Welche Lilith?
Es geht hier um einen bestimmten
Brennpunkt
zwischen den Umlaufbahnen des Mondes und der Erde. Dieser Punkt wird
von manchen auch Apogäum genannt.
Nicht behandelt werden hier der Asteroid
Lilith (1181) und
die hypothetische Lilith (manchmal auch Waldemath
Lilith
genannt). Ich bin sicher, dass auf einer bestimmten Ebene diese drei
Faktoren eine Ähnlichkeit aufweisen, doch ebenso sicher bin ich, dass
es gravierende Unterschiede gibt.
In einer sehr alten, wahrscheinlich sogar ältesten Darstellung
der
Lilith (sumerisch), wird diese Göttin als eine nackte geflügelte Frau
mit Klauenfüßen dargestellt.
Rechts und links von ihr sitzen zwei Eulen
als Symbole ihrer Weisheit.
Es heisst in der Bibel: Lilith sei von Gott eigens für
Adam -
der nicht
allein
sein wollte - aus Erde geschaffen worden.
Sie wurde nun Lilith
genannt.
Das Irdische steht hier in einem entfernten Bezug auch in Verbindung mit dem Anteil der Frau an der Zeugung. Sie liefert den Stoff, die Substanz - genau das ist eine Ursymbolik des weiblichen Archetyps. Lilith galt auch als Herrscherin der Nacht.
Im Mythos heisst es weiter:
Lilith sagte zu Adam: "Ich will nicht unten liegen."
Er aber sagte: "Ich will nicht unten liegen sondern oben, denn
du bist
dazu bestimmt
unten zu liegen."
Sie: "Wir sind beide gleichberechtigt, denn wir sind beide
aus Erde geschaffen."
Aber sie hörten nicht aufeinander.
Als Lilith dies sah,
... flog sie in die Luft davon.
Drei Engel werden hinter ihr hergeschickt, um sie zurück zu holen und finden sie am Roten Meer.
Doch Lilith kommt nicht. Auch nicht, als ihr angedroht wird,
daß jeden
Tag hundert ihrer Kinder sterben. Sie droht ihrerseits, daß sie Kinder
schädigen wird,
und zwar:
"acht Tage alte Knaben und zwanzig Tage alte
Mädchen."
Nur die Kinder, die ein ihr geweihtes Amulett tragen, wird sie verschonen.
Zum einen gibt es in der Zahl der 28 Kinder die
offensichtliche Symbolik der 28 Mondtage.
Andererseits erscheint diese
Mythologie in einem sehr sexuellen Licht.
Jedenfalls wird diese Mythologie in dieser Weise oft überliefert und auch heutzutage interpretiert. Meiner Erfahrung nach, deutet die Lilith nur aus zweiter Sicht, aber nicht direkt astrologisch auf die weibliche Symbolik hin. Mehr dazu weiter unten.
Der Zohar, aus dem der oben beschriebene Mythos berichtet wird, ist vielleicht für eine Männerwelt geschrieben. Ist da nicht auch die Losung für die Zwangsverheiratung als einer alten Stammessitte im Hintergrund verborgen?
Lilith könnte für das eine als wie für das
andere
gehalten werden.
Sie könnte vor allem für Emanzipation oder Autonomie stehen - aber
indem
man
sich ja emanzipieren muss, ist auch eine vorherige empfundene
Not
und der Zwang zur Befreiung gegeben: so
steht
Lilith vielleicht zusätzlich neben sonstigen Bedeutungen für: eine
Erfahrung von Zwang durch eine sich aufdrängende
nötige
Auseinandersetzung. Bei dieser Erfahrung steht die Frage nach
Freiheiten im Vordergrund.
Dieser Wunsch nach Freiheit ist
zunächst im
weitesten Sinne zu verstehen. Genauer, scheint es eine Art
Unbeholfenheit und Unerfahrenheit zu sein, die mit Lilith
korrespondiert. Wir haben mit ihr eine gewisse, sehr ungewöhnliche
Kapazität, aber selten die Einsicht, wie wir diese nutzen können.
Man sollte Aspekte, die Lilith erhält (zB mit typisch weiblichen Faktoren) nicht mit der Bedeutung der Lilith verwechseln. Ähnliches geschieht in der Ergründung der Lilith aber leicht, weil jeder Faktor, der zu Lilith einen Aspekt hat, quasi an den Ort gezogen wird, wo die Lilith selbst steht - als erweitere sich der Einflußbereich des Planeten, der mit Lilith im Aspekt steht, in das Haus der Lilith. Auch die Wirkung dieses Planeten in seinem Haus ist bedeutsam, um durch ihn die Lilith in dem anderen Haus besser zu verstehen.
Manchmal ist das Zeichen der Lilith stärker, manchmal nicht so offenkundig.
Zunächst
scheint ganz allgemein
eine Eigenschaft von Spiegelung mit Lilith gegeben.
Wenn Lilith
mit einem
Planeten in Aspekt steht, wird dieser Planet bei Lilith gespiegelt.
Dies kann mit einem
Schatten des
Planeten verglichen werden - oft wird einfach die Haltung
des
Horoskopeigners und sein Umgang mit dem entsprechenden Planeten in
Lilith gespiegelt. Man kann die Wirkung der Lilith auch bildlich als
"Loch" beschreiben, das Lilith dem Planeten aufstellt. Es ist unsere
Haltung und Umgang, in welcher Weise dieses Loch von einem Planeten im
Aspekt zu Lilith "gefüllt" wird. Es ist also kein wirkliches
Loch, aber bei Lilith wird etwas "hingetan", das von dem aspektierten
Planeten herrührt.
Lilith erweitert die
Dimension der Erfahrung und die Dimension der Auswirkung von Planeten,
die im Aspekt mit Lilith stehen.
Der
mit Lilith aspektierte Planeten versetzt Lilith in die Lage, in ihrem
Haus und Zeichen eine Erweiterung dieser Planeten zu schaffen.
Beispiel:
Ist Venus im Aspekt zu Lilith beteiligt, kann es bei einer Frau im
weitesten Sinne um das Thema Weiblichkeit gehen, wie sie diese für sich
zum Beispiel erfährt. Bei einem Mann um die Art und Weise, wie
er
mit Frauen umgeht oder welche Rolle Frauen für ihn spielen.
Natürlich gibt es auch andere Entsprechungen der Venus, die neben
normalen Beziehungsverhalten auch für Geld oder Selbstwert stehen kann.
Und meistens sogar einfach nur für den persönlichen Geschmack. Neben
Jupiter ist auch Venus ein wichtiger Faktor, um die
(sozialen) Werte zu bilden, die ein Mensch hat.
Lilith würde hier mit ihrer Hausposition (auch ihr Zeichen)
diese Erfahrung der Venus sozusagen erweitern.
Der Umgang mit dem Leben kann durch Lilith eine besondere Tragweite, aber auch Magie erhalten. Es kommt letztlich darauf an, wie betörend oder aber befremdlich unser Ausdruck der betroffenen Planeten wird.
Lilith
ist
kein Planet, sie hat
aber eine stimulierende Wirkung, die so stark sein
kann, dass
ihre Wirkung im Haus der Wirkung eines Planeten nahe kommt.
Diese
Stimulation kann man vergleichen mit der Lust,
nämlich aus den
gegebenen
Möglichkeiten, unbedingt etwas zu gestalten: kreativer
Aktionismus. Damit verbunden ist auch Potenz oder Potential -
zum
Guten wie zum Schlechten.
Es
ist ein Aktionismus etwas kreativ zu gestalten - dabei gibt es viele
Möglichkeiten, in welche Richtungen die Kreationen gehen. Im Grunde ist
auch im normalen Leben alles ein Akt der Kreation und Schöpfung. Ob
diese auch nützlich oder angebracht sind, steht auf einem anderen
Blatt.
Der Aktionismus drückt sich nicht direkt in der Welt aus,
sondern in einen Bezug
auf uns selbst, und eben durch uns selbst wird dann der Aktionismus,
den Lilith verursachen kann, erst der
Welt
sichtbar gemacht.
Oft handelt es sich um ungeordnete Bezugnahmen und einem tendenziellen Verleihen von zusätzlicher Bedeutung.
Wenn Lilith zB im 9. Haus
steht, will man alles oder vieles mit einem übergeordneten Idealismus
versehen. Steht Lilith im 6. Haus kann die Tendenz sein, immer
alles mit Gesundheitsfragen und optimalen Abläufen des Alltäglichen in
Bezug zu setzen.
