Saturn. DAS SATURN PRINZIP IN DER ASTROLOGIE UND IM RADIX. Astrologie. Planet. Bedeutung. Symbol. Prinzip. Das Ich erhält Struktur und Grenzen. Verantwortung. Disziplin. Karma. Selbstständigkeit. Druck. Konsequenz. Beharrung. Streben. Leistung. In der Astrologie steht Saturn oft für Ängste. In unserer Psychologie geht es um Belastbarkeit.

Das Saturn Prinzip in der Astrologie

In der Astrologie deutet der Planet Saturn als positive Verwirklichungsweise das Streben eines Menschen nach strukturierter Gesetzmässigkeit an. 

Mit Saturn können wir in unserem Leben realisieren, was sich bereits  in uns selbst als erstrebenswertes Ziel heraus  kristallisiert hat - und das können und sollten auch Lebensträume sein! Das kann und sollte das Selbst sein! Der Kern der Wahrheiten sollte aus echten Lebensthemen bestehen. Denn diese unsere Wahrheiten des Lebens werden von Saturn gnadenlos geprüft werden. Sagen wir statt gnadenloss: gewissenhaft und fundamental. Alles, worauf wir wirklich stehen können, und das heisst, ohne dass das Gleichgewicht verloren geht, ist tragfähig für die Zeit, die wir erleben.

Saturn konfrontiert uns mit Wirklichkeiten, an die wir wie auf eine Mauer stoßen. So werden wir geprüft, ob unsere Träume verwirklichbar sind, oder in welchem Ausmaß sie das sind. Es muss keine Mauer sein, auf die wir stoßen, und so handelt es sich mit Saturn meist auch um eine Bestärkung, dann erhält unser Vorhaben Kontur und Substanz oder wir sehen uns darin bestätigt, diese Kontur und Substanz erhalten zu wollen.

Dann haben wir Saturn etwas entgegengesetzt, der uns ansonsten fühlen lassen würde, dass wir in irgendeiner Weise beschränkt wären. Beschränkt ist unser Fähigkeit, unsere Ressource, das Sein oder das Haben.
Aber gleichwohl erhalten wir mit jeder Beschränkung auch einen Teil unserer Identität! Was wir nicht sein oder haben können, formt schliesslich das, was wir sind und festigt auch dies, was wir sind. Die Gefahr liegt darin, dass wir uns freiwillig beschränken, obwohl uns vom Schicksal oder Recht mehr zustünde. Ein anderer Fall ist es, wenn wir uns anstrengen etwas zu erhalten oder zu behalten, aber die Möglichkeiten nicht vorhanden sind, dass wir es behalten oder erhalten. In beiden Fällen kann von einem Saturnkomplex die Rede sein, wenn wir uns nicht klar machen können, was wirklich zu uns gehört. Und was wir in einem gegebenen Augenblick uns entscheiden sollten, wie wir damit umgehen können, wenn wir etwas nicht erreichen können.
Saturn ist nicht primär dafür verantwortlich, dass genommen wird, eher umgekehrt steht Saturn für das, was wirklich bleiben kann oder erreicht werden kann.

Wir sollten uns einen Maßstab setzen, der sich an uns misst, und nicht an anderen. Wir können oft das Problem des Mißverhältnisses lösen, das zwischen den uns gegebenen Möglichkeiten und unserem Wollen entsteht. Manchmal können wir Einfluss ausüben auf die äußeren Bedingungen. Doch viel öfter erweist sich bei Saturn, dass wir uns selbst verändern müssen. Dass wir eine innere Struktur herausbilden, die den Gegebenheiten entspricht.
Aber dabei sollten wir uns nicht nicht von vorneherein anpassen an äußere Bedingingen, weil wir es aufgeben, unsere Ziele zu verfolgen! Es kann bei Saturn wichtig sein, unhaltbare Ziele fallen zu lassen oder deren Verwirklichung zu verschieben, aber das hängt davon ab, wie die Lage ist, und wie wir selbst sind, und es hängt nicht alles von Saturn ab. Saturn ist nicht der Lehrmeister, der uns das Loslassenund Niederknien  lehren würde. Sondern er lehrt uns eine Art realistisches Bewusstsein, das die Konsequenzen bereit ist zu tragen. Und Konsequenzen sind zunächst nicht gut oder schlecht, sie sind im Sinne Saturns: wertneutral, sind einfach nur das Resultat des Lebens.
Da Saturn so sehr mit den Konsequenzen zusammenhängt, was dem Saturn als Kraftpotential innewohnt, kommen wir auch oft zu einer beharrenden Einstellung, mit der wir einwirken wollen auf die Umwelt oder auf uns Selbst.  

