schon deutlich, dass der Planet sich ungezwungen und klar präsentieren kann.

Meist wird ein Planet im Exil von Interessen abgelenkt, die ihm nichts angehen und ihn nur ablenken. Er kommt dann leicht zu den schwächsten Ausdrucksweisen des Planeten, also negativen Entsprechungen. Ein Mars in Krebs könnte von Zeit zu Zeit launische Gemütsregungen verursachen, die dann die Durchsetzungskraft leicht zur Wahrnehmung von Widerständen bringt, weil man immer wieder ein Bedürfnis verfolgt, und das kleinere Übel wählt,  infolgedessen auch Hemmung entstehen könnte. Aber was den puren Einsatz der Marskraft anbelangt, dazu kann auch das Zeichen Krebs beflügeln. Kein Mensch mit einem Planeten im Exil oder Fall muss auf die Stärke des Planeten verzichten, im Gegenteil, der Planet kann auch sehr kraftvoll in Erscheinung kommen, selbst wenn er im Exil oder Fall steht!

Es geht einerseits um Energien, und ähnliche Energien bilden zusammengebracht in der Potenzierung viel mehr an Wirkung, als wenn Energien gegeneinander arbeiten. Im Vergleich mit neutralen Energien, die sich wenig zu sagen haben, sind die Energien, die gegeneinander arbeiten und sich überhaupt nichts zu sagen haben (eigentlich sich in die Quere kommen), auch nicht bedeutend schlechter dran; nur im Vergleich mit dem Domizil wird deutlich, dass ein Domizil die Energien leicht "potenzieren" kann (bringt man zwei Energien zusammen, die füreinander arbeiten, ist die energetische Endwirkung unvergleichlich größer, als würde man zwei Energien bloß addieren, wenn die zusammengebrachten Energien verhältnislos nebeneinanderstehen, weil sie nichts gemeinsames haben, das sie ergänzen würde). Allerdings stimmt es nun auch kaum, dass bei einem Planet in einem Exil-Zeichen, die beiden Energien sich nichts zu sagen haben, im Gegenteil, nur findet der Planet es nicht so toll, was er da gesagt bekommt - er wird abgelenkt.

Andererseits geht es um die Art des Ausdrucks und im Exil zeigt der Planet sich oft in seinen schlechtesten Eigenschaften, was aber auch bedeutet, dass der Horoskopeigner hier einen Erfahrungsgewinn erhält, weil er sich in besonderer Weise mit solchen Planeten auseinandersetzen muss. Gelingt es ihm, den Umgang in die richtige Richtung zu führen, hat er damit logischerweise eine Anstrengung vollbracht, also in gewisser Weise ein Leistungsvermögen aufgebracht, das ihm grundsätzlich immer wieder zugute kommen kann. 

Man darf nicht vergessen, dass jedes Zeichen niemals einen Planeten in seiner Natur vollkommen bestätigt, da Zeichen und Planeten schon ganz verschiedene Angelegenheiten sind. Selbst ein Mars in seinem Domizil Widder wird von der Archaik des Widderprinzips beeindruckt und so auch irgendwo belästigt (jedes Zeichen belästigt in gewisser Weise den Planeten). Der Planet könnte theoretisch nur in reinster Weise wirken, wenn es keine Zeichen gäbe, in denen dieser stehen muss. Aber im Domizil und Erhöhung findet der Planet seine wesensverwandteste Kraft, verglichen mit allen anderen Zeichen.

Man kann diese Zusammenhänge zwischen Zeichen und Planeten auch umgekehrt aus einer besonderen Perspektive betrachten, und in den Zeichen stets die neutrale Instanz erkennen (sozusagen als Urqualität), die nur gefärbt durch Planeten und Häuser vermittelt wird.
Das heisst, das Zeichen Waage kann nur vermittelt wahrgenommen werden, indem es im 6. oder einem anderen Haus, oder in dem Merkur oder ein anderer Planet in Waage steht, und natürlich über den Herrscher der Waage (=Venus), und geringfügiger über Saturn (Erhöhung in der Waage) oder ähnliche Zusammenhänge, in denen das Prinzip, das in Waage verteilt ist, zum Ausdruck kommt. Das Prinzip selbst ist noch schwieriger zu entdecken. Denn was man systematisch erhält, hängt von der Ebene ab, auf der man die Zeichenebene betrachtet, um zu dieser (unfassbaren) Ebene hinzugelangen.

Man kann einen Planeten im Exil beikommen, ihn also positiv verwirklichen, wenn man ihm Achtsamkeit zollt, und die Richtung seines Ausdrucks durch das Zeichen bestimmt, in dem er steht - ungeachtet wie fremd das Zeichen für ihn ist. Denn das Zeichen bietet ihm die einzigen Mittel, die er zur Verfügung hat. So gesehen geht es um eine Art Anstrengung, eine Brücke zwischen Planet und Zeichen zu bilden, dem Planeten Bodenhaftung im Zeichen zu vermitteln. Im Grunde wird das dadurch geschehen, wenn wir den Planeten angemessen ausdrücken oder verwirklichen können. Unangemessen wird es, wenn das Zeichen ihn ablenkt von seiner Wesensnatur und kein Ansatzpunkt für die wichtige Harmonie geschaffen ist.
Letztlich kann jeder Faktor sich mit jedem anderen harmonisch verbinden und eine harmonische Synthese ergeben, nur die Wege und Mühen sind unterschiedlich! 

Die Domizile und Erhöhungen bilden für mich deutlich wahrnehmbare Bedingungen. Aber auch hier finden wir oft den Fall, dass ein Mond in Krebs eben auch sehr sehr empfindlich machen kann und es ist also nicht immer die Stellung eines Planeten im Domizil eine für den Horoskopeigner unbedingt günstige Stellung, sondern wir stellen fest, dass es allein um die Wirkung des Planeten geht.

Bei Exil und Fall geht es mehr um zusätzliche Einflüsse, die den Planeten ablenken und belästigen, aufgrund der er sich nicht wie in anderen Zeichen der Mittel bedienen kann, die ihm durch das Zeichen gegeben werden. Und bei Erhöhungen und sonstigen Würden ist der Ausdruck einfach ungezwungener, und infolge der Unterstützung durch das Zeichen kann der Planet auch besser aufstrahlen und sich zeigen. Nur aufgrund der Strahlkraft sind wir geneigt, diese Stellungen als positiv zu betrachten, also als günstig, denn wir können mit diesem Planeten viel leichter umgehen. Im Exil und Fall denke ich, handelt es sich sehr hintergründig um zusätzliche Impulse, die den Planeten einfach in den "Schatten seiner selbst" stellen können. Aber der beobachtbare Ausdruck dieser Planeten, also die Präsenz, mag im Vergleich mit neutralen Zeichen nicht anders sein.
Der Ausdruck eines Planeten im Domizil ist schon sehr bedeutend und man wird diesen Planeten immer als einen der wichtigsten im gesamten Radix erkennen können. Ein Planet im Exil ist aber nur durch weitere Faktoren bedeutend schlecht, und fehlen zusätzliche erschwerte Bedingungen: dann eben doch noch eher neutral. Steht zB ein Mars in Krebs, kann es auch erheblich davon abhängen, in welchem Zeichen der Mond (als Herrscher des Krebses) steht und in einem erweitertem Bezug auch in welchem Zeichen die Sonne steht (da die Sonne und der Mars eh schon einen Zusammenhang hinsichtlich des Handelns und der Handlungsabsichten bilden oder aus klassischer Sicht als Freunde gelten). Diese letzten Besonderheiten sind für mich viel entscheidender, als wie die isolierte Betrachtung von Exilen und Fällen. Exile und Fälle kann man im Radix nicht isoliert analysieren!

Planeten in Rezeption (einfache, gemischte und gegenseitige Rezeption) 

Es handelt sich um zwei Planeten, beide sind jeweils in dem Domizil des anderen Planeten. Planeten, die auf diese Weise miteinander verbunden sind, wirken jeweils in einem Verhältnis zu dieser Rezeption. Es kommt auf die beteiligten und in Rezeption verbundenen Zeichen und Planeten insgesamt an, um zu entscheiden, wie ein Planet wirkt, der in Rezeption steht.

Das Resultat der gegenseitigen Rezepttion ist eine aspektähnliche, hintergründige Verbindung. Die Zeichen und Planeten können sich gegenseitig bedrängen oder voranbringen, es bedeutet einen Kreislauf der Energien. Diese Verbindung bedeutet eine gegenseitige Verstärkung durch die beteiligten Planetenkräfte, und kann sowohl Macht als auch Blockierung mit sich bringen (wenn einer der Planeten zB einen Transit erhält, wird der andere dadurch ebenso beeinflusst).

Beispiel: Saturn in Löwe und Sonne in Steinbock. Dies ist eine Rezeption, sie wird durch die Domizile eines Planeten bestimmt (Herrscher des Zeichens Löwe ist die Sonne, und die Sonne steht in Steinbock, und das Zeichen Steinbock wird von Saturn regiert; - beide Planeten stehen jeweils in dem Domizil des anderen Planeten).

Beide Planeten werden im Radix miteinander über die Zeichenebene verbunden. Die Zeichenebene steht für die Fliessrichtung der Energien und die eventuelle Verbindung von Planeten über die Zeichenebene (Rezeption) wird durch die Herrscher angezeigt. Dabei können die Planeten auch als  Erhöhungsplaneten verbunden werden, was aber etwas schwächer ist. Die Planeten selbst können überdies auch in einem für sie ungünstigen Zeichen stehen: Mond in Steinbock und Saturn in Krebs zB.
Die Rezeption ist stets machtvoll, aber es muss nicht heissen, dass die Rezeption immer eine besonders leicht zugängliche Kraft darstellt, besonders wenn die Planeten in Fall oder Exil stehen.

Einer der beiden Planeten kann bestimmend auf die Rezeption einwirken, und das tut der Planet, der im Zeichen oder den akzidentellen Würden besser steht. Hat einer der beiden Planeten mehrere Aufgaben, zum Beispiel weil er noch Herrscher des Aszendenten-Zeichens und/oder Sonnenzeichens ist, und steht selbst gleichzeitig schlecht (!), dann verstärkt das die Probleme des Planeten und meist ist dann der andere Planet, zu dem er in Rezeption steht, bestimmender. Steht ein solcher Planet, der viele Aufgaben zugeteilt bekommt, aber gut, wird er meist bestimmender sein, da er die grössere strukturelle Bedeutung hat (als Dispositor wichtiger Faktoren).

Gelegentlich wird eine Rezeption auch gegenseitige Rezeption genannt, um verschiedene Arten von Rezeptionen voneinander abzugrenzen, in denen zum Teil auch Aspekte eine bedeutende Rolle einnehmen. Nach gil Brand benutzt man das Wort Rezeption allgemein dann, um "das Empfangen einer Wirkung durch einen anderen Planeten" zu beschreiben. 

Engere Definitionen beschreiben die Rezeption nur dann gegeben, "wenn ein Planet in die Würden eines höheren [also langsameren] Planeten gelangt und ihn dabei aspektiert". Nur durch einen solchen Aspekt auf seinen Dispositor wird die Rezeption also wirksam. Man bezeichnet solche Rezeptionen als "einfache Rezeptionen". Die Rezeption wird noch verstärkt, wenn die beiden Planeten ähnlicher (freundschaftlicher) Natur zueinander sind. Dadurch erhält der schnellere Planet, der durch den langsameren disponiert wird, eine deutliche Aufwertung seiner Stellung. Beispiel: Mars in Fische steht im Aspekt zu Jupiter. Stünde Mars in Stier in Aspekt zu Jupiter, stünde der Mars nicht in einer Würde des Jupiter und es käme keine Rezeption zustande. Und steht Mars in Fische nicht in einem vom Orbis her gültigen Aspekt zu Jupiter, ist es - gemäß klassischer Auffassung - auch keine "einfache Rezeption".

Manche mittelalterlichen Astrologen sahen eine solche einfache Rezeption auch dann gegeben, wenn der langsamere Planet in den Würden des schnelleren steht (Beispiel: Mars in Zwillinge in Aspekt zu Merkur in Löwe). Es ist offensichtlich beides tatsächlich wirksam, doch wird es einen Unterschied der Stärke geben. Die Stärke hierbei erklärt sich daraus, dass die langsameren und damit ranghöheren Planeten ihre Herrschaft stets an die schnelleren Planeten übermitteln, was sich besonders bei Aspekten regelmässig beobachten lässt. Der langsamere Planet ist immer über den schnelleren bestimmender.  

Diese einfache Rezeption, die an verstärkende Bedingungen geknüpft ist (Verbindung durch Aspekt), wird zur gegenseitigen Rezeption, wenn auch der schnellere Planet in einer Würde des langsameren Planeten steht. Dann sind Aspekte nicht mehr erforderlich.
Gewöhnlich berücksichtigt man nur noch letztere Rezeption, die gegenseitige Rezeption, und man bezeichnet oft mit dem alleinigen Gebrauch des Begriffs Rezeption auch nur noch letzteres. Es gibt auch eine gemischte Rezeption, wenn ein Planet im Domizil des anderen steht, und der andere in seinem Erhöhungszeichen oder auch im Zeichen der Triplizität. Wenn eine Rezeption gefunden werden will, muss ein Planet im Zeichen der Erhöhung oder des Domizils des anderen Planeten stehen. Weitere Autoren beachten auch Rezeptionen mit Beteiligung der Grenzen.