Doch entscheidend ist dabei: Es fehlt die wirkliche
Errungenschaft, es ist oft ein mangelnder Ausdruck dieser Bezüge: Der
Idealismus (9. Haus) krankt an Authentizität und Bodenhaftung durch
real vorliegende Tatsachen oder einem Wissen. Und der Wunsch nach
optimalen Abläufen und systemischer
Ganzheitlichkeit (6. Haus) bleibt oft nur ein solcher Wunsch, ohne dass
die
Taten und Anstrengung folgen, ohne dass es konkretisiert wird, ohne
dass diese Bemühungen
fortgeführt werden, oder mehr als nur darüber nachgedacht oder gegrübelt wird. Man
spricht mit Lilith in 9. von hohen Idealen, aber tut nichts dafür. Im
3. Haus mag sich der Anspruch ausdrücken, andere und Situationen
durchschauen zu können, aber ist man wirklich objektiv?
Nur
mit Selbsterkenntnis und beständiger Weiterentwicklung werden wir ein
höheres Niveau dieser Potenzen und der durch Lilith bewirkten
zusätzlichen Bezugnahmen erreichen.
Dann steht Lilith für die
grundsätzliche Fähigkeit, ein Auge auf jene Abläufe zu haben, die mit
Lilith's jeweiligen Hausbereich zu tun haben.
Nicht immer muss es dann noch um Aktionismus gehen: bedingt durch die eigene Erfahrung mit seinem eigenen kreativen Aktionismus, hat man ein Auge und Gespür für die Momente, wenn in dem entsprechenden Lebensbereich (Haus der Lilith) etwas ungünstig gefügt werden könnte. Es ist bei positiver Verwirklichung eher eine Art wachsames Auge mit Lilith verbunden. Man hat die besondere Gabe, hier (im Haus der Lilith) zu sich selbst vorzudringen und bislang unerkannte oder ungenutzte Ressourcen einzubringen. Das geht generell mit einem typisch weiblichen Aspekt der Hingabe oder des Loslassens (gemeint ist eine Art Opferung, doch man gewinnt dadurch eine Art seelische Tiefe).
Bedeutsam ist, dass wir diese wachsame Auge meist nur in Bezug zu unserem eigenen Wirken setzen. Es ist auch nicht immer ein Aktionismus mit Lilith verbunden, der sich nach aussen hin auswirkt. Der kreative Aktionismus, der sich nach aussen hin zeigt, entsteht oft bei extrovertierten oder tatkräftigen Menschen (zB viel Feuer im Radix oder viele Quadrate im Radix oder Quadrate auf Lilith).
Der Mensch, der die Lilith eher
aus einem Akt des
unaufhörlichen und kreativen Schaffens heraus lebt, wird sich um ein
wenig Abstand, Distanz und Wachsamkeit bemühen müssen. Der Mensch, der
von sich aus schon wachsam und vorsichtig ist, muss sich zutrauen, in
Bezug zur Lilith zu gegebener Zeit schöpferisch zu werden und Einfluss
im jeweiligen Hausbereich der Lilith auszuüben.
Lilith
kann
also aus zwei verschiedenen und polar entgegengesetzten Haltungen aus
gelebt und erlebt werden.
Diese
hintergründige, und oft nicht konkret bemerkbare Tendenz zum
Aktionismus bringt sie in Verbindung mit ähnlichen Kräften, wie
solche auch
Planeten zu eigen sind.
Diese gewisse Lust der kreativen
Aktion
verursacht manchmal eine gewisse Pein oder Inkonsequenz. Wenn wir
aufhören
um jeden Preis bemüht zu sein, diese jeweilige Tendenz des Aktionismus
auszudrücken, dann
ist auch das
Grobe unserer Persönlichkeit in Bezug zu Lilith nicht mehr so relevant,
da sich diese groben Bestandteile durch die Aspekte der Lilith leicht
mit ausdrücken (durch die Spiegelung).
Lilith hat dann die Gabe, mit
ihrerer Kreativität aus den Dingen zu
schöpfen, die mehr zu unserem Gunsten sind. Mit einem wachsamen,
nicht übervorsichtigen Auge gelingt
uns etwas in Momenten, wo wir eine Entschiedenheit an den
Tag
legen können, die uns gepaart mit der Wachsamkeit erlaubt, auf
wohlwollende Weise zu erreichen, was die Lilith bis dahin nur mit
groben und
ununzureichenden Mitteln versuchte zu erreichen.
Loslassen um
anzukommen, kann auch bedeuten, uns der Liebe anheim zu geben, die bei
Lilith daraus resultiert, dass wir erkennen, wie die Dinge sich nicht
nur einfach so fügen lassen, sondern dass es einen Unterschied macht,
wenn sich die Dinge aus Liebe fügen.
Liebe heisst in dem Sinne, aus
einem Wunsch nach glücklicher Fügung handeln, so dass die Dinge in
ihren Eigenschaften oder Werten gewürdigt werden - und aus diesem
Blickwinkel wird die Lilith in Verbindung mit weiblichen
Eigenschaften plausibel.
Aber Weiblichkeit
als
grundsätzlichen Ansatz zur Deutung der Lilith zu nehmen, führt meiner
Meinung nach zur Frage, was dabei unter Weiblichkeit eigentlich
verstanden wird. Die meisten Autoren führen bei Lilith ihre
Bezugnahmen auf die Weiblichkeit anscheinend nicht zu Ende, und es kann
so sehr leicht zu Missverständnissen kommen. Beinahe jeder weibliche
Faktor wird ja heutzutage schon als Symbol des Feminismus herangezogen.
Dabei wird leider auch überstrapaziert, was die Bedeutung des
jeweiligen Faktors angeht.
Bei Lilith geht es in erfüllter oder gelöster Verwirklichung um jene
(objektive) Liebe, mit der die
Dinge in einer Weise zur Fügung gebracht werden, dass diese Dinge in
ihrer Bedeutung und in
ihren Eigenschaften gewürdigt bleiben. Zum Beispiel könnte man
da schon das Gärtnern und Pflegen einer Blume als Beispiel
nennen.
Man bringt zusammen, führt weiter oder verändert im Sinne der in den Dingen liegenden immanenten Bedeutung. Man darf
allerdings Liebe hier nicht mit der Verhaftung und Identifizierung
verwechseln, die mit geliebten und verehrten Objekten einher gehen
kann.
Es ist die Liebe gemeint, die im Sinne der Schöpfung ziemlich neutral und nicht emotional zu verstehen ist. "Gute Gefühle" kommen aber zustande, indem man die "aus Liebe bewirkte Fügung" als Ergebnis betrachtet - oder es ist ein Alleinheitsgefühl, keineswegs unwesentlich. In diesem Sinne schaut man nicht von oben herab auf ein Objekt oder auf eine Sache, sondern die ehrliche Bemühung steht im Vordergrund, mit der man dafür sorgen möchte, dass alles seinen richtigen Lauf nimmt. Es könnte dabei eine Art Gespür entstehen, wie es ist im Fluß zu sein, in einer gewissen Ruhe, die entsteht, wenn sozusagen ein lilithianisches Glück des Zusammenhaltes entsteht, mit für alle zufrieden erfüllten Bedingungen.
Dass Lilith ein weiblicher Faktor ist, dürfte klar sein, wenn man sich anschaut, dass Lilith auf den astronomischen Berechnungsgrößen der Gaia (Erde) und des Mondes basiert. Aber gerade in Bezug zur Gaea findet man leider oft ähnliche Zerrbilder, wie etwa über den christlichen Gott, der ursprünglich das Absolute des Kosmos ausdrückte, und nicht als "Vater"-Symbol der Menschheit. Gaea bezeichnet eine schöpferische Kraft, die man am besten versteht, wenn man diese Urmutter in Bezug zum Ganzen des Lebens setzt, das die Natur auf der Erde ermöglicht. In dieser Natur stützt sich vieles gegenseitig. Die übliche Weiblichkeit, die der Lilith zugeschrieben wird, ist meist eine vermenschlichte Weiblichkeit nach heutigen Lebensmustern ausgestaltet.
Die Lilith wirkt in Aspekten von anderen Planeten auf etwas anderer Ebene als wie sie an sich im Haus und Zeichen stehend wirkt, und steht dann vor allem für eine grundsätzliche Wirkung einer Spiegelung. Die konstruktive Lösung der Aspekte, die Lilith aufweist, kann ebenso über diesen Weg der Liebe verstanden und gegangen werden, wie er oben skizziert wurde.
Man sorgt
dann für eine
liebevolle oder günstige Fügung der Auswirkungen
des Planeten,
und zwar in einer Weise, dass alle mit dem aspektierenden
Planeten
zusammenhängenden Dinge im Lot
sein können, und in ihrer Bedeutung gewürdigt bleiben.