Saturn zu verstehen, geht am besten über den Ansatz, ihn zunächst als Neutralität einzustufen. Damit wir die übliche Verfangenheit überwinden, in die wir schnell geraten, weil wir die meisten Probleme des Lebens in einem Saturnkomplex sehen könnten.
In der Tat fehlt uns in gegebenen Augenblicken oder Situationen des Lebens vieles, was von Saturn beigesteuert werden könnte: Wir geraten leicht aus unserer Bahn, lassen uns (ver)biegen, und verkörpern in dieser Weise einen negativen Saturneinfluss, der uns von aussen erreicht. Wir könnten meinen, das Außen sei schuld, aber wir selbst sind die Fläche, auf die Saturn einwirkt. Um diese Verbiegung zu verhindern, kommen wir dann oft dazu, auf andere oder Umstände einzuwirken, damit wir uns nicht verbiegen müssen.
Ein echtes, ehrliches, lebensnahes Empfinden kann die Verrücktheiten einer sturen oder rigorosen Saturn-Mentalität enorm beschwichtigen helfen, ja sogar heilen. Vorraussetzung dafür ist, dass wir keine Angst davor haben, die natürliche Lebendigkeit mit all dem ungeordneten und scheinbar sinnlosen Chaos zuzulassen.
Angst ist für Saturnkomplexe das Schlüßelwort. Diese Angst ist bei Saturn zwar einfach strukturiert, aber deshalb auch so mächtig. Wie ein bleiernes Gewicht wird die Atmosphäre, in der wir leben, durchzogen von einer Angst, die an all dem rührt, was für diese Angst empfänglich ist.
In erster Linie sind das oft Gedanken an eine bevorstehende oder mögliche Zukunft, und zwar aufgrund vergangener Erfahrungen. Hier sehen wir die Achse Steinbock/Krebs angesprochen: Saturn/Steinbock steht für das, was wird, und der Krebs hat bereits erfahren, was werden kann und so kann es zu einem Gefühl der Ohnmacht und des Druckes kommen, wenn sich Realität mehr und mehr zu etwas verdichten zu scheint, das uns Angst macht. Aber all diese Herausforderungen zeigen uns genau das, woran es uns mangelt und was wir durch solche Prüfungen endlich auch in uns selbst heranbilden können:
Saturn steht im Radix für Festigung und Stabilität, aber auch für das geistig-seelische Rückgrat.

Saturn und seine astrologische Wirkung auf die Psychologie des Menschen

Saturn steht für die Tragfähigkeit und Belastbarkeit, und für die Fähigkeit, etwas zu stabilisieren oder etwas unverrückbar zu machen. Mit ihm kommen wir zur konzentrierten oder ausdauernden Leistung und erkennen Notwendigkeiten. Wir betrachten eine mögliche Konsequenz und dafür nötiges Streben als Tugend, die für den Erfolg verantwortlich sein kann.

Es geht bei Saturn ausserdem um die Bereitschaft, eine Verantwortung zu übernehmen, um die wesentlichen Dinge in ihren Konturen und Manifestierungen zu stabilisieren - doch sollte man stets bedenken, ob man moralischen Pflichten nachgeht, welche den eigenen Werten nicht entsprechen, oder ob man wirklich zur eigenständigen und auf echtem Gewissen beruhenden Verantwortung kommt. 

Saturn verleitet allgemein zur Anpassung an Umstände oder soziale Bedingungen. Es können dadurch unbewusste Gewohnheitsmuster entstehen, die solange einen Druck auf uns ausüben, bis wir zu eigenen und selbstverantwortlichen Haltungen gegenüber unseren Lebensumständen kommen. Der Druck entsteht, weil wir  etwas Bestimmten nicht standhalten können.