Es kann einen feindlichen Einfluss geben. Beispiel: Merkur in Steinbock und Saturn in Fische. Dadurch erhält der Merkur einen feindlichen Einfluss, von Saturn übermittelt, da Fische das Exil des Merkurs ist. Wenn der Dispositor, hier Saturn, von der Sonne verbrannt ist oder rückläufig ist, sei die Rezeption dadurch - nach klassischer Auffassung - ebenso verhindert (nach moderner Auffassung würde man es differenzierter betrachten und von "erheblich geschwächt" reden; es kann sein, dass je nach beteiligten Planeten in der Rezeption und weiteren Umständen, dann eine solche verhindert ist, aber das muss nicht immer so sein) .
Letztlich kann man zur Aussage kommen, dass nur die stärksten und günstigsten Verhältnisse der Energien eine Rezeption ermöglichen, und eine gegenseitige Rezeption ist die stärkste und kennt kaum Einschränkungen. Man kann vielleicht sagen, dass ein genaues Quadrat zwischen Sonne in Widder und Mars in Steinbock eine gegenseitige Rezeption in der Auseinandersetzung mit dem Leben mit einer zusätzlichen Spannung versorgt, wahrscheinlich auch die Rezeption an sich mit Spannung versorgt und damit grundsätzlich verstärkt, wenn auch auf psychologischer Ebene Probleme entstehen. Wie bereits bei gemischten Rezeptionen erwähnt: Man kann die Rezeptionen auch über Erhöhungen finden. 

Es gibt auch Rezeptionen über die Häuserherrscher-Ebene. Wenn ein Planet A in einem Haus steht, und der Herrscher B des Zeichens an der Spitze des Hauses seinerseits in dem Haus steht, worüber Planet A herrscht. Auch hier sind beide Lebensbereiche (Häuser) miteinander verschränkt.

Saturn und Mars

Beide Planeten stehen für die Eigenschaften der Trennung. Während Jupiter und Venus die Einheitserfahrung begünstigen, und unser Grundgefühl von Zufriedenheit unterstützen können. Das Leben baut sich aus Wärme und Feuchtigkeit auf, die genau in Jupiter entsprochen wird.

Der Begriff Übeltäter könnte sich daraus erklären, dass die meisten Menschen, die im Mittelalter Übel verbreiteten oder erlebten, mit diesen beiden Planeten ein enges Bündnis aufwiesen (dass diese Planeten im Radix stark standen) oder solche Transite erfuhren.
Offensichtlich sind wir der Zeit entronnen, und können differenziertere Worte wählen. Wir sollten den Begriff Übeltäter deshalb nicht verwerfen, aber ihn nur als technischen Begriff verwenden, oder wann immer wir Bezüge zur klassischen Astrologie aufstellen.

Die beiden Übeltäter verkörpern psychologische Funktionen, die uns leicht von unserem inneren Selbst abbringen können; beide Planeten bringen unsere Lebenskräfte einerseits zu sehr nach aussen und andererseits zu sehr nach innen; zB indem Mars zu sehr durch die Instinkte bewegt wird, oder die Erfahrung äußerer Widerständen und der Aufreizung durch sie. Saturn kann einen Druck verursachen, dem wir mangels Stärke oder Belastbarkeit dann auch erliegen.
Infolge Saturn wird ein Planet oft aus dem Spiel der Kräfte genommen, blockiert sich, oder bildet einen Gegensatz der Starrheit gegenüber den viel bedeutenderen Kräften des sich bewegenden Lebens. Meist können wir Saturnprobleme lösen, indem wir mehr Aufmerksamkeit für den von Saturn beeinflussten Faktor aufbringen, da Saturn uns meist automatisch schon genügend Aufmerksamkeit abverlangt (Disziplin, Pflichtbewusstsein, Geradlinigkeit oder Konstanz, Kontinuität und Sicherung, Bewahrung und Konservatismus, Beharrungsvermögen). Dem sollten wir zwar gerecht werden, aber darüberhinaus auch das Eigene (zB von Merkur, Venus, Mond, Jupiter, Sonne) nicht verlieren. Diese Planeten können nur verwirklicht werden, indem sie das in sich verkörpern zu beginnen, was Saturn verlangt, aber von ihrer Funktion her sich nicht verlieren in den Eigenschaften des Saturns. Der Mond zB braucht die Fähigkeit der Beweglichkeit (von Emotionen berührt zu werden und sich nicht vor Eindrücken zu verschliessen), und ist im Prinzip ein ultimativer Gegensatz zur Bewegungslosigkeit des Saturns. Diese Fähigkeit der Flexibilität müssen wir uns bei starken Saturneinfluss bewahren oder heranbilden.

Aus psychologisch-esoterischer Sicht erkennen wir übrigens in der kalt-trockenen Natur des Saturns aber den Faktor, der dazu nötig ist, seelisch zu reifen und dem Entwicklungsauftrag gerecht zu werden. Und auch Mars kann sehr positiv verwendet werden. Genau wie Jupiter grosse Probleme mit der Selbsteinschätzung (Selbstverherrlichung) bedeuten kann. Es sind also ganz bestimmte Betrachtungsebenen mit dem einen oder anderen Sachverhalt verbunden. Üblicherweise kann die klassische Lehre die Verzweigung und Wechselwirkung der Kräfte von Planeten auf diese Weise gut beschreiben; aber es ist nur eine von vielen Betrachtungsweisen.

Jupiter und Venus

Die Wohltäterin Venus macht sich neben ihren grundsätzlichen Funktionen auch bemerkbar durch ihre Eigenschaft, die Übeltäter Mars und Saturn zu beschwichtigen und zu harmonisieren. Ausserdem stellen Venus und Jupiter Kräfte dar, die mit unserem (optimistisch veranlagten) Lebenskern Sonne sehr viel mehr Ähnlichkeit haben, als wie Saturn und Mars im Vergleich. Venus und Jupiter stellen somit direkt eine Erweiterung der auf Entfaltung und Harmonie ausgerichteten Kräfte unseres Lebens dar. Und so wird klar, dass ihr Einfluss unser Leben ganz sicher und immer positiv beeinflusst und uns innere Zufriedenheit schenken können.
Die Venus ist bestrebt Probleme zu lösen. Ähnliches gilt für Jupiter, da Jupiter die Entfaltung und Optimierung im Sinn hat, aber auch dafür steht, solche inneren Blockaden aufzulösen, die der Entfaltung im Wege sind (nicht jeder Jupiter Transit ist gleichzusetzen mit Enttfaltung, sondern kann auch eine einfache Sinnkrise bringen, in Folge der wir aber zum Leben zurückfinden). Erfahrungsgemäß kann Jupiter aber noch mehr als die Venus auch für Extreme stehen und für einen Energieeinsatz, der unausgewogen ist. Jupiter kann zum Energieeinsatz verleiten. 

Mond-Jupiter Quadrate und Venus-Mond Quadrate bilden Sonderfälle und meiner Meinung nach kommt es da darauf an, wie das jeweilige Radix in den Gesamtkonstellationen, den Elementen und vor allem natürlich den jeweiligen Konstellationen von Mond, Venus bzw. Mond, Jupiter bestellt ist. Siehe dazu auch die Urqualitäten der Planeten. 

Ein Mond/Jupiter Quadrat kann allgemein eine Spur Größenwahn beitragen (das Feuer würde dann überwiegen), oder aber Inspiration und Intuition (zB wenn der Mond oder Jupiter in einem Wasserzeichen steht); ein Mond/Venus Quadrat kann für eine leichte innere Zerissenheit stehen (besonders wenn Mond oder Venus schlecht stehen) oder für relativ harmlose Aufhebung der traditionellen Geschlechterrollen oder Beziehungsmuster. 

Übrigens: Alle Begriffe der "Negativität", "Schwäche" oder sonstige Wertungsbegriffe, sind nicht als solche Wertungen sprichwörtlich zu nehmen, sondern dienen der Einordnung.

Planeten nach Elementezugehörigkeit
(nach diversen Autoren und eigenen Erfahrungen)

Mond ist Wasser
Merkur ist Luft
Sonne ist Feuer
Mars ist Feuer
Saturn ist Erde

Venus: Luft, Erde, Wasser.
Jupiter: Feuer, Luft, Wasser.

Venus und Jupiter sind nicht eindeutig einem Element zuzuordnen und können in der Regel auch mit (fast) allen Elementen korrespondieren (bis auf  Feuer bei Venus und Erde bei Jupiter). An diesen Eigenschaften bestätigt sich auch wieder die Wohltäterfunktion von Jupiter und Venus. 

Allerdings ist Venus etwas stärker in Luft und Jupiter etwas stärker im Feuer, folgt man den klassischen Auffassungen und den Erfahrungen anderer Astrologen (zB Frank Felber). Meines Erachtens ist für den nordischen Kulturkreis Venus eher der Luft entsprechend, für einen südländischeren eher dem Wasser.

Umlaufgeschwindigkeiten 

(in Graden innerhalb eines Tages; angegeben ist der ungefähre Durchschnitt): 

Sonne

Mond



Merkur


Venus

Mars



Jupiter


Saturn

Uranus

Neptun

Pluto



Fixsterne
1°01 (an manchen Tagen auch nur 0°58)

13°10 (minimal ca. 11°, maximal ca. 15°)



1°23 (maximal: 2°12)

1°12 (maximal: 1°15) 

`31 (maximal `45) - in Bogenminuten



`05 (maximal `13) - in Bogenminuten

`02 (maximal `07) - in Bogenminuten

`0``42 (maximal `03) - in Bogensekunden

`0``22 (maximal `02) - in Bogensekunden

`0``14 (maximal `02) - in Bogensekunden



ca 0°50' in 72 Jahren; ebenso vorwärts im Tierkreis-Sinn wie die Planeten

Die maximale Schnelligkeit und die Beschleunigung stärken den Planeten, machen ihn "lichtvoll" im Sinne seiner Strahlkraft und des Einflusses, den er im Radix hat.
Langsamkeit und Rückläufigkeit schwächen den Planeten und machen es schwer, sich mit dem Planeten auseinanderzusetzen (man braucht längere Zeit zur Bewältigung evtl. Probleme, die in der jeweiligen Konstellation liegen).

Merkur kann sich maximal 28° von der Sonne entfernen (östliche oder westliche Elongation genannt).
Venus kann sich maximal 47° von der Sonne entfernen. 

Damit ist der maximale Abstand zwischen Venus und Merkur 75°. Dieser grösste Abstand zueinander tritt aber nur sehr selten auf.

Wenn die Venus bzw. Merkur ihre grösste Elongation erreichen, werden sie rückläufig.

Elongation bezeichnet als Begriff die Entfernung eines Planeten zur Sonne.

Umlaufzeiten (in Tagen bzw. Jahren) und Zeiten der Rückläufigkeit:

Sonne (Erde)

Mond



Merkur


Venus

Mars



Jupiter


Saturn

Uranus

Neptun

Pluto
365.25 Tage

27 Tage, 7 Stunden und 43 Minuten (alle Angaben siderisch, auf den Tierkreis bezogen).



88 Tage (wird im Laufe von ca. 13 Monaten dreimal rückläufig, etwa 3 Wochen lang)

225 Tage (wird im Laufe von ca. 18 Monaten nur einmal rückläufig, 40-44 Tage lang)

687 Tage (alle ca. 26 Monate für 60 bis 80 Tage rückläufig)



12 Jahre (alle ca. 13 Monate für ca. 110-120 Tage rückläufig)

29 1/2 Jahre (alle 12-13 Monate für ca. 378 Tage rückläufig)

84 Jahre (alle 12 Monate für ca. 150 Tage rückläufig)

164 Jahre (alle 12 Monate für ca. 157 Tage rückläufig)

248 Jahre (alle 12 Monate für ca. 156-161 Tage rückläufig)

Venus ist im Vergleich mit den anderen Planeten am seltensten rückläufig (6% in Bezug zur gesamten Umlaufzeit).

Diese Angaben (exklusive Mond) in "circa", d.h. ohne Stunden..

Jede Rückläufigkeit erschwert grundsätzlich die Auseinandersetzung mit dem Planeten. Rückläufigkeit steht aber auch für eine Treue zu sich selbst und kann die Selbsterfahrung besonders leicht mit Selbsterkenntnis verbinden, sofern eine gewisse Durchdringung des meist übertriebenen Selbstbezuges stattfindet.

Zeitschlüßel

Progressionen:
Progressionen betreffen das reale Bewegungsmaß eines sich am Himmel bewegenden Planeten, das in Beziehung gesetzt wird zu einem Zeitschlüßel, der die Zeit in Form der Progressionen vergrössert zeigt. Die Primärprogression entspräche den normalen Transiten, hier wird kein Schlüßel  angewendet.

Sekundärprogressionen: um die Ereignisse im 12. Lebensjahr der Geburt zu untersuchen, untersuche ich die Himmelstände am 12. Tag der Geburt. Die Planeten bewegt um einen Tag, entspricht 1 Jahr Lebenszeit.
1 Tag gleich 1 Jahr.

Tertiärprogression 1:
1 Tag gleich 1 Monat. Die Planeten bewegt um einen Tag, entsprechen einem (tropischen!) Monat Lebenszeit (1 Tag=27.32158 Tage!). 

Tertiärprogression 2:
1 (tropischer) Monat gleich 1 Jahr. Faktisch entspricht die Tertiärprogression II dem Lunar. Untersucht man die Zeit des ersten vollendeten Lebensjahrs mit der TP2, und hat den Geburtstag eingestellt, untersucht man nichts anderes als da erste Lunar nach der Geburt. Jeder Tag im Leben kann untersucht werden, denn mit dem Zeitschlüßel werden die Planeten so weit bewegt, wie es der untersuchten Lebensezit entspricht. Progressionen stellen zeitliche Vergrösserungen dar.

Direktionen:
alle Planeten werden um ein selbes festes Maß weiter bewegt; bei den progressiv bewegten Planeten werden alle Planeten nicht nach einem festen Maß weiterbewegt, sondern ihre Bewegung ist eine natürliche und jeder progressiv bewegte Planet ist daher relativ zu seiner natürlichen Bewegung.
Direktionssysteme betonen die Sonne/Erde Beziehung, ebenfalls wie die progressiven Systeme. Nur auf einer jeweils anderen Ebene. Bei den Direktionen ist die Ekliptik und die Gradeinteilung entscheidend.