Dabei ist es
entscheidend, dass man die Kräfte eines Planeten grundsätzlich nicht
hintergehen
kann, und insofern muss man in irgendeiner Weise vielleicht
auch
Kompromisse schliessen, weil man manchmal einfach tätig sein muss
- insofern muss dabei manche Liebe zur günstigen
Fügung auf der
Strecke bleiben; es geht nicht um permanente Ruhe und Frieden, sondern
um den Ausgleich zwischen dem Widerstreit der Dinge und der liebevollen
Zusammenbringung von Dingen, die zusammengehören.
Die Planeten stehen
grundsätzlich für den Widerstreit der Dinge, und Lilith kann für das
Zuammenbringen der Dinge stehen.
Die Bedeutung einer Sache ist nur
gewürdigt, wenn dieser keine Anhaftungen gegeben wird, die der
Bedeutung widersprechen. Daher geht es bei Lilith auch um den Mut zur
Authenthizität. Diese kann im Hausbereich der Lilith nur etwas
schwieriger gelebt werden, weil Lilith den Eindruck bei einem selbst
hinterlässt, dass eben durch ihren - durchaus ungewollten - kreativen
Aktionismus viele Dinge in
Unordnung geraten können, gleich ob das wirklich in der Realität so ist
oder nur in der Wahrnehmung.
Für den
Introvertierten ganz besonders, ist die Auswirkung der Lilith
dann eine
Scheu
vor dem jeweiligen Hausbereich.
Man kann sich
vorstellen, dass grobe, schwere oder mit Identifikation und Verhaftung
verbundene Eigenschaften und Möglichkeiten stets durch ihr Gewicht
einen Vorrang haben,
bevor wir zu den feineren Qualitäten kommen können. Wenn also viel
Chaos besteht, in welcher Weise auch immer, findet Lilith
immer
etwas, was ungünstig oder unzureichend gefügt wird. Es wird von
Lilith bevorzugt, was grob, ungeformt
oder mit massiven Energien verbunden ist.
Der Zugang
zu den hellen und seelischen Bereichen des Unbewussten sind mit einem
Nadelöhr vergleichbar, und Lilith kann dort nicht durch greifen, wenn
Eigenschaften, Strukturen oder Muster der Persönlichkeit, dieses
Nadelöhr versperren, sozusagen einen Platz davor einnehmen.
Lilith
wird
das nehmen, was sie vorgesetzt bekommt und was sich ganz
konkret
aus
unserer Lebensart ergibt. Denn die
Eigenschaften der Persönlichkeit sind immer grob im Vergleich mit den
seelischen Qualiäten, und die Entscheidung zu einer
liebevollen
Fügung, bei der die Dinge gewürdigt werden in ihrem So-Sein,
ist im
Grunde sehr der seelischen Qualität entsprechend. Leicht wird uns das
nicht immer fallen.
Ein besonderes Talent wird nicht durch unsere Persönlichkeit getragen, sondern durch unser Selbst, und durch das bereinigte Licht der astrologischen Hauptplaneten gestützt und in den Grundlagen gebildet.
Die Aspekte der Lilith zu anderen Planeten geben an, um welche Art von Stimulation es sich handelt. Beteiligte Planeten können im Haus und damit Lebensbereich der Lilith Schatten dieser Planeten offen zu Tage bringen. Es resultiert vor allem eine überbetonte Symbolik des Hauses - ein in Aspekt zu Lilith stehender Planet kann eine übertriebene und oft gegenteilige Wirkung zeigen (der eigentlich menschliche und lebensangepasste Ausdruck eines Planeten kann durch Lilith in ein gegenteil verkehrt werden und von jedem Schnörkel einer Anpassung befreit werden, indem der Fokus auf die eigene Unbewusstheit oder das Eigene schlechthin gerichtet wird).
Das lässt sich besonders oft bei Konjunktionen der Lilith mit der Sonne beobachten, dann lebt man Teile seiner Mentalität unbewusst aus, und es hat oft den Anschein, als wolle man zwar nicht mit typischen aber sehr extremen Löwe-Eigenschaften beeindrucken: es ist fast so, als wolle man eine königliche Würde in Anspruch nehmen, die alle Unangepasstheit des eigenen und konfrontativen Kurses rechtfertigen lässt. Das ist dem Horoskopeigner unbewusst, es erscheint ihm als Verführung oder Not, als Zwang, und es hängt von der persönlichen Reife ab, in wie weit diese Extreme wirklich unverhohlen gelebt werden. Ähnliches trifft auf jeden anderen spannungsvolle Aspekt mit der Lilith zu, nur ändert sich natürlich der symbolische Ausdruck je nach Planet und es können andere Extreme offenbart werden. Oft in der gegenteiligen Ausdrucksart, wie man es von dem Planeten gewohnt ist oder im Leben erwartet.
Allgemein
wird der
jeweilige
Lebensbereich (Haus der Lilith) oft Probleme einer Vermeidungshaltung
mit sich bringen, besonders wenn
zugleich auch ein Planet, der mit Lilith im Aspekt steht, als
problematisch erlebt wird. Diese Problematik spiegelt sich in dem Lebensbereich(Haus) der Lilith durch einen Aspekt.
Auch Transite
können diesen Planeten herausgefordern, der mit dem Radix-Aspekt zu
Lilith schliesslich bei denselben oder auch anderen ( harmonischen ) Aspekten eine besondere Tragweite oder Magie erhalten kann.
Das Problem der im Aspekt beteiligten Planeten
überträgt sich auch auf die Lilith.
Aspekte zur Lilith sollte man nicht mit einem Orbis über 2° deuten. Wenn es keine Aspekte gibt, kann man versuchen den Orbis zu erhöhen (4°), oder bezieht Nebenaspekte (max. 1°) ein. Man kann sich auch ausschliesslich auf das Haus der Lilith beziehen.
Lilith entfacht allgemein eine hyperindividuelle Lust, in diesem Haus kreativ tätig zu sein, zum Teil unbewusst und unkontrolliert. Erst wenn einem das bewusst wird - beim Introvertierten wird dies eher geschehen -, entsteht eine gewisse Scheu vor Auseinandersetzungen oder Scheu vor einem Tätigwerden in diesem Lebensbereich.
Manchmal
kann sich eine Art günstige
Fügung ergeben. Oft will man sich dabei von anderen nichts sagen und
auch
nicht
helfen lassen. Mir scheint als befürchte man eine Einflußnahme, die die
Dinge erst recht noch in Unordnung bringt, man sieht sich anscheinend
unbewusst in der Verantwortung, was das Haus der Lilith angeht.
Diese
Kreativität ist in den meisten Fällen durchaus
problematisch, weil man zB aus einer Mücke einen Elefanten
macht, zu falschen Schlüßen kommt, oder zur Disharmonie. Wenn
man
sich diesem
Hausbereich allgemein bewusst wird, ist diese Kreativität in
der
Regel auch bereichernd, stimulierend oder sinnstiftend.
Andererseits
kann man
die Lilith deuten als einen Faktor, der unkontrolliert und unbewusst
uns zu einem asozialen Verhalten führen mag, weil die mit der Lilith im
Aspekt stehenden Planeten unausgewogen gelebt werden.
Dann
bildet
die Lilith den Brennpunkt der Wirkungen, die durch die Ursachen der
Planeten zustande kommt. So kann man sagen, dass die Lilith oft zeigt,
in welcher Weise wir uns in den Augen anderer - auf eine für uns
ungünstige Weise - präsentieren.
Wenn es nicht um
soziale
Faktoren geht, dann verstärken wir die Probleme der Lilith im
jeweiligen Haus der Lilith, und zwar durch Ängste,
aufgewühlte Emotionen, Hemmungen, Kompensationen oder sonstige
Unausgeglichenheit.
Wenn zB Lilith im 8. Haus steht, und ein Quadrat zu einem Planeten im 11. Haus bildet, werden Probleme, die mit unseren Bezug zu Freundschaften, Gruppen und dem sozialen Wesen zu tun haben (11. Haus), auch dazu führen, dass wir gemäß des 8. Hauses zur rechten Zeit vielleicht nicht anwesend sind um eine für uns günstige Wendung zu erfahren: aus der Scheu vor Gegenwärtigkeit (8. Haus): "es könnte ja ein falscher Eindruck entstehen" oder "man könnte einer Situation ausgesetzt sein, dessen Folgen man verhindern will"; anstatt Gegenwart zu zeigen, in der man beeinflusst werden könnte oder Verbindlichkeiten erzeugt werden, und sei es dass man nur eine Meinung darlegen muss oder ein Bild von sich zeugen muss - 8. Haus -, bleibt man fern; da man sich dem Risiko des Lebendigseins ausgesetzt sieht, hält man sich fern von den Begegnungen. Manchmal ist mir bei dieser Konstellation (Planet im 11 und Lilith in 8) aufgefallen, dass man eigentlich reich beschenkt werden würde und aus einem anscheinend unbewussten Grund (vielleicht auch Scham oder nicht wissen, wie man sich bedankt; vor allem wenn viele Planeten links oder unten im Horoskop stehen) vermasselt man diese Fügung.