Um den Druck auszuweichen, versuchen wir bestimmte Maßstäbe einzuhalten, die aber nicht im Einklang mit unserem Lebenszentrum (Sonne) stehen könnten.
Weitere Erfahrungen können dann immer wieder diese Drucksituation verursachen, und immer wieder werden wir feststellen, dass die Maßstäbe nicht richtig sind und der Realität nicht standhalten.
Zu dieser Realität gehört - es kann nicht genügend betont werden: auch unser Lebenskern, unser Sein als Mensch. Wir können das Leben mit seinen eigenen Gesetzen jederzeit missachten, sollten es aber nicht. Denn Saturn wird nichts anderes tun, als diese falsche Lebensweise zu festigen - und was haben wir dann davon? Nur mehr das Gefühl, den Anforderungen nicht gerecht werden zu können. Vielleicht bekommen wir sprichwörtlich einen krummen Rücken oder andere psychosomatische Probleme, die daraus resultieren könnten, unser seelisches Grundempfinden vernachlässigt zu haben.
Wir sollten diesen Ausgangspunkt des Normalmenschlichen wählen  und kein Idealbild des Menschen bevorzugen, um nicht auf eine starre und fehlgeleitete Art und Weise der Lebensbewältigung zu geraten, die uns später doch nur zeigen wird, dass sie falsch ist. Saturn lässt alles kristallisieren, heranwachsen, werden, verdichten, was wir selbst bereit legen, dass es verdichtet werden soll. Wie wir leben, werden wir.

Unbewusst und zum grossen Teil aus Angst (vor dem Druck) neigen wir dazu, uns vom Leben bewegen zu lassen, uns etwas eingeben zu lassen, und von aussen bestimmte Haltungen aufzubauen, anstatt diese Entscheidungen  wie wir leben selbst zu bestimmen- was zudem nicht nur auf die Anpassung an die Umstände zielen sollte, sondern die Entscheidungen sollten berücksichtigen, was uns unser eigener Maßstab (Gewissen) vorgibt. So werden wir authentisch und lassen diese Authentizität wachsen.

Saturn steht für das geprüfte Wissen. Weisen und Lehrer verkörpern Wissen. Leider wird das Wissen gewöhnlich zu einseitig verkörpert, als rein materielles Wissen. Da fehlt also die Wurzel des eigentlichen Lebens , das Unsichtbare und dennoch Wirkliche wurde abgeschnitten. Ein solches rein materielles Wissen zeigt ebenfalls Konsequenzen. Wir sehen, dass allein Technik (Uranus) die Probleme des Lebens nicht lösen kann, wenn die Bodenhaftung (Saturn) fehlt. Wir können den Menschen mit Hilfe der Technik nicht zu etwas mutieren lassen, das er wesentlich nicht ist, um ihn dann noch Mensch zu nennen.

Der Planet Saturn in der Astrologie und im Radix

Eigentlich steht Saturn in der Astrologie - als Planetenprinzip - nicht direkt für die vielen Eigenschaften, die man ihm gewöhnlich zuschreibt: Disziplin, Bescheidenheit, Routiniertheit, Standfestigkeit, Robustheit, Ausdauer und Belastbarkeit usw.
Denn Saturn erzeugt durch seine astrologische Wirkung auf uns einen Druck, diese Eigenschaften in uns heranzubilden. Diese typischen Eigenschaften sind in der Verwirklichung Antworten von uns, und zwar auf die Wirkung von Saturn als Prinzip. 

Saturns reine Eigenschaften in seiner prinzipiellen Erscheinungsweise lassen sich mit folgenden Worten umschreiben:
Kontraktion, Konzentration, Zusammenziehung, formstabilisierend, Starrheit, Verdichtend, Dichte, Stein, Festigend, Bleiern, Unbeweglichkeit, Masse, Trägheit.

Wenn man einem noch biegsamen Ast "Saturn" hinzufügt, wird dieser Ast starr und fest. Saturn bewirkt eine Art Festigung und Konzentration. Eine Sache wird durchdrungen mit den Eigenschaften der fixierenden Stabilität und der Dichte - Bewegungsunfähigkeit entsteht aber damit auch Struktur und Stabilität. Doch auch diese Stabilität, die Gewichte zu tragen imstande ist, kennt ihre Grenzen. Ein Ast, der biegsam ist, kann eine gewisse Biegung erfahren bis er zerbricht. Ein Ast, der nicht biegsam ist, hat kaum eine Flexibilität, und kann unter Einwirken von Kraft aber ebenso zerbrechen.

Diese Wirkung des Saturns, führt neben der Festigkeit auch zu einer Eigenschaft, wie sie Blei besitzt; - Blei, das sich in einer Sache ausdehnt oder die Sache von innen erfüllt und eine "handfeste Tatsache" schafft. Zu dieser Eigenschaft des"Blei" zählt die Dichte und Festigkeit. 

