Willkommen auf der Homepage von Stefan Arens!
Komm März
Tief am Grunde säumte bergige Landschaft das Tal.
Durch das Astwerk einer alten Eiche war die Hügelkette im
Dunst zu erkennen.
Ich befand mich in der Stadt Fernensberg, sie war im Grunde sehr von Quadratren
geprägt.
Man
hatte es damals genau ausgemessen - das muss so vor 1000
Jahren gewesen sein - wo der Mittelpunkt zwischen den vier Stadtmauern
lag. Die Stadt mit ihren Stadtmauern, die infolge der Anordnung des
Tales eher paralell zueinander
angelegt waren. Doch um den exakten Mittelpunkt errichtete man einen
grossen quadratischen Platz zu Ehren des Kaisers von Agralantharam.
Ich
ging weiter von dem Baum weg, in die Mitte des Platzes, der aus unzähligen, grossen und grauen
quadratischen Steinplatten bestand. Ich blickte über den Stadtrand hinweg und sah den aufragenden Hügelkamm, der das
Tal in Richtung Sonne von einem Nirgendwo dahinter abschnitt.
Graue Wolken oder
grauer Himmel, und ein eisiger Wind wehte mir ins Gesicht, und unter die
Jacke. Ich schlug die Kapuze des Parkers, der ein französisches
Hoheitszeichen am Ärmel hatte, über meinen Kopf.
Ich
drehte mich um, und sah vor
mir am Rand des Platzes das Steinhaus mit dem Kunstmuseum darin.
Daneben das barocke grosse Haus mit der Botschaft. Alte
ehrwürdige Steinplatten, dessen Innenfläche nach aussen gewölbt aus dem
Stein hervorlugen. Barocke Verzierungen schmückten die hohe Fassade mit den
vergitterten langen
Fenstern. Eine Fahne mit gelb-schwarzen Streifen auf blauen Grund war über dem Eingang befestigt.
Weit
hinter den beiden Häusern führte eine lange Straße den Hügel hinauf und
verschwand an einer Stelle des einen Hügelkamms, der sich mit einem
anderen Hügelkamm überkreuzte. An dieser Stelle
befand sich ein wundervoller Wanderweg in den Wald, den ich eigentlich
bald
aufsuchen wollte.
Die Breitspurgasse zu meiner Linken mit der kleinen Kirche aus dem
15. Jahrhundert war sehr breit, und die Häuser des Viertels meist
Bungalows, so dass sich dahinter eine weite Landschaft von Häuserzeilen erstreckte.
Die Dächer des Judenviertel und die quadratischen Hinterhöfe des Chinaviertels wurden dem Blick
offen gelegt. Die Häuserzeilen mit den roten Dächern erstreckten sich
dort drüben einem leichtem Anstieg der Landschaft entgegen. Man konnte
sogar den Kiellamringhinplatz erkennen.
Bevor ich in der
Landschaft der Umgebung wandern wollte, musste ich unbedingt etwas
essen - bedauerlicherweise machte mir zudem das Wetter wenig Lust am Wandern. Sodann
marschierte ich durch die Bahnhofsstraße. Es ist heute deutlich wärmer
als gestern. Der Frühling hält auf leise Art Einzug.
Ich
ging zum Marrokaner und bestellte mir gedämpfte Teigwaren
mit einer leckeren Füllung. Ich aß mitten vor der Theke, aber es kam
kein einziger Kunde - es schmeckte vorzüglich.
Eine würzige Sauce rundete das kulinarische
Vergnügen ab.
Ich
trank einen wohltuenden Saft aus Mangos,
Kiwis und
Orangen, was alles vom Marokkaner frisch gepresst wurde. Ein
wunderbares Leben, alles war so glücklich und strahlte Kraft und
Zufriedenheit aus. Als hätte das jemand gehört, denn die Sonne senkte
goldene Zuversicht über den Platz, was durch den Kontrast der dunklen
Wolken besonders reizend aussah.
Ich
überlegte mir nun, wie das alles in eine Welt passt, wo man mal keinen
Urlaub macht, sondern sich der Normalität ausgesetzt sieht. Ich holte
meinen grossen Laptop X 1000 aus der Tasche und suchte die kleine
Kirche
auf. Das Laptop war regensicher, ich scheute den Regen wie die Katze.