Man sieht also, dass Lilith im Grunde mit einem herkömmlichen Planeten verglichen werden kann, da Lilith das jeweilige Haus, in dem sie steht, aktivieren kann - und ich glaube, das geschieht in negativer Art auch oft durch irgendeine Art von Ungeschicktheit, besonders in Bezug zu den Aspekten, die zur Lilith gebildet werden und so in das Haus der Lilith getragen werden.
Es scheint, dass Lilith, wenn sie aktiviert wird durch irgendwelche Schwächen unserer Eigenart, die Plätze einnimmt, die ansonsten für den Zugang zu unbewussten Kräften oder Fähigkeiten stehen könnten. Das heisst, wenn man mit sich selbst im Reinen ist, benutzt Lilith nicht mehr das grobe, sondern das Feine.
Es geht aber anscheinend auch symbolisch um die Heimkehr (Haus/Zeichen von Lilith), um durch diese Heimkehr das volle Potential der "kreativen Lilith" zu entfalten. Erst dann kann man sich über die Verstrickungen seiner eigenen Psychologie im Klaren werden, die mit Lilith oft verbunden ist. Aber aus irgendeinem Grunde scheut man die Heimkehr, man befürchtet vielleicht instinktiv erneuten Verlust oder erneutes Unvermögen (Effekt von: "gebranntes Kind scheut das Feuer").
Die
Flucht
oder Freiheit als
Eigenschaften
der
Lilith, Flucht vor dem Zwang zu "unterliegen"? Tatsächlich
hat die
so
beschriebene Symbolik einer Lilith eine grundlegende Entsprechung
in unserer Welt mit ihren als normal geltenden Abläufen:
diese Welt, in
der wir leben und in der wir uns tatsächlich oft in einer Weise
verhalten, als
wären wir in
einem Niemandsland, denn wir kennen uns nicht aus. Diese Welt einer
Normalität kann man auch als absolut angepasst begreifen, denn es ist
keineswegs normal, sondern wir tun nur so als ob das alles in Ordnung
ist, wenn wir normal sind. Was ist normal daran,
sich hinzugeben an den Notwendigkeiten? Der Realist würde vielleicht
sagen, es muss ja so sein. Sonst könnten wir nicht existieren. Ein
Anarchist oder eine Feministin würde aber sagen, was ist nicht normal
daran, wenn man sich eben nicht an allem anpasst?
Die
Anpassung an das Normale bedeutet üblicherweise eine Anpassung
an
das, was andere tun und leben. Wie die
Lilith - bevor sie sich emanzipiert -, gleicht diese Anschauung einer
totalen Unterwerfung unter die Mächte.
Jemand anderes ist
nicht
weniger
Realist, wenn er die Bezugnahme auf das Selbst und die
Freiheit
des Selbst entwirft, weil sich für ihn nämlich ergeben könnte, dass die
Normalität
des gängigen Lebens im Grunde eine Geschichte der Pathologie ist,
nämlich der Entfremdung vom Selbst.
Hinzu kommt also der entscheidende Umstand: Unser Leben ähnelt einem Kampf gegen das uns anvertraute Geburtsgeheimnis (Radix); das soll heissen: wir erleben uns selten im Einklang mit uns selbst.
So gesehen steckt vielleicht
eine
weitere Symbolik in der Lilith:
Wir sind uns nicht
der tiefen
Sehnsucht nach
der verborgenen Heimat gewahr, die in uns schlummert und als Lilith auf
uns wartet. Eine Lilith, welche im Zusammenhang mit
der
seelischen
Inkarnation zu stehen scheint. Im Mythos findet die Geschichte im
Paradies statt, und das ist ein Ort der Seele.
Als Tatsache kann man es schon betrachten, dass die astrologische Lilith offensichtlich eher etwas mit Schattenthemen, als wie mit weiblicher Emanzipation zu tun hat. Emanzipation allgemein gesehen, ist vielleicht in manchen Punkten durch Lilith gegeben oder gefordert. Emanzipation ist aber nicht auf das allein Weibliche bezogen, und man kann auch Liebe nicht emanzipieren, sondern entweder liebt man oder nicht. Und die Emanzipation der Lilith ist auch nicht auf die Art und Weise bezogen, wie wir Partnerschaft gestalten, allenfalls ergibt sich eine Einflußnahme auf Partnerschaften aus dem kreativen Aktionismus oder der günstigen Fügung. Man sollte die Venus als konkretes Angleichen an ein Du und die Venus als Hingabe-Planeten nicht mit den Eigenschaften der Lilith verwechseln. Und es ist bei Lilith ganz sicher keine Art Emanzipation gegeben, so wie es im Mythos in ein sexuelles Licht gerückt ist.
Im Schatten der Lilith liegt oft die Möglichkeit eine Gratwanderung zu begehen.
Diese Lilith ist keine Kraft, die anziehend wirken würde, sie verschafft eher einen Sog, der leise ruft und anscheinend - bevor der Ruf wirklich verstanden wird - den Ausgleich divergierender Seelenanteile bedarf, oder wir erlagen bereits der Verführung und vielleicht drückt der kreative Aktionismus der Lilith da.
In
Wirklichkeit handelt
Lilith zwar von Liebe, aber man muss dieses Wort in seiner
wahren
Bedeutung verstehen und nicht in einem alltäglichen Sinne. Lieben
heisst tatsächlich, dass die Dinge sich in einer Weise fügen, dass sie
dabei in ihrer Bedeutung gewürdigt sind.
Es steckt auch
etwas von
der Macht der
Einflußnahme in der Lilith.
Lilith handelt auch manchmal von
einem
"eigenen Weg", der gegangen wird, als
würde man sich unbewusst ziemlich entgegen den Erwartungen anderer
verhalten.
Ansonsten bringt sie ein Gehör mit; man hat ein gewisses Auge für bestimmte Dinge.
Nicht jeder der Geschwister einer Familie erfährt seine Elternteile auf dieselbe Weise. Oft entsteht bei manchen eine besondere Haltung diesem Elternteil gegenüber oder eine besondere Thematik der Beziehung, oder durch welche Eigenschaft die Beziehung gefärbt ist.
Anhand
der Aspekte zu Lilith kann zwar nicht immer das betroffene Elternteil
abgelesen werden, aber ein besonderer Bezug zu einem der Eltern. Zum
Beispiel könnte ein Aspekt zu Neptun eventuell für einen in irgendeiner
Weise süchtigen Vater oder Mutter stehen, wobei sich aus der
Beziehung ein Sachverhalt ergibt, der meist später im Leben
aufgearbeitet werden muss. Und die Art des Aspektes zeigt an, wie
belastet die Beziehung erfahren wird, oder welche Art von Zuwendung
sich ergibt. So fällt es bei einem Trigon zwischen Neptun und Lilith
zunächst leichter, sich dem Zuhause eines alkoholsüchtigen Vaters
auszusetzen, und bei einem Quadrat merkt man schnell, dass man aus dem
Haus ausziehen möchte und dafür auch gerne höhere Miete bezahlt. Der
Neptun kann natürlich auch für irgendwelche anderen Themen in der
Beziehung zu einem Elternteil bedeuten.
Ich bin auf diesen
Deutungsansatz im Internet gestoßen und habe ihn bei den meisten
Radicen als stimmig erfahren. Doch muss die weitere Forschung diesen
Ansatz noch vertiefen und ob es wirklich stichhaltig genug ist, was
sich dabei an Themen aufzeigen lässt.
Es entsteht symbolisch gesehen eine (komplexe) Macht aus der Anziehung dieser Gegensätze von Mond und Erde, welches ja eine andere Polarität als wie die von Sonne und Mond bedeutet. Es gibt nämlich zwischen Erde und Mond eine komplizierte Wechselwirkung zwischen Anziehung (eine Art seelischer Materialismus) und auch Abstossung, beides sowohl auf die Erde, wie auf den Mond bezogen.