Struktur ist nur eine solche, wenn sie auch fest gefügt ist und in dieser Art und Weise bestehen bleiben kann.

Der Ast würde unter weiterer Hinzufügung von "Saturn" schließlich nicht nur eisenhart werden, sondern ab einem gewissen Punkt würde der Ast - bedingt durch die konzentrierte nach Innenwendung auf einen Punkt hin - tatsächlich zusammenschrumpfen zu einem winzigen, aber mit Festigkeit geballten Punkt. Sicherlich eine Einheit, aber vollkommen unbeweglich und ohne Möglichkeit.  

Dies könnte innerhalb der Ebene von irdischer Materie bzw. innerhalb der hier wirkenden Gesetze niemals endgültig erreicht werden, weil jeder materielle Bestandteil einen gewissen Raum einnimmt. Irgendwann ist ein Punkt der Belastbarkeit erreicht, und die Dinge werden ab dann nur noch spröde bis sie ihre substantielle Struktur und ihren integralen Aufbau verlieren und sprichwörtlich zerbröseln und zu Staub verfallen. Hierzu passt, das Saturn tendenziell austrocknend wirkt. Oder wie in der Antarktis zerspringen  lebendige wässrige Bestandteile durch den Druck der Kälte, die auf die  Materie bzw. das lebenstragende Wasser ausgeübt wird.

Saturn steht dennoch für Struktur und Integrität, aber das zu verallgemeinern und direkt Saturn zuzuschreiben ist ein Irrtum. Denn Saturn sorgt nur dafür, dass unter den massgeblichen Bedingungen der jeweiligen Strukturen - die für jedes Ding oder jede Sache anders aussehen können -,  diese Strukturen aufrecht erhalten bleiben können. Alle Kräfte sind vorhanden, und Saturn ist nur eine Kraft von vielen. Aufgrund dieser Vorhandenheit aller Kräfte kann aber Saturn schliesslich jene Eigenschaft von Integrität zeigen. 

Ein Zerquetschen entstünde durch Druck von aussen, aber Sprödigkeit ist eine Eigenschaft, die durch Verfestigung und Konzentration der Dichte entsteht, nicht durch Druck an sich. 
Nach Überschreiten der Sprödigkeit werden Dinge brüchig. 
Saturn scheint von oder nach innen zu wirken.

Sprödigkeit liegt nicht direkt im Prinzip des Saturns begründet, sondern ist die Wirkung, die von Saturn in den Eigenschaften der Materie ausgelöst wird - die Sprödigkeit ist eine Eigenschaft oder Folge der Eigenschaften der Dinge oder Materie. Sprödigkeit findet dort ihre Ursache aufgrund materieller Beschaffenheit und Anordnung, sie wird jedoch von Saturn indirekt bewirkt durch die Zugabe von "Dichte". 

Druck von aussen wird von Saturn nur insoweit beeinflusst, als er für die konzentrierte oder festigende Eigenschaft dieses Drucks sorgt, auch für die konzentrierte Wirkung auf einen Punkt hin. Saturn kann allerdings ein Resultat zwingender Notwendigkeiten verkörpern, und spiegelt daher auch äußeren Einfluss wieder, insofern jemand oder etwas eine solche Notwendigkeit erkannte (die Saturnstellung kann in der Stundenastrologie Auskünfte darüber liefern, zB welche Sachzwänge der Frage oder dem Thema zugrundeliegen).

Nimmt man einem Ast alles an "Saturn" weg, dann wird der Ast wie jedes andere Ding im Grunde zur Flüssigkeit ohne Festigkeit. Eine gallertartige Masse.

Auch die Form ist keine Eigenschaft des Saturnprinzips. Saturn kann nur eine Form festigen durch Dichte, und begrenzen durch Abschluß, wobei dieser Abschluß eine Schale oder Begrenzung nach außen bedeutet, ein äußerer Abschluß.
Mit der Festigkeit eines Abschlußes wird das Wirken von Saturn veranschaulicht. Und er sorgt dafür, dass Dinge gefestigt oder stabil sein können, ihre Form oder Integrität nicht verlieren. 

Integrität heisst, dass eine Sache eingebettet ist in ein Ganzes, und eine Funktion erfüllen kann in Angesicht weiterer Teile und Einflüsse.