Sonnenbogendirektion:
1 Tag entspricht 1 Jahr. Alle Horoskopfaktoren werden um das Maß der täglichen Bewegung der Sonne weitergeschoben: eines Wegs, den die Sonne seit der Geburt zurückgelegt hat und dem untersuchten Zeitraum entspricht (6. Lebensjahr entspricht 6. Tag nach der Geburt).
Die Sonne bewegt sich nicht gleichmässig schnell. Daher gibt es verschiedene Methoden, dem Rechnung zu stellen. Der wahre zeitliche Verlauf wird am besten interpoliert (ähnlich wie bei den Ephemeriden also ausgerechnet). Dieser wahre Verlauf ist nicht ganz übereinstimmend mit dem technisch nur korrekt aussehenden, aber praktisch inkorrekten Naibodschlüssel. Der Naibdoschlüßel geht von einem Mittelwert aus, und zwar der durchschnittlichen Bewegung der Sonne. Es hat sich erwiesen, dass der Naibodschlüßel in der Zeit ab etwa 50 oder 60 Lebensjahren ungenau wird. Es gibt auch einen dritten Weg, nämlich exakt 60 Bogenminuten als Maß zu wählen, was eigentlich der Graddirektion entspricht (SB: 1 Tag entspricht 1 Jahr).

Graddirektionen:
alle Horoskopfaktoren werden um das Mass eines Tierkreisgrades (1 Grad pro Jahr) vorgeschoben.

Anmerkung: Der 1. Tag der Geburt ist eigentlich nicht automatisch gleich Geburtstag (wenn man nicht exakt auf 0 Uhr geboren wurde), sondern technisch die ersten vollen 24 Stunden Lebenszeit. Man sollte vorsichtig sein, mit vereinfachenden Rechnungen nach dem Motto: Ich schaue mir den 3. Tag an um das 3. Lebensjahr zu untersuchen.

Sektoreneinteilung der Tierkreiszeichen nach der Methode 30 Grad / 12

ergibt 12 Unterteilungen mit der Größe von 2.5 Grad bzw. 2°30` (2 Grad und 30 Bogenminuten! 60 Bogenminuten sind 1 ganzer Grad/1°. Von den Bogenminuten sind übrigens noch 59 Minuten darstellbar, denn 60 sind dann schon der nächste volle Grad mit 0 Bogenminuten, zB 2°00)

0°00'  - 2°29`  Widder
2°30' - 4°59` Stier
5°00' - 7°29` Zwillinge
7°30'- 9°59` Krebs
10°00'-12°29` Löwe
12°30' (usw.) Jungfrau
15°00' Waage
17°30' Skorpion
20°00' Schütze
22°30' Steinbock
25°00' Wassermann
27°30' Fische

Es ist nützlich sich über die Stellung eines Transsaturniers klar zu werden, indem man die Sektoren hinzunimmt, sie erlauben eine Feinabstimmung des Standes von Pluto, Uranus oder Neptun, wo ansonsten nur das Zeichen zur Verfügung stünde.

Ob diese Sektoren den Dekanaten überlegen sind oder eher die Dekanate den Sektoren? Ich tendiere zu der klassischen Ansicht, und es ergibt sich folgenden zunächst groben Reihenfolge (Dekane, Triplizitäten und Grenzen müssen in ihrer einflussreichen Wirkung - verglichen mit den Häusern und Aspekte - noch näher erforscht werden!):
1. die Zeichen, 2. in egal welcher Reihenfolge: die Dekanate, Grenzen, Triplizität ebenso wie Häuser und Aspekte. Dadurch kann man die Kraft und die Stellung eines Planeten herauszufinden. In dieser Aufzählung kommen die Sektoren nicht vor.

Die Sektoren sind wahrscheinlich eine subtile Einflussnahme auf die Richtung und Charakteristik des Planeten, dessen Ursache über die Stellung in einem Zeichen hinaus geht (und so an Charakteristik beiträgt und eine um den Faktor 12 individuellere Deutung des Planeten im Zeichen erlaubt). 

Aber die Sektoren sagen meiner Meinung nach nichts oder nur sehr marginal etwas über die Stärke eines Planeten im Zeichen aus. Unter anderem hat auch noch  der Stand eines Planeten am Anfang oder am Ende eines Zeichens mehr Gewicht als die Sektoren, um einen Großteil unserer persönlichen Eigenart und Erscheinungsweise zu beeinflussen. Ähnlich den Sektoren sind die verschiedenen Tierkreisgrade zu sehen. Sie erlauben keine Aussage darüber, ob ein Planet gut oder schlecht steht- zumindest so weit ich das sehen kann (es muss auch dies noch näher erforscht werden).

Es scheint, dass die Sektoren den Planeten eine zusätzliche Facette einverleiben. Mehr eine Orientierung als wie es sich um eine ausdrucksstarke Kraft handeln würde.

Dodekatemorien 

Es gibt auch eine Auffassung, nach der die Sektoren zwar in derselben Reihenfolge (Nachbarzeichen) unterteilt werden, aber der erste Sektor eines Zeichens entspricht jeweils dem ganzen übergeordneten Zeichen. Also bei dem Jungfrau-Zeichen ist dann der erste Sektor Jungfrau und der letzte Sektor des Zeichens Jungfrau entsprechend Löwe.  Beim Steinbock-Zeichen ist der erste Sektor Steinbock und der letzte Sektor des Zeichens Steinbock ist Schütze.

Ich glaube, dass diese letzte Einteilung im Grunde etwas ganz anderes darstellt, und was im Indischen als Segmenthoroskop Dwadashamsha und in der klassischen Astrologie als Dodekatemorien bekannt ist. Jedes Zeichen wird dabei durch 12 geteilt und jedes erste Zwölftel wird vom eigenen Zeichen regiert und die Abfolge der nächsten Sektoren innerhalb dieses Zeichens ist analog dem Tierkreis. Der erste Sektor des Stiers ist also ein Stier-Sektor und der erste Sektor des Fische ist ein Fische-Sektor usw.

Die Sektoren, die oben zunächst angeführt werden, sind in einem anderen und viel grundsätzlicheren Zusammenhang zu betrachten. Die anfänglichen Grade eines jeden Zeichens haben eine Natur des Ausdrucks, die stets mit der vorwärtsdrängenden, ungezwungenen und jungfräulich-archaischen Prinzip des Widders korrespondieren; Identität ist das Schlüsselwort. Es ist auf diese Weise ein Zeichen damit analog zu den zwölf Zeichen unterteilt und am Ende jedes Zeichens wird vorbereitet (Fische) zu dem Übergang ins neue Zeichen. Man sollte allerdings nicht vermuten, nur weil der letzte Sektor eine Fischenatur hat, dass die Zeichengrenzen zweier benachbarter Zeichen sich vermischen. Der erste Grad als Widdersektor bildet stets eine deutliche Grenze. 

Die Zonen eines Zeichens (goldener Schnitt)

Die verschiedenenen Zonen eines Zeichens, die in Bezug zur Deutung gewöhnlich besonders verwertet werden, lässt sich durch den goldenen Schnitt errechnen.

Frank Felber hat die Formel in seinem Buch angegeben:

30 x 0,618 = 18,54 umgerechnet in Grad: 18°32

30 - 18,54 = 11°28` (=umgerechnet in Grad)

Der Feuerpunkt ist immer bei 0°.
Der Luftpunkt ist bei 11°28.
Der Wasserpunkt ist bei 18°32.
Der Erdpunkt ist theoretisch bei 29°59 oder 0° des nächsten Zeichens.

Frank Felber nennt die Zone ausgehend vom Wasserpunkt bis zum neuen Zeichen insgesamt als Erdzone und mir erscheint diese Bezeichnung sehr stimmig.

Es gibt weiterhin Ansichten (API/Huber Schule), wonach der Luftpunkt ein für den Planeten besonders günstiger Punkt ist und er hier seine volle und unverfälschte Stärke zum Ausdruck bringen kann.

Am Wasserpunkt wird die Qualität des Zeichens in den introvertierten Ausdruck gedrängt. An einem Luftpunkt stehen die Möglichkeiten eher gleichberechtigt zur Verfügung; der Mangel hierbei ist natürlich, keine entschiedene Tendenz zum einen oder zum anderen zu haben.

Elemente

Die antiken Griechen dachten sich die Himmelskörper aus himmlischen Feuer gemacht.
Dieses Feuer konnte im Äther für sich bestehen. Es war damit rein, beseelt und ewig, und muss nicht verbrennen, um zu existieren.

Ursprünglich wurden die Elemente in warm, trocken, feucht und kalt eingeteilt aus deren Paarungen sich Feuer, Luft, Wasser und Erde bildeten; zB ergibt Warm-Trocken zusammengebracht das Feuer. Es handelt sich dabei nach klassischer Auffassung um "zusammengesetzte Naturen 2. Grades". Die Eigenschaft Warm allein genommen würde eine Natur 1. Grad beschreiben. 

Feuer: Warm-Trocken (das Warme)

Luft: Feucht-Warm (das Feuchte)

Erde: Trocken-Kalt (das Trockene)

Wasser: Kalt-Feucht (das Kalte)

Eigentlich bestehen die Elemente (Feuer, Luft etc.) also aus Urqualitäten, die warm, trocken usw. genannt werden.

In der zusammengesetzten Verteilung dieser Urqualitäten schliesst sich aus irgendeinem Mechanismus oder kosmischer Gesetzmässigkeit zB Warm-Warm aus. Weil sich diese Grundbausteine (Urqualitäten) jeweils in GEGENSATZPAAREN anordnen müssen.
Feucht und Trocken sind passive Qualitäten und bilden somit eine Einheit. Warm und Kalt sind aktive Qualitäten und bilden ebenso eine Einheit, und keinen Gegensatz. Warm und Kalt wirken (aktiv) auf Trockenheit und Feuchtigkeit ein und letztere erleiden deren Wirkung "passiv".

Warm und Trocken bilden vereint als Element schliesslich die Sonne, oder das chinesische Yin. Und Kalt-Feucht bilden Mond oder chinesisch Yang.

In der üblichen bzw. astrologischen Verwendung der Elemente überwiegt jeweils eine dieser Urqualitäten (zB bei Feuer überwiegt das Warme über das Trockene). R. gil Brand erwähnt, das Verhältnis sei mit 5:4 angegeben (Lehrbuch der klassischen Astrologie; S.74).

Kombiniert man Luft mit Feuer ergibt sich ein Übergewicht an Warm, und so unterstützt die Luft das Feuer, da das Warme beim Feuer in der Essenz überwiegt (5:4) und sich die elementaren Energien stets zielgerichtet auf die grösste Ansammlung oder Qualität von Energien hin bewegt.
Meiner Meinung nach erhält das Feuer verhältnismässig grössere Unterstützung als wie die Luft vom Feuer, ohne das näher begründen zu können. Es könnte daran liegen, dass das Feuer als aufsteigendes Element den grösseren Sog verursacht. Analog dazu verhält sich Wasser und Erde: Wasser erhält grössere Unterstützung durch die Erde, als wie die Erde durch Wasser unterstützt bzw. verstärkt wird.

Kombiniert man Wasser und Erde ergibt sich ein Übergewicht an Kälte, und es wird das Wasser obsiegen. Auch hier erhält das Wasser verhältnismässig  grössere Unterstützung von Erde als wie die Erde von Wasser. 

Wenn Feuer und Erde zusammen kommen, gibt es zwar die gegenseitige Unterstützung durch das Trockene, aber gleichzeitig auch einen deutlichen Gegensatz zwischen kalt und warm. Ähnlich verhält es sich mit Wasser und Luft (das Feuchte als Unterstützung und Kalt-Warm als Gegensatz). Demnach kann man hier von annähernder Verträglichkeit reden, aber es bleibt eine leichte Spannung, wenn zB Luft und Wasser zusammen kommen.
Die Elemente bilden eine Einheit, sie sind nicht zusammengesetzt, obwohl man das von den Urqualitäten her meinen könnte. Eine Erklärung für diese Besonderheit könnte man auf die Unwirklichkeit der Urqualitäten zurückführen, da diese Urbausteine nur in unserer Welt der physischen Realisierung eine Wirklichkeit erlangen und ansonsten gar nicht "sind" und nur Ideen darstellen (in Bezug zu der Elementelehre handelt es sich nicht um Eigenschaften, die wir kennen würden als Warm usw, sondern IDEEN, und zwar im platonischen Sinne). 

Eigentlich ist also die Reihenfolge der Elemente Feuer, Luft, Erde, Wasser. Feuer und Wasser bilden nach dieser Ansicht die stärksten Gegensätze in den Elementen.

Aspekt-Tabelle aufgrund der Ur-Qualitäten (nach Gil Brand)

Feuer: Warm-Trocken (Sonne, Mars)

Luft: Feucht-Warm (Jupiter)

Wasser: Kalt-Feucht (Mond, Venus)

Erde: Trocken-Kalt (Saturn)


Setzt man die Planeten in Bezug zu ihrer Elementenzugehörigkeit, ergeben sich Feindschaften und Freundschaften -  man kann zB bei einem Quadrat Mond-Jupiter schauen, ob bei dieser Verbindung in irgendeiner Weise die Qualität "feucht" von einem weiteren Faktor beigesteuert wird, um die Feindschaft beinahe zu neutralisieren, anstatt die Qualität "warm" noch mehr die Feindschaft bestätigen würde. 

Planeten in Feindschaft zeigen sich nicht durchweg feindlich, und kennen auch Momente, wo es relativ neutral zugeht, umso mehr von einem weiteren Faktor eine angleichende Qualität beigesteuert wird.

Aspekt-Tabelle aufgrund der Würden (Qualitäten) der Planeten, basierend auf Angaben von Al-Biruni:

Planet - Gegenseitige Schädigung:

Sonne Saturn
Mond Saturn
Merkur Jupiter, Venus
Venus Mars, Merkur
Mars Venus, Jupiter
Jupiter Merkur, Mars
Saturn Sonne, Mond

Hier scheint es wirklich um gegenseitige, und nicht einseitig abzielende Schädigungen zu gehen. Wohl deshalb taucht Mond/Mars und Merkur/Mars hier nicht auf.