Die Erde ist ein Ort des Wachstums, der Mond ein Symbol nicht nur für die erlebbare Sicherheit, für das Bedürfnis nach Sicherheit. Sondern auch für die Funktionalität der Emotionen. Emotionen, wie sie im Sinne des 4. Hauses verstanden werden, sind Ausdruck der seelischen Eigenart, die das vierte Haus bewahren will (im 5. Haus werden die Emotiionen zum Ausdruck gebracht und dienen als Impulsgeber). Folgerichtig steht das Krebszeichen, dem man so sehr die Heimstatt zuschreibt, mit dem Mond in Verbindung, da es beim Mond auch um eine Heimstatt geht, und sogar um Heimkehr - denn es heisst, wenn der Körper stirbt, geht die Seele zum Mond, das ist auch eine Art von Heimkehr zu einem Ort der Bedürftigkeit. Denn die Seele scheint nach dem Tode - nimmt man alles zusammen, was man aus den Religionen und von Visionären berichtet bekommt - einen weiteren Weg zu gehen: nämlich zunächst um geläutert zu werden, um dann schließlich wiedergeboren zu werden. Bis man wiedergeboren wird, gilt die Seele als etwas, das in einer höheren Sphäre Erfahrungen ausgesetzt wird. Der Seher Edgar Cacye und der Seher Arthur Ford sprechen hier von "Planetenaufenthalten" der Seele (hat man sich zB im Leben nach Art des Jupiters verhalten, dann wird man eine Erfahrung der Energien des Jupiters machen; aber um diese zu machen, musss die Seele "offen" für Einflüsse sein, und das ist sie, und das wird symbolisiert vom Mond).
Nun
gibt es zwischen Erde als Planeten des Wachstums und dem Mond als
Planet der funktionalen Bedürftigkeit oder Sicherheit, einen Zwiespalt.
Wo
es
Wachstum gibt, wird tendenziell
Sicherheit in Frage gestellt, das ist auf der Erde der Fall - zur
Einigkeit zwischen Erde und Mond kommt es zB dann, wenn das Wachstum
auf seine Art eine neue
Sicherheit verbürgt. Doch zunächst ist die Erde als Ort keineswegs ein
Ort des Wachstums, sondern ein Ort des Beharrens und des Materialismus,
des Verhaftet-Seins, hier zeigt sich die Ähnlichkeit zwischen Mond und
Erde. Es ist ja irgendwie eine Flucht des Mondes vor der Erde, auch
symbolisch gesehen. Astronomisch gesehen, könnte man sich wohl eher den
Mond vorstellen, der einen Abstand zur grösseren Erde einnimmt, und
nicht etwa, dass es die Erde wäre, die vom Mond beeinflusst ist, aber
was die tatsächliche Einflußnahme des Mondes auf die Erde angeht,
findet sie auf einer anderen Ebene statt (Gezeiten, Mondkalender,
Schnitttermine für Pflanzen, Einflüße des abnehmenden oder zunehmenden
Zyklus, Vollmonde).
Das ganze Radix scheint hier bei Lilith als sensitiver Punkt zusammen zu kommen, und bringt vielleicht eine "Versuchung" ans Licht bzw. in den Schatten, so dass Lilith ein Teil des Lebens werden kann, und zwar von etwas, was innerhalb des Radix als "Versuchung" angelegt ist - was bei jedem Radix anders aussehen mag. Diese Versuchung kann man erlegen (besonders wenn Lilith zu den zentralen Punkten Sonne, AC, anscheinend weniger Mond in Aspekt steht), oder man hütet sich vor ihr und dem entsprechenden Hausbereich (wenn Lilith keine Konjunktion hat). Erliegt man der Versuchung, könnte es eine leichte Tendenz geben, zu einer Art unverbesserlichem Verhalten.
Irgendein Philosoph sagte mal, der Krieg ist der Vater aller Dinge, weil jede neue Tatsache durch Einsatz von Energien zustande kommt, und irgendwo kommen immer Kräfte zusammen, und so ergibt sich eine Dynamik. Es geht also um das Schaffen von Tatsachen, und Kräfte bekriegen sich, um solche Tatsachen zu schaffen. Die Planeten verkörpern diese Kräfte.
Wenn
etwas im
Entstehen begriffen ist, dann ist zunächst oft irgendwo ein Widerspruch
oder Widerstand vorhanden, und so kann praktisch nichts wachsen, oder
werden, wenn es nicht eine gewisse Macht oder Kraft hat, die
schließlich stärker ist, als der Widerstand, auf den diese kraft stößt
(zB die Schale eines Samenkorns).
Die
Macht, die
man benötigt, um Dinge zu bewirken, das ist oft sogar nur ein
kleiner
Sog in die jeweilige Richtung, die eine Sache nimmt. Ein kleiner
Sog oder eine Nuance, damit das Pendel sich eindeutig in die
jeweilige Richtung zeigt. Wenn das Samenkorn durch Regen aufgeweicht
wird, ist es auch leichter zu durchstoßen. In dieser Weise kommen stets
viele Dinge und Prozesse zusammen und bewirken einen Anfang.
Was taucht in der anfangs erzählten mythischen Geschichte noch auf? Die Frau, das schwache Geschlecht? Genau gesehen ist sie nun ein sich auflehnendes Geschlecht und ihre Auflehnung wird gewürdigt, indem gesagt ist, dass es normal sei, vor Adam zu fliehen und eine Rückkehr zu ihm abzulehnen. Es ist die Freiheit, die Lilith verkörpert.
Nun wandte sich Adam an Gott, und so wurde Eva zum Weibchen des Mannes.
Lilith wandte
sich an die Schlange, die im Garten schlief: "Leihe mir für einen
Augenblick deinen Körper, damit ich diese Arbeit ein bisschen
durcheinanderbringe."
Seit dieser Zeit stellte man die Urversuchung dar, als eine Frau mit
Schlangenkörper, die einen Apfel trug.
Für Lilith
geht es mythologisch gesehen um die Verführung,
und zwar oft deshalb, um dadurch für die Freiheit
vom Zwang
zu kämpfen - astrologisch: indem man sich überwindet, wird aus der
allgemeinen
Verführbarkeit eine kontrollierte Aktion und Überwindung einer wie auch
immer gearteten Abgrenzung oder Unvereinbarkeit. Es kann sich auch um
eine Verstrickung in Situationen handeln, wo man sich
unter Zwang gesetzt vorkommen mag, obwohl man mit der Zeit auch in
solche Strukturen hinweinwachsen kann, ohne sich noch etwas besonderes
daraus zu
machen.
Astrologisch gesehen geht es um
einen gewissen Eindruck der Abkehr und Ablehnung, die überwunden werden
soll, oder danach verlangt, überwunden zu werden. Das Haus der Lilith
ist oft ein Haus, in
dem es viel Individualität, aber auch Absonderlichkeit in jeglichem
Sinne geben könnte. Man kommt sich dort vielleicht auch getrennt oder
verlassen von Anderen vor, als würde man dort nicht auf Unterstützung
hoffen dürfen. Weswegen man es gleich von Beginn an auf eigene Faust
tut, und evtl. glaubt man, es sähe auch niemand
entsprechend hin. Woanders sind uns die Blicke der Umgebung viel
vertrauter und naheliegender, an die Anderen zu denken.
Nicht immer muss es für
andere sichtbar
nach aussen
treten. Tut es das aber, kann sich der Horoskopeigner - falls es zu
Reaktionen des Umfelds kommt - oft nicht des
Eindrucks erwehren, als ob jemand ihn "auf den Schlips getreten" wäre;
denn oft sind es die Einflüsse der Umstände, die ein klein wenig Druck
auslösen können, und es liegt nicht so sehr an der Lilith, die nur sein
will. Die Lilith verführt
anscheinend nur , dass man sich entsprechend zu geben und zu verhalten
trachtet, da sie im
Grunde nur Liebe im Sinne hat. Sie verfolgt etwas Eigenes .
Findet
die
Auseinandersetzung innen statt, ist es oft
so, als ob man ein erweitertes "Gehör für die Belange des Hauses" hat,
in dem Lilith steht. Eine gewisse hintergründige Aufmerksamkeit.
Negativ gesehen erwachsen aus Unbewusstheit von einem selbst genährte
"Flüche" in Bezug zu diesem Haus, es hat dann den Anschein, als wären
die Belange des Haus unter einem stillen Fluch gestellt.
Es
scheint
bei Lilith oberflächlich betrachtet um das Prinzip der Ablehnung zu
gehen, aus dem entweder Empfindlichkeit oder Emanzipation resultieren,
als ein Akt der bewussten und überaus willentlichen Entscheidung.
