Der Rückgriff auf die Klassik findet andauernd statt - das Alte wird in das Neue integriert. Manche legen besonderen Wert auf Unverfälschtheit ursprünglicher Wahrheiten, werden aber auch immer eine moderne Astrologie anwenden, weil sie der modernen Zeit entspringen und werden deshalb auch das Wissen der Moderne in sich tragen.
Mitder Zeit kam ich zu der Ansicht, dass die Möglichkeit besteht, sich in egal welchem Wissensgebiet in den Büchern zu verlieren. Und dass es vor allem Intellektuelle betrifft, dieser Gefahr zu erliegen.
Man versteht vielleicht nicht, wie Astrologie funktioniert und selbst wenn man noch so viele Bücher liest und meint, man könne dort eine Rezeptur finden... - mit der Zeit baut sich ein Pseudowissen auf, das mit dem Rückgriff auf die "ehrwürdige Klassik" fundamentiert werden will; denn dort findet man eine festgefügte Plattform möglicher Argumente einerseits und möglicher Glaubenssätze andererseits. Wenn ein klassischer Astrologe sagt: Im Krebs steht die Kraft, die im 10. Haus verwirklicht wurde, ist das keine Regel, nur eine Aussage. Der klassische Astrologe hat das einzigeartige Radix einfach - auf den Moment der Deutung - absolut formuliert. Beim nächsten Radix könnte er schon wieder sagen: die Kraft, die im 4. Haus im Krebs stand, kam nicht zur Geltun im 10. Haus. Usw..
Manchmal habe ich den Eindruck, klassische Astrologen wollten diese Aussagen auswendig lernen, und eine Regel daraus zimmern um auch andere Horoskope so zu deuten. Das ist meiner Meinung nach ein trügerischer Weg, zu glauben, diese beispielhaften Aussagen der klassischen Astrologen seien mit Regeln zu vergleichen und könnten allgemein nachvollzogen werden; nun wenn eine ähnliche Konstellation kommt, könne man diese Regel anwenden. Das ist in meinen Augen aber eine sehr hölzerne Astrologie, da sie nicht nachvollzieht, was die klassische Astrologie wirklich tut: beispielhafte Deutungen fertigen.
Der klassische Astrologe sagt
vielleicht, dass die Kraft im 10. Haus nicht ankommt, liegt daran, dass
der Herrscher des 4. Hauses im 8. stand - aber auch das ist nur eine
beispielhafte Aussage, uns fehlt sowohl das Ereignis als auch das
Horoskop, um diese seine Aussagen nachvollziehen zu können.
Klassische Regeln sind nichts anderes als Grundlagen, oder bestehen aus bloß exemplarischen Deutungen, aus denen man jedoch selbst (als Lesender) noch etwas machen muss. Eine klassische Regel kann man noch bei den Rezeptionen oder Leerlaufmond behaupten, aber nicht bei den beispielhaften Deutungsaussagen.
Die
einzige wahre
Astrologie findet in einem selbst statt - und nur auf dieser
Ebene,
unabhängig von äußeren modernen oder klassischen Vorbildern. Nur so kann es sein. Viele
missverstehen diese Aussage, und bringen sie mit Willkür in Verbindung.
Die Regeln, wie sie von verschiedenen Schulen überliefert werden,
können zwar Widersprüche zueinander bilden, doch bedeutet das nicht die
Widerlegung der einen oder anderen Regel, sondern macht es oftmals
nötig, die Verschiedenartigkeit aus der jeweiligen Perspektive,
Schichtenbetrachtung oder Ebene einzusehen, die einzunehmen dafür nötig
ist.
Natürlich gibt es immer
wieder mangelhafte, ungenaue oder gar falsche Erklärungen der
Astrologie, aber das ist nicht die Regel bei aller modernen Astrologie.
Viele sind zum Beispiel der Meinung gewesen, dass Asteroiden keine nennenswerte Kraft darstellen - heute wissen wir es besser. Das heisst, man urteilte darüber, noch bevor man sich mit den Asteroiden auseinandersetzte.
Heutzutage wird die klassische Astrologie oft von Manieristen als Gegensatz zu der modernen Astrologie aufgestellt.
Es geht in der Astrologie um Aussagen, und es geht nicht darum, welche Reduktion nun der klassische oder moderne Astrologie vornimmt. Viele Deutungen moderner Astrologen, die die Würden zB nicht sehr beachten, übertreffen meiner Meinung nach immer noch viele andere Deutungen, wie sie von klassischen Astrologen geleistet werden.