Unsere Persönlichkeit besitzt eine Abgrenzung und Festigkeit, die eine Entsprechung zu Saturn ist. Wenn ein Mensch nicht mehr so leicht zugänglich ist, und nicht offen, bezeichnet man ihn als spröde. Diese Sprödigkeit korrespondiert mit der harten Schale, die ein solcher Mensch mit seiner Persönlichkeit gegenüber der Aussenwelt gebildet hat.

Saturn wirkt auf den Ebenen des Lebens nun etwas anders, als wie er als Prinzip zu beschreiben ist. In der Psychologie und auf der mundanen Ebene steht Saturn für die bereits genannten Eigenschaften, zB: Beharrung, Verantwortung, Belastbarkeit, Ausdauer. Oder Saturn steht für bestimmte Dinge und Angelegenheiten, wie Autoritäten, Behörden, Staat, Prüfungen. Saturn kann in der Psychologie des Menschen auch für mechanisierte Routinen, Selbstverständlichkeiten und Gewohnheiten stehen. Auch der Schlaf als Zustand ist eine typische Eigenschaft von Saturn.

Äußere Einflüße verkörpern ein gewisses gewordenes Etwas, nämlich eine Festigkeit an Wirkung, die mit der Zeit entstand; - das entspricht auch Saturns Eigenschaft, etwas fassbar zu machen. So gesehen zeigt Saturn etwas Handfestes auf, etwas, das zustande kam und nun als Tatsache nicht mehr zu leugnen ist.
Aber es tritt auch eine gegenteilige Wirkung auf, und zwar kann Saturn durch seine bewegungslos machende Eigenschaft verhindern, dass sich etwas, das noch keine genügende Kristallisation oder Dichte aufweist, sich strukturiert oder ausbildet zu einer greifbaren Form. Nur durch zusätzlichen Aufwand oder Gestaltungswillen, kann dann die nötige Schwelle überschritten werden.
Und schließlich kann ein Punkt erreicht werden, ab dem etwas nicht mehr oder nur schwer aus seiner Struktur zu bringen ist.

Saturn und Angst

Esoterisch gesehen steht Saturn für die Konfrontation mit unseren Schwächen und altem Karma. Bei den persönlichen Schwächen ist der äußere Druck und die äußere Belastung grösser, als wie das Maß an Belastbarkeit, das wir dem Druck entgegen stellen können. Ausserdem werden wir aufgefordert, an unseren Schwächen zu arbeiten - der astrologische Faktor Saturn erzeugt einen solchen Druck, den wir eigentlich gar nicht haben wollen, aber ironischerweise fügen wir uns dem, weil wir eine gewisse Lebenshaltung nicht loslassen können. Daher kann Saturn uns zeigen, was nicht stimmt. Ängste oder Beklemmungen sind oft ein Zeichen dafür, wo etwas nicht stimmt. Indem wir diese Ängste als ein solches Zeichen interpretieren, wo etwas nicht stimmt oder wir etwas falsch machen, ergibt sich in einem weiteren Schritt beinahe zwangsläufig, dass wir uns positiv verändern.

Innere Stabilität dank dem Planet Saturn

Wir selbst können dank der jeweiligen Stellung des Saturn in unserem Radix  zu einem Fels in der Brandung werden - wenn wir uns auf Saturn einlassen und ihn gewissermaßen in uns verkörpern, als Instanz gesunder Grenzen. Was wir selbst nicht vollbracht haben, wird uns gewöhnlich von außen zur Erfahrung gebracht. Bei Saturn merkt man oft eine daraus entstehende Belastung, oder Einengung. Wir müssen in der Lage sein, die nötigen Strukturen unserer psychischen und geistigen Gesundheit auszubilden, dann werden äußere Erfahrungen, die mit Saturns Wirken zusammenhängen, nicht mehr als so belastend erfahren werden können.

Saturn kann uns auffordern, zu überdenken, ob unsere Einstellung mitsamt allen Wünschen, Ängsten und Hoffnungen noch zeitgemäß ist, ob sie haltbar und tragfähig ist oder wir einfach etwas ändern sollten. Das betrifft oft unser ganzes Lebenskonzept, Lebenseinstellung, die Art, wie wir unserem Leben alltäglich begegnen.
Wir suchen uns irgendeinen Punkt in unserem Leben, zum Beispiel das Hier und Jetzt, und können betrachten, warum wir entsprechend handeln oder fühlen. Die Ursachen unseres augenblicklichen Seins könnten verschiedene weit zurück reichende Dimensionen unseres Erlebens offenbaren, und nicht immer sind diese Ursachen unbewältigt. Was aber unbewältigt ist, hält uns im Schach. 