Aber es kann auch um eine komplizierte Verführung gehen, um
einen
Sog,
dem man erliegt. Im Grunde steht bei Lilith hinter einer Ablehnung oder
einer Annahme
beidermassen eine Art Emanzipation.
Es geht in der Essenz von Lilith vielleicht auch um die verlorene Heimat, zu der sich eine Distanz aufgebaut hat und die man zunächst auch unbewusst meidet, manchmal auch sehr bewusst, zum Beispiel weil man sich nicht zutrauen würde, hier voran zu kommen (Hausbereich der Lilith ist am deutlichsten in dieser Bedeutung).
Es ist, als hätte man schlimme Erfahrungen gemacht, und erinnert sich unterschwellig an diese Vergangenheit: vergleichbar mit der Geburt, wo man in die Welt trat und das seelische Einheitsbewusstsein verlor (welches bestand, da man noch keine Wahrnehmung der Welt hatte - und nicht etwa in erster Linie weil man im Mutterbauch die Einheit mit der Mutter erfuhr).
Durch diesen Übergang der Geburt in die Welt hat man analog dem Prozess, der bei Lilith stattzufinden scheint, eine gewisse Scheu des Rückblicks zum seelischen Bewusstsein, zur Heimat, zum Vorher. Nicht zur Seele an sich, sondern zu einem Ort für die Seele. Zu diesem Gewahrsein geborgen zu sein und sich als alles zu erfahren, weil es noch kein anderes gab, keine Welt, keine Trennung und Unterscheidbarkeit. Im Mutterleib sind wir eins, erfahren uns als eines, wir sehen unsere Mutter erst nach der Geburt als solch eine Mutter, bis dahin spielt das für uns keine Rolle.
Die seelische Erinnerung schlummert nun im Dunkeln hinter den alltäglichen Herausforderungen, die uns als Erwachsene gegeben sind.
Lilith
könnte nicht direkt mit diesen Geburtserfahrungen
zusammenhängen (ein Zusammenhang müsste noch erforscht werden), aber es
scheint eine gewisse Korrespondenz zur
seelischen Inkarnation zu geben,
indem Lilith etwas ausdrückt, was diesem Prozess der Geburt und dem
Verlust eines vorherigen Zustandes ähnelt. Im
Jetzt-Zustand geht
die Reise
weiter, wir oder die entsprechenden Teile der Seele wissen vielleicht
jetzt, dass unser gegenwärtiger Prozess ebenso ein Sterben bedeutet,
dass wir ebenso diese angenommene Heimat verlassen werden. Und daraus
neigen wir vielleicht auch allgemein im Leben zur Trägheit,
merkwürdigerweise. In Bezug zu Lilith geht es um folgendes: Wieso
sollten wir einen Platz (astrologisches Haus der Lilith) finden, wenn
es sowieso am Ende nutzlos ist, weil es verloren gehen wird?
Diese Heimkehr ist bei Lilith irgendwie symbolisch enthalten.
Bei Lilith ist klar, dass diese Heimat zunächst abgelehnt wird, aber auch der Eindruck ist bedeutend, dass wir uns nicht erinnern, warum wir diese Heimat ablehnen oder warum wir glauben, dort keinen Platz zu finden, bzw. eine Art der Zugehörigkeit empfinden (mit der Lilith im Zeichen, und dem Erlebensfeld des Hauses).
Aber dann aus unerklärlicher Liebe (?) oder besser gesagt Anziehung werden wir dorthin gelangen. Wir verstehen unsere gewisse Absonderungsneigung nicht (vor allem in Bezug zum Haus der Lilith kann nach anfänglichen Begehren und dann auftretenden Komplexen eine tiefe Abneigung zum jeweils angesprochenen Themenbereich entstehen) , aber wir spüren diese Neigung und sie scheint uns zu sagen, dass es irgendwie leidvoll sein könnte, dorthin zu kommen, oder dass es einfach nicht klappt. Wir stehen unter dem Bann eines Fluches, oder unter der Illusion eines solchen. Wir könnten es nicht näher erklären. Vielleicht entsteht manchmal auch ein Eindruck von Leere.
Aber wir kommen zu Lilith auf eigene Art zurück, sobald wir geistig oder psychisch vorbereitet sind, sobald wir gestanden im Leben sind, oder wenn wir eine Illusion, wirkliche Angst oder Hemmung tatsächlich überwunden haben; - um diese Überwindung, darum geht es anscheinend. Ob sie durch Erkenntnis vollbracht wird, durch Reifung oder durch irgendwelche normalen Werdegänge im Leben.
Ich erwähnte oben schon die Eigenschaft der Spiegelung bei Lilith.
Wir spiegeln uns in einem
Spiegel. Und so
erweitert sich imaginär für unseren Blick der Raum.
Genau so
scheinen auch Aspekte zu Lilith zu wirken, die Planeten erweitern sich
durch Lillith entweder zu einer besonderen Tragweite oder Magie.
Der im Aspekt zu Lilith beteiligte Faktor kann durchaus etwas beitragen, was der Lilith Potential verleiht. Doch zunächst scheint immer ein Schatten durch Lilith in die "Offenbarung" zu treten. Der Planet im Aspekt führt der Lilithstellung im Haus Energien zu, die dort unkontrollierte Wirkungen hervorbringen können (je nach Art des beteiligten Planeten). Man gerät mit seinem Schatten in Konflikt, was sehr oft auch in Bezug zu sozialen Kontexten zu beobachten ist. Ein Kanal des Unbewussten wird mit Lilith geöffnet, und zeitweise offenbart man sein Unbewusstes bzw. im Unbewussten liegende Antriebe, Gedanken, oder Motivationen (je nach Planet), was einem selbst noch nicht mal unangenehm sein muss. Gerade bei Spannungsaspekten mit Lilith gerät man oft in eine Rolle der Aufbegehrung im Sinne des beteiligten Planeten. Bei harmonischen Aspekten steht eher der Aktionismus und eine zusätzliche Bezugnahme im Vordergrund: man möchte die durch Aspekt beteiligten Planeten im Hausbereich der Lilith ausdrücken, man möchte dem Haus, in dem Lilith steht, mittels der beteiligten Planeten Substanz und Geltung verschaffen. Die Naturen der jeweiligen im Aspekt beteiligten Planeten, wollen in dem Thema des Hauses der Lilith integriert erfahren werden, bedingt durch die Spiegelfunktion der Lilith.
Lilith im Radix zeigt andererseits an, wo wir "eigene Wege" gehen, und manchmal so, als ob wir bewusst gegen die Erwartungen anderer verstossen würden, was uns aber meist unbewusst geschieht. Es scheint, als sei das Bewusstmachen dieser möglichen Konfrontationen auch der Schlüßel, falls Lilith in Konjunktion (<4° Orbis) mit wichtigen Horoskopfaktoren steht. Dann wird man vielleicht zum Schluß kommen, dass man nicht aus Prinzip gegen die Erwartungen anderer verstoßen muss, und darauf dann verzichten sollte, wenn es schädlich wäre, um stattdessen einen Weg zu gehen, der wirkliche Integration möglich macht, ohne dass auf diesem Weg unnötige Widerstände erzeugt oder Probleme verursacht werden.
Aber das scheint nur eine Seite der Medaille zu sein. Lilith kann einen Umgang mit dem Thema intensivieren. Wir wollen etwas dafür tun. Auf einer anderen fast gegensätzlichen Seite der Erfahrung kann Lilith uns in ein Thema verstricken, oder es geht geradezu um das Problem eines eigentlich notwendigen Loslassens, oder die Verweigerung, etwas "sein zu lassen". Vielleicht glauben wir, wir hätten eine Verpflichtung gegenüber dem Lilith-Thema.
Weitere Aspekte der Lilith geben nähere Auskunft, bei Chiron im Quadrat mit Lilith könnte es um Auseinandersetzungen gehen, die sich als "Schatten" in das Haus legen, in dem die Lilith steht, aber je nach Radix könnten zB die Auseinandersetzungen auch entfernt von Chiron herrühren, der in einem ganz anderem Haus steht und ein Thema (zB Kindheit, Autorität, Beruf usw.) ins Spiel bringt, und mit dem Haus von Lilith erneut in den Vordergrund rückt (dort).
Man kann schauen, welcher genaueste Aspekt die Lilith erhält (Rangfolge Konjunktion, Opposition, Quadrat, Trigon und Sextil, Empfehlung alles nur unter 1° wenn kein anderer Aspekt vorhanden ist, sonst auch grösserer Orb).