Und es gibt Fälle, wo die klassischen Astrologen in ihren Deutungen den Modernen überlegen sind. Das alles kann nur bedeuten, dass die Deutungshöhe zunächst unabhängig ist von der angewandten Methode. Auch da jeder Astrologe zB mit den Grundlagen der Planeten in den Häusern, Zeichen und Aspekten arbeiten muss, und diese Grundlagen können auch ohne zusätzliche Techniken, Details oder besondere Methoden sehr tiefgründig behandelt werden.
Es
kann keine
Rede
davon sein, dass nur die Einhaltung der klassischen Regeln eine
einwandfreie Deutung eines Geburtshoroskops ermöglichen kann. Diese klassischen Regeln erweitern
nur das Verständnis und die Möglichkeiten - aber ob man genau und
stimmig deutet, hängt allein davon ab, wie man
die zur Verfügung stehenden Werkzeuge gebraucht, und ob diese überhaupt richtig
sind.
Die alten Astrologen gingen hier von einem Selbstverständnis aus, dass die Astrologie nur so einen Sinn hat, wenn man die Prognose und die damit verbundenen Möglichkeiten gebraucht. Diese ungezwungende Mentalität haben die klassischen Astrologen den Modernen durchaus voraus gehabt.
Heute scheint es, dass es zu schwierig und kompliziert ist, Menschen mit Prognosen zu konfrontieren, oder überhaupt solche aus der Astrologie zu entwickeln. Aber aussprechen tun viele, dass es unsittlich ist. Es kommt also allein darauf an, ob diese Fähigkeit beim Astrologen gegeben ist, mit möglichen Prognosen umzugehen und die angemessenen Prognosen aufzustellen. Natürlich sollten die Prognosen richtig sein. Aber Prognose insgesamt zu verwerfen, weil es schlechte Beispiele gibt, ähnelt dem Umstand, dass es schlechte Astrologen gibt, weshalb man ja auch nicht gleich die ganze Astrologie verwirft.
Der Mensch
hat ein Anrecht
darauf, zu wissen, was aus seiner Zukunft oder aus gewissen
Angelegenheiten werden könnte. Er hat das Talent in die Zukunft zu
schauen, was diverse Träume oder Intuitionen über den
kurzfristigen Verlauf von Angelegenheiten zeigen können - dass die
Entwicklung dieser Gabe in den Händen weniger liegt, ist ungefähr
so zu deuten, dass auch nicht jeder Schreiner oder Dachdecker wird.
Dass zB nicht jeder frei von Höhenangst ist. Ängste über die Zukunft
können aber abgebaut werden. Und so wie ich selbst nicht auf das Dach
steige, um etwas zu reparieren, kann ich auch auf Prognosen verzichten,
was der eigenen Verantwortlichkeit unterliegt. Wenn ich Prognostiker
sein sollte, und werde um eine Prognose gebeten und gefragt, sehe ich
keinen Grund zu bezweifeln, dass derjenige damit umgehen kann - es sei
denn, es gibt deutliche Hinweise darauf.
Ein
wichtiges Argument für (zutreffende) Prognostik ist: Wenn ich über
einige Angelegenheiten der Zukunft
Bescheid weiss, kann ich mich auf diese vorbereiten. Ob die Prognose
mit "Warscheinlichkeiten" oder "Exaktheit" arbeitet, halte ich
unbedingt abhängig vom Vermögen des Deutenden. Es ist ja keine Frage,
dass eine falsche Prognose verhängnisvoll sein kann, bzw. nicht
hilfreich. Das ist natürlich wahr. Also sollte die Frage sein, dass man
nur dann eine Prognose abgibt, über die man sich sicher sein kann. Im
Allgemeinen wird es wohl eher um Wahrscheinlichkeiten und Chancen
gehen, als wie um exakte Aussagen. Letztere schliesse ich aber nicht
aus, weil es auch Mittel gibt, die über die Astrologie hinaus gehen
(hellsichtige Intuition). Wer diese Mittel nicht gebrauchen will, und
sie ablehnt da sie nicht zur Astrologie gehören, tut gerade so, als
würde er als jemand, der verhungert, eine exotische Frucht ablehnen,
nur weil diese Frucht über das hinaus geht, was er ansonsten gewöhnt
war, an Nahrung zu erhalten.
Die Moderne hat nicht wenige Sachverhalte zutage gebracht und Innovationen geleistet.
Zu
einer solchen Innovation gehört auch die API-Schule, die bei manchen
Befürwortern der klassischen Astrologie besonders schlecht
weg kommt.