Wenn wir diesen Druck oder die Ursache beheben wollen, müssen wir wohl ober übel oft ein Gefühl klären; zB kenne ich jemanden der jederzeit unter Zeitnot klagt, denn er hat das Gefühl, zu kurz zu kommen, etwas wesentliches zu verpassen. In der Art und Weise lebt er sein Leben nicht, sondern ist immer auf den Sprung, hat immer Ziele vor Augen, nie im Hier und Jetzt. Zu klären wäre, ob das Ziel, die Zeit so gut zu erleben, wie es geht, durch so eine Haltung eigentlich erreicht werden kann, wenn man niemals im Augenblick das Gegebene vollständig auskosten kann. Das Gefühl, das dahinter steht, könnte zum Beispiel in einer gewachsenen Gewohnheit einerseits, aber auch in Verdrängung andererseits bestehen. Saturn lässt sich aber nicht verdrängen, höchstens die eine Sache, die einem momentanen Saturnkomplex Auftrieb verschafft. Da ist dann etwas, was uns antreibt, uns so zu verhalten, wie wir es tun. Das Gefühl ist dabei oft künstlich in uns gewachsen, stammt vielleicht noch aus schwierigen Entscheidungsnöten der Kindheit, wo wir begannen uns in diese Richtung zu bewegen, in der wir uns noch heute bewegen. Es ist und bleibt wirksam, uns immer wieder zu erinnern... - bis wir die Gefühle oder hinter dem momentanen Verhalten steckende Angst oder Hemmung klären, und vielleicht uns einfach mal sagen: Das denke, erlebe und sehe ich jetzt anders.
Um das zu tun, oder eine wichtige Schwelle zu überwinden, muss manchmal Kraft, Willensstärke oder Wissen angesammelt werden. Auch dafür steht Saturn und sogar ganz besonders. So kann Saturn uns wahrer Lehrmeister werden, weil es im letzten Sinne immer auch dem Leben (und dem seelischen Wachstum) dient. 

Zuerst also gibt es ein Problem,  eine Unausgeglichenheit, oder Unverhältnismässigkeit. Das, was fehlt, braucht nur noch ergänzt werden und das Problem ist gelöst. Saturn verweist oft auf diese Dinge, die uns fehlen, und die solange ein Problem veranschaulichen, bis wir sie integrieren, verkörpern oder zur bedeutsamen Realität bringen. 

Das betrifft auch Aspekte zu anderen Planeten. Steht Saturn in Konflikt mit der Sonne, müssen und sollten wir ganz besonders darauf Acht geben, nicht etwa den Saturn zu stützen, sondern die Sonne zu stärken. Also unsere Vitalität, unser Selbst in ein Verhältnis mit Saturn zu bringen. Saturn überträgt  sein Verlangen auf andere Planeten, in Bezug zu sich selbst ist Saturn gleich einem Faktor, der für sich selbst sorgen kann. Aber in Bezug zu anderen Faktoren muss immer ein Verhältnis zu der Forderung von Saturn gefunden werden. Und in erster Linie bändigt er die anderen Faktoren, damit sie geprüft werden, damit sie stärker werden. Damit sie konsolidiert werden, und überschiessende Reaktionen kontrolliert werden können. Mit Saturn erhalten wir ein grosses Stück Kapazität oder Potential, um zu wachsen. Manchmal kann dieses Wachstum eine gewisse Zeit benötigen.

Saturn in uns selbst stellt einen Ruhepunkt dar, eine Art Mitte, und einen Kern, der sich nicht anfechten lässt. Es ist wichtig zu unterscheiden, was in uns starr und überholte Gewohnheitsmuster sind, und was wirklich fundierte, ausreichende und keineswegs beengende Strukturendes Lebens sind. Saturn braucht man nicht überbetonen, es genügt das richtige Maß zu finden - und das lässt sich auf alles übertragen, was mit Saturn zu tun hat. Im ganzen Leben geht es oft um das richtige Maß.
Wenn man in jeder Sache oder Angelegenheit das richtige Maß zwischen äußerer Notwendigkeit und eigenem unangetastetem Freiraum findet, dann findet man vermutlich die richtige Art, wie man mit Saturn umgehen kann.

NACH OBEN
Stefan Arens
April 2008