Wenn man bei Lilith angekommen ist, weiss man insgeheim, dass es die einst verlorene Heimat ist oder man hat den Eindruck, als sei es bereits schon einmal die Heimat gewesen. Man findet sich hier schliesslich und eigentlich gut ein.
In dem Lebensbereich, in dem Lilith steht (Haus), kann man ganz besondere Leistungen vollbringen, eine ganz besonders tiefe (seelische) Freude erfahren, weil es auf einer gewissen Ebene des Seins tatsächlich vertraut scheint. Hier ist man gründlich. Vielleicht weil man - je nach Aspekt und Planet, der mit Lilith verbunden ist - schon Erfahrungen in dieser Hinsicht hatte. Man könnte über eine besondere Erfahrung verfügen, und damit über besondere Fähigkeiten.
Man greift vielleicht auch aus dem Fundus der Erfahrungen von Ahnen, und zwar über die Eltern und ihnen hinaus, anscheinend nicht so sehr die Geschwister.
Die innere Haltung, dies sei ein Ort der Verdammnis, wird in gereifter Weise bald zum wirklichen Ort einer Heimat.
Man kann in Bezug auf Liliths Stellung im Haus, Zeichen und Aspekte über besondere Fähigkeiten verfügen, weil man etwas verschmelzen oder fügen will, oder magisch bewirken möchte, oder sogar schon kann, vor allem im Sinne des Zeichens. Kein Umwandlungsprozess, sondern Entstehungsprozess oder eine besondere Achtsamkeit und Aufmerksamkeit, ein Brennpunkt des Interesses und der Pflege.
Bildhaft-symbolisch ausgedrückt: Es ist als wäre man ein Ausserirdischer, der seine wahre Herkunft entdeckt. Eine gewisse Aussenseiterrolle könnte mitschwingen. Schwierige Aspekte auf Lilith erschweren die "Heimkehr" und es zieht sich dann lange hin, bis man die Fähigkeit oder das Zutrauen hat, in diesem Haus anzukommen. Während das Zeichen vielleicht schon etwas leichter in Bezug zu Lilith zur Verfügung steht. Ist man angekommen, dann wird es einen Eindruck oder eine stimmungsvolle Ahnung geben, nämlich ein Stück auf dem Weg der Ganzwerdung näher gekommen zu sein.
Dass Lilith stark auf die Weiblichkeit oder das Frausein verweise, wird nicht selten behauptet.
Im
Mythos findet man sehr offensichtlich die Komponente der Weiblichkeit und gar
der Sexualität (die Verschlungenheit vor allem).
Dass Lilith in ihrer begehrenden Kreativität durchaus mit weiblichen Eigenschaften korrespondiert, scheint mir klar. Aber stimmt die sexuelle Komponente mit der astrologischen Erfahrungsdimension der Lilith überein?
Ich will nicht behaupten, dass ich die Geheimnisse der Lilith bereits entschlüsselt hätte und meine Erfahrungen der Lilith im Radix sind nicht umfassend genug um ein abschliessendes Urteil zu bilden.
Lilith
könnte eine urweibliche Kraft bedeuten - aber was versteht man
genau darunter? Hat Lilith mit Sexualität zu tun?
Ich
glaube, dass man irgendwie in der Literatur oder im allgemeinen Denken
leicht auf eine gewisse Voreingenommenheit gegenüber dem Weiblichen
stößt. Normalerweise wachsen wir schon auf mit einer Prägung, dass das
Weibliche irgendwo verdrängt wird. Wir sollten auch als Männer nach der
Anima-Seite in uns suchen, um zu klären, wie wir uns dort in unseren weiblichen Talenten ausdrücken.
Denn meist ist das Verhältnis zu den weiblichen Kräften oder Tugenden
erst recht unter den Männern stark verschütt gegangen.
Dafür finden sie
leichter eine Distanz zu diesen Kräften. Es kommt ganz auf die Reife
und auch den Intellekt gepaart mit Lebenseinsicht an, wie sehr einem
die Kultivierung des Weiblichen interessiert.
Als viel gewichtiger empfinde ich die Voreingenommenheit unter Astrologen und besonders Astrologinnen, die sich in einer Überbetonung des weiblichen Bezugs der Lilith zeigen könnte. Es kommt mir so vor als ob...; - bislang überzeugten mich Texte, in denen dann der Bezug zur Weiblichkeit der Lilith erstellt wurde, jedenfalls nicht.
Mir scheinen beide Formen des Bezuges, also die offensichtliche Verdrängung wie die Überbetonung
gleichermaßen auf eine kollektive Urerfahrung der Verdrängung der
Weiblichkeit zu beruhen.
Jedenfalls resultieren auf
solche Weise oft konstruktivistische oder gewollte Ansichten der
Lilith. Eine Bedeutung einer bestimmten Art von Weiblichkeit könnte
sich in die Deutung mischen, die nicht wirklich das im Radix enthält,
was man der Lilith meint zu entnehmen.
Wenn
man sucht, dann
findet man, was man sucht. Und gerade in der Astrologie muss man doch ,
wie ich meine, mehr nach dem suchen, was sich einem ohne eigenes
Dazutun eingibt. Das heisst, man darf beim Deuten eigentlich nicht
suchen, sondern nur finden. Denn wenn man sucht, geht man in die
Gefahr, unabsichtlich irgendein Vorurteil oder eine Konstruktion
bestätigen zu wollen. Andererseits findet man manche Bedeutungsschichte
nur dadurch, dass sie vorher als solche angenommen werden.
Es ist jedenfalls leicht, in der Astrologie bei
relativ unerforschten und unbekannten Faktoren etwas zu finden,
was man dort eigentlich auch sehen möchte oder erwartet.
Zweifellos scheint mir, dass Lilith einen Planeten spiegelt. In einem Aspekt taucht gewissermaßen der Planet in die Lilith hinab. Und der Planet erhält dort bei Lilith einen erweiterten Bezugs- und Erfahrungsraum.
Um dann schliesslich etwaige weibliche Komponenten oder Konstellationen im Radix zu differenzieren, könnte es wichtig sein, genau zu beachten, welche genauen Aspekte (unter 2°) die interpolierte Lililth zu persönlichen Planeten bildet. Neptun, Mond und Venus ergeben schon einen Bezug zur Weiblichkeit, und es fällt bei solchen Radicen bei der Aspektdeutung schwer, Lilith von den Planeten zu unterscheiden. Daher kann manches, was man eigentlich Lilith zuschreibt, von diesen Planeten herrühren.
Mir
erscheint der Zusammenhang zwischen einer ausgesprochen archetypischen
Weiblichkeit und Lilith eher
vage. Das Weibliche in Zusammenhang mit Lilith wird gewissermaßen
verstanden als ein Totem der Frauen. Dieser Bezug wird überbetont und
damit spezifische Bedeutungen leicht konstruiert. Diese Rechnung kann
nicht aufgehen. Genausowenig wie Pallas, Juno, Vesta oder Ceres mit
einem weiblichen Archetyp plausibel verbunden werden kann, als seien
diese Asteroiden für Frauen regelrecht massgeschneidert. Ich will damit
nicht sagen, dass man sich in den Energien dieser Faktoren als Frau
nicht wiederfinden kann, aber dies wird nicht mehr oder weniger
geeignet sein, als würde man als Mann sich in diesen Faktoren
wiederfinden.
Dass Lilith einen besonderen Bezug
zu den tiefen Geheimnissen weiblicher Energien bedeutet, bezweifle ich.
Dass es einen Bezug gibt, glaube ich allerdings schon.
Ich
glaube, dass gewisse Komplexe , die mit Lilith verbunden sein können,
gleichermaßen auf Männer wie Frauen zutreffen, sie aber nicht ausdrücklich mit der
Anima oder den weiblichen Mustern im Leben zu tun haben. Der
Umgang mit diesen Komplexen wird meiner Ansicht nach je nach Geschlecht
keinen Unterschied machen.
Das
heisst, es gibt einen leichten Bezug zu weiblichen Urqualitäten, wenn
man so sagen will. Das geht auch auf, indem man zB den "kreativen
Aktionismus" der Lilith versuchsweise in Verbindung zur Gebärmutter der
Frau setzt, das archetypisch gesehen ein "Schöpfungsorgan " ist. Das
heisst aber nicht, dass ein Mann von dieser Bedeutung ausgeschlossen
ist. Auch der Mann findet in sich einen "kreativen Aktionismus".