Dort bei API ist die Zuordnung des Saturns zur Mutter
eine
weitere Perspektive, und sie
steht nicht in Widerspruch zu der
klassischen oder traditionellen Zuordnung des Mondes zur Mutter. Was bedeutet das, eine
andere Perspektive aufzubringen? Es ist sehr wichtig, diese
verschiedenen Perspektiven zu würdigen um überhaupt alle
unterschiedlichen Auffassungen aller Astrologen aller Zeiten
akzeptieren (und nicht nur tolerieren) zu können.
Der Saturn steht für eine bestimmte Phase in der Entwicklung des Kindes, wo die Mutter erheblichen stabilisierenden und auch prägenden Einfluss auf das Kind hat. Der Mond als Sinnbild für die Mutter stellt eine andere Ebene oder psychologische Schicht von Bezügen auf die jene Archetypik der Mutter dar.
Es wurde von Befürwortern der klassischen Astrologie manchmal sehr abwertend geäußert, dass die klassische Tradition nun einmal besage, dass der Mond die Mutter repräsentiert, mitunter auch das 4. Haus - und es "daher Unfug ist", den Saturn als Symbol für die Mutter zu nehmen. Diese Äußerungen sind offensichtlich subjektiv und zeigen, dass diese und andere Argumente im Grunde oft bloß auf einem unausgewogenen Idealismus beruhen. Schon Manilius hat beschrieben, dass es eine Affinität zwischen Saturn und dem vierten Haus gibt:Am entgegengesetzten Pol (dem IC) senkt sich das Universum hinab und berührt die Grundlagen, und aus den Tiefen der Mitternacht erstrahlt im Rücken der Erde ein Licht in jener Region, in der Saturn seine ureigenste Macht zeigt: Vor Urzeiten selbst vom Herrscherthron im Himmel verstossen und aus seinem Reich gewiesen, hat er als Vater die Macht über das Geschick der Väter und die Bürde des Alters. (Manilius; Astronomica)
Das vierte Haus und der Tempel des Saturns, ist für manche antiken Astrologen auch insgesamt das Haus der Eltern gewesen, und das 10. Haus steht in Beziehung zur Ehe des betreffenden Horoskopeigners. Weiterhin ist dieses 4. Haus (IC) der Tempel der Dunkelheit mit Analogien zum Mutterschoß.
Saturn begrub seine Nachkommen in seinem eigenen Pseudo-Mutter-Schoß, und verschloß sie dort, weigerte sich sie zur Welt zu bringen und daher wurde (mit List) eine künstliche Geburt eingeleitet. Das Prinzip des Abschliessens und Abgrenzens korrespondiert mit der Gebärmutter und es ist nicht abwegig, auch die frühe Kindheit mit der starken Abhängigkeit des Kindes von der Mutter als symbiotischen oder saturnischen Status Quo zu definieren (womit der Bezug der Mutter zu Saturn endgültig zwingend wird).
Die Opposition
zwischen Saturn und Mond befindet sich auf der wichtigsten Achse des
Horoskops, wenn man traditionelle Zuordnungen berücksichtigt. Dabei
fällt auf, dass in einer alten Zeit sowohl Sonne und Mond in ihren Zeichen Löwe und Krebs
jeweils als Einheit gesehen wurden, und Saturn beide gegenüberliegende
Zeichen beherrschte (!), und damit sowohl Sonne, Saturn und Mond sich gegenseitig
bedingen (Sonne/Saturn) oder zumindest gewisse Ähnlichkeiten aufweisen
(Saturn/Mond).
Nun gibt es weiteres und weiteres, was man anführen kann und schliesslich kommt man irgendwann auch zu den Ansichten, wie gross der Orbis sein soll, für irgendeinen Aspekt.
Da benutzen manche antiken Astrologen sogar überhaupt keinen Orbis, sondern betrachten die Verbindungen von Planeten, die sich ausgehend von den Verhältnissen zwischen den Zeichen ergeben, der Zeichen, in denen die Planeten stehen (Zeichenverhältnisse); - wenn also Mars irgendwo in Widder steht, ist es egal wo ein Planet in Waage steht, dies würde grundsätzlich eine Opposition bedeuten.
Wenn man Aspekte aufgrund ihres Winkels (zB 90°) und eines gültigen Orbis definiert, stellt das wiederum eine andere Ebene dar. Es ist klar, dass man beide Betrachtungsweisen nicht gleichsetzen kann, denn jede hat ihre Bedeutung und Ebene bzw. Perspektive. Die Zeichenebene wirkt sich fundamentaler aus, ist aber auch hintergründiger und nicht so offensichtlich und akut wie ein genauer Aspekt vom Winkel her gesehen.