Die Kirche war orthodoxen Ursprungs. Das Laptop war geil. Ich
hatte ein Modell erhalten, an das man einen Extra-Akku
anschließen konnte, um so eine Kapazität von 10 Stunden zu erreichen.
Ich liebe es, umher zu wandern, sowohl mit Füßen als in Gedanken, und
zwischendurch an ruhigen Orten etwas zu schreiben. So zu tun, als hätte
man für die Leute was zu tun, ist manchmal erforderlich, um nicht als
Verrückter zu gelten. Aber wenn man wirklich etwas schreibt, sollte das
ein Vergnügen sein.
Als ich in Japan auf der privaten Wirtschaftsmesse des Großindustriellen Pekingawaidsalamta war, gab es dort einen Stand von Kayotowakaimanabum.
Diese Firma hatte sich darauf spezialisiert,
Laptops herzustellen, die auf 3,50 Meter wasserdicht sind und allgemein
sehr robust waren. Man konnte sie gewissenhaft aus Brusthöhe fallen
lassen. Ich bekam einen Prototyp, eben mit dem besonderen Akku. Es war
ein vorläufiges Modell, da der Akku noch verhältnismässig schwer war.
500 Gramm immerhin. Das Laptop wog einen ganzen Kilogramm.
Ich
bekam es als Geschenk für meine inoffizielle Mitarbeit bei der Ausspähung zukünftiger Firmeninteressen bei
Hunkcihnfallabumbam GmbH und Co-Argehmanabumbum AG und unter
Nichtbeteiligung der einflussreichen Allgemeinen Instanzfürfragen Ltd..
Also.
Nein. Ich gehe jetzt nicht wandern, sondern schreibe noch ein wenig an
dem Roman. Was ist ein Roman nichts anderes, als die Geschichte, die
wir dem Leben geben?
Nun in der Kirche machte ich mir Gedanken. Ein ruhiger Ort. Ich sah mir
mal ein Bild über den Kapitalismus an und verknüpfte dies mit dem
Traumvorgang, der keineswegs surrealistisch sein muss. Mein Blick
schweifte durch den dunklen Saal der kalten Kirche. An der östlichen Wand der
Kirche hingen dunkle Bilder von orthodoxen Würdeträgern oder Imanen.
Ein weiteres Bild handelte von einem Hirtenleben mit zu gross
geratenen Figuren, die einen Beutel mit Goldmünzen trugen und sehr
traurig aussahen. Es gab einem hohen Turm hinter der Hirtenszene,
aus dem es rauchte und Flammen loderten.
Ich machte mir nun Gedanken, dass es ein allgemeines Prinzip bei jeglichen Erfolg gibt. Es gibt immer wieder den Hinweis, dass der Erfolg sich dadurch einstellt, dass man immer wieder einen neuen Weg geht, um etwas zu tun, um es besser zu tun. Einen zeitgemässen und angebrachten, aber dass man durchaus eine gewisse Absicht beibehält. Diese Absicht ist es, um die alles geht. Diese Absicht ergibt sich von selbst. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wer glaubt noch, dass das Denken oder Schlussfolgern mit dem Verstand das einzige Mittel wäre, um zu richtigen Verhaltensweisen zu kommen? Doch muss man erst mal darauf kommen. Und das ist das Geheimnis des Erfolgs. Denn manch einer verwechselt es mit Instinkt. Es ist freilich eine Spürnase für den Erfolg, und man hat es in sich oder nicht. Aber ganz allgemein ist das, was wir Erfolg im Leben nennen, gewiss etwas, was mit uns selbst zu tun haben muss.
Womit
man den März kommen sehen will, das ist etwas einfaches für den
Künstler.
Ich will
den Helden Stanislaff Waliperpenetrumbramsk eine Geschichte erleben
lassen, wie er vom Tellerwäscher zum Millionär kommt. Eigentlich
eine klassische Geschichte, doch soll es etwas anderes sein, als
die
Geschichte aus den Banikantersnland mit den Postulaten auf dem Rücken
und den Handys am Gürtel, und ihren munteren
Vorfahren, die die Welt gestalteten, in der Annahme, es wäre in
Ordnung, das zu tun und es wäre
gut für sie, so etwas zu tun. Und es sei für alle annehmbar. Vielleicht
dachten sie, man könne das eines Tages einfach aufhören, oder sie
dachten, jeder macht es doch schon so. Tatsächlich ist ein gewaltiges
Karrussel in Gang gesetzt worden, das die Welt aufrecht erhält.