In der Literatur wird oft von der unterdrückten dunklen Weiblichkeit
geschrieben, die mit Lilith symbolisiert wird. Vielleicht bin ich mit
meiner Meinung deshalb also Vorreiter einer weiteren Verdrängung des
Weiblichen? Ich meine nur, dass man den Bezug zur Weiblichkeit nicht
übertreiben braucht: Es wird behauptet, Lilith verkörpere die Stellung
der Frau in der Welt. Das genau ist eben die übertriebene Auslegung
einer einst "dunklen Weiblichkeit".
Weiterhin sollte man genau beachten, ob man die Sehnsucht nach dem Weiblichen nicht mit einer Projektionsfläche stillt, die nämlich Lilith in diesem Fall wunderbar ermöglicht. Projektionen und Lilith ergeben einen viel engeren Zusammenhang, finde ich, als wie Lilith und Weiblichkeit. Projektionen sind mir in letzter Zeit sehr oft bei Lilith begegnet. Es ist dies keineswegs mit Hintergedanken, dass ich Projektionen in Zusammenhang mit Lilith erwähne . Es ist dem Umstand geschuldet, dass es eine besondere Tendenz in der Astrologieszene nach 1980 gibt, die Weiblichkeit wo sie auch nur zu finden besonders zu betonen. Generell ist dies ja nicht falsch, wenn das, was in Zusammenhang mit der Weiblichkeit besonders herausgestellt ist, richtig ist - ich bin jedoch mit dem, was behauptet wird, zB bei D. George (Palas, Ceres, Vesta, Juno), nicht unbedingt glücklich geworden.
Ebenso wenig kann ich den Bezug der Lilith zum Waagezeichen nachvollziehen. Das erscheint mir sogar noch abstruser, wenn ich ehrlich bin.
Es mag die Arbeit mit den Symbolen abrunden, wenn man die Faktoren aus der Sicht bestimmter Archetypen des Frauseins (oder auch des Mannseins ) oder bestimmter anderer Sichtweisen beleuchtet.
Lilith
spiegelt geradezu die anderen Planeten. In ihr sind die anderen
Planeten in
Aspekten fast mehr enthalten, als wie Lilith in diesen Fällen im Haus
begreiflich wäre ohne die Einbindung von Planeten, die in diesem Haus
gespiegelt werden, obwohl sie nur einen Aspekt zu Lilith bilden und
nicht in demselben Haus stehen.
Als würde Lilith ein klein
wenig - bedingt durch die Aspekte - den anderen Planeten an den Ort
ziehen, an dem die Lilith selbst steht. Das gilt auch für das Wirken im
Haus, andere Planeten werden ins Haus der Lilith gezogen.
Solche Vorgänge und Zusammenhänge sind für mich auch die Erklärung,
warum es so manche Verwechslung in der Astrologie geben könnte: So
kommt der
weibliche Bezug womöglich deswegen so oft auf in der Diskussion um
Lilith, weil man andere Faktoren, die beteiligt sind, mit der Bedeutung
der Lilith verwechselte oder diesen Umstand übersah. Lilith, sie klingt
ja schon urweiblich und der Mythos ruft das Bild in uns wach, wonach
wir eine nackte lüsterne Frau vor Augen haben.
Auch
bei Chiron könnte man in die Irre dieser Bilder gehen, indem man den
Bezug Chirons zum Pfeil mit Schütze in Verbindung bringt oder das Pferd
mit Schütze. Während Chiron und Jupiter/Schütze tatsächlich nur sehr
spärliche Verbindungen aufweisen.
Bei aller Liebe zur Weiblichkeit und dem Dafürhalten als typisch weiblich geltender Werte. Weder Lilith noch manche Asteroiden, die dafür herangezogen werden wollen, können dieser Bedeutung vollends gerecht werden. Wenn man es eng sehen würde. Und meiner Meinung nach sollte man es etwas enger sehen, weil die Neigung, irgendwelche Faktoren in ihrer Bedeutung abzuwandeln stets eine Gefahr darstellt. Man verzerrt leicht die wahre Bedeutung und beschäftigt sich mit einem Idealbild , wie man die Faktoren sehen will.
Es mag jedoch sein, dass es zusätzliche Möglichkeiten gibt, die Weiblichkeit aus Sicht einer Frau zu erfahren und dann Planeten, die eine wesensähnliche Kraft besitzen heranzuziehen. Nur sollte dann betont sein, dass ein Mann diese Planeten oder Faktoren zwangsläufig anders erfahren wird. Und ein diesbezügliches Deutungsbuch "darf" die Deutung für den Mann in irgendeiner Weise herauskristallisieren. Dass dies jedoch nicht geschieht verstärkt den Eindruck, dass es sich mehr um einen Idealismus handeln könnte, der die grösste Rolle bei der Deutung dieses Symbols spielte...; es müsste mit Tiefblick in die Symbolik der Lilith ja einsichtig werden, was die ursächliche Energie der Lilith ist, und wie sie vom Mann ebenso wie der Frau erfahren wird.
Die Transite der Lilith sind anscheinend aber ganz anders, als wie die Bedeutung der Lilith im Geburts-Radix. Die Transite der Lilith könnten eine Gelegenheit bedeuten, auf gewisse Schattenbereiche aufmerksam zu werden, oder auf unerledigte Seinsstrukturen bzw. grundlegend im Radix angelegte Erfahrungsweisen in Anbetracht von Situationen aufmerksam zu werden. Diese auf eine neue Ebene zu stellen, und zwar durch das gewisse Licht, das Lilith im Transit bringt. Negativ gesehen könnte man sich aber auch weiterhin ungünstig in ein Verhalten oder Situation verstricken.
Lilith macht einem im Transit
vielleicht auch
bewusst, was man an Substanz hat, wozu die Möglichkeiten des jeweiligen
Hauses gehören, das im Transit durchquert wird. Dass heisst, in diesem
Haus könnte man entdecken, was man nicht alles noch tun könnte,
hinsichtlich dieses Lebensbereiches. Es steht vielleicht etwas an, das
kann falsch oder richtig sein, es zu tun. Vermutlich handelt es sich
stets um Dinge, in Bezug zur eigenen Wirklichkeit, den Möglichkeiten
kreativ zu sein, oder in Bezug zu eigenen Antrieben, Anlagen usw. -
also kaum um etwas, was andere anginge.
Es ist positiv
auch die
verkörperte Symbolik der irdischen Pragmatik
angesprochen, um
Dinge zu bereinigen oder voran zu bringen, oder zu integrieren, gar in
Funktion zu bringen, falls die Möglichkeit zu alle dem sich
anbietet.
Viele Astrologen und ich selbst haben mit der interpolierten Lilith zur Überzeugung gefunden, dass diese die besten und genauesten Ergebnisse bringt. Die mittlere (auch oskulierende Lilith genannt) ist weniger stimmig, ebenso wie die angeblich "wahre Lilith".
Vor allem die Transite haben mir dieses Bild gezeichnet.
Sie können die Position der interpolierten Lilith bei astro.com erfahren, indem sie bei der erweiterten Grafikauswahl unter zusätzliche Faktoren h21 für die interpolierte Lilith eingeben. Gute Astrologieprogramme dürften die interpolierte Lilith mittlerweile ebenso als zusätzlichen Faktor in der Liste der Faktoren haben.
Ich benutze nur noch die interpolierte Lilith, die mittlere Lilith zeigt sozusagen oft nur eine Position, dessen in der Deutungspraxis vorkommende Entsprechungen bzw. ihre Deutbarkeit anscheinend bloß aufgrund des Orbis zustande kommt, da sie in der Regel nur einige Grad von der interpolierten Lillith entfernt ist, manchmal bis zu ungefähr 5°.
Lilith ist dem astronomischen Sinne nach ein Schnittpunkt zwischen Mond und Erdumlaufbahn und gleichzeitig der erdfernste Punkt.
Die Berechnung der interpolierten Lilith wird durch die tatsächlichen Begegnungen des Mondes an den jeweiligen erdfernsten Punkten (Apogäum) ermöglicht, und das Interpolieren bedeutet zB bei der Handhabung von Ephemeriden, den genauen Planetenstand für eine gegebene Zeit aus den Ephemeriden zu bekommen. Diese Ephemeriden sind gewöhnlich auf 0 Uhr oder 12 Uhr eines jeweiligen Tages gestellt - und um die Planetenstände von zB 17:45 Uhr zu erhalten, wird ein Dreisatz verwendet (sozusagen hochgerechnet: interpoliert).
Da weder der Mond noch die Erde Rückläufigkeit hat, muss naheliegenderweise auch die Lilith so beschaffen sein, dass sie nur eine Bewegungsrichtung aufweist und ihre Bewegungsrichtung also nicht ändert. Dem trägt die interpolierte Lilith voll Rechnung.