Ich selbst habe einige Dinge (Wahrheiten) für mich durch eigene Intuition entdecken können, die ich dann in der klassischen Astrologie bzw. den Äußerungen der alten Autoren später (!) wiederfand, was mich auch darin bestätigt, dass "Wissen" unabhängig von Tradition sein kann: Wissen ist.
Weiteres habe ich erst angeregt durch die klassischen Autoren wirklich nachvollziehen können - und doch gibt es einige Dinge, die von klassischen Autoren berichtet wurden, die ich selbst anders sehe. Und es gibt Dinge, von denen die klassischen Astrologen noch nicht berichtet haben.
Was für uns richtig ist, weil es sich so für uns präsentiert, könnte für jemand anderen unbrauchbar sein. Von Wahrheit ist hier noch nicht mal die Rede, sondern von der Schwierigkeit zu überprüfen, ob die Ansichten eines (anderen) Astrologen nun von seiner Sichtweise und Methode (Herangehensweise) abhängen, seinen Rahmenbedingungen, ob sie objektiv wahr sind usw.. Ob es sogar Täuschungen und Verallgemeinerungen sind, oder brauchbare Ansätze. Ob etwas im Kern stimmig ist und nur unstimmig gedeutet wird. Ob irgendeine Meinung letztlich an subjektive Bedingungen geknüpft ist, oder auch für andere nachvollziehbar ist (und zwar in der Praxis).
Man kann annehmen, dass viele der
klassischen Lehren auf
wirkliche seherische Leistungen einer weit zurück liegenden Zeit
zurückgehen; damit stellt sich aber auch die Frage, ob die Zeit sich
nicht geändert hat, und einige der Zuordnungen (zB Dekanate oder
Grenzen) sich gewandelt haben. Sollten wir denn nicht lieber versuchen,
die Dinge selbst zu überprüfen? Da kommt so mancher klasssische
Astrologe und wirft einem vor, man würde sich über die alten
Astrologen stellen. Solche Aussprüche zeugen von einer ziemlich
festgefahrenen Dogmatik und lassen nicht wirklich erkennen, dass da
jemand an Wahrheiten denkt.
Andere Dinge scheinen so sehr mit der
schöpferischen Ordnung zu korrespondieren (Würdenlehre), dass wir
glücklich sein können, dieses Wissen zur Verfügung zu haben, weil
es über die Jahrhunderte hinweg bewahrt oder konsolidiert wurde, und vor allem in Form gebracht wurde.
Manches
mag
eingehend und prompt
überprüft und auch von weiteren Astrologen nachvollzogen werden können,
zum Beispiel was die männliche Natur der
Planeten angeht, die vor der Sonne aufgehen (zB Morgenstern Venus und
Morgenstern Merkur, aber auch alle anderen Planeten), was zB Ptolemäus
schon genannt hat. Trotzdem kann es in diesen und anderen Bezügen auch
wieder einmal um
verschiedene Perspektiven, Skalen gehen, mit der erst die Draufsicht
auf irgendeinen Sachverhalt kalibriert wird. So dass man den richtigen
Blickpunkt gewinnt.
Und darum zu wissen,
dass
es sichmanchmal um Perspektiven und Relationen handeln könnte, kann uns
vielleicht ebenso Aufgabe sein, wie überhaupt die Anwendung zu
verstehen, die uns überliefert wurde.
Die klassischen Astrologen (heutiger Zeit) weisen oft eine besondere Relation zur Logik und zur Rationalität auf, und können mit vermeintlich esoterischen Gedankengut nur wenig anfangen. Wenn ich ehrlich bin, halte ich die klassischen Astrologen (der alten Zeit) für überaus statthafte Esoteriker.
Dennoch
enthalten auch die modernen esoterischen Aussagen oft eine tiefe
Wahrheit, die über das rein Offensichtliche hinaus gehen mag.
Edgar
Cayce, der sich regelmässig in Trance begab, erwähnte, dass auch
der Mensch und alle Wesen als Ganzes das Sonnensystem beeinflussen.
Die Sonnenflecken in ihren Zyklen
und Spitzen werden durch gewisse Impulse der Menschheit
genährt; diese Impulse auf der Ebene des Lebens der Erde rühren
aus der Auslebung des Lebenskern her, und werden auf der Ebene
der Sonne weitergeführt oder wiedergespiegelt.