Freundschaften (nur zum Teil nach diversen Autoren; also eine Perspektive und Betrachtungsart unter vielen; wohlgemerkt: nicht klassisch, nicht auf die Natur der Planeten bezogen!):

Sonne und Mars gelten esoterisch gesehen als Freunde, ebenso wie Mond und Venus.

Saturn und Mars kommen aus einer bestimmten Perspektive einigermassen gut miteinander aus (ähnliche Ziele: Manifestierung, Erfolg, Durchsetzung, Leistung und Einsatz).

Ebenso sind folgende Paare relativ harmonisch, aber auch nur aus gewissen Blickwinkel:

Jupiter und Mond (Wahrnehmung, Ganzheit)
Venus und Jupiter (die glückliche Beziehung)
Saturn und Venus (die stabile Beziehung)

Man sieht, dass sich alles aus verschiedenen Blickwinkel betrachten lässt. Saturn und Venus schädigen sich aufgrund ihrer verschiedenen Qualitäten (trocken-kalt versus feucht-warm), aber aus psychologischer-sozialer Sicht ergeben sich neue Qualitäten (letzteres ist sozusagen auch eine besondere Perspektive moderner Astrologie)

Weitere Feinde (ein weiterer Gesichtspunkt; nach eigener Erfahrung und Sichtweise)

Sonne-Mond (der Vollmond ist beinahe eine günstige Konsellation, aber vor allem Neumond ist bedenklich; Quadrat etwas weniger bedenklich als Neumond, psychologisch aber das Quadrat gravierend)

Sonne-Venus (Konjunktion ist der einzig mögliche Aspekt und ist regelmässig bedenklich besonders für die Venus; eine Venus Konjunktion mit der Sonne ist bedenklicher als eine Konjunktion des Merkurs mit der Sonne)

Mond-Mars (besonders Quadrat)

Venus-Mars (besonders Opposition)

Jupiter-Saturn (Opposition und Quadrat)

Anmerkungen zu unterschiedlichen Zuordnungen

Die jeweils zugeordneten Planeten (zB oben bei Freundschaften, Feindschaften, aber auch Grenzen usw.) sind in verschiedenen Ausführungen und unter verschiedenen Gesichtspunkten berichtet, je nach Autor. Offensichtlich ist ihre Wertung aus jeweils einer bestimmten Eigenschaft heraus dargelegt, die betont wird. Oder die Bewertung unterliegt einer zugrundegelegten Ebene der Betrachtung. 

Die teilweise verschiedenen Angaben erklären sich einerseits durch unterschiedliche Deutungsperspektiven der einzelnen Autoren, aber auch durch den Bezug auf jeweils verschiedene Ebenen, Betonungen, Skalen, persönliche Perspektiven, Faktoren oder Bedingtheiten, Willkür, Bezüge, Anwendungen usw..

Die Astrologie ist dermaßen reichhaltig und spiegelt sowohl das ganze komplexe Leben als auch den Kosmos in seiner Ordnung wieder, dass es zwangsläufig so kommen muss, dass die Zuordnungen teilweise unterschiedlich ausfallen - was nicht immer falsch sein muss.

Massgeblich scheint mir zu sein: Verschiedene Systeme und Perspektiven bringen verschiedene Gewichtungen zustande und es kann manchmal auch nur um Nuancen gehen, das heisst, dass mehrere (wenn auch widersprüchliche) Auffassungen zB bei den Grenzen richtig sein könnten. Man sollte aber eigentlich erwarten, dass es letztlich eine grösstmögliche Klarheit gibt, die nur eben manchmal nicht immer erkannt wurde und falsch angegeben wurde - dann ist es aber auch die Frage, ob sich der Ausdruck der Planeten und Bereiche eines Zeichens über die Zeit hinweg vielleicht ändert. Also, ob manche Zuordnung mit der Zeit von Jahrhunderten einfach anders ausfallen kann, weil sich die Wirkungsweise der Planeten leicht verändern kann. 

Mehrere Planeten in einem Zeichen

Zwei Planeten in einem Zeichen sind miteinander prinzipiell wirksam verbunden, was sich entweder über die Energien des Zeichens ausdrückt oder aber, was sehr  wahrscheinlich ist, über eine Art energetisches Feld, wobei auch der Aszendent auf dem 25. Grad die Kraft des ganzen Feldes anzapft, während ein Planet auf 4° stehen kann und seinerseits als Planet das Feld beeinflusst und "färbt" oder energetisch lädt.

Das ist so, selbst wenn es sich um einen separativen Aspekt handelt (die beiden Planeten kommen innerhalb dieses Zeichen nicht mehr zusammen: zB Mond auf 27° und Saturn auf 1°), wenn gleich eine Konjunktion natürlich eine stärkere Wirkung entfaltet, die auch sehr offensichtlich ist. Man könnte diese Wirkung von Planeten im selben Zeichen auf 1/3 oder 1/4 der Kraft der Konjunktion beziffern. Wenn zwei Planeten im selben Zeichen stehen und beide Planeten sich gegenseitig feindlich gesinnt sind, so wirkt es sich mehr hintergründig und allgemein aus, als wie wenn sie in direkter Konjunktion wären. Motto: Die "Schärfe" fehlt, aber die Probleme könnte es auf einer gewissen Ebene oder Art dennoch geben. Manchmal drückt sich hier auch eine Tendenz des ganzen Radix zusätzlich noch mal aus, dann wird die erlebte Wirkung einer solchen Konjunktion im Zeichen etwas stärker sein, wenn andere Konstellationen an anderen Orten des Radix diese bestätigen (und dann verstärkt die Konjunktion die anderen Themen).
Bei einer exakten Konjunktion ist das Thema immer offensichtlicher und ist akut. 

Natürlich gilt diese Regel auch für harmonische Zusammenfügungen der Planeten in einem Zeichen, nur ist es immer von bedeutsamen Belang, dass gegensätzliche Naturen der Planeten immer auch etwas mehr Kraft oder Energie verursachen; in jedem Fall kann man das Zeichen so ansehen, als ob die Planeten auf einer gewissen Ebene (die des Zeichens oder des energetischen Feldes) zusammengeführt sind, und es ist dabei egal, wo die Planeten sich jeweils im Zeichen befinden.

Die applikative Konjunktion bezüglich des schnelleren Faktors verstärkt natürlich eine solche Konjunktion innerhalb eines Zeichens, auch hier, kann zB der Merkur auf 1° stehen und Jupiter auf 28°. Diese applikative Konjunktion ist eine Nuance stärker, vordergründiger, als wenn es sich um eine separative Konjunktion innerhalb eines Zeichens handelte. 

Aspekte und Orbis

Der Orbis ist eine komplizierte Angelegenheit, um hier endgültige oder absolute Maßstäbe formulieren zu wollen.

Der Übersicht halber habe ich in der unten stehenden Tabelle manchmal zwei Aspekte zusammengefasst behandelt. Für das Sextil mag man etwa 0.5° - 1° weniger Orbis ansetzen.
Natürlich handelt es sich nur um Faustregeln aufgrund meiner eigenen Erfahrung und Sichtweise; die Orben der klassischen Astrologen mögen hier und dort etwas verschieden sein.

In der Praxis erweist sich, dass grössere Orben eine andere Sicht auf das Thema bedingen, da diese zwar weniger akut, aber dennoch archetypisch bestimmend sein können, vor allem wenn ansonsten wenig andere (genaue) Aspekte vorliegen. Die Aspekte als solche und ein durch sie angezeigtes Thema werden bei grösserem Orbis geringer wirksam und treten kaum in Deutlichkeit hervor, aber die Verbindung der Planeten ist bei einem gewissen Orbis noch gegeben und verursachen grundarchetypische Bedingungen (vergleichbar einer Hochspannung bei exakten Aspekten und Grundspannung bei weitem Orbis). 

Manche der klassischen Astrologen benutzten nach Schilderung von gil Brand nur einen festgesetzten Orbis, zB 4° für alle Planeten.
Die frühesten Astrologen verstanden Aspekte als von den Zeichen gegeben: wenn also ein Planet auf irgendeinem Grad eines Zeichens stand, war dieser bestimmte Grad belanglos, denn ein Aspekt zu einem anderen Planeten in einem anderen Zeichen wurde allein aufgrund des Verhältnisses zwischen den Zeichen gewertet.

Ich denke, hinsichtlich der Betrachtung von Aspekten gibt es immer wieder Sonderfälle, Zeichengrenzen, aber auch Planeten, die zwischen den verschiedenen Aspekten stehen, so dass letztlich das Augenmaß immer das letzte Wort hat, und die Orben im Grunde nur die Anschauung vereinfachen. Es gilt, dass applikative Aspekte einen grösseren Orbis erhalten, wenn der Aspekt noch innerhalb der Zeichen gebildet wird, in dem die Planeten stehen.

Applikative

Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn (Transsaturnier: etwa 2° weniger):
Konjunktionen: 10° wenn innerhalb des Zeichens, und 6° wenn nicht innerhalb des Zeichens gebildet;
Quadrate/Oppositionen: 7.5°, sofern nicht über Zeichengrenze gebildet, sonst 4.5°;
Trigone/Sextile:  4.5°, wenn über die Zeichengrenzen 3°;
Mond und Sonne:
15° jede Konjunktion sofern innerhalb des Zeichens, wenn über die Zeichengrenze hinweg: 9°-10°;
Oppositionen: 10° (untereinander: 12°), Quadrate: 8.5° (10°) , wenn über die Zeichengrenze hinweg: 6°; Trigone/Sextile: 5°, wenn über die Zeichengrenze hinweg: 3.5°.

Separative

3.5°-4° Orbis für alle Aspekte und Planeten, auch Transsaturnier; ob über die Zeichengrenze hinweg oder nicht.
Ausnahme Konjunktionen: 5°-6°, auch über Zeichengrenze hinweg.
Sonne/Mond: hier beträgt der separative Orbis meiner Erfahrung nach etwa 12° bei Quadraten/Konjunktionen/Oppositionen ; aber wenn über Zeichengrenze hinweg dann nur10°.

Moiety

Hierunter versteht man die Hälfte eines festgesetzten Orbis für einen Planeten. Jeder Planet erhält einen Orbis und die Hälfte (französisch: moiety) davon wird von beiden Planeten beigetragen und ergibt in der Addition den wirksamen Orbis. Diese Art der Betrachtung stammt - ungeachtet des franzöischen Begriffes - aus der englischsprachigen Astrologie, die bekannt für den Bezug auf die Stundenastrologie ist.

Sonne 15°
Mond 12°
Merkur 7°
Venus 7°
Mars 8°
Jupiter 9°
Saturn 9°

Diese Regel gilt sowohl für separative als auch für applikative Aspekte. Für Saturn ist moiety 4.5° und für Sonne 7.5°. Wenn es einen Aspekt zwischen Sonne und Saturn gibt, beträgt der Orbis 4.5°+7.5° = 12°. Angaben nach Slooten.

Es gibt Anschauungen, die für den Orbis nur die Aspektart berücksichtigen (ein Sextil hat gewöhnlich weniger Orbis als eine Konjunktion), und es gibt Anschauungen, die nur den Planeten mit seinem Orbis berücksichtigen, so wie es bei dieser Methode (moiety) der Fall ist. 
Als geradezu modern gilt es, wenn man wohl beides berücksichtigt und eine Art Mittelwert bildet; manche Computerprogramme vereinfachen sowohl die eine als auch die andere Methode gleich gut.

Für praktische Horoskopdeutung benutze ich aber weitaus geringere Orben, um stets die kräftigsten Konstellationen vor Augen zu haben. Nur wenn der Blick tiefgründiger werden soll, beachte ich obige Orben.

Tag- und Nachtplaneten

Tagplaneten: Sonne, Jupiter, Saturn.

Nachtplaneten: Mond, Venus, Mars.

Merkur gilt klassisch gesehen als variabel (anpassend, angleichend). 

Ein Tagesplanet steht bei Tage gut in der oberen Hälfe (also in der Tageshälfte), und bei Nacht gut in der unteren (in der Nachthälfte). In beiden Fällen steht er in seiner Hemisphäre. Wenn der Tagesplanet bei Tage in der unteren Hälfte steht, steht er etwas schlechter. Dasselbe gilt für Nachtplaneten, die nicht in ihrem Licht stehen (in der Hemisphäre, arabisch halb).

Ein Nachtplanet steht bei Tage gut in unteren (!) Hälfte, und bei Nacht gut in der oberen (!) Hälfte.

Wenn ein Tages- oder Nachtplanet zusätzlich noch in einem Zeichen seiner Natur (männlich/weiblich) steht, ist das noch einmal ein Stück besser. Und man bezeichnet diese Stellung als "Kondition seiner Domäne" (arab. hayiz). 

Tag ist, wenn die Sonne oberhalb des Horizonts (AC/DC Achse) steht.

Tag- und Nachtzeichen

Die Tagzeichen sind die aktiven, männlichen Zeichen (Luft- und Feuerzeichen). 

Die Nachtzeichen sind die passiven, weiblichen Zeichen (Wasser- und Erdzeichen).

Männliche und Weibliche Planeten

Es gibt verschiedene Zuordnungen - man könnte die einfache Zuordnung wählen, wonach die männlichen Planeten gleichzeitig die Tagesplaneten sind, und die weiblichen die Nachtplaneten. Dann ist Mars ein weiblicher Planet.

Nach al-Biruni gibt es eine andere Zuordnung:  Alle oberen Planeten sind männlich, wobei Saturn ein Eunuchh ist. Venus und Mond sind weiblich, Merkur hermaphroditisch (wenn er mit männlichen Planeteten verbunden ist, ist er männlich, und mit weiblichen Planeten weiblich; allein gestellt: männlich). Mars istt männlich.

Triplizitäten

Triplizitäten sind nicht unbedeutende Kriterien, um den Stand eines Planeten zu beurteilen. Die Anwendung ist komplizierter, kann aber mit ein wenig Übung in Fleisch und Blut übergehen. 

