Informationen und Überlegungen über die Exaktheit der Zeitangaben der archivierten Beobachtungen bei AstDyS (Archivlisten)

Eine Anfrage bei Sternwarten in Bezug zum Datenmaterial bei AstDyS und MPC hat einige Informationen ans Licht gebracht.

Technik und Aufbereitung der Beobachtungs-Daten

Zunächst, dass es zweierlei Aufnahme-Techniken geben kann. Eine übliche fotografische, und eine moderne digitale Technik (CCD), die wohl erst seit etwa 1990 zum Standard wurde.

Bei einer Fotografie wird die Belichtungszeit in der Regel etwa 30 Minuten betragen; - relativ schnell sich bewegende Asteroiden erscheinen dabei als Linie, die Sterne bleiben Punkte. Eine zweite Aufnahme ist dann nicht mehr nötig.

Die Spalte 3 in der AstDys Liste zeigt an, um welche Art der Aufnahme es sich handelt: steht dort ein C ist es eine digitale Aufnahme, die üblicherweise weniger als eine Minute dauert.
Fehlt eine Angabe in dieser Spalte, oder steht dort ein P oder A, ist es eine herkömmliche fotografische Aufnahme.

Bei den digitalen Aufnahmen werden mehrere Aufnahmen benötigt, um eine Bewegung des Himmelskörpers zu identifizieren, die in der Regel auch mindestens 30 Minuten auseinander liegen.

Es ist noch eine offene Frage, ob bei einer Angabe, dass es sich um eine digitale Aufnahme handelt, diese Aufnahme eine einzige ist, oder ihrerseits schon eine errechnete Mitte mehrerer Aufnahmen bedeutet. Mir ist das noch etwas vage - aufgrund der nicht immer klaren Antworten auf meine Anfragen bei Sternwarten -,  da es auch Aussagen darüber gibt, dass vereinzelt mehrere Aufnahmen übereinandergelegt werden, um das sichtbare Licht zu verstärken (wie mir mitgeteilt wurde, wird bei diesem Vorgang  die errechnete zeitliche Mitte aller zugrundegelegten Aufnahmen genommen). 

Glücklicherweise gibt es oft an einem Tag mehrere (digitale) Aufnahmen, die zeitlich nicht allzusehr auseinanderliegen. Zumindest in diesen Fällen kann man sicherlich von einer Tatsache sprechen, dass mit jeder Angabe nur eine Aufnahme gemeint ist. Vielleicht ist dies, trotz aller Bedenken, auch die Regel bei den meisten archivierten Aufnahmen.

Da man die Mitte errechnet und für die Datenlisten heranzieht, ist es ausgeschlossen, dass die Zeitangabe sich auf den Anfang oder das Ende einer Aufnahme, und dadurch bei Fotografien eine Ungenauigkeit von 30 Minuten ergeben würde.

Bei üblichen Fotografien ist es ebenso die errechnete MITTE zwischen Beginn und Ende der Aufnahme, die herangezogen wird. Das ergibt da eine relative Unschärfe von 15 Minuten nach unten und evtl. oben (in der Zeitskala), und zwar im astrologischen Sinne, da man üblicherweise ja den Anfang einer Sache symbolisch verwertet. 

Man weiss nie genau, wie lange die fotografischen Aufnahmen wirklich dauern. Das heisst, es können 20 Minuten oder auch mal 40 Minuten Belichtungsdauer sein.
Die Problemlage entschärft sich jedoch, wenn man einfach diesen abstrakt anmutenden Mittelpunkt einer Aufnahme vorbehaltlos übernimmt. Und zumindest bei eindeutigen Aszendenten bei einer Unschärfe von 15 Minuten davon ausgehen kann, dass sich nichts grundlegend ändert an den Stellungen im Radix.
Andernfalls könnte man also 15 Minuten Unschärfe einkalkulieren und zwar bei Anfangs-/Endgraden, und auch bei schnell aufsteigenden Zeichen.

Asteroiden zwischen Mars und Jupiter bewegen sich (in Bezug zur Observation durch Observatorien) relativ schnell und sie erscheinen bei einer Aufnahme von 30 Minuten deutlich als Strich. Ferner liegende Asteroiden hinter Pluto bewegen sich allerdings so langsam, dass sie erst im Vergleich von Aufnahmen sichtbar werden, die mindestens eine Nacht auseinanderliegen.