Wir stellen fest, dass meist Kompensationen der Sonnenkraft gelebt
sind, die als Veräusserungen gelten können, und nicht als
Verwirklichungen. Solche Thesen oder Ansichten können einem Logiker
natürlich als sehr abwegig vorkommen. Meiner Meinung nach sind solche modernen seherischen
Leistungen aber sehr viel wert, genauso viel wie die alten Lehren
der Klassiker. Edgar Cayce und Alice Bailey haben sehr vieles über die
Astrologie ausgesagt.
Manchmal ist
es
eine Frage der Vorrangigkeit, also Sichtweise, und dazu gehört sehr
vieles, auch was die Einschätzung zB des Planeten Mars angeht. Mars
steht
einerseits im Zusammenhang mit der Sonne und ihren Absichten der
Verwirklichung, und zeigt unseren Überlebensdrang und Fähigkeit zur
Selbstständigkeit an. In klassischer Hinsicht wird aber vorrangig eine
ganz andere, technischere Ebene betrachtet, nämlich die
energetische Wirkung des Mars auf andere Planeten (und anderes). Die
Belange von
Lebensbereichen (Häuser), die mit Mars über Dispositor oder
Herrscherbezüge angesprochen sind - was jedoch durchaus noch im
Zusammenhang mit der
Psychologie und unserem Leben steht.
Hier wird die Perspektive wach gerufen,
dass wir es mit Kräften und der Natur von Planeten zu tun haben;
diese Natur wird erst in einem zweiten Deutungsschritt auf die
Ebene der in uns wirksamen, alltäglichen Psychologie gehoben, die die
klassischen Astrologen weniger als wie die heutigen angewendet haben
- die moderne Astrologie lenkt
die Sicht eher auf die Auseinandersetzung
mit diesen Kräften, und kommt
erst durch die Auseinandersetzung, die auf der Ebene
der Psychologie eines Menschen stattfindet, dann zu den Kräften
und Naturen der
Planeten. Sie beobachtet daher eigentlich mehr die Erscheinungsform,
während die klassischen Astrologen die Ursache begutachteten.
Von daher wird Saturn
auch nicht mehr als Übeltäter in erster Linie bezeichnet, weil wir in
der Auseinandersetzung mit dem Leben finden, dass er relativ normale
Entsprechungen zeitigen kann.
Wenn Saturn einerseits für die tiefenpsychologische Prägung durch die Mutter steht, und dann für die Phasen des Erwachsenenlebens auch für Autoritäten, die sowohl von Männern wie Frauen verkörpert sein können, wird dieser Widerspruch mit den verschiedenen Schichten und Bedeutungsebenen der Planeten leicht verständlich. Ebenso wie die sogenannten esoterischen Herrscher nach Bailey. Es wäre doch allein schon mit der Vernunft einsichtig, dass das ganze Leben nicht allein auf einige wenige Schichten und Perspektiven der Astrologie bezogen werden kann.
Es gibt eine enorme Vielfalt des Lebens, die sich mit den 7 Planeten darstellen lassen muss - sonst hätte Astrologie keinen Sinn, wenn das Leben darin nicht enthalten wäre. Dabei aber gestaltet sich alles mit denselben Faktoren, die jedoch eine Vielzahl von Ebenen und Perspektiven aufweisen. Vieles hängt davon ab, auf welcher Ebene wir etwas betrachten. So gibt es also die klassische Ansicht, dass die Sonne im Grunde ein Malefizplanet (bzw. Stern) ist, aber es gibt auch die Ansicht, dass sie unser Lebenszentrum darstellt und durch die Eigenschaft und Präsenz von Lebensfreude durch Verwirklichung unser wichtigster Faktor im Radix ist.
Es gibt die Ansicht, dass Saturn aufgrund seiner Natur ein Malefizplanet ist, aber auf einer anderen Ebene betrachtet, steht er für die wichtige Strukturierung unserer Persönlichkeit und Beharrung auf einen festen Standpunkt als Fels in der Brandung.
Die Erhöhungen und Fälle, und auch die Exile sind nicht so offensichtlich wie die Domizile. Es ist jedenfalls eine Mär zu behaupten, dass sie allein betrachtet schon stichhaltig genug wären.
Man muss auch den Dispositor betrachten und sonstigen Stand eines Planeten in seinem hintergründigen Zusammenhängen in einem Haus, auch die Aspekte des Planeten beurteilen, oder ob Rückläufigkeit vorliegt - weil diese genannten Bedingungen erst einen Stand im Exil oder Fall wirklich zu einem ungünstigen Stand machen werden.