Slooten erklärt den Zusammenhang zwischen Exil und Fall und Triplizitäten mit einem doppelten Charakter dieser Planeten, die in Exil oder Fall stehen, aber durch Triplizitäten wiederum (zwangsläufig) etwas besser da stehen, als wie andere Exile und Fälle ohne Triplizität.  Zum Beispiel ist der Mond in Skorpion im Fall, aber hat - gemäß der ältesten Triplizitätenlehre - dort auch eine geringe Triplizität (als partizipierender Planet). Für Saturn in Widder gilt ähnliches. 
Hin und wieder zeigt ein solcher Planet im Exil oder Fall und gleichzeitiger Triplizität auch eine günstige Seite.
Von der Rangfolge kommen Triplizitäten direkt nach den grossen Würden Domizile und Erhöhungen.

Triplizitätsherrscher (nach Dorotheus)

Eine Taggeburt ist dann der Fall, wenn die Sonne über der AC/DC Achse steht (steht die Sonne unterhalb: dann ist es eine Nachtgeburt).

Triplizität Herrscher bei Tag Herrscher bei Nacht
Feuer Sonne, Jupiter, Saturn Jupiter, Sonne, Saturn
Luft Saturn, Merkur, Jupiter Merkur, Saturn, Jupiter
Wasser Venus, Mars, Mond Mars, Venus, Mond
Erde Venus, Mond, Mars Mond, Venus, Mars

Der Planet an dritter Stelle dieser Tabelle hat nur Teil an der Triplizität: die Auswirkung in einem Zeichen der Triplizität zu stehen, ist bei ihm schwächer. Er wird auch partizipierender Planet genannt. Man erkennt, dass dieser Planet für das jeweilige Element sowohl bei Tag als auch bei Nacht herrscht.

Ansonsten gilt der Fall, dass ein Planet in dem Element (Triplizität) dann gut steht, wenn er (siehe Tabelle) bei Tag oder Nacht entsprechend über dieses Element herrscht.
Zum Beispiel steht Venus in einem Wasserzeichen stark, wenn es Tag ist. Wenn es Nacht wäre, stünde Mars in einem Wasserzeichen stärker.

Ein anderer Autor (Al Biruni) nennt eine folgende vereinfachte Anordnung, die sich später gegenüber der älteren durchgesetzt hat

Triplizität Herrscher bei Tag Herrscher bei Nacht Sowohl bei Tag als auch bei Nacht
Feuer Sonne Jupiter Saturn
Luft Saturn Merkur Jupiter
Wasser Venus Mars Mond
Erde Venus Mond Mars

Der partizipierende Planet (dritte Spalte) ist halb so stark wie der dominante (erste beiden Spalten).

Lilly gebraucht eine vereinfachte Systematik, in der nur Tages- und Nachtherrscher gelistet sind. Darin ist bei der Triplizität Wasser der Mars sowohl für Taggeburten als wie für Nachtgeburten massgeblich, und also nicht Venus als Tagesherrscher.

Dispositoren bzw. Herrscher

Der Begriff Dispositor bezeichnet die Verteilung von Aufgaben über den Herrscherplaneten. Es existiert ein Zusammenhang zwischen einem Planeten, der in einem Zeichen steht und dem Planeten, der über das Zeichen herrscht. Der disponierte Planet ist sozusagen der Ausgangsplanet, der Dispositor bezeichnet den Planeten, der im Zeichen des disponierten Planeten herrscht (oder seine Erhöhung findet). Wenn man den Zusammenhang von Mars in Krebs mit einem Mond in Stier betrachtet: Dann bezeichnet man Mars als disponierten Planeten und den Mond als Dispositor des Mars. Mars verteilt (lat. disponere) Aufgaben an den Dispositor. Der disponierte Planet verteilt Aufgaben an den Dispositor, und kann, wenn der disponierte Planet sehr schlecht steht, ihn auch vertreten.
In der Regel wird der disponierte Planet (Ausgangsplanet) als Anfang der Sache gewertet, und der Dispositor bestimmt den weiteren Ausgang. Steht der disponierte Planet sehr schlecht aber sein Dispositor gut, kann eine Sache zunächst schlechte Aussichten verheissen, dann aber durch den guten Stand des Dispositors letztlich die Chancen zutage treten lassen.
Ich persönlich gehe davon aus, dass der gute Stand des Dispositors aus zwei Perspektiven zu bewerten sein kann. Einmal in Bezug zu dem disponierten Planeten und einmal indem man nur den Stand des Dispositors bewertet. Einmal kann Mars in Waage zwar ungünstig stehen (Exil), erhält aber förderlichen Einfluss durch Venus in Widder, weil das Widder Zeichen ja für Mars sehr förderlich ist, und durch die Venus als Herrscher über Waage schliesslich in einem Zusammenhang mit Mars steht (Mars in Waage). Und das andere Mal erhält zB ein Merkur in Schütze (Exil) durch Jupiter in Fische eine gewisse Stärkung, weil Jupiter in Fische an sich sehr gut steht; in diesem Beispiel erhält aber Merkur wieder einen gewissen feindlichen Einfluss aus dem Zeichen Fische, in dem Merkur ja im Exil ist. Hier steht also der Dispositor gut, aber in Bezug zum disponierten Planeten schlecht.

Das zeigt, dass man bei Beurteilung der Stellung immer genau hinsehen muss, wie stark die beteiligten Planeten wirklich stehen und welcher Zusammenhang gebildet wird. Im letzteren Fall könnte man die Sache so einschätzen: Jupiter in Fische löst die Probleme, die Merkur in Schütze verursachen mag, aber Merkur erhält keine sonderliche Hilfe, und kann also selbst nicht besondere Hilfe erfahren. Im letzteren Fall steht nur der Dispositor gut, ohne dass dieser gute Stand aber gleichzeitig den disponierten Planeten direkt stärkt. 

Allgemein ist es vermutlich besser, wenn der Dispositor für seine eigenen Verhältnisse gut steht. Mit der Zeit mag der Horoskopeigner besonders günstige Verwirklichungsformen des disponierten Planeten finden, ungeachtet, ob dieser in Exil oderFall steht (dann bedarf es allerdings der konfrontationswilligen und lernbereiten Auseinandersetzung; aus seinen Fehlern zu lernen fällt jedoch in diesem Usmtänden leichter, als wenn der Dispositor selbst sehr schlecht steht, auch wenn er dann für den disponierten Planeten ein günstiges Zeichen besetzt).

Die Energie eines Planeten, zB Mars in Stier, wird von der Zeichen- und Hausstellung des Herrschers dieses Zeichens, hier Venus, disponiert
Beispiel: Mars in Stier (Exil), kann etwas besser stehen, wenn etwa die Venus (als Dispositor des Mars in Stier) in Widder steht. Freilich steht die Venus in Widder selbst sehr schlecht (Exil). Mars kann seine Aufgaben vielleicht dann ganz gut erfüllen, wenn es keine Beziehungsproblematiken gibt (oder ähnliche Schwierigkeiten, die mit der Venus zusammenhängen). Immer dann, wenn Venus Probleme bekommt, wird das - in Bezug zur Venus - auffällig und so erweitern sich die Probleme über die Dispositorenverbindungen. Der Mars könnte in Angelegenheiten, die nicht mit Venusthemen zusammenhängen, allerdings durchaus angemessen handeln können, da der Dispositor in einem für Mars günstigen Zeichen steht. 
Stünden in einem Radix tatsächlich Mars in Stier und Venus in Widder, ergäbe sich übrigens auch eine Rezeption dadurch und eine gegenseitige Abhängigkeit, beispielsweise bei Transiten. Keiner der beiden Planeten steht offensichtlich besser und bestimmt die Rezeption, daher kommt es darauf an, wie das ganze Horoskop eine Energiequalität vorgibt, und welcher der beiden Planeten davon eher profitieren kann, dazu kann auch genügen, dass Venus oder Mars in einem für den jeweiligen Planeten günstigen Haus stehen. Es kann einen bestimmenden - weil besser stehenden - Planeten in einer Rezeption geben...; die Rezeption muss jedes Mal neu beurteilt werden, denn es geht auch darum, wie die beiden Planeten und Zeichen miteinander sich zu etwas neuem verbinden. Die Rezeption hat immer eine gewisse Macht, so wie bei einer Konjunktion, doch wie sich die Rezeption genau zeigt, hängt von den beteiligten Faktoren ab.

Die Wirkung eines relativ ungünstig stehenden Planeten (Rangfolge: peregrin, Fall, Exil) wird bedeutend davon abhängen, wie sein Dispositor steht. Anscheinend sind mittelalterliche Astrologen der Ansicht gewesen, dass ein stark stehender Dispositor anscheinend auch die Hausherrschaft eines Planeten übernehmen kann. Beispiel: Haus drei steht in Zwillinge. Merkur steht in Fische (Exil) im 12. Haus. Jupiter steht in Schütze im 8. Haus. Dann wird das meiste, was das 3. Haus angeht, mit dem Jupiter entschieden, der im 8. Haus steht. Es ist sicher nützlich, wenn nicht sogar wichtig, solche Zusammenhänge (der Häuserherrschaft) auf diese Weise zu beachten. Vermutlich sind die Regeln der logischen Anordnung, die man nur bis zu einem bestimmten Punkt betrachtet, sogar sehr oberflächlich und könnten, wer weiss, manche Deutung durch Unschärfe verwaschen.

Aspekte

Bei den Aspekten ist es nach klassischer Auffassung wichtig, auch die Natur und mögliche Ähnlichkeit beteiligter Planeten in Betracht zu ziehen. Ein Quadrat zwischen Sonne und Mars, zwischen Mond und Venus oder zwischen Sonne und Jupiter ist etwas harmloser als wie ein Quadrat zwischen Sonne und Pluto, oder Sonne und Saturn. Aber manchmal ist das auch nicht so offensichtlich, und ein Quadrat der Venus auf den Mond kann für den Mond schlimmer sein als ein Quadrat des Jupiters auf den Mond. Es kommt drauf an, wie die Planeten im Zeichen stehen und welche Zusammenhänge und Konstellationen das Radix ingesamt bietet sowohl in der Art als auch in der Qualität, zB der besetzten Häuser im Vergleich der Planeten die darin stehen oder in diesen herrschen (zB Rezeptionen der Häuserherrscher).
Saturn und Sonne vertragen sich nur wenig und beide Planeten erfahren in einem Spannungsaspekt eine Minderung ihrer potentiell angelegten Kraft. Das gilt besonders für Oppositionen. 

Aktive Planeten können sich in der Opposition gegenseitig stärken (in der Regel wird der ranghöhere seine Kraft auf den niedrigeren übertragen, zB Uranus auf Mars). Sensitive Planeten (Venus, Mond) und vielleicht auch der Saturn werden durch Opposition anscheinend eher gebremst und blockiert. In abgeschwächter Form könnte das auch für Quadrate und Konjunktionen gelten.
Bei einer Opposition von Mond (passiver Planet) und Mars (aktiver Planet) erschweren sich beide Planeten gegenseitig in ihrer Wirkung; obwohl der Mond ja sonst wenig einen anderen Planeten beeinflusst, zeigt sich seine Wirkung psychologisch (strukturell) und hat von der Befindlichkeit ausgehend Teil am Ganzen - sowohl Mars als auch Mond stehen mit den Trieben in Verbindung: hier wird eine ganze Fläche oder Bereich der Psychologie beeinflusst, wenn Mond und Mars in Aspekt stehen. 

Aspekte zwischen ähnlichen Planeten intensivieren die jeweilige Energie.
Ein Aspekt eines Planeten zu einem im Zeichen schwierig stehenden Planeten (zB Mars in Fische), kann diesen Planeten helfen, wenn der erste Planet seiner Natur entspricht. Handelt es sich zB um die Sonne in Konjunktion mit Mars (beide in Fische), wird die Sonne dem Mars etwas stärken können, weil die Sonne eine ähnliche (feurige) Qualität wie der Mars hat und das Quadrat ebenso dem Feuer entspricht (normalerweise wird aufgrund der Umlaufgeschwindigkeit und daraus hervorgehender Rangfolge die Sonne aber eher von Mars beeinflusst; hier aber steht Mars in einem ungünstigen Zeichen und kann nicht so viel beeinflussen, als wie er mehr beeinflusst wird). 

Das gilt auch, wenn die Sonne und der Mars zwar im selben Zeichen stehen, aber der Orb für eine nennenswerte Konjunktion zu gross ist (selbst wenn die Sonne auf 29° steht und Mars auf 1°).
Steht Mars auf 29° Waage (in einem für Mars ungünstigen Zeichen) und erhält ein Quadrat von der Sonne, aber der Aspekt würde erst genau, wenn Mars in Skorpion stünde (ein Aspekt über die Zeichengrenze hinaus), ist die Stärkung ebenso wirksam, aber schwächer; sie wäre natürlich stärker, wenn der Aspekt genau wäre und der Aspekt innerhalb der Zeichen exakt werden würde. Man kann in Stundenhoroskopen Aspekte, die über die Zeichengrenze hinaus ragen, aber einen gewissen annehmbaren Orbis sehr wohl beachten. Sie wirken momentan auf die Angelegenheit ein.

Steht Mars in Opposition zur Sonne, ist er natürlich rückläufig. Er erhält aber auch hier eine Stärkung, wenn er etwa in einem für ihn ungünstigen Zeichen steht. Ansonsten ergibt sich ein komplizierter Zusammenhang, wenn der Mars stark im Zeichen steht, aber rückläufig in Opposition zur Sonne ist. 

Häuser und Planeten

Man kann die Würden der Planeten allerdings kaum auch auf die Häuserebene übertragen. Man muss für die Häuserebene eine andere Perspektive wählen, denn die Häuser sind nicht gleichzusetzen mit den Zeichen - beide wirken verschieden voneinander.
Nun gibt es zwei Reihen, die aus dem arabischen Mittelalter überliefert wurden mit zwei besonderen Perspektiven, einmal bezogen auf den Planeten und einmal bezogen auf die Aufgaben des Hauses. In der ersten werden die Freuden der Planeten genannt, wo er sich wohl fühlt; die andere Reihe folgt ganz unten von Al-Biruni:

Freuden der Planeten:

Sonne im 9. Haus
Mond im 3. Haus

Merkur im 1. Haus
Venus im 5. Haus

Mars im 6. Haus
Jupiter im 11. Haus

Saturn im 12. Haus

Stellungen in diesen Häusern sind für die Planeten gut.