Was
das
Besondere an der Geschichte ist, Stanislaff begreift den Zustand
des
Reichtums als einen inneren Zustand. Ein Gewahrsein. So wie ein
Künstler ein Bild vor Augen hat, das sich zwangsläufig für ihn ergibt,
weil man gewisse Dinge nur so erleben kann, wie sie sich ergeben. Und
was ist das Besondere daran? Ach, da hat man eine Absicht, die das
ganze Sein bedingt. Es ist genau das, was wir vom Leben erwarten. Und
es gibt richtig gute Erzählungen, die davon berichten, was eben nicht
alles möglich ist und die sagen meist, es wäre das andere nicht
möglich. Aber es soll auch Geschichten für diese Anderen geben, damit
sie es für möglich halten, was die anderen Leute nicht für möglich
halten. Und worauf es ja ankommt ist, dass es im Grunde alles
einerlei ist, wer was glaubt, tut, erinnert, sieht oder begreift,
weil es alles derselbe Vorgang ist. Eine Absicht, ein Tun, das wir
vornehmen. Wir wollen diese oder andere Facetten der Wirklichkeit
verdichten. So schaffen wir uns eine Haut gegenüber der Aussenwelt,
grenzen uns ab. Jetzt, nachdem wir begriffen haben, wieviel davon
abhängt, was wir uns denken, und wie wir auf jeden Reiz reagieren -
können wir uns entscheiden, welche Gestalt für unsere Lebensinhalte für
uns wohl möglich und tauglich sind. Wir tun es mit Lust für uns
selbst.
Oder kommen in die Hölle der U-Bahn-Schächte und versklaven uns an dunkle Dämonen, die in den Schatten der Gedanken in dunklen Gemäuern lauern und heimlich an dem Energieuniversum knabbern. Der Gewinn ist es, der uns antreibt, mit dem wir alle Sorgen gelöst sehen wollen. Kann es denn sein, dass alle Menschen träumen, den Traum des Kapitalismus, auf Eroberungsfeldzügen, oder tun die nur so? In der Tatm es sind nur wenige, die so felesenfest diesen fiesen Traum des bösen bösen Geldes träumen.
Was wollen wir denn denken? Ist es für manche nicht ein Verbrechen geworden, an Geld zu denken? Es ist ein Tauschmittel und man braucht keine Angst davor haben, auf eine Weise der Kunst Geld zu machen.
Ich ging aus der Kirche.
Endlich, so sagte ich
mir, hatte ich meine Beichte gegenüber meinen inneren
Dämonen abgelegt. Jene dunklen Schatten, die dich hinab ziehen ins
Vergessen.
Ich nahm das Tigerkraftseinplusgetränk von Gropenhansbergen GmbH und leerte es in einem Zug.
Sodann sprang ich in die Luft, verwandelte mich, und flog wie ein Vogel davon.
Dies
soll sein das grosse Ziel, dass alle Menschen fortan den Traum der
Kirchen austauschen, und ihre Frömmigkeit gegen den Traum ihrer Natura
Plura Hemisphäre einwechseln.
Ich ging in die Bank in der Fürstengasse, um von meinem Konto Geld abzuheben.
Dabei
bewunderte ich die Eigenart, dass es hier eine Bank gab. Und wie sie
funktionierte. Und ich war nicht mehr in Versuchung mir zu sagen, das
darf es nicht geben. So eine Bank. Mit dem, was dahinter steht.
Es ist wie mit den Raubtieren im Zoo, die sind auch dafür da, geliebt zu werden.
Nun
wollte ich noch einmal darüber nachdenken, wie das ist, mit den Banken,
und beschloss wirklich endgültig auf die Wanderung nach
Hintershofenbach zu verzichten.
Ich landete auf einem Dach,
pullerte hinab in die Untershausengasse, und verwandelte mich in einen
einheimmischen Dorfmenschen - natürlich bekam das niemand mit - so
setzte mich noch einmal in die Kirche und dachte nach. Es ist
interessant, dass die Verschwendung und Vergeudung von Lebenszeit
gegenüber dem Selbst, dass man dem Selbst so sehr den Rücken
kehrt, und dass der Raubzug gegenüber dem Selbst, der Verlust an
Hoffnung, Inhalt und Sein, dass das für die Leute nicht dramatischer
ist, als wie sie beobachten, dass die Banken in Agralantharam
generell von den Leuten Geld abzocken.