Man muss bedenken, dass es zwischen Planet und Zeichen um Energien geht. Bei einem Quadrat oder einer Opposition ist es klar, dass die Energien sich gegeneinander aufbringen und in der Folge auch mehr Dynamik entsteht, und ähnlich dynamisch verhält es sich mit Exilen oder Fällen. Denn auch hier stehen Energien im Widerstreit. Allerdings steigert sich die Energie als Potenz nicht bei einem Fall oder Exil, wie es bei Aspekten vorkommt.
Bei einem Domizil wird der Planet allerdings in seiner Potenz gesteigert. Ob das Exil oder ein Fall gravierende Schwierigkeit verursacht hängt von weiteren Faktoren ab (vor allem dem Stand des Dispositor), letztendlich vom ganzen übrigen Radix.
Ein Planet im Domizil kann auch in gewisser Weise tyrannisch herrschen.
Man
ist
im Leben auch mit
einem oder mehreren Planeten im Exil oder Fall noch erfolgreich, und
das zeigen
Horoskopbeispiele von Prominenten. Gewiss gibt es da manchmal auch Planeten
im Domizil oder in der Erhöhung.
Das
Beispiel Friedensreich
Hundertwasser zeigt aber unter vielen Beispielen, dass ein
rückläufiger
Mars im Fall (mit Quadrat von Uranus) und verbrannter Merkur im Fall
(in Konjunktion mit Saturn überdies) dennoch für eine erfolgreiche
Malerkarriere stehen können, während ansonsten kein Planet in einem
Erhöhungszeichen oder Domizil steht.
Was Planeten in Exilen oder Fällen verursachen, kann auch mit sich bringen, dass man das Leben tiefgründiger erfahren oder gestalten kann, weil man durch diverse Krisen der Auseinandersetzung an Lebenserfahrung hinzugewinnt.
Viele
bemängeln immer wieder den Gedanken, dass Intuition erst zu
einer
stimmigen Deutung führen könne. Viele entwerten die Intuition - als sei Intuition etwas, was nicht zur
Astrologie, schon gar nicht zur klassischen Astrologie gehöre.
Ich
bin
dann geneigt anzunehmen, entweder sie deuten intuitiv und
wissen
es nicht, dass sie es tun, oder aber sie haben ihre Intuition noch gar
nicht geweckt und deuten zu sehr mit den verstandesmässigen
Assoziationen und gedanklichen Konstruktionen von Zusammenhängen, oder,
was verheissungsvoller für eine stimmige Deuutung klingt:
allein auf Erfahrung gründend. Dann aber muss man fragen, wie bewerten
sie denn die Erfahrung, und ordnen ihre einzelnen Erfahrungen zu den
richtigen astrologisch bestimmenden Faktoren zu, wenn sie nicht
intuitiv dabei vorgehen? Ohne Intuition - wage ich zu behaupten - kann
das nicht geschehen. Also sind die meisten wohl schon in der einen oder
anderen Weise intuitiv, ohne dass sie es wissen.
Intuition führt zu konkreten Einsichten. Man hält Intuition oft aber fälschlicherweise für das Werkzeug von Träumern, hält die Intuition für Einbildung.
Intuition kennt eine gewisse Schwelle der Eindeutigkeit, und meiner Meinung nach hatten die alten Astrologen eine sehr stark entwickelte Intuition. Daraus resultierten auch viele Aussagen über die Natur der Planeten oder Besonderheiten der Deutung.
Das was die klassische Astrologie wertvoll macht ist besonders die Erfahrung mit der Stundenastrologie, deren Aussagen uns überliefert wurden.
Aber diese Erfahrungen drücken sich stets in beispielhaften Deutungen aus und nicht immer in Regeln. Applikative Aspekte und andere die Aspekte berührende Besonderheiten bedeuten Regeln. Ein Mond im Leerlauf ist gerade noch so eben eine Regel, aber dieser Mond muss auch noch im Zusammenhang des übrigen Radix gedeutet werden, ist also schon keine absolute Regel mehr. Und muss nicht immer bedeuten, dass nichts mehr passiert - gemäß der überlieferten Bedeutung eines Leerlaufmondes. Es hängt eben vom Einzelfall ab.
Ob der Herrscher des 7. Hauses für bestimmte Fragen wichtig ist, und was auch immer alte Astrologen hier an Zusammenhängen herausgefunden haben, hängt auch von der Fragestellung ab. Aber auch von der Sichtweise auf die Stundenastrologie. Wie gesagt, die Methode ist nicht absolut sondern muss dem Astrologen als Interpreten entsprechen.