Aus dem Gesichtspunkt der Häuser (also nicht aus dem Blickwinkel der Planeten) stehen nun die Planeten in folgenden Häusern gut (nach Al-Biruni), und zwar hinsichtlich der Belange, Aufgaben und psychologischen Natur des entsprechenden Hauses:

Sonne im 10. Haus 
Mond im 4. Haus 
Merkur im 9. Haus 
Venus im 7. Haus 
Mars im 3. Haus 
Jupiter im 2. Haus
Saturn im 8. Haus

Die Grenzen

Dabei handelt es sich um Teilabschnitte in einem Zeichen, wo ein entsprechender Planet (ohne Sonne und Mond, aber alle persönlichen Planeten bis Saturn) eine günstigere Wirkung als wie im Rest des Zeichens entfalten kann. Ptolemäus berichtet komplizierte Regeln, wie sich diese Grenzen herausgebildet haben bzw. begründen lassen. Er berichtet von einer ägyptischen Manier, bei der die Grenzen an die Regentschaft der Häuser angelehnt sind, und einer chaldäischen Manier, bei der die Trigonverhältnisse entscheidend sind; und bietet auch noch sein eigenes System an. Die ägyptische Herleitung ist wohl am komplexesten und das chaldäische am einfachsten nachzuvollziehen. Die meisten Astrologen des Mittelalters orientierten sich an der ägyptischen Manier.
(siehe auch gil Brand: Lehrbuch der klassischen Astrologie; S. 197 und Ptolemäus: Tetrabiblos S. 62 im ersten Buch).

Dass die Größe der Grenzen zum Ende eines Zeichens - verhältnismässig zum Anfang - kleiner werden, kann damit erklärt werden, dass die Zeichen am Ende jeweils verdichteter sind und so einen kleineren Raum beanspruchen.

Es müssen wohl noch Erfahrungen über die Grenzen gesammelt werden. Eine Hinzunahme in die Deutung mag vielen verlockend erscheinen, weil es dann ein weiteres Mittel ist, das man anwenden kann. Aber ob das sinnvoll ist, wenn man nur weiss, dass viele Astrologen vor 1700 die Grenzen angewendet haben, und doch nicht weiss, welche Perspektive damit verbunden ist? Es ist kla, dass man die Grenzen und sowieso alle Dinge selbst überprüfen muss, damit man auch die Wirkung versteht, falls diese Wirkung oder Grundlage auch wirklich stimmig und eindeutig ist. Auch die Intuition oder Versuche durch Meditation diesen Grenzen näher zu kommen, können sich lohnen. 

Viele moderne Astrologen verwenden die Grenze nicht, daher ist auch der Erfahrungsbestand geringer. Die Bücher, die heute darüber geschrieben haben, aber auch manch alter Astrologe, haben oft nur das berichtet, was bereits darüber geschrieben stand. Alte Astrologen (des Mittelalters oder der Antike) mögen zwar eine wichtige Lücke hier und dort schliessen, weil sie die Grenzen erklären oder kommentieren, aber es gibt eben so viele verschiedene Systeme der Grenzen, dass am Ende nur die Annahme übrig bleibt, dass entweder die Grenzen konstruiert sind und willkürlich, oder aber die verschiedene Ausprägung bei verschiedenen Epochen und Autoren daran liegt, wie zB in ähnlicher Weise Merkur und Venus je zwei Gesichter haben, und jeder Planet solchermaßen sein Gesicht wandeln kann. Dann wird vielleicht klar, warum bei dem einen Autor Merkur auf einer bestimmten Zone eines Zeichens als Grenze regiert (Merkur die ersten 7° Wassermann), und bei einem anderen Autor in fast derselben Zone Saturn - das könnte dann so übersetzt werden, dass Merkur und Saturn unter gegebenen Umständen eben auch ein ähnliches "Gesicht" haben können; immerhin als vielleicht weit hergeholter Gedanke (und gleichfalls konstruiert): In der modernen Astrologie wird Uranus (Wassermann) als höhere Oktave des Merkurs angesehen, und auf der Ebene der Würden herrscht Saturn über Wassermann - so entstünde schon mal ein Zusammenhang, der zumindest die Verschiedenheit der Perspektiven oder Auffasungen begründet. Usw.

Grenzen sollen auch Einfluss auf Aspektbildung haben - wenn zB ein applikativer Aspekt (Beispiel: Konjunktion) nicht innerhalb der Grenze stattfindet, ist das bei einigen Autoren (al Biruni) schon kein echter Aspekt mehr, er ist verhindert. Dies gilt ansonsten nur für einen dritten Planeten, die zwischen den beiden steht oder einer Zeichengrenze.

Eine Grenze gibt es zum Beispiel auf den ersten sechs Graden des Löwe, in dem Jupiter etwas besser steht als im übrigen Zeichen Löwe. Und Venus findet auf den ersten sechs Graden Steinbock ihre Grenze (Ptolemäus). Jedoch bei den Ägyptern nimmt Merkur die ersten sieben Grade von Steinbock als Grenze. Die Grenzen werden von den Triplizitäten, Domizilen und Erhöhungen eines Zeichens hergeleitet. 

Dekane

Den Dekanen, jene drei gleichgrosse Abschnitte des Zeichens, weisen eine Besonderheit auf, was die Verarbeitung, Bewertung und Bezugsnahme auf alle Erfahrungen angeht, die man mittels eines Zeichens macht. Es gibt für jeden Dekan eines Zeichens auch einen entsprechenden Versuch, ihm Planeten zuzuordnen, die darin jeweils einen besseren oder schlechteren Stand hätten. Bislang sind dazu kaum Erfahrungswerte vorhanden, um diese Zuordnungen belegen zu können.

Eine einheitliche Struktur der Dekane wiederholt sich aber bei allen zwölf Zeichen und das betrifft die unterschiedliche Ausrichtung der Energien in den drei Abschnitten eines Zeichens.

Die Dekane (auch Dekanate genannt) sind gleichgrosse Unterteilungen der Zeichen. Jedes Zeichen weist dabei drei Dekane auf - somit ist jedes Dekan 10° groß. 

Die Dekane verkörpern meiner Ansicht folgende Besonderheiten eines unterschiedlich angelegten Innen/Aussen-Bezuges: 

Der 1. Dekan entspricht einer Bezugnahme nach Innen: +Innen/-Außen

Der 2. Dekan entspricht keiner eindeutigen Bezugnahme nach Innen oder Außen: +Innen/+Außen

Der 3. Dekan entspricht einer Bezugnahme nach Außen: -Innen/+Außen

Frank Felber nennt die drei Bereiche: mental, astral und physisch.

In diesen drei Abschnitten eines Zeichens verursacht das Zeichen eine jeweils verschiedene Grundorientierung. Es geht um die Bezugnahme, mit der der Geborene die Qualitäten des Zeichens verwirklichen will, und die im Leben gemachten Erfahrungen mittels des Zeichens bewerten kann.

Der Bezug geht eindeutig nach Innen oder Außen, oder es gibt keinen eindeutigen Bezug: Dann übernimmt nicht Innen oder Außen die massgebliche Rolle, um eine Erfahrung zu lokalisieren, sondern im 2. Dekan das Zeichen. Das Zeichen ist in der Mitte am wesentlichsten ausgeprägt.

Im 2. Dekan gilt die Identifikation dem Zeichen (Sein), die des 1. Dekan der inneren Welt der Erfahrung (Identität) und im 3. Dekan gilt die Identifikation der äusseren Welt der Erfahrung (Wirken).

Die Identifikation mit dem Zeichen (im 2. Dekan) führt zu keiner minder schweren Einseitigkeit. Jede Dekanstellung hat ihre Besonderheiten.
Die Mitte eines Zeichens, also der zweite Dekan nimmt eine Sonderrolle ein, da sich hier kein eindeutiger Bezug ergeben kann (die Bezugnahme geht sowohl nach aussen wie nach innen), und so ergibt sich eine stärkere Identifzierung mit dem Zeichen. Denn das Zeichen nimmt die Rolle eines festen Bezugspunktes an. Eigentlich wird das Zeichen zum Bezugspunkt der gemachten Erfahrung. Im ersten Dekan geht der Bezug nach Innen, und im dritten Dekan nach aussen.

Die Identifikation im ersten Dekan entspricht der subjektiven Erfahrung des Zeichens, wie es in einem selbst widerhallt. 
Die Identifikation im dritten Dekan entspricht der Identifikation des Eigenen und des Zeichens, wie es durch die Geschehnisse der äußeren Welt widerhallt oder ein Anspruch zum Handeln entsteht, weil man im Außen gewisse Energien (des Zeichens) erwartet. 

Statt von Bezugnahme oder Identifkation (aus Sicht des Geborenen) kann man diese Umstände und Eigenschaften mit dem Begriff Polung oder Ausrichtung der Energien beschreiben.


Die Stärke eines Planeten bestimmen (Rangfolge der Würden)

Die klassische Regel: zuerst die Planeten in den Zeichen auf Würden hin untersuchen (Domizil und Erhöhung), dann die Triplizitäten.
Erst nach dieser grundlegenden Bestimmung die Häuser und Aspekte, dies sind akzidentelle Würden. Ebenso kann ein wenig über beisteuern, ob ein Planet in seinem eigenen Licht steht (ein Tagplanet oberhalb  des Horizontes, ein Nachtplanet unterhalb).

Normalerweise werden zu den klassischen Würden auch Grenzen und Dekanate gezählt. Aus modener Sicht kann man freilich versuchen eine Rangfolge aufzustellen. Ich  betrachte die Dekanate und Grenzen theoretisch nur, wenn die ersten vier Kriterien nicht ausreichen; praktisch benutze ich die Grenzen und Dekanate aber noch nicht, um die Stärke eines Planeten zu bestimmen, weil die Angaben darüber verschieden sind und eigene Erfahrung noch nicht vorgedrungen ist zu individuellen Charakteristika der Dekane oder Grenzen :

1. Würden in den Zeichen (Domizil und Erhöhung)

2. Triplizitäten 

3. Häuser:

Eckhaus Rangfolge: 10. Haus, 7. Haus, 4. Haus, 1. Haus (1. und 4. Haus können unter Umständen ihre Rangfolge vertauschen);
Planet steht nicht in Bezug zum 12., 6. oder 8. Haus (Mars steht aber nach klassischer Auffassung gut in 6 und Saturn gut in 12; siehe auch die Freuden der Häuser).

4. Aspekte

Günstige zu Venus und Jupiter
Ungünstige zu Mars und Saturn
Weitere Aspekte

5. Grenzen

6. Dekanate

Es kann auch wichtig sein zu beachten, wieviele Aufgaben im Horoskop ein Planet hat, also wie sehr er strukturell integriert ist. 

Wenn zum Beispiel unklar ist, welcher von zwei Planeten im Domizil der stärkste sein könnte, wird es vielleicht offensichtlicher, wenn einer von diesen beiden auch gleichzeitig mit dem Aszendenten in Verbindung steht, und sei es, dass er nur erhöht in diesem Zeichen des AC stünde (=Herrscherbezug zweiten Grades). Es kann auch ein Planet sein, der über zwei sonstige Häuser herrscht, weil zwei Hausspitzen in diesem Zeichen stehen. Die Planeten Saturn, Mars, Jupiter, Merkur und Venus herrschen jedoch von Natur aus schon über zwei Zeichen, und diese natürlichen Regentschaften müssen unterschieden werden von eventuellen Regentschaften über solche Zeichen, die über zwei Häuser herrschen.  

Weiterhin, ob ein Planet von vielen anderen Planeten ein Dispositor ist (wenn zum Beispiel 5 Planeten in Steinbock stehen, kommt Saturn eine enorme Bedeutung zu). Diese Kriterien stellen offensichtlich akzidentelle Würden dar, obwohl das so nicht in der klassischen Literatur explizit genannt wurde.
Dabei sollte auch beachtet werden, wie gut die Dispositoren stehen im Verhältnis zum disponierten Planeten. Beispiel: Mars in Widder ist Enddispositor. Er stünde sehr gut zu einer Sonne, die in Widder ihren Enddispositor findet (da Widder das Erhöhungszeichen der Sonne ist). Oder anderes Beispiel: Saturn in Waage als der Dispositor des Wassermann-Aszendenten, einer Steinbocksonne und einigen anderen Planeten in Wassermann oder Steinbock. Saturn in Waage ist erhöht und hat damit einen guten Stand. Usw. Wenn der Stand eines Dispositors schlecht ist, dann dürften die disponierten Planeten

Der Geburtsherrscher

Bei dem stärksten Planeten geht es um die Gestaltungskraft, die dem Horoskopeigner am besten zur Verfügung steht. 

Der Geburtsherrscher oder Horoskopherrscher steht dagegen in Bezug zu der Lebensauffassung, und dem Seinskonzept, das einem Menschen gegeben ist.

Einen Geburtsherrscher muss es in jedem Horoskop geben! Es kann dennoch schwer sein, einen solchen Planeten zu identifizieren. Moderne Astrologen nehmen dazu einfach den Herrscher des AC-Zeichens, egal wie gut oder schlecht dieser steht.

Beim Horoskopherrscher wird in jedem Fall der Bezug auf den Aszendenten hergestellt. Und zwar indem man schaut, welche Planeten, die in einem Bezug zum Aszendenten stehen, am stärksten sind. 