Leider ist ja nun nicht angegeben, welche Aufnahme /Uhrzeit wirklich der Entdeckungsaufnahme entspricht. Wenn man jedoch die erste Zeit des betreffenden Tages nimmt, müsste man sich symbolisch gesehen in einem tauglichen Deutungs-Rahmen bewegen. Denn die erste Beobachtung eines Tages entspricht ja per definition einer ersten Sichtung des entsprechenden Tages. Ein astrologischer Grundsatz ist ja eben, stets die Anfänge zu berücksichtigen bzw. als Ausgangspunkt für Horoskoperstellungen zu nehmen. Und viele Astrologen, die mit Entdeckungshoroskopen arbeiten, nahmen auch in dieser Art das erste Horoskop des Tages.
Dennoch ist es natürlich eine gewisse Frage nach dem wirklichen Tatbestand einer Entdeckung, welche Aufnahme also dem Umstand entspricht, dass ein Astronom durch Prüfung der Aufnahmen auf einen Asteroiden aufmerksam wurde, denn unter Umständen kann diese Aufnahme einen bestimmten Aszendenten hervorbringen. Aus diesem Grunde habe ich in meiner aaf-Datenliste zum Teil eben mehrere Aufnahmen eines Tages berücksichtigt.

Geringe Unwägbarkeiten

Eine geringe Ungenauigkeit der Daten (auch der originalen Daten) ist im Prinzip unvermeidbar. 

Folgende Punkte sind der Vollständigkeit halber angeführt, und ich führe sie nur an, damit man sich ein komplettes Bild machen kann. Wer sich diese Umstände genau überlegt, wird - relativ zu den oben genannten Informationen - finden müssen, dass die gegebenen Uhrzeiten in der Regel recht exakt sein sollten, die uns von AstDys vorliegen. Das Maß an maximaler Ungenauigkeit könnte man - siehe oben - bei 15 Minuten nach oben und unten ansetzen.

1) Einmal liegt eine Unwägbarkeit bei der bereits oben erörterten Frage nach dem tatsächlichen Zeitpunkt der Aufnahmen (bei AstDyS). Das ist jener Umstand, dass man als Betrachter der AstDyS Seiten nicht genau weiss, wie lang eine Belichtungszeit in jedem Fall wirklich ist, weil diese nicht genau angegeben wird; und noch etwas: nach MPC Vorgaben soll jede Sternwarte bei der Übermittlung der Beobachtungsdaten die errechnete Mitte einer Aufnahme angeben. Doch anzunehmen ist, dass diese Regel nicht immer galt oder dieser Standard einwandfrei eingehalten wurde. Vor allem in früheren Zeiten (ca. 1860-1900, vielleicht sogar bis 1930, oder gar 1960). 

Die ersten Photografien aber waren erst anno (frühestens) 1838 möglich. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Chronik_der_Fotografie 2). So gesehen waren die ersten Entdeckungen also "mit bloßen Augen gemacht", und dürften gerade wegen diesem Umstand, sofern eine Zeit angegeben wurde, sehr genau sein und mit der Entdeckung wahrscheinlich korrespondieren. 

2) Die weitere Ungenauigkeit ist nicht der Rede wert und kommt zustande durch einen geringen Verlust an Umrechnungsgenauigkeit (je nach dem, wieviele Kommastellen man bei der Umrechnung der Dezimalzeit berücksichtigt - denn die Angaben bei AstDys werden in Dezimalzeit, nicht in normaler Stundenuhrzeit gemacht). 

Auch wenn die Angaben in meiner Datenliste die Sekunden manchmal berücksichtigen, soll das nicht über diese Punkte hinwegtäuschen und keineswegs eine Genauigkeit suggerieren, die es wahrscheinlich nicht gibt. 

3) Betreffend der Koordinaten der Standorte von Observatorien: Die Orte wurden von mir genau geprüft, und die wichtigsten Observatorien mit mehreren Listen abgeglichen, also mit anderen Listen, wo ihre Koordinaten angegeben wurden. Und zwar habe ich möglichst (für die nach Zahl häufigst genannten Observatorien) die originalen Angaben übernommen, welche auf der Observatorien Code Liste stehen. Dabei kann man davon aus gehen, dass diese auf das Observatorium gemünzt sind, und nicht auf den Mittelpunkt des in Frage kommenden Ortes. Aber eine wirkliche Sicherheit darüber,  ist nicht aus weiteren Angaben zu entnehmen. Schliesslich habe ich für meine aaf-Datenlisten bei weniger bekannten Observatorien nur noch den Ort genommen, der bei MPC angegeben war. Die mögliche Abweichung hält sich aber hier in verschwindend kleinen Grenzen und kann vielleicht maximal einen Aszendenten-Grad betragen (=entspricht etwa 1°-2° der Koordinaten). Das wäre aber schon maximal und von 100 Orten kommt es vielleicht einmal vor.

April 2007
Stefan Arens