Eine Regel ist üblicherweise, dass nur die applikativen Aspekte an Kraft zunehmen, und zeigen, was noch wird, aber es ist ein Mär moderner Astrologierichtungen, dass man in der Stundenfrage nur applikative Aspekte, und dagegen die separativen Aspekte überhaupt nicht berücksichtigen sollte (denn die separativen Aspekte können einiges "erzählen").
Und dass Quadrate immer schlecht sind, ist ebenfalls eine Mär - doch meist nur unter Anfängern verbreitet. Die einzelnen Faktoren müssen eine gewisse Dichte aufweisen und dann kann man folgern, was aus einer Sache wahrscheinlich werden wird. Manche meinen, es gäbe nur eine mögliche Stundenastrologie, nämlich eine klassische. Ich halte das für nur einen weiteren Beleg für die unter klassischen Astrologen verbreitete Dogmatik, in der der Glaube und Unglaube mehr zählt, als wirklich fundierte Astrologiekenntnisse. Denn das Stundenhoroskop IST auf vielerlei Wegen deutbar. Man muss nicht jede Rezeption beachten. Natürlich können erweiterte Methoden das Ergebnis genauer machen, aber Vorraussetzung ist das nicht. Ob ich nun in die Breite (viele Regeln und Merkmale beachten) oder Tiefe (wenige Faktoren tiefgründig und mit Intuition deuten) eines Radix gehe, stellt noch einen weiteren Umstand auf, aber nicht unbedingt Unterschied im Ergebnis.
Dass
man Mars und Saturn als Übeltäter beschreibt, macht Sinn, da dies
Kräfte der Trennung sind, während die tiefste Grundanlage unserer
Zufriedenheit auf einem Einheitsgefühl basiert (zB Venus, Jupiter, Neptun). Alleine diese Aussage
ist nur eine von vielen, um diese Planeten als Malefizplaneten zu
rechtfertigen.
Es gibt andere Beschreibungen mit anderen
Wertzuschreibungen - sie ersetzen nicht, sondern erfüllen ihren Zweck
in ihrem angestammtem Bereich.
Was
manche
modernen
Astrologen meist vernachlässigen, während sie eine solche
Schwarzweissmalung kritisieren, ist die allgemeine Relativität
der
einzelnen Konstellationen, aber auch die grundlegende Tatsache, dass
es sich nur um eine Deutungs-Perspektive handelt. Um ein Werkzeug der
Beurteilung, nicht Determinierung. Es kommt drauf an, was ich als
Astrologe dem Klienten an Aussagen mitgebe, nicht was ich in meinem Kiopf technisch denke.
Es
kann sich
die Wirkung eines Malefizplaneten auch umkehren in die günstige
Wirkung, zum Beispiel je nachdem wie die Herrscherbezüge von Häusern
sind oder in welchen Häusern diese Malefiz-Planeten stehen und was für
einen
Aszendenten man hat. Da Saturn zB bei einem Jungfrau Aszendenten
meist über das fünfte und sechste Haus herrschen -
Steinbock/Wassermann - und das 6.
Haus
neben dem 8. und 12. Haus als ungünstige Häuser angesehen
werden. Die Stellung eines Malefizplaneten in einem traditionell
schlechten Haus (zB Saturn in 8) muss allein auf den Planeten bezogen
werden, denn auf das Haus bezogen ist klar, dass Saturn in 8 als viel
schwieriger erlebt wird, als wie wenn er im 10. Haus stünde. Aber als
Planetenkraft wird er im 8. Haus eine Energie vorfinden, die ihn
anscheinend nicht weiter "stört". Anders Jupiter im 8. Haus, ihm stört
dieses Umfeld des "Stirb und Werde" tendenziell. Haus und Planet
stellen zwei Energiearten dar, die sich miteinander ähnlich (aber
nicht genauso!!) verbinden, wie Planet und Zeichen.
Für die Domizile ist es klar, dass es eine allgemeine Überprüfbarkeit auch in heutiger Zeit gibt. Die Domizile sind über jeden Zweifel erhaben und stellen die Herrscher des Zeichens dar. Immerhin gibt es zB für die Erhöhungen jedoch unterschiedliche Auffassungen der alten Astrologen (siehe unten).
Allerdings sind die uns bekannten Erhöhungen eigentlich aufgrund eines siderischen Tierkreises entstanden und wurden nur auf den tropischen und im Westen bekannten Tierkreis übertragen (siehe dazu gil Brand S. 188-189; Lehrbuch der klassischen Astrologie); - die Erhöhungszeichen wurden nur aufgrund eines einzelnen Grades definiert, und einige alte Astrologen nahmen ausschließlich diesen Grad um einen bestimmten Planeten als erhöht anzusehen, andere einen gewissen Bereich vor und nach diesem Grad. Wieder andere der alten Astrologen nahmen das ganze Zeichen.