Van Slooten nennt in Anlehnung an die klassische Astrologie eine Methode, um den Horoskopherrscher zu bestimmen, die meines Erachtens nach sehr stimmig ist:

1. Zunächst schaue man stets auf den Herrscher des Aszendenten-Zeichens. Steht dieser Planet in Domizil, Erhöhung, Triplizität oder akzidenteller Würde (Eckhaus, gute Aspekte, keine ungünstigen Aspekte)? Dieser Planet muss nun mit den weiteren Möglichkeiten verglichen werden: 
Wenn ein Planet am AC steht, übernimmt er in der Regel die Aufgabe des Geburtsherrschers, er darf nur nicht zu weit entfernt stehen. 
Steht er zu weit entfernt im 1. Haus oder im 12. Haus (noch weniger wirksam), und steht er überdies im AC-Zeichen nicht in Würde (Domizil, Erhöhung, Triplizität), muss weiter verglichen werden.

2. Der eventuelle Erhöhungsplanet des AC-Zeichens, wenn bisher noch kein Planet gefunden werden kann. Aber nicht jedes Zeichen kennt eine traditionelle Erhöhung.

3. Schliesslich bietet sich als dritter Weg den der Triplizitätsherrschaft an (einer der Planeten, der zum Aszendenten-Zeichen in Triplizität steht; zB ist das bei einem Jungfrau-AC und einer Taggeburt die Venus, und als partizipierender Planet auch Mars).  Dieser Triplizitätsherrscher aber muss zugleich bedeutend stark stehen, in akzidentellen oder am besten noch in essentiellen Würden.

4. Falls kein Planet am AC steht und sich weder der AC-Herrscher, sein Erhöhungsplanet und auch kein Triplizitätenherrscher, der selbst gut steht,  anbietet, kann man untersuchen, ob der Dispositor des AC-Herrschers gut steht; wenn der Aszendent Stier ist und die Venus in Widder steht, so ist Mars der Dispositor des AC-Herrschers Venus (Stier-AC).

5. Dispositor von Sonne oder Mond. Sonne und Mond sind immerhin noch Bestandtteil der Strukturen des Seins und der Persönlichkeit (vergl. Aszendent) - und wenn der Dispositor stark genug steht, während alle anderen Zusammenhänge des Aszendenten schwach stehen, wird der Hintergrund, mit dem der Horoskopeigner sich in seiner Welt zurechtfinden will und Orientierung und Handlung sucht, vom stark stehenden Dispositor von Sonne oder Mond vermutlich erheblich bestimmt werden; womit dann eine besondere Verdeutlichung in die Strukturen des Seins vorliegt, mit der sich die Dispositoren von Sonne und Mond anbieten können - selbst wenn sie über keine  offensichtlichen Verbindungen zum Aszendenten verfügen.  

6. Der MC-Herrscher; hier wäre der Dispositor des MC-Herrschers schon ein zu langer Weg. Aber wenn alle anderen genannten Faktoren schlecht stehen und der MC-Herrscher aber gut, zB im Domizil, kann auch dieser die oben genannten Bestimmung und Leitidee für den Horoskopeigner erfüllen. Der normale Geburtsherrscher (Herrscher des AC) ist dann, und zwar abhängig von seiner Stellung, entweder Ziel der Erfüllung, oder regelmässig Teil einer Schwierigkeit der Erfüllung. Während der MC-Herrscher Land sieht und Land gewinnt.

Beispielhoroskop Beispiel: Krebs-AC. Mond in 4, Mond in Skorpion. Dispositor des Skorpion, der Mars, steht in 10 in seinem Domizil Widder.
Der andere Dispositor Pluto steht zwar in einem Eckhaus akzidentell stark, aber zunächst verfolge ich immer den schnelleren Planeten als Herrscher bzw. Dispositor.

Jupiter als Erhöhungsplanet des AC-Zeichens steht in Wassermann und im 7. Haus, also einem Eckhaus und in (partizipierender) Triplizität, und damit nicht mehr peregrin.
Die Konjunktion mit Venus wird nicht zustande kommen, weil Venus vorher rückläufig wird - es ist deshalb nur ein vom Orbis her gültiger, aber kein vollwertiger Aspekt.
Jupiter hat sonst nur ein applikatives Quadrat zum Mond (immerhin steht Jupiter im Zeichen des Mondes in Erhöhung; Mond/Jupiter -Verbindungen können vermutlich als in der Tendenz günstig angesehen werden); das Sextil zu Merkur ist beinahe schon 6° separativ und mag nur schwach wirksam eine Rolle spielen, immerhin steht Merkur in Schütze und damit im Zeichen des Jupiters, und man mag das Sextil durchaus als vorhanden, aber schwach einschätzen, da Merkur zudem noch im Exil steht.
Mars hat ein Sextil zu Saturn im 12. Haus, einem Haus in dem Saturn in der Freude steht. Damit steuert Saturn einen nicht mehr ganz ungünstigen Einfluss bei. Ich tendiere allgemein auch zu der Auffassung, dass man die weiteren Aspekte in moderner Hinsicht betrachten und beurteilen kann, und da weist Mars eine Opposition zu Uranus und ein Trigon zur Sonne auf, was beides den Mars noch Antrieb oder Kraft (Uranus) und Absicht (Sonne) verleiht. Uranus und Sonne sind Planeten des Selbst, nur führen beide unterschiedliche Wege an, um das Selbst zu erreichen. 
Das Sextil des Mars zu Saturn kann immerhin noch leicht die Durchsetzung durch Disziplin und Konsequenz ergänzen.
Der Mond steht im Zeichen Skorpion in Fall; aber ein abgemilderter Fall durch die gleichzeitige (partizipierende) Triplizität des Mondes, und der Mond steht in seinem eigenen Licht (d.h. als Nachtplanet unterhalb des Horizonts), in einem Eckhaus und sogar in seinem eigenen Haus. Der Mond und Jupiter böten sich wegen ihres direkten Bezuges zum Aszendenten vielleicht an, wenn es keinen stärkeren Planeten gäbe, und wenn der Mond nicht durch Aspekte geschwächt wäre.
Daher steht Jupiter ein wenig besser als der Mond. Jupiter ist auch Dispositor der Sonne. Jupiter steht überdies in einer partizipierenden Triplizität, was auch der Mond tut, aber der Mond steht im Skorpion gleichzeitig auch in Fall.
Nun ist aber der Dispositor des Skorpion, also Mars, dermassen stark gestellt, dass er die Rolle des Horoskopherrscher (Geburtsherrschers) eindeutig übernimmt und noch dazu im ganzen Horoskop der stärkste Planet ist. Ausserdem ist der Mars auch MC-Herrscher.

Man kann es aber auch erkennen, dass Mars mit Jupiter und etwas weniger mit dem Mond die Aufgabe des Horoskopherrschers sich teilen. 
Bei diesem Horoskop handelt es sich übrigens um mein eigenes.

Der Horoskopherrscher hat eine grössere Bedeutung als ein ansonsten stark in den Würden stehender Planet. Der von den Würden stärkste Planet kann allerdings ein hervorragendes Gestaltungsmittel für den Horoskopeigner bedeuten und ist aus dieser Perspektive der stärkste Planet.

Die klassischen Astrologen sahen die Triplizität mit einigem Gewicht.
Wenn ein Planet zB Herrscher des Aszendenten ist (sein Domizil dort hat), und zusätzlich in einem Zeichen steht, wo er ein Domizil aufweist, kann der Erhöhungsplanet des AC-Zeichens mit diesem ersten vielleicht konkurrieren, wenn er in einem Zeichen steht, wo er auch nur eine Erhöhung haben braucht. Weitere akzidentelle Würden und evtl. Triplizität bestimmen nun, wer der stärkere ist, viel wahrscheinlicher teilen sie sich aber die Aufgabe.

Weiteres:

Eventuell als leicht ungünstige Stellung - bei der Notwendigkeit zu differenzieren - auch Planeten im 3. oder 9. Haus, weil fallende Häuser.
Slooten nennt auch das 7. Haus als bedenklich, aber ich würde das 7. Haus nur für Mars und Saturn als ungünstig hinsichtlich dieser Untersuchungen ansehen, vielleicht noch für Merkur und dann noch ein bisschen weniger an Relevanz für die Sonne.

Der Horoskopherrscher (der in Bezug zum Aszendenten ermittelt wird) stellt einen wichtigen Teil der Persönlichkeit dar, über dessen Verwirklichung tiefe Erfüllung gefunden werden kann. Dieser Planet ist weitaus mehr noch Orientierungspunkt und damit überhaupt sehr wichtig für alle Interessen, Aufgaben, Chancen oder Nöte im Leben des Horoskopeigners.
Ist der Horoskopherrscher zugleich auch der stärkste Planet im Horoskop (zB weil kein anderer Planet stärker steht), dann wird es der Horoskopeigner anfangs vielleicht schwer finden, die gewaltigen Verwirklichungsaufgaben zu entsprechen, aber kann dann später umso mehr alle seine Bedürfnisse, um sich glücklich und im Leben angekommen zu fühlen, unter einem Hut zu bringen. 

Zu weiteren (akzidentellen) Würden gehört auch, wenn ein Planet in seinem Licht steht. Das ist dann der Fall, wenn ein Planet, der am Tag herrscht (zB Sonne, Jupiter und Saturn) in einem Tageshoroskop oberhalb des Horizontes steht. Analog bei Nachtplaneten unter dem Horizont. 
Weitere Kriterien, die man heranziehen kann, sind die Aufgaben, die ein Planet zu erfüllen hat, wenn er zB von mehreren anderen Planeten Dispositor ist oder über mehrere Zeichen herrscht, oder über bedeutende Hauptachsen herrscht (evtl. auch über den aufsteigenden Mondknoten).

Die Venus als Abendstern hat Waage-Eigenschaften (Luft) und steht folglich in 7 noch besser, als wenn sie im 7. Haus stünde während sie Morgenstern wäre (Stier-Qualitäten), aber auch dann steht sie im 7. Haus gut; - die Venus als Morgenstern hat Stier-Eigenschaften (Erde) und steht im 2. Haus folglich sehr gut. Aber auch als Abendstern (Jungfrau-Qualitäten) wird sie im 2. Haus gut stehen.

Der Merkur als Abendstern hat Jungfrau-Qualitäten (Erde) und steht in 6 sehr gut; der Merkur als Morgenstern hat Zwillinge-Qualitäten (Luft) und steht in 3 noch besser, als wenn er als Abendstern dort stünde. Wenn Venus und Merkur in ihren jeweiligen Häusern stehen, und das Zeichen nicht grundsätzlich ungünstig ist (zum Beispiel Fische für Merkur oder Skorpion für Venus), ist es ein fast so starke Wirkung, als stünde Venus/Merkur in ihrem eigenen Zeichen.

Dann kann man die Planetenstunde noch heranziehen (jede Zeit des Tages hat seine Planetenstunde), um vielleicht zwei Planeten, die beidermassen stark stehen zu differenzieren. Denn vielleicht entspricht die Planetenstunde oder der Wochentag einem dieser Planeten und kann diesen Planeten so gesehen unterstützen in seiner Kraft.

Anmerkung zu den essentiellen Würden, akzidentelle Würden, die Rezeptionen und weitere bestimmende Zusammenhänge: Es geht immer um die stärksten Energien. Viele besonderen Fälle, wie sich diese Energien im Radix verteilen und bestimmen lassen, sind nicht immer berücksichtigt. Meiner Meinung nach, wird eine gewisse Breite und Tiefe genügen, um die "Kontur" und den roten Faden der stärksten Energien nachzuvollziehen. Aber man mag überrascht sein, auf wie viele Dinge man bislang kein Auge hatte, weil man sie noch nicht kannte. Denn all das kommt zusammen. Es wird wichtig sein, dass man immer vor Augen hat, dass es um die stärksten Energien geht, zuerst das Grobe, das oberst sturkturierende, und dann erst die Details und Feinheiten. Manche Details können das ganze Gebäude mit einem gewissen zusätzlichen Impuls ausstatten, aber umso tiefer man gehen wird, wird man feststellen, dass dabei auch der Impuls immer geringer im Verhältnis zu den wichtigsten und massgeblichsten Energien wird. Letztlich dreht es sich aber auch um Schichten und Perspektiven, die man auf diese Weise der Beachtung von Details erhält.

Planetenstunde und Tag

In der klassischen Astrologie findet man leider nicht so viel dazu. Einer der wenigen modernen Astrologen, die sich mit der Planetenstunde und Tag beschäftigt haben, ist Frank Felber.
Er spricht von der Planetenstunde als Indikator für das besondere Interesse, welches jemand Zeit seines Lebens haben wird. Die Planetenstunde ist die besondere Kraft im Leben eines Menschen, mit dem dieser sich positiv wie negativ auseinandersetzen wird.
Das kann bei der Sonne nicht nur die richtungsweisende Kraft sein, ein selbstständiges Leben zu führen, sondern kann auch möglicherweise leicht zu Eitelkeiten führen oder Egozentrik mit sich bringen.
Es ist eine Kraft, unter der jemand geboren wird und ist meiner Meinung nach vielleicht vergleichbar mit dem Nachnamen und der Herkunft (sozusagen ein Auftrag der Familienidee, der als solcher erkannt ist, mit dem man sich identifiziert, und somit nicht mehr Auftrag sondern Verlangen ist). Diese Kraft will eingesetzt werden.

Frank Felber spricht weiterhin von dem Wochentag, an dem man geboren wurde, als Signifikator eines möglichen Berufsweges oder als Tätigkeitsfeld (zB Mittwoch=Merkur: Schriften, Sprache, Kommunikation, Beratung durch Analyse und Kommunikation, Transport durch kurze Reisen, Handel; Freitag=Venus: Mode, Kunst, Beratung durch Begegnung und Austausch, auch Geschäfte; Samstag=Saturn: Verwaltung, Autoritäten wie Beamte oder leitende Positionen, Verantwortung). Unter dieser Kraft wird man geboren und es prägt das Geschick eines Menschen - ähnlich wie man in einem Land geboren wird, das bestimmte Eigenschaften auszeichnet, so übernimmt man einen Teil dieser Eigenschaften, weil man diese gelernt hat.