Tatsache ist
aber,
dass diese
Erhöhungen von den späteren klassischen Astrologen des Mittelalters
zwar als stichhaltig empfunden wurden, und dass auch heute Einigkeit darüber herrscht - aber die Begründung der
Erhöhungen lässt entweder eher auf eine bestimmte Perspektive
oder
Sichtweise schliessen, oder aber - so zeigt es die Quellenforschung auf
- auf ursprüngliche Fixsterne (wonach 700 n. Chr. die Babylonier zu den
einzelnen Erhöhungsgraden kamen). Nun, was spielen diese Einwände für
eine Rolle, wenn man die Erhöhungszeichen überprüfen kann?
Irgendwie scheinen sie stimmig.
Dennoch
liegt es auf der Hand, dass
jeder Planet zu den zwölf Zeichen in unterschiedlicher
Resonanz
steht und es nicht nur denkbar ist, sondern auch durch Erfahrung
bestätigt werden kann, dass es vielleicht Erhöhungen und Fälle zweiten
Grades gibt. Also weitere Stellungen von Planeten in Zeichen, die man
als etwas günstiger ansehen kann, als wie andere Stellungen eines
Planeten in Zeichen - soweit sie noch nicht klassischen Domizilen oder
Erhöhungen zugeordnet sind.
Die Aussage, dass die Exile und Fälle sich theoretisch und plausibel rechtfertigen lassen, und zwar aus der Wirkung von Gegensätzen und Harmonien (dass also die Exile und Fälle immer gegenüber ihren starken Positionen stehen müssten), oder dass die Übeltäter Mars und Saturn in einem Quadratverhältnis zu ihrem Erhöhungszeichen Steinbock und Waage stehen (das ihrer Wirkung entspricht) - das ist wahrscheinlich stimmig.
Immerhin
ist das
Erhöhungszeichen des Mondes ein Sextil weit entfernt (Stier) und das
der Sonne ein Trigon (Widder), das des Jupiters ist aber ein Quinkunx
weit entfernt (Krebs) und das der Venus ebenso im Sextil (Fische von
Stier aus gesehen) als auch im Quinkunx (Fische von Waage aus gesehen).
Nun bilden Sextil und Trigon harmonische Aspekte, aber ein Quinkunx
steht zwischen harmonischen und spannungsreichen Aspektarten.
Verfolgt
man diese Energien (wie sie durch die Aspektverhältnisse angezeigt
sind), kann man Belege finden, so dass zum Beispiel der Jupiter in
Krebs in seinem Quinkunxverhältnis zum Schützen ein besonderes Streben
erzeugt, was seiner Natur der Entfaltung entspricht (das Quinkunx
erzeugt als Eigenschaft ein Streben) usw.. Es gibt also schlüssige
Ansätze, um die klassischen Würden mit Stichhaltigkeit zu
untermauern.
Dieses Muster ist in sich logisch, aber natürlich auch hinterfragbar; die Erfahrung zeigt mir aber, dass die klassische Würdelehre insgesamt sinnvoll ist und nicht nur praktisch tauglich ist, sondern auch logisch eine Struktur des Zodiaks aufzeigen kann; - man muss jedoch die einzelnen Erhöhungen und Exile usw. deutlich voneinander differenzieren, sie sind jeweils im Vergleich nicht gleich stark.
Noch ein Umstand kommt hinzu: Ein Mars in Krebs oder Stier hängt davon ab, wie der Herrscher des Krebs (Mond) bzw. des Stiers (Venus) steht. Natürlich haben das schon einige klassische Autoren erwähnt. Es scheint jedoch, dass man dies, auch unter modernen klassischen Astrologen, gern vernachlässigt und die Würden isoliert betrachtet - dabei aber leicht nur die Oberfläche betrachten mag, und zu falschen Urteilen kommen könnte, was nämlich die tatsächliche Auswirkung eines Planeten im Exil angeht.
Was als
sicher gelten kann ist, dass jeder Planet in Bezug zu allen zwölf
Zeichen eine jeweils absolut
individuelle Wirkung entfaltet.
Und die
klassische Würdenlehre offenbart die deutlichsten Hervorhebungen. Wobei
es noch interessant sein könnte, dieses System weiter zu erforschen und
aus heutiger Sicht die Begründbarkeit nachzuvollziehen, vielleicht die
zugrundeliegende Perspektive zu verstehen, ohne bloß an das System
zu "glauben".