Felber nennt auch den höchsten Planeten, der im Horoskop am höchsten steht, der aber nicht mit der Stellung des MC übereinstimmen muss. Allerdings weiss ich nicht, welche Bezugspunkte dieser höchste Punkt hat, also wie man ihn tatsächlich bestimmt. Manche Astrologieprogramme berechnen diesen Punkt. Felber meint, in der Regel ist der höchste Punkt in der nördlichen Hemisphäre der Punkt, der ins Quadrat zur AC/DC Achse fällt. Ein Planet, der am höchsten steht (oder auch auf sekundärer Ebene ein Asteroid) genau an diesem Punkt bedeutet für den Horoskopeigner der persönlicher Leitstern, ein Faktor, der ein Ziel darstellt, dessen Verwirklichung die höchste Bedeutung für den Horoskopeigner hat (spiritueller Aufstieg). Ob dieser höchste Punkt allerdings einen Planeten stärkt, ist nun nicht ganz klar. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass, wenn dieser Punkt im zehnten Haus liegt und wenn ein Hauptplanet aber kein anderer für diesen Planeten ungünstiger Hauptplanet in der Nähe dieses Punktes steht, und der Planet schon eine starke Position hätte, ihn der höchste Punkt noch weiter leicht stärkt.

Weitere Feinheiten

Rückläufigkeit ist immer ein Minuspunkt für die Stärke eines Planeten. Diese Planeten sind nicht schlechter, haben aber eine Wirkung und Zielsetzung, die vom übrigen Radix gewissermaßen nicht geteilt wird und andererseits die Negativität des Planeten und damit auch den negativen Ausdruck des Zeichens betonen können. Ausserdem kann man diese Kraft des Planeten nicht so leicht im Leben einsetzen -  ich denke, genau danach richtet sich die Beurteilung von stark stehenden Planeten, dass man sie im Leben gut einsetzen kann, wozu auch die mögliche Kontrolle oder Handhabung der entsprechenden Funktionen oder Möglichkeiten des Planeten gehört.

Nach klassischer Auffassung kann ein Planet etwas schlechter dran sein, wenn er selbst zwar nicht im Exil oder Fall ist, aber einen solchen Planeten im Exil oder Fall aspektiert.
Ich denke, es kommt hier aber stark drauf an, ob dieser Planet, der von einem anderen schlecht stehenden Planeten aspektiert wird, selbst schneller oder langsamer ist, denn die Energien fliessen immer in Richtung schnelleren Planeten.
Wenn also Jupiter in einem neutralen Zeichen im Aspekt zu Merkur steht, der im Exil schlecht steht, dann wird Jupiter kaum berührt und im Gegenteil der schnellere Merkur durch den stabilen Jupitereinfluss vielleicht etwas gestützt, aber kann auch genausogut von jedem Aspekt sehr beeinflusst sein, da er keinen grossen Rückhalt in seinem Zeichen hat. 

Ein Aspekt des Planeten zum Aszendenten stärkt diesen Planeten angeblich ein wenig.

Ein Aspekt zu Wohltätern (Jupiter, Venus) stärkt den Planeten wie oben bereits erwähnt ein wenig, ein Aspekt von Übeltätern (Saturn, Mars) schwächt den Planeten ein wenig. 

Steht der Planet am absteigenden Mondknoten wird der Planet ebenso ein wenig geschädigt. Der aufsteigende Mondknoten kann eher als neutral angesehen werden, jedoch sieht die indische Astrologie auch diese Konstellation als schädlich für einen Planeten an.

Eine Konjunktion (nicht Opposition oder Quadrat) zur Sonne wird als prinzipiell leichte Schädigung des anderen Planeten angesehen. Dieser Planet wird auch psychologisch gesehen mit Anliegen überfrachtet. Die Sonne kann andererseits oft zum kompensierten oder übertriebenen Ausdruck gebracht werden (besonders bei Konjunktionen mit langsameren Planeten). In klassischer Hinsicht wird die Sonne spricht man aber in erster Linie von einer Schädigung des anderen Planeten bei einem Orbis unter etwa 7°. Die Schwächung eines anderen Planeten findet noch leicht statt, bei einem Orbis von etwa 15°-18°, was aber keine Verbrennung darstellt, sondern man bezeichnet es als "unter den Strahlen der Sonne". 
In moderner (psychologischer) Betrachtungsart gilt das Augenmerk gleichermaßen der Sonne wie dem anderen Planeten, ansonsten wird bei einem spannungsvollen Aspekt immer der Planet am meisten geschädigt, der der schnellere Planet ist. Klassisch gesehen scheint es keinen Unterschied in Bezug zu der Umlaufgeschwindigkeit zu geben; was vielleicht auch dadurch erklärt werden kann, dass die Transsaturnier noch nicht bekannt waren, bei denen dieser Unterschied viel gravierender ist als wie zB bei Jupiter oder Saturn. Die alten Astrologen schauten auch viel mehr auf die Naturen der Planeten, wie sie beeinflusst wurden - wir schauen mehr auf die Ausdrucksebene in der Psychologie eines Menschen. 

Die Sonne bildet bei den Aspekten eine leichte Sonderrolle, da sie als Lebenskern immer beteiligt ist, auch wenn es "nur" der Mond ist, der ein Quadrat zur Sonne bildet oder die Venus in Konjunktion mit der Sonne stünde. In allen diesen Fällen wird auch unsere Lebensrichtung (Sonne), und nicht nur der andere Planet (wie in diesem Beispiel Mond und Venus) erheblich beeinflusst. In der Regel ist es bei Aspekten mit der Sonne leichter nachzuvollziehen, dass der schnellere Planet von ihr geschädigt wird und ein langsamerer Planet mehr die Sonne beeinflusst.

Planeten an den Anfangsgraden eines Zeichens haben Feuerqualität, Planeten auf den Endgraden Erdqualität. Mir scheint, dass Planeten auf Endgraden komplizierter sind, und sowohl schädigend wirken können (Verausgabung, Haltlosigkeit oder Absturz, wobei nicht das Schicksal, sondern das Erleben dieses Schicksals bedeutsam ist), als wie auch zu überaus glücklichen Lebensumständen und Leistungsvermögen führen können. Man bezeichnet diesen Grad zurecht als "Alles oder Nichts" Grad und eine lange Zeit mag gar nichts gehen, und plötzlich manifestiert sich eine Wende und man ist im Leben angekommen. Genausogut kann man aber auch aus seinem Lebensfluß herausgerissen werden. Allgemein sagt man, dass ein Planet in den Endgraden von dem Zeichen, in dem er steht, keine Kraft mehr erhält. So ist die mögliche positive Qualität eines solchen Grades sicher neutralisiert aber die negative Eigenschaft des 29° auch nicht überragend. Vielleicht sollte man bedenken, ob der Planet in seinem Zeichen gut oder schlecht steht, um zu einem jeweiligen Urteil zu kommen. 

Es gibt keine Vermischung zweier Zeichen an den Zeichengrenzen. Der Zeichenübergang ist abrupt und absolut. Es gibt ab ca. 29°30' nur eine Beeinflussung durch das nächste Zeichen, aber der Planet ist und bleibt in dem Zeichen, bevor er nicht ganz im neuen angelangt ist. Die leichte Beeinflussung wird offenbar verstärkt durch die Tendenz eines solchen Planeten, sich in seiner Kraft etwas losgelöster entfalten zu können, was vermutlich sowohl negativ wie positiv wirken kann.

Literatur

Rafael Gil Brand, Lehrbuch der klassischen Astrologie; Chiron Verlag
Erik van Slooten, Klassische Horoskopdeutung; Chiron Verlag
Frank Felber, Lehrbuch der exoterischen und esoterischen Astrologie, Jupiter-Uranus Verlag.
Daniela Weise & Klemens Ludwig, Das große Lexikon der Astrologie, Bassermann Verlag.
Erin Sullivan, Rückläufige Planeten, Astrodata Verlag.
Margaret H. Gammon, Astrologie ohne Geheimnisse, Acrturus Verlag.

Klassische Astrologie

Es gibt meiner Meinung zwar eine klassische Ordnung, eine klassische Gesetzmäßigkeit, die alle Astrologen aller Zeiten entdecken und wiederentdecken können. Ob man aber diese Gesetze und Ordnungen allein mit dem Rückgriff auf klassische Astrologen findet, bezweifle ich sehr!

Von den Überlieferungen der Klassiker sind letztlich viele Aussagen und Systematiken auf ausgewählte Sichtweisen gegründet, auf perspektiven, nicht viel anders als wie heute - das ist auf persönliche Einschätzung und Auswahl der Perspektive gegründet. Es ist ein Irrtum, alle Aussagen der klassischen Astrologie als ungeprüfte und absolute Regeln zu nehmen.

Vor allem dann, wenn die in der Klassik aufgezeigten Verhältnisse und Zusammenhänge kompliziert werden und verzweigt in andere Details sind, fällt die Bewertung aus heutiger Sicht schwer - wir wissen kaum zu beurteilen, auf welche hintergründigen Paradigmen und auch Vereinfachungen der Deutung sie sich ihre ausgesprochenenen und auch unausgesprochenen Grundlagen erbauten.

Dass Intuition, Wissen, Einsicht gegeben war, ist anzunehmen, aber es war eine andere Zeit als wie die heute. Man differenzierte nicht so sehr wie heute. 

Man darf die Aussagen der alten Astrologen zu einem gegebenen Horoskop (das sie deuteten) nicht überinterpretieren, und als absolut nehmen.
Der Astrologe bezog sich damals auf ein Horoskop, und meint in der Art, wie er ein Horoskop deutet, nicht immer einen Regelsatz (das kann sein, muss aber nicht sein) -  sondern wenn er etwas sagt, bezieht sich das auf das ihm vorliegende Ereignis oder Person und Horoskop. Und eben nicht auf den Versuch, zu einem Zeichen oder Konstellation eine allgemeine Regel aufzustellen. 

Was sonstige Regelsätze angeht, handelt es sich um grobe Einschätzung der tauglichsten Herangehensweise, die sich bei  jedem Astrologen je nach Grad und Art der Feinfühligkeit unterscheiden kann. Auch muss unbedingt in Rechnung gestellt werden, was nicht ausgesprochen wurde. Wenn heute jemand angibt, er meide die 3 Tage nachdem der rückläufige Merkur stationär wurde, und ein anderer meint, "das stehe aber in keinem klassischen Regelwerk", so muss einfach gesagt sein, dass Letztere keine Ahnung hat, was derjenige überhaupt an massgeblichen Einflüssen heranzieht. Und das ist sicher nicht gebunden daran, ob die Formuluierung bereits in einem Regelwerk der Alten stand. Das wäre wirklich eine ungeprüfte Astrologie.

Der klassische Astrologe schrieb in der Regel kein Lehrbuch, wie wir heute eines erwarten würden, sondern führte Protokoll über seine Deutung. Er führte Protokoll, er dachte sozusagen laut. Was geschrieben ist, spiegelt  seine Gedanken, und die sind direkt und konkret auf den vorliegenden Fall gerichtet und nicht auf allgemeine Regeln. In 85% aller Aussagen eines klassischen Astrologen verhält es sich ausschliesslich so. Der Rest beinhaltet sicher das, was sich an allgemeinen Regeln aufstellen lässt, aber sie sollten heute als Ideen verstanden werden. Und diese Ideen müssen in ihrem Gehalt wirklich verstanden werden und nicht nur wiedergekäut werden. Das geht nur über den eigenen Nachvollzug, und was stellt man in der Praxis dann fest? Dass es auch andere Methoden als die der Alten gibt.

Es geht auch um praktische Gesichtspunkte: es lassen sich  zum Beispiel die Gradzahlen für Orben nicht genau durch eindeutige Zahlen festzulegen, wobei man aber sicherlich unterscheiden kann zwischen einer gewissen Schwelle, ab der ein Aspekt überhaupt keinen Einfluss mehr hat, und einer Schwelle, unter der die Kräfte deutlich wirksam und gut beobachtbar sind. 

Da hat aber letztlich jeder Astrologe seine eigene Pragmatik, oder Beurteilung, und es gibt zu viele Besonderheiten (damit verschiedene Ebenen), die eine allgemeine Regel unmöglich machen.

Es gibt eine Klassische Astrologie und eine klassische Astrologie (klassisch klein geschrieben). Diesen Unterschied sollten sich die Hardliner der Klassischen Astrologie vergegenwärtigen, bevor sie wieder mit dem Aburteilen beginnen, dass dies oder das ja keine echte Klassische Astrologie sei. Als ob man klassische Grundsätze nur auf eine bestimmte Astrologie anwenden könnte.

Ich glaube, in der Musik und bestimmten Stilepochen der Kunst kann man von Klassik reden, die einen Rückbezug auf die Antike vollzieht, und was vor allem die Formensprache betrifft. Diese Ästhetik der Alten ist geleitet von der Idee des Schönen.
Für die Astrologie aber müssen wir in Betracht ziehen, dass das antike Verständnis der Astrologie zwar tiefgründig war, aber zudem auch sehr eng gefasst war. In Teilen offenbart das antike und mittelalterliche Wissen die fehlende psychologische Komponente (Menschen- und Seelenkunde). Wahre antike Astrologie müsste hingegen Sehertum gewesen sein.

In der Astrologie ist meiner Meinung nach klassisch all das zu nennen, was eine solide und unveränderliche Grundordnung der wirkenden astrologischen Faktoren betrifft. Insofern stellt sich damit Wahrheit dar. Schreibt man Klassische Astrologie, also Klassik als Nomen, dann beschreibt man einen Rückgriff auf die Methoden alter Astrologen. Ob sich die alten Methoden völlig nachvollziehen lassen, bezweifle ich aber sehr. Letztlich muss eine Deutung geleistet werden, und das geht nur über das Hier und Jetzt und den heutigen Bedingungen psychologischer oder kultureller Wissensbestände.

ARTIKEL:

Klassische Astrologie und moderne Astrologie

 
April 2007
Stefan Arens
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